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Die Rolle der bürgerlichen Frauen in Deutschland

Seminararbeit 2004 22 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Rolle der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft Deutschlands im 19. Jahrhundert
2.1 Die Situation der Hausfrauen
2.2 Die Situation der Dienstmädchen
2.3 Die Situation der unverheirateten Frauen des Bürgertums

3. Die Ehre der Frau
3.1 Die Ehre als ihr größtes Kapital
3.2 Verlust der Ehre am Beispiel des Ehebruchs

4. Die deutsche Frauenbewegung von ihren Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
4.1 Die Ausgangslage
4.2 Die Schwierigkeiten der deutschen Frauenbewegung
4.3 Die Gründung der ersten deutschen Frauenvereine
4.4 Die Frauenbewegung von 1894 – 1933
4.4.1 Die bürgerliche Frauenbewegung
4.4.2 Die proletarische Frauenbewegung

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im 19. Jahrhundert schwankte das Bürgertum zwischen dem Festhalten an alten Werten, aber wollte auch einen Ausbruch aus diesem alten, überholten und verfestigten System erlangen. In dieser Hausarbeit möchte ich aufzeigen, welche Rolle die Frauen zu der damaligen Zeit in dieser Umbruchphase spielten und welche Möglichkeiten sie suchten, um ihre Vorstellungen und Pläne, wie zum Beispiel das Recht auf Bildung und Arbeit, durchzusetzen.

Als typisch bürgerliche Gesellschaft soll hier die Form gelten, in der eine gesellschaftliche und soziale Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern vorherrscht, wobei die Frauen sich mit ihrer zugewiesenen Rolle der passiven und unmündigen Ehefrau abfanden.

Zunächst soll die Rolle der Frau in gesellschaftlicher Hinsicht beschrieben werden. Sie verhalf dem Mann und der Familie durch standesgemäße Lebens- und Haushaltsführung zu ihrem Ansehen, welches auch mit ihrer Tüchtigkeit steigen und sinken konnte. Aufgrund des häufig vorherrschenden Geldmangels in den Familien waren die Frauen gezwungen, sich Mittel und Wege zu suchen, wie sie den standesgemäßen Schein, ohne finanzielle Mittel, aufrechterhalten konnten. Neben diesen Tätigkeiten werde ich zudem über die Lebensumstände der Dienstmädchen und der Frauen schreiben, die nicht verheiratet waren.

Anschließend soll auf die Ehre der Frauen eingegangen werden, welche für die damalige Zeit besonders wichtig für den gesellschaftlichen Stellenwert war. Die Ehre war das Einzige, was auch die Frauen in der damaligen Zeit erreichen konnten, wobei auch diese immer mit dem Ehemann gekoppelt wurde. Aber dennoch war es damals das einzige Kapital, dass eine Frau haben konnte. Die möglichen Auswirkungen des Verlustes der Ehre möchte ich an dem Beispiel des Ehebruchs aufweisen.

Im dritten Teil der Arbeit soll die Geschichte der Frauenbewegungen ab Mitte des 19. Jahrhunderts dargestellt werden, wobei sowohl die Schwierigkeiten der Frauen bei ihren Emanzipationsversuchen, als auch die Gründung der ersten Frauenvereine in Deutschland angesprochen werden sollen. Dabei soll darauf eingegangen werden, ob die Frauen wirklich eine Gleichbehandlung und Gleichstellung nach bürgerlichem Ideal erreichen konnten oder ob die Frauen nach den Frauenbewegungen noch immer in der klassischen Rollenverteilung von Mann und Frau verblieben sind.

2. Rolle der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft Deutschlands im 19. Jahrhundert

Die bürgerliche Frau des 19. Jahrhunderts stellte den Mittelpunkt der Familie dar, „die Kinder und Gatten selbstlos liebend umsorgte und eigene Bedürfnisse zurückstellte“.[1] Diese zugeteilte soziale Rolle akzeptierten die Frauen zunächst weitestgehend. Zwar waren die Rollen von Mann und Frau strikt getrennt, aber dennoch waren sie auch aufeinander angewiesen. Welche Aufgaben die Frauen hatten und welche Rolle sie für das Ansehen der gesamten Familie hatten soll nun im folgenden Teil beschrieben werden.

2.1 Die Situation der Hausfrauen

Die Hausfrau im 19. Jahrhundert hatte eine „Dreifachrolle als Gattin, Mutter und Haushälterin“[2] zu erfüllen.

Dabei gilt es jedoch die Aufgaben und die Rolle der Frau gegenüber der Öffentlichkeit von denen in der Familie zu unterscheiden. Während sie für die Gesellschaft müßig erscheinen und „durch ihre angebliche Freistellung von hauswirtschaftlichen Arbeiten den sozialen Status des Ehemannes symbolisieren“[3] sollte, war sie innerhalb des Familienlebens doch für den Haushalt zuständig, den sie unter größter Sparsamkeit zu führen hatte.

Die bürgerlichen Frauen verblieben meist in den Häusern, da sie zahlreiche Arbeiten verrichten mussten. Besonders wichtig war, dass auf alle Wünsche des Ehemannes und der Kinder eingegangen wurde, die besonders beim Einkauf und Kochen berücksichtigt werden mussten. Hätte die Frau vor allem die Bedürfnisse des

Ehemannes nicht beachtet, wäre eine unglückliche Ehe die Folge gewesen, da seine

Wünsche stets oberste Priorität hatten. Teilweise waren die zu verrichtenden Arbeiten so umfangreich und aufwändig, dass zusätzlich ein Dienstmädchen eingestellt werden musste. Zwar galt es „gemäß den Regeln des >>guten Tons<< keine Dienstbotenarbeit zu verrichten“[4], doch aufgrund der vielen Arbeit mussten auch die Frauen des Hauses im Haushalt noch mithelfen, was jedoch geheim bleiben musste, um den Schein des Wohlstandes zu wahren. Gegenüber der Öffentlichkeit beobachtete die Hausfrau die Dienstboten lediglich und leitete deren Tätigkeiten.

Jedoch gab es auch Erwartungen an die Hausfrauen bezüglich des Haushalts, die jedoch eigene Anstrengungen ausschloss. Dazu gehörten „Aufmerksamkeit, Ordnung, Reinlichkeit, Fleiß, Sparsamkeit, wirthschaftliche Kenntnisse und Geschicklichkeiten, [um] den Wohlstand, die Ehre, die häusliche Ruhe und Glückseligkeit“[5] des Mannes und der Familie sicher stellen zu können.

Die Hausfrauen hatten üblicherweise keinen Einblick in die Finanzen der Familie und mussten somit immer den Ehemann um Geld bitten. Doch da der Mann sich in der Hauswirtschaft nur wenig auskannte und die Kosten nicht beurteilen konnte, bekamen die Frauen oftmals zu wenig Wirtschaftsgeld von ihm. Kamen die Frauen nun mit dem Geld nicht aus, mussten sie selber Wege suchen und finden, um das nötige Wirtschaftsgeld aufzustocken, da der Ehemann sie bei erneutem Bitten um Geld lediglich der Unfähigkeit beim Wirtschaften bezichtigt hätte, anstatt seinen Fehler einzusehen. Die beliebteste Möglichkeit war das Verkaufen, der in Heimarbeit gefertigten kunstvollen Stickereien oder gehäkelten Spitzen. Solche Arbeiten mussten jedoch nicht nur vor der Öffentlichkeit verheimlicht werden, sondern manchmal auch vor dem eigenen Ehemann, weil auch diese Art der Handarbeit als nicht standesgemäß galt. Um die Hausarbeit der Frauen zu verstecken wurde die bürgerliche Wohnung nicht selten in einen öffentlichen und einen privaten Bereich getrennt. Nur so konnte der Schein des demonstrativen Müßiggangs der Frau bestehen bleiben, der durch die ‚gute Gesellschaft’ vorgeschrieben war und dadurch verloren „die Vorschriften des ‚guten Tons’ [...] spätestens an der Küchentür ihre Geltung“.[6]

Die Rolle der Frau gegenüber der Öffentlichkeit war eine ganz andere. Hier sah man sie gern als müßig, „passiv und emotional“[7]. Der Müßiggang der Ehefrau sollte den Reichtum der gesamten Familie ausdrücken.

Außerdem war die Ehefrau für die Repräsentation der Familie zuständig, wobei sie beispielsweise für eine standesgemäße Einrichtung der Wohnung sorgen musste, die dem Anschein nach die Familie vermögender zeigte, als sie in Wirklichkeit war. Doch „jedes Auftreten in der Öffentlichkeit [...] war ein Prüfstein für Wohlanständigkeit und Standesmäßigkeit“.[8] Dazu zählten unter anderem Besuche in der Oper, aber auch das Einladen zum Essen von Bürgern der gleichen oder höherer Klassen. Um sich bei solchen Essen gut zu präsentieren, musste die Hausfrau zahlreiche Vorbereitungen treffen, da nur ein Menu mit sechs Gängen standesgemäß war und die Zutaten durchaus luxuriös sein und originell verarbeitet werden mussten. Allerdings war auch hierbei eine mitarbeitende Hausfrau ungern gesehen und sie musste ihre Hilfe in der Küche und im Haus heimlich verrichten. Um die Salons möglichst günstig, aber dennoch prunkvoll auszustatten, „fertigten die Frauen [viele Möbelstücke und Accessoires] selbst oder erhöhten deren vermeintlichen Wert durch kunstvolle Verziehrungen“.[9] Zu den selbstgefertigten Arbeiten gehörten vor allem Möbel- und Ausstattungsstücke, Wandteppiche, geknüpfte Teppiche, Glasbilder, Tischdecken oder Vorhänge. Bei gesellschaftlichen Anlässen sollten die Frauen durch Klavier spielen oder durch ihre Kenntnisse über die französische Literatur oder Sprache die anspruchsvollen Gäste unterhalten können. Auf diese Weise konnte sie „dem Mann den Hintergrund von Bildung, Wohlanständigkeit und ökonomischer Potenz“[10] verleihen.

Die Hausfrauen von damals lebten also zwei verschiedene Leben, die aber miteinander verbunden waren. So wäre ohne die nötige Repräsentation der Familie das Sparen und die heimliche Hausarbeit nicht notwendig gewesen und ohne die versteckten Arbeiten der Frau hätte man nicht den standesgemäßen Schein aufbauen können, mit dem man sich gerne repräsentieren wollte.

[...]


[1] Frevert, U./ Haupt, H.-G.(Hrsg.): Der Mensch des 19. Jahrhunderts. Essen: Magnus Verlag. 2004, S. 14

[2] Frevert, U.: Frauen-Geschichte. Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. 1986, S. 20

[3] Meyer, S.: Die Mühsame Arbeit des demonstrativen Müßiggangs. Über die häuslichen Pflichten der Beamtenfrauen im Kaiserreich. In.: Hausen, K. (Hrsg.): Frauen suchen ihre Geschichte. Historische Studien zum 19. und 20. Jahrhundert. München: Beck. 1983, S. 172

[4] Meyer, S.: Die Mühsame Arbeit des demonstrativen Müßiggangs, S. 186

[5] Frevert, U.: Frauen-Geschichte. Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit, S. 20

[6] Meyer, S.: Die Mühsame Arbeit des demonstrativen Müßiggangs , S. 191

Details

Seiten
22
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640151592
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113797
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,7
Schlagworte
Rolle Frauen Deutschland Frauen 19. Jahrhundert

Autor

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