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Exegese zu Lk 13,10-17

Die Heilung der gekrümmten Frau am Sabbat

Hausarbeit 2007 27 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Übersetzungsvergleich

3. Literarkritik
3.1. Kontextkritik
3.2. Kohärenzkritik

4. Überlieferungskritik

5. Quellenkritik
5.1. Synoptischer Vergleich

6. Redaktionskritik

7. Formkritik

8. Gattungskritik
8.1. „Sitz im Leben“

9. Traditionskritik

10. Bestimmung des historischen Orts

11. Klärung von Einzelaspekten
11.1. Begriffe
11.2. Sachfragen

12. Einzelexegese – Vers für Vers

13. „Historische Sinnbestimmung“ und deutende Zusammenfassung

14. Die feministische Auslegungsmethode

15. die historisch-kritische und die feministische Methode – ein Vergleich

16. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der „Heilung einer verkrümmten Frau am Sabbat“ aus Lk 13,10-17. Diese kurze Perikope erzählt, wie Jesus am Sabbat in einer Synagoge lehrt und eine Frau heilt, die verkrümmt ist und nicht gerade stehen kann. Das Besondere an dieser Erzählung ist, dass Jesus trotz seiner guten Tat auf Widerstand stößt. Da es Sabbat ist, wird diese Tat Jesu vom Vorsteher der Synagoge als Gesetzesbruch deklariert. Dennoch handelt Jesus liebevoll und vorbildlich, indem er die verkrümmte Frau von ihrem Leiden erlöst. Er widersetzt sich bewusst den jüdischen Gesetzen, um eine kranke Frau zu heilen, obwohl er dabei den Zorn anderer auf sich zieht. Dass er dies in Kauf nimmt, beeindruckt mich. Das Verhalten Jesu fordert jeden von uns heraus. Es ist ein Beispiel für eine entschieden gute Tat trotz gesellschaftlichen Widerstandes. Hätte Jesus mit der Heilung nicht vielleicht auch einen Tag warten können? Oft kommt man in eine Situation, in der man zugunsten anderer handeln könnte, es aber nicht tut. Die Meinung anderer, gesellschaftliche Normen und das eigene Ego halten einen davon ab, seinen Nächsten in Liebe zu begegnen. Wann sind Gesetze sinnvoll und wann sind sie widersprüchlich? Wann ist eine Handlung gerechtfertigt und wann nicht? Den Sinn von Normen und Gesetzen hinterfragen, eigene Wege gehen und aus Überzeugung handeln – das sind wichtige Themen und Fragen, die gerade auch für junge Menschen relevant sind. Es sind Themen, die sie anregen und für ihre Entwicklung einen wichtigen Beitrag leisten können. Damit ist diese Erzählung von der Heilung der verkrümmten Frau auch gut geeignet, um SchülerInnen gemäß ihre Alterstufe herauszufordern und sie bei ihrer Persönlichkeitsbildung zu unterstützen.

2. Übersetzungsvergleich

Jede Bibelübersetzung gibt einen Bibeltext auf ihrer spezifische Art und Weise wieder, indem sie je nach Zielgruppe und Überzeugung der ÜbersetzerInnen bestimmte Schwerpunkte legt. Lk 13,10-17 soll daher im Licht von sechs verschiedenen Übersetzungen betrachtet werden.

Die Interlinearübersetzung ist eine Wort-für-Wort-Übersetzung und ist in erster Linie ein Hilfsmittel für Personen mit Griechischkenntnissen. Sie setzt daher Grundkenntnisse der alt-griechischen Sprache voraus. Die Grundbedeutung der griechischen Wörter wird so weit wie möglich beachtet und für dasselbe Wort werden möglichst wenige unterschiedliche deutsche Bedeutungen verwendet. An den Stellen, wo aus sprachlichen Gründen eine genaue Wort-für-Wort-Übersetzung nicht möglich ist, wird zu Gunsten der Verständlichkeit übersetzt.[1]

Die Bibel in gerechter Sprache möchte das Spektrum der verschiedenen Übersetzungen erweitern. Die Intention dieser Bibel ist es, sowohl dem Urtext gerecht zu werden, als auch Gerechtigkeit in Bezug auf die Geschlechter, auf den christlich-jüdischen Dialog und auf soziale Verhältnisse in die Übersetzung mit einfließen zu lassen. Ungewohnte Wortlaute sollen die LeserInnen ermutigen, bestimmte Aspekte neu wahrzunehmen und zu überdenken, um die Bibel als Botschaft der Gerechtigkeit und Befreiung neu zu entdecken.[2]

Die Lutherbibel in der revidierten Fassung von 1984 ist dem heutigen Sprachgebrauch angepasst worden, um verständlicher zu sein. Das neue Testament wurde stellenweise dem Urtext entsprechend genauer übersetzt. Der Kreis der Fachleute, der an der Übersetzung arbeitete, legte außerdem Umfang und Überschriften der einzelnen Sinnabschnitte fest. Auch die Rechtschreibung wurde dem aktuellen Stand angepasst, sowie in ihrer Konnotation negative Begriffe, wie z. B. „Weib“ durch „Frau“, ersetzt.[3]

Die Elberfelder Übersetzung zeichnet sich vor allem durch ihre Worttreue und Genauigkeit aus. Sie wurde im Jahre 1960 von Grund auf erneuert. Sie bemüht sich sowohl um eine möglichst genaue Wiedergabe des Grundtextes, als auch um gutes verständliches Deutsch. Als Grundlage dienten die besten griechischen und hebräischen Handschriften.[4]

Die „Neues Leben“- Übersetzung orientiert sich an der amerikanischen „New Living Translation“. Sie nimmt für sich in Anspruch, lebensnah, leicht verständlich und inhaltlich zuverlässig zu sein. Die zugrunde liegenden Urtexte sind die „Biblia Hebraica Stuttgartensia“ von R. Kittel, sowie das „Novum Testamentum Graece“ von Nestle und Aland.[5]

Die Gütersloher Erzählbibel möchte die biblischen Geschichten nacherzählen und erklären, damit die Geschichten gerade für Kinder und Jugendliche leicht verständlich sind. Eine Besonderheit dieser Übersetzung ist, dass von Gott abwechselnd in weiblicher und männlicher Form gesprochen wird, da Gott selbst weder Mann noch Frau ist.[6] Bei der Nacherzählung ausgewählter Texte ließen sich die Autorinnen von drei Aspekten leiten, die für sie von Bedeutung sind: Erstens geht es ihnen um die Wahrnehmung der Fremdheit der Texte, zweitens wollen sie durch die Auswahl bestimmter Texte Handlungsmuster von Frauen und Männer aufzeigen, die zum Nachdenken anregen sollen, und drittens soll der jüdisch-christliche Dialog gefördert werden.[7]

Tabellarischer Übersetzungsvergleich von Lk 13,10-17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Festzuhalten ist, dass sowohl die Elberfelder als auch die Lutherübersetzung der Interlinearübersetzung am ehesten entsprechen. Beide Übersetzungen sind verständlich und in ihrem Wortlaut sehr genau. Auch die Bibel in gerechter Sprache bemüht sich um eine genaue Übersetzung, weicht jedoch zugunsten des Gerechtigkeitsanspruches an bestimmten Stellen vom Griechischen ab. „Neues Leben“ bemüht sich um eher umgangssprachliches Deutsch und weist daher stärkere Abweichungen auf. Die Gütersloher Erzählbibel ist eine Nacherzählung und achtet daher nicht auf genaue Übersetzung. Ihr geht es darum, die Geschichte lebendig und erklärend zu erzählen. Dabei interpretiert und deutet sie auch bestimmte Sachverhalte.

3. Literarkritik

Da möglicherweise mehrere Autoren an einem Bibeltext gearbeitet haben, untersucht die Literarkritik den Text auf Einheitlichkeit. Findet man Bruchstellen, ist das ein Hinweis darauf, dass der Text eventuell aus mehreren Stücken zusammengefügt wurde.[8]

3.1. Kontextkritik

Um den Text von anderen Passagen abzugrenzen, werden Anfang und Ende der Texteinheit gesucht. Dies geschieht, indem man untersucht, inwiefern der Text auf vorausgegangene bzw. auf folgende Texte Bezug nimmt.[9]

Lukas teilt sein Evangelium in drei große Teile. Der zweite Teil, der sogenannte „Reisebericht“, erstreckt sich von Lk 9,51-19,28 und besteht überwiegend aus Sondergut und Q-Überlieferungen.[10] Klostermann bezeichnet diese Perikope, genau wie Rengstorf[11] als eine Variante zu den Stellen Lk 6,6 und Lk 14,1, in denen ebenfalls von einer Sabbatheilung die Rede ist.[12] Josef Ernst allerdings sieht keine Abhängigkeit von diesen Perikopen. Für ihn steht Lk 13,10-17 in Zusammenhang mit der vorigen und ist daher vom Thema der Unbußfertigkeit bestimmt. Er teilt die Perikope in drei Teile: 10-13 schildert die Wunderheilung, 14-16 das Streitgespräch und Vers 17 die Schlusswendung.[13] Bovon deutet den Schlussvers gleichzeitig als Überleitung zur neuen Perikope. Die Freude der sich dem Vorsteher abgewendeten Menge ist von der Freude des neu angebrochenen Reiches, und damit eschatologisch bestimmt. Davon handelt die folgende Perikope: das Gleichnis vom Senfkorn.[14] Ein weiteres Indiz, dass der Text auf den vorhergehenden Bezug nimmt, bemerkt Heidi Torgerson. Sie schreibt, dass die Zahl 18 möglicherweise in Verbindung mit den 18 Personen, die in Siloah getötet wurden, gesehen werden kann (Lk 13,4). Diese starben nicht aufgrund von Sünde und Schuld. In Verbindung zu der gekrümmten Frau kann dies so interpretiert werden, dass ihre Krankheit keine Folge von Sünde und Schuld ist und daher auch nicht als Bestrafung gesehen werden darf.[15]

[...]


[1] Vgl. Das Neue Testament, Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch, Griechischer Text: Nestle-Aland-Ausgabe, übersetzt von Ernst Dietzfelbringer, vierte, vom Übersetzer korrigierte Auflage. Stuttgart 1990, S. 7-11

[2] Vgl. Bail, Ulrike u. a. (Hrsg.): Bibel in gerechter Sprache. Gütersloh, 2006. S. 5

[3] Vgl. Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, rev. Fassung von 1984. Stuttgart 1999, S. 5

[4] Vgl. Die Bibel mit Konkordanz und Personenlexikon. Elberfelder Übersetzung,, 9. Auflage der Standardausgabe 2003. R Brockhaus Verlag Wuppertal 1985/1991, S. 5

[5] Vgl. Neues Leben. Die Bibel, Hänssler Verlag Holzgerlingen 2002/2005, S. 7

[6] Vgl. Klöppner, Diana/ Schiffner, Kirsten: Gütersloher Erzählbibel, mit Bildern von Juliana Heidenreich. Gütersloh 2004, S. 5-6

[7] Ebd., S. 376

[8] Vgl. Berg, Horst Klaus: Ein Wort wie Feuer. München 1991, S.48-49

[9] Ebd., S.49

[10] Vgl. Conzelmann, H./ Lindemann, A.: Arbeitsbuch zum Neuen Testament14.Tübingen 1975/ 2004

[11] Vgl. Rengstorf, Karl Heinrich: Das Evangelium nach Lukas, in: Friedrich, Gerhard: NTD16. Neues Göttinger Bibelwerk, Göttingen 1979, S. 170

[12] Vgl. Klostermann, D. Dr. E.: Das Lukasevangelium, in: Bornkamm, Günther: HNT³. Tübingen 1975, S. 144

[13] Vgl. Ernst, Josef: Das Evangelium nach Lukas, in: Kuss, Otto: RNT. Regensburg 1977, S. 421

[14] Vgl. Bovon, Francois: Das Evangelium nach Lukas. Band III/2. Lk 9-51-14,35, in: Brox, Norbert/ Gnilka, Joachim/ Luz, Ulrich/ Roloff, Jürgen (Hrsg.): EKK. Zürich, Düsseldorf, Neukirchen 1996, S. 404-405

[15] Vgl. Torgerson, Heidi: The Healing of the Bent Woman: A Narrative Interpretation of Luke 13:10-17, in: Currents in Theology and Mission, 32/3 (2005), S. 179

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640167739
ISBN (Buch)
9783640232123
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115161
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Schlagworte
Exegese

Autor

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