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Das Motiv brüchiger Beziehungen in Gabriele Wohmanns "Evas Besuch"

Seminararbeit 2000 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Hauptteil
Analyse der Kurzgeschichte und Klärung des Themas beziehungsweise der Aufgabenstellung

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Ich habe mich an dieser Stelle für ein Vorwort entschieden, um hier einige wichtige biographischen Lebensdaten und -abschnitte aufzuzeigen, die für die Strukturgebundene Analyse des ausgewählten Textes nicht von Besonderheit wären, allerdings das Verständnis meiner Wahl für Gabriele Wohmann und gleichzeitig das der Intention und Thematik ihrer Texte aufzeigt und vertieft.

Gabriele Wohmann wurde am 21.05.1932 in Darmstadt als Tochter von Luise und Paul Guyot geboren. Sie studierte Neuere Sprachen, Musikwissenschaften und Philosophie und nach ihrer Heirat 1953 fand ihr Gelerntes im Schreiben Anklang und seit 1956 ist sie als ungemein produktive Schriftstellerin tätig.

" Schreiben ist eine Krankheit, Nichtschreiben auch. Das Tun ist ein Zwang, das Nichttun auch."[1]

Gabriele Wohmann bezeichnet sich selbst als " Graphomanin" und lebt mit ihrer Schreibkrankheit, akzeptiert sie als bestimmtes Element ihres sonst normal verlaufenden Lebens. Sie wehrt sich gegen Gewöhnung, gegen das Sich- Einrichten im Alltag, lebt aber demgegenüber ganz bewusst in festen Bahnen, braucht Gewissheit und selbst geschaffenen Rhythmus als Fundament ihrer Arbeit. "Ich bin kein Fabulierer, keine Person- und Stofferfinder, ich habe den Authentitätstick, also werde ich beim Schreiben auch immer so ziemlich in meiner eigenen Nähe bleiben."[2] Diese Selbstaussage fordert dazu auf, das Leben der Autorin, ihre Herkunft und Bildung, ihr soziales Umfeld, ihre Gewohnheiten und Intentionen als Grundsubstanz für ihr Schreiben ernst zu nehmen.

Sie selbst versichert: "Ganz ohne das Ausgehen von eigenen Erfahrungen oder Empfindungen kann ich überhaupt nicht schreiben. Ich berichte, zwar in einer anderen Person steckend, von Erfahrungen, die ich gemacht haben könnte."[3]

Ihre Texte handeln vom Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, nicht gelebt zu haben, vom Aneinander vorbeireden, von Abgrenzungen und Klammern, von Enttäuschungen und moralischem Druck, der Angst vor Einsamkeit, vom fatalen Tröster Alkohol und all den Unzulänglichkeiten, die das Durchleben des Alltags begleiten. Sie seziert immer neu knapp und doch detailliert menschliches (Nicht-) Miteinander, ausgehend von kleinen banalen Begebenheiten, hinter denen persönliche Tragödien stecken können.

Mit Ihrer Möglichkeit der Beeinflußung der Menschen tritt sie für das Recht des Einzelnen auf Individualität ein, auf Nichteinordnung in soziale Gruppen und wendet sich gegen gesellschaftliche Normen und Ansprüche, wie sie nicht zuletzt gerade während des dritten Reiches erhoben wurden.

Gabriele Wohmann schrieb seit ihrer ersten Buchveröffentlichung 1957 eine Vielzahl von Erzählungen, Kurzgeschichten, Gedichten, Theaterstücken und Romanen, die sie als detailgenaue und sensible Beobachterin des Alltagslebens auswiesen und ihr den Ruf eintrugen, die "größte deutsche Chronistin privaten Lebens"[4] zu sein. Ihr umfangreiches Oeuvre wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bremer Literaturpreis (1971), dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1980), dem Literaturpreis des ZDF und der Stadt Mainz (1985).

2. Einleitung

Bei dem zu behandelnden Text „Evas Besuch“ von Gabriele Wohmann handelt es sich um eine Kurzgeschichte, welche ein Teil des Gesamtwerkes „Ländliches Fest und andere Erzählungen“[5] aus dem Jahre 1968 ist. Zur Geschichte der Kurzgeschichte muss man an dieser Stelle erwähnen, dass sie in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg entstanden ist und zunächst nur der Vergangenheitsbewältigung gewidmet war. Die Autoren wollten nach dem „Kahlschlag“[6] einfach, schlicht und wahr bleiben. Lange Einleitungen, Überleitungen und Schlusssätze erschienen dabei hohl, denn dem aus dem Krieg heimgekehrten Dichter fehlte die epische Ruhe. Der Erfolg der Kurzgeschichte beruhte auf der Änderung des Leseverhaltens und auf literarische Gründe, wie zum Beispiel die Einfachheit des Stils.

In „Evas Besuch“ wird die Unfähigkeit, Empfindungen oder Bedürfnisse auszusprechen, die Unfähigkeit einander etwas mitzuteilen thematisiert. Das menschliche Nichtmiteinander, welches aus der Angst vor dem Symphatieverlust entspringt, wird detailliert dargestellt.

Ich möchte mit dieser Arbeit unter Berücksichtigung des formulierten Themas versuchen, die Frage der zwischenmenschlichen Beziehungen anhand dieses Textes zu analysieren. Dabei werde ich die allgemeinen Themen Gabriele Wohmanns aufgreifen, eine Interpretation der gegebenen Situation und Umstände des Textes vollführen und den Bezug zur Gruppe 47 versuchen zu erläutern und zu wahren. Allerdings ist Letzteres nur ansatzweise, mit Vermutungen und eigener Meinung möglich, da Gabriele Wohmann zwar in der Liste der Mitglieder der Gruppe 47 aufgezählt wird, aber letztendlich nie ein richtiges, festes Mitglied war, denn sie bediente sich nie der Philosophie und der Themen und war auch nur selten an den Treffen der Gruppe 47 anzutreffen.

3. Hauptteil

In „Evas Besuch“ berichtet eine Mutter eines kleinen Jungen, Rudolf in einem protokollartigen Rückblick, über den Kurzaufenthalt ihrer Freundin Eva, die sie ein paar Tage zu Gast hat. Die beiden Frauen verbringen die Tage zusammen, ohne dass die eine das sie gegenwärtig, bedrückende Problem der kürzlichen Erblindung ihres Kindes ansprechen kann. Eva wird von ihrer Gastgeberin in einem Hotel untergebracht, um mit dem blinden Kind nicht konfrontiert zu werden. Täglich nimmt die Mutter sich vor, über ihr Kind zu sprechen. Doch wegen der Angst, bemitleidet zu werden, der Furcht vor Selbstentblößung, aber hauptsächlich wegen Evas Desinteresse und weil sie Eva den Besuch nicht verderben will, verschweigt sie letztendlich ihrer angeblichen Freundin ihr privates Unglück. Gabriele Wohmann möchte damit die zwischenmenschlichen Beziehungen anprangern und ihre Brüchigkeit und gleichzeitig besonders die Fragwürdigkeit darstellen, die hier aufgrund der Angst dem Anderen gegenüber abgewertet zu werden und durch die daraus folgende Nichtkommunikation, entsteht.

Wenn man anfänglich den Titel „Evas Besuch“ betrachtet, erweckt er den Eindruck, dass es sich hier um eine Erzählung beziehungsweise eine Dokumentation von einem Besuch einer gewissen Eva bei irgendjemanden handelt, dass beschrieben werden könnte, was

für Unternehmungen und Unterhaltungen gemacht wurden, wie sich diese gewisse Eva in das Leben des Besuchten integriert hat und wie das Verhältnis aus der Sicht des Erzählers zu Eva war. Einerseits wird dieses „Vorurteil“ in dem gelesenen Text nicht enttäuscht und es ist wirklich eine protokollartige, dokumentisierende Erzählung über den Besuch Evas bei der Ich- Erzählerin. Es wird auch das Verhältnis beider Frauen beschrieben und es kommt zur Klärung der Integration Evas in das Leben ihrer Freundin, nämlich gar keiner. Hier setzt die andere Betrachtungsweise der Erwartungen in Bezug auf den Titel ein. Man erkennt das die Erzählung um den Besuch sehr Spannungs- und Missverständnis geladen ist und erkennt die weitere Ebene, bei der das hintergründige, problematische Thema auf das vordergründige Thema des Textes bezogen werden muss. Man kann an dieser Stelle also sagen, dass die anfänglichen Gedanken und Erwartungen über den Titel in Bezug auf den Text einerseits in einer gewissen Weise verwirklicht wurden, allerdings andererseits diese als hintergründig betrachtet und die wirkliche problemgeladene Intention, welche nicht im Titel ersichtlich wird, erkennen und verstehen muss.

[...]


[1] Siblewski, 1982, S. 8

[2] Häntzschel,1982, S. 7

[3] Häntzschel, 1982, S. 7

[4] www.home.t-online.de/home/dominikaner braunschweig/woh

[5] Wohmann, 1968, S. 142ff.

[6] Begriff von W. Weyrauch

Details

Seiten
14
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638174992
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11301
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Philosophische Fakultät
Note
2,0
Schlagworte
Gabriele Wohmann Eva´s Besuch Interpretation Kurzgeschichte Berücksichtigung Motivs Brüchigkeit Fragwürdigkeit Beziehungen Bezug Gruppe Literatur Nachkriegszeit

Autor

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