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Englischunterricht an Grundschulen – Zum Erwerb fremdsprachlicher Kompetenzen unter besonderer Berücksichtigung der Immersion

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Unterschied von Fremdsprachenlernen und Zweitspracherwerb

3. Definitionen
3.1 Bilingualer Unterricht
3.2 CLIL
3.3 Die 3- Sprachenformel

4. Immersion
4.1 Grundsätze des Immersionsunterrichts

5. Forschungen zur Immersion
5.1 DESI - Studie
5.2 Muttersprachliches Leseverständnis immersiv unterrichteter Kinder
5.3 Schulleistungen monolingual und immersiv unterrichteter Kinder am Ende des ersten Schuljahres

6. Weitere Forschungsergebnisse

7. Aktuellen Probleme im Zusammenhang mit der Einführung des Englischunterrichts an Grundschulen

8. Resümee

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung bekommen Fremdsprachenkenntnisse eine zunehmende Bedeutung, sie werden gar in vielen Fällen zur Grundvoraussetzung für eine moderne Berufsausbildung. Im europäischen Raum ist eine 3- Sprachenformel aufgestellt worden. Nach dieser sollen alle Schüler bis zum Ende der Pflichtschulzeit drei Sprachen, die Erstsprache (L1) sowie zwei Fremdsprachen (L2) so weit erlernen, dass sie für künftige sprachliche Anforderungen ausreichend sind (Möller, Jens & Zaunbauer- Womelsdorf, 2008).

Um diesem Ziel zu näher zu kommen, ist der Englischunterricht an Grundschulen in Deutschland eingeführt worden. Hierbei handelt es sich in der Regel um klassischen Englischunterricht. Es gibt allerdings auch Schulen, in denen die Kinder immersiv unterrichtet werden. Aber was ist Immersion? Wo liegt der Unterschied zwischen Fremdsprachenlernen und Zweitspracherwerb? Nach welchen Prinzipien erfolgt Immersionsunterricht?

Mit diesen Fragen werde ich mich in der vorliegenden Arbeit beschäftigen. Dafür stelle ich zunächst das Fremdsprachenlernen dem Zweitspracherwerb gegenüber. Darauf folgend werde ich einen Überblick über verschiedene Fachbegriffe im Zusammenhang mit dem Englischlernen geben um mich dann mit der Immersion im allgemeinen, dem Immersionsunterricht und diesbezüglichen Studien zu beschäftigen. Bevor ich zu einem Resümee komme, zeige ich aktuelle Probleme im Zusammenhang mit dem Englischunterricht an Grundschulen auf.

2. Zum Unterschied von Fremdsprachenlernen und Zweitspracherwerb

Grundsätzlich lassen sich zwei Wege für den Erwerb von Fremdsprachen -L2- unterscheiden. Zum einen gibt es das klassische Fremdsprachenlernen (foreign language learning) und zum anderen den Zweitspracherwerb (second language acquisition).

Das Fremdsprachenlernen erfolgt in der Regel im Unterricht durch einen Lehrer, der häufig auch Deutsch als Erstsprache - L1- hat. In diesem Unterricht geht es darum, kommunikative und prozedurale Kompetenzen zu erwerben. Dazu kommt ein explizites Lernen der Sprachregeln, Fehler in der Grammatik und Orthografie werden immer wieder korrigiert. Bei dieser Form des Fremdsprachenerwerbs wird die Fremdsprache überwiegend anhand von Sachthemen vermittelt, Lehrbücher geben die schrittweise Erarbeitung der Grammatik und die Inhalte des Unterrichts vor. Mit Hilfe dieser Inhalte wird die Sprache mit ihren kommunikativen und grammatikalischen Eigenschaften eingeübt. Somit handelt es sich nicht um einen natürlichen Spracherwerb. Das Fremdsprachenlernen erfolgt systematisch, vielfach liegt der Schwerpunkt auf dem Erlernen von Grammatik und Regellernen sowie in der Textarbeit, obwohl in der heutigen Zeit der Kommunikation in der L2 eine hohe Bedeutung zukommt (Möller & Zaunbauer- Womelsdorf , 2008).

Der Zweitspracherwerb findet vorwiegend in dem Land, in dem die Zweitsprache gesprochen wird, statt. Die Sprache wird durch den Kontakt mit Personen, für welche die zu erlernende Zweitsprache die Mutter-/ Erstsprache ist, erlernt. Somit kann der Zweitspracherwerb im Ausland sowohl in der Schule als auch außerhalb der Schule stattfinden. „Entscheidend ist die Begegnung mit Erstsprachlern in authentischen Situationen, in denen durch die hohe sprachpraktische Intensität pragmatische und prosodische Kompetenzen bevorzugt erworben werden. Der grammatikalische Regelerwerb findet dabei vorwiegend implizit statt und mündet- ähnlich wie beim Erlernen der L1- in prozeduralem Regelwissen“ (Möller & Zaunbauer- Womelsdorf, 2008, S. 589). Bei diesem Zweitspracherwerb können die Lernenden die grammatikalischen Regeln vielfach nicht benennen, sie sprechen dennoch korrekt.

Der Immersive Unterricht entspricht dem hier beschriebenen Zweitspracherwerb bzw. ist diesem zuzuordnen (Möller & Zaunbauer- Womelsdorf , 2008).

3. Definitionen

3.1 Bilingualer Unterricht

Unter der Bezeichnung „bilingualer Unterricht“ werden von verschiedenen Autoren unterschiedliche Inhalte verstanden. Während Möller & Zaunbauer- Womelsdorf (2008) den bilingualen Unterricht dahingehend beschreiben, dass in diesem sowohl die L1 als auch die L2 gesprochen werden und bei der Immersion die L2 alleinige Unterrichtssprache ist, lässt sich bei Burmeister (2006) keine Abgrenzung zur Immersion erkennen. „Sachfachunterricht in einer Fremdsprache, landläufig als bilingualer Unterricht und (europa-) offiziell als CLIL (Content and Language Integrated Learning) bezeichnet ist ein Erfolgsmodell“ (Burmeister, 2006, S. 197).

3.2 CLIL

CLIL- Content and Language Integrated Learning (engl.) ist in den letzten Jahren zu einem Oberbegriff für Bildungs- und Unterrichtskontexte in Europa geworden, bei denen zumindest teilweise eine Fremdsprache (L2) als Arbeits- bzw. Unterrichtssprache verwendet wird (Haataja, 2007). Dementsprechend fällt auch der Begriff der Immersion unter diesen Oberbegriff.

Der Förderung von CLIL hat die EU- Kommission ihren Aktionsplan 2004-2006 gewidmet (Burmeister, 2007).

3.3 Die 3- Sprachenformel

Wie bereits einleitend beschrieben ist im europäischen Raum eine 3- Sprachenformel aufgestellt worden. Sie besagt, dass die Schülerinnen und Schüler während der Pflichtschulzeit zu ihrer L1 zwei weitere Sprachen soweit lernen sollten, dass sie in der Lage sind, sich mit diesen in Alltagssituationen zu verständigen (Möller & Zaunbauer- Womelsdorf, 2008). Wode (2002) führt aus, dass unter diesen 3 Sprachen eine große Weltsprache (Englisch, Spanisch, Arabisch oder Mandarin- Chinesisch), eine mittelgroße Sprache (z.B. Deutsch, Griechisch, Französisch, Russisch) und eine kleine, möglichst regionale Sprache sein sollte. Eine Alphabetisierung sollte in allen Sprachen gewährleistet sein. Hinsichtlich späterer Arbeitsplatzchancen plädiert Wode (2002) dafür, dass die Schüler unterschiedliche Sprachkombinationen lernen.

Nach Wode (2004) ist das o.g. Ziel nicht zu erreichen, wenn der Fremdsprachenunterricht erst in der 3. Klasse eingeführt wird und nur 1-2 Wochenstunden umfasst. „Erfahrungsgemäß reicht dann die Zeit gerade, um die erste Fremdsprache durch bilingualen Unterricht in der weiterführenden Schule auf ein funktional angemessenes Niveau zu bringen, aber keineswegs auch für eine zweite“ (Wode, 2004, S. 6).

4. Immersion

Immersion ist ursprünglich in Kanada entwickelt worden. Die ersten Immersionsprogramme gab es in 1965, seitdem werden sie erfolgreich für das Fremdsprachenlernen eingesetzt. Hintergrund der Entwicklung war es, der englisch sprechenden Mehrheit in Kanada, erfolgreich Französisch, die zweite Amtsprache in Kanada, beizubringen (Genesee, 1994). Übersetzt man das Wort „immersion“ aus dem Englischen, so bedeutet dies „Eintauchen“. Der Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen e.V. (2008) bezeichnet die Immersion als Sprachbad in dem Sinne, dass die Kinder in die neue Sprache eintauchen.

Bei einem immersiven Unterricht wird die zu erlernende Sprache -L2- nicht als gesondertes Unterrichtsfach gelehrt, sondern in verschiedenen Unterrichtsfächern als Unterrichtssprache verwendet, gleichzeitig wird das Curriculum beibehalten (Möller & Zaunbauer- Womelsdorf, 2008). Dies ist das Kennzeichen des Immersionsunterrichts. Genesee (1994) betont, dass diese Verbindung von Fremdsprachenerwerb und fachlichem Lernen deutlich erfolgreicher ist, als das isolierte Lernen einer L2. Es erfolgt, in Anlehnung an den Erwerb der L1, vorerst keine ausdrückliche Vermittlung der Grammatik (Zaunbauer & Möller, 2006). Von Bedeutung ist, dass es nicht zu verminderten Leistungen im Fach der L1 und in den auf Englisch unterrichteten Sachfächern kommt (Zaunbauer, Bonerad & Möller, 2005). Ziel des immersiven Unterrichts ist es nicht vorrangig, dass die Schüler grammatikalische Perfektion in der L2 erreichen, sondern in der Lage sind, mit Mitschülern und Lehrern zu kommunizieren (Genesee, 1994).

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Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640150540
ISBN (Buch)
9783640150618
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114201
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
bestanden
Schlagworte
Englischunterricht Grundschulen Erwerb Kompetenzen Berücksichtigung Immersion

Autor

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Titel: Englischunterricht an Grundschulen –  Zum Erwerb fremdsprachlicher Kompetenzen unter besonderer Berücksichtigung der Immersion