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Das Journalistische Interview - Von der Entstehung bis zur Präsentation

Hausarbeit 2002 19 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Allgemeines zum Interview
2.1. Definition
2.2. Rahmenbedingungen
2.3. Regeln der Interviewtechnik

3. Vorbereitung

4. Verschiedene Arten von Fragen

5. Checkliste zur Qualität eines Interviews

6. Formen des Interviews
6.1. Das Recherche Interview
6.2. Das Reportagen Interview
6.3. Das Interview als Darstellungsform
6.4. Das telefonische Interview
6.5. Spezielle Formen des Interviews

7. Live Interview vs. aufgezeichnetes und gedruckte Interview

8. Beeinflussung des Interviews

9. Rechte des Journalisten

10. Präsentation des Interviews

11. Zusammenfassung

12. Literaturangaben

1. Einleitung:

Das Interview ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Journalismus und nebenbei gesagt auch der Sozialforschung, in der es zu Datenerhebungszwecken verwendet wird. Ich beschränke mich jedoch auf das journalistische Interview, welches in vielen verschiedenen Gebieten eingesetzt werden kann: als gedrucktes (z.B. Zeitung) oder gesendetes (z.B. Fernsehen, Radio). Dies kann in Form von Studiogesprächen, Informationen zu politischen Entscheidungen oder anderen Themen, aber auch Talkshows geschehen. Mit diesen wenigen Beispielen ist natürlich nur ein kleines Gebiet des Interviews abgedeckt, der aber denke ich aussagekräftig genug ist.

Aber wann ist ein Interview auch ein Interview? Wenn sich ein Reporter zufällig mit einer zum Beispiel prominenten Person unterhält, ist das schon ein Interview? Was nur Geschwätz, was ein Dialog und was ein Interview ist, hängt also von bestimmten Rahmenbedingungen ab, auf die ich noch später zu sprechen komme.

In den folgenden Abschnitten habe ich die Absicht, dem Leser zu erklären, was ich zum Teil oben schon angerissen habe aber auch welche verschiedenen Formen des Interviews es gibt, wie sie vorbereitet werden und welche Regeln es einzuhalten gilt. Natürlich ist es auch wichtig, wie man das fertige Interview am Ende auf Papier (oder ins Radio bzw. Fernsehen) bringt. Ich habe ebenfalls die Rechte des Journalisten betrachtet und zudem auch Allgemeines wie zum Beispiel die Definition des Wortes „Interview“ an sich.

Die grobe Reihenfolge der Themenabschnitte dieser Hausarbeit ist nach der Entstehung eines Interviews eingeteilt, also von der Vorbereitung über Teilgebiete wie Regeln, usw. über das Gespräch bis hin zur Präsentation. Natürlich lässt sich dies nicht in jedem Punkt genau einhalten, weshalb einige Aspekte schon vorweggenommen werden müssen oder später ergänzt werden.

2. Allgemeines zum Interview:

2.1. Definition:

Das Wort Interview stammt ursprünglich vom französischen Verb „entrevoir“ ab und bedeutet „sich begegnen, treffen“. Daraus hat sich nach einiger Zeit das Wort „entreview“ gebildet, was „verabredete Zusammenkunft“ bedeutet. Dieses Wort wurde von der englischen Hofsprache übernommen, bevor es von englischen und amerikanischen Journalisten in der Mitte des vorigen Jahrhunderts übernommen wurde. Seit dieser Zeit bedeutet das Wort „eine Befragung durch einen Journalisten, die in Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlicht oder über Rundfunk oder Fernsehen gesendet wird“ (Universal Lexikon (2000): S. 402).

2.2. Rahmenbedingungen:

Im folgenden werde ich mehrmals von einer Interviewsituation sprechen. Um dem Leser genauer zu zeigen, was das bedeutet, werde ich jetzt die Rahmenbedingungen eines Interviews genauer erklären. Allgemein formuliert bedeutet es: „Wann ist ein Interview ein Interview?“

Trifft zum Beispiel ein Reporter zufällig „zwischen Tür und Angel“ einen Prominenten und sie betreiben Smalltalk, ist es dann schon eine Interviewsituation? Hier kommen die Rahmenbedingungen ins Spiel. Wenn man die obige Definition etwas weiter wählt, ist das Interview eine gezielte Befragung von Personen/ Informanten zur Ermittlung allgemein sachlicher oder personenbezogener Information. Der Reporter muss also ein Ziel haben, nämlich die bestimmte Information, die er sucht. Es muss zudem um eine Interviewsituation zu erlangen beiden Partnern (Interviewer und Interviewter) bewusst sein, dass sie sich zwar auf einen persönlichen Dialog einlassen, dieser aber gleichzeitig auch öffentlich ist. Beide denken daher auch an den Effekt ihrer Fragen bzw. Aussagen in der Öffentlichkeit. Der Dialog in einem Interview hat neben den allgemeinen Regeln der Konversation (es muss mindestens zwei Teilnehmer geben, Informationen werden ausgetauscht, ...) drei wichtige kennzeichnende Strukturmerkmale: Der Journalist muss, auch wenn er keine Fragen stellt, zuvor das Thema nennen, über das geredet werden soll. Zudem muss er den Interviewpartner dazu veranlassen zu diesem Thema Aussagen zu machen: „Asymmetrie des Dialogs“ (vgl. Jürgen Friedrichs 1979, S. A 1). Die Journalisten sind sich einig, dass man mindestens drei Fragen und drei Antworten innerhalb des Dialogs getätigt haben muss, um die Situation auch Interview nennen zu können.

Jetzt kann man auch die oben gestellte Frage (zufälliges Gespräch zwischen Reporter und Prominenten) ob die Situation ein Interview ist oder nicht klären. Bleibt es demnach bei einem zufälligen Dialog ohne Ziel und vorheriger Absprache über die Veröffentlichung, ist es ein normales privates Gespräch. Fängt jedoch der Reporter mit „können sie mir kurz diese Frage beantworten“ oder ähnlichem an, kann sich schnell eine Interviewsituation bilden. Hierzu empfiehlt es sich auch das nächste Kapitel über die Regeln der Interviewtechnik genauer zu betrachten.

2.3. Regeln der Interviewtechnik:

Wirkliche festgelegte Regeln, die besagen, was ein richtiges und was eine falsches Interview ist, gibt es gar nicht, sie richten sich nach der jeweiligen Person, der Situation und anderen Faktoren. Es haben sich jedoch mit der Zeit einige Faustregeln entwickelt, die besagen, dass man zu Beginn des Interviews dem Gesprächspartner eine „Aufwärmphase“ gönnen sollte und nicht gleich mit der „Tür ins Haus fallen“ sollte. Am Anfang empfehlen sich allgemeine Fragen oder ein Aufhänger, der mit dem eigentlichen Thema wenig zu tun hat, da unter anderem die Sympathie und das Vertrauen des Interviewten sehr wichtig für den weiteren Gesprächsverlauf sind. Man kann zum Beispiel über seine Kinder, das Haus, die Frau oder ähnliches sprechen, es sollte aber keine offensichtliche „Schleimerei“ zu erkennen sein.

Die Fragen im Gesprächsverlauf sollten möglichst kurz und präzise gestellt sein, sie sollen direkt auf den Punkt kommen und nicht umschweifend „erzählen“. Jede Frage sollte zudem auch nur ein Thema enthalten: Hiermit wird die Überladung mit verschiedenen Aspekten ausgeschlossen. Eine Frage sollte auch nur eine Frage beinhalten, was das eben geschriebene nur noch weiter unterstreicht. Die Führung des Interviews muss immer der Journalist haben, er kann (oder muss) durch Zwischenfragen das laufende Gespräch unterbrechen, wenn er der Meinung ist, dass das Gesagte nicht zum Thema passt. Direkte und kritische Nachfragen lassen den Interviewten die Antwort oftmals noch präziser formulieren.

Allgemein lässt sich also sagen, dass der Interviewte im Mittelpunkt steht, das Interview jedoch vom Journalisten gelenkt wird, wobei das zentrale Steuerungselement die Fragen sind (vgl. Claudia Mast: ABC des Journalismus 2000).

3. Vorbereitung:

Ein Grundsatz im Journalismus ist die gute Vorbereitung auf ein Interview. Der Interviewer sollte sich im Zeitraum vor dem Interview nicht nur genau mit dem Thema und dessen angrenzenden Sachgebieten beschäftigen, sondern auch Informationen über die zu befragende Person, seinen Charakter und sein Verhalten vorweisen können. Man sagt, je besser die Vorbereitung des Journalisten ist, desto größer sind die Chancen, ein gutes Gesprächsklima zu schaffen und an möglichst viele Informationen zu gelangen. Es ist ebenfalls sehr wichtig, den richtigen Interviewpartner zu finden, denn mit weniger kompetenten und auf dem zu interviewenden Gebiet weniger bewandelten Partnern kann man meistens die gesteckten Interviewziele nicht erreichen. Bevor es zum eigentlichen Gespräch kommt, sollte der Journalist einen Fragenkatalog erstellen, der eventuell vorher mit dem Interviewpartner grob (nicht das gesamte Fragespektrum) besprochen werden kann. Der Interviewer kann sich dank des Kataloges meist sicher sein, dass er keine wichtigen Themenbereiche vergisst.

4. Verschiedene Arten von Fragen:

Es gibt allgemein zwei Arten von Fragen, die offenen- und die geschlossenen Fragen.

Offene Fragen lassen dem Interviewpartner verschiedene Möglichkeiten zu antworten (Was halten sie von...?).

Geschlossene Fragen engen den Antwortenradius sehr ein, sie sind nochmals in drei Kategorien unterteilt: Entscheidungsfragen („ja“ oder „nein“), Alternativfragen („dafür“ oder „dagegen“) und Skalafragen („A, B oder C“).

Werden die beiden Fragetypen jedoch falsch angewandt, kann dies das Interviewergebnis negativ beeinflussen. Besteht das Interview nämlich nur aus offenen Fragen, lässt man dem Interviewten zu viele Freiräume, die er zum Ausweichen auf die Fragen nutzen kann. Das Ergebnis wird hier unter Umständen zu vage, es fehlt die Direktheit und der Biss. Das andere Extrem ist, dass nur geschlossene Fragen gestellt werden. Es besteht jetzt die Gefahr, dass das Interview zu eindimensional wird und der Interviewte interessante Aspekte, die er bei offeneren Fragen genannt hätte, erst gar nicht beleuchtet.

Für ein erfolgreiches Interview empfiehlt sich also eine Mischung aus beiden Fragearten, der Rahmen und die beiden Rollen (Fragender und Antwortender) bleiben gewahrt, neue und eventuell sehr interessante Aspekt bleiben jedoch nicht ausgeschlossen.

5. Checkliste zur Qualität eines Interviews:

Bevor der Journalist das eigentliche Interview führt, sollte er sich, wie schon gesagt, genügend vorbereiten. Aber die Vorbereitung ist nicht alles, worauf er zu achten hat. Um sicher zu gehen, dass man nichts außeracht gelassen hat, kann man sich eine Art Checkliste machen.

Hierbei fragt man sich zuerst, ob die Bedingungen des Interviews erfüllt sind, ob der Befragte sich für das Thema eignet und ob es ein Vorgespräch gab. Das alles bezieht sich auf die Situation vor dem eigentlichen Gespräch, die Checkliste fängt an diesem Punkt erst richtig an. Um in den Hauptteil des Dialoges mit der zu interviewenden Person, der sich auf das eigentliche Thema bezieht, einen guten Einstieg zu bekommen, empfiehlt sich eine klare Anmoderation und ein klarer Übergang zur ersten Frage. Das Informationsziel sollte auch bei der Anmoderation schon zu erkennen sein. Ist nun nach Beendigung der Fragestellung das Interview vorbei, sollte der Journalist sich fragen, ob er sein sich selbst gestecktes Informationsziel erreicht hat und ob die Kenntnisse des Interviewers und der eigenen Recherche ausreichen, um das spätere Produkt zu formulieren oder zu schneiden (Artikel, Beitrag, ...). Bei der entgültigen Fertigstellung ist es sehr wichtig, die Zielgruppe zu beachten, das heißt, an wen sich das Interview richtet. In einem Interview für ein Jugendmagazin sollte man zum Beispiel einen entsprechenden Sprachstil verwenden und vielleicht zu spezielle Information weglassen. Zum Ende hin kann der Journalist für sich dann ein Fazit aus dem gesamten Prozess ziehen, in dem er beachtet, wie zum Beispiel das Gesprächsklima war oder ob die Reihenfolge der Fragen sinnvoll gewählt war. Er wird auch feststellen können, ob er eher als Stellvertreter der Adressaten oder als Promoter des Interviewten gehandelt hat. Die Schlussfolgerung könnte dann heißen: War das Interview sinnvoll oder wäre ein gebauter Beitrag besser gewesen? (vgl. Jürgen Friedrichs, Ulrich Schwinges: Das Journalistische Interview 1999)

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Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638175555
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11377
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Germanistisches Institut
Note
2,7
Schlagworte
Journalistische Interview Entstehung Präsentation

Autor

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Titel: Das Journalistische Interview - Von der Entstehung bis zur Präsentation