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Leistungsmotivation

Seminararbeit 2008 19 Seiten

Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Leistungsmotivation und Leistungsmotiv
2.1 Entwicklung der Leistungsmotivationsforschung
2.2 Leistungsmotivation
2.2.1 Allgemeine Erläuterung
2.2.2 Definition
2.3 Das Leistungsmotiv
2.4 Das Risikowahl-Modell von John W. Atkinson

3 Training und Förderung in der Schule

4 TAT - der Thematische Auffassungstest
4.1 Enstehung
4.2 Durchführung und Auswertung
4.3 Kritik am TAT
4.4 Exkurs: Anwendung des TAT auf gesellschaftlicher Ebene
4.5 Weitere Verfahren zur Messung des Leistungsmotivs
4.5.1 Die GITTER-Technik
4.5.2 Der French Test of Insight (FIT)

5 Schlussbetrachtung

6 Quellen

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Menschen sind Individuen. Wir unterscheiden uns nicht nur in Haut-, Haarund Augenfarbe, Größe, Statur und Gestalt, sondern auch in unserem Charakter und Wesen. Und doch, so verschieden, teilweise gar fremd wir uns gegenseitig auch vorkommen mögen, so viele Gemeinsamkeiten offenbaren sich, wenn man tiefer hineinschaut in das psychologische Gerüst des Menschen - basieren wir doch zu einem großen Teil auf einem gemeinsamen Bauplan. Dies gilt auch für die Eigenschaft des Menschen, ein Bedürfnis nach eigenem Handeln zu entwickeln. Bereits Kinder, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind unablässig damit beschäftigt, Dinge selber machen zu wollen. Offensichtlich gehört es also zu den grundlegenden Eigenheiten des Menschen, selber Handeln zu wollen. Die Ausprägungsformen dieses Bedürfnisses fallen wiederum sehr divergent aus, gut zu beobachten an handlungsbezogenen Wörtern aus dem täglichen Sprachgebrauch, beispielsweise ’fleißig’, ’faul’, ’engagiert’ oder auch ’motiviert’. Diese Differenzierung ist nur von Nöten, da jeder Mensch ein sehr individuelles Handlungsverhalten entwickelt. Diese Varietäten zu erforschen ist Gegenstand der Leistungsmotivationsforschung.

Sie beschäftigt sich mit der Frage nach den Motiven, die Menschen für ein bestimmtes Handeln entwickeln, damit, was Motivation ist und wodurch sie beeinflusst wird und damit, wie diese abstrakten Vorgänge messbar gemacht werden können.

Die Recherche zu diesem Thema gestaltet sich als sehr umfassend, da mittlerweile zahlreiche Veröffentlichungen über Leistungsmotivation und Motivationspsychologie im Allgemeinen erschienen sind. Interessant erschien mir, dass offenbar in den letzten 20 Jahren nur wenig neue Erkenntnisse veröffentlicht wurde. So sind die relevanten und aufschlussreichen Werke oft schon beinahe 40 Jahre alt und nach wie vor unverzichtbar; allen voran die Standardwerke von John William Atkinson, „Einführung in die Motivationsforschung.“, und Heinz Heckhausen, „Motivation und Handeln“.

In der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst den Begriff der Leistungsmotivation erläutern und diese am Risikowahl-Modell von J.W. Atkinson veranschaulichen. Anschließend werde ich den Begriff des Motivs definieren und schließlich die Bedeutung von Leistungsmotivation und -motiv für den Schulalltag ausführen. Im darauffolgenden Kapitel werde ich Sinn und Zweck des TAT, des „Thematischen Auffassungs- Tests“ zur Messung der Leistungsmotivation erläutern und dessen Durchführung beschreiben. In diesem Zusammenhang möchte ich noch ein weiteres Versuchsmodell vorstellen.

Zum Schluss der Arbeit werde ich ein Fazit ziehen, welches die gewonnenen Erkenntnisse nochmals resümiert.

2 Leistungsmotivation und Leistungsmotiv

2.1 Entwicklung der Leistungsmotivationsforschung

Bis in die dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts hinein wurden Bedürfnisse in der Wissenschaft nicht differenziert. Erst Henry A. Murray, ein amerikanischer Psychologe, traf eine Unterscheidung zwischen primären Bedürfnissen, also Hunger oder Durst, und sekundären Bedürfnissen wie „Leistungsbedürfnis[...], Anschluß- bedürfniss[...], Unabhängigkeitsbedürfnis[...], etc.“[1] und entwickelte Testverfahren, um diese näher zu bestimmen. Damit hatte Murray wichtige Vorarbeit geleistet, an welche die, ebenfalls amerikanischen, Psychologen David McClelland und John Atkinson in den fünfziger Jahren anknüpften und erstmals eine eine genauere Definition eines Motivs vornehmen konnten.[2] Dazu bedienten sie sich des sogenannten „Thematischen Auffassungstests“ (TAT), welcher von Murray entwickelt worden war und konnten so individuelle Motivunterschiede herausarbeiten. Dies allerdings gelang nur, da McClelland und Atkinson einen Auswertungsschlüssel entwickelten, der half, die Ergebnisse des TAT eindeutiger als bisher klassifizieren zu können.[3] So konnte zunächst der Begriff der Leistungsmotivation mit Inhalten gefüllt werden. Als Fortführung dieser Arbeit entwickelte Atkinson schließlich das heute noch gültige Risikowahl-Modell. Es stellt einen Bezug her zwischen dem Anreiz einer Aufgabe und der subjektiven Erfolgswahrscheinlichkeit und liefert Auskunft darüber, ob eine Person ein eher zum Glauben an Erfolg oder Misserfolg tendiert.[4]

2.2 Leistungsmotivation

2.2.1 Allgemeine Erläuterung

Der Vorläufer der Leistungsmotivation ist das „Selber-machen-wollen“[5]. Bereits Babys entwickeln früh den Drang, Tätigkeiten selbst durchzuführen. Mit bereits einem halben Jahr greifen sie nach einem Löffel oder einem Glas, und wollen diese Objekte selber zum Mund führen. Diese Entwicklung vollzieht sich allerdings vollkommen losgelöst von der Frage nach Erfolg oder Misserfolg. Erst im Alter von 2 1/2 bis 3 1/2 Jahren beginnen Kinder damit, ihr Handeln zu bewerten. Auffällig ist hierbei, dass Erfolg zumeist einige Zeit vor Misserfolg wahrgenommen und kommentiert wird. Dies dient aller Wahrscheinlichkeit nach dazu, Kinder vor allzu früher Entmutigung zu schützen.[6] Bei älteren Kindern spricht man schließlich von Leistungsmotivation, welche im Folgenden definiert wird.

2.2.2 Definition

Die Leistungsmotivation selbst ist nun eine besondere Form des Antriebs, etwas zu tun. Grundlegende Bedingung dafür, eine Handlung als leistungsmotiviert bezeichnen zu können, ist die Möglichkeit der Vergleichbarkeit mit einem Gütemaßstab, also einem Bezugssystem, welches auf Anpassung oder Abweichung beruht. Dieser Gütemaßstab kann sowohl von außen vorgegeben sein (extrinsisch) oder von innen heraus entstanden sein (intrinsisch). Ist letztgenanntes der Fall, so spricht man auch vom A nspruchsniveau .[7] Eine positive Abweichung der Normen dieses Systems bedeuten ein Erfolgserlebnis und bestätigen die handelnde Person in ihrem Tun. Im Gegensatz dazu führt eine negative Abweichung zum Erleben von Misserfolg und führt Scham oder anderen negativen Gefühlen.[8] Dies bedeutet konkret, dass die Handlung keinem spezifischen Nutzen dient außer der Vergleichbarkeit und dem dadurch bedingten möglichen Erfahren eines Erfolgserlebnisses. Dies lässt sich plausibel durch ein Gegenbeispiel veranschaulichen: stürzt sich ein Arbeitnehmer voller Elan und mit viel Engagement in seine Arbeit, um den Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass er ein besseres Gehalt verdient habe, so ist dies nicht leistungsmotiviert, da die Handlung einem konkretem Zweck dient - dem Mehrgewinn an Geld.

Eindeutig leistungsmotiviert hingegen ist das Verhalten des Joggers, der jeden Samstag auf unebenem Gelände unter größter Anstrengung versucht seine eigene Zeit zu verbessern. Der einzige Nutzen hierbei ist das Erfolgserlebnis in Verbindung mit einer Art der Selbstbewertung, ohne davon jedoch real zu profitieren. Es geht also um die Befriedigung des Ichs, der eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Der Entwickler des Thematischen Auffassungstests, H.A. Murray, von welchem später noch die Rede sein wird, umschrieb Leistungsmotivation wie folgt: „To accomplish something difficult. To master, manipulate or organize physical objects, human beings, or ideas. To do this as rapidly and as independently as possible. To overcome obstacles and attain a high standard. To excel one’s self. To rival and surpass others. To increase self-regard by the successful exercise of talent.“[9]

Die eben geschilderte Definition der Leistungsmotivation basiert größtenteils auf Atkinson; im Gegensatz dazu entwickelte Weiner seine eigene Definition, die im folgenden beschrieben wird. Sein Modell beruht auf der Theorie der Kausalattribution, welche besagt, dass Menschen versuchen, Erfolg oder Misserfolg eine Ursache zuzuschreiben. Unterschieden werden bei diesem Modell drei Ebenen: Ort der Kausalität, Stabilität und Ko]ntrollierbarkeit. Der Ort der Kausalität bezeichnet, ob Erfolg oder Versagen intrinsisch oder extrinsisch bedingt sind. Als Beispiel hierfür wäre ein Student zu beschreiben, der das Versagen in einer Prüfung entweder seiner mangelnden Vorbereitung, eine instabile Attribution, oder seinen schlechten Fähigkeiten, dies wäre eine stabile Attribution, zuschreibt (intrinsisch) oder einem Prüfer die Schuld zuschiebt (extrinsisch). Dies kann sowohl stabil als auch variabel sein, je nach dem, ob der Prüfer generell schlecht bewertet oder lediglich dieses eine Mal.[10] Entscheidend bei diesem Modell ist die Zeitstabilität. Wird Versagen mittels zeitstabiler Faktoren, also mangelhafter Fähigkeiten, erklärt, so wird dies auch für noch in der Zukunft liegenden Aufgaben angenommen. Die Person rechnet also mit Misserfolg. Werden hingegen zeitvariable Faktoren wie beispielsweise Pech oder mangelhafte Vorbereitung herangezogen, so wird die Erfolgserwartung weniger beeinflusst und lässt für die Zukunft alle Möglichkeiten offen.[11] Wie eine Person ihren Erfolg oder Misserfolg bewertet ist stark abhängig davon, ob die Ursachen extrinsischen oder intrinsischen Faktoren zugeschrieben werden. Kommen die Ursachen „von außen“, so wird kaum Scham oder Stolz die Folge einer Handlung sein, da die eigene Leistung nur unzureichend in die Bewertung mit einbezogen wird.[12]

Versuche zeigten, dass erfolgsmotivierte Personen bei Erfolg meist zeitstabile, intrinsische Faktoren bemühen, um Erfolg zu erklären. Umgekehrt verhält es sich mit Misserfolg: Dieser wird zumeist mit Pech oder Unglück in Verbindung gebracht und hat keine großen Auswirkungen auf die zukünftige Selbstbewertung. Misserfolgsmotivierte Personen hingegen argumentieren gegensätzlich. Da sie keinen Glauben an die eigenen Fähigkeiten haben, weisen sie ihren Misserfolg ihren mangelhaften Fähigkeiten zu, welche zeitstabil und nicht zu ändern sind, und führen Erfolg auf extrinsische Faktoren wie Glück oder Zufall zurück, die ohnehin nicht zu beeinflussen sind.[13]

Zusammenfassend kann man feststellen, das Erfolgsmotivierte auch zukünftig mit einer positiven Einstellung in Handlungssituationen gehen, da sie von ihren Fähigkeiten überzeugt sind. Misserfolgsmotiverte Personen hingegen vermeiden derartige Situation, um weiterem Misserfolg, der offensichtlich an ihnen selbst liegt, zu ver-meiden.[14]

[...]


[1] Rheinberg, S.54

[2] Heckhausen, S.34

[3] Rheinberg, S.55

[4] Meyer, S.8

[5] Rheinberg, S.54

[6] Heckhausen, S.232

[7] Schlag,S.76

[8] Wasna, S.23

[9] Murray, S.164

[10] Schlag,S.80

[11] Rheinberg,S.80

[12] Schlag,S.82

[13] Rheinberg,S.83

[14] Schlag,S.82-83

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640124565
ISBN (Buch)
9783640125005
Dateigröße
904 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112842
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,5
Schlagworte
Leistungsmotivation Lernmotivation Psychologie Lehren und Lernen

Autor

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Titel: Leistungsmotivation