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Über Emotionale Intelligenz

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 26 Seiten

Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Modell von emotionaler Intelligenz nach Salovey & Mayer

3. Golemans Modell von emotionaler Intelligenz
3.1 Selbstwahrnehmung
3.2 Selbstregulierung
3.3 Motivation
3.4 Empathie

3.5 Soziale Kompetenz

4. Empirische Studien zur Emotionalen Intelligenz
4.1 Studie 1
4.2 Studie 2
4.3 Studie 3

5. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff der Emotionalen Intelligenz wurde zum ersten Mal 1990 von Salovey & Mayer in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt. Allerdings gab es schon zuvor in der Emotions- bzw. Intelligenzforschung verschiedene Ansätze, die in eine ähnliche Richtung zielten. Einem breiten Publikum wurde die Emotionale Intelligenz (EI) jedoch erst durch Daniel Golemans gleichnamigen populärwissenschaftlichen Bestseller (1995) bekannt. Golemans Konzept der EI stützt sich im Wesentlichen auf die Thesen von Salovey & Mayer, setzt aber darüber hinaus noch eigenständige Akzente.

Vorläufer zur EI finden sich bereits1927 bei Thorndike und dessen Theorie einer „sozialen Intelligenz“, die jedoch im damaligen Wissenschaftsbetrieb auf wenig Resonanz stieß. Stattdessen bestimmte über Jahrzehnte eine analytisch-logisch ausgerichtete Intelligenz-Theorie die Psychologie. (Bezeichnend hierfür lässt sich die Bedeutung des IQ-Tests als „Prognose-Instrument“ für schulische Leistungen anführen (Nettelbeck & Wilson, 2005).) Emotionen wurden dabei eher als störend oder hinderlich empfunden und schienen mit einem objektiven Verständnis von Wissenschaft unvereinbar.

Über Emotionen wurde natürlich auch schon vorher geforscht. Um 1884 entwickelten William James und 1885 Carl Lange unabhängig voneinander eine Emotionstheorie (James-Lange-Theorie), wonach physiologische Prozesse für die Entstehung von Gefühlen maßgeblich seien. James stellte sogar die These auf, dass Weinen nicht aus Traurigkeit resultiere, sondern vielmehr Traurigkeit eine Folge des Weinens sei (Wygotski, 1964). Jedoch konnte diese These nicht aufrecht erhalten werden, da spätere Forschungen ergaben, dass physiologische Reaktionen oft langsamer verlaufen als das Erleben von Gefühlen. So konnte z.B. Walter Cannon nachweisen, dass sich der Herzschlag bzw. die Darmaktivität erst nach einem Schreckerlebnis deutlich erhöhten (Huber, 1996).

Bis heute sind allerdings die Wechselwirkung von Kognition und Emotion nicht vollständig geklärt. Als sicher gilt aber, dass das emotionale und das kognitive System unabhängig voneinander agieren können (Damasio, 1994).

In seinem 1954 (in französischer Sprache) veröffentlichten Aufsatz über: „Intelligenz und Affektivität in der Entwicklung des Kindes “ resümierte Jean Piaget, dass es „weder einen Gefühlszustand ohne Beteiligung der Intelligenz noch das Umgekehrte“ (Piaget, 1995, S.22) gäbe. Er vertrat die These, dass die Affektivität als eine Art Energiequelle anzusehen sei, während die Intelligenz den strukturellen Rahmen für Denken und Handeln darstelle. In seinen Augen könne Affektivität geistige Prozesse forcieren bzw. verlangsamen ohne dabei die kognitiven Strukturen als solche zu beeinträchtigen.

Demgegenüber entwickelte Jean-Paul Sartre eine Theorie des „emotionalen Bewusstseins“, das spezifische Wissens- und Erkenntnisstrukturen aufweise. Dies bilde emotionale Beziehungsmuster aus und sei ausschlaggebend für Gefühle des persönlichen Involviert- bzw. Betroffen-Seins (Sartre, 1982). Sartre verknüpft in Anlehnung an Husserls phänomenologischen Ansatz die Frage nach dem Wesen der Emotionen mit der Struktur des Bewusstseins. So versucht er aus existenzialistischer Perspektive die Bedeutung dieser Fragestellung für unsere Vorstellung vom Sein zu analysieren. Ob es Bewusstsein ohne Emotion überhaupt geben kann, ist seit jeher von grundlegender Bedeutung für Philosophie, Ethik und in neuerer Zeit auch für die kognitiven Neurowissenschaften (Goleman, 2005; Varela, 1994). (Dies zeigen nicht zuletzt die „Mind and Life-Dialoge“ von angesehenen westlichen Wissenschaftlern mit dem Dalai Lama, in denen insbesondere auch interkulturelle Besonderheiten bezüglich der Auffassung bzw. des Umgangs von Gefühlen diskutiert werden (Goleman, 2001; Goleman, 2005).)

In den letzten beiden Jahrzehnten hat vor allem die Hirnforschung dazu beigetragen bislang hypothetische Annahmen über die Funktionsweise von Emotionen präziser zu spezifizieren. Demnach werden verschiedene Aufgaben unterschiedlichen Hirnarealen im emotionalen bzw. kognitiven System zugeordnet. Die fundamentalste ist die Unterscheidung von linker und rechter Gehirnhemisphäre, wobei die linke vor allem mit logisch-analytischen, sprich kognitiven Prozessen einhergeht, während die rechte vor allem mit gefühlsmäßiger Wahrnehmung, musischer Kreativität und intuitivem Denken assoziiert wird. Darüber hinaus hat man aber inzwischen noch wesentlich weitreichendere Erkenntnisse gewonnen. So lassen sich unterschiedliche Arten von Intelligenz schon aus der verschiedenen Aktivität von Teilen des Gehirns bei vorwiegend intellektuell bzw. emotional ausgerichteter Tätigkeit nachweisen. Dabei fungiert der Neokortex (äußere Schichten des Gehirns) als Zentrum des Intellekts, während die emotionale Schaltzentrale vorwiegend im limbischen System bzw. Subkortex lokalisiert ist. Nach Goleman basiert die Emotionale Intelligenz auf dem harmonischen Zusammenspiel der emotionalen und intellektuellen Zentren (Goleman, 1999).

Bereits 1983 hatte Howard Gardner ein Modell der „vielfachen Intelligenz“ entworfen, das verbale, mathematisch-logische, räumliche, kinästhetische, musikalische und personale (differenziert in interpersonale und intrapersonale) Fähigkeiten umfasste. Damit versuchte er der vorherrschenden Meinung und Test-Praxis entgegenzuwirken, wonach Intelligenz „anhand von Reaktionszeiten oder Hirnwellen gemessen werden“ (Gardner, 1991, S.10) könne. Er ließ sich vor allem von einem pädagogischen Interesse leiten, da ihm daran lag, Kinder hinsichtlich ihrer schulischen Fähigkeiten nicht lediglich aufgrund ihrer logisch-analytischen Begabung zu beurteilen. Dazu entwickelte der Harvard-Psychologe auch eigens einen Spektrum-Test (in Anlehnung an den Stanford-Binet-IQ-Test), der bezüglich der Testresultate auch keine Korrelation zum IQ-Test aufwies.

Gardner maß zwar den Emotionen in seinem Intelligenzmodell eine wesentliche Rolle zu, jedoch war er der Ansicht, dass sie sich wissenschaftlich nicht zuverlässig analysieren ließen. Von daher favorisierte er eher die Analyse von Metakognitionen über Emotionen als Emotionen als solche zu untersuchen.

So waren es schließlich Salovey & Mayer (1990), die ausgehend von Gardners personaler Intelligenz (in seinem vielfachen Intelligenzmodell) die Theorie der Emotionalen Intelligenz entwarfen (Goleman, 2001).

2. Das Modell von emotionaler Intelligenz nach Salovey & Mayer

Seit ihrer ersten Veröffentlichung (1990) eines Konzeptes zur Emotionalen Intelligenz (siehe Abbildung 1) verfeinerten Salovey & Mayer kontinuierlich ihr Modell.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modell von emotionaler Intelligenz ( Salovey & Mayer, 1990)

Schon bald nach Veröffentlichung ihrer ersten, weit gefassten Rahmen-Theorie zur EI, hielten sie es für angemessener ihr Konzept zur EI lediglich auf mentalen Fähigkeiten aufzubauen und diese von charakterlichen Merkmalen wie Wärme, Aus-sich-heraus-gehen-können (outgoingness) bzw. Ausdauer abzugrenzen (Mayer, J.D., Salovey, P. & Caruso, D. ; 2000). Auf diese Weise sei es leichter zu analysieren, bis zu welchem Grad die untersuchten Merkmale jeweils das Verhalten einer Person und deren Kompetenz mit dem Leben umzugehen, beeinflussen (Mayer & Salovey, 1993; 1997).

Einen schematischen Überblick über ihr elaboriertes EI-Modell bietet die folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Modell von emotionaler Intelligenz aus Mayer & Salovey (1997), verfügbar unter:

http://www.b-janke.de/SS2000_1schemasal.htm

3. Golemans Modell von emotionaler Intelligenz

Golemans Modell der EI unterscheidet sich in gewisser Hinsicht von Mayer & Salovey. Es lässt sich nach Mayer & Salovey als ein gemischtes Modell verstehen, das zum einen mentale Fähigkeiten und zum anderen eine Reihe anderer Merkmale wie Motivation, Bewusstseins-zustände (z.B. „flow“) und soziale Aktivität gleichwertig mit einbezieht (Mayer, Salovey & Caruso, 2000).

Dabei gliedert Goleman EI in fünf übergeordnete Bereiche:

1. Selbstwahrnehmung

Sich darüber bewusst sein, was wir im Augenblick empfinden und diese emotionalen Präferenzen auch stets in anstehende Entscheidungen einfließen zu lassen. Wer fähig ist seine eigenen Gefühle zu beobachten, gelangt dadurch auch zu einer realistischen Einschätzung seiner Fähigkeiten und gewinnt auf diese Weise Vertrauen zu sich selbst.

2. Selbstregulierung

Mit den eigenen Gefühlen in angemessener Weise umgehen können, so dass sie uns bei der Bewältigung von Aufgaben unterstützen. Die Fähigkeit sich selbst zu beruhigen, emotionale Anspannung aufzulösen und sich wieder zu regenerieren. Sich nicht von Depressionen bzw. Schwermut niederdrücken zu lassen, sondern gewissenhaft und beharrlich seine Ziele zu verfolgen.

3. Motivation

Sich von persönlichen Präferenzen auf seine Ziele hin leiten zu lassen. Sich selbst ermutigen, Initiative zu ergreifen und sich emotional in einen fließenden Zustand („flow“) versetzen zu können. Aber auch Belohnungen und Impulsivität aufzuschieben und auf diese Weise, trotz möglicher Schwierigkeiten, eine optimale Leistung zu erzielen suchen.

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640170487
ISBN (Buch)
9783656035060
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115584
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Emotionale Intelligenz Entwicklung Förderung Kompetenzen

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