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Unterrichtsstunde, katholische Religion: Mose wird durch Gott gerettet

Unterrichtsentwurf 2008 10 Seiten

Theologie - Didaktik, Religionspädagogik

Leseprobe

1. Thema der Unterrichtseinheit

Mose - Gott ruft sein Volk aus Ägypten. (Das Buch Exodus)

1.1. Thema der Unterrichtsstunde

Mose wird durch Gott gerettet.

1.2. Stellung der Unterrichtsstunde in der Unterrichtseinheit

—- Die Israeliten in Ägypten.
—- Mose wird durch Gott gerettet.
—- Die Flucht nach Midian.
—- Gott offenbart sich Mose im brennenden Dornbusch.
—- Auseinandersetzung mit dem Pharao.
—- Mose führt das Volk Israel in die Freiheit.
—- Der lange Weg durch die Wüste.
—- Der Bund Gottes mit Israel am Berg Sinai.

2. Erwartete Kompetenzen bezogen auf die Unterrichtseinheit

Die Schülerinnen und Schüler[1] fragen nach Gott und können Erfahrungen mit Gott ausdrücken. Sie kennen und deuten biblische Texte.[2] Sie geben die wichtigsten Elemente und das Gottesbild (Gott der Befreiung) wieder.[3]

2.1. Erwartete Teilkompetenzen bezogen auf die Unterrichtsstunde

Die Schüler erkennen, dass Gott Mose durch das Handeln von Menschen rettet.

2.2. Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten

Die Schüler erinnern wesentliche Inhalte der letzten Stunde und stellen sie dar.

Sie erkennen die lebensbedrohliche Situation, in der Mose sich befindet.

Die Schüler setzen sich empathisch mit der Situation der Mutter, der Tochter und des Kindes auseinander. Sie lassen sich auf die Erzählung ein und suchen nach Lösungsmöglichkeiten, das Kind zu retten.

Sie erkennen, dass nur ein großes Gottvertrauen den Gefahren entgegengesetzt werden kann, das Kind auf diese Weise zu retten.

3. Überlegungen zum Bedingungsfeld

3.1. Allgemeine Angaben zur Lerngruppe

3.2. Angaben zum Sozialverhalten

3.3. Angaben zum Lern- und Leistungsverhalten

3.4. Lernvoraussetzungen für diese Stunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Sachanalyse

(Siehe Anhang: „Jugend und Berufung des Mose, Geburt des Mose“, Ex 2, 1-10 [4] )

Bei dem Buch Exodus[5] handelt es sich um das zweite Buch des Pentateuchs. Der Titel Exodus bringt das zentrale Thema zum Ausdruck, den Auszug der Israeliten aus Ägypten unter der Führung des Moses. Dargestellt werden hier die Ereignisse von der Entstehung des Volkes Israels bis hin zum Schluss des Bundes am Berg Sinai. Im Mittelpunkt des Buches steht das Handeln Gottes, der die Hebräer von Sklaverei befreit und die Befreiten als sein Volk einsetzt. Durch die Übergabe des Dekalogs, der Gesetzgebung der Zehn Gebote, wird die neu gewonnene Freiheit des Volkes und der Bund zwischen Gott (Jahwe) und dem Volk Israel besiegelt.

Die Befreiung des Gottesvolkes beginnt im zweiten Kapitel mit der Geburt und der Rettung Moses. Obwohl Gott selbst in dieser Erzählung nicht erwähnt wird, ist sein Wirken nach außen hin erkennbar: Er handelt durch die Personen, die in Ex 2, 1-10 vorkommen. Besondere Bedeutung kommt hierbei den an Moses Rettung beteiligten Frauen zu, der Mutter, der Schwester Miriam [6] und der Tochter des Pharaos.

Bei Ex 2, 1-10 handelt es sich um einen stilisierten Bericht über die Geburt und die Erziehung Moses. Mose gilt als „literarische Gestalt und Kristallisationsfigur“.[7] In der Familie des Mose spiegelt sich das durch die Unterdrückung des Pharaos hervorgerufene Leid des ganzen Volkes Israel wider. Wie bei den unterdrückten Hebräern insgesamt lebt trotz des Tötungsgesetzes des Pharaos die Familie weiter und auch ein Kind wird in dieser belastenden Zeit in die Familie geboren.

4.1. Exegese Ex 2, 1-10

Der Vers 1 beginnt mit der Nachricht über die Heirat von Moses Eltern . Die Namen der Eltern Moses werden nicht genannt. Es heißt, Moses Eltern seien aus levitischer Familie.[8]

Vers 2 zeigt, wie die Freude der Mutter über das neugeborene Kind einhergeht mit der Trauer, es vor den Soldaten des Pharaos verbergen zu müssen. Die Mutter nimmt den Kampf für ihr neugeborenes Kind auf und versucht es durch die Aussetzung in einem Binsenkorb zu retten (Vers 3). Ein ungewisses Schicksal erscheint ihr besser als der sichere Tod ihres Kindes und so legt sie den Binsenkorb in das Schilf am Ufer des Nils. In diesem Moment kann sie nicht wissen, dass sie ihr Kind abgibt, um es wiederzubekommen. Für das Binsenkästchen, in das Mose hineingelegt wird, wird im Alten Testament das gleiche Wort, tebah (hebr.: tebah = Kasten), gebraucht, mit dem schon in Ex 1,6 die Arche Noahs bezeichnet wird. Das zum Symbol für Gottes Fürsorge gewordene Wort ist auch in der Geburtsgeschichte des Mose ein Bild der Rettung.[9]

In Vers 4 wird die Schwester Moses erwähnt. Ihr kommt eine entscheidende Schutzfunktion zu. Sie überlässt ihren Bruder nicht seinem Schicksal. Nun wird das Handeln Gottes deutlich sichtbar, das sich auch durch das Tötungsgesetz des Pharaos nicht einschränken lässt (Vers 5). Die Prinzessin erkennt, dass er ein hebräisches Kind ist (Vers 6) . Dass trotzdem Mitleid in der Tochter des Pharaos geweckt wird, ist insofern bedeutsam, dass man annehmen könnte, durch die Unterdrückung der Hebräer durch ihren eigenen Vater sei auch sie mit Abneigung belastet.[10] In dem Moment, als sie das Kind als ein Hebräisches erkennt, steht sie eigentlich unter dem Tötungsbefehl ihres Vaters. Die Tochter des Pharaos rettet aber das Kind, weil sie einen Menschen in ihm sieht und keinen Feind Ägyptens.[11] Die Schwester Miriam fasst diesen Augenblick in die Worte: Soll ich zu den Hebräerinnen gehen und dir eine Amme rufen, damit sie dir das Kind stillt? (Vers 7). „Ihre Größe liegt darin, dass sie in der Tochter des Pharaos eine Frau sieht und nicht eine Vertreterin der feindlichen Macht.“[12] So wird das Kind nach seiner Rettung im Auftrag der Tochter des Pharaos seiner eigenen Mutter zum Stillen anvertraut (Vers 9). Hierbei erfährt die Tochter des Pharaos nicht, dass es sich bei der hebräischen Amme um die Mutter des Kindes handelt und sie ist voll Vertrauen zu ihr. Auch die Mutter handelt im Vertrauen zur Tochter des Pharaos, die ihr eigentlich als Feindin erscheinen müsste. So versteckt sie ihr Kind nicht, sondern bringt es wie gewünscht zur Tochter des Pharaos zurück, als es nicht mehr gestillt werden muss (Vers 10). Die Pharaonentochter nimmt das Kind bei sich auf, sodass der spätere Gegenspieler des Pharaos gerade unter dessen Obhut heranwachsen wird. Sie gibt ihm den Namen Mose. Der Name gibt eine sowohl eine etymologische als auch theologische Deutung: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen (Vers 10). „Das ägyptische Wort mos = Sohn kann möglicherweise zu moscheh hebräisiert worden sein, dem das Verb mascha = herausziehen zugrunde liegt. Moscheh, ... = ein Herausziehender, deutet demnach möglicherweise auf die Bedeutung Moses für das hebräische Volk hin und so kann seine Errettung als prophetisches Zeichen der Errettung Israels gelesen werden ... In Mose, dem Herausgezogenen ist Jahwe, der Herauszieher am Werk.“[13]

5. Didaktische Überlegungen

Das Fach Katholische Religion wird an in dieser Klasse 5/6/7 nach den curricularen Vorgaben für die Hauptschuljahrgänge 5/6[14] und nach den Rahmenrichtlinien für die Hauptschule[15] unterrichtet. In den curricularen Vorgaben findet sich die zentrale Aussage des Buches Exodus im verbindlichen Themenbereich Gott entdecken – an Gott glauben wieder: „Jahwe – ich bin für euch da.“[16] In den Rahmenrichtlinien findet sich die Exodusgeschichte unter dem Thema Unterwegs zur Freiheit wieder. Der „Aufbruch in die Freiheit bedeutet: Auszug aus Sicherheiten und Übernahme von Verantwortung“[17]. (Sinnvollerweise wird eine Anknüpfung zum Themenfeld der curricularen Vorgaben „Angst haben – Vertrauen gewinnen (5/6)“ [18] empfohlen.)

„Schüler bewegen Fragen wie: Wo ist Gott? Wie ist Gott? ... Warum hilft Gott manchmal nicht? Warum lässt Gott Böses zu? Wie kann man mit Gott reden?“[19] Dabei werden im Verlauf des Lernprozesses Erfahrungen Anderer zur Kenntnis genommen und einbezogen, sodass die schülereigenen Vorstellungen geöffnet und erweitert werden. „Sie werden an biblische Gottesbilder herangeführt, vergleichen diese und beziehen sie auf ihre eigene Lebenssituation. Der Glaube an Gott wird als Grundlage eines zuversichtlichen Lebens angeboten.“[20]

„Zentrale Aussage der Exodus-Geschichte ist, dass JAHWE, der Gott der Israeliten, einer ist, der befreit, der ein freies Volk will, der sich im Verborgenen zeigt und der seinem Volk eine lebensstiftende Ordnung gibt.“[21] Die Schüler kennen aus einer vorangegangenen Unterrichtsreihe die Josefserzählungen ("Väter-Erzählungen"). Die Mose-Erzählung knüpft inhaltlich und zeitlich chronologisch an die Josefserzählung an.

Das zentrale Medium dieser Stunde ist die Lehrer-Erzählung Ex 2, 1-10 und deren unterstützende Begleitung durch sog. Stellfiguren (siehe methodische Überlegungen) im Sinne eines performativen Religionsunterrichts. Die Lehrer-Erzählung ist gewählt, weil „die Bedeutung des religiösen Weltzugangs ... sich nicht allein auf argumentativem Weg demonstrieren (lässt). Um wirklich zu begreifen, was geschieht, wenn man diesen Zugang beschreitet, muss man etwas (hören), sehen, fühlen und erleben können.“[22] Die Lehrer-Erzählung ermöglicht diesen emotionalen religiösen Weltzugang.

In der Exoduserzählung spielt Mose die zentrale Rolle. Ex 2,1-10 ermöglicht den Schülern Problemfelder menschlicher Grunderfahrungen kennenzulernen, nämlich äußerste existenzielle Not in einer schier aussichtslosen Situation durch Ausgrenzung und Tötungsabsicht. In dieser Unterrichtsstunde wird das Leid des ganzen Volkes Israel in der Familie des Mose und vor allem in ihm selbst personalisiert. Die Schüler erleben, wie Mose in eine fremdenfeindliche Umgebung hineingeboren wird. Das Volk der Israeliten unterliegt jetzt als Ausländer im Reich Ägypten der Macht des Pharaos, der das größer werdende Volk der Israeliten durch Tötungsabsicht letztendlich vernichten will.

Auch im familiären und persönlichen Kontext der Schüler gibt es soziale und wirtschaftliche Abhängigkeiten und (fremden-) feindliche, ausgrenzende und ungerechte Umgebungen/Situationen. Selbst der Umstand, dass sie eine Förderschule besuchen, wird ihnen häufig tatsächlich oder subjektiv so empfunden als Makel gespiegelt. „In hohem Prozentsatz stammen die Kinder der Förderschule aus Familien, die unter vielfältigen Formen der Unfreiheit und Unterdrückung leiden“[23]: Geringe Familieneinkommen, Arbeitslosigkeit, Einschränkungen bei der Integration von Migranten, Bildungsferne, Unkenntnis der Rechte und Pflichten als Kind und Mensch. Die erlebten Einschränkungen der Teilhabe am Leben, die erlebten Formen von Ablehnung, Ausgrenzung und Chancenungleichheit lassen den Wunsch nach Veränderung, Auflehnung und Befreiung, aber auch das Gefühl der Resignation und des Selbstzweifels verständlich erscheinen. Schüler erleben häufig den Druck der Anforderungen in Schule und Familie und die Abhängigkeit von den Erwachsenen, spüren das wachsende Bedürfnis nach Eigenständigkeit und Freiheit, erleben häufig Ohnmacht und vor allem Unsicherheit, hinsichtlich der heraufziehenden Anforderung nach Selbstständigkeit. Die Schüler kennen Ausgrenzung, Abhängigkeit und die damit verbundene Angst auch aus der Schule. Man kann auch sagen, die Schule ist ein Ort, an dem sich das Exodusthema der Ausgrenzung und Abhängigkeit immer wieder ereignet, sodass sich die Frage stellen lässt: „Aus welchem Ägypten sollen wir alle Tage neu ausbrechen?“[24]

„In der Mose-Erzählung erfahren sie, dass Gott (Jahwe) die Menschen schützt, ihnen andere Menschen zur Hilfe schickt und sie nicht alleine lässt. Sein Schutz ist zugegen, obwohl Gott in dieser Geschichte gar nicht erwähnt wird.“[25] So wie Gott durch Miriam, die Mutter und die Tochter des Pharaos seine schützende Hand über Mose hält, so kann jeder im Vertrauen auf Gott seinen Weg gehen, er hält seine schützende Hand über uns. Die vorliegende Geschichte ist „... Beispiel und Leitlinie für ein Leben im Vertrauen auf Gott ...“[26]

Im Unterschied zu anderen biblischen Erzählungen ist diese Mose-Erzählung gerade auch für Schülerinnen sehr bedeutsam. Wie in den allermeisten biblischen Erzählungen üblich, finden sich in der Geschichte von Moses Geburt und Rettung nicht Männer in den Hauptrollen, sondern Frauen. Frauen, die aus und mit Gottvertrauen und eigenem Verantwortungsbewusstsein selbst handeln (Siehe auch Endnote [27] ).

6. Methodische Überlegungen

In der vorangegangenen Stunde haben die Schüler die Bedingungen des israelischen Volkes in Ägypten unter der Herrschaft des neuen Pharaos kennengelernt. In dieser Stunde wird die Situation des gesamten Volkes auf eine hebräische Familie des Mose heruntergebrochen, personalisiert. Zunächst erinnern die Schüler den aktuellen Stand der biblischen Geschichte. Zur Unterstützung nutzen sie das Stundenbild der vergangenen Stunde, auf dem die Person des Pharaos, eine Abbildung einer Skulptur des Ramses II, und die Unterdrückung der Israeliten in einer zeitgenössischen Darstellung von Bau- und Feldarbeiten dargestellt werden.

Das zentrale Medium diese Stunde ist die Lehrer-Erzählung. „Das Erzählen ist der Königsweg zu biblischen Geschichten“.[28] Inhalt der freien Lehrer-Erzählung ist die Bibelstelle Ex 2, 1-10. Durch freies Erzählen gelingt die Einbindung der Schüler besser und intensiver, weil wichtige Signale wie Blickkontakt, Mimik und Gestik besser wahrgenommen werden können. Während der Erzählung ist es gewünscht, dass die Schüler sich an der Erzählung aktiv beteiligen, indem sie Betroffenheit, Empfindungen, Gedanken und Lösungsvorschläge äußern und beisteuern. „Wenn anschaulich erzählt wird, hat der Schüler das Bedürfnis, sich aktiv mit dem Dargebotenen auseinanderzusetzen.“[29] Spontanäußerungen sind daher erwünscht, weil man an ihnen ablesen kann, wie die Erzählung selbst bei den Schüler emotional ankommt.

In Schlüsselszenen wird die Lehrer-Erzählung unterbrochen und die Schüler werden bewusst eingebunden, um in der Beantwortung folgender Fragen die Erarbeitung des nächsten Handlungsschrittes zu ermöglichen und führen zur Erarbeitung des Glaubensgehalt des Bibeltextes. Die Fragen zu den Schlüsselszenen sind: Wie kann man das Kind vor den heranrückenden Soldaten verstecken? Welche Gefahren machen ein Aussetzen auf dem Nil eigentlich unmöglich? Warum entscheidet sich die Mutter dennoch für diesen Weg? Was kann Miriam der Tochter des Pharaos entgegnen, um ihren Bruder zu retten?

Das Erzählen wird in dieser Stunde durch Stellfiguren unterstützt (siehe Anhang). Stellfiguren helfen bei der Personalisierung des Geschehens und haben einen hohen Motivations- und Wiedererkennungswert. Die Stellfiguren holen die Handlung und die Handelnden der biblische Geschichte sozusagen in ein dreidimensionales Modell; dadurch werden sie vorstellbarer, begreifbarer. So unterstützen die Stellfiguren die Aktivierung von Assoziationen und Vorerfahrungen der Schüler. Sie lenken den Aufmerksamkeitsfokus auf den Inhalt und die Chronologie der Geschichte und unterstützen die Schüler bei der Erarbeitung und der Diskussion von Alternativen und Lösungen zum Thema. Außerdem ermöglichen sie die Identifikation mit der Situation und den Handelnden selbst. Die Stellfiguren erlauben weiter spontane Eingriffe/Korrekturen in das Geschehen durch die Schüler. Handlungsalternativen können so konkret umgesetzt, diskutiert, angenommen oder verworfen werden.

Zu Beginn der Erzählung werden die zentralen Handlungsträger der Lehrer-Erzählung, die Tochter Miriam und die Mutter als Stellfiguren vorgestellt. Sie wohnen in einem Haus am Nil. Die Figuren des Vaters und des Bruders Aaron werden, so wie im Bibeltext auch, nicht präsentiert; sie befinden sich auf der Baustelle und arbeiten dort als Sklaven, ist eine für die Schüler nachvollziehbare Erklärung. Damit die Schüler den szenischen Überblick behalten, ist die Landschaft der Szene auf die wesentlichen Details, Haus, Fluss und Schilf, didaktisch reduziert.

Die Familie hat Nachwuchs erhalten, einen kleinen Sohn. Hier werden die Schüler mit der Tötungsabsicht des Pharaos konfrontiert. Die Soldaten des Pharaos ziehen mit dem Auftrag los, alle neugeborenen Jungen in den Nil zu werfen. Gemeinsam werden wir überlegen, wie die Mutter das Kind z. B. durch Verstecken/Verbergen retten kann. Dagegen spricht, dass das Kind älter wird und durch z. B. Schreien die Soldaten alarmieren kann. Die Stellfiguren der Soldaten werden immer näher an das Haus der hebräischen Familie gerückt. Dies unterstützt die inhaltliche und szenische Dramatik und stellt den Entscheidungsdruck der Mutter dar. Das Kind kann einfach nicht länger im Haus versteckt werden. Die Mutter spielt mit dem Gedanken, es in einen Korb zu legen und im Schilf des Nils zu verstecken. In der Lehrer-Erzählung weist Miriam auf die Gefahren des Plans hin. An dieser Stelle werden die Schüler aufgefordert, im Sinne eines Perspektivenwechsels mit Miriam, in ihren Gruppen Gefahren zu bennen: z. B. wilde Tiere/Krokodile, gefährliche Strömungen, Ertrinkungsgefahr, Entdeckungsgefahr durch Fremde, etc.. Dies dient der Vorbereitung der gemeinsamen Erarbeitung an der sog. „Entscheidungswaage“.

Diese Visualisierung der Gewichtung von Argumenten kennen die Schüler aus anderen Religionsstunden. Die „Entscheidungswaage“ ist die Darstellung einer einfachen Balkenwaage, an deren Ausschlägen die Worte Gefahr und Hoffnung stehen. Die Schüler heften ihre Wortkarten unter den Ausschlag Gefahr. Der Balken zeigt eindeutig auf die Gefährlichkeit und Unmöglichkeit des Plans der Mutter hin, ihr Kind auf diese Weise zu retten. Mit den Schülern ist zu überlegen, ob es gewichtige Gründe gibt, die zur Hoffnung auf Erfolg der Rettung geben kann. Die Frage: “Worauf vertraut die Mutter, dass sie trotzdem ihr Kind aussetzt?“, kann nur mit: „Sie vertraut auf Gott“ beantwortet werden. Diese Aussage wird in entsprechender Größe ebenfalls fixiert und als (ge-)wichtigstes Argument auf die „Entscheidungswaage“ gelegt. Nur so kann die „Entscheidungswaage“ zur Seite Hoffnung ausschlagen. An dieser Stelle soll den Schülern deutlich werden, dass die Mutter durch ihr Gottvertrauen Hoffnung auf Rettung hat.

Die Stellfiguren der Soldaten nähern sich weiter dem Haus der Familie. Die Stellfigur des Kindes wird in das Schilf des Nils versteckt, von Miriam aus sicherer Entfernung weiter beobachtet und schließlich von der Tochter des Pharaos entdeckt. Auf die Figur der Dienerin wird aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet. An dieser Stelle der Lehrer-Erzählung sollen die Schüler im Sinne eines Perspektivenwechsels gemeinsam überlegen, wie sich Miriam in dieser Situation verhalten kann. So wird die in der Bibel beschriebene Lösung, dass Miriam schlagfertig und geschickt den nun Mose genannten Bruder wieder der leiblichen Mutter zuführt, umso bemerkenswerter.

Zum Abschluss unterstützt der Hinweis auf die „Entscheidungswaage“ die Exegese der Rettungsgeschichte: Gott errettet Mose durch das beherzte und Gott vertrauende Handeln Miriams und der Mutter. Daraus ergibt sich die konkretisierende Frage des Arbeitsblattes: Wer hilft dir?

[...]


[1] Um die Lesbarkeit zu erleichtern, wird verwende ich Bezeichnungen Schülerinnen und Schüler die maskuline Form Schüler verwandt. Die Bezeichnung Schüler erfasst also weibliche und männliche Personen.

[2] Niedersächsisches Kultusministerium, Curriculare Vorgaben für die Hauptschule, Schuljahrgänge 5/6, 2004

[3] Handreichung für den katholischen Religionsunterricht vom Juni 2008

[4] Deissler, A., u. a., Neue Jerusalemer Bibel, Herder-Verlag, Freiburg, 1985, S. 78f

[5] Exodus, der; -, keine Mehrzahl ... RELIGION: Auszug der Juden aus Ägypten, aus: www.services. langenscheidt.de/fremdwb

[6] Miriam wird namentlich in 4 Mo 26,59 benannt.

[7] Fischer, D., Radlbeck-Ossmann, R., Grundschule Religion, Mose-Geschichten von Gott und Befreiung, Nr. 22, Kallmeyerverlag, Seelze-Velber, 2008, S. 1

[8] vgl. Mertens, Heinrich A.: Handbuch der Bibelkunde. Literarische, historische, archäologische, religionsgeschichtliche, kulturkundliche, geographische Aspekte des Alten und Neuen Testamentes. 2., neu bearbeitete Aufl., Patmos Verlag, Düsseldorf, 1997. S. 175.

[9] vgl. Lurker, Manfred: Wörterbuch biblischer Bilder und Symbole, 3. erw. Aufl., Kösel Verlag, München, 1987. S. 33

[10] Mertens, Heinrich A.: Handbuch der Bibelkunde. Literarische, historische, archäologische, religionsgeschichtliche, kulturkundliche, geographische Aspekte des Alten und Neuen Testamentes. 2., neu bearbeitete Aufl., Patmos Verlag, Düsseldorf, 1997, S. 175.

[11] vgl. http://church.han-solo.net/dekt/presse/0_276.doc

[12] Wolfmeyer, K., Zur Umsetzung von Exodus 2, 1-10 in der Neukirchener Kinderbibel, Handout, Katholisch-Theologische Fakultät der Westfälischen Wilhelms Universität Münster, Seminar für Exegese des Alten Testaments, Hauptseminar: „Konzentrat oder Verdünnung? – Biblische Texte in ausgewählten Kinderbibeln“, Münster, 2008, S. 9

[13] Zenger, Erich: Das Buch Exodus, Patmos Verlag, Düsseldorf, 1982, S. 39.

[14] Katholischer Religionsunterricht, Curriculare Vorgaben für die Hauptschule, Schuljahrgänge 5/6, Niedersächsisches Kultusministerium, Hannover, 2004

[15] Katholischer Religionsunterricht, Rahmenrichtlinien für die Hauptschule, Niedersächsisches Kultusministerium, Hannover, 1993

[16] Katholischer Religionsunterricht, Curriculare Vorgaben für die Hauptschule, Schuljahrgänge 5/6, Niedersächsisches Kultusministerium, Hannover, 2004, S. 15

[17] Katholischer Religionsunterricht, Rahmenrichtlinien für die Hauptschule, Niedersächsisches Kultusministerium, Hannover, 1993, S. 31

[18] ebd., S. 31

[19] Förderschwerpunkt Lernen, Schuljahrgänge 1-9, Katholische Religion, K262mode-kr_06_08_b(1). pdf, S. 17, in: www.nline.nibis.de/cuvo/

[20] ebd., S. 17

[21] vgl. Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, Das Buch Exodus. Mose und der Auszug aus Ägypten, Discovery Channel, Grünwald, 2003, S. 3

[22] Englert, R., Bildungsstandards im katholischen Religionsunterricht aus der Sicht der Lehr-/ Lernforschung, Manuskript des Vortrags, Fachtagung für Religionslehrer/innen des Bistums Osnabrück in Kooperation der Katholisch-Sozialen Akademie Ludwig-Windthorst-Haus mit der Abteilung Schulen/Hochschulen des Bistums Osnabrück, Osnabrück 2005, S. 7

[23] Kübler, A.,( Hrsg), Spuren, Arbeitshilfen für einen ganzheitlichen Religionsuntericht an Förderschulen, Thema Nr. 4, : Gott befreit - Mose, Rottenburg 2000, S.4

[24] vgl. Halbfas,H., Religionsunterricht in der Grundschule, Lehrhandbuch 3, Patmos-Verlag, Düsseldorf, 1985, S. 239

[25] Kübler, A.,( Hrsg), Spuren - Arbeitshilfen für einen ganzheitlichen Religionsuntericht an Förderschulen, Thema Nr. 4, Gott befreit - Mose, Rottenburg 2000 S. 5

[26] Katholischer Religionsunterricht, Rahmenrichtlinien für die Hauptschule, Niedersächsisches Kultusministerium, Hannover, 1993, S. 31

[27] Seit Mitte Juni 2008 ist über den niedersächsischen Bildungsserver eine überaus interessante Arbeitsfassung des zurzeit in Entwicklung befindlichen Kerncurriculums für den Katholischen Religionsunterricht an der Förderschule mit Förderschwerpunkt Lernen einzusehen. Hier wird empfohlen, die biblisch-christlichen Erfahrungen mit den Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen wechselseitig zu verknüpfen und ihnen so Zugänge zur lebensdeutenden und befreienden Kraft des Worts Gottes in den biblischen Überlieferungen zu eröffnen. Lernen im Religionsunterricht wird sinnvollerweise verstanden als „bildendes Lernen, das nicht auf Wissensvermittlung reduziert werden darf.“ In: Förderschwerpunkt Lernen, Schuljahrgänge 1-9, Katholische Religion, K262mode-kr_06_08_b(1).pdf, S. 17, in: www.nline.nibis.de/cuvo/

[28] Rendle, L.,:Ganzheitlich orientierter Religionsunterricht, Ein Praxisbuch, München 1996, S.171

[29] Neidhart, W.,/Eggenberger, H., Erzählbuch zur Bibel, Theorie und Beispiele, Benziger Verlag, Zürich 1976, S. 82

Details

Seiten
10
Jahr
2008
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115742
Institution / Hochschule
Studienseminar Osnabrück für das Lehramt für Sonderpädagogik
Note
1,6
Schlagworte
Unterrichtsstunde Religion Mose Gott Rettung Schilf

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