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Globale Ungleichheit - Ein Überblick

Seminararbeit 2008 25 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Methoden zur Bestimmung von Ungleichheit
2.1 Relative versus absolute Ungleichverteilung
2.2 Gini Index und Lorenzkurve

3. Globale Ungleichverteilungen
3.1 Einkommen
3.2 Gesundheitswesen
3.3 Bildung
3.4 Technologie
3.5 Investitionen

4. Vergleich Stadt- versus Landbevölkerung

5. Einfluss der Globalisierung auf die Ungleichheit

6. Lösungsansätze zur Reduzierung der globalen Ungleichheit

7. Resümee und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang 1 Länderzuordnung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Internationale Einkommensungleichheiten, 1970 - 2000. Relative und absolute Indizes

Abbildung 2: Internationale Verteilung des GNI pro Kopf, (1995 PPP Dollars)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Indikatoren zur Ökonomie

Tabelle 2: Indikatoren zum Gesundheitswesen

Tabelle 3: Indikatoren zur Bildung

Tabelle 4: Indikatoren zur Technologie

Tabelle 5: Indikatoren zu Investitionen

1. Einleitung

Die Lebenschancen eines Menschen sind nicht nur von der individuellen Leistungsfähigkeit und von den naturgegebenen Talenten abhängig, sondern auch von dem sozialen, wirtschaftspolitischen und bildungs-fördernden Umfeld. Dieses Umfeld wird von den Menschen aktiv gestaltet und wirkt zugleich wieder auf das Leben und die Lebenschancen der Menschen zurück, die in diesem Umfeld leben oder davon beeinflusst werden. Seit die Globalisierung in den letzten Jahrzehnten in einem immer schneller werdenden Tempo voranschreitet, der globale Warenhandel, die Finanztransfers und die Migration stetig steigen, ist auch das Thema der globalen Ungleichheit in das Blickfeld der ökonomischen Forschung gerückt.

Die Analyse ungleicher Verhältnisse kann sich auf eine Gruppe, eine Nation oder auch global zwischen Nationen beziehen und dabei die Bereiche der Einkommensverteilung, den Zustand des Gesundheits-wesens, des Bildungswesens, des technischen Fortschritts sowie die Investitionstätigkeit untersuchen. Gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder zwischen der Stadt- und Landbevölkerung? Wie wirkt sich die Globalisierung auf die Ungleichheit im allgemeinen aus - nimmt die Ungleichheit zu, geht sie zurück oder bleibt sie unverändert - und welche Lösungsansätze werden diskutiert, um der aktuellen globalen Ungleichheit entgegenzuwirken?

In dieser Arbeit wird ein grober Einblick in die Problematik der globalen Ungleichheit gegeben. Zuvor ist es jedoch notwendig, im nächsten Abschnitt auf die Methoden und die Probleme bei der Messung von Ungleichheit einzugehen. In Abschnitt 3 wird die globale Ungleichheit hinsichtlich des Einkommens, des Gesundheitswesens, der Bildung, der Technologie sowie der Investitionen analysiert. In Abschnitt 4 wird ein Vergleich zwischen Stadt- und Landbevölkerung durchgeführt und Abschnitt 5 analysiert den Einfluss der Globalisierung. In Abschnitt 6 werden Lösungsansätze zur Beseitigung von Ungleichheit erläutert und Abschnitt 7 beinhaltet eine Zusammenfassung und einen Ausblick.

2. Methoden zur Bestimmung von Ungleichheit

Zunächst einmal stellt sich die Frage: Was ist Ungleichheit und wie wird sie ermittelt? Wie lassen sich die ermittelten Resultate miteinander vergleichen?

Cowell (2000) strukturiert die Problematik der Ungleichheit einerseits in Bevölkerungsgruppen, um die Ungleichheit innerhalb eines Landes und innerhalb oder zwischen Regionen bzw. Personengruppen unterschied-lichen Geschlechts, Ethnien etc. zu analysieren, andererseits anhand der Einkommensquellen, z.B. die Ungleichheit des Gesamteinkommens in Bezug zur Ungleichheit des Arbeitseinkommens oder des Kapitalein-kommens. D.h. bei einer Ungleichheitsanalyse muß man die beiden Komponenten der Bevölkerungsstruktur und der Einkommensstruktur berücksichtigen.

Die Ausgangsdaten sind meistens ungenau oder unvollständig, so dass nicht nur Messungen, sondern auch Schätzungen durchgeführt werden müssen. Üblich ist auch eine Unterteilung in gleich große oder unterschiedlich große Quantile, um z.B. die Einkommensverteilung der reichsten 20 Prozent der Bevölkerung zu den ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung zu ermitteln. Einen Algorithmus zur optimalen Gruppierung von Einkommens- und Gesundheitsdaten, um einen Ungleichheitsindex zu maximieren, liefern Davies und Shorrocks (1989). Die Vorteile einer optimalen Gruppierung bestehen darin, dass sich die Einkommens-bereiche nicht überschneiden und der Verlust an Detailinformationen über die Verteilung minimiert wird.

Das Einkommen stellt eine zentrale Kenngröße bei der Analyse der globalen Ungleichheit dar und wird in der Literatur am häufigsten untersucht. Ein hohes Einkommen gewährt in der Regel Zugang zur medizinischen Versorgung und zur Bildung, während ein niedriges oder kein Einkommen diesen Zugang erschwert oder sogar verhindert, sofern diese Leistungen nicht unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Wichtige Kenngrößen für das Einkommen eines Landes sind das Bruttoinlandseinkommen (GNI[1]), die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts (BSP) und das GNI pro Kopf. Um internationale Vergleiche beim BSP bei sich ständig ändernden Wechselkursen durchführen zu können, wird das BSP, ausgedrückt in heimischer Währung, zum Wechselkurs der Kaufkraftparität (PPP[2]) einer imaginären Währungseinheit oder internationalen Dollar umgerechnet (Bhalla (2002, S. 91 - 101), Worldbank (2005)).

2.1 Relative versus absolute Ungleichverteilung

Bei den Analysen muß man zwischen relativen und absoluten Ungleichheiten unterscheiden. Steigen oder sinken die Einkommen um den gleichen Prozentsatz, dann verändert sich die relative Ungleichheit nicht. Steigen oder sinken die Einkommen um den gleichen Betrag, dann verändert sich die absolute Ungleichheit nicht. Bezieht ein Haushalt ein Einkommen in Höhe von $ 1.000 und ein anderer Haushalt ein Einkommen in Höhe von $ 10.000, dann verändert sich bei einer Verdoppelung des jeweiligen Einkommens die relative Ungleichheit nicht. Der reichere Haushalt erhält weiterhin ein zehnmal so hohes Einkommen. Jedoch haben sich die absoluten Unterschiede von zuvor $ 9.000 auf $ 18.000 verdoppelt. Während sich die relative Ungleichheit nicht verändert hat, hat sich die absolute Ungleichheit sehr stark verändert (Atkinson und Brandolini (2004), Ravallion (2004)), siehe auch Kolm (1976).

Bis heute wurden zur Messung von Ungleichheiten viele Indizes entwickelt und modifiziert, um die Verhältnisse möglichst realistisch zu erfassen. Unterschiedliche Resultate bei der internationalen Ungleichheit der Einkommensverteilung von 1970 - 2000, die sich auf Grund unter-schiedlicher Messmethoden ergeben, zeigt Abbildung 1.

Abbildung 1: Internationale Einkommensungleichheiten, 1970 - 2000.

Relative und absolute Indizes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Atkinson, A.B., Brandolini, A. (2004), Global World Inequality: Absolute, Relative or Intermediate?, Paper presented at the 28th General Conference of the International Association for Research on Income and Wealth, August 22 - 28, Cork, Ireland, S. 19.

Während absolute Messmethoden zunehmende internationale Ungleich-heiten beim Einkommen signalisieren, deuten relative Messmethoden auf einen Rückgang der Ungleichverteilungen hin. Sala-i-Martin (2002) ermittelt die globale Einkommensverteilung mit verschiedenen Indizes und kommt übereinstimmend zu dem Resultat, dass die globale Einkommensungleichheit zwischen 1980 bis 1998 wesentlich zurückgegangen ist. Die häufigste Einkommensungleichheit in der Welt wird hauptsächlich durch unterschiedliche pro-Kopf-Einkommen zwischen den Ländern verursacht und nicht innerhalb der Länder selbst.

2.2 Gini Index und Lorenzkurve

Ein häufig verwendetes Maß zur Darstellung von Ungleichverteilungen ist der Gini Index, der mit Hilfe der Lorenzkurve ermittelt werden kann. Abbildung 2 zeigt die Lorenzkurven für die globale Verteilung des GNI pro Kopf für das Jahr 2002 und für Schweden, Indien und Brasilien.

Abbildung 2: Internationale Verteilung des GNI pro Kopf

(1995 PPP Dollars)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bourguignon, F., Levin, V., Rosenblatt, D. (2006), Global Redistribution of Income, Worldbank Policy Research Working Paper 3961, Washington DC, S. 4.

Der Gini Index misst, inwieweit die Verteilung des Einkommens oder des Landbesitzes von Personen oder Haushalten innerhalb eines Landes von einer exakten Gleichverteilung abweicht. Die kumulierten Prozentwerte des gesamten erzielten Einkommens im Vergleich zum kummulierten Prozentwert an Empfängern, wird mit der Lorenzkurve dargestellt, indem man mit der ärmsten Person bzw. mit dem ärmsten Haushalt beginnt. Der Gini Index misst nun die Fläche zwischen der Lorenzkurve und der hypothetischen Linie absoluter Gleichverteilung, ausgedrückt als Prozentsatz der maximalen Fläche unter der Linie. Vollkommene Gleichverteilung besteht bei einem Gini Index von Null, während ein Index von Eins vollkommene Ungleichverteilung bedeutet.

In Abbildung 2 weisen Schweden und Indien eine geringere Ungleich-verteilung auf als bei Betrachtung der gesamten Welt. In Brasilien hingegen ist die Ungleichverteilung stärker ausgeprägt im Vergleich zur gesamten Welt.

Der Index für die Ungleichverteilung gibt noch keinen Hinweis, ob es sich um ein Industrieland oder ein Entwicklungsland handelt, oder ob die Bevölkerung eines Landes relativ arm oder relativ reich ist. Um die Armut in den Entwicklungsländern zu charakterisieren, hat man die Einkommensgrenzen 1$/Tag bzw. 2$/Tag eingeführt.

3. Globale Ungleichverteilungen

3.1. Einkommen

Das Einkommen eines Haushaltes setzt sich aus dem Lohneinkommen, dem Kapitaleinkommen und den Transferleistungen des Staates in Form von Gütern und Dienstleistungen zusammen. In vielen Entwicklungs-ländern kommen noch Leistungen von Hilfsorganisationen hinzu.[3]

Sala-i-Martin (2002) ermittelt für die globale Einkommensverteilung für das Jahr 1970 einen Gini Index von 0,63 und für das Jahr 1998 einen Gini Index von 0,61.[4] Die globale Ungleichheit beim Einkommen ist in diesem Zeitraum leicht zurückgegangen. Das gleiche Resultat erhält er für weitere Indizes. Eine genauere Vorstellung der globalen Einkommensverteilung liefert die Tatsache, dass die reichsten 5 Prozent der Weltbevölkerung ein Drittel des Welteinkommens erzielen bzw. die reichsten 10 Prozent erhalten die Hälfte. Dagegen erhalten die ärmsten 5 Prozent der Weltbevölkerung 0,2 Prozent des gesamten Welteinkommens bzw. die ärmsten 10 Prozent erhalten 0,7 Prozent. Das Verhältnis der Einkommen der reichsten 5 Prozent der Weltbevölkerung zu den ärmsten 5 Prozent der Weltbevölkerung beträgt somit 165:1. Die reichsten 5 Prozent verdienen in 48 Stunden soviel wie die ärmsten 5 Prozent in einem Jahr (Milanovic (2006)).

Zu den klassischen Indizes liefern auch einzelne Indikatoren bei geeigneter Gruppierung ein Bild über die globale Einkommensverteilung. Tabelle 1 zeigt einige aktuelle ökonomische Indikatoren.[5]

Tabelle 1: Indikatoren zur Ökonomie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : Eigene Zusammenstellung aus: Worldbank (2007a), World Development Report 2008, Agriculture for Development, Washington, D.C.

Das Bruttoinlandseinkommen (GNI) pro Kopf, (bzw. bei Kaufkraftparität (PPP)) der OECD Staaten und der anderen Hochlohnländer, lag im Jahr 2006 mit $ 36.487 ($ 34.701) weit über dem globalen Durchschnitt von $ 7.439 ($ 10.218). Alle anderen Ländergruppen liegen unter dem globalen Durchschnitt. Am unteren Ende des pro-Kopf-Einkommens sind die Staaten Afrikas südlich der Sahara mit $ 842 ($ 2.032) und Südasiens mit $ 766 ($ 3.444). Überdurchschnittlich hohe BSP-Wachstumsraten haben die Staaten in Asien, während die OECD-Staaten und die weiteren Hochlohnstaaten die geringsten Wachstumsraten zu verzeichnen haben. Zwei Drittel der globalen Exporte gehen jedoch von den Hochlohnstaaten aus.

Einen negativen Einfluss auf die globale Einkommensungleichheit hat die Armut. Das erste Millenniumziel der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen die Armut ist die Halbierung der Anzahl der Menschen, die von weniger als $1/Tag leben müssen. Im Jahr 1990 lebten in den Entwicklungsländern 29 Prozent der Bevölkerung von weniger als $1/Tag ($2/Tag: 61 Prozent), im Jahr 2004 waren es 18 Prozent, davon 31,7 Prozent in Südasien bzw. 41,1 Prozent in den Staaten Afrikas südlich der Sahara ($2/Tag: 48 Prozent). Im Jahr 2015 werden es voraussichtlich 12 Prozent der Bevölkerung in den Entwicklungsländern sein, die von weniger als $1/Tag ($2/Tag: 34 Prozent) leben müssen. Außer den Staaten Afrikas südlich der Sahara werden wahrscheinlich alle anderen Regionen das erste Millenniumziel erreichen. Bedingt durch das relativ hohe Wachstum der Bevölkerung in den Entwicklungsländern, wird die absolute Anzahl der Menschen, die von weniger als $1/Tag im Jahr 2015 leben müssen weltweit bei ca. 721 Millionen ($2/Tag: 2.095 Millionen) sein, 75 Prozent davon in Südasien und in Afrika südlich der Sahara. Schätzungsweise leben 27 Prozent der extrem Armen in den Entwicklungsländern in politisch instabilen Staaten. Politische Instabilität wird als Haupthemmnis der ökonomischen Entwicklung gesehen (Worldbank (2007c)).

Die globale Einkommensungleichheit wird zwar in den nächsten Jahren, bedingt durch das Wirtschaftswachstum in China und Indien, weiter zurückgehen, jedoch wird die globale Einkommensungleichheit bis zum Jahr 2050 wieder ansteigen, sollte es den Staaten Afrikas südlich der Sahara nicht gelingen, wirtschaftlich aufzuholen, da die globale Einkommensungleichheit hauptsächlich zwischen den Staaten entsteht und nicht innerhalb der jeweiligen Staaten (Sala-i-Martin (2002)).[6]

[...]


[1] Gross national income.

[2] Purchasing power parity.

[3] Der aktuelle Datenbestand bezieht sich auf unterschiedliche Definitionen des Einkommens. Eine Standardisierung ist noch nicht vollständig gewährleistet.

[4] Eine Übersicht der Gini Indizes für die einzelnen Staaten siehe: United Nations Development Program (2007), Human Development Report 2007/2008, Fighting Climat Change: Human Solidarity in a Divided World, Tabelle 15, S. 281 - 284.

[5] Eine Länderzuordnung zu den einzelnen Gruppen wird im Anhang 1 aufgeführt.

[6] Den Prognosen liegen die Wachstumsraten von 1980 - 1998 zu Grunde.

Details

Seiten
25
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640153305
ISBN (Buch)
9783640155095
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114582
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Fakultät für Wirtschaftswissenschaft insb. Makroökonomie
Note
2,0
Schlagworte
Globale Ungleichheit Ausgewählte Problemfelder Globalisierung

Autor

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Titel: Globale Ungleichheit - Ein Überblick