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Der König der Fischer

Ein intermedialer Vergleich

Seminararbeit 2007 14 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1. Die Legende in Wales
1.1 Herkunft des Namens
1.2 Das Mabinogion
1.3 Bran the blessed
1.4 Fionn/ Finn MacCumhail

2. Anfortas bei Wolfram von Eschenbach

3. Terry Gilliams "Fisher King"

4. Eckpunkte der Legende
4.1 Kessel, dinc, Gral
4.2 Die tödliche/nicht tödliche Wunde
4.3 Feste in der Anderswelt

5. Schlussgedanke

Siglenverzeichnis

Quellenverzeichnis

Vorwort

Im Folgenden soll auf intertextueller Ebene beschrieben werden, welche Gemeinsamkeiten sich in den alten walisischen Sagen, der Adaption von Wolfram von Eschenbach und der modernen Filmfassung der Parzival-Legende, hinsichtlich der Figur des Königs der Fischer beobachten lassen. Da sich Wolfram stark an der Fassung von Chrétien de Trois orientiert soll dieser hier außen vor bleiben, wird aber trotzdem als ein wichtiges Glied in der Überlieferungskette betrachtet. Diese Arbeit soll unterstützend wirken in der Diskussion, in wieweit die alten Legenden in die mittelalterlichen und dadurch in die modernen Adaptionen diese Mythos eingeflossen sind. Der Begriff Mythos steht hier in der Bedeutung nach Ioana Crăciuns und Martin Beyers intertextueller Mythostheorie.

1. Die Legende in Wales

Der Titel des „Königs der Fischer“ lässt sich auf verschiedene mythologische und religiöse Personen und deren Geschichten oder Legenden zurückführen. Zum einen sei der christliche Hintergrund beschrieben, wonach Christi erste Jünger Fischer waren, bis er sie aussandte, um „Menschenfischer“[1] zu werden. Er selbst würde somit zum König der Fischer.

Der Begriff und die Legende um ihn herum haben aber auch feste Wurzeln im keltischen und paganistischen Wales, darin sind sich die Fachleute weitgehend einig. Es ist also unerlässlich diese Wurzeln zu untersuchen, wenn eine umfassende Betrachtung des „Königs der Fischer“ erfolgreich sein soll.

1.1 Herkunft des Namens

Nachdem zum Beispiel Jessie Weston in ihrem Werk From Ritual to Romance einen keltisch, paganistischen Ursprung vorschlägt, muss auch diese Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Die Legenden Irlands tragen diverse Motive und Symbole in sich, die sich auch in den mittelalterlichen Arthus-Erzählungen wieder finden. Eine dieser Legenden ist die des salmon of wisdom – des Lachses der Weisheit. Nicht nur dass hier das Fischermotiv einfließt, der gefangene Lachs verleiht dem, der ihn berührt oder verspeist übernatürliche Kräfte und erhebt ihn in einen königlichen Status. Anzumerken sei auch das französische Wortspiel, bei dem der Fischer (frz. Pêcheur) ebenso klingt wie das Wort für Sünder (frz. Pécheur). Wahrscheinlich ist, dass diese Verschiedenen Quellen in die Figur des mittelalterlichen „König der Fischer“ eingeflossen sind und Teile seiner Figur gebildet haben. Im Folgenden sollen nun einige der ursprünglichsten Quellen näher betrachtet werden, die vermutlich lange vor ihrer Niederschrift mündlich überliefert wurden.

1.2 Das Mabinogion

Das Mabinogion ist eine Sammlung keltischer Legenden aus der Region Wales. Der Titel beruht auf einem Übersetzungsfehler einer der bekanntesten englischen Übersetzerinnen Lady Charlotte Guest. Ihre Ausgabe erschien 1849 und basiert auf den altwalisischen Originalen des Red Book of Hergest, dessen Geschichtensammlung teilweise auf das beginnende 13. Jahrhundert zurückdatiert werden konnte. Ihr Übersetzungsfehler, um darauf zurück zu kommen, beruht auf einer Textstelle im Originaltext, in der es übersetzt heißt: „So ends this Branch of the Mabinogi“.[2] Das walisische Wort mab bedeutet Kind weshalb Lady Charlotte annahm, dass mabinogi in der Mehrzahl Geschichten für Kinder heißen könnte. Das Mabinogion ist folglich deren Sammlung. Wahrscheinlicher ist aber, dass mabinog einen keltischen Barden-Lehrling bezeichnete, der in den verschiedenen mythischen Legenden gelehrt war, also den mabinogi. Das Mabinogion, wie es in der Ausgabe von Lady Charlotte vorliegt, ist in vier Teile gegliedert, den branches. Die dort überlieferten Legenden spielen in Wales und der Anderswelt, einem, laut keltischer Mythologie, magischen Ort. Außerdem finden sich im Mabinogion noch zwei Geschichten aus der irischen Romantik und fünf weitere, von denen vor allem Owain or The Lady of the Fountain, Geraint the Son of Erbin und Peredur the Son of Efrawc die, hinsichtlich ihrer Entstehung, in die Zeit nach Chretien de Trios fallen.[3]

1.3 Bran the blessed

Im ersten branch des Mabinogions findet sich die Geschichte von Branwen, der Schwester Vran Brendigeid, auch bran the blessed genannt. Ort der Handlung ist das mythische Cambrien, also Britannien, und Irland. In Britannien, der Island of the Mighty, lebt das Volk Vran Brendigeids. An dessen Hof treffen eines Tages Abgesandte von Matholwch, des Königs der Iren mit der Bitte um eine Allianz, geschlossen durch die Heirat zwischen Matholwch und Branwen. Während der Hochzeitsfeierlichkeiten verstümmelt Evnissyen, Vrans Bruder mütterlicherseits, aus verletztem Stolz heraus die Pferde von Matholwch. Um die Beleidigung wieder gut zu machen beschenkt Vran dem König reich mit Silber und Gold, ersetzt ihm die verunstalteten Pferde und überlässt ihm darüber hinaus einen Kessel mit magischen Kräften: „[…] I will give onto thee a cauldron, the property of which is, that if one of thy men be slain to-day, and be cast therein, to-morrow he will be as well as ever he was at the best […]”[4]. Der Kessel besitzt also die Macht genommenes Leben wieder zu geben. Zurück in Irland zwingen Matholwchs Lehensleute ihn aber, Branwen, seine Frau und Schwester seines Beleidigers, für das von ihrem Bruder Evnyssien begangene Unrecht zu strafen, woraufhin Branwen niedere Dienste in der Küche verrichten muss, das Schlafquartier nicht mehr mit Matholwch teilen darf und täglich vom Metzger einen Schlag aufs Ohr erhält. Mittels eines gezähmten Sperlings schickt die Gestrafte nach drei Jahren Leid einen Brief an ihren Bruder Vran Brendigeid. Dieser bricht mit seinem Heer nach Irland auf und nach missglückten Verhandlungen entbrennt ein erbitterter Kampf zwischen Briten und Iren, bei dem der Zauberkessel zerstört und Brendigeid Vran von einem vergifteten Pfeil am Fuß getroffen wird. Der Kampf geht in einem gigantischen Haus von Statten, das Matholwch extra für den riesenhaften Vran anfertigen ließ, da dieser nie ein Dach über dem Kopf hatte. Vran Brendigeid befiehlt den letzten sechs Überlebenden seines Gefolges, darunter auch sein Neffe Pryderi, seinen Kopf abzutrennen und ihn in London zu begraben. Der abgeschlagene Kopf lebt weiter und unterhält die Gefolgschaft noch über Jahre hinweg, bis er an seinem Bestimmungsort ankommt.

1.4 Fionn/ Finn MacCumhail

Finn war der Lehrling eines alten Fischers, Finn Eger, der sein Leben damit verbrachte den Lachs der Weisheit – the salmon of Lynn Feic – zu fangen. Der Junge Finn aber fing den Fisch. Trotzdem nahm ihm Finn der ältere seine Beute ab und verbot ihm davon zu essen, oder ihn nur zu berühren. Der Jüngling, hungrig und neugierig griff in das Feuer, in dem der Fisch briet und verbrannte sich dabei die Hand. Als er seinen Finger in den Mund steckte erhielt er augenblicklich allumfassendes Wissen und trat somit die Nachfolge von Finn Eger an.

Finn ist ein Nachfolger in einer Reihe von Weisen, der in diesem Fall Finn den Älteren ersetzt. Dass hier eine Parallele zum Gralsmythos Wolframs von Eschenbach vorliegt wird an anderer Stelle noch einmal näher erläutert.

[...]


[1] Matthäus 4, 18-22

[2] www.missgien.net/arthurian/mabinogion/index.html#backgr.

[3] Vgl. www.missgien.net/arthurian/mabinogion/index.html#backgr.

[4] The Mabinogion / translated by Lady Charlotte E. Guest. Mineola, N.Y.: Dover Publications, Inc. 1997, S. 19.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640133161
ISBN (Buch)
9783640134892
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113110
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
3,0
Schlagworte
König Fischer Mediävistik Terry Gilliam Fisher King

Autor

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Titel: Der König der Fischer