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Friedrich Wilhelm von Steuben - Kriegserfahrungen eines preußischen Offiziers in Amerika

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 20 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte der amerikanischen Verwendung

3. Kriegserfahrungen von Steubens
3.1. Struktur der Armee
3.2. Situation innerhalb der Armee
3.3.Ausrüstung
3.4. Innere Verwaltung
3.5. Militärische Aspekte
3.6.Die amerikanischen Soldaten
3.7. Die ausländischen Offiziere

4.Fazit

5.Bibliographie

Sekundärliteratur

Internet

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Kriegserfahrungen von deutschen Soldaten in überseeischen Einsätzen der Frühen Neuzeit.

Innerhalb der Vielzahl von möglichen Beispielen sollen in dieser Arbeit die durch den preußischen General Friedrich Wilhelm von Steuben im Verlauf seiner Tätigkeit als Generalinspekteur der Kontinentalarmee im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg vermittelten Einsichten genauer untersucht werden. Gerade durch seine Verwendung als Generalinspekteur kann eine Betrachtung der schriftlichen Zeugnisse von Steubens trotz seiner Position als hochrangiger Offizier wichtige Erkenntnisse über die Situation der Mannschaftsdienstgrade auf Seiten der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung liefern, gehörte doch der Aufbau und die Verwaltung dieser zu dessen Hautaufgaben.

Einleitend werden die Ursachen erarbeitet, die überhaupt zu einer Verwendung von Steubens in Amerika geführt haben können, da diese im Hinblick auf eine kritische Bewertung der von ihm verfassten Texte unabdingbar sind.

Interessant an der historischen Persönlichkeit von Steubens ist vor allem seiner relative Unbekanntheit im deutschsprachigen Raum. So wundert es nicht, dass die erste im Bestand der Staatbibliothekverzeichnete Arbeit über den General aus dem Jahre 1858 datiert ist. Erst fünfzig Jahre später erscheinen weitere Veröffentlichungen in englischer Sprache. 1912 aus Anlass der Errichtung eines Denkmals in den Vereinigten Staaten und 1913 folgt eine weitere Publikation über sein Leben und Wirken in der Neuen Welt. Vor allem für die zahlreichen deutschstämmigen Amerikaner stellte der ehemalige Generalinspekteur eine wichtige historische Persönlichkeit in ihrer Beziehung zu den jungen Vereinigten Staaten dar. Die von Steuben geleisteten Dienste repräsentierten den deutschen Anteil an der Realisierung des jungen Staates. Von dieser engen Beziehung zwischen der Auswanderer-Community und dem Generalinspekteur zeugt bis in die heutige Zeit die so genannte Steuben-Parade, die sichtbarste Demonstration für die Präsenz deutschstämmiger US-Amerikaner. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges bedeutet einen Einschnitt für die Beschäftigung mit von Steuben und auch für das Selbstverständnis der Auswanderer. Auf Grund der Kriegskonstellation erwartete man von den „ hyphanated americans“ ein klares Bekenntnis zum Staat, so dass die „ German-Americans“ mehr und mehr zu reinen „ Americans “ wurden.

Daher sollte es bis 1926 dauern bis mit einem historischen Roman die Person von Steubens erneut in der deutschsprachigen Literatur auftrat, wobei in der Folgezeit vor allem politisch motivierte Werke veröffentlich wurden. Diese legten den Fokus auf die großen Kriegstaten des Offiziers und sind daher in eher als klassische Militärromane denn als wissenschaftliche Arbeiten zu werten. Hierbei bildet jedoch das Werk McAuley Plamers von 1938 eine Ausnahme.

Einen neuerlichen Höhepunkt erreichte die historische Steuben-Forschung mit Beginn der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts, einerseits anlässlich der 200-Jahrfeier der amerikanischen Unabhängigkeit sowie des 250. Geburtstages und des 200. Todestages 1994 des Generals. 2006 erschienen die beide neuesten Veröffentlichungen aus dem deutschsprachigen Raum, wobei es sich um Biographien handelt.

Fundamentale Grundlage aller Forschung über seine Verwendung als Generalinspekteur bilden die Steuben Papers, welche 1984 unter der Leitung von Edith von Zemensky und Robert J. Schulmann editiert veröffentlich wurden. Dabei handelt es sich um eine in den USA durchgeführte Sammlung der von Steuben verfassten, beziehungsweise mit ihm direkt in Verbindung stehenden Dokumente, wobei jedoch nur die Zeit von 1777-1794 archiviert werden durfte. Zu den Dokumenten zählen seine Korrespondenz, seine militärischen Entwürfe, wie zum Beispiel das berühmte War Drill Manual, Aufsätze über Politik und die Gesellschaft und ebenfalls die Materialien aus der Zeit nach dem Friedensschluss.

2. Vorgeschichte der amerikanischen Verwendung

Im Zusammenhang mit den Kriegserfahrungen Friedrich Wilhelm von Steubens ist im Vorfeld jeglicher Betrachtungen angebracht, die Frage nach den Ursachen für seine Anstellung zu untersuchen. Je nachdem mit welchen Absichten und unter welchen Voraussetzungen der zukünftige Generalinspekteur seine Reise antrat, müssen auch die in diesem Zusammenhang überlieferten Zeugnisse kritisch betrachtet werden.

Dass die Präsenz deutscher Soldaten in der Neuen Welt schon vor Steubens Dienstantritt sehr wohl auch in Preußen und im Reich thematisiert wurde, zeigt sich aus einem Schreiben des ehemaligen Dienstherren von Friedrich Wilhem von Steuben, dem preußischen König Friedrich II., an seinen Neffen, den Markgrafen von Ansbach am 24. Oktober 1777:

„ohne von der Gier einiger deutscher Fürsten unangenehm berührt zu werden, welche ihre Truppen einer sie gar nichts angehenden Sache opfern. [..]Sie verhinderte, deutsches Blut für die Vertheidigung fremder Mächte zu vergießen und welche sogar als Gesetz in das deutsche Recht übergegangen ist.“[1]

In einem als solchem zu betrachtenden Bewerbungsschreiben aus Portsmouth am 6.12.1777 von Steubens an den amerikanischen Kongress stellt dieser seine Beweggründe für sein Streben in amerikanische Dienste wie folgt dar:

Der einzige Beweggrund, der mich in diesen Weltteil führte ist der Wunsch, einem Volke zu dienen, das einen so edlen Kampf für seine rechte und Freiheit kämpft […]Ich habe Ihren Agenten in Frankreich keine Bedingungen gestellt, noch werde ich Ihnen welche stellen. Mein einziger Ehrgeiz besteht darin, bei Ihnen als Freiwilliger einzutreten..“.[2]

Obgleich diese Referenz auf die freiheitlichen Grundideale der jungen Republik die Adressaten für ihn einnahm, zeigt die Vorgeschichte der Einstellungsverhandlungen ein anderes Bild. So berichten ausgewogene Betrachtungen von Steubens wie unter Giesebrecht und Brandt, dass von Steuben dem Ruf der Neuen Welt nur folgte, weil er sich seit 1775 erfolglos bemüht hatte wieder eine finanziell einträchtige Anstellung zu erhalten[3]. Dabei hatte er sich bei fast allen wichtigen Militärmächten Europas beworben, wobei es rückblickend nicht einer gewissen Ironie entbehrt, dass der spätere amerikanische Freiheitsheld Steuben bereitwillig in die britische East India Company eintreten wollte.[4] Jedoch weder dort noch in Österreich oder in Frankreich[5] fruchteten seine Bemühungen. Die Aussicht in amerikanische Dienste zu treten erschien daher sehr reizvoll, da er mit einer Verwendung in der noch im Aufbau befindlichen Armee die Hoffnung verband, schnell in der Hierarchie aufzusteigen und so eine gesicherte Stellung zu erhalten.[6]

So scheiterten dann auch die ersten Verhandlungen zwischen den amerikanischen Unterhändlern und Steuben daran, dass diese ihm weder ein festes Einkommen, noch einen bestimmten Offiziersrang garantieren konnten und auch nicht bereit waren, die Kosten der Überfahrt zu tragen.[7] Mögliche Sympathien für die republikanische Erhebung können daher als Beweggrund für seine spätere Entscheidung nicht von Bedeutung gewesen sein. Vielmehr scheinen die wahren Gründe für Steubens Anstellung in der Kontinentalarmee in den, auch im Anschluss an diese ersten Verhandlung mit den Amerikanern, ausbleibenden Angeboten von Seiten europäischer Armeen zu liegen[8]. Ein weiteres Argument für den Sinneswandel Steubens findet sich auch in den gegen ihn an seiner bisherigen Wirkungsstätte in Hechingen erhobenen Vorwurf der Homosexualität der ihm eine Rückkehr dorthin unmöglich machte.[9]

Somit schien nur noch die Kontinentalarmee als eine der letzten Möglichkeiten für den ehemaligen Quartiermeister Friedrich II, wobei laut britischen Geheimdienstunterlagen von französischer Seite in Aussicht gestellt wurde „After three years service in America, he is to be recieved in the French Army“[10]

3. Kriegserfahrungen von Steubens

Den ersten Eindruck von der durch ihn zu betreuenden Armee gewährte der damalige Oberkommandierende George Washington seinem Gast aus Preußen im Winterlager seiner Truppen in Vally Forge[11]. Die dort vorherrschende Lage, welche den Ausgangspunkt der Kreigserfahrungen von Steubens bilden sollte, beschrieb der zeitgenössische Chronist David Ramsay 1777/1778 in damaliger deutscher Übertragung „Man hätte die Spur der amerikanischen Armee an ihren blutigen Fußstapfen erkennen können, denn sie marschierten ohne Schuhe und Strümpfe über der hartgefrorenen Boden zwischen Whitemarsh und Valley Forge. Einige hundert hatten keine Decken .So mussten sie sich in einem Wald niederlassen gegen Ende Dezember und Hütten aufbauen.“[12]

Obwohl der ehemalige Generalquartiermeister von den Zuständen entsetzt gewesen sein soll[13], bestätigte Valley Forge ihn in seinem Bestreben nach einem Kommando innerhalb der Kontinentalarmee, da seiner Meinung nach keine europäische Armee unter diesen Bedingungen existiert haben könnte.[14]

Zusammenfassend lässt sich also vermuten, dass die im Folgenden bearbeiteten Erfahrungen Steubens vielleicht auch immer unter dem Blickwinkel einer Empfehlung für eine europäische Armee abgefasst wurden oder Steuben zumindest hoffte, auch nach dem Krieg in der neuen Welt einen höheren Rang zu bekleiden wie seine Reaktion auf die Nichtnominierung als Kriegsminister1783 nahe legt.[15]

3.1. Struktur der Armee

Ein zentrales Problem der Gründerstaaten der späteren Vereinigten Staaten bei Verteidigung der angestrebten Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien war die Schaffung einer Streitmacht. Vielmehr bestand die so genannte Kontinentalarmee aus dreizehn Einzelstreitkräften der jeweiligen Kolonien[16], mit ihren jeweils eigenen Strukturen, Exerziervorschriften und militärischen Doktrinen französischer, englischer oder preußischer Provenienz.[17] Da die vorhergehenden Konflikte wie zum Beispiel Strafexpeditionen gegen die Eingeborenen durch die britische Truppen im Verbund mit der Marine realisiert worden waren, musste der Aufbau der Streitkräfte von Grund auf neu erfolgen. Angestrebt wurde dabei die Aufstellung einer zentralen Armee, was eine Abkehr von der Verteidigung durch Milizen bedeutete[18].

Kurze Zeit nach seiner Ernennung zum Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee berichtete Washington über die dabei auftretenden Hindernisse an den Präsidenten des Kontinental-kongresses:

„Die Berechungen des Kongresses setzen voraus, daß alle Regimenter gleich stark seien; in Wirklichkeit unterscheiden sie sich je nach Provinz und sogar innerhalb einzelner Provinzen. […] Die Regimenter Rhode Islands und New Hampshires haben 590 Mann , einschließlich der Offiziere. In Connecticut hat ein Regiment 1000 Mann.[19]

Bis zur Ankunft von Steubens im Jahre 1778 hatte sich daran nichts geändert, so dass dieser in einer ersten Bestandsaufnahme urteilte:

“The words company, regiment, brigade and division were so vague that they did not convey any idea upon which to base a calculation either of particular corps or of the army in general. They were so unequal in number, that it would have been impossible to execute any maneuvers. I have seen regiments stronger than a brigade […] There was consequently no regularity in military formation.”[20]

Erschwerten schon die von Staat zu Staat verschiedenen Regularien den Aufbau einer gemeinsamen Armee, wurde die bereits dadurch verursachten negativen Effekte zudem laut Steuben noch durch die tatsächlich vorherrschende Situation in den einzelnen Truppenteilen verstärkt, wie er in einem Brief von 1778 an James Lowell analysierte:

„Lassen Sie sich nicht durch die Listen unserer Regimenter und Brigade täuschen, ziehen Sie getrost ein Drittel Leute ab, die aus Mangel an Kleidung oder Schuhwerk in der gegenwärtigen Jahreszeit […] nicht einen einzigen Marsch zu machen vermögen.“[21]

3.2. Situation innerhalb der Armee

Die prekäre Lage unter dem Feind war auch den gegnerischen deutschen Söldnertruppen bekannt, die in berichteten, es gäbe eine große „Zahl von Deserteuren bei der Kontinental-armee, weil die Freiwilligen der amerikanischen Armee in Zeiten schlechter Versorgung auf ihre Farmen zurückkehrten.[22]

Vor allem im Frühjahr als die Tage länger und wärmer wurden, kehrte ein großer Teil der Freiwilligen und der häufig nur auf neun Monate[23] angeworbenen Soldaten der Armee den Rücken.[24] Doch schon im Winter, als von Steuben in Valley Forge, erstmalig die amerikanischen Truppen inspizierte, fehlte bereits ein Teil der Männer, die auf Grund fehlender Verpflegung, Bezahlung und Kleindung den Dienst quittiert hatten.[25] Zu der somit fehlenden Übersicht über desertierte Soldaten gesellte sich auch mangelnde Kenntnis über möglicherweise beurlaubte oder entlassene Soldaten,[26] was laut von Steuben darin begründet lag, dass das Prozedere wie folgt aussah:

[...]


[1] Adams, S.290ff.

[2] Weber,S.5; ebenso Wright, S. 6 und Rohrbach, S.1

[3] Giesebrecht Secret Aid, S.30; Brandt,S.76

[4] Wieland,S.59 ff.

[5] Wieland, S. 59, Giesebrecht Secret Aid, S.30

[6] Wieland, S.65

[7] Wright, S. 6; Brandt,S.80;

[8] Brüstle, S.175

[9] Wieland, S. 76

[10] Brüstle, S.190

[11] Palmer, S. 136

[12] Adams, S. 276ff.

[13] Wright,S.7

[14] Palmer, S.137

[15] Brandt,S.216 ff.

[16] Giesebrecht Secret Aid, S.32

[17] Beck, S.91; Palmer, S.140

[18] Beck, S.91

[19] Adams, S.188ff.

[20] Wright, S.20; ebenso bei Brandt, S.134

[21] Weber, S.11

[22] Adams, S.310

[23] Brandt,S.136

[24] Giesebrecht Secret Aid, S. 32

[25] Rohrbach,S.1

[26] Brand,S,136

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640152285
ISBN (Buch)
9783640154463
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114237
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Friedrich Wilhelm Steuben Kriegserfahrungen Offiziers Amerika

Autor

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Titel: Friedrich Wilhelm von Steuben - Kriegserfahrungen eines preußischen Offiziers in Amerika