Lade Inhalt...

Wandel des Reiseverhaltens der Deutschen während der Corona-Pandemie

©2021 Hausarbeit 37 Seiten

Zusammenfassung

Diese Arbeit untersucht, inwiefern die Pandemie das Reiseverhalten der Deutschen beeinflusst hat. Das Corona-Virus hat den internationalen Reiseverkehr fest im Griff. Kaum eine andere Branche leidet so sehr unter der Pandemie wie der Tourismus. Allein im Zeitraum von März bis Dezember 2020 verzeichnete der Sektor in Deutschland einen Umsatzausfall in Höhe von 68,7 Mrd. Euro. Reisewarnungen, Grenzschließungen und der stark eingeschränkte Flugverkehr machten das Reisen nahezu unmöglich.

In diesem Sommer kehrt die Hoffnung langsam zurück. Die Inzidenzen sinken, die Impfquote steigt, der Tourismus wird wieder lebendiger. Dennoch hat sich die Individualität des Reisens verändert. Während man früher spontan in den Flieger gestiegen ist, ist das aktuell kaum denkbar. Vorab müssen sich Reisende sorgfältig und präzise über Sicherheitsmaßnahmen, Impfbestimmungen und Quarantäneregelungen informieren. Hinzukommen in einigen Destinationen online Einreiseformulare, über welche Touristen sich in der Regel einige Tage vor Abflug registrieren müssen. Die potenzielle Ansteckungsgefahr und die herausfordernden Sicherheitsmaßnahmen verunsichern die Menschen nach wie vor. Durch die zunehmende Präsenz von diversen Ängsten geraten die langfristigen Auswirkungen der Krise zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus. Aber inwiefern hat die Pandemie das Reiseverhalten der Deutschen insgesamt beeinflusst? Diese Arbeit hat zum Ziel, den Forschungsstand dieses Themas zusammenzufassen und so neue Erkenntnisse im Hinblick auf den Wandel zu liefern.

Anhand einer quantitativen Studie wurde die Bedeutung des Reisens, die vorhandenen Bedenken und die damit einhergehenden Maßnahmen und Auswirkungen untersucht. Die quantitative Analyse wurde gewählt, um messbare Werte zur Gegenüberstellung zu erhalten.

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Begriffe und Definitionen
2.2 Corona-Pandemie
2.3 Aktueller Forschungsstand
2.3.1 Reiseverhalten im Jahr
2.3.2 Zukünftige Entwicklung des Reiseverhaltens

3 Empirische Arbeit
3.1 Methodik
3.1.1 Aufbau der Studie

4 Forschungsergebnisse

5 Diskussion

6 Fazit

III. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Anzahl der vor Corona jährlich unternommenen Kurzreisen

Abb. 2: Anzahl der vor Corona jährlich unternommenen Urlaubsreisen

Abb. 3: Häufigkeit, mit der Deutschland als Zieldestination gewählt worden ist

Abb. 4: Häufigkeit, mit der Europa als Zieldestination gewählt worden ist

Abb. 5: Häufigkeit, mit der Amerika als Zieldestination gewählt worden ist

Abb. 6: Häufigkeit, mit der Asien als Zieldestination gewählt worden ist

Abb. 7: Häufigkeit, mit der Afrika als Zieldestination gewählt worden ist

Abb. 8: Häufigkeit, mit der Australien als Zieldestination gewählt worden ist

Abb. 9: Länder die am liebsten bereist wurden

Abb. 10: Anzahl der Probanden, die seit Beginn der Pandemie verreist sind

Abb. 11: Anzahl der Reisen im Jahr 2020

Abb. 12: Priorität von Reisen im Jahr 2021

Abb. 13: Priorität von Reisen im Jahr 2021 - Unterteilt nach Geschlecht

Abb. 14: Einfluss der Corona-Pandemie auf das Reiseverhalten

Abb. 15: Einfluss auf das Reiseverhalten, unterteilt in Probanden mit/ ohne Kinder

Abb. 16: Wichtigste Kriterien bei der Reisebuchung 2021

Abb. 17: Wunschreiseziel für 2021

Abb. 18: Reisepartner/ -begleitung für das Jahr 2021

Abb. 19: Wie viele Studienteilnehmer haben bereits eine Reise für 2021 gebucht

Abb. 20: Bevorzugte Art des Reisens

Abb. 21: Veränderung des Anreiseverhaltens/ der Mobilität

Abb. 22: Freiwillige Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus

Abb. 23: Veränderung des Reiseverhaltens aufgrund der Corona-Pandemie

1 Einleitung

„2020 war mit der COVID-19 Pandemie für den Deutschlandtourismus eines der schwersten [Jahre] in seiner Geschichte. Die Pandemie wird uns auch 2021 begleiten und die Branche prägen. Die Herausforderungen, denen sich der Tourismus stellen muss, sind groß.“1

Das Corona-Virus hat den internationalen Reiseverkehr fest im Griff. Kaum eine andere Branche leidet so sehr unter der Pandemie wie der Tourismus. Allein im Zeitraum von März bis Dezember 2020 verzeichnete der Sektor in Deutschland einen Umsatzausfall in Höhe von 68,7 Mrd. Euro.2 Reisewarnungen, Grenzschließungen und der stark einge­schränkte Flugverkehr machten das Reisen nahezu unmöglich.

In diesem Sommer kehrt die Hoffnung langsam zurück. Die Inzidenzen sinken, die Impf­quote steigt, der Tourismus wird wieder lebendiger.3 Dennoch hat sich die Individualität des Reisens verändert. Während man früher spontan in den Flieger gestiegen ist, ist das aktuell kaum denkbar. Vorab müssen sich Reisende sorgfältig und präzise über Sicher­heitsmaßnahmen, Impfbestimmungen und Quarantäneregelungen informieren.4 Hinzu­kommen in einigen Destinationen online Einreiseformulare, über welche Touristen sich in der Regel einige Tage vor Abflug registrieren müssen. Die potenzielle Ansteckungs­gefahr und die herausfordernden Sicherheitsmaßnahmen verunsichern die Menschen nach wie vor.5 Durch die zunehmende Präsenz von diversen Ängsten geraten die lang­fristigen Auswirkungen der Krise zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus. Aber in­wiefern hat die Pandemie das Reiseverhalten der Deutschen insgesamt beeinflusst? Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, den Forschungsstand dieses Themas zusammenzufassen und so neue Erkenntnisse im Hinblick auf den Wandel zu liefern.

Anhand einer quantitativen Studie wurde die Bedeutung des Reisens, die vorhandenen Bedenken und die damit einhergehenden Maßnahmen und Auswirkungen untersucht. Die quantitative Analyse wurde gewählt, um messbare Werte zur Gegenüberstellung zu er­halten.

Die Arbeit beginnt mit dem theoretischen Rahmen und der Analyse der grundlegenden Literatur zum Einfluss der Pandemie. Im Anschluss wird in Kapitel 3 der empirische Teil der Arbeit, die quantitativen Studie zu den langfristigen Auswirkungen der Pandemie, dargestellt. Die Ergebnisse der Studie werden daraufhin in Kapitel 4 zusammengefasst. Anschließend wird in Kapitel 5 die Studie interpretiert und mit dem vorab präsentierten Forschungsstand verglichen. Unter Berücksichtigung dieses Vergleichs und des theoreti­schen Hintergrundes wird abschließend bewertet, inwiefern die Corona-Krise das Reise­verhalten der Deutschen beeinflusst hat. Die Ergebnisse der Arbeit werden in Kapitel 6 zu einem Fazit zusammengefasst.

2 Theoretischer Hintergrund

Der theoretische Hintergrund orientiert sich an den Untersuchungsobjekten. Zuerst wer­den die wichtigsten Begriffe und Definitionen vorgestellt. Hierbei werden zum einen die unterschiedlichen Reisemotive beschrieben, zum anderen soll der Prozess der Reiseent­scheidung skizziert werden. Vorab wird zum besseren Verständnis kurz erörtert, was Tourismus bedeutet und welche unterschiedlichen Reisearten es gibt. Anschließend wird der Verlauf der Corona-Pandemie dargestellt. Dabei sollen insbesondere die Folgen und Einschränkungen für den Tourismus in Deutschland in den Fokus gerückt werden. Nach dem theoretischen Rahmen folgt der aktuelle Forschungsstand, welcher einen Überblick über die bisherigen Erkenntnisse jüngster Studien liefern soll. Betrachtet werden dabei vor allem die Reiseveränderungen im ersten Jahr der Pandemie, das aktuelle Reisever­halten und die Tourismus-Entwicklung der nächsten drei bis fünf Jahre.

2.1 Begriffe und Definitionen

„Tourismus (Fremdenverkehr, touristischer Reiseverkehr) umfasst die Gesamtheit aller Erscheinungen und Beziehungen, die mit dem Verlassen des üblichen Lebens­mittelpunktes und dem Aufenthalt an einer anderen Destination bzw. dem Bereisen einer anderen Region verbunden sind.“6

Die Definition des Begriffs Tourismus ist demzufolge sehr umfangreich und vielseitig. Unterschiedlichste Typologien von Reisearten lassen sich daraus ableiten. Diese werden beispielsweise „nach verhaltensorientierten Merkmalen und demografischen Kriterien“7 klassifiziert. Grundsätzlich untergliedert man zwischen Geschäfts- und Privatreisen. Für die vorliegende Arbeit ist lediglich letzteres relevant. Weiterführend lässt sich hinsicht­lich der Reisedauer zwischen Kurz- und Urlaubsreisen unterscheiden, wobei Kurzreisen mit einer Dauer von zwei bis vier Tagen definiert werden, Urlaubreisen mit einer Dauer ab fünf Tagen.8 Auch im Hinblick auf die Destination, also das Ziel der Reise, differen­ziert man unter anderem zwischen Inlands- und Auslandstourismus, Land- und Städte­tourismus, sowie Fern- und Nahreisen. Komplexere Abstufungen lassen sich im Hinblick auf das Reisemotiv bilden.

Definiert wird das Reisemotiv als „die Gesamtheit der individuellen Beweggründe, die dem Reisen zugrunde liegen“9. Dabei unterscheidet man unter anderem zwischen Wellness-, Erholungs-, Abenteuer-, Bildungs- oder Gesundheitstourismus.10 „Doch nicht immer sind dem Reisenden die wirklichen Antriebskräfte für seine Reise bewusst.“11 Die Motivation, die den Menschen zum Reisen bewegt, ist also häufig unterschwellig und intuitiv vorhanden. Einen Aspekt haben alle aufgeführten Reisemotive aber gemeinsam - der Mensch möchte während seiner Reise in eine Parallelwelt abtauchen und dem Alltag entfliehen. Er präferiert „für eine bestimmte Zeit einen Raum (...), in dem er auf Rah­menbedingungen stößt, die zu einem großen Teil, nicht Bestandteil seines Alltags sind“12. Die touristische Destination fungiert dabei als eine Art Aktionsraum, in welchem der Rei­sende seine unbewussten Reisemotive befriedigen kann.13

Während das Reisemotiv sich folglich durch das fehlende Bewusstsein auszeichnet, han­delt es sich bei der Reiseentscheidung um einen komplexen Prozess, der aus „einer Viel­zahl von Teilentscheidungen“14 besteht, welche bewusst getroffen werden. Diese Ent­wicklung findet über einen längeren Zeitpunkt statt, die einzelnen Entscheidungen beein­flussen sich dabei gegenseitig. Die Wahl der Zieldestination hat demnach unter anderem Auswirkungen auf die Anreiseart oder die vor Ort stattfinden Aktivitäten.15 Die einzelnen Teilentscheidungen werden unter anderem von sozialen Werten, den persönlichen Reis­emotiven und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, wie z. B. der sozialen Zugehörig­keit, beeinflusst und determiniert.16

Das Reiseverhalten ist die Summe aller vorab beschriebenen Begrifflichkeiten. Die Psy­chologie definiert das Verhalten des Menschen als „jenes Geschehen, das, an einem Or­ganismus oder von einem Organismus ausgehend, außenseitig wahrnehmbar ist“17. Das Reiserverhalten umfasst dabei alle im Urlaub stattfinden Aktivitäten.18 Der Urlauber hat folglich ein nicht bewusstes Reisemotiv, welches mit dem Urlaub erfüllt werden soll. Die Kombination aus diesem Motiv und diversen weiteren Faktoren, beeinflussen den Prozess der Reiseentscheidung. Die Gesamtheit aller getroffenen Entscheidungen führt zum dar­aus resultierende Reiseverhalten des Menschen.

Im folgenden Kapitel soll der Verlauf der Corona-Pandemie chronologisch dargestellt werden. Dabei werden insbesondere die damit verbundenen Folgen für die deutsche Tou­rismuswirtschaft genauer beleuchtet.

2.2 Corona-Pandemie

Am 27. Januar 2020 wurde der erste Corona-Fall in Deutschland bestätigt. Nach damali­ger Einschätzung des Gesundheitsministers Jens Spahn stelle das Virus keine große Be­drohung für Deutschland dar: „Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutsch­land durch die neue Atemwegserkrankung aus China bleibt nach Einschätzung des RKI weiterhin gering.“19 Dennoch ruft die Weltgesundheitsorganisation WHO am 11. März eine Pandemie aus.20 Bis zu dem Tag wurden innerhalb Deutschlands 1.567 laborbestä­tigte Fälle der Infektion gemeldet.21 Kurz darauf werden die ersten Grenzen zu den deut­schen Nachbarländern abgeriegelt. Am 16. März wird der erste Lockdown beschlossen, mit dem Tag des 22. Märzes treten die neuen Regelungen in Kraft.22

Vor allem das Gastgewerbe wird von diesen Regelungen hart getroffen. In den meisten Bundesländern müssen Gastronomiebetriebe jeder Art schließen. Hotels- und Beherber­gungsbetrieben ist das Empfangen von touristischen Gästen untersagt, lediglich Ge­schäftsreisende dürfen empfangen werden.23 Gemäß Infektionsschutzgesetz wird das Nichtbefolgen der Regelungen mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 25.000€, oder Frei­heitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet.24 Die beschlossenen Maßnahmen halten bis Ende Mai an. Nach ungefähr acht Wochen des Lockdowns dürfen die Gastronomie und die Hotellerie unter bestimmten Sicherheitsauflagen stufenweise wieder öffnen.25

Trotz der getroffenen Maßnahmen steigen die Fallzahlen des Virus zum Herbst hin erneut an. Laut dem Robert Koch-Institut stecken sich fast 40 Prozent der positiv getesteten Menschen im Ausland an.26 Weltweit werden immer wieder Länder zum Risikogebiet erklärt, diverse Reisewarnungen für Touristen aus unterschiedlichen Ländern treten in Kraft.27 Die konstant steigenden Corona-Zahlen bescheren Deutschland im November den zweiten Lockdown, welcher einige Monate andauern wird. Im Zuge dessen muss die Gastronomie erneut schließen, Hotels dürfen wieder keine Touristen aufnehmen.28 All die dargestellten Maßnahmen führen zu einem Rekordtief der Übernachtungen innerhalb Deutschlands. Während es 2019 insgesamt ca. 495 Mio. Übernachtungen und 190 Mio. Gästeankünfte gab, waren es in dem darauffolgenden Pandemie-Jahr nur noch 300 Mio. Übernachtungen und rund 98 Mio. Gästeankünfte.29

Auch das Jahr 2021 stellt eine Herausforderung für den Tourismus dar. Die Sicherheits­maßnahmen und Schließungen dauern an. Im März wird in den ersten Bundesländern die Außengastronomie wieder geöffnet, erst im Mai folgen die Wiedereröffnungen der Hotels und der Innengastronomie.30 Trotz der Öffnung der Hotellerie erholt sich die Reisever­kehrsbranche nur langsam von den Folgen des Lockdowns. In Berlin liegt die durch­schnittliche Belegungsquote im ersten Monat bei rund 34,6 Prozent. 2019 betrug diese für den ungefähr gleichen Zeitraum immerhin 82 Prozent.31 Die Branche hat nach wie vor mit den Folgen der Covid-Pandemie zu kämpfen. Das Reiseverhalten der Deutschen ist längst noch nicht zurück auf dem alten Niveau.

Im folgenden Kapitel soll anhand von jüngsten Studien erörtert werden, inwiefern die Corona-Pandemie das Reiseverhalten der Deutschen bisher beeinflusst hat. Dabei werden insbesondere die Veränderungen im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie und die jet­zige Situation beleuchtet. Abschließend wird ein Ausblick für die Zukunft vorgestellt.

2.3 Aktueller Forschungsstand

Wie bereits dargestellt, hat die Corona-Krise alle Bereiche des Gastgewerbes getroffen. Sowohl Hotels, Restaurants und Cafés, als auch Ferienwohnungen oder sogar Rehaklini­ken haben die direkten Auswirkungen gespürt.32 Auch die touristische Freizeitwirtschaft hat hohe Einbußen hinsichtlich der Besucherzahlen zu verzeichnen. Laut einer Analyse des Deutschen Tourismusverbandes wurden beispielsweise Stadtführungen im Jahr 2020 von etwa 70 Prozent weniger Menschen beansprucht als im Vorjahr.33 Auch die Besuchs­zahlen von kulturellen Sehenswürdigkeiten wie historischen Bauwerke, Schlössern oder Museen zeigen diese Entwicklung auf.34 Folglich ist der Tourismus in diesem Jahr be­sonders auf wieder steigende Zahlen angewiesen. Doch wie sieht es hinsichtlich der Reisebereitschaft der Menschen aus? Sind diese offen für neue Urlaubserlebnisse, oder überwiegen aktuell Unsicherheit und Vorsicht. Um zu einer Beantwortung dieser Frage zu gelangen, wird zuerst das Reiseverhalten der Deutschen im Jahr 2020, dem Beginn der Pandemie, dargestellt. Hierbei soll insbesondere der Unterschied zum Vorjahr deutlich gemacht werden. Anschließend werden Studien, die das künftige Reiseverhalten analy­siert haben, vorgestellt.

2.3.1 Reiseverhalten im Jahr 2020

Die Tourismusstudie des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs aus dem Jahr 2020 thematisiert „die Corona-Pandemie und ihre Wirkung auf die Reiselust der Deutschen“35. Ziel der Studie war es, Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf- und Perspektiven für das künftige Reiseverhalten der Deutschen liefern.36 Die Untersuchung wurde mittels Online­Interview an 5000 Probanden durchgeführt.37

Aus der jüngsten Forschung geht hervor, dass 2020 deutlich weniger Reisen unternom­men wurden als noch im Vorjahr. Während 66 Prozent der Befragten angaben, 2019 ver­reist zu sein, waren es im ersten Jahr der Pandemie nur 51 Prozent.38 Deutschland war dabei als Zieldestination besonders beliebt. 56 Prozent der Studienteilnehmer haben Ur­laub im eigenen Land gemacht. Auch hinsichtlich der Verkehrsmittel gab es signifikante Unterschiede. Während das Auto im Vergleich zum Vorjahr von deutlich mehr Reisenden präferiert wird, verliert das Flugzeug an Bedeutung. Letzteres wird nur noch von 17 Pro­zent der Menschen in Anspruch genommen, das Auto hingegen nutzten 63 Prozent der Reisenden.

Zum selben Ergebnis wie der ADAC kommt auch die Studie des Bayerischen Zentrums für Tourismus. Die Befragung aus dem März 2021 thematisiert ebenfalls das Reisen wäh­rend der Pandemie. Zu den ca. 2000 Probanden zählen Männer und Frauen im Alter von 18-74 Jahren.39 Auch hier ist Deutschland das mit Abstand beliebteste Reiseziel. Mehr als 60 Prozent der Befragten wählten eine innerdeutsche Zieldestination für ihren Urlaub aus. Auf Platz zwei der besuchten Reiseziele folgt, mit einem signifikanten Abstand, Ös­terreich mit 11 Prozent der Probanden.40

Besonders zu betonen ist dabei, dass es innerhalb von Deutschland trotz der gestiegenen Attraktivität weniger Kurzurlaube gegeben hat. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2020 einen Verlust von 57 Prozent. Dafür stieg die Anzahl der Urlaubsreisen, also Reisen ab einer Dauer von 5 Tagen, um 22 Prozent an.41 Reisen sind demnach bewusster und redu­zierter unternommen worden.42 Die Diplombetriebswirtin Prof. Dr. Ina zur Oven-Krock- haus hebt hervor, dass vor allem durch die Reisebeschränkungen das Reisen im letzten Jahr „auf Regional- oder Nationalurlaub“43 eingeschränkt gewesen sei. Sie führt außer­dem an, dass Reisende aktuell immer vorsichtiger werden und sie dadurch vor allem den Massentourismus meiden würden.44

Die Deutschen haben ein großes Sicherheitsbedürfnis und legen jetzt sehr viel Wert darauf, ihre Reisen flexibel planen zu können. Wichtig ist vielen auch, dass sie bestenfalls kostenlos stornieren können.45

Die Kombination aus den vorhandenen Reisebeschränkungen und der gleichzeitige Wunsch nach Sicherheit haben den Deutschlandurlaub im vergangenen Jahr demnach besonders attraktiv gemacht. 42 Prozent der Umfrageteilnehmer vom ADAC gaben an, dass die Corona-Krise direkte Auswirkungen auf ihre Reiseplanung gehabt hätte. Mehr als die Hälfte der Befragten sei trotz der Änderungen und Beschränkungen aber dennoch sehr zufrieden mit dem Urlaub gewesen. Tendenziell ist die Zufriedenheit im Vergleich zum Vorjahr aber gesunken.46

Doch wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Zukunft aus? Wird der Trend des binnen­ländischen Tourismus anhalten, oder werden die Urlauber in den kommenden Jahren wie­der Fernreisen präferieren? Das folgende Kapitel thematisiert die zukünftige Tourismus­entwicklung in Deutschland.

2.3.2 Zukünftige Entwicklung des Reiseverhaltens

In der bereits vorgestellten Studie des ADAC wurden die Teilnehmer gefragt, wie wahr­scheinlich es sei, dass sie 2021 eine oder mehrere Reisen unternehmen würden. Dabei gaben nur 28 Prozent der Befragten an, es sei sehr wahrscheinlich das sie eine Reise bu­chen würden. „Die Zurückhaltung schlägt sich auch im voraussichtlichen Buchungszeitpunkt nieder“47. Nur ein Zehntel der Umfrageteilnehmer hatte zu dem Zeit­punkt bereits eine Reise für 2021 gebucht. Etwa 50 Prozent möchte kurzfristig oder gar nicht buchen.48 Durch die ständigen Veränderungen der Corona-Fallzahlen sei kaum noch etwas zuverlässig planbar, weshalb die Kunden einen hohen Wert auf Flexibilität und die Möglichkeit des kostenfreien Stornierens legen.49 Diese Vorsicht zeichnet sich innerhalb der Studie auch bei der Wahl der Urlaubsdestination wieder. Fast die Hälfte der Proban­den gibt an, dass sie sehr wahrscheinlich innerhalb Deutschlands Urlaub machen werden. 28 Prozent bevorzugen Europa, nur 10 Prozent können sich eine Reise außerhalb Europas vorstellen.50

Die Forschungsergebnisse vom ADAC und vom Bayerischen Zentrum für Tourismus wei­sen auch in diesem Bereich Gemeinsamkeiten auch. Auch bei letzterem sind die diesjäh­rigen Reiseabsichten der Teilnehmer zurückhaltend. 39 Prozent möchten auf jeden Fall verreisen, 26 Prozent nur innerhalb Deutschlands. Während 28 Prozent der Befragten noch abwarten wollen, sagen ganze 13 Prozent das sie aufgrund der Pandemie überhaupt nicht verreisen werden.51 Auffallend ist, dass die Reisebereitschaft mit zunehmendem Einkommen ansteigt. „In der Einkommensgruppe 3.000 Euro und mehr möchten 47 Pro­zent auf jeden Fall noch 2021 verreisen; in den Einkommensgruppen bis unter 1.500 Euro liegt der Anteil bei 27 Prozent.“52

„Vor diesem Hintergrund wird zunächst der regionale Tourismus an Attraktivität gewin­nen: Kurze Wege und Naherholung vermitteln ein Gefühl der Sicherheit“.53 Hinsichtlich des Sicherheitsaspektes kommen beide Studien zu dem Ergebnis, dass dieser bei der dies­jährigen und auch zukünftigen Reiseplanung einen enormen Stellenwert haben wird. Das umfasst sowohl die bereits genannten Stornierungsmöglichkeiten als auch die hygieni­schen Anforderungen an eine Destination. Rund die Hälfte der ADAC -Studienteilnehmer ordnet den folgenden Aspekten bei Reisen innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre das Attribut sehr wichtig zu: Einhaltung von Hygienestandards, Stornierungsbedingungen, Flexibilität hinsichtlich des Umbuchens von Reisen und Qualität der medizinischen Versorgung.54 Weniger als 5 Prozent der Befragten empfinden diese Dinge als überhaupt nicht wichtig.55

Trotz aller Maßnahmen und Ängste ist die Reiselust der Deutschen ungebrochen. „Die große Mehrheit der Deutschen möchte wieder so Reisen wie vor Corona: Sie möchten wieder längere Reisen antreten und dabei in ihre gewohnten Destinationen reisen“.56 Doch welche Aspekte müssen erfüllt sein, damit die Menschen wieder reisen? Laut der Studie des Bayerischen Zentrums für Tourismus spielt dabei sowohl der Inzidenzwert als auch die Quarantäneregelungen oder die Impfquote eine große Rolle. Die Mehrheit der Befragten würde erst ab einer Inzidenz von unter 35 Prozent in die jeweilige Destination reisen.57 Fast die Hälfte aller Personen, die mit dem Urlaub noch abwarten wollen, würde dann verreisen, wenn es kein Quarantäneregeln für Reiserückkehrer mehr gibt und die Bundesregierung alle Reisewarnungen aufhebt. Bei den Teilnehmern, die nicht verreisen möchten, ist die eigene Impfung und der Impfanteil der restlichen Bevölkerung von be­sonderer Bedeutung.58

Hinsichtlich der Reisepräferenzen für die nächsten drei bis fünf Jahre zeichnen sich kleine Veränderungen ab. Badeurlaub ist bei den Umfrageteilnehmern des ADAC nach wie vor die beliebteste Reiseart, gefolgt von Städtetourismus und Urlaub auf dem Land, bzw. in den Bergen. Letzteres kann durch die Corona-Krise ein enormes Wachstum vorweisen.59 Größere Hotels werden aktuell zwar noch als liebste Unterbringungsart angegeben, den­noch holen kleinere Urlaubseinheiten und individuelle Beherbergungsorte auf: gemietete Ferienwohnungen werden innerhalb dieses Zeitraums von 37 Prozent bevorzugt, kleinere Hotels sogar von 41 Prozent der Probanden. Auch das Camping kann im Vergleich zum Jahr 2019 mit einem Zuwachs von 7 Prozent rechnen.60

[...]


1 Deutscher Tourismusverband e.V. 2021, S. 3.

2 Vgl. Deutscher Tourismusverband e.V. 2021, S. 6.

3 Vgl. Genzoli 2021, o. S.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. Deutscher Tourismusverband 2021, S. 20.

6 Frietzsche [o. J. a], o. S:

7 Frietzsche [o. J. b], o. S.

8 Vgl. ebd.

9 Braun 1993, S. 199, zitiert nach Kliem 2003, S.17.

10 Vgl. Frietzsche [o. J. b], o. S.

11 Freyer 1995, S. 58.

12 Kliem 2003, S. 17.

13 Vgl. Kliem 2003, S. 18.

14 Kliem 2003, S. 20.

15 Vgl. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. 2017, o. S.

16 Vgl. Braun 1993, S. 302, zitiert nach Kliem 2003, S.20.

17 Faßnacht [o. J.], o. S.

18 Vgl. Kliem 2003, S. 22 f.

19 Bundesministerium für Gesundheit 2021, o. S.

20 Vgl. MDR 2020, o. S.

21 Vgl. Robert Koch-Institut 2020, S. 1.

22 Vgl. MDR 2021, o. S.

23 Vgl. DEHOGA Bundesverband 2020, S. 2 ff.

24 Vgl. DEHOGA Bundesverband 2020, S. 1.

25 Vgl. Etol 2020, o. S.

26 Vgl. MDR 2020, o. S.

27 Vgl. ebd.

28 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2021, o. S.

29 Vgl. Deutscher Tourismusverband e.V. 2021, S. 9.

30 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2021, o. S.

31 Vgl. Tophotel 2021, o. S.

32 Vgl. Deutscher Tourismusverband e.V. 2021, S. 7.

33 Vgl. Deutscher Tourismusverband e.V. 2021, S. 8.

34 Vgl. Deutscher Tourismusverband e.V. 2021, S. 8.

35 ADAC 2020, S. 1.

36 Vgl. ADAC 2020, S. 1.

37 Vgl. ADAC 2020, S. 6.

38 Vgl. ADAC 2020, S. 2.

39 Vgl. Bayerisches Zentrum für Tourismus e.V. 2021, S. 3.

40 Vgl. Bayerisches Zentrum für Tourismus e.V. 2021, S. 11.

41 Vgl. Deutscher Tourismusverband 2021, S. 16.

42 Vgl. Kirig [o. J.], o. S.

43 Simonsen 2020, o. S.

44 Vgl. ebd.

45 Ebd.

46 Vgl. ADAC 2020, S. 2.

47 ADAC 2020, S. 3.

48 Vgl. ebd.

49 Vgl. Simonsen 2020, o. S.

50 Vgl. ADAC 2020, S. 3.

51 Vgl. Bayerisches Zentrum für Tourismus e.V. 2021, S. 18.

52 Bayerisches Zentrum für Tourismus e.V. 2021, S. 20.

53 Kirig [o. J.], o. S.

54 Vgl. ADAC 2020, S. 5.

55 Vgl. ebd.

56 ADAC 2020, S. 4.

57 Vgl. Bayerischen Zentrum für Tourismus e.V. [2021|, S. 22.

58 Vgl. ebd.

59 Vgl. ADAC 2020, S. 4.

60 Vgl. ADAC 2020, S. 5.

Details

Seiten
37
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783346530424
ISBN (Paperback)
9783346530431
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Erscheinungsdatum
2021 (November)
Note
1,3
Schlagworte
wandel reiseverhaltens deutschen corona-pandemie
Zurück

Titel: Wandel des Reiseverhaltens der Deutschen während der Corona-Pandemie