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Die Weißenhofsiedlung - Mietshausblock von Mies van der Rohe

Hausarbeit 2002 19 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1. Die Industrialisierung und ihre Auswirkungen auf den Wohnungsbau

2. Die Weißenhofsiedlung

3. Lebenslauf Mies van der Rohe

4. Der Mietshausblock

5. Die Innenarchitektur des Mietshausblocks
5.1. Wohnungen 10, 11 und 12
5.2. Wohnung 8
5.3. Haus 4, Schweizer Werkbundgruppe

6. Schlussbemerkungen

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungen

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Idee des Neuen Bauens am Beispiel der Weißenhofsiedlung. Im speziellen wird sich die Ausführung mit dem von Mies van der Rohe entworfenen Mietshausblock auseinandersetzen.

Zuerst wird ein Überblick über die Gründe, die eine Neuorientierung des Bauens notwendig machen, geboten, um danach die Idee der Weißenhofsiedlung zu erläutern.

Der Lebenslauf von Mies van der Rohe soll seine Werke benennen, um seine Tendenzen und Ideen zu verdeutlichen. Der Schwerpunkt der Arbeit, die Ausführung des Hauses 1-4 in der Weißenhofsiedlung soll die Umsetzung der Forderungen, welche das Neue Bauen stellte, darlegen. Sowohl das Äußere, als auch das Innere des Gebäudes verkörpern die neuen Ideen der Baukunst. Bei der Inneneinrichtung werden drei Beispiele erläutert, um die Umsetzung dieser Ideen zu verbildlichen.

Zum Schluss wird auf die unmittelbaren Reaktionen zur Weißenhofsiedlung, wie auch auf die Bedeutung des Neuen Bauens für die Architektur von damals und heute eingegangen.

1.1 Die Industrialisierung und ihre Auswirkungen auf den Wohnungsbau

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts befanden sich viele europäische Städte in einer katastrophalen Situation. Grund hierfür war die Phase der Industrialisierung, welche vor allem Großbritannien und Deutschland betraf. Diese industrielle Revolution brachte nicht nur Vorteile, wie z. B. die Erfindung der Dampfmaschine oder des mechanischen Webstuhles, sondern sie zog auch schwere Probleme nach sich. Die damaligen Gemeinden bzw. Städte waren nicht auf die von nun an explosionsartig fortschreitende Industrialisierung vorbereitet. Diese vollzog sich in Deutschland vor allem in Revieren wie dem Ruhrgebiet und an wichtigen Verkehrsknotenpunkten, so z. B. in Berlin, Hamburg, Leipzig und Stuttgart. Die Landbevölkerung zog aus ihrer angestammten Umgebung in die Städte, was dort teilweise zur Verdreifachung der Einwohnerzahl führte. Die Städte konnten dieser Landflucht weder infrastrukturell noch mit angemessenem Wohnraum entgegnen. Eine drastische Überlastung der Infrastruktur sowie völlig überbelegter Wohnraum waren die Folge. Da sich die neu entstehende Industrie mit ihren Produktionsstätten in direkter Nachbarschaft oder sogar inmitten von Wohngebieten ansiedelte, führte dies zu starker Luftverschmutzung in den Ballungsgebieten, die durch das Aufblühen des noch jungen Automobils um die Jahrhundertwende noch verstärkt wurde. Diese spezifischen Probleme industrieller Ballungszentren führten zu hygienisch und sozial unhaltbaren Zuständen innerhalb der Städte.

Bis zur industriellen Revolution folgte die Architektur einer linearen Entwicklung. Die verschiedenen Konstruktionen und Bautypen entwickelten sich auf eine evolutionäre Art, denn das Bauen hing von den verfügbaren Materialien, dem technischen Niveau und den Zielen einer bestimmten Kultur ab. Jede Kultur besaß bestimmte Kenntnisse über die Statik und Dynamik, welche die Stabilität eines Bauwerkes bestimmten. Dieses Wissen gewann man aus Beobachtungen oder Erfahrungen. Einige Gesetze der Mechanik und des Materials kannte man schon, andere gewann man aus Versuchen.

Die industrielle Revolution brachte viele neue Erkenntnisse und neue Materialien mit sich, deren Eigenschaften den Ingenieuren und Handwerkern nicht ausreichend bekannt waren. Die wahren Möglichkeiten von Gusseisen, Stahlbeton, Glas und Stahl waren nur wenigen Menschen bewusst. In dem Kampf mit dem Material gerieten die architektonischen Ausdrucksformen in den Hintergrund, sie verarmten, weil der geistige Inhalt und die Bedeutung verloren gingen.

2. Die Weißenhofsiedlung

1927 organisierte der Deutsche Werkbund eine Ausstellung unter dem Thema „Die moderne Wohnung“. Die Gesamtplanung wurde Mies van der Rohe übertragen, der gemeinsam mit einer Gruppe internationaler Architekten das Neue Bauen vorstellen sollte. Als Ausstellungsort für die Wohnsiedlung wurde Stuttgart gewählt. Auf einem Berg oberhalb der Stadt sollten aber nicht nur die Gebäude, sondern auch Möbel und Inneneinrichtungen, gestaltet von Architekten aus ganz Europa, ausgestellt werden. Die Anforderungen an die Architekten wurden vom Vorsitzenden des Werkbundes, bei einer Tagung in Berlin wie folgt beschrieben:

Grundsätzlich sollen nur Architekten zur Mitwirkung aufgefordert werden, die im Geiste einer den heutigen Verhältnissen angepassten fortschrittlichen künstlerischen Form arbeiten und mit den entsprechenden technischen Einrichtungen für Hausbau vertraut sind.[1]

Es wurden insgesamt fünfzehn Architekten zur Realisierung des Projekts herangezogen: Dr. Josef Frank, J.J.P. Oud, Mart Stam, Le Corbusier, Prof. Dr. Peter Behrens, Dr. Richard Döcker, Walter Gropius, Ludwig Hilbesheimer, Mies van der Rohe, Prof. Hans Poelzig, Prof. Rading, Prof. Scharoun, Prof. Adolf G. Schneck, Bruno Taut und Max Taut.

Ihre Aufgaben bestanden darin Lösungen für die Wohnungsansprüche moderner Menschen zu entwickeln. Mittels neuer Materialien und neuer Konstruktionen sollten die technischen Grundlagen des Bauens verändert werden. Bei der Ausstellung am Weißenhof sollten die bereits entwickelten neuen Materialien und die von Ingenieuren vorgeschlagenen Konstruktionen erprobt und somit zur sinnvollen Anwendung gebracht werden. Das Hauptaugenmerkmal sollte dabei auf den Montagetrockenbau gelegt werden, welcher es ermöglichte, den Bau sofort beziehen zu können. Die Einzelteile wurden in der Fabrik gefertigt und an der Baustelle innerhalb kürzester Zeit zusammenmontiert.

Die Wohnungen sollten vor allem zweckmäßig und auf die Grundbedürfnisse ausgerichtet sein, dabei aber auch immer den geringsten Platz beanspruchen. Dies erforderte eine sorgfältige Planung der Kleinwohnung, nicht nur im Bezug auf den Platz, sondern aber auch im Bezug auf die Kosten. Auf dem Plakat zur Werkbundausstellung definierte man die Bedürfnisse und Wohnungsansprüche der Menschen von damals in folgenden Worten:

Die Größe und Anzahl der Räume richtet sich nach den Bedürfnissen, die unbedingt erfüllt werden müssen. Notwendig sind Räume zum Wohnen, Essen Schlafen, Waschen und Kochen, die nach Zwecken getrennt, durch den Grundriß zusammengefaßt und organisiert, alle Bedürfnisse bei geringstem Platzaufwand befriedigen müssen.[2]

Man war sich des Problems bewusst, dass die Industrie eine „…strenge Typisierung aller Baueinheiten und Normierung aller Einzelheiten zur Vorraussetzung“[3] hatte. Dafür wollte man Lösungen bieten indem man den Hausbau, vor allem das Mietshaus, in Serie bauen, gleichzeitig aber den Gegenbeweis zu einer völligen Uniformierung antreten wollte. Die 60 organisch gruppierten Wohnungseinheiten sollten die verschiedenen Variationen präsentieren, die der typisierte Wohnungsbau dennoch bieten könnte.

Um die Gesamtheit der erbrachten Leistungen zu zeigen, wurden alle Gegenstände, die man in einer einfachen Wohnung, einem einfachen Haushalt benötigte, in Ausstellungshallen präsentiert.

3. Lebenslauf Mies van der Rohe

Ludwig Mies van der Rohe, 1886-1969, wurde nach einer Steinmetzlehre von 1905 bis 1907 Mitarbeiter bei Bruno Paul und von 1908 bis 1912 bei Peter Behrens. Ab 1912 arbeitete er als selbstständiger Architekt. Mies war Mitglied der Novembergruppe, deren Architekturabteilung er leitete. Mies gehörte 1923 zu den Begründern der Zeitschrift G (Gestaltung) und zu den Gründern der Architektenvereinigung Der Ring. 1924 wurde Mies van der Rohe in den Vorstand des Deutschen Werkbundes aufgenommen und 1926 zu dessen zweitem Vorsitzenden gewählt. 1927 wurde ihm die künstlerische Leitung der Werkbundausstellung Stuttgart, der Weißenhofsiedlung, übertragen.1931 leitete Mies die Werkbundausstellung Die Wohnung unserer Zeit im Rahmen der Deutschen Bauausstellung in Berlin. Nach der Entlassung Hannes Meyers als Direktor des Staatlichen Bauhauses Dessau wurde Mies von 1930 bis 1932 als sein Nachfolger eingesetzt. Mies van der Rohe entpolitisierte das Bauhaus und führte es bis Anfang 1933 als Privatinstitut in Berlin - Steglitz weiter.

[...]


[1] Schulze 1986: S138/39.

[2] Plakat zur Werkbundausstellung „Die Wohnung“ in Kirsch 1987: S22.

[3] Plakat zur Werkbundausstellung „Die Wohnung“ in Kirsch 1987: S22

Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638176439
Dateigröße
721 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11496
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Das Kunsthistorische Institut
Note
3
Schlagworte
Weißenhofsiedlung Mietshausblock Mies Rohe

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Titel: Die Weißenhofsiedlung - Mietshausblock von Mies van der Rohe