Lade Inhalt...

Die Umsetzung der Selbstpflegedefizittheorie von Dorothea Orem im Rahmen des Pflegeprozesses bei Frühgeborenen unter besonderer Berücksichtigung der Dependenzpflege

©2021 Hausarbeit 19 Seiten

Zusammenfassung

Soziale Netzwerke stellen vor allem bei älteren Menschen eine wichtige gesundheitliche Determinante dar. Diese Hausarbeit greift das Thema auf und stellt es in den Kontext von gesundheitlicher Ungleichheit.

In der folgenden Ausführung wird die Frage erläutert, inwiefern die Theorie im Rahmen des Pflegeprozesses bei der Pflege von Frühgeborenen umgesetzt und angewendet werden kann. Insbesondere erfolgt die Analyse unter Berücksichtigung der Dependenzpflege, die Eltern für ihre frühgeborenen Kinder leisten. Dabei wird in einem ersten
Schritt ein Überblick über die Selbstpflegedefizit-Theorie gegeben, in dem wichtige Fachbegriffe erläutert und in Zusammenhang gesetzt werden.

Der zweite Teil umfasst die Anwendung der Theorie bei Frühgeborenen anhand eines Fallbeispiels. Es soll den
Transfer von der Theorie in die Praxis verdeutlichen und anschaulich darstellen. Hierbei wird die Dependenzpflege besonders berücksichtigt, denn sie steht zum einen in direktem Zusammenhang mit den vorrangigen Selbstpflegedefiziten des Frühgeborenen, zum anderen spielen die Kompetenzen und Probleme der Eltern in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege eine wichtige Rolle, auch sie müssen als Teil des Pflegeprozesses
berücksichtigt und behandelt werden. Dependenzpflegedefizite der Eltern zu erkennen, ihnen den Erwerb von Kompetenzen zu ermöglichen und die Probleme von Dependenzpflegenden zu beachten sind im Rahmen eines Pflegesystems wichtige Aufgaben der Pflegefachkräfte.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Pflegetheorie nach Dorothea Orem
2.1 Theorie der Selbstpflege/Dependenzpflege
2.2 Theorie des Selbstpflegedefizits
2.3 Theorie des Pflegesystems

3 Die praktische Umsetzung der Theorie im Pflegeprozess

4 Die Pflege von Frühgeborenen
4.1 Diagnose und Verordnung
4.2 Entwurf und Plan
4.3 Regulation und Kontrolle

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang
7.1 Pflegeplanung für Luisa nach Dorothea Orem

1 Einleitung

Jede Pflegetheorie ist Ausdruck pflegerischen Wissens und von großer Bedeutung im Professionalisierungsprozess des Berufs. Sie regen zu neuen Forschungen an und leis­ten dabei einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Pflege (vgl. Lauber 2018, 88). Pflege­theorien dienen der strukturierten Darstellung von Phänomenen, sie beschreiben pfle­gerisches Handeln und die Rolle der Pflegeperson in Bezug auf den Heilungsprozess des zu Pflegenden. Dabei werden verschiedene Annahmen aus unterschiedlicher Sicht­weise gebündelt und zusammengefasst, es entsteht eine wissenschaftliche Grundlage für pflegerisches Handeln (vgl. Nowak 2019, 68). Damit wird „die Effektivität der profes­sionellen Pflege und die Verantwortlichkeit für Pflegehandlungen gewährleistet“ (Dennis 2001, 21).

Neben zahlreichen Pflegetheorien, welche die Pflegepraxis heute noch begleiten, ist die Selbstpflegedefizit-Theorie der amerikanischen Pflegewissenschaftlerin Dorothea Orem besonders hervorzuheben. Die Theorie fordert die Pflegefachkräfte dazu auf, gut über­dachte Entscheidungen zu treffen und ihre Beziehung zum Pflegeempfänger neu zu überdenken. Sie müssen sich von ihrer alltäglichen Routine distanzieren, indem sie dem Patienten und seinen Angehörigen mehr Mitspracherecht am Pflegeprozess einräumen um eine individuellere Pflege zu ermöglichen (vgl. Cavanagh 1997, 13). Orem hatte bei der Entwicklung ihrer Theorie stets die Verbesserung der Pflege zum Ziel (vgl. Cavanagh 1997, 19f.). „Aus ethischen, rechtlichen und professionellen Gründen ist es heute wich­tig, daß [!] Pflegefachkräfte sorgfältig abwägen, wie sie die Pflege planen, durchführen und schließlich evaluieren wollen“ (Cavanagh 1997, 13). Bei der Entwicklung der Selbst­pflegedefizittheorie stellte Orem sich die Fragen, was Pflegekräfte tun, warum sie es tun und was das Ergebnis ihres Handelns ist (vgl. Lauber 2018, 105). Indem sie in den Pfle­geprozess integriert wird, lässt sich die Pflegetheorie sehr gut in die Praxis adaptieren.

In der folgenden Ausführung wird nun die Frage erläutert, inwiefern die Theorie im Rah­men des Pflegeprozesses bei der Pflege von Frühgeborenen umgesetzt und angewen­det werden kann. Insbesondere erfolgt die Analyse unter Berücksichtigung der Depen- denzpflege, die Eltern für ihre frühgeborenen Kinder leisten. Dabei wird in einem ersten Schritt ein Überblick über die Selbstpflegedefizit-Theorie gegeben, in dem wichtige Fachbegriffe erläutert und in Zusammenhang gesetzt werden. Der zweite Teil umfasst die Anwendung der Theorie bei Frühgeborenen anhand eines Fallbeispiels. Es soll den Transfer von der Theorie in die Praxis verdeutlichen und anschaulich darstellen. Hierbei wird die Dependenzpflege besonders berücksichtigt, denn sie steht zum einen in direk­tem Zusammenhang mit den vorrangigen Selbstpflegedefiziten des Frühgeborenen, zum anderen spielen die Kompetenzen und Probleme der Eltern in der Gesundheits-

und Kinderkrankenpflege eine wichtige Rolle, auch sie müssen als Teil des Pflegepro­zesses berücksichtigt und behandelt werden. Dependenzpflegedefizite der Eltern zu er­kennen, ihnen den Erwerb von Kompetenzen zu ermöglichen und die Probleme von De- pendenzpflegenden zu beachten sind im Rahmen eines Pflegesystems wichtige Aufga­ben der Pflegefachkräfte (vgl. Cavanagh 1997, 40f.).

Aus Gründen der besseren Leserlichkeit wird in der Hausarbeit das generische Masku­linum verwendet.

2 Die Pflegetheorie nach Dorothea Orem

2.1 Theorie der Selbstpflege/Dependenzpflege

Der Pflegetheorie von Orem liegt ein besonderes Menschenbild zugrunde. Sie be­schreibt Selbstpflege als erlernte Eigenschaft, die kontinuierlich ausgeführt werden muss und die jeder Mensch, der gesund ist, selbst bezieht. Zur Erfüllung der Selbstpflege und Lösung bei aufgetretenen Problemen eignet sich der Mensch Kompetenzen an. Bei Ein­schränkungen wird die Pflege durch außenstehende Personen, darunter zählen Ange­hörige und Pflegefachkräfte, erforderlich. Orem geht von einer aktiv handelnden Person aus und distanziert sich vom passiven Pflegeempfänger (vgl. Cavanagh 1997, 10). Ihre Pflegetheorie wird damit zu den Bedürfnistheorien, in der sich Pflege an den Bedürfnis­sen des Patienten orientiert, gezählt (vgl. Nowak 2019, 69).

Grundgedanke der Theorie ist, dass der Mensch grundsätzlich danach strebt, seinen Bedarf an Selbstpflege selbst zu decken, er seinen Gesundheitszustand kennt und da­nach handeln kann (vgl. Cavanagh 1997, 37). Durch die Selbstpflegehandlungen hat der Mensch zum Ziel, seinen Gesundheitszustand und sein Wohlbefinden zu fördern und aufrechtzuerhalten (vgl. Dennis 2001, 27).

Selbstpflege beschreibt also die Fähigkeit des Einzelnen, seinen zum Leben benötigten Aktivitäten selbst nachzukommen und seine Selbstpflegeerfordernisse zu erfüllen (vgl. Cavanagh 1997, 20f.). Grundlegende Bedingungsfaktoren beeinflussen dabei sowohl die Selbstpflegeerfordernisse als auch die Handlungen. Darunter zählen Merkmale wie Alter, Geschlecht, Kultur, Entwicklungs- und Gesundheitszustand, aber auch die Le­bensstrukturen und das Familiensystem (vgl. Dennis 2001, 28). Selbstpflege erfolgt im­mer zielgerichtet, bewusst und ist erlernt (vgl. Dennis 2001, 62).

Selbstpflegeerfordernisse dienen als Grundlage und Ziel von Selbstpflege. Sie spielen zur Einschätzung eines Patienten eine entscheidende Rolle und sind „unabhängig von Gesundheitszustand, Alter, Entwicklungsstadium oder Umgebung eines Patienten“ (Cavanagh 1997, 22) zu betrachten. Dabei werden universelle, entwicklungsbedingte 4 und krankheitsbedingte Selbstpflegeerfordernisse unterschieden. Die universellen Selbstpflegeerfordernisse treffen auf alle Menschen zu. Darunter zählen unter anderem Faktoren wie die ausreichende Zufuhr von Luft, Wasser und Nahrung (vgl. Cavanagh 1997, 23).

Entwicklungsbedingte Selbstpflegeerfordernisse beziehen sich auf das Entwicklungssta­dium. Sie beinhalten die Förderung der menschlichen Entwicklung und verändern bzw. entwickeln sich je nach Entwicklungsstadium weiter. Darunter zählen auch Frühgebo­rene und hypotrophe Neugeborene. In jedem der Entwicklungsstadien müssen sowohl die universellen als auch die Anforderungen an die entwicklungsbedingten Selbstpflege­erfordernisse betrachtet werden. Äußere Bedingungen haben dabei Einfluss auf die Ent­wicklung, so spielt zum Beispiel das Verhalten während der Schwangerschaft eine große Rolle bei der Entwicklung des Neugeborenen (vgl. Cavanagh 1997, 25ff.). Zu den größ­ten Risikofaktoren einer Schwangerschaftskomplikation zählen medizinische Komplika­tionen, Drogenkonsum, darunter zählt rauchen und Alkoholkonsum, sowie Vaginalinfek­tionen (vgl. Friese et al. 2000, 120). Ebenso können soziale Gegebenheiten, darunter zählen Bildung, Arbeit, Lebensbedingungen, dazu führen, dass die Anforderung für die individuelle Selbstpflegekompetenz erhöht wird. Der Fokus in dieser Hausarbeit liegt auf der intrauterinen Lebensphase mit der Geburt und der darauffolgenden neonatalen Le­bensphase (vgl. Cavanagh 1997, 25ff.).

Krankheitsbedingte Selbstpflegeerfordernisse erscheinen infolge von Veränderungen des Gesundheitszustandes durch Krankheit, Verletzungen oder Behinderungen. Dann entstehen zusätzliche Anforderungen, wie sich um medizinische Hilfe bemühen, die Fol­gen einer Krankheit einzuschätzen, medizinisch verordnete Maßnahmen durchzuführen sowie sich an die Auswirkungen der Krankheit anzupassen (vgl. Cavanagh 1997, 28f.). Internationalen Statistiken zufolge kommt es in Folge von Frühgeburtlichkeit häufig zu sensoneuronalen Behinderungen, intellektuellen Defiziten, sowie Sprach- und Sehstö­rungen (vgl. Friese et al. 2000, 379f.). Der Mensch wird dazu aufgefordert, sich Hilfe zu holen, wenn die eigenen Selbstpflegerfordernisse nicht mehr befriedigt werden können (vgl. Cavanagh 1997, 28f.).

All diese Erfordernisse müssen jedoch miteinander betrachtet werden. Probleme in ei­nem der Bereiche können lebensbedrohlich werden. Ebenfalls muss die Balance von Selbstpflegefähigkeiten und Selbstpflegeerfordernisse gehalten werden (vgl. Cavanagh 1997, 23ff.).

Ein besonders wichtiger Aspekt dieser Theorie ist die Kompetenz, Abhängige zu pflegen, in anderen Recherchequellen auch als Dependenzpflege beschrieben. Primär findet die Dependenzpflege ohne professionelle Pflegefachkräfte statt, hier werden einige oder alle Selbstpflegeerfordernisse durch einen Stellvertreter übernommen. Stoßen die 5

Stellvertreter an ihre Grenzen, bedarf es dem Einsatz von Pflegefachkräften, die dabei ihre Pflegekompetenz einsetzen (vgl. Cavanagh 1997, 36). Pflegekompetenzen beste­hen aus „erlernten, erworbenen Befähigungen zum bewussten Handeln in der professi­onellen Pflege“ (Dennis 2001, 122).

Dependenzpflege ist das Handeln für den Dependenzpflege-Rezipienten zur Erfüllung seiner Selbstpflegeerfordernisse. Ziel ist die „Förderung und Erhaltung lebenswichtiger und entwicklungsbezogener Prozesse“ (Dennis 2001, 27) und die Gesundheitsförderung der zu pflegenden Personen. Klassisches Beispiel ist die Dependenzpflege, die Eltern für ihre Kinder leisten. Im Idealfall zielt hier die Dependenzpflege darauf ab, später zur Selbstpflege zu führen, indem das noch abhängige Kind zunehmend mehr Selbstpflege­kompetenzen erlangt und ausbildet (vgl. Dennis 2001, 113).

Um Dependenzpflege leisten zu können, müssen Dependenzpflegekompetenzen zur Er­füllung der Selbstpflegeerfordernisse der abhängigen Person erworben werden (vgl. Dennis 2001, 30f.). Ein Dependenzpflegedefizit liegt dann vor, wenn die Selbstpflegeer­fordernisse des Dependenzpflege-Rezipienten nicht ausreichend durch die Dependenz- pflegekompetenz des Dependenzpflege-Handelnden kompensiert werden können (vgl. Dennis 2001, 117). Bei Frühgeborenen hat die Dependenzpflege zum Ziel, zeitlich be­grenzt zu sein. Es ist jedoch abhängig vom Outcome des Frühgeborenen.

Diese erste Theorie beschreibt alle Grundlagen für die weiteren Teile der Theorie. Es ist nochmal zu betonen, dass das oberste Ziel der Selbstpflege das Erfüllen des therapeu­tischen Selbstpflegebedarfs ist. Dieser umfasst alle Selbstpflegehandlungen, die regel­mäßig und kontinuierlich durchgeführt werden müssen, um den Selbstpflegeerfordernis­sen nachzukommen. Zur korrekten Durchführung erwirbt ein Mensch im Laufe seines Lebens Selbstpflegekompetenzen, die im folgenden Kapitel noch detaillierter erläutert werden. Befindet sich ein Mensch nicht in der Lage, seine Selbstpflegeerfordernisse zu erfüllen, so ist er auf die Hilfe anderer angewiesen. Diese Pflege nennt man Dependenz- pflege.

2.2 Theorie des Selbstpflegedefizits

Um den situativen Selbstpflegebedarf zu erfüllen, bedarf es ausreichender Selbstpflege­kompetenzen. Ist der situative Selbstpflegebedarf gleich oder geringer als die vorhande­nen Selbstpflegekompetenzen, so besteht kein Selbstpflegedefizit (vgl. Dennis 2001, 107). Man spricht dann von einem Selbstpflegedefizit, wenn die Selbstpflegefähigkeiten des Individuums nicht mehr ausreichen, um die situativen Anforderungen (universellen und die krankheitsbedingten Selbstpflegebedürfnisse) zu kompensieren. Pflegerisches Handeln dient dann zur Unterstützung und um das Verhältnis wieder ins Gleichgewicht zu bringen (vgl. Cavanagh 1997, 34). Ein Selbstpflegedefizit kann aufgrund von Krankheit, einem emotionalen Trauma oder mangelnden entwickelten Kompetenzen zur Selbstpflege bestehen (vgl. Cavanagh 1997, 30).

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783346537003
ISBN (Paperback)
9783346537010
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (November)
Note
1,0
Schlagworte
soziale netzwerke kontext ungleichheit menschen
Zurück

Titel: Die Umsetzung der Selbstpflegedefizittheorie von Dorothea Orem im Rahmen des Pflegeprozesses bei Frühgeborenen unter besonderer Berücksichtigung der Dependenzpflege