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Soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen in Deutschland

Hausarbeit 2008 11 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen

3. Strukturelle Ungleichbehandlung im Gesundheitswesen in Deutschland
3.1 Ungleichbehandlung von Privatpatienten und Kassenpatienten
3.2 Ungleichbehandlung zwischen chronisch und akut Erkrankten

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das soziale Krankenversicherungssystem in Deutschland galt dank der solidarisch

finanzierten gesetzlichen Krankenversicherung, durch die jeder Versicherte Zugang zur Krankenversorgung hat lange Zeit international als vorbildlich angesehenes Erfolgsmodell, wenn es darum ging sozial- und gesundheitspolitisch, der sozial bedingten Ungleichheit vor Krankheit und Tod entgegenzuwirken. Im Zuge der Kostendämpfungspolitik im Gesundheitssystem kam es, verstärkt seit 1998, zu Reformmaßnahmen, in deren Folge die soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen zusehends zu erodieren scheint. Das Gesundheitswesen der BRD ist in den letzten Jahren zunehmend am ökonomischen Primat ausgerichtet und ethische Aspekte wie beispielsweise soziale Gerechtigkeit treten zusehends in den Hintergrund.

In dieser Hausarbeit möchte ich deshalb die Frage klären, inwieweit es im derzeitigen Gesundheitswesen in Deutschland sozialer Gerechtigkeit gibt.

Zunächst wird einführend in Kapitel 2 dargestellt was soziale Gerechtigkeit im Gesundheitssystem bedeutet, bzw. der Begriff soziale Gerechtigkeit näher erläutert. Im dritten Kapitel wird auf die aktuelle Problemlage des Gesundheitssystems eingegangen. Im Mittelpunkt seht die Darstellung struktureller Ungleichbehandlungen im deutschen Gesundheitswesen.

Die Arbeit schließt im 4. Kapitel mit einem Fazit.

Um mögliche Missverständnisse zu vermeiden soll der Begriff soziale Gerechtigkeit zunächst näher erläutert werden, wobei ich mich in dieser Hausarbeit vor allem auf soziale Gerechtigkeit im Sinne von Gleichbehandlung im Gesundheitswesen konzentriere.

2. Soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen

In der vorliegenden Arbeit gehe ich von der Grundannahme aus, dass die Errungenschaften der modernen Medizin allen Kranken in gleicher weise und in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen müssen.

Zentrale Aufgabe des Gesundheitswesens ist der Erhalt, die Förderung und die Wiederherstellung der Gesundheit.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) formuliert in Artikel 1 ihrer Satzung: “Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen, und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen. Die Erlangung des bestmöglichen Gesundheitszustandes ist ein Grundrecht jedes Menschen ohne Unterschied von Rasse, Religion, politischer Überzeugung, ökonomischer und sozialer Stellung“.

Fundamentale Voraussetzung für soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen ist zunächst der egalitäre Zugang zur Gesundheitsversorgung. Die Leistungen einer bedarfsgerechten gesundheitlichen Versorgung nach dem aktuellen Stand des Wissens einschließlich präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen sowie eine menschenwürdige palliativmedizinische Versorgung sollten ständig zur Verfügung stehen und allen gleichermaßen zugänglich sein und zwar unabhängig vom Einkommen und ohne Diskriminierung von Altersgruppen, Geschlecht oder persönlicher Merkmale.

In Fällen, in denen Leistungserbringer für eine besondere, nur begrenzt zur Verfügung stehende Behandlung die Wahl zwischen mehreren potentiellen Patienten, haben alle in Frage kommenden Patienten Anspruch auf ein faires Auswahlverfahren für diese Behandlung. Die Auswahl muss auf transparenten medizinischen Kriterien beruhen.

Weitere elementare Punkte bei der Gleichbehandlung von Patienten sind der kollektive Anspruch auf eine menschenwürdige Behandlung und auf eine hohe Versorgungsqualität.

3. Strukturelle Ungleichbehandlung im Gesundheitswesen in Deutschland

Das Gesundheitswesen in Deutschland steht durch den veränderten Versorgungsbedarf, aufgrund des demographischen Wandels und wachsender medizinischer Möglichkeiten zunehmend vor der Herausforderung, die knappen Gesundheitsressourcen gerecht zu verteilen.

Das Gesundheitssystem entwickelt sich immer mehr zu einem Spannungsfeld zwischen Ökonomisierung und sozialer Gerechtigkeit.

Vor dem Hintergrund, dass es in Deutschland unterschiedliche Lebenserwartungen und Krankheitslasten in Abhängigkeit von sozioökonomischen Faktoren gibt, ist zu hinterfragen, ob die Mittel und Leistungen des Gesundheitswesens in Deutschland nach einem Verständnis von sozialer Gerechtigkeit verteilt werden, dass auf Gleichheit, Bedürftigkeit und Dringlichkeit beruht.

Es ist gegenwärtig im Gesundheitswesen der Bundesrepublik die Tendenz zu beobachten, dass außermedizinische Selektionskriterien einen entscheidenden Einfluss auf die Versorgung von Kranken haben (Deppe 2005, S. 194). In den folgenden Kapiteln wird dargestellt, inwiefern Kriterien wie der Versichertenstatus und der sozioökonomische Status sowie die Art der Erkrankung in die Behandlung der Kranken und in Entscheidungen von Ärzten einfließen und zu einer Ungleichbehandlung führen.

3.1 Ungleichbehandlung von Privatpatienten und Kassenpatienten

Das Gesundheitssystem in Deutschland ist dadurch gekennzeichnet, dass die Träger der Gesundheitssicherung zum einen die solidarisch finanzierte gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und zum anderen die private Krankenversicherung (PKV) sind. Während sich nur etwa 10 % der Krankenversicherten eine Privatversicherung leisten können, weil ihr Bruttoeinkommen über der sogenannten Versicherungspflichtgrenze liegt, sind 90 % der Krankenversicherten an die gesetzliche Krankenversicherung gebunden.

Durch dieses duale System von gesetzlich Krankenversicherten einerseits und privat Krankenversicherten andererseits entstehen Ungleichheiten in der Behandlung der Betroffenen. Diese Ungleichbehandlung von Kassen- und Privatpatienten wurde kürzlich durch eine Studie der Universität Köln bestätigt.

So werden beispielsweise Kassenpatienten bei der Terminvergabe in Arztpraxen benachteiligt. Nach der Studie der Universität Köln müssen Kassenpatienten durchschnittlich dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie Privatversicherte. Die Wissenschaftler hatten bei insgesamt 189 Facharzt-Praxen im Raum Köln, Bonn Leverkusen telefonisch um Termine für verschiedene Untersuchungen gebeten - wie einen Allergietest, einen Lungenfunktionstest, eine Augenuntersuchung, eine Magenspiegelung, einen Hörtest oder eine Magnetresonanztomographie des Knies. Dabei gaben sie sich mal als Kassen- und mal als Privatpatient aus. Als besonders gravierend stellten sich hier die Unterschiede bei Magenspiegelungen heraus. So mussten Kassenpatienten im Durchschnitt 36,7 Tage auf eine Spiegelung warten. Bei Privatpatienten waren es dagegen nur 11,9 Tage. Beschwerden, die eine Magenspiegelung notwendig machen, können auf Blutungen oder eine Krebserkrankung zurückgehen, für deren Behandlungserfolg ein rechtzeitiges Erkennen der Erkrankung eine entscheidende Rolle spielt. Es ist also mehr als gerechtfertig, wenn sich gesetzlich Krankenversicherte als “Menschen zweiter Klasse“ fühlen. Als Ursache für die Vorzugsbehandlung der Privatversicherten sehen die Kölner Forscher die Tatsache, dass bei den privat versicherten die abrechenbaren Honorarsätze höher sind als im Rahmen der GKV. Durch die unterschiedliche Gebührenordnung verdienen die Ärzte bei der Behandlung eines Privatpatienten nach ihren Angaben 20 bis 35 Prozent mehr als bei der Behandlung gesetzlich Versicherter.

Ein weiterer Grund liegt bei der im Rahmen der Budgetierung festgesetzten Honorar-Obergrenzen für die Behandlung gesetzlich Versicherter. Für die Behandlung von gesetzlich Versicherten haben Arztpraxen pro Quartal nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Wenn eine Arztpraxis das Budget bereits erreicht oder überschritten hat, werden Behandlungen in das jeweils nächste Quartal verschoben, da sie wegen der Obergrenze bei den Honoraren im laufenden Quartal nicht vergütet werden. Das gilt nicht nur für die Behandlungskosten, sondern auch für die Medikamentenvergabe, bei der es ebenfalls eine „Zwei-Klassen-Versorgung“ gibt. Wenn ein Arzt in einem Quartal sein Arzneimittelbudget überschreitet, drohen ihm Regressforderungen, was eine Rationierung der Medikamentenversorgung bei den Mitglieder der GKV begünstigt.

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Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640132294
ISBN (Buch)
9783640139491
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113065
Institution / Hochschule
Fachhochschule Potsdam – FH Potsdam, Sozialwesen, BASA online
Note
1,3
Schlagworte
Soziale Gerechtigkeit Gesundheitswesen Deutschland Einführung Human- Gesellschaftswissenschaften

Autor

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Titel: Soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen in Deutschland