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Internationalisierung von KMU - Ein Leitfaden für Indonesien

Diplomarbeit 2008 99 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 ZIEL UND GANG DER ARBEIT

2 KMU UND INTERNATIONALISIERUNG
2.1 CHARAKTERISIERUNG VON KMU
2.2 INTERNATIONALISIERUNGSSTÄRKEN UND –SCHWÄCHEN VON KMU
2.3 MOTIVE FÜR EINE INTERNATIONALISIERUNG
2.4 FORMEN DER INTERNATIONALISIERUNG

3 KULTUR
3.1 DER KULTURBEGRIFF
3.2 KULTURMERKMALE
3.3 KULTURDIMENSIONEN
3.4 INTERKULTURELLE KOMMUNIKATION

4 INDONESIEN – BESONDERHEITEN DES MARKTES UND DER KULTUR
4.1 POLITISCH-RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
4.1.1 Formen und Auswirkungen der Korruption
4.1.2 Rechtsstruktur
4.2 ÖKONOMISCHE RAHMENBEDINGUNGEN
4.2.1 Deutsch-Indonesische Handelsbeziehungen
4.2.2 Der indonesische Arbeitsmarkt
4.2.3 Marktstruktur
4.2.4 Werbung
4.3 SOZIOKULTURELLE RAHMENBEDINGUNGEN
4.3.1 Das indonesische Wertesystem
4.3.2 Kommunikation und Verhaltensstandards

5 INDONESIEN ALS INVESTITIONSSTANDORT
5.1 FORMEN DER INTERNATIONALISIERUNG
5.2 MARKTEINTRITTSSTRATEGIEN
5.3 GESETZESLAGE FÜR AUSLÄNDISCHE INVESTOREN
5.4 FIRMENGRÜNDUNG
5.5 STANDORTWAHL
5.6 INVESTITIONSFÖRDERUNG
5.7 INVESTITIONSSCHUTZ

6 LEITFADEN UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR KMU
6.1 UNTERNEHMENSANALYSE
6.2 UMWELTANALYSE
6.3 STRATEGIEFORMULIERUNG

7 FAZIT

ANHANG

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Internationalisierungsformen

Abbildung 2: Manifestation der Kultur

Abbildung 3: Indexwerte des 5-Dimensionen Model von Hofstede für Deutschland und Indonesien...

Abbildung 4: Indonesien

Abbildung 5: Wirtschaftliche Eckdaten Indonesien 2006 – 2008*)

Abbildung 6: Deutsch-indonesischer Handel 2003-2006

Abbildung 7: Indonesische Wertekategorien

Abbildung 8: Internationalisierungsprozess

Abbildung 9: Der indonesische Geschäftspartner

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 : Quantitative Mittelstandsdefinition ...

Tabelle 2: Internationalisierungsstärken und –schwächen von KMU

Tabelle 3 : Körperschaftssteuer

Tabelle 4: Entstehung des Bruttoinlandsprodukts in Indonesien

Tabelle 5: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf Indonesien

Tabelle 6: Einkommensklassen in Indonesien

Tabelle 7: Monatliche Pro-Kopf-Konsumausgaben Indonesien

Tabelle 8: Kommunikationstechniken in Indonesien

Tabelle 9: Chancen und Risiken eines Markteintritts in Indonesien

Tabelle 10: Internalisierungsvorteile

Tabelle: 11: Vorund Nachteile einer Akquisition/ Neugründung

Tabelle 12: Regionen/ Städte Indonesiens nach Attraktivität für Investoren

Tabelle 13: Standortwahl

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Globalisierung hat die Welt verändert. Jenseits der lokalen Grenzen sind neue, große Produktionsund Absatzmärkte entstanden und stets kommen neue dazu. Die Folge ist eine zunehmende Internationalisierung[1] der Unternehmen. Immer mehr Waren, Dienstleistungen und Investivkapital werden über Landesgrenzen hinaus transferiert. Bei den Vorreitern des Internationalisierungsprozesses handelt es sich überwiegend um große Unternehmen. Internationalisierung stellt jedoch keine ausschließliche Domäne der Groß- unternehmen mehr dar. Den Gang ins Ausland haben längst auch die KMU angetreten.

Die asiatischen Märkte gehören zu den dynamischsten weltweit und sind daher für deutsche Unternehmen hoch attraktiv. Dies gilt nicht nur für China und Indien sondern auch für Indonesien. Mit einem reichen Rohstoffvorkommen, einem stetigen Wirtschaftswachstum und einem Markt mit mehr als 230 Mio. Konsumenten stellt auch Indonesien einen attraktiven Zielmarkt dar. Natürlich bietet Indonesien nicht nur Chancen sondern als Schwellenland auch Gefahren wie, unterschiedliche Mentalitäten, eine schlechte Infrastruktur, große Korruptionsprobleme und eine zeitraubende Bürokratie.

KMU sind sich häufig nicht hinreichend bewusst, dass wichtige Rahmenbedingungen, die in Deutschland selbstverständlich sind, in vielen Ländern nicht so vorausgesetzt werden können. Das Unternehmen muss bei einem Internationalisierungsvorhaben sein Umfeld im Ausland genau kennen. Ein wichtiger Baustein ist daher die Kenntnis, über die politische und wirtschaftliche Situation, sowie rechtliche und soziokulturelle Rahmenbedingungen.

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird davon ausgegangen, dass die Entscheidung für eine Internationalisierung bereits getroffen wurde und auch die Festlegung der internationalen Marketing-Ziele bereits erfolgt ist. Bei der Marktauswahl wurde nach einem Analyse und Auswahlprozess der indonesische Markt festgelegt. Das Ziel dieser Arbeit ist es daher nicht, zu entscheiden, ob überhaupt eine Internationalisierung in Indonesien erfolgen soll, sondern was bei einem Markteintritt berücksichtigt werden muss. Allerdings ist zu beachten, dass die vorliegende Arbeit lediglich eine Handlungsempfehlung darstellt. Die endgültige Internationalisierungsstrategie kann von Branche zu Branche unterschiedlich ausfallen und ist auch von der individuellen Unternehmensphilosophie abhängig.

1.1 Ziel und Gang der Arbeit

Die vorliegende Arbeit soll KMU als Leitfaden dienen, der einen Orientierungsrahmen über die wichtigsten Schritte bei der Vorbereitung des Auslandsengagements bildet.

Der Fokus der Arbeit liegt auf der Internationalisierung von KMU, daher stehen diese im Mittelpunkt des ersten Kapitels. Neben einer allgemeinen Definition werden auch die Besonderheiten und Beweggründe von KMU im Zusammenhang einer Internationalisierung betrachtet. Abschließend werden die unterschiedlichen Internationalisierungsmöglichkeiten kurz dargestellt.

Im weiteren dritten Kapitel wird zunächst eine allgemeine Einführung zum Thema Kultur gegeben. Um eine Sensibilisierung für kulturelle Unterschiede zu schaffen, wird das Kulturforschungsmodel von Hofstede zur Hilfe genommen. Im Anschluss wird auf die Besonderheiten interkultureller Kommunikation eingegangen.

Das vierte Kapitel widmet sich dem Zielmarkt Indonesien. Es erfolgt eine eingehende Analyse des dortigen Unternehmensumfeldes. Betrachtet werden die politisch-rechtlichen, ökonomischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen. Eine eingehende Betrachtung der Konkurrenten und Lieferanten erfolgt in diesem Zusammenhang nicht. Eine solche Analyse wäre unternehmens- und branchenspezifisch vorzunehmen.

Kapitel fünf widmet sich einer genaueren Betrachtung Indonesiens als Investitionsstandorts. Es erfolgt eine theoretische Erläuterung der unterschiedlichen Stufen des Markteintritts. Die in Kapitel eins dargestellten Internationalisierungsformen werden auf ihre Anwendbarkeit für den indonesischen Markt geprüft.

Die Arbeit schließt mit einer Handlungsempfehlung sowie einem anschlie- ßendem Fazit ab. Die Handlungsempfehlung stellt einen allgemeingültigen Leitfaden dar, der KMU bei dem Prozess der Internationalisierung unterstützen soll.

2 KMU und Internationalisierung

Die vorliegende Arbeit hat nicht das Ziel, das Thema Kleinund Mittelständische Unternehmen, im Folgenden als KMU bezeichnet, in seiner ganzen Breite zu diskutieren. Vielmehr soll in dem vorliegenden Kapitel ein Verständnis zur Definition von KMU geschaffen werden, sowie eine Fokussierung auf internationalisierungsrelevante Faktoren erfolgen. Vorab bleibt festzuhalten, dass im Rahmen dieser Arbeit folgende Begriffe synonym verwendet werden: Kleine und Mittelständische Unternehmen, Mittelständische Unternehmen, Mittelstand. Außerdem bleibt festzuhalten, dass die Abkürzung KMU sowohl für den Singular als auch für den Plural gilt.

2.1 Charakterisierung von KMU

Der Begriff der KMU ist in der Vergangenheit vielfach diskutiert und bestimmt worden. Eine einheitliche Definition existiert allerdings für den Wirtschaftsbereich der KMU nicht. Die in der Literatur vorhandenen Mittelstandcharakteristika sind vielfältig. Grundsätzlich kann eine Unterscheidung in qualitative und quantitative Merkmale vorgenommen werden. Qualitative Charakteristika] heben insbesondere auf den Status des Familienunternehmers ab: Unternehmensführung und Organisationsstruktur sind wesentlich durch die Person des Eigentümers geprägt. Zu den quantitativen Merkmalen gehören Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Eigenkapital, Bilanzsumme Wertschöpfung, Produktionsmengen, Maschinenstunden oder die Zahl der Beschäftigten.[2] Bei den quantitativen Kriterien ist eine Klassifizierung besonders schwierig, da sich hinter dem Begriff der KMU verschiedene Wirtschaftsbereiche wie Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistungen verbergen.[3]

Für die vorliegende Arbeit soll die quantitative Definition des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) grundlegend sein: Diese Definition gilt seit dem 01. Januar 2002 für den deutschen Mittelstand und hat bis heute Bestand.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Quantitative Mittelstandsdefinition

Quelle: Eigene Darstellung: In Anlehnung an: http://www.ifm-bonn.de/ [29.03.2008].

2.2 Internationalisierungsstärken und –schwächen von KMU

Nachdem zuvor der Begriff der KMU anhand qualitativer und quantitativer Merkmale beschrieben wurde, sollen nun die Eigenschaften der KMU im Kontext der Internationalisierung betrachtet werden.

KMU sind organisatorisch weniger komplex und haben nur wenige Hierarchiestufen, was kurze Informationswege und eine geringe Abteilungsbildung mit sich bringt.[5] Die Konzentration der Entscheidungsbefugnisse bewirkt Schnelligkeit und Flexibilität, so dass durch eine schnelle Anpassung an veränderte Anforderungen auf Seiten des Marktes und der Kunden eine hohe Absatzorientierung gewährleistet wird. Eine Unternehmenskommunikation, die auf persönlichen Eigenschaften der Geschäftsleitung basiert, kann eine Ideologisierung und Bürokratisierung des Geschäftsklimas verhindern. Dadurch, dass die Weisungen und Kontrollen stärker personengebunden sind, entsteht eine höhere persönliche Bindung und Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen und somit eine größere Motivation des Personals. Entscheidet sich ein KMU für ein Auslandsengagement, so können die Strukturen eines KMU durchaus vorteilhaft sein. Durch die geringe Unternehmensgröße von KMU sind die Kosten der internen Koordination geringer als bei Großunternehmen, die einen hohen Formalisierungsgrad aufweisen.[6]

Eine der größten Schwächen bei der Internationalisierung von KMU ist die knappe Ausstattung mit finanziellen Ressourcen. KMU leiden häufig unter einer geringen Eigenkapitalausstattung, was der Grund dafür ist, dass sie bei der Kapitalbeschaffung gegenüber Großunternehmen oft benachteiligt sind.[7]

Eine weitere Schwäche der KMU liegt in dem Mangel an personellen Ressourcen. Stäbe und Gremien, die Entscheidungen vorbereiten, gibt es i.d.R. nicht. Teilweise fehlt so auch notweniges Managementwissen. Auch der zeitliche Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Durch die dünne Personaldecke fehlen häufig freie zeitliche Kapazitäten, um strategische Entscheidungen fundiert treffen zu können.[8] In Bezug auf das Internationalisierungsverhalten gehen KMU daher bei der Planung strategischer Entscheidung deutlich unsystematischer vor als es bei Großunternehmen der Fall ist. Ein weiterer Aspekt der mangelnden Humanressourcen ist die Tatsache, dass KMU seltener Mitarbeiter ins Ausland entsenden. Häufig fehlt die Bereitschaft der Mitarbeiter, für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Ein anderes Problem für das Unternehmen stellen die zusätzlich anfallenden Kosten der Auslandsentsendung dar.[9]

Weitere mögliche Nachteile, die eine Internationalisierung mittelständischer Unternehmen erschweren, können in der Führungsund Organisationsstruktur, d.h. in der Konzentration der Entscheidungskompetenzen und in einem Traditionsbewusstsein der Gesellschafter liegen, die der Flexibilität und Innovation entgegen wirken können.[10] Im Wesentlichen ist die Einstellung des Unternehmers dafür verantwortlich, ob das Unternehmen eine Internationalisierung in Betracht zieht.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Internationalisierungsstärken und –schwächen von KMU Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an: Messerschmidt 2006, S. 27.

2.3 Motive für eine Internationalisierung

Die Motive der Internationalisierung bei KMU unterscheiden sich nicht deutlich von denen großer Unternehmen. Aber was veranlasst ein Unternehmen überhaupt, sich auf ausländische Märkte auszudehnen? Diese Frage soll im Folgenden näher betrachtet werden.

Die Anforderungen an KMU haben im letzten Jahrzehnt doch erheblich zugenommen. Sie wurden ausgelöst durch die verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen wie die Liberalisierung des Welthandels, die Öffnung der Grenzen nach Osten, die EU-Integration, die Sättigung traditioneller Märkte und durch den wachsenden Kostendruck auf heimischen und ausländischen Märkten. So hat sich durch die Liberalisierung der Märkte ein Zugang zu neuen Märkten eröffnet, andererseits hat sich dadurch aber auch der Konkurrenzdruck aufgrund einer Vielzahl neuer Marktteilnehmer erhöht.[12]

Allgemein lässt sich sagen, dass Unternehmen zu einem Auslandsengagement neigen, wenn sie ihre strategischen Ziele nicht mehr allein durch Operation auf dem Inlandsmarkt befriedigen können. Viele Unternehmen stoßen auf den Heimatmärkten an ihre Grenzen durch die zunehmende Sättigung des Stammmarktes. Neben dem grundlegenden Ziel, Gewinne zu realisieren, gibt es weitere spezifische Gründe, die für eine Internationalisierung sprechen.[13] Internationalisierungsentscheidung von KMU liegen häufig so genannte Push-Faktoren zu Grunde. Durch einen hohen Wettbewerbsdruck im Inland sehen sich viele Unternehmen dazu veranlasst, einen Ausgleich der gesunkenen Marktanteile auf Märkten im Ausland zu suchen. Oftmals sind Unternehmen aber auch gezwungen, ihrem Hauptabnehmer ins Ausland zu folgen. Besonders Zulieferer der Kfzund Elektroindustrie sind gezwungen, den neuen Anforderungen der Großkunden, mit eigener Produktion oder mit Dienstleistungen vor Ort gerecht zu werden.[14]

Der deutlich wachsende Internationalisierungsgrad bei Kleinund Mittelbetrieben erklärt sich auch damit, dass internationale Märkte leichter zugänglich geworden sind. Aus mehreren Gründen ist eine Verminderung von Risiken und Kosten für die Erschließung neuer Märkte eingetreten. Die neuen technologischen Entwicklungen im Bereich der Kommunikation (email, Skype), des Verkehrs (fast tägliche weltweite Flugverbindungen) und der Finanzdienstleistungen (Online-Banking), eröffnen bessere und vielfältigere Möglichkeiten für den Einstieg in internationale Märkte und die Bewältigung von länderübergreifenden Geschäftsabläufen.[15]

2.4 Formen der Internationalisierung

Auslandsengagements von KMU sind in den unterschiedlichsten Ausprä- gungen zu beobachten. In der betriebswirtschaftlichen Literatur finden sich eine Vielzahl von Kategorien verschiedenster Internationalisierungsformen wie z.B. Eigentums-und Kontrollaspekte, das zu tragende Risiko, der Umfang der übertragenden Ressourcen oder die vermutete Dauerhaftigkeit der Auslandsbeziehungen.[16] Auf die einzelnen Internationalisierungsformen von Export und Tochtergesellschaft im Detail einzugehen kann in Anbetracht des begrenzten Rahmens hier nicht erfolgen und ist auch nicht Ziel der Untersuchung. Folgend werden die vier am häufigsten vorkommenden Formen der Internationalisierung kurz vorgestellt. Ausgehend von einer zunehmenden Ressourcenbindung werden unterschieden: Export, Lizenzvergabe, Joint Venture sowie die 100%-Tochtergesellschaft.[17] Export

Der Export stellt die schwächste Stufe einer möglichen Internationalisierung dar. Beim Export handelt es sich um eine marktorientierte Vertragsform, bei der die Möglichkeit der Steuerung und Kontrolle eher schwach ausgeprägt ist.[18] Im Inland erstellte Güter oder Dienstleistungen werden in ausländische Märkte geliefert. Unterschieden wird zwischen direktem und indirektem Export. Die Entscheidung, den Export als Internationalisierungsstrategie zu wählen, ist abhängig davon, ob das mittelständische Unternehmen Wettbewerbsvorteile besitzt, z.B. Kostenvorteile, die eine Verlagerung der Produktion ins Ausland nicht erforderlich machen.[19]

Lizenzvergabe

Kooperationsformen zur Bearbeitung von Auslandsmärkten liegen bei einem freiwilligen Zusammenschluss von mindestens zwei rechtlich und wirtschaftlich unabhängigen Unternehmen vor. Der Zusammenschluss erfolgt durch Bündelung der Unternehmensressourcen ohne Aufgabe der Eigenständigkeit der beteiligten Unternehmen. Hierzu zählt die Lizenzvergabe. Bei der Lizenzvergabe gestattet das mittelständische Unternehmen, durch eine Lizenzvergabe einem anderen Unternehmen staatlich verliehene Rechte oder spezielles Know-how längerfristig wirtschaftlich zu verwerten.[20]

Direktinvestitionen

Bei Vornahme von Direktinvestitionen, Kapitalanlagen im Ausland, erfolgt die Leistungserstellung im Gastland. Diese Form der Internationalisierung bietet sich vor allem dann an, wenn ein besserer Zugang zu den Rohstoffen, zu den Märkten im Ausland und niedrigere Produktionskosten erreicht werden sollen. Direktinvestitionen im Ausland erfordern einen hohen Kapitalbedarf und bringen meistens große Risiken mit sich, die sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Art sein können. Bei den Direktinvestitionen wird zwischen dem Joint Venture und der Tochtergesellschaft unterschieden. Das Joint Venture ist eine Form der betrieblichen Kooperation. Internationale Joint Ventures sind dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Vertragspartner seinen Sitz im Ausland hat.[21]

Wählt der Mittelständler die Internationalisierungsform der hundertprozentigen Tochtergesellschaft, behält er die alleinige Gewalt über alle zu treffenden Entscheidungen. Somit können keine Interessenkonflikte auftreten, wie es bei Gemeinschaftsunternehmen der Fall sein kann. Dadurch kann eine langfristige Planung erfolgen und der Auslandsmarkt flexibel bearbeitet werden. Mittelständische Unternehmen verfügen häufig über hoch spezialisiertes Know-how. Der Schutz, des für die Unternehmensentwicklung essentiellen Know-how, ist aufgrund fehlenden Einflusses anderer Unternehmen bei dieser Internationalisierungsform gewährleistet. Neben der Neugründung eines Betriebes, kann auch die Übernahme eines bestehenden Un-

ternehmens in Betracht gezogen werden.[22]

Die Darstellung auf der folgenden Seite verdeutlicht noch einmal die unterschiedlichen Internationalisierungsformen nach Grad der Kapitalund Managementleistung im ausländischen Markt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Internationalisierungsformen Quelle: Eigene Darstellung.

3 Kultur

„Es kommen zunehmend Kontakte zu Menschen aus anderen Kulturen mit anderen Sprachen zustande. Das heißt, dass Sensibilität, Toleranz und Verständnis entwickelt werden müssen. Das Beherrschen von Sprachen und das Kennen der Kulturen wird eine wachsende Qualifikation sein.“[23]

(Lutz von Rosenstiel)

Die kulturellen Faktoren gehören sicherlich zu den am meisten unterschätzten Gesichtspunkten im Prozess der Internationalisierung. Kultur ist im Gegensatz zu wirtschaftlichen und rechtlichen Gegebenheiten nur sehr schwer erfassbar. In diesem Kapitel wird zunächst auf die Begrifflichkeit und die Manifestation von Kultur eingegangen. Im Anschluss daran wird der Ansatz zur Kulturvergleichsforschung von Hofstede vorgestellt. Das Kapitel hat in erster Linie eine Sensibilisierung hinsichtlich kultureller Belange zum Ziel und soll so zu einem besseren Verständnis für das im Anschluss folgenden Kapitel beitragen.

3.1 Der Kulturbegriff

„Kultur“ ist ein soziales Phänomen, dem viele verschiedene Definitionen anhaften. Es gibt bislang keine einheitliche Bestimmung, die als gültig oder greifbar bezeichnet werden können. Kroeber und Kluckhohn fanden über 160 verschiedene Definitionen zum Begriff „Kultur“. Doris Lindner bezeichnet in ihrem Buch, Kultur als Übereinstimmung der Verhaltensmuster vieler Individuen. Unterschiede in den kulturellen Verhaltensweisen der Gesellschaft finden sich z.B. in der Sprache, dem Wissen, den Gesetzen, der Religion, den Essgewohnheiten, der Musik, Kunst, Technologie und dem Arbeitsverhalten.[24]

Kultur wird nicht angeboren, sondern erlernt. Schon im Kleinkindalter wir damit angefangen, von dem sozialen Umfeld Glaubensrichtlinien, Werte und Gewohnheiten zu erwerben, die die Kultur darstellen. Ob es sich hierbei um die angemessene Kleidung, die richtige Begrüßung, das Rollenverhalten oder auch den Gegensatz von Gut und Böse handelt – all diese Definitionen sind nicht von vornherein bekannt.[25] Jeder Mensch ist von seiner Kultur stark geprägt und lebt seine Überzeugungen und Werte bewusst oder aber auch unbewusst im täglichen Leben.[26]

Kultur unterliegt einer gewissen Dynamik, die von dem stetigen Wechsel der Umwelt in der heutigen Zeit geprägt wird. Ideale, die Jahrhunderte lang für gültig erklärt wurden, werden heute neu überdacht. In der heutigen Zeit des Internets, des Fernsehens, der Flugreisen bekommen unterschiedlichste Kulturkreise zueinander Kontakt und vermischen ihre Denkweisen und Wertevorstellungen. Ein Beispiel für eine ständige kulturelle Änderung ist z.B. die Rolle der Frau in der Gesellschaft.[27]

[...]


[1] Internationalisierung ist die systematische und planmäßige Bearbeitung ausländischer Märkte.

[2] Vgl. Kabst 2004, S. 2.

[3] Vgl. Messerschmidt 2006, S. 19.

[4] Vgl. http://www.ifm-bonn.de/ [29.03.2008].

[5] Vgl. Schulz 2005, S. 10.

[6] Vgl. Messerschmidt 2006, S. 25 ff.

[7] Vgl. Schulz 2005, S. 10.

[8] Vgl. Schulz 2005, S. 10.

[9] Vgl. Messerschmidt 2006, S. 25.

[10] Vgl. Nienhaber 2003, S. 17.

[11] Vgl. Messerschmidt 2006, S. 26.

[12] Vgl. Albaum/ Strandskov/ Duerr 2001, S. 56 ff.

[13] Vgl. Albaum/ Strandskov/ Duerr 2001, S. 57.

[14] Vgl. Messerschmidt 2006, S. 33.

[15] Vgl. Brehl von 2001, S. 9.

[16] Vgl. Backes-Gellner/ Huhn 2000, S. 189.

[17] Vgl. Backes-Gellner/ Huhn 2000, S. 189.

[18] Weber/ Kabst 2000, S.18.

[19] Vgl. Nienaber 2003, S. 77ff; Rosenboom 2005, S. 170 ff.

[20] Vgl. Nienaber 2003, S. 88.

[21] Vgl. Rosenboom 2005, S. 179 ff.

[22] Vgl. Nienhaber, 2003, S. 95 ff.

[23] http://www.zitate.de/ergebnisse.php?kategorie= Internationalisie rungstichwort=autor=x=13y=6 [17.04.2008].

[24] Vgl. Lindner 2004, S. 27.

[25] Vgl. Beniers 2006, S. 12.

[26] Vgl. Hofstede 2006, S. 2.

[27] Vgl. Lindner 2004, S. 29.

Details

Seiten
99
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640153640
ISBN (Buch)
9783640155316
Dateigröße
848 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114848
Institution / Hochschule
Fachhochschule Münster
Note
1,3
Schlagworte
Internationalisierung Leitfaden Indonesien Internationales Marketing Interkulturelles Management

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Titel: Internationalisierung von KMU - Ein Leitfaden für Indonesien