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Probleme der Abrüstung und Rüstungskontrolle biologischer Waffen

Hausarbeit 2007 20 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Definition von biologischen Waffen

3. Biowaffen-Erreger
3.1. Milzbrand
3.2. Pest
3.3. Pocken

4. Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen
4.1. Entstehung des Verbots biologischer Waffen
4.2. Die Effektivität des internationalen BW-Verbots

5. Zur Geschichte biologischer Waffen
5.1. Einsatz biologischer Waffen zum II. Weltkrieg
5.2. Einsatz biologischer Waffen nach dem II. Weltkrieg
5.2.1. Vorwürfe der Verletzung der Nicht-Besitz-Norm
5.2.2. Nachgewiesene Verletzungen der Nicht-Besitz-Norm
5.2.3. BW und nichtstaatliche Akteure

6. Fazit

7. Literaturliste

1. Einleitung

Vor über dreißig Jahren, am 26.März 1975, trat das Übereinkommen über das Verbot biologischer und Toxinwaffen in Kraft. Dieses Übereinkommen verbot das erste Mal in der Geschichte die Verwendung von Krankheitserregern und anderen biologischen Agenzien gegen die Menschheit.

„Die Vertragsstaaten dieses Übereinkommens [sind] ... überzeugt, dass eine solche Verwendung [von BW] mit dem Gewissen der Menschheit unvereinbar wäre und dass alles getan werden sollte, um diese Gefahr zu mindern“[1] – so die Präambel des Vertrages. Außerdem gab es nach 1975 keinen einzigen Staat, der gestanden hätte, Biowaffen zu besitzen oder sich darüber geäußert hätte, diese Waffen wären für militärische Zwecke sinnvoll oder angebracht. Es wird damit deutlich, welches Gewicht das Biowaffenübereinkommen in der Geschichte eingenommen hat.

In dieser Hausarbeit soll auf die Frage eingegangen werden, ob das Biowaffenübereinkommen (BWÜ) und alle Mechanismen, die der Vertrag beinhaltet, ausreichend sind, um die Nutzung von Krankheiten zu feindseligen Zwecken - unter Berücksichtigung des geschichtlichen Hintergrundes – zu verbieten. Im ersten Abschnitt werden biologische Waffen definiert. Im zweiten Abschnitt wird am Beispiel von drei ausgewählten Krankheitserregern die Möglichkeiten der Verbreitung, der Wirkung und schließlich des Tötens dieser Krankheitserreger vorgestellt. Im dritten Abschnitt der Arbeit geht es um die Frage der Effektivität des internationalen BW–Verbots. Anschließend wird die Geschichte des Einsatzes biologischer Waffen abgehandelt und am Ende dieser Arbeit ein Fazit gezogen.

2. Definition von biologischen Waffen

Das Biowaffenübereinkommen des Artikels I definiert biologische Waffen wie folgt:

„1. Mikrobiologische oder andere biologische Agenzien...von Arten in Mengen, die nicht durch Vorbeugungs-, Schutz- oder sonstige friedliche Zwecke gerechtfertig sind, sowie
2. Waffen, Ausrüstungen oder Einsatzmittel, die für die Verwendung solcher Agenzien ...für feindselige Zwecke oder in einem bewaffneten Konflikt bestimmt sind“.[2] (BWÜ 1972)

Die Definition in Artikel I des BWÜ erklärt nicht, was biologische Agenzien sind. Es hat sich aber durchgesetzt, dass als biologische Agenzien Stoffe zu bezeichnen sind, die sich im angegriffenen Objekt vermehren, d.h.Viren, Bakterien, Rickettsien und Pilze. Diese allgemein umfassende Definition von biologischen Agenzien ist in der BW-Definition der WHO von 1970 niedergeschrieben:

„Biological agents include those depend for their effects on multiplication within the target organism, and are intended for use in war to cause disease or death in man, animals or plants. “ (World Health Organization 1970: 12)”[3]

Nach Meinung einiger Autoren ist diese Definition zu eingeschränkt.[4] Es stellt sich die Frage, ob Mikroorganismen - wie Protozoen - und Makroorganismen - wie Würmer und Insekten - auch zu den biologischen Agenzien dazu gezählt werden sollten. Aus historischer Sicht gesehen, wird diese Meinung gestützt. Bereits im Ersten Weltkrieg wurde der Einsatz von Kartoffelkäfern in Betracht gezogen.[5]

Es ist unbestritten, dass der Einsatz von Kartoffelkäfern oder Insekten, z. B. Flöhe oder Mücken, als Vektoren und Ausbringungsmittel für biologische Agenzien das BW–Verbot verletzten würde.

Um biologische Waffen noch genauer zu definieren, verwendet der Artikel I des BWÜ das so genannte „General Purpose Criterion“. Biologische Waffen können nicht durch gewisse Mengen oder Arten von biologischer Agenzien charakterisiert werden, „sondern durch die feindselige Nutzung oder die Absicht der feindseliger Nutzung dieser Agenzien“[6]. In der Praxis wird dies so verstanden, dass die Herstellung von biologischen Agenzien nicht verboten ist, wenn sie z. B. für die Produktion von Impfstoffen hergestellt werden. Die Herstellung eines einzigen Milligramms eines biologischen Agenten mit der Absicht der feindseligen Nutzung hingegen, wäre streng verboten.

Die Forschung an biologischen Waffen schafft zusätzlich viel Misstrauen, weil sie mit dem so genannten dual–use Problem behaftet ist. Dies bedeutet, dass das Wissen, das man für ein offensives B–Waffen–Programm benötigt, rein theoretisch auch in der zivilen Forschung angewendet werden könnte. „Nur eine hauchdünne Linie trennt offensive und defensive B–Waffen–Forschung“[7]. Die folgenden zwei Beispiele verdeutlichen diese Problematik der Forschung an biologischen Waffen noch mehr: Das Botulinum-Toxin wird in größeren Mengen für medizinische Zwecke produziert, wobei dies auch als eine potente Toxin–Waffe gesehen werden kann. Selbst Impfstoffe haben dual–use Charakter. Einerseits wirkt die Forschung an einem Impfstoff gegen Milzbrand eindeutig defensiv, da es als Impfstoff für die eigene Streitmacht und Bevölkerung bereitgehalten werden muss, andererseits lässt sich Milzbrand aber auch als Angriffswaffe einsetzen. Es liegt an dem Forscher selbst, ob das Experiment, an dem er derzeitig arbeitet, offensiver oder defensiver Natur ist.[8]

3. Biowaffen-Erreger

Die Kenntnis von Wirkung und Tötung durch biologische Waffen zeigt, wie gefährlich und unberechenbar diese Art von Massenvernichtungswaffen sein kann. Insgesamt werden etwa 10 Bakterienarten, 25 Viren und einige andere Schädlinge als potenzielle Biowaffen sowie etwa 10 Toxine als Toxin–Kampfmittel eingesetzt.[9] Milzbrand, Cholera, Pest, Tularämie, Ebola, Pocken, Pferde-Enzephalitis, Botulinus-Toxin gehören zu den bekanntesten Biowaffen-Agenzien. Am Beispiel von Milzbrand, Pest und Pocken sollen die Möglichkeiten der Verbreitung, Wirkung und schließlich des Tötens dargestellt werden.

3.1. Milzbrand

Milzbrand, bekannt auch als Anthrax, wird durch das Bakterium Bacillus anthracis ausgelöst.

Die wohl bekannteste und wirksamste Methode, Anthrax als Biowaffe einzusetzen, ist die Verbreitung durch die Atemluft. Äußerliche Begleiterscheinungen wie Fieber und Müdigkeit deuten darauf hin, dass die Anthrax–Sporen vor ca. eins bis sechs Tagen eingeatmet wurden. In einzelnen Fällen treten zusätzlich Husten und leichte Brustschmerzen auf. Der Zustand des Betroffenen verbessert sich zunächst, allerdings kommt es danach zu einer plötzlichen Verschlechterung in Verbindung mit starken Atembeschwerden. Der Patient leidet unter starker Atemnot und stirbt innerhalb kurzer Zeit. Die Todesrate bei Inhalation beträgt 100%, bei Aufnahme des Anthrax bei 50%.[10]

Die Behandlung mit Antibiotika hat nur dann eine Wirkung, wenn sie vor dem Auftreten der Symptome durchgeführt wurde. Die Verabreichung der Antibiotika nach dem Auftreten der Symptome führt trotzdem zum Tod des Patienten.[11]

3.2 Pest

Pest, auch „der schwarze Tod“ genannt, wird durch das Bakterium Yersinia pestis ausgelöst. Die auf Nagern lebenden Flöhe übertragen das Bakterium auf den Menschen. Es gibt zwei Arten von Pest: die Beulenpest und die Lungenpest. Für militärische Zwecke eignet sich die Lungenpest dann am besten, wenn sie als Aerosol eingesetzt werden kann. Unauffällig versprühte Pestbakterien in der Luft verbreiten sich sehr schnell, und eingeatmete Pesterreger führen zu der ansteckenden, tödlichen Lungenpest[12].

Bei der Beulenpest setzt nach 2-10 Tagen hohes Fieber und Schmerzen in den Lymphknoten ein. Außerdem treten Pusteln und große schwarze Flecken auf der Haut auf, weswegen die Pest als „der schwarze Tod“ bezeichnet wird. Die durch das gleiche Bakterium verursachte Lungenpest wird durch Bluthusten charakterisiert, welcher zum Zusammenbruch der Atmung führt. Die Todesrate bei Lungenpest beträgt 100%, bei Beulenpest 50%. Trotz der Behandlung mit Antibiotika ist die Sterberate relativ hoch[13].

Wie auf einer zeitgenössischen Darstellung zu sehen ist, wurden Pestbakterien bereits 1346 durch die Tataren bei der Eroberung des genuesischen Außenpostens Kaffa auf der Krim eingesetzt. Pestleichen wurden über die Befestigung des genuesischen Außenposten Kaffa geworfen, wodurch die Pest in der Stadt ausbrach. Die Bewohner der Stadt flohen daraufhin in die italienischen Hafenstädte, von denen damals der größte Seuchenzug auch tatsächlich seinen Ausgang nahm[14]. Zu dieser Zeit ist etwa ein Drittel der Bevölkerung Europas den Folgen der Pest zum Opfer gefallen. Ob der Siegeszug des „Schwarzen Todes“ die Folge biologischer Kriegsführung war, kann heute nicht mehr zweifellos geklärt werden[15].

[...]


[1] Vgl. Hunger, Iris: Ohne Vertrauen keine Kontrolle. Zu Rolle der Vertrauensbildung in der Evolution des Biowaffen – Kontrollregimes, Darmstadt 2003, S. 5.

[2] Vgl. Hunger, Ohne Vertrauen keine Kontrolle, S. 1.

[3] Vgl. ebd., S. 2.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vg. ebd., S.1.

[7] Vgl. van Aken, Jan: Biologische Waffen im 21. Jahrhundert. Vorträge einer Tagung am Hygiene-Museum, 9. Juni 2001. S. 2.

[8] Vg. van Aken, Biologische Waffen im 21. Jahrhundert, 9. Juni 2001.

[9] Vgl. Der aktuelle Begriff 2001/2002. Wirtschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Berlin 2002, S. 266.

[10] Vgl. The sunshine project: Biowaffen-Erreger. Wie sie wirken, wie sie töten. Einige ausgewählte Biowaffen-Agenzien. 27. September 2001. S. 1.

[11] Vg. The sunshine project, Biowaffen-Erreger, S. 1.

[12] Vgl. Geißler, Erhard: Schwarzer Tod und Amikäfer – Biologische Waffen und ihre Geschichte. Anmerkung einer Ausstellung. Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin 2001, S. 3.

[13] Vgl. The sunshine project, Biowaffen-Erreger, S.1.

[14] Vgl. Geißler, Schwarzer Tod und Amikäfer, S. 3-4.

[15] Vgl. Geißler Erhard: Zur Geschichte der biologischen Waffen bis 1945. Dresden 2001. S. 2.

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640168392
ISBN (Buch)
9783640168385
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115268
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Sozialwissenschaften
Note
2
Schlagworte
Probleme Abrüstung Rüstungskontrolle Waffen Beispielen

Autor

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Titel: Probleme der Abrüstung und Rüstungskontrolle biologischer Waffen