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Die Qualität des Schulsports in der französischen Region Loiret - Eine Studie im Vergleich zur sächsischen Schulsportstudie 2004

Magisterarbeit 2007 115 Seiten

Gesundheit - Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 Einleitung
1.1 Einführung in den Gegenstand der Arbeit
1.2 Fragestellung und Zielsetzung der Studie
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Rahmenbedingungen des Schulsports in Frankreich und in Deutschland
2.1 Französischer Sportunterricht und Union Nationale du Sport Scolaire
2.2 Qualifikation französischer Sportlehrer
2.3 Sportunterricht in Deutschland
2.4 Qualifikation deutscher Sportlehrer

3 Empirischer Teil
3.1 Überblick zum Forschungsdesign
3.2 Auswahl der Stichprobe
3.3 Messinstrumente
3.4 Datenverarbeitung und –auswertung

4 Ergebnisse der Schülerbefragung und Diskussion
4.1 Beschreibung der Stichprobe
4.2 Das französische Sportsystem aus Schülersicht
4.2.1 Zum Sportverhalten französischer Schüler
4.2.2 Wettkampfteilnahme in Schule und Verein
4.2.3 Das außerunterrichtliche Sportangebot aus Schülersicht
4.3 Sportunterricht aus Schülersicht
4.3.1 Zeitlicher Umfang des Sportunterrichts
4.3.2 Orte und Inhalte des Sportunterrichts
4.3.3 Wunschsportarten für den Sportunterricht
4.3.4 Zufriedenheit im Sportunterricht
4.3.5 Bedeutung des Sportunterrichts aus Schülersicht
4.3.6 Ist-Zustand des Sportunterrichts aus Schülersicht
4.3.7 Änderungswünsche für den Sportunterricht
4.4 Sportlehrer aus Schülersicht
4.5 Zusammenfassung der Schülerbefragungsergebnisse

5 Ergebnisdarstellung der Lehrerbefragung und Diskussion
5.1 Beschreibung der Stichprobe
5.2 Die Arbeitsbelastung des Sportlehrers
5.3 Sportunterricht aus Lehrersicht
5.3.1 Orte und Inhalte des Sportunterrichts aus Lehrersicht
5.3.2 Qualität und Effektivität des Sportunterrichts aus Lehrersicht
5.4 Das außerunterrichtliche Sportangebot aus Lehrersicht
5.5 Lehrkompetenz im Fach Sport
5.6 Unterrichtskonzepte
5.7 Zusammenfassung der Lehrerbefragungsergebnisse

6 Ausblick

Literaturverzeichnis

Sonstige Quellen

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 4-1/Abbildung 4-2 : Anzahl der befragten Schüler differenziert nach Geschlecht, Klassenstufe und Schulart

Abbildung 4-3: Anzahl der einzelnen Sportnoten des letzten Schulzeugnisses*Geschlecht

Abbildung 4-4: Sportnote letztes Zeugnis * Wie gerne treibst du Sport?

Abbildung 4-5: Vereinsmitgliedschaft * Geschlecht

Abbildung 4-6: Vereinsmitgliedschaft * Klassenstufe

Abbildung 4-7: Sportliche Aktivität von Vereinsmitgliedern und Nichtvereinsmitgliedern pro Woche

Abbildung 4-8: Geschlecht * außerschulische Wettkämpfe

Abbildung 4-9: Schulart * außerschulische Wettkämpfe

Abbildung 4-10: Wettkampfhäufigkeit * Vereinsmitgliedschaft (Frankreich)

Abbildung 4-11: Außerunterrichtliche Sportangebote aus Schülersicht

Abbildung 4-12:Teilnahme an einem Sportlager/-exkursion

Abbildung 4-13: Teilnahme an einem Sportprojekt

Abbildung 4-14: Klassenstufe * wöchentlicher Sportunterricht

Abbildung 4-15: Mittelwerte von „Wie häufig werden folgende Sportarten

Abbildung 4-16: Ergebnisse der franz. Schulsportstudie

Abbildung 4-17: Ergebnisse der sächs. Schulsportstudie

Abbildung 4-18: Sinnaspekte für den Sportunterricht aus Schülersicht

Abbildung 4-19: Ist-Zustand des französischen Sportunterrichts Teil I

Abbildung 4-20: Ist-Zustand des französischen Sportunterrichts Teil II

Abbildung 4-21: Was gefällt dir momentan nicht an deinem Sportunterricht?

Abbildung 4-22: „Wenn du etwas an deinem Sportunterricht ändern könntest, was wäre das?“

Abbildung 4-23: „Inwieweit treffen folgende Aussagen auf deinen Sportlehrer zu?“

Abbildung 4-24: Altersstruktur französischer Sportlehrer aus Schülersicht

Abbildung 4-25: „Wie zufrieden bist du mit dem Sportlehrer?“

Abbildung 4-26: „Wie stark hat Sportlehrer/-unterricht dich beeinflusst in Freizeit Sport zu treiben?“

Abbildung 4-27: Vergleich beider Studien bezüglich der Motivation durch

Abbildung 5-1: Geschlechterverteilung der Sportlehrer

Abbildung 5-2: Geschlecht * Schulform

Abbildung 5-3: Anzahl der Unterrichtsstunden pro Woche französischer Sportlehrer

Abbildung 5-4: Mittelwerte für: „Wie oft findet der Sportunterricht an folgenden Orten statt?“

Abbildung 5-5: Mittelwerte für: „Wie oft unterrichten Sie folgende Sportarten?“

Abbildung 5-6: „Folgende Probleme hindern mich daran, einen guten

Abbildung 5-7: (Sehr) bedeutende Aspekte für einen guten Sportunterricht (Zustimmung in Prozent)

Abbildung 5-8: Außerunterrichtliche Sportangebote

Abbildung 5-9: Lehrkompetenz der französischen Sportlehrer

Abbildung 5-10: Mittelwerte: Lehrkompetenzen sächsischer & französischer Sportlehrer

Abbildung 5-11: Unterrichtskonzepte und ihre Anwendung im Unterricht laut indirekter Befragung

Abbildung 5-12: Unterrichtskonzepte und ihre Anwendung im Unterricht laut direkter Befragung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2-1: Angebote der UNSS und Anzahl der teilnehmenden Schüler 2005/06

Tabelle 2-2: Verteilung der Sportarten in der UNSS 2005/06

Tabelle 4-1: Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität & sportlichen Selbstkonzepten

Tabelle 4-2: Item: „Wie oft treibst du in deiner Freizeit Sport?“

Tabelle 4-3: Sportartpräferenzen der befragten französischen Schüler im Sportunterricht

Tabelle 4-4: Wunschsportarten für den Unterricht in Sachsen

Tabelle 4-5: Wunschsportarten für den Unterricht in Orléans-Tours

Tabelle 4-6: Zufriedenheit im Sportunterricht * Zufriedenheit mit dem Sportlehrer

Tabelle 4-7: Zufriedenheit im Sportunterricht * Wie gern treibst du Sport?

Tabelle 5-1: Altersverteilung der Sportlehrer

Tabelle 5-2: Berufserfahrung französischer Sportlehrer

Tabelle 5-3: Rahmenbedingungen des SU in Frankreich aus Lehrersicht

1 Einleitung

1.1 Einführung in den Gegenstand der Arbeit

Die neueste Studie (März 2007) der International Association for the Study of Obesity (IASO) brachte erschreckende Ergebnisse zum Vorschein: „Die Deutschen sind die dicksten Europäer!“ Demnach sind 75,4 Prozent der Männer und 58,9 Prozent der Frauen übergewichtig (BMI[1] > 25) bzw. fettleibig[2] (BMI > 30). Im Vergleich dazu sind die Werte für die französische Bevölkerung nach eigenen Angaben mit einem BMI über 25 für rund 36 Prozent der Frauen und 48 Prozent der Männer eher niedrig (vgl. Anlage 1, S. 91). Laut WHO gehört Fettleibigkeit (Adipositas) und ihre Folgeerkrankungen (Diabetes, Herz-Kreislaufschäden, Schlaganfall, Krebs, hormonelle Störungen, Gelenkschäden oder De­pressionen) in den Industriestaaten zu den häufigsten Todesursachen. Zudem leiden immer mehr Menschen an allergischen Reaktionen, chronischen Leiden, psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten. Um hier eine Verbesserung anzustreben, ist vor allem der Gesundheits- und Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen zu unter­suchen. Besonders, da die Fettleibigkeits- und Übergewichtsrate auch bei europäischen Heranwachsenden immer mehr ansteigt. Die Hauptfaktoren für Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen sind Ernährung, Grad der körperlichen Aktivität und Grad der sitzenden Tätigkeiten (z.B. Schulstunden, Fernsehen und Computerspielen).[3]

Dass sich Kinder und Jugendliche in einer zunehmenden „Sitzwelt“ (9h liegen, 9h sitzen, 5h stehen, 1h bewegen, 15-30 min Sport treiben) befinden, hat die Brettschneider Studie von 2005 ergeben. Die daraus resultierende negative Energiebilanz [4] führt in jedem Falle zu Übergewicht oder sogar zu Fettleibigkeit. Auch die WIAD-AOK-DSB[5] Studie (2003) stellte eine sich stetig verschlechternde Gesundheit bei den Heranwachsenden fest, die durch den zunehmenden Medienkonsum und den daraus resultierenden abnehmenden Bewegungspensum, sowie durch schlechte Essgewohnheiten und durch psychosoziale Stressfaktoren begünstigt wird. Ein konstanter Rückgang der körperlichen Leistungsfähig­keit und eine Beeinträchtigung von Lebensqualität und Sozialverhalten gehen damit einher. Mangelnde Aufmerksamkeit, Hyperaktivität, Aggressivität, Ängste und Depressionen treten ebenfalls verstärkt auf. Vorbeugungsmaßnahmen sind daher dringend nötig.

Seit Jahren wird jedoch über solche diskutiert, ohne dass konkrete Aktionen ins Leben gerufen wurden. Auch zahlreiche europäische Studien (z.B. Brettschneider Studie 2005, WIAD-Studie 2000, OMS 2005) belegen die Wichtigkeit präventiver Maßnahmen.

Um möglichst alle Kinder und Jugendlichen verschiedener sozialer Schichten zu er­reichen, bietet die Schule einen idealen Zugang. Hier verbringen sie eine beträchtliche Zeit ihres Lebens und können daher zu einer gesundheitsbewussten Lebensweise er­zogen werden. Es wäre z.B. möglich, Unterrichtseinheiten zu den Themen Gesundheit und Lebensführung in die Lehrpläne einzubinden, um Kinder und Jugendliche schon früh­zeitig für ihre Gesundheit zu sensibilisieren. Eine Umsetzung für solche Projekte ist je­doch noch nicht absehbar. Aus diesem Grund ist es vor allem der Schulsport, der der „wachsenden körperlichen Inaktivität im Alltag“ (Brettschneider 2005, 38) entgegenwirken kann.

Dass sich täglicher Sportunterricht positiv auf die Entwicklung von Kindern und Jugend­lichen auswirken könnte, ist unumstritten. Jedoch ist die Umsetzung, u.a. auf Grund der Befürchtung, dies könnte sich negativ auf die akademische Leistung auswirken, schwierig. Zwar sind nach wie vor Eltern und Familienangehörige die wichtigsten Ressourcen, um richtiges Ess-, und Bewegungsverhalten zu fördern, sie dienen aber oftmals auch als schlechtes Vorbild oder unterschätzen die Bedeutung einer schlechten Lebensweise für die Zukunft ihrer Kinder. Demzufolge bietet die Schule ein gutes Umfeld um präventiv wirksam zu werden. Doch inwiefern europäische Schulen qualitativ in der Lage sind für die Gesundheit unserer Kinder etwas zu leisten, ist fraglich. Nach wie vor steht der Schul­sport unter ständiger Kritik.

Sportpädagogen sprechen von einer „Vergreisung der Sportlehrerschaft“ (u.a. Nagengast 1995, 121), während junge Sportlehrer darauf warten, unterrichten zu dürfen. Politiker diskutieren darüber, dass die tägliche Sportstunde machbar sein muss, sind aber nicht in der Lage, dies per Gesetz zu verabschieden. Laut WIAD (2003) ist die Berücksichtigung von Sportartpräferenzen ein wichtiger Ansatz, um die sportmotorische Leistungsfähigkeit der Heranwachsenden zu verbessern. Trotzdem sind die Inhalte und Methoden des Sportunterrichts nach wie vor veraltet und die Lehrpläne bieten kaum Platz, um auf die Wünsche der Schüler eingehen zu können.

Inwieweit sich die Schulsportqualität Frankreichs von der Deutschlands unterscheidet, soll in dieser Arbeit näher thematisiert werden. Interessanterweise, liegt Frankreich laut den Ergebnissen der WHO bezüglich des Übergewichts und der Fettleibigkeit in europäischen Ländern (2007) auf dem vorletzten Platz, während Deutschland die Rangliste anführt.

Ob nun hieraus Rückschlüsse auf den Schulsport beider Länder gezogen werden können, soll geklärt werden. Besonders die Qualifikation der französischen, sowie der deutschen Sportlehrer spielt dabei eine nicht minder zu beachtende Rolle. Auch die unterschiedlichen Schul- und Sportsysteme beider Länder müssen in weitere Betrach­tungen mit eingebunden werden.

Die vorliegende Studie beruht auf einer schriftlichen Befragung französischer Sportlehrer und –lehrerinnen der Sekundarstufe I und II, sowie von französischen Schülern und Schülerinnen der Klassenstufe 6, 10 und 12 aus dem Akademiebezirk Orléans-Tours und steht im Vergleich zur sächsischen Schulsportstudie (2004).

1.2 Fragestellung und Zielsetzung der Studie

Das Thema „Gesundheitserziehung“ ist bereits seit Mitte der 80er Jahre in sportpädago­gischen Zeitschriften, Sammelbänden und Monographien aktuell. Gesundheit und körper­liches Wohlbefinden nehmen von Jahr zu Jahr an Wertigkeit zu und haben einen ganz besonderen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Wer wünscht sich nicht an Geburtstagen oder für das kommende Jahr Gesundheit und Wohlbefinden? Auch das zunehmende Medien­interesse am Gesundheitsthema und die Entstehung zahlreicher informeller Sport­anlagen (Fitnesscenter, Tennisanlagen, Skipisten, etc.) zeigen nicht zuletzt, dass die ge­sellschaftliche Wertschätzung für unsere Gesundheit rapide steigt. Trotzdem ver­deutlichen Studien (u.a. KiGGS 2007) immer wieder, wie es tatsächlich um die Gesund­heit und Fitness unserer Gesellschaft bestellt ist.

Vor allem im Kindes- und Jugendalter machen sich körperliche Schwächen und Gesund­heitsdefizite bemerkbar. Kinder und Jugendliche sind heutzutage anfälliger für chronische Krankheiten, bekommen frühzeitig Haltungsschäden und sind häufiger adipös, als etwa in den 60er und 70er Jahren. Dies liegt vor allem an den „Veränderungen in der räumlichen und sozialen Umwelt“ (Brettschneider, Schierz 1993, S. 5). Wachsende Technisierung und Modernisierung, die Tendenz zur Kleinfamilie sowie der Verlust gefestigter Sozial­strukturen führen nicht zuletzt zu einer verstärkten Individualisierung (vgl. ebenda).

Auch das kindliche Bewegungsverhalten wird immer mehr erschwert. Auf Grund der er­höhten Verkehrssituation und zunehmender Angst der Eltern vor Gewaltverbrechen ist das Spielen und Bewegen im Freien schon lange nicht mehr so hemmungslos wie es einst war und Spielplätze sind für Kinder oftmals weniger spannend als Comicserien im Fernsehen. Da auch in den Schulen die Bewegungszeiten eher verkürzt als erweitert wurden, sind diese schon lange kein Ausgleich mehr für Computer, Fernsehen und Video. Das, was also in Kindheit und Jugend versäumt wird, lässt sich nur sehr schwer im Er­wachsenenalter aufholen. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass sich die Lebens­qualität trotz einer „Ausbreitung der Sportkultur“ (ebenda, S. 7) durch den Bewegungs­mangel im Alltag verschlechtert. Es ist daher nötig, Kindern und Jugendlichen einen posi­tiven Zugang zu Sport und Bewegung zu geben bzw. ihnen eine positive Einstellung dazu anzuerziehen.

Als Vorbild dienen dabei in erster Linie Eltern, Familienangehörige, sowie Freunde und Bekannte. Aber auch Lehrer fungieren eine beträchtliche Zeit im Leben von Kindern und Jugendlichen als Bezugspersonen und Vorbilder. Laut WIAD Studie (2003) treiben die Kinder aktiver Eltern signifikant häufiger Sport und ihre Leistungsfähigkeit ist als positiv zu betrachten. Sollte es jedoch nicht allgemein gelingen, die Fitnessdefizite der heutigen Heranwachsenden auszugleichen, werden sportmotorisch immer schwächere Generatio­nen nachwachsen (vgl. WIAD 2003). Da man sich diesbezüglich nicht allein auf das Ver­antwortungsbewusstsein der Eltern und Erziehungsberechtigten verlassen kann, ist zu­dem die Institution Schule besonders gefordert. Der Sportunterricht steht allerdings seit einigen Jahren unter starkem Legitimationsdruck. Man bemängelt u.a., dass:

- die erzieherische Funktion stark zurückgetreten ist (vgl. Nagengast 1995)
- die „Monotonie kaum zu überbieten“ sei (Pietsch 1995, 122)
- die Rahmenbedingungen immer schlechter werden (vgl. Elias 1995).

Was der Schulsport in Deutschland derzeitig leistet, wurde noch nicht von allen Bundes­ländern mittels repräsentativer Befragungen untersucht. Die Professur für Sportpädagogik und -didaktik der Technischen Universität Chemnitz führte allerdings bereits in den Jahren 1996/97 und 2002/03 eine Untersuchung zum Thema „Schulsport zwischen Leistungs­optimierung und Bewegungsförderung“ an sächsischen Schulen durch. Dank Lehrer- und Schülerbefragungen konnten hier Rückschlüsse auf die Qualität des Sportunterrichts ge­zogen werden.

Um die Ergebnisse nicht nur bundesweit, sondern auch über die Landesgrenze hinaus besser einstufen zu können, erfolgte im Jahr 2005/06 eine ähnliche Befragung in der fran­zösischen Akademie Orléans-Tours. Die französische Schulsportstudie soll die Unter­schiede beider Schul- und Sportsysteme näher analysieren und Vor- bzw. Nachteile her­ausfiltern. Dabei werden die Rahmenbedingungen des Schulsports und die Qualifika­tionen der Sportlehrer Frankreichs und Deutschlands untersucht.

Der Autorin ist es weiterhin wichtig, sowohl die Seite der französischen Schüler, als auch die Seite der französischen Lehrer detailliert zu betrachten. Das heißt, dass das Sportver­halten der Kinder und Jugendlichen, sowie die Art der Einbindung des Sports in den Schulalltag von Bedeutung sind. Wie urteilen Schüler über ihren Sportunterricht? Wie ist ihre Zufriedenheit? Was erwarten sie von ihrem Sportunterricht und wovon werden sie motiviert bzw. demotiviert, Sport zu treiben?

Des Weiteren sollen die Arbeitsbelastungen der Sportlehrer näher erläutert werden, um so einen besseren Einblick in das Berufsfeld zu bekommen. Auch ist es von Bedeutung zu erfahren, was französische Sportlehrkräfte daran hindert einen optimalen Sportunter­richt zu gestalten und ihren Schülern Spaß und Freude daran zu vermitteln. Inwieweit ihre individuelle Lehrkompetenz und Qualifikation darauf Einfluss nimmt, und welche Unter­richtskonzepte für den französischen Schulsport eine Rolle spielen, soll abschließend geklärt werden.

Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit wird versucht, auf diese Fragen Antworten zu finden und Verbesserungsvorschläge für den Schulsport zu unterbreiten.

1.3 Aufbau der Arbeit

Im Anschluss an dieses erste Kapitel werden zunächst die Rahmenbedingungen des Schulsports in Frankreich und in Deutschland dargestellt. Es gilt unter anderem zu klären, wie das Schulsystem und besonders der Sportunterrichts Frankreichs aufgebaut ist, was die «Union Nationale du Sport Scolaire» (UNSS) für den außerunterrichtlichen Sport leistet und ob sich hier Vorteile gegenüber dem deutschen Schul- und Sportsystem zei­gen. Es wird erwartet, dass die Einbindung des Sports in das französische Schulsystem besser funktioniert als in Deutschland. Des Weiteren soll auf die Ausbildung der Sport­lehrer beider Länder eingegangen werden, um daraus möglicherweise eine bessere Quali­fikation der französischen Lehrer abzuleiten.

In Kapitel 3 folgt eine Erläuterung der angewandten Methoden für die empirische Unter­suchung des Themas. Dabei wird auf das Forschungsdesign und die Methodik, auf die Auswahl der Stichproben, sowie auf die Messinstrumente näher eingegangen. Außerdem wird die Art der Datenverarbeitung und –auswertung näher beschrieben.

Kapitel 4 und 5 bilden das Herzstück der Arbeit. In Kapitel 4 werden die Ergebnisse der französischen Schülerbefragung betrachtet und diskutiert. Zunächst erfolgt dabei die Be­schreibung der Schülerstichprobe, sowie des französischen Sportsystems mittels Analyse des Sportverhaltens der Schüler in Schule und Verein und einer Untersuchung der außerunter­richtlichen Sportangebote. Anschließend wird der Sportunterricht aus Sicht der Schüler näher betrachtet. Dabei soll insbesondere auf seine Bedeutung für die Schüler, sowie auf seinen derzeitigen Ist-Zustand und auf die Wünsche der Schüler für ihren Sportunterricht eingegangen werden. Dem folgen, ebenfalls aus Sicht der Schüler, eine Beschreibung der Sportlehrer und eine Zusammenfassung des gesamten Kapitels.

Die Ergebnisse der französischen Sportlehrerbefragung werden in Kapitel 5 nach folgen­den Aspekten dargestellt und diskutiert: Zuerst möchte die Verfasserin näher auf die soziodemo­graphischen Daten der befragten Sportlehrer eingehen und beschreibt an­schließend die tägliche Arbeitsbelastung eines Sportlehrers. Es folgt eine Darstellung des Schulsportsystems aus Sicht der Lehrer anhand der Orte und Inhalte, sowie der Qualität und Effektivität des Sportunterrichts und des außerunterrichtlichen Sportangebots. Dar­aufhin soll die Lehrkompetenz der Sportlehrer bewertet und ihre Unterrichtskonzepte auf­gezeigt werden. Auch hier erfolgt abschließend eine Zusammenfassung des Kapitels.

Sowohl die Ergebnisse der französischen Schülerbefragung, als auch die der fran­zösischen Lehrerbefragung, werden im Laufe der Arbeit mit denen der sächsischen Schulsportstudie verglichen. Auf diese Weise kann die Hypothese, dass das französische Schul- und Sportsystem gegenüber dem Deutschen klare Vorteile aufweist, gefestigt oder widerlegt werden.

Im letzten Kapitel der Arbeit werden die wichtigsten Gedanken der Autorin zusammenge­fasst und ein Ausblick für die Weiterentwicklung des Schulsports gegeben.

2 Rahmenbedingungen des Schulsports in Frankreich und in Deutschland

2.1 Französischer Sportunterricht und Union Nationale du Sport Sco­laire

Dem deutschen Begriff Sportunterricht entspricht in Frankreich der Begriff «éducation physique et sportive» für körperliche und sportliche Erziehung. Meist benutzt man die Abkürzung «EPS.», wobei jeder Buchstabe einzeln ausgesprochen wird. Im Gegensatz zu Deutschland ist Frankreich ein zentralistischer Staat. Demnach ist das Schul- und Hochschulwesen im ganzen Land gleich und wird vom Erziehungsministerium (Ministère de l’Éducation Nationale) in Paris geregelt. Das Land wird jedoch in 28 so genannte Aka­demien unterteilt, die jeweils von einem «recteur» geleitet werden. Unterrichtsorganisa-tionen, Lehrpläne, Personalwesen und Haushaltsplanung werden zentral vom Ministerium bestimmt.

Im Wesentlichen lässt sich das Bildungssystem auch hier in Elementarschule (Vorschule = école maternelle, Grundschule = école primaire), Sekundarschule I und II (Collège, Lycée) und Hochschule (Université) unterteilen. Als Ganztagsschule organisiert (ca. 8.00-17.00 Uhr), liegt die Gesamtstundenzahl pro Jahr etwas höher als in Deutschland. In Frankreich findet, anders als in Deutschland, an den Collèges Mittwoch- und Samstag­vormittag Unterricht statt. An den Lycéen ist mittwochs schulfrei.

In der Grundschule können dabei offiziell 5 Stunden pro Woche, im Collège und am Lycée 4 Stunden EPS durchgeführt werden, wobei eine Schulstunde 55 Minuten lang dauert. Auch hier liegt die tatsächlich erteilte Stundenanzahl jedoch niedriger. Am Collège werden bereits ab der 2. Klasse (cinquième) jeweils 3 Stunden und am Lycée noch 2 Stunden Sport unterrichtet (vgl. Treutlein und Pigeassou, 1997). Auch die reine Unterrichtszeit ist oft aus organisatorischen und örtlichen Gründen geringer.

Als besonders interessant ist die Rolle der insgesamt rund 9500 «Associations Sportives» (Schulsportvereine) unter der Leitung der «Union Nationale du Sport Scolaire», kurz UNSS, (Schulsportverband) zu erachten. Diese organisieren offiziell seit 1975 unter der Betreuung von hauptamtlichen Beauftragten u.a. Schulwettkämpfe, Turniere und Regionalsportfeste, sowie einmal pro Jahr die nationalen Schulsportspiele (Jeux Nationaux). Die «Jeux Nationaux» beinhalten in einem Jahr Individualsportarten und im nächsten Jahr Mannschaftssportarten und haben bis zu 8000 Teilnehmer (vgl. Sportunterricht, 48, Heft 12). Es handelt sich hierbei um eine freiwillige Schulsportaktivität, an der die Schüler und Schülerinnen ab dem Collège mittwochnachmittags, in fast allen sportlichen Disziplinen, teilnehmen können.

Die folgende Tabelle listet einige der angebotenen Sportarten mit Teilnehmerzahlen für das Schuljahr 2005/06 auf:[6]

Tabelle 2-1: Angebote der UNSS und Anzahl der teilnehmenden Schüler 2005/06

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die französischen Sportlehrer werden daher zu ihren 17 Unterrichtsstunden pro Woche mit bis zu 3 Stunden zusätzlich für die Betreuung der «Association Sportive» und der Wettkämpfe im Rahmen der UNSS verpflichtet. Bemerkenswert ist außerdem, dass der Großteil der Wettkampf- und Schiedsrichter aus ausgebildeten Schüler und Schülerinnen besteht (vgl. Sportunterricht, 48, Heft 12). In dieser Gruppierung konnte im Jahr 2005/06 eine Steigerung von rund 40.000 auf 42.283 verzeichnet werden[7].

Da die französischen Schulen Ganztagsschulen sind und Sportvereine für Schüler und Schülerinnen daher nicht die gleiche Bedeutung haben können, wie in Deutschland, spielen schulische Wettkämpfe der UNSS eine große Rolle in Frankreich. Die Mitglieder­zahlen steigen von Jahr zu Jahr an und man erreichte 2005/06 bereits die Millionen­grenze. Um für Kinder und Jugendliche noch attraktiver zu werden, bemüht sich die UNSS, die verschiedensten Sportarten anzubieten und Trendsportarten aufzugreifen.

So findet man mittlerweile auch Yoga, Snowboarding, Skateboarding, Inline Skating, Surfen, Squash, Capoeira, etc. in den Programmen der UNSS (vgl. ebenda).

Bei der Verteilung der Sportarten liegen allerdings die Mannschaftsportarten nach wie vor an erster Stelle (vgl. Tabelle 2-1 und Tabelle 2-2):

Tabelle 2-2: Verteilung der Sportarten in der UNSS 2005/06

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nachdem die Richtlinien des französischen Schulsports von 1967 den Sportlehrern viel Spielraum bei der Auswahl ihrer Ziele ließen und sich vor allem an die spitzensportliche Bewegung orientierten, entstanden in den 70er, 80er und 90er Jahren neue pädagogische Ansätze. In den 70er Jahren strebten Sportpädagogen nach einer stärkeren Berücksichti­gung emotionaler, affektiver und sozialer Aspekte im Sportunterricht. Auch die Integration kognitiver und psychomotorischer Lernziele wurde mehr und mehr gefordert. Nach vielen Jahren der Diskussion über Bildungsziele und Bildungsinhalte entstanden im Jahre 1985/86 neue Richtlinien für den französischen Schulsport. Hier wurde nun das lernende Subjekt in den Mittelpunkt gestellt und die Didaktik ein neues Teilgebiet der Pädagogik. Des Weiteren wurden einheitliche Bewertungsmaßstäbe und Benotungskriterien ent­wickelt. Demnach fließt seither vor allem das Niveau der Voraussetzung, der Grad der Beherrschung motorischer Handlungen und das gezeigte Wissen des Schülers mit in die Bewertung ein. Hingegen war vorher der einzige Bezugspunkt das Bewegungsideal des Spitzensportlers (vgl. Pigeassou und Perrot 1999).

Ein anderer nicht minder zu beachtender Punkt in der Darstellung des französischen Schulsports ist die Qualifikation der Sportlehrer. Im folgenden Abschnitt wird darauf näher eingegangen.

2.2 Qualifikation französischer Sportlehrer

In Frankreich gibt es drei Typen von Hochschulen: die Grandes Ecoles [8] , die Universitäten und die Fachhochschulen[9]. Statt anhand des Numerus clausus wie in Deutschland selektiert man in Frankreich mittels zahlreicher Prüfungen während des Studiums. Außerdem wird in Frankreich lediglich ein Fach studiert. Mit Abschluss des Baccalauréat oder kurz bac [10] kann man bereits nach dem Grundstudium (2 Jahre) mit dem Diplom D.E.U.G.[11], auch «bac+2» genannt, die Hochschule verlassen. Das dritte Studienjahr wird mit der Licence und das vierte Jahr mit der Maîtrise (Magister) beendet.

Nach den jeweiligen Abschlüssen müssen die Studenten für Lehramt einen so genannten Concours absolvieren. Der Concours ist eine Prüfung mit hohen Niveaus, die im Normal­fall aus so vielen Kandidaten besteht, wie Stellen zu besetzen sind (vgl. Große 1996). Die Lehramtsstudiengänge wurden 1986 und 1991 neu reformiert und das Niveau abermals angehoben, so dass auch Vor- und Grundschullehrer seitdem, nach Abschluss der Licence, den Concours bestreiten müssen. Der Concours nach dem vierten Studienjahr wird C.A.P.E.S.[12] genannt und dient als gültiger Abschluss für das Lehren im Sekundarbe­reich. Die Staatsprüfung für Gymnasiallehrer und Dozenten an Hochschulen, auch l’agrégation genannt, setzt die Maîtrise als Zulassung voraus. Der hierfür existierende Concours wird als besonders schwer eingestuft und die Erfolgsquote liegt meist bei unter 20 Prozent. Alle Lehramtsstudenten durchlaufen somit das gleiche Grundstudium und spezialisieren sich erst nach 2 Jahren auf die jeweiligen Schulformen. Außerdem werden sie nach dem bestandenen Concours für 1 bis 2 Jahre als «professeur stagiaire» (Referendar) eingesetzt. Zwar sind die Gehälter der verschiedenen Lehrämter angeglichen, die Pflichtstundenanzahl ist jedoch verschieden. Während der Grundschul­lehrer 27 Stunden pro Woche halten muss, haben die Lehrkräfte der Sekundarstufe I und II 17 und Sportlehrer 17+3 Stunden pro Woche (vgl. Treutlein und Pigeassou 1997).

Eine weitere Studienrichtung, die sich in den letzten Jahren etablieren konnte, ist die Sportwissenschaft. Die Anerkennung der Sportwissenschaft erfolgte auch in Frankreich etwa um 1972, als die Verwissenschaftlichung des Sports, vor allem durch das Stattfinden der Olympischen Spiele, nach und nach vorangetrieben wurde. Seither entstanden neben dem traditionellen Lehramtsstudiengang weitere Studiengänge im Bereich des Sports.

Auf Grund des Ein-Fach-Studiums gibt es in Frankreich zudem eine bessere Ausdifferen­zierung der Sportwissenschaften als in Deutschland. Bezüglich des Studiums im Fach Sport kann man sich nach den im Grundstudium vermittelten allgemeinen Grundlagen im Hauptstudium u.a. auf einen der folgenden Schwerpunkte spezialisieren:

- Lehramt
- Leistungssport
- Behindertensport
- Rehabilitation oder
- Sportmanagement.

Anders als in Deutschland erfolgt in Frankreich erst nach Beendigung des Grundstudiums (D.E.U.G.) eine Trennung der verschiedenen Studiengänge. Nach dem Studiengang „Lehramt“ weist laut Hébrard (1992) vor allem der Studiengang „Sportmanagement“ die höchste Belegung auf.

Der Weg des Sportlehrers führt nach dem Abitur über die dreijährige universitäre Aus­bildung der S.T.A.P.S.[13] zur Licence und schließt nach einem weiteren Jahr mit dem Concours des C.A.P.E.P.S.[14] ab. Im Vergleich zum Lehramtsstudium an deutschen Hoch­schulen, steht in Frankreich das „Streben nach hoher (sportlicher) Fachkompetenz“ und einem hohen Umfang an Sportpraxis vor Didaktik und Pädagogik (Treutlein und Pigeassou 1997, 46).

Nach den französischen Hochschulinstituten für die Ausbildung von Lehrkräften (IUFM) definiert sich eine professionelle Lehrkraft durch (Altet 1998):

- eine Wissensbasis und professionelles Handeln
- die Fähigkeit in komplexen Situationen zu handeln und interagieren
- Autonomie und persönliche Verantwortlichkeit
- eine Beziehung zu kollektiven Normen
- die Zugehörigkeit zu einer Gruppe

Professionelles Handeln im Lehrberuf ist jedoch aus Sicht der Autorin ein Prozess und entwickelt sich über mehrere Jahre.

Damit die Unterschiede zum deutschen Sportunterricht und zur Qualität deutscher Sport­lehrer besser ersichtlich sind, sollen sich die folgenden zwei Abschnitte mit dem deut­schen Schul- und Sportsystem befassen.

2.3 Sportunterricht in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland untersteht das gesamte Schulwesen dem Staat. Die öffentlichen Schulen fallen jedoch, anders als in Frankreich, in den Kompetenzbereich der einzelnen Bundesländer, wodurch die konkrete Gestaltung des Schulwesens unter­schiedlich ist. Die jeweiligen Kultusministerien tragen die Verantwortung für die Unterrichts­inhalte, für die Schulaufsicht, und für das Personal. Demnach werden auch Abschlussprüfungen (z.B. das Abitur) nicht zentral erstellt, sondern sind je nach Bundes­land verschieden. Die Kommunen sind darüber hinaus selbst für die Ausstattung der Schulen zuständig.

Das deutsche Bildungssystem lässt sich, ähnlich wie in Frankreich, in Primarstufe (Grundschule), Sekundarstufe I (bis 10. Klasse) und Sekundarstufe II (gymnasiale Ober­stufe) unterteilen. Nach der vierjährigen Grundschulzeit stehen den Schülern mehrere Schultypen zur Verfügung:

- Hauptschule
- Realschule
- Gymnasium
- Gesamtschule
- Privatschule
- Waldorfschule
- Sonderschule

Der Sportunterricht ist, wie in Frankreich, auch in Deutschland für alle Schüler Pflichtfach und findet in der Regel im Klassenverband statt, wobei in den höheren Klassenstufen Mädchen und Jungen getrennt Unterricht haben (vgl. Brodtmann 1984). In der Sekundar­stufe II besteht zudem die Möglichkeit Vertiefungssportarten zu wählen.

Die deutsche Schulstunde hat eine Länge von 45 Minuten, so dass die Sportstunden oft­mals zusammengelegt werden, damit eine gewisse Effektivität gewährleistet ist. Im Durchschnitt haben deutsche Schüler zwei bis drei Stunden Sport pro Woche (vgl. WIAD 2003). Die Eingliederung des Sportunterrichts in den Stundenplan erfolgt dabei nicht aus sportdidaktischen, sondern aus organisatorischen Gründen (vgl. Brodtmann 1984).

Die Lehrpläne für den Schulsport werden ebenfalls von den einzelnen Kultusministerien der 16 Bundesländer erstellt, wodurch sich die Inhalte des Sportunterrichts leicht unter­scheiden. Der allgemeine Auftrag des Schulsports ist es, den Schülern „Bewegung, Spiel und Sport als ein wichtiges Erlebnis- und Handlungsfeld selbständig und verantwortungs­bewusst zu erschließen.“ (Helmke 1995, 207)

Bezüglich der Kooperation zwischen Schulen und Sportvereinen zeigte sich in der deut­schen Sprint Studie (2005), dass 78 Prozent aller befragten Schulen mit einem oder mehreren Sportvereinen zusammenarbeiten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dient dabei als Dachverband der Landessportbünde und koordiniert zahlreiche Aktivitäten u.a. auch im Schulsport.

Aus Sicht der Autorin eignet sich das zentral geregelte Schulwesen Frankreichs und dessen Organisation als Ganztagsschule besser die Qualität des Schulsports zu optimieren, als das Schulsystem im föderalistischen Deutschland. Ein weiterer positiver Aspekt des Sportsystems Frankreichs ist die Existenz eines staatlichen Schulsport­vereins. Zwar fördert auch der DOSB eine Kooperation zwischen Schule und Sportverein, schafft es aber nach Ansicht der Verfasserin nicht wie die UNSS den Sport als wichtigen Bestandteil in die Schule einzubinden.

2.4 Qualifikation deutscher Sportlehrer

In Deutschland gliedert sich das Hochschulwesen in Universität, Fachhochschule und Berufsakademie. Mit Abschluss des Abiturs bzw. der Fachhochschulreife steht der tertiäre Bildungsweg für jeden offen. Bestimmte Studienfächer, wie z. B. das Lehramtsstudium, werden durch den so genannten Numerus clausus beschränkt. Die Zulassungskriterien ergeben sich dabei u. a. aus der Abiturnote, der Anzahl der Wartesemester und fachspezi­fischen Tests.

Um in Deutschland an staatlichen Schulen als Lehrer tätig zu werden, muss ein Lehr­amtsstudium absolviert werden. Dabei werden in der Regel zwei (oder mehr) Studien­fächer miteinander gekoppelt und nach folgenden Bereichen unterteilt:

- Fachwissenschaft
- Fachdidaktik
- Fachpraxis

Der fachwissenschaftliche Teil eines Sportstudiums beinhaltet Bewegungs- und Trainings­wissenschaften, Sportmedizin, Sportpsychologie und –soziologie, sowie Sportgeschichte. Der fachdidaktische Bereich thematisiert Bildungs- und Erziehungsprozesse und vermittelt Strategien zur Umsetzung von Unterrichtsinhalten. Die fachpraktische Ausbildung besteht aus festgelegten Grundsportarten, sowie Wahlsportarten und sportartübergreifenden Themenfeldern. Nach Beendigung des Grundstudiums wählen die zukünftigen Lehrkräfte zwei Sportarten als Schwerpunkte für ihren späteren Unterricht.[15]

In der Regel umfasst das Lehramtstudium 8 Fachsemester und schließt mit dem Staatsexamen. Zudem ist anschließend eine zweijährige Referendarzeit zu absolvieren.

Da sich viele deutsche Lehramtstudenten vor allem auf das Unterrichten an Gymnasien und Realschulen spezialisieren, ist die Qualität des Sportunterrichts an Grund- und Hauptschulen mangelhaft. Wolf-Dietrich Brettschneider weißt in der Sprint Studie (2005) darauf hin, dass dort ein hoher Prozentsatz der Lehrer fachfremd unterrichtet und an den Grundschulen die Hälfte aller Lehrer keine Sport-Ausbildung hat. Des Weiteren zeigte die Studie, dass die deutschen Sportlehrer überaltert sind (Altersgruppe der 45-60-Jährigen am meisten vertreten), wodurch die Qualität des Sportunterrichts ebenfalls beeinträchtigt wird. Auch die Ergebnisse der PISA Studie 2006 zeigten, dass in der Qualifikation und Ausbildung der Lehrkräfte Veränderungen notwendig sind.

Eine professionelle Lehrkraft ist laut Habel (2004, 34) „eine psychisch gesunde, von ihrer Selbstwirksamkeit überzeugte Persönlichkeit, die ihren Beruf mit realistischen Zielen, kompetent in Theorie und Praxis und öffentlich ausübt.“

Die Voraussetzungen und Ausbildungsschwerpunkte des Sportlehrers in Deutschland unterscheiden sich demnach nicht so sehr von denen in Frankreich. Allerdings können sich deutsche Lehrer auf Grund des Zweifachstudiums nicht gleichermaßen in einem Fach spezialisieren, wie französische Lehrer und sind somit auch in ihrem späteren Berufs­alltag organisatorisch mehr gefordert. Worin genau sich die Inhalte des Studiums unterscheiden und welche Auswirkungen dies auf die Qualität des Lehrerberufes beider Länder nimmt, kann in dieser Arbeit nicht näher thematisiert werden, da es den Rahmen sprengen würde.

In Bezug auf die Ausbildung, Qualifikation und Professionalität der Sportlehrer liegen jedoch sowohl in Frankreich, als auch in Deutschland, Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Zwar werden zukünftige Sportlehrer in beiden Ländern kompetent auf theoretische Inhalte und praktische Umsetzung des Sportunterrichts vorbereitet, bekommen jedoch nur ungenügend die für den Schulalltag nötige Handlungssicherheit vermittelt. Themen wie z.B. der Umgang mit schwachen, demotivierten oder ver­haltensauffälligen Schülern werden in der Lehrerausbildung nur am Rande besprochen oder fehlen gänzlich (Elias 1995). Aus Gesprächen mit deutschen Lehramtsstudenten wurde der Verfasserin ebenfalls bestätigt, dass die Problematik eines Unterrichts in hetero­genen Klassen nur ungenügend während des Studiums thematisiert wird. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn sich Sportlehrer/-innen zu sehr an fachlichen Dingen orientieren und der Schüler als Individuum in den Hintergrund gerät.

Dieser fachzentrierte Unterricht bewirkt wiederum, dass er an den Schülern vorbei geht (vgl. Berndt 1989). Selbst ein fachlich hoch qualifizierter Sportlehrer lernt erst im Schul­alltag mit den verschiedenen Situationen umzugehen, sich darauf einzustellen und seinen Unterricht kreativ zu gestalten.

Inwiefern diese Aussagen auf die befragten Sportlehrkräfte der Akademie Orleáns-Tours zutreffen, wird aus den in Kapitel 4 und 5 dargestellten Ergebnissen hervorgehen. Dabei soll besonders darauf eingegangen werden, wie zufrieden die Schüler mit ihren Sport­lehrern sind und wie sich die Sportlehrer selbst bezüglich ihrer Lehrkompetenz einschätzen. Der nun folgende Abschnitt stellt die angewandten empirischen Methoden dieser Untersuchung näher vor und beschreibt zudem deren zeitlichen Verlauf.

3 Empirischer Teil

3.1 Überblick zum Forschungsdesign

Da mit dieser Arbeit die Qualität des Schulsports in der französischen Region Loiret er­fasst und gedeutet werden soll, ist sie in die empirische Forschung einzuordnen (vgl. Atteslander, 1993). Dabei können sowohl quantitativ-standardisierte, als auch qualitativ-offene Verfahren angewandt werden. Die vorliegende Arbeit stützt sich weitestgehend auf quantitative Forschungsergebnisse der französischen Schulsportstudie im Vergleich zu den Ergebnissen der sächsischen Schulsportstudie (2004) und anderer Studien. Es handelt sich dabei um eine schriftliche Befragung mittels standardisiertem Fragebogen. Schriftliche Befragungen erfordern organisatorisch, zeitlich und finanziell deutlich weniger Aufwand als andere Formen der Befragung (z.B. Interview, Beobachtung). Externe Beein­flussungen bspw. durch das Auftreten des Interviewers und das Problem der sozial er­wünschten Beantwortung wird durch mangelnden persönlichen Kontakt entschärft.

Im Rahmen dieser Studie zum Schulsport der Akademie Orléans-Tours in der französischen Region Loiret wurde der für die sächsische Schulsportstudie (2004) ange­fertigte Fragebogen von der Autorin überarbeitet und ins Französische übersetzt. Während eines achtmonatigen Aufenthaltes in Frankreich von September 2005 bis ein­schließlich April 2006 konnten unter Mitarbeit einer französischen Sportlehrerin auch in­haltliche Unterschiede modifiziert werden. Diese Studie ist demnach sowohl theoretisch, als auch methodisch an die sächsische Schulsportstudie unter der Leitung von Prof. Dr. A. Hummel angelehnt.

Ab Dezember 2005 wurden sowohl Schüler als auch Lehrer am Lycée und Collège mittels dieses standardisierten Fragebogens zur Schulsportsituation in Frankreich befragt (bei­spielhaft im Anhang S. 92 ff.). Dabei konnten die Bögen von 52 Schülern der Klassen sixième, seconde und terminale und von 29 Lehrern der Sekundarstufe I und II ausge­wertet werden.

Insgesamt konnten von 100 verteilten Fragebögen 81 ausgewertet werden. Die Rücklauf­quote ist mit 81 Prozent relativ hoch, da die Bögen weitestgehend persönlich verteilt wurden, und nach Ablauf der ersten Rückgabefrist ein Erinnerungsschreiben an die jeweiligen Lehrer verteilt wurde. Diese Periode dauerte bis Anfang April 2006. Die darauf folgende Dateneingabe und Datenverarbeitung begann im November 2006 und die an­schließende Datenanalyse und Interpretation, sowie das Verfassen dieser Arbeit konnte im Januar 2007 beginnen.

Den Ergebnissen von insgesamt 81 Fragebögen fehlt es jedoch auf Grund der geringen Datenbasis an Repräsentativität, jedoch geben sie einen ersten Einblick in den Schulsport Frankreichs und können als Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen genutzt werden. Weiterhin fließen die eigenen Erfahrungen und Beobachtungen der Autorin während ihres Aufenthaltes in Frankreich mit in diese Arbeit ein.

3.2 Auswahl der Stichprobe

Auf Grund der eigenen Lehrtätigkeit als Lehrerassistentin im Fach Deutsch an drei Schulen der Akademie Orléans-Tours wählte die Autorin weitestgehend eigene Klassen für die Schülerbefragung aus, um die Fragebögen bereits im Unterricht ausfüllen zu lassen und bei Verständnisproblemen, die vor allem bei den Schülern der Klasse sixième (6. Klasse) auftraten, anwesend sein zu können. Dadurch kann es allerdings unter Um­ständen zu einer Beeinflussung des Antwortverhaltens der Schüler gekommen sein, ob­wohl mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass die Fragebögen ohne Angabe des Namens ausgefüllt werden sollen, wodurch auf Grund der Menge eine spätere Zuordnung nicht möglich war.

Auch der Lehrerfragebogen konnte größtenteils persönlich an die Sportlehrer der drei Schulen verteilt werden und wurde außerdem von einem dieser Sportlehrer während eines monatlichen Treffens der Sportlehrerschaft der Region Loiret ausgeteilt. Die Rück­gabe erfolgte hier per Einwurf ins Lehrerfach der Autorin. Leider lag die Rücklaufquote der Lehrerfragebögen, trotz Erinnerungsschreiben bei nur 72 Prozent.

Eine Totalerhebung der Schüler- und Lehrerschaft dieser Region war weder aus zeitlichen noch aus finanziellen und organisatorischen Gründen umsetzbar. Da die Befragung anonym erfolgte ist es nicht möglich, die Schüler den Lehrern bzw. die Lehrer den Schülern zuzuordnen.

3.3 Messinstrumente

Wie bereits in 3.1 dieser Arbeit beschrieben, entstand sowohl der Schüler-, als auch der Lehrerfragebogen durch die Vorlage der standardisierten Fragebögen zur sächsischen Schulsportstudie. Auf Grund inhaltlicher Modifizierungen kam es jedoch zu Kürzungen des Gesamtumfanges und auch der einzelnen Fragekomplexe. Während der sächsische Schülefragebogen aus 31 und der sächsische Lehrerfragebogen aus 26 verschiedener Fragekomplexe besteht, beinhaltet der französische Schülerfragebogen 30 und der fran­zösische Lehrerfragebogen 20 verschiedene Fragekomplexe.

Wichtig dabei war, dass beide Fragebögen (Schüler und Lehrer) ähnliche Items[16] aufweisen und z.T. ganze Fragekomplexe gleich gestaltet sind, so dass ein Vergleich beider Perspektiven nach Analyse der Ergebnisse angefertigt werden kann. Beide Frage­bögen bestehen zum großen Teil aus geschlossenen Fragen, beinhalten aber dennoch einige offene Fragen. Die geschlossenen Fragen geben Antwortmöglichkeiten vor und sind für den Befragten daher schneller zu beantworten. Die offenen Fragen ermöglichen es, den Partizipanten Antworten frei zu formulieren und dem Autor neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Der Schülerfragebogen (Anlage 2, S. 92 ff.) sollte vor allem die generelle Einstellung der Schüler zum Sport (Sportnote, Sportengagement, sportliche Selbstkonzepte), sowie ihre Motive, Sport zu treiben, herausfiltern. Der Verfasserin war es ebenso wichtig einen Ein­blick in den Ist-Zustand des Sportunterrichts zu bekommen und eine Lehrerbeschreibung aus Sicht der Schüler zu erhalten. Der Lehrerfragebogen (Anlage 3, S. 101 ff.) erfasst per­sönliche Daten der Befragten, eine Einschätzung des eigenen Sportunterrichts, sowie die Bedingungen, unter denen sie diesen abhalten. Der Lehrerfragebogen stellt weiterhin die Probleme der Sportlehrer dar, die ihn daran hindern, einen optimalen Unterricht zu gestalten und untersucht ihre Arbeitseinstellung, sowie ihre Lehrkonzeption, die den täglichen Unterricht beeinflusst.

3.4 Datenverarbeitung und –auswertung

Mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS konnten die Daten nach der Eingabe in einer Daten­maske verarbeitet und ausgewertet werden. Die Items werden dabei in so genannte Variablen umkodiert und können mit Hilfe des Programms unter verschiedenen Gesichts­punkten bearbeitet werden. Im Rahmen dieser Arbeit wurden für die einzelnen Variablen u.a. folgende Auswertungsmöglichkeiten verwendet:

- Häufigkeiten
- Mittelwerte
- Standartabweichungen

Als besonders interessant erwies sich das Vergleichen von zwei oder mehr Variablen. Unter dem Menüpunkt „Kreuztabellen“ können dabei ebenfalls Häufigkeiten und Prozent­werte der Variablen errechnet werden, aber auch Signifikanz und Korrelation[17], wodurch eventuelle Zusammenhänge zwischen den Variablen deutlich werden. Das heißt, ist der Wert der Signifikanz (p) kleiner als 0,05 werden die Variablen voneinander beeinflusst. Der Korrelationskoeffizient (r) soll dabei die Stärke des Zusammenhangs beider Variablen beschreiben. Der Zahlenwert liegt hier zwischen -1 und 1. Es gilt: je höher der Wert ist, desto stärker ist der Zusammenhang. Es gibt demnach sowohl positive (je mehr, desto mehr), als auch negative (je mehr, desto weniger) Korrelationen. Der Menüpunkt „Mittel­werte vergleichen“ ermöglichte der Autorin zudem die Darstellung zahlreicher Tabellen und Diagramme. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden nun in den Kapiteln 4 und 5 unter verschiedenen Gesichtspunkten näher dargestellt.

4 Ergebnisse der Schülerbefragung und Diskussion

4.1 Beschreibung der Stichprobe

Die Schülerbefragung fand an drei Schulen der französischen Region Loiret in der Aka­demie Orléans-Tours statt. Dabei wurden 52 Schüler der sixième, seconde und terminale eines Lycées und zweier Collèges befragt. Die Klassen entsprechen in Deutschland den Klassen 6, 10 und der Abiturklasse 12. Das Lycée ist mit dem deutschen Gymnasium gleich zu setzen, während das Collège einer Realschule entspricht. Der Akademiebezirk Orléans-Tours befindet sich geographisch südlich der Île de France und liegt daher in Frankreich sehr zentral.

Der Anteil an befragten Schülern der Klassenstufe sixième überwiegt insgesamt mit nur einem Schüler gegenüber den Klassen des Lycées. Bezüglich der Geschlechterverteilung wurden 5 Schülerinnen mehr befragt als Schüler (vgl. Abbildung 4-1/Abbildung 4-2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4-1/Abbildung 4-2: Anzahl der befragten Schüler differenziert nach Geschlecht, Klassen­stufe und Schulart

Um herauszufinden, welche Einstellung die französischen Schüler zum Sportunterricht haben, erscheint es der Verfasserin wichtig, die Sportnoten der befragten Schüler mit ein­zubeziehen. Bei der Untersuchung sächsischer Schüler und Schülerinnen (vgl. Hummel, Erdtel und Adler 2004) stellte man fest, dass trotz der signifikanten Abnahme sportlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten nur selten die Noten 4, 5 und 6 vergeben wurden. Die bun­desweite WIAD-Studie aus dem Jahre 2002 veröffentlichte, dass man zwar kaum Unter­schiede in der Benotung zwischen Jungen und Mädchen feststellen konnte, aber dass auch hier ca. 65 Prozent die Sportnote „gut“ bzw. „sehr gut“ erhalten haben, ohne dass dies mit den Ergebnissen des Bewegungs-Check-up konform geht (vgl. WIAD 2002). Auch Andrea Menze-Sonneck (2000, 130) spricht von einer zu „freundlichen Benotung“ im deutschen Schulsport, wobei die Jungen prozentual besser als die Mädchen abschneiden. Studien von Opper (1996) und Wydra (2001) ergaben ebenfalls, dass die Jungen bessere Sportnoten aufwiesen.

Das französische Notensystem ist feiner unterteilt als das Deutsche und reicht von Null für die schlechteste bis 20 für die beste Leistung. In der Praxis ist es jedoch nahezu ausge­schlossen 20 Punkte zu erreichen. Während in Deutschland häufig der beste Schüler oder die beste Schülerin mit „sehr gut“ benotet werden, stehen in Frankreich 20 Punkte für absolute Perfektion. Auch die Noten 19, 18 und 17 werden eher selten vergeben. Bei der Auswertung der französischen Schulsportstudie wurde für die Sportnote des letzten Zeugnisses ein Mittelwert von 2,7 errechnet. Dies entspricht in etwa 13 Punkten und damit der deutschen Note „2-“. Man kann demnach nicht von einer signifikanten Linksver­schiebung ausgehen, auch wenn im französischen Schulsport Punkte unter 10 kaum verteilt werden. Bezüglich der Geschlechterunterschiede hinsichtlich der Sportnoten konnten weder in der sächsischen Schulsportstudie (2004), noch in der französischen Schulsportstudie erhebliche Unterschiede festgestellt werden. Die französischen Schüler und Schülerinnen hatten beide im Mittel eine Sportnote von 14-12 Punkten auf ihrem letzten Zeugnis (vgl. Abbildung 4-3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4-3: Anzahl der einzelnen Sportnoten des letzten Schulzeugnisses * Geschlecht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4-4: Sportnote letztes Zeugnis * Wie gerne treibst du Sport?

Betrachtet man die Einstellung der französischen Schüler zum Schulsport, so stößt man auf unterschiedliche Ergebnisse bezüglich der Beeinflussung durch die Sportnote. Es wird angenommen, dass diese beiden Merkmale eng miteinander verbunden sind. Bei der französischen Schulsportstudie kann man jedoch bei einem Korrelationskoeffizienten von 0,211 davon ausgehen, dass zwischen den beiden Variablen ein geringer linearer Zu­sammenhang besteht. In Abbildung 4-4 lässt sich ebenfalls erkennen, dass die Einstellung der Schüler zum Sport weitestgehend unabhängig ihrer Noten ist.

Bis auf einen Schüler/-in gaben alle befragten Schüler an, „sehr gern“ bzw. „eher gern“ Sport zu treiben.

4.2 Das französische Sportsystem aus Schülersicht

4.2.1 Zum Sportverhalten französischer Schüler

Es ist davon auszugehen, dass das außerschulische Sportengagement den Schulsport zunehmend beeinflusst. Studien an deutschen Schulen (vgl. u.a. Hummel et al., 2004) haben mehrfach bewiesen, dass Sport zur Freizeitaktivität Nummer Eins gehört und von vielen Schülern als „liebstes Hobby“ bezeichnet wird. So entfallen z.B. 60 Prozent der Freizeitmöglichkeiten deutscher Kinder auf Spiel, Sport und Bewegung. Die sportliche Aktivität in der Freizeit spielt laut sächsischer Schulsportstudie eine wichtige Rolle für sportliche, wie auch für unsportliche Schüler hinsichtlich der Einschätzung der eigenen Sportlichkeit. Mittels Kreuztabelle zeigte sich, dass zwischen der Frage „Wie oft treibst du in deiner Freizeit Sport?“ und den Selbstkonzepten „Sportlichkeit“ und „Wie gern treibst du Sport?“ ein signifikanter Zusammenhang besteht.

In der französischen Schulsportstudie ergaben sich folgende Werte:

Tabelle 4-1: Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität & sportlichen Selbstkonzepten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit einem Signifikanzniveau von p < 0,01 und einem Korrelationskoeffizienten von

-1 > r < 0 ist hier ein hoch signifikanter negativer Zusammenhang zwischen den Variablen zu erkennen (vgl. Tabelle 4-1). Das heißt, Schüler/-innen die regelmäßig in ihrer Freizeit Sport treiben, geben häufiger an, gerne Sport zu treiben und schätzen sich eher als sport­lich ein, als Schüler/-innen, die keinen Sport bzw. nur unregelmäßig Sport in der Freizeit treiben. Zwischen den beiden Selbstkonzepten „Sportlichkeit“ und „Wie gern treibst du Sport?“ wurde ebenfalls eine perfekt positive Korrelation mit r = 0,560 festgestellt. Allerdings lässt sich durch die erhobenen Daten nicht auf die Richtung der Zusammen­hänge schließen. Demnach ist nicht klar, wie die Variablen sich gegenseitig beeinflussen. Es ist jedoch ersichtlich, dass der Bezug zum Sport mit der Einstellung zum Sport korre­liert und es möglich ist, Kinder und Jugendliche positiv zu beeinflussen. Es lässt sich aus Sicht der Autorin durchaus vermuten, dass Kinder und Jugendliche, ohne Bezug zum Sport in ihrer Freizeit, ein negatives sportliches Selbstkonzept haben. Durch Freude und Spaß an Bewegung, Spiel und Sport ließe sich dieses Selbstkonzept sicherlich positiveren.

Zur Bewegungshäufigkeit der Kinder in ihrer Freizeit gaben 32 Prozent der Befragten im Rahmen der sächsischen Schulsportstudie an, außerschulisch nur selten bzw. unregel­mäßig sportlich aktiv zu sein. Wobei die Autoren davon ausgehen, dass die Ergebnisse auf Grund sozialer Erwünschtheit von Sport beschönigt sein könnten. Hingegen gaben 48 Prozent der befragten Schüler an, regelmäßig mehr als 2 Stunden Sport pro Woche in der Freizeit zu treiben. Die Studie verzeichnete ebenfalls einen statistisch signifikanten Unter­schied zwischen Schülern und Schülerinnen.

Bei der französischen Schulsportstudie teilten 23,1 Prozent der Befragten mit, weniger als 1 Stunden pro Woche bzw. unregelmäßig und 48,1 Prozent 1 bis 4 Stunden Sport zu treiben. Positiv ist ebenfalls, dass 28,9 Prozent der Schüler angaben zwischen 4 und 10 Stunden pro Woche sportlich aktiv zu sein (vgl. Tabelle 4-2).

Tabelle 4-2: Item: „Wie oft treibst du in deiner Freizeit Sport?“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf der Datenbasis von 52 befragten Schülern kann zwar keine quantifizierende Aussage getroffen werden, es weist jedoch darauf hin, dass sich französische Schüler sportlich aktiver einschätzen, als deutsche Schüler. Hinsichtlich der Geschlechter werden auch hier Unterschiede deutlich. So treiben zwar die befragten Schülerinnen im Mittel regelmäßig 1 bis 4 Stunden Sport pro Woche, die befragten Jungen dagegen 2 bis 6 Stunden. Auch andere Studien bestätigen diese Geschlechtsunterschiede im Sportverhalten (vgl. u. a. WIAD 2003).

Auf Grund der unterschiedlichen deutsch-französischen Schulsysteme und der Schul­sportgemeinschaft «Association Scolaires» durch den Dachverband UNSS ist es durch­aus denkbar, dass französische Schüler seltener in traditionellen Sportvereinen integriert sind, als deutsche Schüler. Im Rahmen der sächsischen Schulsportstudie waren 49 Prozent der befragten Schüler, tendenziell mehr Gymnasiasten, in einem Sportverein or­ganisiert. Die Anzahl der französischen Schüler, die in Sportvereinen auch außerschulisch Sport treiben, überwiegt mit 56 Prozent um weniges hinsichtlich derer, die nicht Mitglied eines Sportvereines sind und widerlegen somit die vorangegangene Hypothese der Ver­fasserin. Auch hier sind jedoch die Schüler des Lycée häufiger vertreten, als die des Collèges (vgl. Abbildung 4-6).

Dies stellt jedoch kein repräsentatives Ergebnis dar, da auf dem Collège lediglich die Schüler der Klasse sixième befragt wurden und die drei darauf folgenden Klassenstufen ausgelassen wurden. In diesem Alter haben sich Kinder oftmals noch nicht auf eine be­stimmte Sportart festgelegt. Es ist weiterhin darauf hinzuweisen, dass laut eigener Angaben viele Schüler auch individuell nach der Schule oder am Wochenende Sport treiben, wie z.B. Jogging, Skaten und Schwimmen oder regelmäßig an den Programmen der UNSS teilnehmen.

Bezüglich des Geschlechts lassen sich hingegen der WIAD Studie (2003), wie auch bei der sächsischen Schulsportstudie (2004) keine signifikanten Unterschiede bei den be­fragten französischen Schülern verzeichnen (vgl. Abbildung 4-5). In Deutschland sind jedoch laut der Bielefelder Jugendsportstudie (1995) Mädchen und Frauen in Sport-vereinen weiterhin unterrepräsentiert (vgl. Berndt 2000) .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4-5: Vereinsmitgliedschaft * Ge­schlecht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4-6: Vereinsmitgliedschaft * Klassen­stufe

Aus den Erfahrungen der Autorin und Gesprächen mit französischen Schülern kann man festhalten, dass Sport auch in Frankreich ein wichtiger Faktor in der Freizeit darstellt.

In der Verteilung der Sportarten, die in den Vereinen betrieben werden, sind geschlechts­typische Unterschiede zu bemerken. Während Mädchen eher zu tänzerischen Sportarten tendieren, toben sich die Jungen lieber in Ballsportarten aus. Die sächsische Schulsport­studie ergab, dass die Vereinssportart Nummer 1 der Jungen Fußball ist, gefolgt von Basket­ball, Handball und Kampfsportarten wie Judo. Mädchen bevorzugen hingegen Sportarten wie Ballett, Tanz, Cheerleading, sowie Turnen, Reiten und Volleyball.

Die französischen Schüler hingegen entsprechen nicht diesem typischen Bild in der Sportartenverteilung. Die Mehrzahl der befragten Jungen ist in der Kampfsportart Judo aktiv. Es folgen Handball und Leichtathletik. Die beliebte Ballsportart Fußball ist gleichauf mit Fechten, Tennis und Baseball. Bei den Mädchen konnte sich die Sportart Reiten als Favorit absetzen. Die darauf folgenden Angaben waren relativ ausgeglichen. So sind weitere beliebte Vereinssportarten Badminton, Basketball, Klettern, Leichtathletik und Schwimmen. Man kann folglich nicht ohne weiteres Individualsportarten den Mädchen zuteilen und Mannschaftssportarten den Jungen. Die Ergebnisse der französischen Schulsportstudie zeigen, dass sowohl die Mädchen, als auch die Jungen zu Individual- und Mannschaftssportarten tendieren. Was wiederum von den jeweiligen Angeboten der gemeindeansässigen Vereine abhängig ist.

Für besonders interessant befindet die Autorin, dass französische Schüler zu Sportarten wie Fechten, Klettern und Baseball eher, als deutsche Schüler tendieren. Die Mehrheit der befragten, im Verein organisierten, französischen Schüler betreibt nur eine Sportart. Diese Sportart wird nach eigenen Aussagen von 49 Prozent einmal pro Woche betrieben, von 46 Prozent 2 bis 3 mal und von 5 Prozent 4 mal und häufiger.

Die Ergebnisse bezüglich der sportlichen Aktivität der befragten Schüler ergaben sowohl in der sächsischen, als auch in der französischen Schulsportstudie, dass Vereins­mitglieder mehr Freizeit für ihren Sport aufbringen, als Nichtmitglieder. So sind Vereins­mitglieder im Mittel 4 bis 5 Stunden pro Woche sportlich aktiv und Nichtvereinsmitglieder 1 bis 2 Stunden (vgl. Abbildung 4-7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4-7: Sportliche Aktivität von Vereinsmitgliedern und Nichtvereinsmitgliedern pro Woche

Daraus lässt sich schließen, dass der Sportverein Kinder zum regelmäßigen Sporttreiben ermutigt und sich dies positiv auf die Einstellung zum Sport auswirkt.

In diesem Zusammenhang ist auch eine Betrachtung der Wettkampfteilnahme in Schule und Verein interessant. Welche Unterschiede sich dabei bemerkbar machen und ob es Übereinstimmungen zur deutschen Studie gibt, wird im Folgenden erläutert.

4.2.2 Wettkampfteilnahme in Schule und Verein

Laut Aussagen der Befragten werden außerhalb des Unterrichts vor allem Wettkämpfe in den Ballsportarten, wie z.B. Handball, Basketball, Fußball und Volleyball, von den Schulen organisiert, aber auch in Schwimmen und Leichtathletik finden Wettkämpfe statt. Sportarten wie Wintersport und Hockey wurden lediglich einmal benannt. Im Gegensatz zur deutschen Studie dominieren in Frankreich auch hier die Spielportarten Handball und Basketball vor Fußball. Auf die Frage, ob die Schüler ihre Schule schon bei außer­schulischen Wettkämpfen vertreten haben, antworteten 35,6 Prozent mit „Ja“ und 64,4 Prozent mit „Nein“. Bei der deutschen Schulsportstudie ergaben sich ähnliche Werte. Wie in Abbildung 4-8 dargestellt, ist der Anteil der teilnehmenden Jungen bei der fran­zösischen Schulsportstudie mit 22 Prozent stärker vertreten, wohingegen die Mädchen nur zu 15 Prozent an außerschulischen Wettkämpfen für ihre Schule teilnehmen.

Bezüglich der Schulart konnten bei beiden Studien keine signifikanten Unterschiede fest­gestellt werden (vgl. Abbildung 4-9). Die französischen Schüler haben dabei ihre Schule vor allem in den Sportarten Handball, Badminton, Basketball und Fußball vertreten. Es folgen weitere Sportarten wie z.B. Volleyball, Judo und Leichtathletik.

[...]


[1] Der BMI ergibt sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Meter. Ein BMI größer als 25 gilt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Übergewicht. Liegt der BMI über 30, sprechen Ärzte von krankhafter Fettleibigkeit bzw. Adipositas.-http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E96EEB9AE2E5740A19F45C30602E5305B~ATpl~Ecommon~Scontent.html [Stand: 29.06.2007]

[2] fettleibig = adipös

[3] Vgl. http://www.eufic.org/article/de/ernahrungsbedingte-

krankheiten/fettleibigkeit/artid/Fettleibigkeit-Kinder-vorbeugen-Umfeld/ [Stand: 22.05.2007]

[4] Negative Energiebilanz bedeutet, dass man mehr Energie in Form von Kilokalorien zu sich nimmt, als der Körper umsetzen kann. – Anm. d. Verf.

[5] Diese Studie ist eine Zusammenarbeit zwischen der Krankenkasse AOK und dem Deutschen Sportbund unter der Leitung des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands. – Anm. d. Verf.

[6] Vgl. http://www.unss.org/presentation_UNSS/presentation.html [Stand: 25.05.2007]

[7] Vgl. http://www.unss.org/presentation_UNSS/presentation.html [Stand: 25.05.2007]

[8] Es handelt sich hierbei um Elitehochschulen für die begabtesten Abiturienten, die sich vor allem auf Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung spezialisieren. – Anm. d. Verf.

[9] Diese bieten ein zweijähriges Kurzstudium mit starker berufspraktischer Orientierung und Spezialisierung. - Große 1996

[10] Gemeint ist das französische Abitur.

[11] Diplôme d’Etudes Universitaires Générales

[12] Abkürzung für «Certificat d’Aptitude au Professorat de l’Enseignement Secondaire»

[13] Abkürzung für «Sciences et techniques des activités physiques et sportives»

[14] Abkürzung für «Certificat d’Aptitude au Professorat d’Education physique et sportive»

[15] http://ifs-tud.de/ifs/Studium/Lehramt/studienordnung.html [Stand: 09.07.2007]

[16] Die Bestandteile (Fragen, Aufgaben, Aussagen) eines Fragebogens werden als „Item“ bezeichnet. – Anm. d. Verf.

[17] „Die Korrelation ist eine Beziehung zwischen zwei oder mehr statistischen Variablen.“ - http://www.bwclub.de/lexikon/k/korrelation.htm [Stand: 30.06.2007]

Details

Seiten
115
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640133598
ISBN (Buch)
9783640135226
Dateigröße
870 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113557
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,7
Schlagworte
Qualität Region Loiret Studie Schulsportstudie Schulsport Frankreich Bewegunsgprotokolle Bewegungsmangel Sportwissenschaft Sportpädagogik Vergleichsstudie

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Titel: Die Qualität des Schulsports in der französischen Region Loiret - Eine Studie im Vergleich zur sächsischen Schulsportstudie 2004