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Majers Perica - Eine Interpretation der Novelle Iz dnevnika maloga Perice

Seminararbeit 2002 20 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiographie

3. Charakterisierung der Novelle Iz dnevnika maloga Perice
3.1 Thema, Form Zeit- und Raumkonzeption
3.2 Der Inhalt der Novelle
3.3 Kommunikationsmodell des Erzählwerks und die Intentionalität
3.4 Die Figuren
3.5 Die Sprache und der Stil

4. Zusammenfassung

5. Vorschau

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

I. Als ich bei Prof. Steininger das Seminar B/K/S - Erzählung des 20. Jhds. besuchte und eine entsprechende Novelle für die dazugehörige literaturwissenschaftliche Arbeit auswählte, wußte ich ziemlich schnell, dass ich Vjekoslav Majers Iz dnevnika maloga Perice[1] nehmen wollte (Majer 1997: 372-389). Es gab natürlich auch noch andere Möglichkeiten, z.B. einen Autor zu nehmen, der sehr bekannt ist (z.B. Andriƒ), jedoch gefiel mir eine humorvolle und „einfache“ Novelle mehr. Nicht etwa, dass ich Andriƒs Bedeutung schmälern möchte, aber Majers „Perica“ ist schon etwas Besonderes. Nicht umsonst ist diese Novelle der Grundstein für den Film Tko pjeva, zlo ne misli[2], sowie für das gleichnamige Musical von den Autoren Britviƒ und Kabilj, geworden. (Òpoljariƒ 1999)
II. Nach der gründlichen Durchforstung der Literatur wundert mich doch ein wenig, dass Vjekoslav Majer ein relativ Unbekannter auf dem Gebiet der literaturwissen-schaftlichen Interpretationen geblieben ist. Es gibt zwar einige wirklich gute Interpretationen seiner Romane, so z.B. in (Kova…?) wo seine drei ersten Romane ausführlich behandelt werden - dies ist aber eher eine Ausnahme. In Uskokoviƒs Lektüren - Führer für Mittelschulen (Uskokoviƒ 1999), wo alle relevanten Autoren für das Gymnasium angeführt sind, ist Majer nicht einmal erwähnt. Auch seine Prosa- und Poesiebeiträge in der literarischen Zeitschrift Hrvatsko kolo, die ich durch die gründliche Durchforstung der Slawistik - Bibliothek am Wall gefunden habe, werden praktisch nirgendwo erwähnt[3]. Eine besondere Kurzbiographie fand ich in der Diplomarbeit von Th. M. Veraszto in der die Ehefrau von Vjekoslav Majer, Frau Zorka Majer-Martinoviƒ bei der Ausarbeitung der Biographie mit eingebunden war. Ebenfalls hier fand ich die meisten Angaben über Sekundärliteratur. (Veraszto 1985)
Es wäre ein Anreiz weitere, nicht nur literarisch wertvolle Eingriffe von Majer in das künstlerische Leben und das Bildungsgeschehen des 20. Jhd. auf dem südosteuropäischen Raum zu untersuchen. Ich denke hier z.B. an seine verschiedenen literarischen Zeitschriften, die zum Teil in Koproduktion mit einigen sehr wichtigen Persönlichkeiten der kroatischen Literatur entstanden sind (Veraszto 1985: 77); oder beispielsweise an die Untersuchung seines Lebensabschnittes in Wien.
III. Ich habe die Arbeit so konzipiert, dass jemand, der der kroatischen Sprache nicht mächtig ist, keine größeren Schwierigkeiten haben sollte die Arbeit zu lesen. Alle übersetzten Textteile sind von mir eigenständig ins Deutsche übersetzt.
Alle nicht explizit erwähnte, aber angeführte Literatur verwendete ich als Vergleich zu anderen Literaturangaben.
IV. So wie jeder in einer Wolke etwas anderes sieht, so ähnlich ist es auch in einem literarischen Werk: jeder Rezipient sieht das Werk zunächst aus seiner subjektiven Sichtweise, mit seinem Hintergrund(wissen) und aus seinem Verständnis heraus. So habe auch ich die Novelle Majers aus meinen Lebenserfahrungen heraus und mit meinem Wissen verstanden und untersucht - jeder andere Mensch würde es anders machen.

Jurij M. Lotman betont dies am Anfang seines Buches Die Struktur literarischer texte: „Beim literarischen Text taucht zwischen den beiden Möglichkeiten des Verstehens und des Nichtverstehens ein Zwischenbereich von erheblicher Bandbreite auf. Voneinander abweichende Interpretationen von Kunstwerken sind eine alltägliche Erscheinung, und sie entstehen, entgegen einer weitverbreiteten Meinung, nicht etwa aus irgendwelchen leicht zu beseitigenden Gründen, sondern gehören organisch zur Kunst.“ (Lotman 1972: 43-44)

Noch krasser stellt es Milivoj Solar: seiner Meinung nach verändert die Interpretation eines Textes gleichzeitig die Klassifikation des Textes. (Solar 2000: 260-271)

Ich hoffe eine gute intersubjektive Darstellung geboten zu haben.

2. Kurzbiographie

I. Vjekoslav Majer wurde am 27. April 1900 in Zagreb geboren. Beide Elternteile waren Grazer, der Herkunft nach Likaner. Für das elterliche Lederwarengeschäft zeigte der Handelsakademiker zum Leidwesen der Eltern kein Interesse. Viel mehr beschäftigte ihn seit frühen Tagen die Dichtung. So wird sein erstes Gedicht Dan 1919 von Ivo Andriƒ in Knji ñ evni jug veröffentlicht, Andriƒ ist dabei voller Lob. 1923 heiratet Majer die Musikstudentin Zora Martinoviƒ. Er selbst studierte nebenbei auch Musik in Zagreb. Da das Ehepaar praktisch kein Einkommen hat, lebt es von den Zuwendungen Majers Eltern. Majer führt in Zagreb ein unbekümmertes Leben eines Bohemien und verkehrt viel in der Gesellschaft. Er hat viele Freunde, darunter eine Menge Literaten. Ebenfalls 1923 gibt er zusammen mit DobriÓa Cesariƒ die Zeitschrift Ozon heraus; danach auch andere literarische Zeitschriften, alle aber haben eine kurze Erscheinungsperiode. Das erste Gedichtsband Lirika kommt 1924 heraus.[4]

Im Jahre 1928 geht Majer wegen Erkrankung seiner Frau aus Zagreb nach Wien. In Wien gibt er Vorlesungen über moderne kroatische Literatur und ist Mitglied der Redaktion der Literaturzeitschrift Das blaue Heft, wo er auch selbst Gedichte und Novellen in seiner deutschen Muttersprache veröffentlicht. Dazu ist er mit seinen informativen Beiträgen Vermittler zwischen der kroatischen und österreichischen Kultur. Zu Weihnachten 1937 gehen die Majers wegen der politischen Situation wieder nach Zagreb, mit der Absicht im nächsten Frühjahr nach Wien zurück zu kehren - wegen den Umständen dort war das aber nicht mehr möglich (unter Majers Kollegen beim Blauen Heft waren viele Juden).

Bald sterben seine Eltern und er übernimmt das Lederwarengeschäft. Mit der Zeit geht er Pleite und muß beide Villen in Zagreb verkaufen. Da er in jungen Jahren ziemlich viele Freunde unterstützte, kommt ihm dies jetzt zugute. Majer zählt nun beispielsweise Tin Ujeviƒ zu seinen engsten Freunden. Seine Zeitschrift Zagreba ki feljtoni werden von einem Fussballklub herausgegeben - ein Zeichen seiner unglücklichen und mieseren Lage.

Im Alter kommt dann die ersehnte offizielle Anerkennung: Majer bekommt zwischen 1950 und 1970 fünf große Auszeichnungen, darunter den Preis Vladimir Nazor für das Lebenswerk. (Veraszto 1985: 9)

Vjekoslav Majer stirbt am 4. Dezember 1975.

II. Reich ist das literarische Erbe, worauf Vjekoslav Majer zurückgreifen kann. Vor ihm waren Marko Maruliƒ mit seiner Judita (der erste Epos in kroatischer Sprache, geschrieben 1501), Petar Zoraniƒ mit dem ersten kroatischen Roman Planine (geschrieben 1536), Ivan Gunduliƒ und sein Osman (ein Geschichtsepos, geschrieben von 1621 bis 1638), Ivan Mañuraniƒ mit Smrt Smail-age „ engi ƒ a (ein Geschichtsepos, herausgegeben 1846), August Òenoa mit Zlatarovo zlato (der erste kroatische Geschichtsroman, aus 1871) und Antun Gustav MatoÓ, um nur die wichtigsten zu nennen.

Als Majer gerade vierzehn Jahre alt war, 1914, stirbt der große A.G. MatoÓ, der neue Maßstäbe für die gesamte serbokroatische Literatur setzte. Mit MatoÓ hat die Zeitepoche der kroatischen Moderne begonnen und er hat sie auch beendet. Seine Nachfolger mißten sich großteils an ihm. So widmet Majer eines seiner schönsten Gedichte MatoÓ (Plinska laterna na Gri u). (Mihanoviƒ 1965: 39)

Was das Weltgeschehen angeht, so kann man sagen, dass Majer in einer schwierigen und einer Zeit voller Wandel lebte: er überlebte zwei Weltkriege, erlebte die Entstehung mehrerer Staaten in seinem Heimatgebiet, sah den Aufschwung der Psychologie und die Entstehung der Industrie.

Primär aber wirkte auf Majer und seine Literatur diese Welt, in der er lebte - und das war seine geliebte Stadt Zagreb mit ihrem kleinbürgerlichen Milieu. So schreibt Majer vor allem über diese, seine Welt, und über die Problematik des städtischen Menschen. Mihanoviƒ, ein Forscher des Literaten Majer, betont, dass Majer als zagreber Kind sein literarisches Thema und lyrisches Motiv in seinen Beton - Klotzen und in dunklen Stadtvierteln entdeckte. In den kleinen Gasthäusern und Cafés der „unteren Stadt“ sitzend hatte er die Möglichkeit die sogenannte kleine Welt von Zagreb kennenzulernen: Menschen, die sich arbeitslos und hungrig durch die trüben Gewässer der Armut durchschlugen und nach der Illusion von Glück und nach den Traum vom Leben suchten. Diese Menschen sind die Helden und Hauptfiguren in Majers Werken.[5]

[...]


[1] Dt.: Aus dem Tagebuch des kleinen Perica. Im Internet ist die Novelle ebenfalls unter den Seiten des Leksikografski zavod Miroslav Krle ñ a, Zagreb, zu finden; unter: http://www.hlz.hr/~nkunstek/perica/index.htm

[2] Dt.: Der, der singt, denkt nichts Schlechtes. Film aus 1970, Regisseur: KreÓimir Golik, erhältlich z.B. bei: http://www.filmskabanka.com/yu/film/833.shtml

[3] Vgl. z.B. (Majer 1934: 204-230). Auch in Hrvatsko kolo. Nr. XVI., XVII., XVIII. und XIX. ist Majer abwechselnd mit Prosa oder Poesie regelmäßig vertreten.

[4] Als Quellen verwendete ich: (Nemec 2000), (FrangeÓ 1995), (Veraszto 1985) und (Mihanoviƒ 1965).

[5] Aus (Veraszto 1985: 14-15): „Istakao sam da je Majer kao dijete Zagreba otkrio u njegovim betonskim pravokutnicima, u mra…nim gradskim…etvrtima, u usopljenim pluƒima tvorni…kih vertikala svoju knjiñevnu temu i lirski motiv. Òetajuƒi zagreba…kim ulicama i sjedeƒi u malim donjogradskim gostionicama i kavanama uz gemiÓt, pijuƒi ´dva po dva´, imao je priliku upoznati takozvani zagreba…ki mali svijet, ljude koji se besposleni i gladni probijahu kroz mutne vode siromaÓtva za iluzijom o sreƒi i snom o ñivotu. Nastojeƒi da u svakoj pojedinosti koju prikazuje dada stvarnost, on marljivo obilazi periferijske kr…mice, lokale, sirotinjske menze i prenoƒiÓta; zalazi u Óume, trijemove, podrume i mansarde; ispituje vlasnike malih lokala i bifea“ ... „Svi se oni kreƒu - kako on (Majer; Anm. d. Verf.) kañe - ´... po krivulji ñivota, po kojoj hodaju svi oni koji ne znaju Óto ƒe sutra jesti, ni gdje ƒe spavati´.“

Details

Seiten
20
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638175999
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11435
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Institut für Slawistik
Note
Sehr gut (1)
Schlagworte
Literatur Literaturwissenschaft Analyse einer Novelle

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