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Unterrichtsentwürfe für den Geschichtsunterricht von der 7. bis zur 9. Klasse

Hexenverfolgung, Gründung der USA, Imperialismus, Industrielle Revolution, 1. und 2. Weltkrieg

Unterrichtsentwurf 2008 65 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. HEXENVERFOLGUNG

2. GRÜNDUNG DER USA

3. Industrielle Revolution

4. Imperialismus

5. Der 1. Weltkrieg

6. Nationalsozialismus

1. HEXENVERFOLGUNG

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- an das Thema herangeführt werden, indem sie ein Bild beschreiben. (Selbst-, Methodenkompetenz)
- Anklagepunkte aus einem Sachtext herausarbeiten. (Sach-, Selbstkompetenz)
- ihr erworbenes Wissen anwenden, indem sie Anklagepunkte auf einem Bild wiedererkennen. (Methoden-, Sachkompetenz)
- erkennen, dass es keine Hexen gegeben hat und dass die Vorstellungen lediglich der Fantasie der Menschen entsprungen sind. (Sach-, Selbstkompetenz)

1. Sachanalyse

In fast allen Teilen der Welt gibt oder gab es Hexenglauben. Mit ihm konnte unerwartetes Unglück erklärt und die Umwelt geordnet und strukturiert werden. Hexenverfolgungen fanden nicht überall und ständig statt, sondern waren an Ausnahmesituationen gebunden. Gesetzlich legitimierte Hexenverfolgungen gab es erst zwischen 1430 und 1780.

Etwa die Hälfte der geschätzten 50 - 60.000 Hexenverbrennungen haben in Deutschland stattgefunden, dem Zentrum der Hexenverfolgung. Hexen wurde Schadenszauber wie Krankheiten und Wettermachen, nächtliche Flüge, Kindsmord und Tierverwandlungen nachgesagt. Fehlende Beweismittel gegen die Angeklagten waren der größte Mangel für die Gerichte. Entscheidende Indizien für die Eröffnung eines Prozesses waren Gerücht und Besagung. Diese Gerüchte entstanden oft durch Streit, Missgunst, Neid und Hass in Nachbarschaftskonflikten. Oft konnten alte Rechnungen beglichen oder unbeliebte Menschen aus dem Weg geräumt werden. Nur das Geständnis konnte letztendlich die Untaten beweisen, also wurde die Folter als Prozessmittel bedeutsamer als je zuvor.

Ein Hexenprozess wurde erst durch die fünf Elemente der Hexenlehre zu diesem. Dazu gehörten der Pakt mit dem Teufel mit gleichzeitiger Abschwörung Gottes, die Eheschließung mit dem Teufel durch Geschlechtsverkehr, ausgeübter Schadenszauber, der Hexenflug und die Teilnahme am Hexensabbat, wo es angeblich zu Kannibalismus und Kindermord kam.

Das klassische Handbuch der Hexenlehre, der „Hexenhammer“ („Maelleus Maleficarum“, 1486) von Heinrich Institoris und Jacob Sprenger, brachte diese zum Abschluss, spitzte sie auf Frauen zu, forderte die weltlichen Gerichte zu Hexenprozessen auf und gab praktische Anweisungen zu ihrer Durchführung.

Es gibt verschiedene Theorien, wie es zu diesem Hexenwahn kommen konnte. Seit 1560 war eine generelle klimatische Verschlechterung zu beobachten, die zu häufigen Missernten, Verknappung der Grundnahrungsmittel und verstärkter Krankheitsanfälligkeit führte. Schließlich wurden die Hexen als Ernteschädlinge ausgemacht. Eine andere Theorie besagt, dass Träger der Heilkunde und insbesondere Hebammen in den Hexenprozessen verfolgt worden sind.

Ende des 16. Jahrhunderts war der erste Höhepunkt der neuzeitlichen Hexenverfolgung zu verzeichnen. Ein zweiter Höhepunkt fand 1626 - 1630 statt. Auffällig ist eine Konzentration der Opfer in den sozial schwächeren Gesellschaftsschichten, privilegierte Gruppen waren nur marginal betroffen. In allen Fällen war die Bevölkerung stets die treibende Kraft, ihre Stimmung war ausschlaggebend für die Hexenverfolgung.

2. Didaktischer Begründungszusammenhang

Der Lehrplan des Landes Schleswig-Holstein sieht für die siebten Klassen der Realschulen unter den Längsschnittthemen „Begegnung mit dem anderen“ unter anderem die Hexenverfolgung vor.

Die Schülerinnen und Schüler haben alle während ihrer Kindheit schon viel über Hexen gehört oder gelesen und sich so ein Bild über das Aussehen und Verhalten einer Hexe gemacht. In Märchen und Filmen wird oft das Bild einer alten furchteinflößenden Frau vermittelt. Magie und übernatürliche Kräfte sind bei den Schülerinnen und Schülern zudem Themen, die eine gewisse Faszination in sich bergen. Das Problem ist, dass sich viele Schülerinnen und Schüler gar nicht bewusst sind, welche verheerenden Ausmaße der Hexenglaube auf das Leben vieler Menschen in der Vergangenheit hatte. Mit dem Geschichtsunterricht soll das Bild, welches die Schülerinnen und Schüler von einer Hexe haben, korrigiert werden. Ihnen muss bewusst gemacht werden, dass ganz normale Männer und Frauen der Hexerei beschuldigt und unschuldig verfolgt, angeklagt, gefoltert und hingerichtet wurden. Zudem müssen den Schülerinnen und Schülern die Ursachen und Beweggründe für diese Massenerscheinung aufgewiesen werden. Dazu müssen die Schülerinnen und Schüler Einblick in die damaligen Lebensumstände und den Glauben an Teufel und Hexen erhalten.

Die Hexenverfolgung ist nur ein Beispiel, das die Unvorstellbarkeit und Grausamkeit menschlichen Handelns in der Geschichte belegt. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, dass sich Stimmungen und Missstände in der Gesellschaft immer wieder in Verfolgungen von bestimmten Gesellschaftsgruppen entladen haben, wie z.B. auch während der jahrhundertlangen Verfolgung der Juden, die während des Nationalsozialismus in Deutschland ihren traurigen Höhepunkt fand, oder bei der Christenverfolgung in der Antike.

Zum Thema Hexenverfolgung gibt es zahlreiche Bild- und Textquellen, die in didaktisch sinnvoll reduzierter Form unbedingt Teil des Unterrichts sein sollten, da sie Aufschluss über die damalig vorherrschenden Denkweisen in der Bevölkerung geben. Daher habe ich mich dazu entschieden, zwei Bildquellen als zentrale Bestandteile meiner Unterrichtsstunde zu behandeln. Neben der inhaltlichen Arbeit wird gleichzeitig der Umgang mit Quellen als methodischer Bestandteil geübt.

Die Anklagepunkte, die einen „normalen“ Menschen zu einer Hexe machten, dienen als Einstieg in die Thematik. In den darauf folgenden Stunden werden die Hexenprozesse, Erklärungen für den Hexenwahn und schließlich Gegner und Ende der Hexenverfolgung behandelt. Dabei sollen auch Schilderungen von Originalfällen eingebaut werden.

3. Methodischer Begründungszusammenhang

Nach der Begrüßung der Schülerinnen und Schüler und der Gäste lege ich als Einstieg die erste Folie auf den Overhead Projektor. Es ist die Abbildung eines Holzschnitts zu sehen, auf dem zwei Frauen etwas in einem Kessel kochen und somit Unwetter herbeiführen. Die Schülerinnen und Schüler sollen dieses Bild zunächst beschreiben. Ich denke, dass sie durch den Hexenkessel und die Schlange, die als Zutat benutzt wird, selber auf das Thema Hexen kommen. Danach sollen die Schülerinnen und Schüler kurz schildern, welches Bild sie selber von einer Hexe haben. Ich leite zur nächsten Phase über, indem ich sage, dass sie sich nun damit beschäftigen sollen, welches Bild einer Hexe die Menschen zu Beginn der Neuzeit hatten.

Zu Beginn dieser Phase erläutere ich den Schülern zunächst, dass sie den Arbeitsbogen still lesen sollen, um dann die Textstellen, die Antwort auf gestellte Fragen geben, in verschiedenen Farben zu unterstreichen. Anschließend verteile ich den Arbeitsbogen und stehe in der Erarbeitungsphase für Fragen und Hilfestellungen zur Verfügung. Der Text stammt in veränderter Form aus dem „Was ist was“ Buch zum Thema Hexen und Zauberer, das Themen in einer verständlichen und zudem anschaulichen Art und Weise darstellt, die dem Alter meiner Schüler gerecht wird.

Ich schreibe die Überschrift des neuen Themas an die Tafel („Hexenverfolgung“) und fordere die Schülerinnen und Schüler auf, mit ihrer Arbeit aufzuhören und die Lösungen zusammenzutragen. Zu jeder Antwort notiere ich den Anklagepunkt an der Tafel und bitte die Schülerinnen und Schüler, das Tafelbild erst nach der Besprechung in ihre Hefte zu übernehmen, um dieser konzentriert folgen zu können. Bei dem Punkt „Schadenszauber“ nenne ich noch zwei weitere Beispiele, die nicht aus dem Text hervorgehen, und frage die Schülerinnen und Schüler, ob es nicht auch andere Erklärungen für diese Phänomene geben konnte. Außerdem frage ich die Schüler, ob nur Frauen als Hexen angeklagt wurden, denn auch Männer wurden als vermeintliche Zauberer verfolgt. Wenn alle Fragen geklärt und das Tafelbild komplett ist, übertragen die Schülerinnen und Schüler dieses in ihre Hefte.

Zur Festigung des erarbeiteten Stoffes habe ich mich für die Abbildung eines weiteren Holzschnitt entschieden, damit die Schülerinnen und Schüler mit Bildern als Quelle vertraut gemacht werden. Ich lege die Folie auf den Overhead Projektor und gebe den Schülerinnen und Schülern einen Moment, das Bild still für sich zu betrachten. Auf dem Bild sind verschiedene Szenen zu sehen, die einige der Anklagepunkte darstellen. Die Schülerinnen und Schüler beschreiben nun einzelne Szenen und übertragen die Anklagepunkte von der Tafel auf das Bild. Bei Schwierigkeiten gebe ich Impulse und deute auf Dinge wie die Teufelshörner, den Regen oder den Hexenkessel. Ich frage die Schülerinnen und Schüler, ob die Frauen, die zu sehen sind, ihrem Bild der Hexe entsprechen, welches sie zu Anfang der Stunde beschrieben haben. Es sind allerdings ganz normale Frauen zu sehen, die nicht alt, buckelig oder hässlich sind. An dieser Stelle mach ich deutlich, dass die Verdächtigungen auf jede Frau hätten fallen können und frage die Schülerinnen und Schüler, ob es Hexen tatsächlich gegeben hat. Ich betone in dieser Phase, dass es Hexen nicht gegeben hat und dass das Bild genau wie die Anklagepunkte lediglich der Fantasie der Menschen entsprungen ist.

Sollte noch Zeit vorhanden sein, bekommen die Schüler diese Folie als Kopie, auf der sie die Anklagepunkte selber eintragen können. Ansonsten dient dieser Bogen als Einstieg und Wiederholung für die Folgestunde.

4. Literaturverzeichnis

- Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes

Schleswig-Holstein (Hg.): Lehrplan Geschichte, Kiel 1997

- Behringer, Wolfgang (Hg.): Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, München

1988, 5. Auflage 2001

- Behringer, Wolfgang: Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung, München 1998,

3. Auflage 2002

- Daxelmüller, Christoph: Was ist was. Zauberer, Hexen und Magie, Nürnberg 2003

- Flagmeier, Ralf: Hexenprozesse in der frühen Neuzeit,

in: Geschichte lernen Heft 22, 1991

- Opitz, Claudia (Hg.): Der Hexenstreit. Frauen in der frühneuzeitlichen Verfolgung,

Freiburg u.a. 1995

- Schormann, Gerhard: Hexenprozesse in Deutschland, Göttingen 1993, 3. Auflage

1996

- Praxis Geschichte Heft 4: Hexen, 1991

- Das IGL-Buch 2, Gesellschaftslehre an Gesamtschulen, Ernst Klett Verlag,

Stuttgart 1996

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es geschah im Jahr 1488. Das ruhige spätsommerliche Wetter verhieß eine gute Ernte. Die Bauern aus dem Umland von Konstanz waren erleichtert; diesmal müssten ihre Familien im Winter nicht hungern. Nicht das geringste Anzeichen deutete auf eine baldige Wetterveränderung. Plötzlich jedoch geschah das Unfassbare: Von einer Minute auf die andere verdüsterte sich der Himmel, ein heftiges Gewitter entlud sich, und ein Hagelschauer vernichtete vier Meilen weit alle Feldfrüchte. Die Ernte war verloren, ein neuer Hungerwinter stand bevor. Als der erste Schrecken verflogen war, berieten sich die betroffenen Bauern. Denn bei einem so plötzlichen Unwetter könne es nicht mit rechten Dingen zugehen, bestimmt, so glaubten sie, sei Hexerei im Spiel gewesen. Bald fiel der Verdacht auf drei Frauen, die schon früher durch kräftige und gotteslästerliche Flüche für Aufsehen gesorgt hatten. Schnell fand sich auch ein Zeuge, der die drei Frauen auf den Feldern beobachtet hatte, die dort kleine Gruben aushoben, mit Wasser füllten, leise einige Zaubersprüche murmelten und den Teufel anriefen. Als dann ein heftiger Wind losbrach, habe er es mit der Angst zu tun bekommen und das Weite gesucht. Damit war die Spur gelegt: Das zuständige Gericht in Konstanz wurde verständigt. Die Frauen leugneten die Hexerei, doch für das Geständnis sorgte die Folter. Der Glaube an Hexerei hatte drei weitere Opfer gekostet.

Dieses kann eine wahre Geschichte sein. Doch auch in der Fantasie der Menschen wurden weitere Geschichten gesponnen: Mindestens einmal im Jahr wurden die Hexen und Hexer zur Teufelverehrung auf dem „Hexentanzplatz“ einberufen. Dem Volksglauben zufolge geschah dies am 1. Mai. In der Vorstellung der Menschen sausten Hexen und Zauberer auf Besenstielen zu ihrer Zusammenkunft, dem Hexensabbat. Voraussetzung für diesen Hexenflug war aber nicht nur der Besen, sondern das Einreiben mit der Hexensalbe. Erst hierdurch erhielt die Hexe ihre „Flugfähigkeit“. Zur Herstellung dieser Salbe benötigte eine Hexe angeblich das Fett von toten Kindern. Auf diesen Hexenversammlungen war auch immer der Teufel anwesend. Der Teufelspakt galt als Grundvoraussetzung für alle Hexerei. Die Hexen und Zauberer schlossen eine Vereinbarung mit dem Teufel und versicherten sich dadurch seiner Hilfe. Zudem galt eine Hexe als Geliebte des Teufels (Teufelsbuhlschaft).

Unterstreiche im Text:

1. ROT: Was wird den drei Frauen vorgeworfen?
2. GRÜN: Woher sollen die Frauen ihre Hexenkräfte bekommen haben?
3. BLAU: Was ist angeblich in der Nacht zum 1. Mai passiert?
4. GELB: Wie sollen sich die Hexen fortbewegt haben?

HEXENVERFOLGUNG

(geplantes Tafelbild)

Die fünf wesentlichen Anklagepunkte

1. Schadenszauber (Wettermachen, Krankheiten anzaubern, Vieh verhexen...)
2. Teufelspakt (Vereinbarung mit dem Teufel)
3. Teufelsbuhlschaft (Hexe als Geliebte des Teufels)
4. Teilnahme am Hexensabbat (Hexenfeier)
5. Hexenflug (Besen und Flugsalbe)

2. GRÜNDUNG DER USA

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- lernen die Touristenattraktion „Plymoth Plantation“ und die Geschichte der „Mayflower“ durch Bilder und Lehrererzählung kennen. (Sachkompetenz)
- lernen die Beweggründe, die zu einer Auswanderung führten, die Leiden während der Überfahrt und die Probleme der Einwanderer im neuen Land kennen, indem sie Sach- und Quellentexte bearbeiten. (Sachkompetenz)
- arbeiten zusammen in Gruppen und übertragen ihre Ergebnisse auf eine Folie. (Sach-, Selbst-, Sozial-, Methodenkompetenz)
- präsentieren ihren Mitschülerinnen und -schülern ihre erarbeiteten Ergebnisse durch mündlichen Vortrag und Folie. (Sach-, Selbstkompetenz)

1. Sachanalyse

Wenige Jahre nach der Ankunft von Kolumbus in Nordamerika erreichten weitere Europäer die neue Welt. Doch erst 1607 entstand mit Jamestown die erste dauerhafte Niederlassung der Engländer. Im Dezember 1620 landeten 102 Engländer (41 Familien) mit dem Schiff „Mayflower“ an der nordamerikanischen Atlantikküste. Sie waren Puritaner, also streng-gläubige Protestanten, und gründeten Massachusetts. Schon an Bord schlossen sie einen Vertrag, der die Grundsätze für ihr Zusammenleben in der Kolonie festlegte. Ohne Häuser und Felder starb jedoch bereits etwa die Hälfte der ersten Siedler im ersten Winter an Hunger und Seuchen. Ohne die Anleitung der Indianer, wie das Land bebaut, im Meer gefischt oder in den Wäldern nach Nahrung gesucht werden sollte, hätten auch viele andere Siedler in den kommenden Jahren nicht überlebt. Andererseits kam es aber auch oft zu bewaffneten Konflikten zwischen Einwanderern und Ureinwohnern, die das besetzte Land verteidigen wollten.

Im weiteren Verlauf des 17. Jahrhundert wanderten zahlreiche Menschen aus verschiedenen Regionen Europas, überwiegend aus England und Irland, wo die katholischen Iren unterdrückt wurden, in die englischen und französischen Kolonien in Nordamerika aus. Bei den ersten Gruppen von Auswanderern waren politische und religiöse Motive eng miteinander verbunden, wie etwa bei den Calvinisten, den Mennoniten oder den Quäkern. Sie alle suchten Freiheit, um ihre Religion ausüben zu können, und Schutz vor politischer Verfolgung. Zudem versuchten viele vor Armut, Elend, Hungersnöten, wirtschaftlichen Krisen und den generell schlechten Lebensbedingungen in Europa zu fliehen. Es gab keine adligen Grundherrn in Amerika, keine feudalen Lasten, keine Unterdrückung und keine bäuerliche Abhängigkeit. Es herrschte die Hoffnung auf ein besseres Leben und bescheidenen Wohlstand. In Amerika erhoffte man sich reiche Bodenschätze und fruchtbare Böden.

Auf die Auswanderer, die den Entschluss gefasst hatten, die Heimat zu verlassen, kam zunächst eine lange, strapaziöse und oft sogar lebensgefährliche Überfahrt zu. Nach der Ankunft in Übersee machten ihnen das ungewohnte Klima und Hunger das Leben schwer. Die ersten Siedler mussten mühsam den Urwald roden und sich von Wildfrüchten und der Jagd ernähren.

Während englische, holländische, schwedische und deutsche Siedler vorwiegend an der Ostküste Kolonien gründeten, siedelten französische Auswanderer am St.-Lorenz-Strom. Im Laufe der Zeit entstanden so 13 Kolonien an der Ostküste Nordamerikas. Diese waren weitgehend eigenständig und hatten ihre eigene Rechtsordnung. Zunächst bekannten sich die Siedler aber noch als Untertanen des englischen Königs.

2. Didaktischer Begründungszusammenhang

Der Lehrplan des Landes Schleswig-Holstein fordert für die 8. Klassenstufe das Längsschnittthema „Kampf um politische und soziale Rechte“, zu dessen Inhalten u.a. der „Unabhängigkeitskrieg in Nordamerika“ gehört. Zuvor müssen die ersten Siedler als Ursprung der USA im Unterricht behandelt werden.

Die Schülerinnen und Schüler lernen während dieser Unterrichtseinheit, dass die politischen und sozialen Rechte, die man heute in vielen Ländern genießt, nicht selbstverständlich sind, und dass diese zunächst hart erkämpft und verteidigt werden mussten. Der Unabhängigkeitskrieg der USA und die Französische Revolution sind wegbereitende Beispiele dafür.

Nordamerika galt jeher als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch heute noch herrscht ein verklärtes Bild über die Lebensumstände in dem Land, in dem scheinbar alle Träume wahr werden können. Den Schülerinnen und Schülern muss klar werden, dass das Unterfangen „Auswanderung“ ein hartes, risikoreiches und alles forderndes Wagnis war und ist, dessen Ausgang lange unklar bleiben kann. Die ersten Siedler in Nordamerika haben zwar politische und religiöse Freiheit erlangt, mussten aber dafür viele andere Opfer bringen und sich neuen Herausforderungen stellen, an denen viele scheiterten. Nicht selten musste man dafür mit seinem Leben bezahlen.

Heutzutage kann man komfortabel mit dem Flugzeug die fernsten Ziele der Erde erreichen. Den Schülerinnen und Schülern muss also erst bewusst werden, wie strapaziös und gefährlich eine Atlantiküberquerung im 17. Jahrhundert gewesen ist. Sie lernen während dieser Unterrichtseinheit, dass Wegbereiter einer neuen Idee dieser oft zum Opfer fielen, ohne ihr Ziel je selbst erreicht zu haben, aber dennoch einen Weg für Nachfolgende und Gleichgesinnte ebnen konnten. So mussten auch die ersten Siedler in Amerika hart kämpfen, bevor das Land geschaffen wurde, von dem sie geträumt hatten.

3. Methodischer Begründungszusammenhang

Als Einstieg führe ich zu Beginn der Stunde eine Power Point Präsentation mit PC und Beamer vor. Zu sehen sind Bilder von der heutigen Touristenattraktion „Plymoth Plantation“ in Massachusetts. Dabei berichte ich von den ersten Einwanderern, die 1620 mit der Mayflower in Nordamerika gelandet sind und dass in diesem „lebenden Museum“ heute das Leben im Plymouth des 17. Jahrhunderts imitiert wird. Ich habe mich für diesen Einstieg entschieden, da diese ungewöhnliche Art eines Museums und auch das Medium Beamer das Interesse der Schülerinnen und Schüler wecken und sie motivieren soll. Das letzte Bild der Präsentation beinhaltet bereits die Arbeitsaufträge für die darauf folgende Phase, welche auf den Arbeitsblättern noch einmal aufgegriffen werden.

Die Schülerinnen und Schüler finden sich nun in ihren Gruppen zusammen. Um den Lernenden genug Zeit für die Erarbeitungsphase und die anschließende Präsentation geben zu können, habe ich die Gruppeneinteilung bereits in der vorangegangenen Stunde durchgeführt. Während die Gruppen einen Gruppensprecher bestimmen, der die Ergebnisse später vor der Klasse vortragen soll, verteile ich die Arbeitsblätter und Folien. Diese rechtzeitige Festlegung des Gruppensprechers soll verhindern, dass kurz vor der Präsentation Tumult entsteht, falls die Schülerinnen und Schüler sich unter Zeitdruck innerhalb ihrer Gruppe nicht entscheiden können, wer die Ergebnisse vortragen soll.

Ich habe die drei Themenaspekte auf sechs Gruppen verteilt, so dass zwei Gruppen jeweils einen Aspekt bearbeiten und bei der Präsentation eine Kontrollgruppe vorhanden ist. Die Gruppen beginnen nun mit ihrem Arbeitsauftrag und erstellen die Folien. Bei Fragen und Problemen, die nicht innerhalb der Gruppe geklärt werden können, werde ich unterstützend zur Verfügung stehen.

Zum Ende der Arbeitsphase teile ich den zweiten Arbeitsbogen aus, auf dem die präsentierten Ergebnisse gesichert werden sollen. Die Gruppen beenden ihre Arbeiten, und die erste Gruppe beginnt ihre Präsentation mit Hilfe der erstellten Folie. Sollte sich keine der beiden Gruppen freiwillig melden, werde ich eine durch Zufallsprinzip bestimmen. Während der Präsentation übertragen die Mitschülerinnen und –schüler die Stichworte von der Folie auf den Arbeitsbogen. Da es sich um keine langen Texte handeln wird, der Arbeitsbogen bereits vorstrukturiert ist und die Klasse sehr diszipliniert ist, wird es kein Problem für diese sein, zuzuhören und sich gleichzeitig die Stichworte zu notieren. Nach der Präsentation ergänzt die eigene Gruppe ihren Sprecher, danach ergänzt und korrigiert die Kontrollgruppe, soweit dies nötig ist. Nach dem gleichen Prinzip präsentieren zwei weitere Gruppen ihre Ergebnisse. Die drei Folien der verschiedenen Gruppen ergeben als zusammengefügtes „Puzzle“ eine Gesamtübersicht zum Thema.

Abschließend erläutere ich die Hausaufgabe und teile den Arbeitsauftrag in Kopie aus. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich vorstellen, ein Auswanderer zu sein, der im 17. Jahrhundert in Nordamerika gelandet ist. Er schreibt einen Brief an die Familie in Europa, in dem er berichtet, mit welchen Hoffnungen er nach Amerika kam, wie die Überfahrt war, und wie sein neues Leben in Amerika sich nun gestaltet. Diese Hausaufgabe soll zur Festigung der erarbeiteten Ergebnisse dienen. Ich erhoffe mir, dass die Informationen auch im Langzeitgedächtnis der Lernenden gespeichert werden, wenn sich diese in einen imaginären Auswanderer hineinversetzen. Durch diesen emotionalen Zugang kann das Erlernte im Gedächtnis besser verknüpft werden.

Sollte mehr Zeit als geplant vorhanden sein, sammeln die Schülerinnen und Schüler Gründe, warum heute noch Menschen aus aller Welt in die USA einwandern wollen.

4. Literaturverzeichnis

- Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes

Schleswig-Holstein (Hg.): Lehrplan Geschichte, Kiel 1997

- Bayerischer Schulbuchverlag (Hg.): Geschichte 3GN, München 1996
- Cornelsen Verlag (Hg.): Entdecken und Verstehen 3, Berlin 2003
- Diesterweg Verlag (Hg.): Expedition Geschichte 2, Frankfurt am Main 1998
- Stockmann-Verlag (Hg.): Wir und unsere Vergangenheit – Arbeitsheft für

Geschichte – Heft 4, Bochum und München o.J.

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Titel: Unterrichtsentwürfe für den Geschichtsunterricht von der 7. bis zur 9. Klasse