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"Friedenspolitiken für das 21. Jahrhundert“ nach Galtung

von Irmgard Richter (Autor)

Ausarbeitung 2007 9 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhalts verzeichnis

Einführung

Negativer und positiver Frieden

Die politische Dimension

Die militärische Dimension

Die ökonomische Dimension

Die kulturelle Dimension

Referenzen

Einführung

Galtungs Tabelle „Friedenspolitiken für das 21 Jahrhundert“ (Galtung, 2004) gibt einen Überblick über Handlungsansätze, die in ihrer Gesamtheit auf die Erreichung bzw. Erhaltung von Frieden abzielen. Dabei unterscheidet Galtung zwischen „negativem“ und „positivem“ Frieden und ordnet die jeweiligen Handlungsansätze vier Macht-Dimensionen zu: politisch, militärisch, ökonomisch und kulturell. Aus diesen Zuordnungen ergeben sich acht Kombinationsmöglichkeiten; ihre Gesamtheit bezeichnet Galtung als den „achtgliedrigen Pfad“.

Negativer und positiver Frieden

Mit seinen Definitionen des „negativen“ und „positiven“ Friedens lehnt Galtung sich an die Debatte zur Definition des Gesundheitsbegriffes an, die mit der Erklärung von Alma Ata 1978 einen Höhepunkt erreichte und zu einer umfassenden Definition von Gesundheit führte (WHO, 1978). Gesundheit ist entsprechend der Definition der Weltgesundheitsorganisation, WHO, mehr als die Abwesenheit von Krankheit, nämlich der Zustand „vollständigen körperlichen, geistigen und seelischen Wohlbefindens“ (WHO, 1978).

Der Begriff des „positiven Friedens“ nach Galtung ist ähnlich umfassend wie der Gesundheitsbegriff nach der Definition von Alma Ata. „Positiver Frieden“ ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er beinhaltet das Streben nach gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen jeder Mensch die Möglichkeit hat, seine oder ihre Persönlichkeit zum eigenen Wohl und zum Wohl der Gemeinschaft frei von Repressionen zur Entfaltung zu bringen. Dieser umfassende Friedensbegriff ist eng mit dem Konzept der Menschenrechte verknüpft. Er beinhaltet Freiheit von direkter Gewalteinwirkung und von struktureller Gewalt. Mit struktureller Gewalt ist eine in gesellschaftlichen Strukturen verankerte Gewalt gemeint, die nicht in direkter Gewaltanwendung sichtbar wird, aber bewirkt, dass Menschen in ihren Lebensrechten eingeschränkt und an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit und ihrer Potenziale gehindert werden; z.B. indem Armut und extreme Ungleichheit als Normalität akzeptiert werden.

Der Begriff des „negativen Friedens“ ist enger gefasst und beinhaltet die Abwesenheit vom Krieg im Sinne der Einwirkung direkter Gewalt mit militärischen Mitteln. Der Begriff des „negativen Friedens“ steht also keineswegs, wie man aufgrund es üblichen Sprachgebrauchs für die Adjektive „negativ“ und „positiv“ annehmen könnte, in einem Gegensatz zu dem des „positiven Friedens“. Die Begriffe „negativ“ und „positiv“ drücken aus, dass für die Definition des „negativen Friedens“ das Nichtvorhandensein direkter kriegerischer Gewalt ausschlaggebend ist, während der „positive Frieden“ darüber hinaus durch das Vorhandensein von gesellschaftlichen Merkmalen geprägt ist, die Frieden in einem weiteren Sinne ausmachen.

Die politische Dimension

Die essentielle politische Voraussetzung für die Etablierung eines negativen Friedens im Sinne der Abwesenheit von Krieg ist nach Galtung eine globale Demokratisierung der Staaten. „Das zwischenstaatliche System muss demokratischer, das innerstaatliche System mit demokratischen Mitteln noch friedfertiger gemacht werden“ (Galtung, 2004). Zur Demokratisierung gehören als wesentliche Elemente die Respektierung und Stärkung der Menschenrechte und gleichzeitig die Weiterentwicklung des bestehenden Menschenrechts-Konzepts, das nach Galtung noch zu einseitig auf westliche Ideale bezogen, vom Modell männlicher, erwachsener Menschen westlichen Zuschnitts geprägt und zu stark auf die Rolle des Staates konzentriert ist. Wahlrecht und das Bestehen eines parlamentarischen Systems garantieren für sich allen noch nicht, dass Entscheidungsprozesse demokratisch ablaufen; zur Demokratisierung nach dem Verständnis von Galtung gehört auch der Ausbau von Ansätzen der direkten Demokratie, wie Bürgerinitiativen und Bürgerabstimmungen (Referenden).

Um darüber hinaus günstige Voraussetzungen für einen positiven Frieden zu schaffen, müssten laut Galtung nicht nur die Staaten selbst, sondern auch die Vereinten Nationen und ihre Organisation, die UNO, einen weitgehenden Prozess der Demokratisierung durchlaufen. Das Veto-Recht der Großmächte sollte abgeschafft werden, bei Abstimmungen in der UN-Generalversammlung sollte durchgehend das Prinzip „ein Land, eine Stimme“ gelten. Neben der etablierten UN-Generalversammlung, die eine Versammlung von Regierungen darstellt, sollte zudem eine Völkerversammlung (United Nations Peoples’ Assembly) der Vereinten Nationen etabliert werden, deren Mitglieder von der Bevölkerung der Mitgliedsländer direkt gewählt würden, z.B. nach dem Schlüssel ein Sitz pro Million Einwohner. Die Völkerversammung böte eine zusätzliche, direktere Artikulationsmöglichkeit für die Bevölkerung der Mitgliedsländer. Mit der Zeit sollte – im Rahmen eines zwischen den beiden Versammlungen auszuarbeitenden Zeitplans – mehr und mehr Verantwortung und Entscheidungsbefugnis von der UN-Generalversammlung an die UN-Völkerversammlung übertragen werden.

Details

Seiten
9
Jahr
2007
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112930
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Friedenswissenschaftliche Weiterbildungsstudiengänge IF/ Master of Peace Studies
Note
2,0
Schlagworte
Friedenspolitiken Jahrhundert“ Galtung Frieden Mitteln Galtung

Autor

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    Irmgard Richter (Autor)

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