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Fallen Roboter in die Kategorie an Dingen, die prinzipiell als Rechtsträger und Pflichtadressat in Frage kommen?

©2021 Essay 6 Seiten

Zusammenfassung

In diesem Essay geht es um die ontologische Frage, welche Bedingungen notwendig und hinreichend sind, damit sich ein Individuum zum Träger von Rechten und Pflichten qualifiziert. Unter welchen Voraussetzungen ist man Rechtsträger, unter welchen Adressat von Pflichten? Wann erhält man gar Bürgerstatus?
Nach Donaldson & Kymlicka (2011) seien etwa auch Tiere Rechtsträger, da sie empfindungsfähig seien, eine individuelle, subjektive Wahrnehmung ihres eigenen Lebens und ihrer Umwelt haben und über eine Idee des subjektiven Wohls verfügen. Sie seien als Rechtsträger auch Pflichtadressat, da sie zu gesellschaftlichem Gemeinwohl beitrügen und in Zuge dessen auch Bürgerstatus bekommen sollten, da sie unseren Lebensraum teilen und in Kooperationsbeziehungen zu uns stehen. Als Schlussfolgerung fordern die Autoren für sie Aufenthaltsrecht, Schutz vor Gefahren und Angriffen, das Recht auf Gesundheitsversorgung und die Einbringung von Interessen in politischen Sphären.
Diese Konklusion wurde von Marx & Tiefensee (2015) hinterfragt und widerlegt. Dabei argumentierten Marx & Tiefensee (2015), diese Diskussion müsse gar auf die neue Spezies der Roboter ausgeweitet werden, hinsichtlich der Frage, welches moralische Ansehen sie in Zukunft zu genießen haben.
Zwar mögen Überlegungen bezüglich hoch entwickelter Roboter wie Material für Science-Fiction-Romane klingen, doch gibt es bereits ernstzunehmende Prognosen (Sandberg & Bostrom 2008; Price & Tallinn 2012), dass das Replizieren von menschlichen Leistungen durch Künstliche Intelligenz (KI) innerhalb der nächsten 50 Jahre möglich sein kann: „The question, therefore, does not seem to be if, but when sophisticated robots will become a reality (Marx & Tiefensee 2015).

Leseprobe

In diesem Essay geht es um die ontologische Frage, welche Bedingungen notwendig und hinreichend sind, damit sich ein Individuum zum Träger von Rechten und Pflichten qualifiziert. Unter welchen Voraussetzungen ist man Rechtsträger, unter welchen Adressat von Pflichten? Wann erhält man gar Bürgerstatus? Nach Donaldson & Kymlicka (2011: 24) seien etwa auch Tiere Rechtsträger, da sie empfindungsfähig seien, eine individuelle, subjektive Wahrnehmung ihres eigenen Lebens und ihrer Umwelt haben und über eine Idee des subjektiven Wohls verfügen. Sie seien als Rechtsträger auch Pflichtadressat, da sie zu gesellschaftlichem Gemeinwohl beitrügen und in Zuge dessen auch Bürgerstatus bekommen sollten, da sie unseren Lebensraum teilen und in Kooperationsbeziehungen zu uns stehen. Als Schlussfolgerung fordern die Autoren für sie Aufenthaltsrecht, Schutz vor Gefahren und Angriffen, das Recht auf Gesundheitsversorgung und die Einbringung von Interessen in politischen Sphären. Diese Konklusion wurde von Marx & Tiefensee (2015) hinterfragt und widerlegt. Dabei argumentierten Marx & Tiefensee (2015: 83), diese Diskussion müsse gar auf die neue Spezies der Roboter ausgeweitet werden, hinsichtlich der Frage, welches moralische Ansehen sie in Zukunft zu genießen haben. Zwar mögen Überlegungen bezüglich hoch entwickelter Roboter wie Material für Science-Fiction-Romane klingen, doch gibt es bereits ernstzunehmende Prognosen (Sandberg & Bostrom 2008; Price & Tallinn 2012), dass das Replizieren von menschlichen Leistungen durch Künstliche Intelligenz (KI) innerhalb der nächsten 50 Jahre möglich sein kann: „The question, therefore, does not seem to be if, but when sophisticated robots will become a reality (Marx & Tiefensee 2015: 84 & 85).

In diesem Kontext stellt sich also die Frage, welche Konsequenzen unsere Konzeption von Rechten, Pflichten und Bürgerstatus für den Umgang mit Menschen und Robotern hat. Welche Kriterien sind entscheidend und maßgeblich für die Frage, welche Akteure, welche Individuen Teil der Gesellschaft werden sollen und damit als Mitglied einer Gemeinschaft angesehen werden? Sollten die Kriterien, die an den Umgang mit Tieren angelegt werden, nicht auch an Robotern angelegt werden? Gibt es gar Unterschiede innerhalb der Tiere bzw. der Roboter, wenn ja, wie können diese begründet werden? In diesem Essay soll also nun diskutiert werden, ob Roboter in die Kategorie an ‚Dingen‘ fallen, die prinzipiell als Rechtsträger und Pflichtadressat in Frage kommen. Dabei lautet meine These, dass Roboter nicht in die Kategorie an Dingen fallen, die prinzipiell als Rechtsträger und Pflichtadressat in Frage kommen. Obwohl Roboter in der Lage sein können, Kooperationsnormen im öffentlichen Raum und in Familien zu erfüllen und dem gesellschaftlichen Gemeinwohl beizutragen, sind sie weder Pflichtadressat noch Rechtsträger, da die Eigenschaft fehlt, Emotionen wie menschliche Wesen zu haben (vor allem empfindungsfähig und leidensfähig sein zu können) und sie keine moralische Akteursqualität besitzen, da sie in moralische Hinsicht nicht für Handlungen verantwortlich gemacht werden können, da durch das Fehlen eines Herzes, eines Gehirns keine echten Gefühle entwickelt bzw. artikuliert werden können, wodurch die Kategorisierung als moralischer Akteur hinfällig ist. Darüber hinaus erfüllen sie nicht die Voraussetzung, schützenswerte Interessen zu haben, da die Realisierung bzw. Nicht-Realisierung von Zielen nicht mit menschlichen Emotionen nachempfunden werden kann.

Im Folgenden werde ich meine Argumentation darlegen, die der Begründung meiner These dient, indem ich zunächst definieren werde, unter welchen Bedingungen der Akteursstatus gegeben ist. Danach greife ich Kriterien von verschiedenen Autoren auf, die erfüllt sein müssen, damit die Eignung des Rechtsträgers und des Pflichtadressaten gegeben ist und versuche, die jeweiligen Argumente gegeneinander aufzuwiegen und zu diskutieren ob und wenn ja unter welchen Voraussetzungen, sich Roboter als Rechtsträger oder Pflichtadressaten kategorisieren lassen.

Nach Marx & Tiefensee (2015: 72) seien Individuen genau dann Akteure, wenn sie zu intentionalen Handlungen fähig sind. Jene Handlungen gelten dann als intentional, wenn sie angemessene Mittel zur Erreichung erwünschter Ziele darstellen. Nach meinem Dafürhalten können Roboter durchaus in der Lage sein, Handlungen auszuüben, die angemessene Mittel zur Erreichung ihrer erwünschten Ziele darstellen. Die Tatsache, Roboter als Akteure zu kategorisieren, halte ich daher für unstrittig.

Bei der Frage, ob Roboter in die Kategorie an ‚Dingen‘ fallen, die prinzipiell als Rechtsträger und Pflichtadressat in Frage kommen, ist es hilfreich, Kriterien von verschiedenen Autoren aufzugreifen, die sich jene Fragen zu ähnlichen Subjekten stellten, um zu einer Abwägung in Form einer These zu gelangen. Da Rechtsträger nicht automatisch Pflichtadressaten sind, werden die zwei Bedingungen zunächst getrennt voneinander betrachtet.

Wie eingangs erwähnt, müssen nach Donaldson & Kymlicka (2011: 24) Rechtsträger empfindungsfähig („sentient beings“) sein, eine individuelle, subjektive Wahrnehmung ihres eigenen Lebens und ihrer Umwelt haben und über eine Idee des subjektiven Wohls verfügen. Nach meinem Verständnis können Roboter zwar über eine individuelle, subjektive Wahrnehmung über ihr eigenes Leben, wie auch über eine Idee des subjektiven Wohls verfügen; doch sie können noch so hoch entwickelt und modern programmiert sein, sie können grundsätzlich nicht Schmerz, Lust etc. verspüren, allein schon, weil sie kein Herz haben, wie Tiere oder Menschen. Sie haben kein Gehirn, das sie rational und emotional denken lässt; und sie können in der Regel über keine Sozialisierung mit anderen Individuen verfügen, die sie empfindungsfähig werden lassen würde. Gerade die Fähigkeit rational zu sein, scheint mir eine entscheidende Variable. Zwar agieren weder Tier noch Mensch ausschließlich – häufig ja nicht mal überwiegend – rational, doch die grundsätzliche Fähigkeit, rational zu denken und rational zu entscheiden setzt viele Eigenschaften voraus, die Roboter nicht haben können: Der Besitz eines Herzes, der Besitz eines Gehirns, Erfahrungen der Sozialisierung etc. Nach Marx & Tiefensee (2015: 75 & 85) müssten Roboter empfindungsfähige Wesen („sentient beings“) sein und schützenswerte Interessen haben, um als Rechtsträger in Frage zu kommen. Nach Donaldson & Kymlicka (2011: 24 & 36) sind Ziele schützenswert, wenn die Realisierung bzw. Nicht-Realisierung mit „pleasure“ oder „pain“ verbunden wären und Roboter somit empfindungsfähig wären. Meiner Meinung nach besteht bei Robotern die Möglichkeit, die Realisierung von Zielen anzustreben und auch zu begreifen, wenn diese realisiert bzw. nicht realisiert werden konnten. Womöglich mag auch die Reaktion auf eine Nicht-Realisierung den Reaktionen von Menschen ähneln, dahingehend, dass sich eine gewisse Unzufriedenheit ergibt. Jedoch bezweifle ich, dass autonome Roboter in der Lage sein können, tatsächlich empfindungsfähig zu sein, in dem Sinne, dass sie „pleasure“ oder „pain“ tatsächlich fühlen können. Sie mögen zwar Handlungen reflektieren können und Handlungen als positiv bzw. erfolgreich oder negativ bzw. misslungen begreifen, jedoch fehlt die Fähigkeit, menschliche Emotionen tatsächlich nachzuempfinden.

Nach Marx & Tiefensee (2015: 73) sind Individuen nur dann Pflichtadressat, wenn sie moralische Akteursqualität besitzen. Dies setzt voraus, dass sie in moralischer Hinsicht für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden können. Sie seien dann moralisch verantwortlich, wenn sie ihre Handlungsgründe bewerten und sie ihre Handlungen gemäß ihrer Bewertungen kontrollieren können (Marx & Tiefensee 2015: 72). Ist die Frage ob Roboter moralgemäß handeln können nicht auch eine Frage der Sozialisierung? Können sich Roboter in einer Gesellschaft überhaupt sozialisieren und wenn ja, reicht das aus, um daraus eine rationale Perspektive einzunehmen? Können sie für ihr Handeln dementsprechend überhaupt moralisch verantwortlich gemacht werden? Können Roboter ihre Handlungsgründe bewerten und ihre Handlungen gemäß jener Bewertungen kontrollieren? Nach meinem Verständnis ist eine Bewertung der erfolgten Handlungen sicherlich möglich; doch fraglich ist, inwiefern diese Bewertungen menschlichen moralischen und rationalen Maßstäben genügt. Setzt diese Eigenschaft nicht ein moralisches Grundverständnis wie auch – erneut – die Fähigkeit der Rationalität voraus? Gerade die Frage der Kontrollfähigkeit dieser Handlungen scheint mir im Lichte der Prognosen, dass das Imitieren von menschlichen Leistungen durch KI innerhalb der nächsten 50 Jahre möglich sein solle, eine entscheidende.

Darüber hinaus seien abstrakte kognitive Fähigkeiten erforderlich, die jene Individuen über ihre Erfahrungen reflektieren und abstrakte Gedanken erweitern lassen (Marx & Tiefensee (2015: 75). Akteure mit beschränkten kognitiven oder emotionalen Fähigkeiten befinden sich außerhalb unserer Moral und lassen sich nicht als moralische Akteure kategorisieren (Marx & Tiefensee (2015: 77 & 78). Roboter können sicherlich in dem Maße programmiert werden, dass sie Signale aus der Umwelt wahrnehmen und verarbeiten können, wodurch die Bedingung der kognitiven Fähigkeiten gegeben wäre. Allerdings bezweifle ich stark, dass Roboter zu emotionalen Fähigkeiten in der Lage sind. Dadurch, dass sie kein Herz und kein Gehirn haben, und sich diese Organe auch nicht programmieren lassen, dass sie realen menschlichen Erwartungen genügen, werden Roboter wohl nie in der Lage sein, Gefühle zu entwickeln, geschweige denn zu artikulieren. Die Fähigkeit Emotionen zu haben können von Robotern nicht übernommen werden. Damit ist auch die Kategorisierung als moralischer Akteur in meinen Augen hinfällig.

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Details

Seiten
6
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783346537928
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Institut für Politikwissenschaft
Erscheinungsdatum
2021 (November)
Note
1,3
Schlagworte
Träger von Rechten und Pflichten Rechtsträger Pflichtadressat Künstliche Intelligenz KI Roboter Tiere moralische Akteure
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Titel: Fallen Roboter in die Kategorie an Dingen, die prinzipiell als Rechtsträger und Pflichtadressat in Frage kommen?