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Das Phänomen Krieg im Zeitalter der ökologischen Krise

Hausarbeit 2002 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhalt

1. Einstieg

2. Die atomare Selbstzerstörung

3. Umweltzerstörung und kriegerische Gewalt in der Gegenwart

4. Kriegsursache Wasser

5. Der Kampf um die letzten Barrel Öl

6. Das Zeitalter der ökologischen Krise

7. Schlußbetrachtung

1. Einstieg

In dieser Arbeit soll thematisiert werden, wie eine sozial-ökologische Destabilisierung von menschlichen Lebensräumen und Ressourcenknappheit Kriege bzw. bewaffnete Konflikte verschärfen aber auch auslösen können. Dafür ist es notwendig, sich die Beschaffenheit ökologischer Gefahren detaillierter anzusehen und Aspekte der Konfliktforschung und ökologischer Grundlagenforschung enger aufeinander zu beziehen. In einem ersten Schritt soll aufgezeigt werden, wie die heutige Situation von Umweltzerstörung und konfliktauslösenden Faktoren sich gestaltet. Dies geschieht auch unter dem Gesichtspunkt, welche Schlußfolgerungen sich daraus für zukünftige Entwicklungen ergeben könnten, soweit das heute schon ersichtlich ist. Genauer betrachtet werden sollen danach die Konfliktsituationen um die Ressourcen Wasser und Erdöl, weil sich an diesen Bespielen prägnant Potentiale für mögliche zukünftige Ressourcenkriege zeigen lassen.

Im zweiten Schritt wird problematisiert, welche Konsequenzen das Zusammenwirken von zerstörerischen Klimaveränderungen, Bevölkerungswachstum, knapperen Ressourcen und anderen Faktoren hervorrufen könnte und welche Destruktivpotentiale daraus für kriegerische Handlungsoptionen erwachsen. Hier sind selbstverständlich nur Grundzüge aufzeigbar, die sich aus einer Zuspitzung der ökologischen Krise im globalen Maßstab ergeben würden. Eine weiterreichende Vorhersage wird kaum möglich sein, da die anthropologisch verursachten Zerstörungsprozesse, die eintreten können, zwar gut beschrieben werden können, aber mit großen Unwägbarkeiten behaftet sind, was den Zeitpunkt ihres Eintretens und die komplexen Folgewirkungen betrifft. Es könnte durchaus sein, daß ein bislang nicht beachteter „Nebenfaktor“, zum entscheidenden Problem bei der globalen Destabilisierung der Biosphäre wird. So manche nichtlineare Entwicklung kann überhaupt nicht abgeschätzt werden.

Wenn wir von der Gefahr einer ökologischen Weltkrise sprechen, dann ist dabei nach wie vor die Gefahr eines Atomkrieges mit katastrophalen Folgen immer mitzubedenken. Die Möglichkeit einer vollständigen selbstverschuldeten Selbstzerstörung der Zivilisation durch einen Atomkrieg sei in einem kurzen einleitenden Exkurs noch mal vergegenwärtigt, hat doch diese Gefahr jahrzehntelang die internationale Ordnung mitgeprägt. Es geht hier darum alle Faktoren, die auf eine Auslöschung der Menschheit hinlaufen können mit im Blick zu haben. Dazu würde gewiß auch eine Kriegsführung oder international organisierte Terrorakte mit biologischen Arsenalen führen können, etwa bei Pocken, oder gentechnisch produzierten neuartiger Viren und Bakterien. In allen solchen Fällen wäre am Ende das globale ökologische Gleichgewicht völlig aus Fugen geraten.

Gravierende Umweltschäden können auch bei konventionell geführten Kriegen auftreten. In der Geschichte des Krieges war es keine Seltenheit, daß Trinkwasser verseucht wurde, landwirtschaftliche Nutzflächen als Versorgungsgrundlage der örtlichen Bevölkerung abgebrannt wurden oder der Boden durch Versalzung unfruchtbar gemacht wurde. Staudämme und Deiche wurden zum Kriegsziel. Die USA vernichten mit Herbiziden und Brandwaffen im Vietnamkrieg die Vegetationsdecke[1], und der Irak setzte im zweiten Golfkrieg über 500 Erdölbohrstellen in Brand. Dies soll hier nicht eingehender betrachtet, aber der Vollständigkeit halber genannt sein.

2. Die atomare Selbstzerstörung

In der Endphase des West-Ost-Konfliktes konnten beide Seiten zusammen 1,6 -millionenmal die auf Hiroshima niedergegangene Atomexplosion an Zerstörungskapazität auslösen. Auf jeden Einwohner eines NATO-Staates kamen umgerechnet 60 Tonnen Sprengstoff.[2] Die Vorwarnzeit für atomare Einschläge der jeweils anderen Seite lag bei etwa vier Minuten. Mehrfach gerieten die damaligen Supermächte in die akute Gefahr, sich einen atomaren Schlagabtausch zu liefern, man denke nur an die Kubakrise, aber auch weitere analog gefährliche Ereignisse lassen sich aufzeigen. Ein atomarer Weltkrieg hätte verheerende Folgen für die menschliche Zivilisation ausgelöst und die Ökosphäre unseres Planeten in existentiellem Grade vernichtet. Je nach Intensität und Konfiguration des atomaren Weltkrieges wäre auch eine vollständige Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen auf unserem Planeten möglich gewesen, bei der fast alle Lebewesen in Folge vernichtet worden wären.

Durch einen atomar ausgetragenen Krieg würde eine verheerende radioaktive Verseuchung eintreten. Große Teile der Erdatmosphäre verglühen, die Atmosphäre ist mit Staub und Qualm längerfristig verdunkelt. Selbst ein begrenzter Atomkrieg würde einen atomaren Winter auslösen. Die Ozonschicht in der Stratosphäre wäre zerstört und könnte uns nicht mehr vor der kurzwelligen UV-B-Strahlung schützen, massenhaftes Auftreten von Hautkrebs, ein drastischer Rückgang von Pflanzenwuchs und anderes mehr wären die Folgen.[3]

Ein globaler atomarer Schlagabtausch kann sich nach wie vor aus verschiedenen politischen Konstellationen heraus entwickeln, nicht zuletzt deshalb, weil immer mehr Staaten in der Welt im 21. Jahrhundert über Atomwaffen verfügen bzw. verfügen werden. Der beendete Ost-West-Konflikt nahm nur die Intensität der Aufmerksamkeit von diesen Gefahren. Die Kriegsgefahr zwischen den einstigen Blöcken wurde als gebannt wahrgenommen, doch solange nicht die letzten Atomsprengköpfe abgerüstet sind, wird diese Form einer globalen Selbstvernichtung des Menschen und der Biosphäre weiterhin potentiell möglich sein. Auch andere kriegerische Massenvernichtungsmittel können analoge Folgen zeitigen. Überlagert wird die atomare Selbstmordgefahr aber durch die langfristige, schleichende Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen, die wir durch unseren Lebensstil und unsere Produktionsweisen verursachen, in besonders hohem Maße in den reichen Industrieländern.

3. Umweltzerstörung und kriegerische Gewalt in der Gegenwart

Schon zwischen 1994 und 1997 spielten bei einem Drittel der beobachteten Kriege und bewaffneten Konflikte Umweltzerstörung und damit verbundene Knappheiten von Existenzmitteln für die Menschen eine Rolle. Jedoch gibt es bisher keine kriegerischen Auseinandersetzungen, die allein um natürliche Ressourcen und Umweltzerstörung geführt würden.[4] Allerdings muß man beim zweiten Golfkrieg davon ausgehen, weder die Besetzung Kuwaits noch der folgende amerikanische Angriff wäre ohne die Ölinteressen der beteiligten Parteien zum Zuge gekommen. Der Irak ist in Kuwait einmarschiert, um sich die reichen Ölfelder des Landes einzuverleiben, und die USA sicherten sich durch den nachfolgenden Krieg den Zugang zu den Ölvorräten im Persischen Golf, so Hans Kronberger.[5] Insofern könnten wir in diesem Fall vom ersten Krieg sprechen, dessen vorrangiger Anlaß aus der Ressourcensicherung heraus rührt.

Zu dem Gesichtspunkt, es würden bisher keine kriegerischen Auseinandersetzungen, allein um natürliche Ressourcen und Umweltzerstörung geführt werden, ist des weiteren einschränkend hinzuzufügen, es gab sehr wohl Konflikte, wo die einheimische Bevölkerung bewaffnet gegen Ölmultis vorging, in Nigeria oder Ecuador z.B. Die Ölförderung verschmutzte das Siedlungsgebiet in dem die Menschen leben. Aber von einem bewaffneten Konflikt größerer Intensität kann man kaum sprechen.

Zu beobachten ist: Wo Umwelt zerstört wird, kommt es oft auch zu mehr oder weniger schweren Menschenrechtsverletzungen. Beim atomaren Unfall in Tschernobyl wurden die Menschen viel zu spät evakuiert, die Informationen über die Situation kamen nur sehr spärlich an die Bevölkerung und auch in den Folgejahren werden die Menschen oft im Unklaren gelassen. Dies geht zum Beispiel aus Interviews, die Swetlana Alexijewitsch mit Menschen führte, welche aus den atomar verseuchten Gebieten stammen, klar hervor.[6] Bei Staudammprojekten oder dem Aufschluß von Bodenschätzen, wenn großräumig Siedlungsgebiete in Beschlag genommen werden, kommen oftmals die Interessen der ansässigen Bevölkerung bei der Planung und Durchführung überhaupt nicht vor. Die indigene Bevölkerung in Brasilien wird systematisch ihres Lebensraumes beraubt, immer mehr Regenwälder abgeholzt, und wer sich dem entgegenstellt, in aller Regel umgebracht. Doch führen alle diese Problemlagen zumeist nicht zu bewaffneten Konflikten, weil den Betroffenen allein schon die Machtmittel dafür nicht in die Hand gegeben sind. Zudem würde ein solches Vorgehen zumeist in einer Spirale gesteigerter Gewalt münden, die die Lasten noch vermehren würden, welche ursprünglich Anlaß für den Widerstand waren.

Bereits heute existiert millionenfaches Leid durch Umweltschäden. Jedes Jahr sterben weltweit zwölf Millionen Menschen infolge von Wasser- und drei Millionen infolge von Luftverschmutzungen, ermittelte der UN-Bevölkerungsfond.[7] Nach Angaben der „Wasserkommission für das 21. Jahrhundert“ sind 1999 zum erstenmal mehr Umweltflüchtlinge als Binnenflüchtlinge festgestellt worden. Im Jahr 2000 zählte man ungefähr 25 Millionen Umweltflüchtlinge und rechnet mit einer Verdopplung der Anzahl schon bis 2010.[8]

Die sich verschlechternde Umweltsituation in vielen Ländern, besonders denen in der Dritten Welt, wird aber immer mehr zu einem begleitenden Ursachenfaktor, der zu gewaltsamen Konflikten bzw. Kriegen führt. Umweltschäden und eine ungleichmäßige Verteilung natürlicher Ressourcen können als Katalysator in Auseinandersetzungen wirken. Sozial-ökologische Destabilisierung vermag ein auslösendes Moment sein, genügt für sich genommen aber bisher zumeist nicht für einen Gewaltausbruch. Sie ist aber immer häufiger eine von mehreren Einflußgrößen in komplexen gesellschaftlichen Situationen, in der ein friedvoller Konfliktaustrag nicht mehr zum Zuge kommt. Umweltkonflikte sind anthropogener Natur, sie ergeben sich aus der Wirtschafts- und Lebensweise, aus bestimmten Formen der Herrschaft und der territorialen Organisa­tion politischer Einheiten.[9]

[...]


[1] Georg Weingartner; Der Schutz der Umwelt im Kriegsrecht, Österreichische Militärische Zeitschrift, 3/2001

[2] Franz Alt; Frieden ist möglich. Die Politik der Bergpredigt, München, 1991, S.23

[3] Enquetekommission „Schutz der Erdatmosphäre“ des Deutschen Bundestages (Hrsg.); Schutz der Erdatmosphäre. Eine internationale Herausforderung, Bonn, Karlsruhe, 1990, S.121; Franz Alt; Liebe ist möglich. Die Bergpredigt im Atomzeitalter, München, 1991, S.51

[4] Alexander Carius, Eileen Petzold-Bradley, Stephanie Pfahl; Umweltpolitik und nachhaltige Friedenspolitik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 12/2000, S.9

[5] Hans Kronberger; Blut für Öl. Der Kampf um die Ressourcen, Wien, 1998, S.123

[6] Swetlana Alexijewitsch; Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft, Berlin, 2000

[7] Berliner Morgenpost, 8.11.2001

[8] Sven Chojnacki, Wolf-Dieter Eberwein; Umweltkonflikt und Umweltsicherheit, in: Ingomar Hauchler, Dirk Messner, Franz Nuscheler (Hrsg.); Globale Trends 2002. Fakten, Analysen, Prognosen, Frankfurt am Main, 2001, S.366

[9] Harald Müller; Umwelt und Konflikt, in: Bertold Meyer, Christian Wellmann (Hrsg.); Umweltzerstörung: Kriegsfolge und Kriegsursache, Frankfurt am Main, 1992, S.78

Details

Seiten
21
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638175388
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11358
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – OSI
Note
1,7
Schlagworte
Krieg Umwelt Wasser Öl Sicherheit Klimaschutz

Autor

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