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Der Vater. Bedeutung und Funktionen für das Kind und die Vater-Kind-Beziehung

Seminararbeit 2006 27 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Der Vater

2 Verschiedene Kulturen im Vergleich

3 Wer ist Vater?

4 Das Vaterbild

5 Der Vater als
5.1 Förderer der Sozialisation: Die Öffnung der Welt
5.2 Lehrer: Das Erwachen der kindlichen Kompetenzen
5.3 Bezugsperson: Die Herausbildung der Emotionen

6 Die Rolle des Vaters

7 Die Vater-Kind-Beziehung
7.1 Zur Vater-Kind-Bindung
7.2 Die Geburt eines Kindes
7.3 Beteiligung an der Kleinkindpflege

8 Die Vater-Sohn-Beziehung

9 Die Zeiten haben sich geändert
9.1 Die Frauenarbeit
9.2 Neue familiäre Konfigurationen
9.3 Neue Ideen und Verhaltensweisen

10 Der ´neue´ Vater
10.1 Funktionen des ´neuen´ Vaters
10.2 Der aktive Erzieher
10.3 Die ´neuen´ Ängste
10.4 Ein ´neues´ Problem für ´neue´ Väter

Literaturverzeichnis

1 Der Vater

„Ein Vater ist der männliche Elternteil eines Kindes. Darunter wird zumeist der biologische Vater (Genitor) verstanden, aber auch ein nicht notwendigerweise biologisch verwandter Mann kann diese Rolle übernehmen ("sozialer Vater").“ (de.wikipedia.org)

Primär wird mit dem Begriff Vater meist der biologische Vater assoziiert (vgl. Grieser 1998, S. 12), der „an der Zeugung eines Kindes beteiligte Mann.“ (Brockhaus 1994, S. 73) Doch auch ein Mann, der nicht diese Vorraussetzung erfüllt, kann ein Vater sein, z. B. ein Adoptiv- oder Pflegevater oder ein Stiefvater. Ein Mann, der einem Kind nahe steht, es erzieht, für sein Wohlergehen sorgt, ist sein Vater, ganz egal, ob er biologisch der Vater ist oder nicht.

Diese Assoziation mit dem biologischen Vater ist eine relativ neue Tendenz. Bis vor einigen Jahrzehnten war es noch nicht möglich, die biologische Vaterschaft zu beweisen. Bis zu den ersten Vaterschaftstests war eine Vaterschaft niemals erwiesen, sie beruhte immer nur auf dem Glauben, der Vater zu sein. Außerdem entsteht während der Schwangerschaft nicht eine so intensive Beziehung zwischen Vater und Kind, wie zwischen Mutter und Kind. Dadurch ist eine Vater-Kind-Beziehung nicht einfach.

Obwohl wir Vaterschaft mit der Biologie verbinden, ist es nicht sie, die einen Mann zum Vater in unserem Sinne macht, sondern die Kultur. Dadurch, dass es in unserer Kultur üblich ist, dass der Mann sich um seinen Nachwuchs kümmert, wird er zum Vater, nicht nur, weil er es gezeugt hat. (vgl. Grieser 1998, S. 11)

Bei uns ist die Vaterschaft gesetzlich klar geregelt. (vgl. ebd., S. 16) Vater kann man im biologischen und/oder im juristischen Sinn sein. (vgl. Schneider 1989, S. 15) Der Mann, der juristisch gesehen der Vater eines Kindes ist, besitzt rechtliche, soziale, ökonomische und politische Vorrechte. (vgl. Brockhaus 1994, S. 73)

2 Verschiedene Kulturen im Vergleich

Obwohl es ganz verschiedene Formen von Vaterschaft gibt, kommt er in jeder Kultur vor. Einen Vater in irgendeiner Form gibt es immer. (vgl. Schneider 1989, S. 31)

Es gibt sogar Kulturen, in denen ein Kind mehrere Väter haben kann. (vgl. Grieser 1998, S. 12)

Bereits bei der Anerkennung des Kindes durch seinen Vater gibt es viele Unterschiede. Im alten Rom wurde das Kind vor seinen Vater hingelegt. Hob er es auf, erkannte er es an. Er musste nicht vorrangig der biologische Vater sein, er musste Vater sein wollen. In Frankreich übernimmt ein Mann seine Vaterschaft, indem er das Kind in sein Hemd einwickelt.

Ein besonders interessantes Phänomen in Zusammenhang mit Vaterschaft ist die Couvade. Dieses Männerkindbett ist in verschiedenen außereuropäischen Kulturen verbreitet. Männer zeigen alle Anzeichen einer Schwangerschaft und Geburt. Es wird unterschieden zwischen einer pränatalen und einer postnatalen Couvade, also vor und nach der Geburt, oder auch zwischen einer pseudomütterlichen Couvade und einer diätetischen Couvade. Bei ersterem durchlebt der Mann die Geburt genauso wie die Frau, bei der diätetischen Couvade hält er sich an genaue Diätvorschriften und andere Gebote. In Europa und Amerika hingegen setzen bei einigen Männern bei Beginn der Schwangerschaft somatische Symptome ein, wie Kopfschmerzen oder Übelkeit. Bisher sind alle diese Phänomene wenig erforscht. Auch die Bedeutung, der Sinn der Couvade ist nicht eindeutig geklärt. (Fthenakis 1985, S.86)

Für andere außereuropäische Kulturen, wie die Trobriander, ist ein Vater für Kinder wichtig, obwohl sie keinerlei biologische Kenntnis besitzen. Sie teilen sich die Aufgaben mit den Frauen. Auch in anderen Kulturen teilen sich Männer und Frauen die Kindererziehung und kümmern sich Väter liebevoll um die Kleinen.

Auf der Kanghwa Insel hingegen ist der Vater eher distanziert und streng. In Südafrika haben die Väter wenig Kontakt zu ihren Kindern, er erwartet Disziplin und Gehorsam von ihnen. Ähnlich verläuft es in der arabischen Wüste. Jegliche Art von Auflehnung wird körperlich bestraft, der Vater hat kaum Kontakt zu den Kindern außer bei ihrer Kriegerausbildung, Hier kümmern sich vor allem die Frauen um die Kinder.

Es gibt auch Kulturen, wo sich beide Geschlechter nicht sehr um ihre Kinder kümmern. Doch meistens kümmern sie sich liebevoll um sie, auch die Väter.

Auch in modernen, „zivilisierten“ Kulturen gibt es große Unterschiede. In Japan hatte und hat ein Vater bis heute eine sehr große Distanz zu den Kindern. Der Vater arbeitet, die Kinder werden von der Mutter erzogen. In erster Linie ist der Vater eine Respektpeson.

In den USA, in Irland, Spanien, Japan und Mexiko zeigte sich, dass die Väter vor allem zu den Zeitpunkten mit ihren Kindern zusammen waren, sobald gesellschaftliche Normen es zuließen. Je jünger das Kind, desto mehr Kontakt gibt es zwischen Vater und Kind. Außerdem stehen Männer Jungen näher als Mädchen. (vgl. ebd., S. 80)

3 Wer ist Vater?

Vaterschaft spielt sich auf vielen verschiedenen Ebenen ab. Wenn man über Väter und Vaterschaft spricht, sollte man sich darüber im Klaren sein und die verschiedenen Ebenen auch voneinander zu unterscheiden wissen:

Die erste Art von Vaterschaft, an die beim Begriff Vater meist gedacht wird, ist der biologische Vater, auch Erzeuger genannt. Durch seine Keimzellen wird die Mutter befruchtet, das Kind „entsteht“.

Es gibt aber auch einen gesetzlichen Vater. Er erkennt das Kind vor dem Gesetz als das seine an. Dieser Vater kann aber muss nicht der biologische Vater sein. Der soziale Vater erzieht das Kind, er ist für das Kind gegenwärtig und ein Identifizierungsobjekt. Auch er kann aber muss nicht den anderen beiden Ebenen entsprechen.

Weiters gibt es auch noch einen symbolischen Vater. Dieser Vater vertritt das Gesetz dem Kind gegenüber.

Während früher der biologische Vater niemals sicher war, gibt es heute Vaterschaftstests. Bei der Mutterschaft verhält es sich umgekehrt. Durch die neuen Möglichkeiten im Bereich Befruchtung und Zeugung ist es heute nicht mehr möglich, eine Mutterschaft automatisch festzustellen. Früher war wenigstes die Blutsverwandtschaft mit der Mutter eindeutig, heute gibt es Adoptionen, Leihmutterschaften und vieles mehr, die diese Sicherheit verhindern.

Durch die Vaterschaftstests sind neue Fragen aufgetaucht: Kann ein Mann, der nicht biologischer Vater ist, die Vaterschaft übernehmen? Kann das Kind ihn akzeptieren? Darf man den biologischen Vater zwingen seinen erzieherischen Pflichten nachzukommen? Können also die Ebenen biologischer Vater und sozialer Vater getrennt werden?

Der gesetzliche Vater ist der Ehemann der Mutter, egal ob Erzeuger oder nicht. Das gilt bis heute in unserem Kulturkreis, obwohl inzwischen nichteheliche Gemeinschaften und außereheliche Kinder keine Seltenheit mehr sind. Es geschieht immer häufiger, dass durch Scheidungen ein anderer Mann als der gesetzliche Vater ins Leben der Kinder tritt. Für Psychologen ist der Fall klar: Ganz egal, ob der gesetzliche Vater oder ein anderer Mann bei den Kindern anwesend ist, der wirkliche Vater ist der, der die Vaterschaft ausübt.

Der symbolische und der soziale Vater haben weder eine rechtliche, noch eine biologische Basis. Ihre Anerkennung erfolgt durch die Mutter und den Vater. Die Mutter muss ihn anerkennen und auch er muss Ja sagen zur Vaterschaft. Doch die wachsende Zahl von Ein-Eltern-Familien zeigt, dass dazu nicht alle Männer bereit sind. Doch es kommt auch vor, dass Mütter sich nicht um ihr Kind kümmern möchten.

Der symbolische Vater vertritt das Gesetz. Für viele Psychologen ist der Vater die Autoritätsperson, die Gesetz und Ordnung für das Kind darstellt, die es später dann verinnerlicht. Durch den Vater wird es zu einer sozialen und moralischen Persönlichkeit. Ohne den Vater können ernsthafte Störungen in dieser Entwicklung auftreten. Bis heute wird diese Auffassung von vielen Wissenschaftlern geteilt. (vgl. Le Camus 2003, S. 15; 129)

4 Das Vaterbild

Der Begriff der Vaterschaft kann in drei Dimensionen aufgeteilt werden: Vateridentität, Vaterrolle, Vaterbild. Auf der Individualebene konstituiert sich die Vateridentität, auf der Gruppenebene die Vaterrolle. Auf der gesellschaftlichen Ebene spricht man vom Vaterbild.

Mit Vateridentität ist Rollenidentität gemeint, eine Identifizierung des Mannes mit seiner Rolle als Geschlechtsrolle mit entsprechender Verhaltensrelevanz.

Die Vaterrolle ist ein wichtiger struktureller Bestandteil und funktionales Erfordernis des familialen Systems.

Das Vaterbild hingegen ist ein kollektives Leitbild, eine Idealvorstellung mit großer normativer Kraft. Diese Kraft greift identitätsbestimmend, das heißt es beeinflusst die männliche Identität, und auch familial strukturierend in die Wahrnehmung der Vaterrolle ein. (vgl. Schneider 1989, S. 15)

„Dies beinhaltet auch, daß die individuellen Vorstellungen über die Wahrnehmung der Vaterrolle sowie deren alltagspraktische Lebensgestaltung nur innerhalb eines gegebenen kulturellen und historischen Rahmens sich bewegen können“. (ebd., S. 30)

Das Vaterbild ist also das Bild, das die Gesellschaft, die Allgemeinheit von einem Vater hat. Es beeinflusst den Mann und seine Familie. Ein solches Vaterbild existiert in jeder Gesellschaft. Väter können, wollen und müssen sich an ihm orientieren. Tun sie das nicht, gelten sie als schlechte Väter. So ist zu erklären, warum sich innerhalb einer Kultur die Mehrheit der Väter ähnlich verhält bzw. einem ähnlichen Ideal nacheifert.

Derzeit existieren in unserer Kultur im wissenschaftlichen Bereich drei Idealvorstellungen von Vaterschaft. Man unterscheidet zwischen dem traditionellem Vater, dem partnerschaftlichem Vater und dem ´neuen´ Vater.

Mit dem traditionellen Vater werden die Begriffe Macht, Autorität und öffentliche Kompetenz in Verbindung gebracht. Seine Aufgabe ist in erster Linie der Gelderwerb für die Familie.

Hinter dieser Ansicht stehen eine biologisch vorgegebene Mutter-Kind-Bindung, die ständige Anwesenheit der Mutter zur Versorgung der Kinder und hierarchisch geordnete Beziehungen in der Familie nach Geschlecht und Alter. Der Vater gilt dabei als Familienoberhaupt, als Ernährer und Beschützer der Mutter-Kind-Beziehung.

Der partnerschaftliche Vater steht mehr für Vorbild, Förderer und Interaktionspartner sein, er tritt dem Kind als Freizeitkamerad, Spielgefährte und aktiver Erzieher gegenüber. Daneben besitzt er auch seinen traditionellen Aufgabenbereich.

Hinter dieser Auffassung von Vaterschaft stecken die Annahmen einer sozial überformten, nicht biologisch festgelegten Mutter-Kind-Beziehung und dass beide Elternteile für das Kind gleich wichtig sind. Es wird an eine flexible Geschlechtsrollenteilung im Sinne eines partnerschaftlichen Interaktionsschemas geglaubt und daran, dass der Vater nicht nur zur Sicherung des Lebensunterhaltes verpflichtet ist, sondern auch in Interaktionen für das Kind verfügbar sein soll.

Für die ´neuen´ Väter ist die Bedeutung von Vaterschaft für den Vater selbst wichtig, die Erfahrung und der Umgang mit Kindern aus ihrer Sicht wird aufgearbeitet, Bereiche wie Schwangerschaft, Entbindung, Säuglingspflege… werden von ihnen aufgegriffen. Bei diesem Modell gibt es, außer den biologischen, keine Geschlechtsunterschiede. Die Rollenaufteilung ist reine Aushandlungssache, eine traditionelle Verteilung ist nicht wünschenswert. Das notwendige für die kindliche Entwicklung kann von Vater und Mutter kommen, oder auch von anderen Personen.

Für Schneider gibt es kein besseres oder schlechteres Bild, er ist der Meinung, dass ein Vaterbild entstehen sollte, das alle drei Modelle beinhaltet. Keines von ihnen sollte außer Acht gelassen werden. Er sieht in allen drei Perspektiven positive und negative Seiten, weshalb es ihm nicht sinnvoll erscheint, eine dieser Perspektiven nicht zu beachten. Welches Vaterbild im Moment in unserer Realität vorherrscht, konnte er nicht klären. Auch nicht, ob es im Moment überhaupt einen Konsens darüber gibt, welche Aufgaben und Funktionen ein Vater hat. (vgl. ebd., S. 32)

5 Der Vater als…

Die Wissenschaft war früher der Ansicht, dass der Vater in erster Linie als Ernährer von Bedeutung war. Seine restlichen Aufgaben wurden dabei kaum beachtet. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde damit begonnen, diese Aufgaben zu untersuchen und sie auch als wichtig für die kindliche Entwicklung anzusehen. Jean Le Camus beschreibt drei große Aufgabenbereiche des Vaters. Er sieht den Vater als Förderer der Sozialisation, als Lehrer und als Bezugsperson für das Kind.

5.1 Förderer der Sozialisation: Die Öffnung der Welt

Sozialisierung bedeutet, sich in einer horizontalen Gruppe zurecht zu finden. Mit horizontal sind die Spielgefährten eines Kindes gemeint. Es muss lernen, seine Rolle zu spielen, das heißt seine Identität zu erkennen und sich gleichzeitig Regeln zu unterwerfen, die Grundlage jeder Gemeinschaft sind. Dazu werden Rivalität, Teilen und Zusammenarbeit in einer Gruppe von Gleichen erlebt.

Eine Funktion des Vaters ist also die Sozialisierungsfunktion. Dadurch, dass er für das Kind ein Vertreter des Gesetzes ist, und auch der Inbegriff des sozialen Bezugs zur Außenwelt, hilft er dem Kind sich zu sozialisieren. Der Vater gilt als Vermittler zwischen Familie und Gesellschaft.

Er hat eine aufbauende Wirkung, trägt zur Bildung eines Rückgrats für einen aufrechten Gang bei. Er eröffnet dem Kind den Weg zur Welt der Anderen, zur Außenwelt. Außerdem erwirbt das Kind durch ihn die Fähigkeit der Selbstbeherrschung und entwickelt den Wunsch nach positiver Selbstbestätigung. Als Förderer der Sozialisation des Kindes leistet er einen wichtigen Beitrag für die Identitätsentwicklung, die Förderung von Wertbewusstsein und für die Anerkennung von Pflichten.

Bereits auf dem Gebiet der frühen Sozialisation kommt dem Vater eine wichtige Bedeutung zu. Die frühe Sozialisation umfasst Spracherwerb, Intelligenzaufbau und Gefühlsdynamik. In allen drei Bereichen geht es um die Entwicklung einer Identität, das Kind entwickelt eine Identität. Diese Identität ist etwas Anderes als die der Anderen aber etwas Identisches mit sich selbst. Gleichzeitig eignet sich das Kind Instrumente, Techniken und Werte der Umwelt an. Diese beiden Prozesse, den der Individuation und den der Akkulturation, könnte man soziopersonelle Entwicklung nennen.

Doch warum ist das so? Inwiefern hat der Vater etwas zu tun mit dem Erlernen sozialer Fähigkeiten eines Kindes? Der Vater greift auf unauffällige Art und Weise in die Sozialisation des Kindes ein. Dieses Eingreifen wirkt vorbereitend auf die soziale Eingliederung seines Kindes. Durch eine Vielzahl von Verhaltensweisen, vor allem beim Spiel, trainiert und fördert er bestimmte Fähigkeiten, die für eine spätere Sozialisation, für eine Beziehung des Kindes zu Anderen wichtig sind:

Der Vater bringt das Kind dazu, sich an Neues zu gewöhnen, neue Lösungen zu finden, indem er es neckt und verwirrt. Dadurch, dass er es zu Erkundungen und Abenteuern auf gefährlichem Gelände veranlasst, regt er das Kind an und bereitet es darauf vor, sich im späteren Leben auf Gefahren einzulassen und mit ungewohnten Situationen umzugehen. Der Vater stellt Herausforderungen an das Kind und regt es zur Lösung von Problemen ohne Hilfe von Erwachsenen an. Außerdem lernt es, sich auf seine eigenen Kräfte zu verlassen und auf der Suche nach positiven Ergebnissen durchzuhalten. Verschiedenste Untersuchungen haben diese Thesen bestätigt.

Väter fordern Kinder besonders zu Körperspielen, Wettrennen, Ballwerfen… auf und zu Spielen mit einem Gegner. So lernt das Kind die Beachtung von Regeln und Respekt vor seinem Gegenüber zu haben. Schon vor der Schulzeit begreifen Kinder den Wert der sozialen Kommunikation ihrer Affekte, ebenso den Gebrauch dieser Signale bei der Regulierung von Sozialverhalten Anderer. Sie werden aber nicht nur dazu motiviert die eigenen Affekte zu kontrollieren, sie entziffern auch die sozialen und affektiven Botschaften der Anderen. Diese Fähigkeiten sind unerlässlich für eine soziale Integration.

Durch diese Verhaltensweisen ist der Vater für das Kind eine große Hilfe. Er sieht Situationen voraus, benennt sie, zeigt Möglichkeiten und Grenzen auf. Er schafft das Vertrauen sich selbst zu äußern und zu bewerten. Das Kind übt sich durch den Vater in Konfrontation.

In verschiedenen Untersuchungen zeigte sich, dass die Kinder, wo der Vater ausreichend vorhanden war, ein viel weiter entwickeltes Sozialverhalten besitzen als Andere. Sie waren Anderen gegenüber viel offener, waren besser in die Gruppe integriert. Außerdem konnten sie besser mit Konflikten umgehen, das heißt sie zeigten weniger Konfliktsituationen, weniger Aggressivität, weniger körperliche Angriffe und mehr Gemeinschaftssinn. Sie konnten den Standpunkt der Gegner besser darstellen und leichter unterschiedliche Meinungen akzeptieren. (vgl. Le Camus 2003, S. 43)

Ein weiterer Aspekt der Sozialisation ist die Geschlechtersozialisation. In den 1970er-Jahren war man überzeugt davon, dass die Eltern eine wichtige Rolle bei der geschlechterorientierten Herausbildung kindlichen Sozialverhaltens spielen. Dadurch wird ein Kind konform mit dem Geschlecht, dem es angehört.

Mütter und Väter erwarten von Jungen und Mädchen unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale. Jungen bekommen häufiger kontingente und positive Antworten auf ihre Fragen, ihre Spielsachen sind eher zum Erfinden und Ausprobieren geeignet als die Spielsachen von Mädchen. Auch bekommen sie mehr körperliche Anregungen und mehr Erkundungsfreiheiten.

Besonders Väter fördern unterschiedliche Verhaltensweisen bei ihren Kindern: bei Jungs fördern sie mehr den Umgang mit Gegenständen, Problemlösungen und die Beherrschung der Dingwelt, bei Mädchen mehr Expressivität und Beziehungen untereinander. Es konnte nachgewiesen werden, dass Väter Jungs stärker und kräftiger ansehen, sie öfter berühren, ihre Erkundungen mehr unterstützen. Sind die Jungs größer werden sie konsequenter, strenger, weniger liebevoll, körperbezogener, bestimmender behandelt als Mädchen. Die Väter greifen mehr ein durch positive und negative Verstärkung.

Neuere Untersuchungen schwächen diese Ergebnisse allerdings wieder ab. Heutzutage gibt es in der Tendenz immer weniger Unterschiede. Modern eingestellte Eltern zeigen immer mehr Gleichheit im Umgang mit ihren Kindern. (vgl. ebd., S. 50)

5.2 Lehrer: Das Erwachen der kindlichen Kompetenzen

Der Vater ist nicht nur Förderer der Sozialisation des Kindes, er hat auch eine wichtige Funktion als Lehrer, z.B. im Bereich der Kommunikation. Väter sind wichtig als Partner in der Kommunikation.

Sie verwenden dem Kind weniger vertraute Begriffe, mehr seltene und weniger gewöhnliche Wörter im Vergleich zu Müttern. Dadurch, dass Väter mehr Schwierigkeiten haben, das Kind zu verstehen, fragen sie auch öfters nach und zwingen das Kind dadurch, sich ihnen verständlich zu machen, anders zu formulieren. Auch ihre Art zu fragen ist eine andere als bei Müttern: Väter fragen eher „Wer?“ „Wie?“ „Wo?“, Mütter benutzen eher Frageformen, auf die das Kind mit Ja und Nein antworten kann. Und sie fordern viel öfter als Mütter zu Handlungen auf, dazu, etwas zu tun oder zu erledigen. Das tun sie über die Sprache, durch sprachliche Aufforderungen.

Ist das Kind männlich, reagieren Väter häufiger auf Gesten und Wörter des Kindes als bei einem Mädchen. Sie versuchen öfter eine passende Antwort zu finden und sind verständnisbereiter gegenüber Söhnen.

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Details

Seiten
27
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640161959
ISBN (Buch)
9783640163885
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114608
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
2
Schlagworte
Vater Väter-Söhne-Männliche Sozialisation rolle

Autor

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