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Systematisch-theologische Vergewisserung: Das Sakrament der Eucharistie

Theologische Deutungen

Seminararbeit 2008 47 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung: Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Kurze Geschichte zum Sakramentenbegriff und seiner Wortbedeutung
2.1 Begriff und Wortbedeutung von ‚Sakrament’
2.2 Theologische Reflexionen bei Augustinus
2.3 Entwicklung des Sakramentenbegriffs in der Scholastik
2.4 Das Trienter Konzil und die Nachtridentinische Theologie

3 Theologiegeschichtliche Entwicklung der Eucharistie
3.1 Einführung zum Sachverhalt
3.2 Kurze Geschichte der Eucharistielehre im Rahmen der Gegenwärtigkeit Jesu Christi: Realpräsenz und Transsubstantiation
3.2.1 Die Zeit der griechischen und lateinischen Patristik
3.2.2 Die frühmittelalterliche Krise und Zusammenfassung der
weiteren Entwicklung
3.2.3 Transsubstantiation bei Thomas von Aquin
3.2.4 Reformationszeit und Bemerkungen zur Lehre des Konzils von Trient
3.2.5 Transsubstantiationslehre im 20. Jahrhundert

4 Systematische Entfaltung
4.1 Theologische Deutung des Opfercharakters der Eucharistie
4.2 Kirche als koinonia – communio: Die ‚Eucharistische Ekklesiologie’

5 Schlusswort

Verzeichnis der Abbildungen und benutzen Hilfsmittel

Quellen- und Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abkürzungen

Für die Allgemeinen Abkürzungen wird das System der Blockkürzungen der 10. Auflage des Dahlmann – Waitz, Quellenkunde der deutschen Geschichte 1, 1969, S. 30 – 79 verwendet. Neben den dort aufgeführten Abkürzungen und Siglen werden gebraucht.

Ambrosius

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Augustinus

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Johannes Duns Scotus

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1 Einleitung: Ziel und Aufbau der Arbeit

Das letzte Abendmahl wird von den Synoptikern Matthäus (26, 26-28), Markus (14, 22-23), Lukas (22, 19-20) und von Paulus (1 Kor 11, 23-25) erzählt. In allen vier Berichten stehen die so genannten Einsetzungsworte Jesu im Zentrum. Traditionell begründet die Aufforderung Jesu an seine Jünger beim Abendmahl, „zu meinem Gedächtnis“ das Brot zu essen und den Wein zu trinken, die Einsetzung der Eucharistie, die von je her im Mittelpunkt des Lebens der Kirche steht.

„Mysterium fidei“[1] – Das Geheimnis des Glaubens. So sind die Anfangsworte und der Titel der Enzyklika von Papst Paul VI. über die Heilige Eucharistie (1965). In der Eucharistie erleben wir das Geheimnis von der Erlösung, die im Opfer des Herrn ihren Höhepunkt erfährt, wie es auch bei der Wandlung der eucharistischen Gaben von Brot und Wein in Leib und Blut Christi (Transsubstantiation) zum Ausdruck kommt. Jesus Christus hat uns allen das Heil geschenkt, das im Sakrament der Eucharistie in der Geschichte fortdauert [ „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19)]. Die Eucharistie ist nach katholischem Verständnis „Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens“[2], also nicht nur Erinnerung, sondern Jesu sakramentale Vergegenwärtigung als der gekreuzigt und auferstandene Herr „wirklich, wesentlich und wirksam“[3].

Zunächst sei im Rahmen der allgemeinen Sakramentenlehre im zweiten Kapitel die Behandlung von Begriff und Bedeutung des Sakramentes durch einen kurzen geschichtlichen Überblick erörtert. Der dritte Abschnitt meiner Arbeit über die Eucharistie wird der Schwerpunkt in der Betrachtung sein. Hierbei wird ein Überblick zur Theologiegeschichte der Eucharistielehre gegeben, dass die Frage nach der Weise der eucharistischen Gegenwart Jesu Christi behandelt und unter diesem Bezugspunkt auch die Lehre von Transsubstantiation zum Inhalt hat . Anschließend konzentriere ich mich auf die systematische Entfaltung von zwei weiteren Grundthemen: (1) des Opfercharakters der Eucharistie und (2) auf die Gemeinschaft in der Eucharistie (‚Eucharistische Ekklesiologie’), auf jene Fragen also, die in den Kontroversen über die Eucharistie stets als die hauptsächlichsten Divergenzpunkte galten. Im Schlusswort wird schließlich eine Bilanz gezogen, die meine Überlegungen abschließen.

2 Kurze Geschichte zum Sakramentenbegriff und seiner Wortbedeutung

2.1 Begriff und Wortbedeutung von ‚Sakrament’

Mit „sacramentum“ wird seit den altlateinischen Bibelübersetzungen des 2. Jahrhunderts häufig die griechische Vokabel musthrion (mysterion) wiedergegeben. Beide Begriffe haben innerhalb der christlichen Tradition eine lange Geschichte, in deren Verlauf sich ihre Bedeutung erheblich wandelte.[4]

Der dem gegenwärtigen kirchlich – theologischen Sprachgebrauch geläufige Sakramentsbegriff hat im Neuen Testament kein Äquivalent. Das biblische Wort musthrion[5] , das in einigen altlateinischen Bibelübersetzungen mit dem lateinischen Begriff sacramentum[6] wiedergegeben wird, ist ursprünglich ohne direkten Bezug zu den Vollzügen, welche die spätere Theologie dem Fachausdruck „Sakrament“ subsumierte.[7]

2.2 Theologische Reflexionen bei Augustinus

Um die Wende vom 2. zum 3. Jahrhundert werden musthrion und sacramentum zu festen Termini christlicher Ritenvollzüge. Augustinus (354 – 430) blieb es vorbehalten die Vorraussetzung für die definitive Verwendung des Sakramentsbegriffs darzustellen.[8] Grundlegend ist dabei, dass Augustinus die Unterscheidung zwischen sichtbarem Ritus und unsichtbarer Wirkung einführte und nannte den sichtbaren Ritus „ signum“. Das vom Sakrament Gewirkte nannte er res sacramenti; Sakramente sind „gegebene Zeichen“. Sie werden auch „heilige Zeichen“ (signa sacra) genannt, weil sie auf eine heilige Wirklichkeit hinweisen. Durch die materiellen, sichtbaren Dinge (Zeichen) wird der Glaubende zu den unsichtbaren Wirklichkeiten geführt.[9]

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Abbildung 1

Schließlich unterscheidet Augustinus im sakramentalen Zeichen selbst noch das Element vom Wort. Nicht das Element in seiner naturhaften Gestalt, sondern erst das hinzukommende, die Relation von Offenbarung und Glaube erschließende Wort ergibt das Sakrament gemäß der berühmten Taufformel: „Accedit verbum ad elementum, et fit sacramentum, etiam ipsum tamquam visible verbum“.[10]

So wird durch Augustin die Bedeutung „Zeichen“ zur bestimmenden Mitte der Theorie des Sakramentalen: Sign(a), quae cum ad res divinas pertinent, Sacramenta appellantur.[11]

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Abbildung 2

Und um mit Nocke zu sprechen, der die Folgen der Unterscheidung deutlich hervorgehoben hat: „Durch Augustinus betonte Unterscheidung zwischen „Zeichen“ und „Wirklichkeit“ und durch seine Betonung des Wortes gegenüber dem sichtbaren Zeichen bekommt die westliche Theologie (…) ein noch mehr wort- und begriffsbestimmtes, zergliederndes Denken an Boden.“[12]

2.3 Entwicklung des Sakramentenbegriffs in der Scholastik

Was Augustinus gelehrt hat, ist durch die Jahrhunderte fast unverändert weitertradiert worden, vor allem durch die zahlreichen großen Theologen der karolingischen Renaissance bis ins 12. Jahrhundert. Die Scholastik differenzierte den Ansatz Augustins und baute ihn um die Mitte des 12. Jahrhunderts zu einer detaillierten Theorie von den Sakramenten im allgemeinen aus, wobei wohl das Augenmerk mehr auf das Zeichen und den Ritus als auf Element und Sache gerichtet wurde. Damit traten auch die Fragen zu präzisen Bestimmungen u.a. im Hinblick nach der inneren Ursache des Sakramentes sowie nach der Einsetzung, besonderen Wirkungsweise der Sakramente und Zahl der Sakramente auf.[13]

Die erste bedeutende Darstellung der Sakramentenlehre bot in der Frühscholastik des 12. Jahrhunderts Hugo von St. Viktor († 1141) in seinem Werk De sacramentis christianae fidei, bei der das Wesen des Sakramentes wie folgt bestimmt wird: De sacramentis Sacramentum est corporale vel materiale elementum foris sensibiliter propositum ex similitudine repraesentans, et ex institutione significans, et ex sanctificatione continens aliquam invisibilem et spiritualem gratiam.[14] Dennoch ist bei Hugo von St Viktor der Sakramentsbegriff noch allgemein gefasst, so dass auch Weihwasser und Aschenkreuz ebenso wie Mönchsweihe und Begräbnisritus unter die Sakramente zu zählen sind.[15]

Das 13. Jahrhundert (die Hochscholastik) hat durch Anwendung der aristotelischen Begriffe die Sakramentenlehre weiterentwickelt. Eine Zusammenfassung der mittelalterlichen Sakramentenlehre bietet das nicht definitorische Dekret für die die Armenier auf dem Konzil von Florenz 1439.[16]

Die erste vollständige Definition von Sakrament findet sich beim schottischen Theologen und Philosophen Johannes Duns Scotus († 1308): „Sakrament ist ein sinnlich wahrnehmbares Geschehen oder eine sinnlich wahrnehmbare Wirklichkeit oder ein sinnfälliger Ritus, der von Christus eingesetzt wurde, um die von ihm verdienten Heilsgnaden zu bezeichnen, zu enthalten und sie den Menschen durch Menschen im Pilgerstand, im Vollzug des Sakramentes durch Spender und Empfänger zu vermitteln.“[17] Bestimmt wird demnach die Struktur des Sakramentes durch vier Momente: 1. durch das äußere, sinnfällige Zeichen, 2. durch die innere Gnadenwirklichkeit und Wirksamkeit, 3. durch die Einsetzung durch Jesus Christus, 4 . durch sein Stehen zwischen Spender und Empfänger, das seinen besonderen Kirchenbezug zeigt.[18]

2.4 Das Trienter Konzil und die Nachtridentinische Theologie

Der Kampf gegen die spätmittelalterlichen Theologie- und Frömmigkeitsformen ebenso wie der Rückgriff auf die Heilige Schrift als einzige Quelle der Theologie sind Grundlage für das neue Sakramentsverständnis, das sich bei den Reformatoren zeigt.[19]

Das Konzil von Trient hat von der 7. bis 24. Sitzung (1545 – 1563) im wesentlichen Sakramententheologie zur Darstellung gebracht. Über die allgemeine Sakramentenlehre spricht die 7. Sitzung in 13 Canones.[20] Die Lehren sind im Wesentlichen als Antwort auf die reformatorischen Herausforderungen und im Anschuss an die Theologie des heiligen Thomas von Aquin, dargestellt.[21]

Die Ansätze der Scholastik werden in der katholischen Sakramententheologie der Neuzeit fortgeführt, dabei verstärkt die katholische Theologie den Aspekt der Wirksamkeit.[22]

Eine Neubesinnung der Theologie im 20. Jahrhundert hat die Frage nach der Grundstruktur des Sakramentes selbst wieder aufgegriffen, um in der Antwort auf diese Frage auch das Problem der Wirksamkeit der Sakramente und alle anderen sakramentalen – theologischen Fragen neu zu sehen.[23]

Das II. Vatikanum nimmt vielfältige Impulse aus der Erneuerung der Sakramententheologie im 20. Jahrhundert auf. Es sieht das sakramentale Leben der Kirche als Werk des Heiligen Geistes, der die Glaubenden zu jenem Leib Christi bildet, in dem sie „durch die Sakramente auf geheimnisvolle und doch wirkliche Weise mit Christus“[24] vereint werden. Es versteht die Sakramente als Wesensvollzüge der Kirche (LG 11) und als „Sakramente des Glaubens“ (LG 21). Sie sind die zentralen Realisationen der Liturgie mit gleichermaßen individueller wie ekklesialer Wirkung; ihre zugleich symbolische und instrumentale Wirkweise hinsichtlich der Gnade betrifft Lebenssituationen; sie haben dialogischen Charakter.[25]

Im nun folgenden Kapitel soll das Sakrament der Eucharistie in der gebotenen Kürze nach der theologiegeschichtlichen Untersuchung beschrieben werden und zwar auf die Fragestellung hin, wie die eucharistische Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie zu denken ist, ehe wir uns dann im vierten Kapitel auf die systematische Entfaltung des Opfercharakters der Eucharistie und der ‚Eucharistischen Ekklesiologie’ konzentrieren.

3 Theologiegeschichtliche entwicklung der Eucharistie

3.1 Einführung zum Sachverhalt

Dem Sakrament der Eucharistie wurde im Laufe der Geschichte einer tiefgründigen Analyse und Erklärungsarbeit unterworfen; keines gab auch so oft Anlass zu theologischen und konfessionellen Streitigkeiten wie dieses Sakrament.[26] Traditionellerweise stehen sich im Herrenmahl zwei Problemkreise gegenüber an denen Kirchen unterschiedliche Wege gegangen sind: das Problem der eucharistischen Gegenwart Jesu Christi in den Gaben von Brot und Wein als Leib und Blut Christi (= Realpräsenz) und der Opfercharakter der Messe.

Dabei ist wohl der Punkt der Realpräsenz herauszugreifen, jenem Punkt, der in der Diskussion um die Gegenwart Christi am häufigsten genannt wird: die Weise der Vergegenwärtigung Christi in der Eucharistie (Realpräsenz), die Transsubstantiation. Doch wie geschieht jene Gegenwart? Wodurch kommt jene Gegenwart zustande? Worin besteht sie? Eine Klärung und Orientierung zu den gestellten Fragen sollen meine Ausführungen über Christi Gegenwart im Sakrament der Eucharistie geben.

[...]


[1] DH 4410 – 4413.

[2] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche ‚Lumen Gentium’, Nr. 11, in: Rahner/Vorgrimmler, Kleines Konzilskompendium, S. 135.

[3] DH 1651 – Kanones über das Sakrament der Eucharistie. Der Glaube der katholischen Kirche bekennt mit diesen Worten auf dem Konzil von Trient (1545 – 1563; 19. ökumenisches Konzil) die Gegenwart Jesu Christi im eucharistischen Mahl.

[4] Vgl. NOCKE, Allgemeine Sakramentenlehre, S. 189.

[5] Der Begriff musthrion bezeichnet in der Antike eine geheime, nur Eingeweihten zugängliche Angelegenheit, bezüglich derer grundsätzliches Stillschweigen zu wahren ist. Die Geschichte des Begriffs musthrion ist also von Anfang an kultisch – religiös geprägt. Mysterion im biblischen Sinn hat nicht etwas der Vernunft Unzugängliches oder Unbegreifliches zum Inhalt, sondern besteht darin, dass es in dem an sich unzugänglichen Gott ruht. Erst durch seine Offenbarung wird es öffentlich und zugänglich. Bezeichnenderweise steht der Terminus musthrion an der einzigen Stelle, welche ihn in den synoptischen Evangelien bietet (Mk 4,10 – 12; vgl. Mt 13,10-17; Lk 8,9f) in unmittelbarer Verbindung mit dem basileia–Begriff (Herrschaft Gottes) als dem Zentralbegriff der Botschaft Jesu, die vor allem im Heilswerk Christi offenbar geworden ist und bei den Synoptikern „Geheimnis des Reiches Gottes“ genannt wird. Der eschatologischen Sinn der Sendung Jesu und seiner Reich - Gottes – Botschaft wird christologische – sotoeriologisch entfaltet. Der musthrion –Begriff steht, der nun vorwiegend im Singular gebraucht wird, in den paulinischen und deuteropauinischen Briefen in engster Verbindung mit dem Christuskerygma (vgl. etwa 1 Kor 2,7-10; Röm 16,25f.; Eph 1,8-10; 3,3–7,8-15.21-32). Jesus Christus ist das wahre endzeitliche musthrion Gottes; in ihm ist Gottes Heilsplan endgültig enthüllt worden. Aber damit hat es nicht sein Bewenden, sondern vielmehr soll er nun weiterverkündet werden, und zwar durch die Kirche. Vgl. Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 24-26.

[6] Der lateinische Begriff sacramentum sollte mehr das Leben, Wirken und Sein in Christus zu unserem Heil zum Ausdruck bringen, da das Geoffenbarte bisher verborgen war (Geheimnis). sacramentum nimmt die für ihn im christlichen Kontext charakteristische Bedeutungsfülle erst infolge der Übersetzung des biblischen musthrion an, wie sie – im Unterschied zur Vulgata, welche die Wiedergabe mit mysterium bevorzugt – für die nordafrikanischen Texte kennzeichnend ist.

[7] Vgl. Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 24-26.

[8] Im Westen brachte der heilige Augustinus eine entscheidende Vertiefung der Sakramententheologie, indem er, durch seine platonische Philosophie und durch den Kampf gegen die Donatisten geleitet, von der Unterscheidung zwischen „res“ (Sache) und „signum“ (Zeichen) ausgeht und für diese heiligen Riten allgemein den Terminus signum (Zeichen) einführte und lehrte.

[9] Vgl. Nocke, Allgemeine Sakramentenlehre, S. 198f.

[10] „Es tritt das Wort zum Element, und es wird Sakrament, auch selbst [das Sakrament] gleichsam einsichtbares Wort.“ Augustinus, Tract. Io. Ev. 80,3; PL 35, 1840.

[11] Augustinus, Ep. 138, 1,7.

[12] Nocke, Allgemeine Sakramentenlehre, S. 199. Das Symboldenken des Augustinus ist im Frühmittelalter zerbrochen; das zeigen nicht zuletzt die späteren Abendmahlsstreitigkeiten.

[13] Vgl. Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 37-41.

[14] „Ein Sakrament ist ein körperliches oder materielles Element, das von außen sinnlich vorgestellt wird und eine unsichtbare und geistige Gnade aufgrund von Ähnlichkeit darstellt (repraesentans), aufgrund von Einsetzung [durch Christus] bezeichnet (significans) und aufgrund von Heilung enthält.“ (Hugo von St. Viktor, De Sacr. I 9,2; PL 176,317).

[15] Vgl. Nocke, Allgemeine Sakramentenlehre, S. 200. Einflussreicher noch als die Sakramentsdefinitionen des Viktoriners wurde diejenige von Petrus Lombardus († 1160), dessen vier Sentenzenbücher im 13. Jahrhundert zur Pflichtlektüre jeden Theologen gehört, und formuliert dazu: „ Sacramentum enim proprie dicitur quod ita signum est gratiae Dei et invisibilis gratiae forma, ut ipsius imaginem gerat et causa existat“ [„Ein Sakrament wird im eigentlichem Sinne das genannt, was in solcher Weise ein Zeichen der göttlichen Gnade und eine Gestalt der unsichtbaren Gnade ist, dass es ihr Bild trägt und ihre Ursache bildet.“] (Peter Lombardus, Sent IV d.1 cap. 4,2; PL 192, 839). Die Vokabel „causa“ (Ursache) signalisiert das neue Interesse: die Frage nach der Kausalität der Sakramente. Vgl. Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 37-39 u. Nocke, Allgemeine Sakramentenlehre, S. 200.

[16] DH 1310-1313; NR 501-504; Vgl. Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 40-41.

[17] Johannes Duns Scotus, Op. Ox. IV d 1 n 9.; zitiert nach Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 26.

[18] Vgl. Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 26f.

[19] Die Worttheologie ist für Martin Luther († 1546) Ausgangspunkt seiner Sakramententheologie. In der Lehre Luthers wird, ausgehend vom Wort der Schrift, nicht eigens nach der Notwendigkeit der Sakramente und ihrer besonderen Bedeutung neben dem Wort gefragt, sondern nur die Tatsache ihrer Einsetzung durch Christus hingenommen. Es gibt darum in der Lehre Luthers keine eigentliche allgemeine Sakramentenlehre, sondern nur die Lehre von zwei Riten der Taufe und des Abendmahls.

Die reformierte Lehre Johannes Calvins († 1564) hingegen kennt eine genaue allgemeine Sakramentenlehre. Verheißenswort und Zeichen (verbum et symbolum) gehören zusammen. Sakrament ist ein „Bundeszeichen“ und darum sehr hoch zu schätzen, aber nicht als Magie zu betrachten. Calvin spricht die Frucht der Sakramente nur den Prädestinierten zu.

Nach Huldrych Zwingli († 1531) sind die Sakramente reine Erkennungs- und Erinnerungszeichen an das von Christus gebrachte Heil und Bekenntniszeichen für die Zugehörigkeit zur Kirche.

[20] Als Richtlinie galten die Texte von Florenz [1439, DH 1310-1313; NR 501-504] bei dem man scholastische Fachausdrücke vermeiden und unter Beschränkung auf das Notwendigste die reformatorischen Lehren über die Zahl der Sakramente und über ihre Wirksamkeit nur durch den Glauben (ohne Namensnennung der Reformatoren) zurückweisen wollte. DH 1600 – 1816 über die Eucharistie im besonderem die Canones 1635-1661 (13. Sitzung des Tridentinum).

[21] Sie besagen (nur einige Aspekte): 1. Es gibt sieben von Christus eingesetzte Sakramente [DH 1601/NR 506]. 2. Unter den neutestamentlichen Sakramenten besteht eine Rangordnung [DH 1603/NR508]. 3. Die Sakramente sind heilsnotwendige Zeichen, der Glaube allein genügt nicht [DH 1605/NR 510]. 4. Die Sakramente sind nicht allein zur Erweckung des Glaubens eingesetzt. 5. Sie enthalten und spenden als wirksame Zeichen allen, die kein Hindernis entgegensetzten, ex opere operato die Gnade Christi [DH 1608/NR 513]. 6. Bei der Spendung der Sakramente haben nicht alle die gleiche Gewalt. 7. Die von der Kirche festgelegten Riten sind verbindlich. Vgl. Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 43.

[22] Vgl. Nocke, Allgemeine Sakramentenlehre, S. 208.

[23] Viele theologische Versuche sind von besonderer Bedeutung geworden. Haben auch die verschiednen mysterientheologischen Theorien nicht allgemeine Zustimmung gefunden, so haben sie doch dem neuen Liturgieverständnis, aber auch der übrigen Theologie, tiefe Anregungen gegeben, die sich auf das Zweite Vatikanischen Konzil ausgewirkt haben. Vgl. Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 43-45.

[24] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche ‚Lumen Gentium’, Nr. 11, in: Rahner / Vorgrimmler , Kleines Konzilskompendium , S. 128.

[25] Vgl. Auer/Ratzinger, Kleine Katholische Dogmatik, S. 45.

[26] Der Beitrag zur Realpräsenz Christi im Sakrament der Eucharistie ermöglicht nicht eine umfassende Darstellung des Eucharistie- oder Abendmahlsverständnisses. Es soll ein Überblick über eines der großen traditionellen Themen der katholischen Eucharistielehre, wie sie vorab im Tridentinum formuliert wurden, bieten.

Details

Seiten
47
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640165858
ISBN (Buch)
9783640863839
Dateigröße
699 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115105
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Katholisch-Theologische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Vergewisserung Sakrament Eucharistie Abendmahl Transsubstantiation Dogmatik Theologie Trienter Konzil Eucharistielehre Thomas von Aquin Transsubstantiationslehre Ekklesiologie Eucharistiekatechese

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Titel: Systematisch-theologische Vergewisserung: Das Sakrament der Eucharistie