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Der Bullwhip-Effekt

Ein überwindbares Problem der Wertschöpfungskette

Hausarbeit 2008 24 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1 Problem- und Zielstellung

2 Begriffserklärung
2.1 Das Supply Chain Management
2.2 Der Bullwhip-Effekt

3 Ursachen des Bullwhip-Effekts
3.1 Lokale Verarbeitung der Nachfrageinformation als Ursache
3.2 Auftragsbündelung als Ursache
3.3 Preisschwankungen als Ursache
3.4 Mengenkontigentierung als Ursache

4 Strategien zur Vermeidung des Bullwhip-Effekts
4.1 Ansätze zur Vermeidung von lokaler Verarbeitung von Informationen
4.2 Ansätze zur Vermeidung von Auftragsbündelung
4.3 Ansätze zur Vermeidung von Preisschwankungen
4.4 Ansätze zur Vermeidung von Mengenkontingentierung

5 Schlussbetrachtung

6 Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Steigerung der Schwankungen in Nachfrageschwankung Richtung Brauerei

Abbildung 2: Übersicht der Vorhersageverfahren

Abbildung 3: Mengen, die ein Händler bestellt, schwanken stärker als die akt. Verkäufe

Tabelle 1: Zusammenfassung der Ursachen und Gegenmaßnahmen 18

1 Problem- und Zielstellung

Im Zuge der Globalisierung haben sich die Produktionsstätten der Unternehmen auf der gesamten Welt verteilt. Mit dieser Verlagerung steigt die Komplexität der Wertschöpfungskette und mit ihr der Koordinationsbedarf der Unternehmen. Es findet kein Wettbewerb mehr zwischen den Unternehmen, sondern vielmehr zwischen den Wertschöpfungsketten statt1. Die letzten Optimierungspotentiale um Wettbewerbsvorteile zu erringen, liegen in der Art und Weise wie der Güter- und Informationsfluss gehandhabt wird. Dieses Potenzial auszuschöpfen, ist die Aufgabe des Supply Chain Management (SCM), das dabei immer wieder mit einem Phänomen konfrontiert wird, welches Unsicherheiten erzeugt und somit Kosten verursacht. Dieses Phänomen wird Bullwhip-Effekt genannt und äußert sich durch zunehmende und unnötige Bestell- und Nachfrageschwankungen innerhalb der Wertschöpfungskette. Anders ausgedrückt: Die tatsächliche Nachfrage des Endkonsumenten spiegelt nicht die Produktionsmenge des ersten Kettengliedes wider. Experten vermuten, dass die Reduzierung des Bullwhip-Effekts die

Profitabilität der Unternehmen um 8,4 - 20,1 Prozent steigern könnte2. Diese Zahlen zeigen, welche Wichtigkeit und Priorität der Bullwhip-Effekt in der Praxis hat bzw. haben sollte.

Ziel der Arbeit ist es den Bullwhip-Effekt auf der verbalen, visuellen und formalen Ebene zu erläutern, seine Ursachen zu identifizieren und theoretische Gegenmaßnahmen zur Beseitigung aufzuzeigen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der strukturelle Aufbau folgendermaßen: Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit der Begriffserklärung. Dabei werden der Bullwhip-Effekt und das Supply Chain Management ausführlich erläutert. Danach werden die Ursachen beleuchtet, um anschließend Gegenmaßnahmen vorzustellen, die den Effekt vermeiden können.

2 Begriffserklärung

Dieses Kapitel der Hausarbeit widmet sich der Begriffserklärung und Begriffsabgrenzung des Untersuchungsgegenstandes. Der Bullwhip-Effekt ist ein Phänomen der Wertschöpfungskette und wird von dem so genannten SCM gesteuert und koordiniert.

Daher ist es notwendig diese Begriffe zu definieren, weil sie im weiteren Verlauf der Arbeit immer wieder zum Thema werden. In der Literatur gibt es zahlreiche Definitionen für SCM und somit auch verschiedene Auffassungen über die eigentlichen Aufgaben des SCM. Deswegen ist es erforderlich, sich auf ein Verständnis des Begriffs festzulegen, was im Kapitel 2.1 getan wird.

2.1 Das Supply Chain Management

Um Aufgaben und Ziele des SCM erläutern zu können, muss zunächst geklärt werden, was man unter Supply Chain bzw. unter der Wertschöpfungskette versteht. Es gibt zahlreiche andere Begriffe wie logistische Kette3 , Lieferkette4 und

Logistikkette5. Diese Aufzählungen haben im weiteren Sinne die gleiche Bedeutung.

In dieser Arbeit wird der Begriff Wertschöpfungskette benutzt. Darunter versteht man alle Aktivitäten, die im Zusammenhang mit dem Güter- und Informationsfluss sowie der Gütertransformation vom Rohstofflieferanten bis zum Endverbraucher stehen. Güter und Informationen fließen dabei innerhalb der Wertschöpfungskette ständig auf und ab6. Unter dem SCM versteht man die unternehmensübergreifende Koordination und Steuerung von Gütern und Informationen der gesamten Wertschöpfungskette, ausgehend vom Rohstofflieferanten über den Produzenten und Verteiler, bis hin zum Endabnehmer oder Kunden. Das SCM beinhaltet auch oft den After-Sale Service und das Recycling7. Der Begriff wurde in den achtziger Jahren von Beratungsunternehmen geprägt. Dabei stand der Fokus auf das unternehmensinterne Materialmanagement und wurde erst später in den unternehmensübergreifenden Kontext gestellt8 . Ziel des SCM ist es ausgewählte Geschäftspartner in der Wertschöpfungskette zu integrieren, um so eine Win-Win- Beziehung zu schaffen. Durch eine effektivere Abstimmung kann sich die Wettbewerbsposition aller Beteiligten verbessern9.

2.2 Der Bullwhip-Effekt

Der so genannte Bullwhip-Effekt (Forrester-Aufschaukelung, Bullwhip effect, Peitscheneffekt oder Whiplash effect) beschreibt ein Phänomen innerhalb der Wertschöpfungskette.

Dieser Effekt äußert sich durch verstärkte Zunahme der Nachfrageschwankungen entlang der Wertschöpfungskette. Die Bestellmengen der Kettenglieder korreliert nicht mit der tatsächlichen Nachfrage. Der Bullwhip-Effekt ist umso stärker, desto weiter man vom Endverbraucher entfernt ist. Eine 10-prozentige Erhöhung der tatsächlichen Nachfrage kann dazu führen, dass die Nachfrage beim letzten Kettenglied mit einer 40-prozentigen Erhöhung zu Buche schlägt10 . Die Folgen dieser Ausschläge sind unter anderem überhöhte Lagerbestände, unzuverlässige Nachfrageprognosen, falsche Kapazitätsplanungen und schlechterer Kundenservice11 . Diese extremen Schwankungen zeigen, welches Verbesserungspotential noch in den Wertschöpfungsketten liegt und welche große

Bedeutung das SCM für Unternehmen haben könnte. Die Hauptursache für das Phänomen ist die Informationsasymmetrie zwischen den Unternehmen, die in Kooperation zueinander stehen. Jedes Unternehmen trifft Entscheidungen autonom, um ihre eigenen Ziele zu erreichen dabei werden vor- und nachgelagerte Stufen ignoriert. Jedoch wird durch diese Vorgehensweise die Optimierung der Leistung der Wertschöpfungskette außer Acht gelassen und das führt zu unangenehmen Folgen, wie das unnötige Aufschaukeln der Nachfrage und der Lagerbestände. Der Bullwhip- Effekt ist keinesfalls ein neues Phänomen. Er wurde bereits 1952 von Herbert Alexander Simon entdeckt und 1961 von Jay Wright Forrester im Werk „Industrial Dynamics“ ausführlich untersucht. Im Jahre 1997 wurde er von Hau L. Lee et al. im Magazin: „Sloan Management Review“ unter dem Artikel: „The Bullwhip Effect in

Supply Chains“ popularisiert12. In der Praxis gewann der Bullwhip-Effekt in den neunziger Jahren an Aufmerksamkeit, als es bei dem Unternehmen Procter & Gamble ein bis dahin nicht beachtetes Phänomen bei der Produktion und Nachfrage des Produktes „Pampers“ gab. Trotz der konstanten Nachfrage nach Windeln bestellte der Großhändler immer verschiedene Mengen. Dieses Verhalten machte es für das Unternehmen schwierig, die Nachfrageprognosen, die darauf basierende Kapazitätsplanung, Materialbedarfsplanung und andere wichtige Planungselemente einer Produktion zu bestimmen. Eine Analyse ergab, dass die Bestellungen nach der ersten Stufe, also nach dem Handel, nicht mehr mit dem ursprünglichen Bedarf der Babies korrelierten und die Schwankungen sogar Richtung Rohstofflieferanten zunahmen. Die Ursache dieser Schwankungen war, dass der Einzelhandel Sonderaktionen startete und so die Eltern ihr Kaufverhalten änderten.

Bei Sonderaktionen kauften sie mehr Windeln, um in Zeiten ohne Rabatte weniger kaufen zu müssen. Die stark schwankende Nachfrage beim Einzelhändler war die Folge13. Dieses Praxisbeispiel zeigt, wie problematisch sich der Bullwhip-Effekt auf die Leistungsfähigkeit der Wertschöpfungskette auswirkt. Er kann nicht nur, wie schon erwähnt, hohe Kosten verursachen, sondern auch Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit haben: zum Beispiel, indem die gewünschten Güter nicht rechtzeitig, nicht in der nachgefragten Menge oder gar nicht geliefert werden können. Deshalb ist es notwendig dieses Phänomen zu analysieren und Gegenmaßnahmen zu finden. Mit der voranschreitenden Globalisierung der Märkte werden die Wertschöpfungsketten an Komplexität gewinnen. Diese höhere Komplexität ist damit zu begründen, dass die Unternehmen Wettbewerbsvorteile erringen wollen. Das kann unter anderen durch Outsourcing und Erschließung neuer Märkte erreicht werden. Die Folge ist, dass der Koordinationsbedarf nur durch ein gut ausgereiftes und in allen Wertschöpfungsstufen integriertes SCM gedeckt werden kann. Andersfalls wird das Phänomen Bullwhip-Effekt mit all seinen negativen Begleiterscheinungen verstärkter auftreten.

Abbildung 1 Steigerung der Schwankungen in Nachfrageschwankung Richtung Brauerei

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: URL: http://beergame.uni-klu.ac.at/bg.htm (zuletzt gesichtet am 16.06.2008.)

3 Ursachen des Bullwhip-Effekts

Um den Bullwhip-Effekt visuell darzustellen eignet sich die Abbildung 1 (siehe S. 4). Sie stellt eine einfache Wertschöpfungskette dar und enthält die Stufen Brauerei, Verteiler, Großhändler und Einzelhändler. In dieser Abbildung ist klar ersichtlich, wie sehr sich die Nachfrage „aufpeitscht“, desto weiter man sich am Anfang der Wertschöpfungskette befindet. Sie visualisiert den Bullwhip-Effekt und zeigt deutlich wie eine kleine Veränderung der Nachfrage der Konsumenten sich zeitversetzt auf die Nachfrage der Brauerei auswirkt.

Nachdem der Bullwhip-Effekt verbal und visuell dargestellt wurde, fehlt noch die formale Beschreibung des Effekts. Die formale Darstellung befindet sich im Anhang (siehe Seite 20) und kann von interessierten Lesern nachvollzogen werden. Diese Darstellungsweise ist für die weitere Arbeit jedoch nicht von Relevanz!

Der Bullwhip-Effekt wurde nun auf der verbalen und visuellen Ebene erläutert und erklärt. Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass der Bullwhip-Effekt kein Phänomen mehr darstellt. Ein Phänomen wird im Allgemeinen als etwas nicht Erklärbares definiert14. Da es der Wissenschaft mittlerweile gelungen ist, den Effekt zu identifizieren und ihn sogar zu quantifizieren, kann nicht mehr von einem Phänomen gesprochen werden. Das Phänomen ist vielmehr ein Problem des SCM geworden, dass seine Ursache in fehlender unternehmensübergreifender Koordination hat, die dazu führt das Nachfrage- und Bestandsschwankungen ausgelöst werden. Die Aufgabe des SCM ist es hierbei sich in der Wertschöpfungskette zu integrieren und zu etablieren, mit dem Ziel, diese ungewollten und kostenintensiven Schwankungen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren.

3 Ursachen des Bullwhip-Effekts

Das dritte Kapitel der Arbeit beschäftigt sich mit den Ursachen des Bullwhip- Effekts. Dabei wird auf vier Bereiche detailliert eingegangen, die als Hauptursache angesehen werden: lokale Informationsverarbeitung, Losgrößenbildung, Rationierungen und Preisschwankungen15.

3.1 Lokale Verarbeitung der Nachfrageinformation als Ursache

Jedes Unternehmen stellt Prognosen an, um darauf seine Produktions- und Beschaffungsplanung abzustimmen.

[...]


1Vgl. (Corsten, et al., 2003 S. 4)

2Vgl. (McCullen, et al., 2002 S. 169 f.)

3Vgl. (Schulte, 1999 S. 4)

4Vgl. (Seifert, 2001 S. 97)

5Vgl. (Corsten, et al., 2003 S. 4)

6Vgl. (Ballou, 2004 S. 5)

7Vgl. (Silver, et al., 1998 S. 471)

8Vgl. (Corsten, et al., 2003 S. 6)

9Vgl. (Wannenwetsch, et al., 2002 S. 4)

10Vgl. (Forrester, 1958)

11Vgl. (Lee, et al., 1997 S. 79)

12Vgl. (Thonemann, 2005 S. 456)

13Vgl. (Corsten, et al., 2003 S. 10)

14Vgl. (Dudenredaktion, 2004)

15Vgl. (Lee, et al., 1997 S. 80)

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640165339
ISBN (Buch)
9783640165384
Dateigröße
779 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115086
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) – Lehrstuhl für allgemeine BWL, insbesondere Industriebetriebslehre
Note
1,3
Schlagworte
Bullwhip-Effekt Operations Management Logistik

Autor

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Titel: Der Bullwhip-Effekt