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Die Ernährungslage der deutschen Bevölkerung an der Heimatfront während des Ersten Weltkriegs

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gründe der Knappheit an Lebensmitteln

3. Folgen des Kriegsverlaufs
3.1 Im Hinblick auf die Produktion
3.2 In Bezug auf die deutsche Bevölkerung

4. Maßnahmen
4.1 Staatliche Maßnahmen
4.2 Misserfolge dieser Maßnahmen
4.3 private Maßnahmen zur Verbesserung der eigenen Nahrungssituation

5. Stimmungen der deutschen Bevölkerung
5.1 Schuldzuweisungen der Menschen an den Staat
5.2 Gegenseitige Schuldzuweisungen verschiedener Bevölkerungsschichten

6. Schlussbemerkungen

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Während des Ersten Weltkrieges spielte die Lebensmittelversorgung nicht nur für die deutschen Soldaten eine sehr große Rolle, sondern vor allem für die deutsche Bevölkerung.

„Die Lebensführung immer breiterer Schichten wurde von Hunger und Entbehrungen und dem täglichen Kampf um die Beschaffung kärglicher Mengen zusätzlicher Nahrungsmittel aus den unterschiedlichsten Quellen geprägt, und die Erbitterung und der Hass gegen die oberen Schichten namentlich gegen die Bauern und Händler[…] nahmen immer mehr zu.“[1]

Diese Hausarbeit befasst sich mit der Ernährungslage der deutschen Bevölkerung an der Heimatfront während des Ersten Weltkrieges. In diesem Zusammenhang beschäftigt sie sich zu allererst mit den Folgen des Kriegsgeschehens für die deutsche Bevölkerung. Ferner zeigt sie die unterschiedlichen Gründe für die Knappheit an Lebensmitteln auf. Darüber hinaus soll beschrieben werden, warum es zu einem solchen Mangel an Nahrungsmitteln gekommen und wie die Bevölkerung mit dieser Situation umgegangen ist.

Weiterhin beleuchtet diese Arbeit, welchen Einfluss der Kriegsverlauf auf die Produktion von Lebensmitteln, Bedarfsgütern und Heizmaterialien gehabt hat.

Das vierte Kapitel geht der Frage nach, welche Maßnahmen der Staat und die Bevölkerung getroffen haben, die Versorgungslage mit Lebensmittel zu verbessern. Hierbei werden einige der getroffenen Maßnahmen auf ihren Nutzen und Erfolg hin analysiert.

Die beschriebenen Maßnahmen haben während des Krieges viele unterschiedliche Stimmungen und Emotionen bei den Menschen hervorgerufen. Das fünfte Kapitel befasst sich mit den unterschiedlichen Stimmungen innerhalb der deutschen Bevölkerung. Es wird besonderes Augenmerk auf die Schuldzuweisungen der Menschen gegenüber dem Staat und gegen die Mitbürger gelegt. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, welche Folgen diese gegenseitigen Schuldzuweisungen im Einzelnen gehabt haben.

Das Aufzeigen der Stimmungslage innerhalb der deutschen Bevölkerung verdeutlicht, dass sich viele Probleme und Konflikte aufgestaut haben. Im folgenden letzten Kapitel werden die Reaktionen der Menschen hinsichtlich dieser Konflikte aufgezeigt, die durch das Eingreifen des Staates hervorgerufen wurden. Weiterhin beleuchtet dieser Teil der Hausarbeit die unterschiedlichen Formen an Reaktionen von Teilen der deutschen Bevölkerung angesichts der schlechten Versorgungslage mit Lebensmitteln an der Heimatfront.

2. Gründe der Knappheit an Lebensmitteln

Um die genaue Situation der Lebensmittelversorgung für die deutsche Bevölkerung zu analysieren, muss zuerst die Lage Deutschlands während des Ersten Weltkriegs erfasst werden.

Nachdem Deutschland über das neutrale Belgien in Frankreich einmarschierte, konnten die deutschen Soldaten zunächst schnell vorrücken und große militärische Erfolge erringen. Nach wenigen Wochen wurde das deutsche Heer im Herbst 1914 von der französischen Armee zu einem Stellungskrieg an der Westfront gezwungen. Daraufhin wurde schnell festgestellt, dass Deutschland ohne eine der neuen Situation angepassten kriegswirtschaftlichen Vorbereitung in den Krieg eingetreten war. Dies lag in erster Linie am Fehlen von konkreten Erfahrungswerten über die notwendigen Produktionskapazitäten und erforderlichen Nachschubmengen eines industrialisierten Massenkrieges.[2] Die verantwortlichen Stellen hatten keine Vergleichsmöglichkeiten, um abschätzen zu können, wie viele Kriegs- und Produktionsgüter für einen solchen Krieg zur Verfügung stehen müssten.

Dies waren nicht die einzigen Probleme, die die Behörden zu lösen hatten. Die Kriegsgegner haben Deutschland wirtschaftlich aufgrund der Seeblockade isoliert. Diese Blockade führte zu einer drastischen Einschränkung der Importe.[3]

Das Deutsche Reich war zu einem Fünftel von Nahrungs- und Futtermittelimporten aus dem Ausland abhängig. Diese blieben durch die alliierte Seeblockade aus, was weit reichende Folgen für die Agrarwirtschaft hatte. Nicht nur der Einfuhrstopp von Nahrungs- und Futtermitteln hatte negative Auswirkung auf die Produktion, sondern auch der Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft, die Eingliederung der Gespannpferde in das Militär und das Ausbleiben von Düngemittelimporten hatten einen Produktionsrückgang in der Landwirtschaft zur Folge.[4]

Die deutsche Wirtschaft war nicht auf einen lange andauernden Krieg vorbereitet. Die Politiker und Militärs gingen von einem kurzen Krieg aus. Sie stellten die Wirtschaft und damit die Produktion von Lebensmitteln und anderen Gütern nicht auf einen langen Krieg ein. Nur bei der Waffen- und Munitionsproduktion wurden Vorräte geschaffen.[5]

Die unerwartete Länge des Krieges traf die Agrarwirtschaft am schwersten,[6] da kaum Vorbereitungen getroffen wurden die Importe an Lebensmitteln und anderen landwirtschaftlichen Produkten zu reduzieren, um sich der Abhängigkeit von Auslandsimporten zu entziehen.

„Das Kaiserreich war vor 1914 weltweit der größte Importeur von Agrarprodukten, die 38 Prozent seiner Einfuhr ausmachten. Ein Drittel seines Bedarfs an Lebensmitteln wurde aus dem Ausland herbeigeschafft, 1913 etwa 3,2 Millionen Tonnen Weizen und 8,3 Millionen Tonnen Futtermittel, 50 Prozent des Gesamtbedarfs. Mit diesen Importmengen hatte es seit dem August 1914 ein abruptes Ende, ohne daß doch die vitale Abhängigkeit von ihnen aufgehört hätte.“[7]

Diese Importe waren besonders wichtig für die deutsche Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion. Die alliierte Seeblockade hatte somit nachhaltige Folgen für die deutsche Agrarwirtschaft, aufgrund der ehemals großen Mengen an Importen aus dem Ausland. Ebenso nachhaltig veränderte die im Deutschen Reich in Folge des Kriegseintrittes initialisierte Kriegswirtschaft die bestehende Volkswirtschaft in erheblichem Maße. Dies ist daran zu erkennen, dass die private Nachfrage an Konsumgütern durch die Nachfrage der Kriegsmaschinerie ersetzt wurde. Der private Konsument war gezwungen selber zu produzieren, um konsumieren zu können. Der militärische Konsument hingegen produzierte in der Regel nichts, jedoch verbrauchte er die vorhandenen Güter sehr schnell. Für ihn blieb die Sättigung der Nachfrage an Rüstungselementen aus, und damit ging der militärische Konsum auf Kosten des privaten Konsumenten.[8]

Zusätzlich wurden die Güter für das tägliche Leben teurer. Es wurden mehr Waren minderer Qualität produziert. Diese minderwertigen Waren stiegen im Preis stärker, als Waren höherer Qualität und dadurch kommt es allgemein zu einem Anstieg des Preisniveaus und zu einem Absinken der Kaufkraft des Geldes.[9]

[...]


[1] Wolfgang J. Mommsen: Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg 1914-1918, in: Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte. Bd. 17, Stuttgart 2002,S. 95.

[2] Vgl. Bernhard R. Kroener: Mobilmachungsplanung gegen Recht und Verfassung. Kriegsvorbereitung in Reichswehr und Wehrmacht 1918-1939, in: Bruno Thoß/ Hans-Erich Volkmann (Hg.): Erster Weltkrieg - Zweiter Weltkrieg. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland. Paderborn 2002, S. 60.

[3] Vgl. Gerald D. Feldman: Kriegswirtschaft und Zwangswirtschaft. Die Diskreditierung des „Sozialismus“ in Deutschland während des Ersten Weltkrieges, in: Wolfgang Michalka (Hg.): Der Erste Weltkrieg. Wirkung, Wahrnehmung, Analyse. München 1994, S. 46.1

[4] Vgl. Benjamin Zimmermann: Front und Heimat. Ländliche Kriegserfahrungen im südlichen Bayern 1914-1923. Essen 1997, S. 308-310.

[5] Vgl. Hans-Peter Ullmann: Kriegswirtschaft, in: Gerhard Hirschfeld/ Gerd Krumeich/ Irina Renz (Hg.): Enzyklopädie - Erster Weltkrieg. Paderborn 2003, S. 221.

[6] Vgl. Hans-Ullrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914-1949, Bd. 4. München, S. 57 sowie Vgl. Wilhelm Deist: Das Militär an der Heimatfront 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945, in: Bruno Thoß/ Hans-Erich Volkmann (Hg.): Erster Weltkrieg - Zweiter Weltkrieg. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland. Paderborn 2002, S. 379.

[7] Wehler, Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4. S. 58.

[8] Vgl. Feldman, Kriegswirtschaft, S. 457-458.

[9] Nitrate zählten unter anderem zu den Importgütern. Vgl. Feldman, Kriegswirtschaft, S. 458.

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640171101
ISBN (Buch)
9783640172924
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115760
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Historisches Institut, Neuere Geschichte 1
Note
2
Schlagworte
Ernährungslage Bevölkerung Heimatfront Ersten Weltkriegs Kaiserreich Weltkrieg

Autor

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