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Entwicklung und Überprüfung eines Trainingsprogramms zur Verbesserung des taktischen Handelns bei offensiven Standardsituationen im Fußball

Diplomarbeit 2008 228 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung und Vorbemerkungen
1.1. Allgemeine Problemstellung
1.2. Spezielle Problemstellung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Theoretische Aspekte des Trainings
2.1.1. Trainingssteuerung
2.1.2. Sportartenanalyse
2.1.3. Trainingsplanung
2.2. Theoretische Aspekte zum taktischen Handeln
2.2.1. Die kollektive Spieltätigkeit
2.2.2. Die individuelle Spieltätigkeit
2.3. Begriffsbestimmungen und Erläuterungen
2.3.1. Standardsituation vs. Standardsituation
2.3.2. Was sind Standardsituationen?
2.3.3. Leistungskomponenten des Fußballes

3. Analyse der Anforderungsstruktur
3.1. Analyse von Fußballspielen
3.1.1. Empirischer Forschungsstand zu Standardsituationen
3.1.2. Eigene Untersuchungen
3.2. Diskussion der Ergebnisse
3.2.1. Eckball
3.2.2. Einwurf
3.2.3. Freistoß
3.2.4. Strafstoß
3.2.5. Zusammenfassung
3.3. Effektive Standardsituationen
3.3.1. Einwurfvarianten
3.3.2. Freistoßvarianten
3.3.3. Eckstoßvarianten
3.3.4. Strafstoßvarianten
3.4. Erkenntnisse für das Training der U15-Junioren

4. Trainingskonzept und Trainingssteuerung
4.1. Hinweise zur taktischen Vorbereitung
4.1.1. Das allgemeine Spielkonzept
4.1.2. Die Verlaufspläne
4.1.3. Das Vermittlungskonzept
4.1.4. Überprüfung der Leistungsfähigkeit
4.1.5. Verwertung der Informationen
4.2. Trainingsprogramm
4.2.1. Analyse der Adressaten
4.2.2. Ziele
4.2.3. Aufbau
4.2.4. Inhalte
4.2.5. Methoden
4.2.6. Durchführung
4.3.7 Auswertung
4.2.8 Interpretation
4.3. Zusammenfassung

5. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Planungsphasen und Arbeitsschritte der Trainingsplanung

Abbildung 2: Modell der Regulationsprozesse der kollektiven Spieltätigkeit

Abbildung 3: Gesamtmodell der Regulation der Spieltätigkeit

Abbildung 4: Grundmodell der Handlungsregulation

Abbildung 5: Möglichkeiten der Ausführung eines Einwurfes

Abbildung 6: Möglichkeiten der Ausführung eines Eckstoßes

Abbildung 7: Möglichkeiten der Ausführung eines direkten Freistoßes

Abbildung 8: Möglichkeiten der Ausführung eines indirekten Freistoßes

Abbildung 9: Möglichkeiten der Ausführung eines Strafstoßes

Abbildung 10: Kraftfähigkeiten

Abbildung 11: Übersicht konditioneller Anforderungen

Abbildung 12: pyramidenförmige Grundaufstellung Defensive

Abbildung 13: mögliche Grundaufstellung Defensive

Abbildung 14: Pulkaufstellung bei offensiven Standardsituationen

Abbildung 15: Reihenaufstellung mit überschlagenden Laufwegen

Abbildung 16: mögliche Laufwege bei ballorientierter Positionierung bei offensiven Standardsituationen

Abbildung 17: Anzahl der erfolgreichen Standardsituationen während der WM 2006 in Deutschland

Abbildung 18: Anzahl der erfolgreichen Standardsituationen während der Champions League Saison 2006/07

Abbildung 19: Anzahl der erfolgreichen Standardsituationen während der Bundesliga Saison 2006/07

Abbildung 20: Anzahl der erfolgreichen Standardsituationen der Profis des TSV 1860 München in der 2. Bundesliga Saison 2006/07

Abbildung 21: Anzahl der erfolgreichen Standardsituationen gegen die Profis des TSV 1860 München in der 2. Bundesliga Saison 2006/07

Abbildung 22: Anzahl der erfolgreichen Standardsituationen der U Mannschaft des TSV 1860 München in der Regionalliga Saison 2006/07

Abbildung 23: Anzahl der erfolgreichen Standardsituationen gegen die U23 Mannschaft des TSV 1860 München in der Regionalliga Saison 2006/07

Abbildung 24: Anzahl der erfolgreichen Standardsituationen der U14-Junioren des TSV 1860 München in der C-Junioren Bayernliga Saison 2006/07

Abbildung 25: Einwurfvariante 1 (z.B. 8.SpT: Schalke-Hannover)

Abbildung 26: Einwurfvariante 2 (z.B. 26.SpT: Frankfurt - Bayern)

Abbildung 27: indirekter Freistoß - Variante 1 (z.B. 10.SpT: Schalke - Bayern)

Abbildung 28: indirekter Freistoß - Variante (z.B. 15. Spät: Dortmund - Wolfsburg)

Abbildung 29: indirekter Freistoß - Variante (z.B. 25. SpT: Hannover - Schalke)

Abbildung 30: indirekter Freistoß - Variante 4 (z.B. 5. SpT: Bayern - Aachen)

Abbildung 31: direkter Freistoß mit Möglichkeit zum Gewalt- sowie Präzisionsschuss (z.B. 6.SpT: Bremen – Gladbach)

Abbildung 32: Eckballvariante 1 (z.B. 3.SpT: Stuttgart - Dortmund )

Abbildung 33: Eckballvariante 2 (z.B. 34. SpT: Stuttgart - Cottbus)

Abbildung 34: Grafische Darstellung der taktischen Vorbereitung

Abbildung 35: Schematische Darstellung des Vermittlungsmodells der taktischen Vorbereitung

Abbildung 36: Darstellung der einzelnen Arbeitsschritte zur Überprüfung der Spielleistung

Abbildung 37: Eckballvariante 1 - direkt

Abbildung 38: Eckballvariante 2 - Flanke nach Doppelpass

Abbildung 39: Eckballvariante 3 - Schuss aus dem Rückraum

Abbildung 40: Eckballvariante 4 - Flanke aus dem Rückraum

Abbildung 41: Eckballvariante 5 - Schuss von Strafraumgrenze nach flacher Hereingabe

Abbildung 42: Freistoßvariante 1: direkt über Mauer

Abbildung 43: Freistoßvariante 2 - Schuss aus dem Rückraum nach flachem Zuspiel

Abbildung 44: Freistoßvariante 3 - Schuss auf den langen Pfosten

Abbildung 45: Freistoßvariante 4 - Hacke - Pass – Schuss

Abbildung 46: Freistoßvariante 5 – Pass – Pass hinter Mauer – Schuss

Abbildung 47: Einwurfvariante 1 - Doppelpass – Flanke

Abbildung 48: Einwurfvariante 2 - Pass - Rückraum – Flanke

Abbildung 49: Einwurfvariante 3 - Pass - Pass in Spitze - Pass auf Flügel – Flanke

Abbildung 50: Einwurfvariante 4 - Kopfballverlängerung – Schuss

Abbildung 51: Strafstoßvariante 1 - Hoch in eine Ecke

Abbildung 52: Grundaufstellung Offensive bei Eckbällen

Abbildung 53: Grundaufstellung bei offensiven Freistößen

Abbildung 54: Einteilung der Trainingsblöcke zur Vermittlung der Standardsituationen

Abbildung 55: Formblatt Trainingsplanung

Abbildung 56: Häufigkeitsverteilung offensive Standardsituationen bei Punktspielen

Abbildung 57: Aufschlüsselung der Standardsituationen nach erfolgreicher Durchführung

Abbildung 58: Häufigkeitsverteilung der erfolgreichen offensiven Standardsituationen

Abbildung A 1: Schussseite von mit den linken Fuß getretenen Strafstößen der Ausführungsart „platziert“ und „Gewaltschuss“

Abbildung A 2: Schussseite von mit den rechten Fuß getretenen Strafstößen der Ausführungsart „platziert“ und „Gewaltschuss“

Abbildung A 3: erfolgreiche Zielbereiche beim Elfmeterschießen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Darstellung taktischer Kategorien

Tabelle 2: Taktische Kategorien nach induktiver Kategorienbildung

Tabelle 3: Arten und Typen der Ausdauer aus trainingsmethodischer Sicht

Tabelle 4: Kader der U15-Junioren in der Saison 2007/08

Tabelle 5: Ergebnisse Eingangstest

Tabelle 6: Voraussetzungen für Eckballvariante 2

Tabelle 7: Anforderungen an Eckballvariante 3

Tabelle 8: Anforderungen für Eckballvariante 4

Tabelle 9: Anforderungen der Eckballvariante 5

Tabelle 10: Anforderungen der Freistoßvariante 1

Tabelle 11: Anforderungen der Freistoßvariante 3

Tabelle 12: Anforderungen der Freistoßvariante 4

Tabelle 13: Anforderungen der Freistoßvariante 5

Tabelle 14: methodische Ansätze zum Erlernen von Freistoßvariante 5

Tabelle 15: Anforderungen der Einwurfvariante 1

Tabelle 16: Anforderungen der Einwurfvariante 2

Tabelle 17: Anforderungen der Einwurfvariante 3

Tabelle 18: Anforderungen der Einwurfvariante 4

Tabelle 19: Anforderungen der Strafstoßvariante 1

Tabelle 20: Anforderungen der Strafstoßvariante 2

Tabelle 21: Anforderungen der Strafstoßvariante 3

Tabelle 22: Voraussetzungen zur Dürchführung der Eckballvarianten 1 - 5

Tabelle 23: Handlungskonzept bei Eckbällen

Tabelle 24: Voraussetzungen zur Durchführung der offensiven Freistoßvarianten 1-5

Tabelle 25: Handlungskonzept bei Freistößen

Tabelle 26: Voraussetzungen zur Durchführung der offensiven Einwurfvarianten 1-4

Tabelle 27: Handlungskonzept bei offensiven Einwürfen

Tabelle 28: Ablaufplan des durchgeführten Trainingspogramms

Tabelle 29: Auswertung offensive Standardsituationen in Punktspielen

Tabelle 30: Vergleich der Torerfolge Saison 2006/07 mit 2007/08

Tabelle A 1: Vergleich der direkten und indirekten Freistöße

Tabelle A 2: Zusammenfassung der eigenen Untersuchungen zu den Spielen aus der Saison 2006/07

Tabelle A 3: Alle Spieler der Geburtsjahrgangs 1993 des TSV 1860 München aus den Jahren 2000 bis 2007

Tabelle A 4: Rahmentrainingsplan Vorbereitungsperiode Saison 2007/08

1. Einleitung und Vorbemerkungen

Worin unterscheidet sich ein Schussversuch von Uli Höneß im Finale der Europameisterschaften von 1976 in Belgrad gegenüber dem Schuss von Pirlo im Champions-League Finale 2007? Der Unterschied liegt im Erfolg. Höneß sein Strafstoß verschwand im Himmel von Belgrad. Hingegen wurde Pirlos direkter Freistoß durch Filippo Inzaghi für Torwart Jose Manuel Reina unhaltbar in das Tor abgefälscht und war somit der Grundstein für den Sieg des AC Mailand gegen den FC Liverpool. Neben dem Unterschied im Verlauf gibt es eine große Gemeinsamkeit. Beide Aktionen sind Resultat einer Standardsituation. Liverpool erreichte dieses Finale erst durch zwei gut parierte Elfmeter von Reina im Halbfinale gegen Robben und Geremi.

Diese Beispiele sollen zeigen, dass Standardsituationen durchaus spielentscheidend sein können. Stellt sich nun die Frage, woran das liegen kann. Sind drei Ecken wirklich einem Elfmeter gleichzusetzen? Fällt jedes zweite Tor in Folge einer Standardsituation? Diese und weitere banale Aussagen sollen im Laufe der vorliegenden Arbeit näher erläutert sowie begründet werden. Hauptaugenmerk soll dabei auf dem Torabschluss nach offensiven Standardsituationen liegen. Welche Varianten lassen sich anhand zahlreicher Spiele aus dem nationalen sowie internationalen Bereich feststellen? Im Allgemeinen wird oftmals die Raffinesse bei der Ausführung von Standardsituationen vermisst[1]. Gibt es Varianten der Ausführung die erfolgsversprechender sind als Andere? Gesetz dem Fall es gibt erfolgreiche Standardsituationen, lassen sich diese in ein Trainingsprogramm einbauen? Kann ein Trainingsprogramm in einer Fußballmannschaft den Erfolg nach Standardsituationen erhöhen?

Fußball ist ein Mannschaftssport. Das heißt der Erfolg ist zwar oftmals von individuellen Leistungen abhängig. Die Fähigkeiten des Einzelnen können jedoch nur zum Tragen kommen, wenn das Kollektiv die Stärken und Schwächen des Individuums kennt und versteht diese optimal einzusetzen. Dazu müssen neben konditionellen und technischen Anforderungen vor allem das taktische Verständnis gut ausgebildet sein.

Die Diplomarbeit war dabei Anlass in das Training der U15-Junioren des TSV 1860 München ein Programm zu involvieren, in dem das taktische Handeln bei offensiven Standardsituationen optimiert werden soll.

Im folgenden Abschnitt soll zunächst die allgemeine (Kap. 1.1) sowie die spezielle Problemstellung (1.2) zum Thema erläutert werden.

1.1. Allgemeine Problemstellung

Ziel eines jeden Vereins, egal ob Fußball, Handball oder im Bereich der Leichtathletik ist neben dem Ansehen und finanziellen Einnahmen vor allem der Erfolg im Sport. An oberster Stelle eines Vereins sollte die erste Mannschaft stehen, da dort das größte Augenmerk der Bevölkerung liegt. Vor allem bei leistungsorientierten Mannschaften ist die Verwirklichung der sportlichen Ziele abhängig vom Gesamtkonzept des Vereins. In den letzten Jahren wurde dabei vermehrt die Arbeit im Jugendbereich optimiert. Die professionelle Ausbildung der jungen Spieler kann mittel- und langfristig sowohl den Verein finanziell gesichert darstellen als auch die Mannschaften erfolgreich agieren lassen. Die Arbeit des Vereins ist dabei abhängig von der organisatorischen, der motivationalen, der psychoregulativen sowie der taktischen Vorbereitung. Im taktischen Bereich muss ein Spielkonzept entwickelt werden, dass die bestehenden Rollen der jeweiligen Mannschaften und die Ziele des Vereins optimal vereint. Dazu ist ein realistisches, flexibles und organisiertes Handeln notwendig. Die Spieler müssen in Abstimmung mit dem Trainer in der Lage sein einerseits dem Konzept geistig zu folgen und andererseits die gestellten Anforderungen motorisch lösen zu können.

Um optimale Leistungen in Spielen zu erbringen und das Konzept umzusetzen sind wissenschaftliche Erkenntnisse notwendig. Es ist unbedingt erforderlich anhand theoretisch fundiertem Wissen ein Konzept zu schaffen, dass sowohl realistisch, organisiert als auch flexibel ist. Das theoretische Gesamtkonzept muss so aufgebaut sein, dass es leicht in die Praxis umgesetzt werden kann.

Im Laufe der Arbeit soll ein Trainingsprogramm entwickelt werden, dass sowohl wissenschaftlichen Grundsätzen entspricht aber auch die Gegebenheiten der Mannschaft und des Vereins berücksichtigt.

1.2. Spezielle Problemstellung

Das Trainingsprogramm soll sich vorrangig mit dem taktischen Handeln bei offensiven Standardsituationen beschäftigen. Dazu werden effektive Standardsituationen aus nationalen sowie internationalen Spielen herausgefiltert und analysiert. Die ausgesuchten Varianten sollen anschließend bei einer Juniorenmannschaft des TSV 1860 München vorgestellt und durchgeführt werden. Es geht dabei um die Entwicklung eines Handlungskonzepts bei offensiven Standardsituationen. Dieses Konzept soll sowohl theoretisch als auch praktisch in das Training eingeführt, stabilisiert und optimiert werden. Die Effektivität wird fortlaufend anhand der Wettkampfspiele kontrolliert, um damit das Handlungskonzept weiter zu verbessern sowie anzupassen.

Derzeit gibt es kein adäquates Konzept zum taktischen Verhalten bei offensiven Standardsituationen im Fußball. Daher muss zunächst die vorhandene Literatur sorgfältig auf bestehende Erkenntnisse aus dem Bereich geprüft werden. In einem ersten theoretischen Schritt soll die aktuelle Bestandslage zum Thema aufgeführt und zusammengefasst werden. Die Theorie wird mit aktuellen eigenen Untersuchungen und Erfahrungswerten zu Standardsituationen aufgefrischt. Die Ergebnisse der Auswertung werden anschließend in ein Trainingsprogramm zusammengefasst und praktisch bei einer Juniorenmannschaft durchgeführt.

Ziel soll es sein, Anregungen zur Durchführung und Überprüfung eines Trainingsprogramms zu geben, welche im Laufe der Zeit kontrovers zu Diskussionen führen können.

2. Theoretische Grundlagen

Bevor ein Trainingsprogramm erstellt und durchgeführt bzw. überprüft werden kann, sollten vorerst einige theoretische Grundlagen gelegt und zusammengefasst werden. Nach Hagedorn (1972) setzt sich der Forschungsprozess „aus einer theoretischen Vorbereitung und der praktischen Durchführung“ zusammen, wobei sich beide Bereiche „als ein dialektischer Prozess bedingen und ständig regulieren.“ (Hagedorn 1972, S. 27)

Das folgende Kapitel umfasst vor allem relevante theoretische Aspekte des Trainings (2.1) sowie des taktischen Handelns (2.2). Bei der hypothetischen Betrachtung des Trainings wird auf den Prozess der Trainingssteuerung (2.1.1) nach dem Modell von Grosser eingegangen. Anschließend werden die Abschnitte der Sportartenanalyse (2.1.2) und der Trainingsplanung (2.1.3) aus der Trainingssteuerung gesondert betrachtet. Nachdem der Trainingsprozess näher erläutert wurde, folgt eine genauere Darstellung der kollektiven (2.2.1) sowie der individuellen Spielfähigkeit (2.2.2) beim taktischen Handeln.

Im dritten Abschnitt werden einige relevante Begriffe (2.3) aus dem Bereich der Standardsituationen geklärt. Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Begriff Standardsituation an sich. Was wird alles als Standardsituation bezeichnet (2.3.1) und wie werden sie in der Literatur definiert (2.3.2). Die jeweils zu betrachtenden Arten von Standardsituationen werden kurz in der Historie, dem aktuellen Regelstand sowie mit einigen Ausführungsbestimmungen vorgestellt. Daraufhin werden die Standardsituationen in die Leistungskomponenten des Fußballes eingeordnet (2.3.3). Für das Erlernen müssen bestimmte konditionelle (2.3.3.2), technische (2.3.3.3) sowie taktische (2.3.3.4) Anforderungen erfüllt sein, welche in den darauf folgenden Abschnitten dargelegt werden sollen. Das Kapitel wird zum Schluss kurz zusammengefasst (2.3.3.5).

2.1. Theoretische Aspekte des Trainings

Die theoretischen Aspekte des Trainings sollen anhand des Neun-Punkte-Plans nach Grosser die Grundlagen für die Erstellung eines Trainingsprogrammes aufzeigen, um so das Ziel der Leistungssteigerung im taktischen Handeln optimal zu erreichen. Der Prozess der Trainingssteuerung wird im Punkt 2.1.1 näher erläutert. Anschließend soll etwas detaillierter auf die Sportartenanalyse (2.1.2) sowie die Trainingsplanung (2.1.3) eingegangen werden.

2.1.1. Trainingssteuerung

Ein Wettkampf ist nur in sehr geringem Maße steuerbar. Viele unvorhersehbare Faktoren, wie zum Beispiel das Wetter, die Tagesform der Spieler, die Anwesenheit der Zuschauer und die Taktik des Gegners lassen den Spielausgang kaum bestimmen. Allerdings lässt sich eine Mannschaft durch ein gut organisiertes Training optimal auf einen Wettkampf vorbereiten. Die Steuerung des Trainingsprozesses ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Trainingssystems, da hierdurch die sportliche Leistung im wesentlichen Maße beeinflusst wird. Schnabel (1994) definiert den Begriff Trainingssteuerung als eine „zielorientierte, systematische Einflussnahme auf den Prozess der Entwicklung des Leistungszustandes durch organisierte (lang-, mittel- und kurzfristige) Wechselwirkung der immanenten Bestandteile Prognose, Leistungs- und Trainingsplanung, Leistungsdiagnostik / Trainingsdiagnostik, Schlussfolgerungen / Empfehlungen im Hinblick auf das Erreichen sportlicher Leistung.“ (Schnabel/Harre/Borde 1994, S.437) Um das Ziel der Leistungssteigerung zu realisieren ist es notwendig ein Training systematisch zu planen und durchzuführen (vgl. Weineck 1987, S.15). Grosser geht dabei in insgesamt neun Schritten vor.

1. Sportartenanalyse (Bewegungs- und Belastungsanalysen)
2. Diagnose des momentanen Leistungs- und Trainingszustandes
3. Ziel- und Normensetzung
4. Trainings- und Wettkampfplanung
5. Trainings- und Wettkampfdurchführung
6. Beobachtung, Tests, Leistungsanalyse
7. Auswertung und Normenvergleich
8. Schnellinformationen in die Trainings- und Wettkampfdurchführung
9. Übergeordnete Planänderungen

Zu Beginn der Trainingssteuerung steht eine Sportartenanalyse, worin ein Anforderungsprofil erstellt werden soll (siehe 2.1.2). Anschließend wird der Ist-Zustand des derzeitigen Leistungs- und Trainingszustandes festgestellt. Diesem folgt eine Sollwertvorgabe, worin das Ziel und die Normen vorgegeben werden sollen. In der sich daran anschließenden Trainings- und Wettkampfplanung bzw. -durchführung soll eine Verbesserung der sportlichen Leistung und somit eine Angleichung des Istwertes an den Sollwert stattfinden (siehe 2.1.3). Zwischendurch werden ständig kleinere Test sowie Beobachtungen durchgeführt, um eine Art Standortbestimmung durchzuführen und zu überprüfen, ob die Planung erfolgsversprechend ist und um die Teilnehmer weiter zu motivieren. Abschließend wird ein Soll-Ist-Wert-Vergleich durchgeführt, um aufzuzeigen, ob das Ziel erreicht wurde. Erkenntnisse aus der Auswertung und Beobachtung werden ständig als Schnellinformation weitergegeben bzw. in die weitere Planung mit eingearbeitet, sodass die Trainingssteuerung ständig auf einem aktuellen Stand gehalten werden soll. Der Prozess der Trainingssteuerung ist demnach nicht ein einmalig auftretender Vorgang, sondern eher ein ständiger Kreislauf aus Soll-Ist-Wert-Vergleichen, Trainingsplanungen und Wettkämpfen. Letzelter (1985) bezeichnet die Trainingssteuerung als systematischen Prozess der Planung, Durchführung, Kontrolle und Korrektur des sportlichen Trainings.

Nachdem nun das Grundgerüst der Trainingssteuerung aufgezeigt wurde, sollen in den nächsten zwei Abschnitten die wesentlichen Elemente näher beleuchtet werden.

2.1.2. Sportartenanalyse

Am Anfang einer Planung steht immer eine Sportartenanalyse (vgl. Grosser, Brüggemann, Zintl, 1986, S.48). Darin werden alle Fertigkeiten und Fähigkeiten analysiert. Das daraus entstehende Anforderungsprofil bildet Ausgangspunkt für das weitere Vorgehen. Die Sportartenanalyse stellt eine Bewegungs- sowie Belastungsanalyse dar. Bevor eine Sportartenanalyse erstellt werden kann, ist es sinnvoll den Begriff Sportspiel zu definieren. „Sportspiele sind Sportarten mit internationalem Regelwerk, bei denen zwei Parteien in einen Interaktionsprozess eintreten, der dadurch zustande kommt, dass beide Parteien gleichzeitig ihr eigenes Spielziel anstreben und verhindern wollen, dass die gegnerische Partei ihr Spielziel erreicht. Das Spielziel in den Sportspielen ist eine in den Regeln festgelegte, symbolische Handlung.“ (Lames, 1991, S.33) Sportspiele werden nach Stiehler et al in folgende vier Hauptgruppen unterteilt (vgl. Stiehler/Konzag/Döbler 1988, S.18).

1. Tor-, Korb- und Malspiele
2. Rückschlagspiele
3. Schlagball- oder Abwurfspiele
4. Ziel- und Treibspiele

Eine detaillierte Beschreibung der jeweiligen Merkmale würde an dieser Stelle zu weit führen. Das Sportspiel Fußball ist in jedem Fall der ersten Kategorie der Torspiele einzuordnen. Spiele dieser Gruppe gehören überwiegend den Mannschaftssportarten an. Der Name wird aus dem Ziel abgeleitet ein Tor bzw. Korb zu erzielen.

Zur Analyse der jeweiligen Sportart sind drei Eckpfeiler zu betrachten. Neben der Wettkampfanalyse müssen außerdem eine Leistungsanalyse sowie eine Trainingsanalyse durchgeführt werden. Die Bewegungs- und Belastungsanalyse kann außerdem anhand der Leistungskomponenten Kondition, Koordination, Taktik und Technik geschehen. Das taktische Handeln stellt dabei das Kernstück der sportspielspezifischen Komponenten dar. Daran münden alle technischen, konditionellen und koordinativen Fähigkeiten.

2.1.3. Trainingsplanung

Die „zentrale Instanz“ (Hohmann, 1994, S.37) der Trainingssteuerung liegt bei der Trainingsplanung. Nach Starischka 1988 ist die Trainingsplanung „ein auf das Erreichen eines Trainingszieles ausgerichtetes, den individuellen Leistungszustand berücksichtigendes Verfahren der vorausschauenden, systematischen – sich an trainingspraktischen Erfahrungen und sportwissenschaftlichen Erkenntnissen orientierenden – Strukturierung des (langfristigen) Trainingsprozesses.“ (Starischka, 1988, S.7) Ziel der Trainingsplanung ist die Erstellung eines Trainingsplanes. Darin wird eine Aufstellung aller Ziele, Inhalte, Methoden und Mittel zur Strukturierung des Trainings dargelegt, welche zur Veränderung des Leistungszustandes der Sportler in einem vorher definierten Zeitraum beitragen (vgl. Schnabel/Harre/Borde, 1994, S.443). Trainingspläne können als Rahmenpläne, Jahrespläne, Makro- (Meso-) zykluspläne, Wochentrainingspläne oder Trainingseinheitenpläne erstellt werden. Die kurz- sowie die mittelfristige Trainingsplanung wird in vorgegebenen Planungsphasen und Arbeitsschritten erreicht (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Planungsphasen und Arbeitsschritte der Trainingsplanung (nach Starischka, 1988 S.44)

Drei wichtige Merkmale der Trainingsplanung sollen im Folgenden kurz beschrieben werden.

1. Die Trainingsplanung ist kein starrer Prozess, sondern viel mehr abhängig vom laufenden Training bzw. Wettkampf. Es muss daher eine ständige Anpassung an die aktuellen Geschehnisse erfolgen. Somit ist es notwendig stets einen Soll-Ist-Wert-Vergleich zwischen Trainingsplanung und Wettkampf- bzw. Trainingspraxis durchzuführen.
2. Der Aufbau von Trainingsplänen ist in zeitliche Phasen gegliedert. So gibt es langfristige Pläne über mehrere Jahre, aber auch mittel- und kurzfristige Pläne über einige Wochen oder gar nur eine Trainingseinheit. Dabei findet die Methodik vom Allgemeinen zum Speziellen Ihre Anwendung. Bei einer Trainingsplanung über einen sehr großen Zeitraum werden die Inhalte und Ziele nur grob beschrieben. Bei der Erstellung eines Trainingsplanes für eine Trainingseinheit wird der Ablauf hingegen sehr detailliert aufgezeigt.
3. Zur optimalen Verbesserung der Leistung der Mannschaft ist es notwendig das Training periodisch zu planen. Die einzelnen Perioden richten sich in der Jahresplanung einmal nach den Wettkampfphasen bzw. Wettkampfpausen und nach den dazugehörigen Vorbereitungs- und Regenerationsphasen. Jede Phase beinhaltet unterschiedliche Schwerpunkte, welche aufeinander aufbauen. So beginnt die Vorbereitungsphase überwiegend mit konditionellen Einheiten, daran folgen technische sowie koordinative Übungen und zum Schluss werden technische Elemente mit taktischen Aufgaben kombiniert.

Eine Trainingseinheit unterteilt sich in den Dreiklang Einleitung mit Erwärmung und eventuell Dehnung, Hauptteil mit verschiedenen Übungen zur Erreichung des Stundenzieles, sowie Schlussteil bzw. cool down.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Trainingssteuerung ein unabdingbarer Prozess in einer hochwertigen Trainingsgestaltung ist. Aufbauend auf den vorher beschriebenen 9-Punkte-Plan kann eine gute Basis für die Erstellung eines Trainingsprogramms gelegt werden. Die Erstellung eines Trainingsplanes bildet den Hauptbestandteil des Trainingsplanungsprozesses.

Neben den allgemeinen Rahmenbedingungen zur Erstellung eines Trainingsprogramms ist es aber auch wichtig sportartspezifische Gegebenheiten zu berücksichtigen. Bei der Erstellung eines Trainingsprogramms für Standardsituationen in der Sportart Fußball soll vor allem das taktische Handeln optimiert werden. Im Folgenden Abschnitt wird daher auf erste theoretische Aspekte zum taktischen Handeln eingegangen.

2.2. Theoretische Aspekte zum taktischen Handeln

Der folgende Abschnitt befasst sich mit den theoretischen Grundlagen der Spieltätigkeit. Dazu wird die kollektive Spieltätigkeit (2.2.1) sowie die individuelle Spieltätigkeit (2.2.2) erklärt. Das Kapitel richtet sich überwiegend an den Erkenntnissen der Diplomarbeit von Andreas Born (1991), welcher sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt hat.

2.2.1. Die kollektive Spieltätigkeit

„Die kollektive Spieltätigkeit stellt die langfristig vorbereitete, zielgerichtete, geplante und rückgemeldete Auseinandersetzung eines Sportspielkooperativs mit seiner sozialen und materialen Umwelt im Rahmen des Wettspiels dar.“ (Born, 1991, S.9)

Das Sportspielkooperativ beschreibt die Mannschaft, welche sich im Wettkampf gegen den Gegner behaupten möchte. Das Kooperativ besteht aus Individuen, die teilweise in Kleingruppen zusammengefasst werden können. Die Individuen besetzen jeweils eine Position im Mannschaftsgefüge. Mit dieser Position sind bestimmte Aufgaben verbunden, die jeder Einzelne für den Erfolg der Mannschaft zu erfüllen hat, um das gemeinsam angestrebte Ziel zu erreichen.

Das Sportspielkooperativ agiert während des Wettkampfes zielgerichtet. Die Spieltätigkeit stellt eine Aneinanderreihung von Spielhandlungen dar, die zum Erreichen des Wettkampfzieles notwendig sind. Das Ziel muss allen Beteiligten bewusst sein und sollte von allen gleichermaßen angestrebt werden.

Die Handlungen des Sportspielkooperatives sollten langfristig vorbereitet und geplant sein, um den Ablauf zu festigen und die Besonderheiten der Individuen optimal zu kombinieren. Dazu gehört die Erstellung eines allgemeinen Spielkonzeptes, worin die jeweiligen Aufgaben dargestellt werden. Aufbauend auf dem allgemeinen Spielkonzept wird ein Spezielles für den jeweiligen Wettkampf erarbeitet. Diese taktische Grundlage soll für die auftretenden Spielhandlungen anwendbar sein. Die fertige Planung muss situationsgerecht in der jeweiligen Aktion gedanklich abgerufen und dann als Rückmeldung auf motorischer Ebene dementsprechend gehandelt werden.

Anhand der fortlaufenden Aktionen muss das Spielkonzept ständig auf einem aktuellen Stand gehalten werden. Die jeweiligen Rückmeldungen sowie die Effektivität der Handlungen sollen eine Kontrollfunktion für die Erreichung des angestrebten Zieles beinhalten, um bei Abweichungen kurzfristig Korrekturen einzufügen. Das Spielkonzept ist demnach keine starre Vorgabe, sondern vielmehr ein Grundgerüst, welches je nach Bedarf abgeändert werden kann. Äußere Einflüsse, wie das Verhalten des Gegners, des Schiedsrichters oder der Spielstand können bei Teilen des Konzeptes Änderungen veranlassen.

In der folgenden Abbildung soll der Prozess der Spieltätigkeitsregulation dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Modell der Regulationsprozesse der kollektiven Spieltätigkeit (nach Born, 1991, S.12)

Anhand eines Regulationsmodells zur kollektiven Spieltätigkeit werden die Prozesse aufgezeigt, welche während der verschiedenen Spielhandlungen stattfinden. Dabei wird in zwei verschiedenen Ebenen unterschieden. Die obere Ebene bildet die Konzeptebene, in der das Spielkonzept erstellt und je nach Bedarf an die Spielsituation abgeändert werden soll. Dieses Spielkonzept wird auf die darunter liegende Anwendungsebene übergeben. Der damit angegebene Sollwert muss in der Anwendungsebene zur situativen Zielentscheidung genutzt werden. Je nach Spielsituation soll ein Handlungsprogramm zugeordnet werden, mit dessen Hilfe der Zugriff auf ein Bewegungsschema erfolgt, um eine zum Konzept passende Aktion auszuführen. Demzufolge entstehen drei hierarchisch aufbauende Regulationsebenen. Die Zielebene, die Programmebene sowie die Bewegungsebene. Auf den jeweiligen Regulationsebenen sind spezifische Wahrnehmungs- sowie operative Denk- und Entscheidungsprozesse durchzuführen. Nach dem Prinzip des Regelkreises wird ausgehend von der oberen Ebene ein Sollwert an die nächst tiefere Ebene weitergeleitet. Diese Vorgabe wird in der Ebene verarbeitet und das Resultat wird zurückgemeldet (vgl. Volpert, 1974).

In

Abbildung 3 soll das Modell der Regulation der Spieltätigkeit aufgezeigt werden, um so einen Gesamtüberblick zu verschaffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Gesamtmodell der Regulation der Spieltätigkeit (nach Born 1991, S. 20)

2.2.2. Die individuelle Spieltätigkeit

Die individuelle Spieltätigkeit ist ein Teilbereich der kollektiven Spieltätigkeit. Sie „stellt die zielgerichtete, bewusste Auseinandersetzung eines Spielers mit seiner sozialen und materialen Umwelt im Rahmen eines Sportspiels dar“ (Born, 1991, S.43). Die individuelle Spieltätigkeit ist erwartungsgesteuert (vgl. Nitsch & Allmer, 1978, S.24). Aufgrund des Spielgeschehens werden individuelle Bedürfnisse befriedigt, welche sich aus langfristigen Zielen ergeben. Die Handlungen sind wie bei der kollektiven Spieltätigkeit ein bewusster, zielgerichteter Prozess, der ständig innerhalb der Ebenen zurückgemeldet wird und Folge einer langen Vorbereitung ist.

Anhand des Regulationsprozesses der kollektiven Spieltätigkeit (vgl.

Abbildung 3) ergeben sich vier Bereiche von Anforderungen der einzelnen Personen (vgl. Born, 1991, S.44).

1. Anpassung des kollektiven Spielkonzeptes sowie deren Kontrolle.
2. Entscheidung über ein situatives, kollektives Handlungsziel.
3. Entscheidung über einen kollektiven Handlungsplan, der der Situation entspricht.
4. individuelle Aufgabenbewältigung in Folge des Mannschafts-Aktionsprogramms.

Ziel der individuellen Spieltätigkeit ist die optimale Bewertung der Personen-Umwelt-Konstellation unter Berücksichtigung der Aufgabenstellung sowie der eigenen Fähigkeiten. Die daraus folgende Handlung kann nach Nitsch (1986) in die drei Phasen der Antizipation, der Realisation sowie der Interpretation unterteilt werden.

In der Antizipationsphase findet eine subjektive Bewertung der Situation statt. Anhand von Kalkulationsprozessen wird unter Berücksichtigung der aktuellen Situation und der eigenen Fähigkeiten intentional alles Notwendige unternommen, um die Aufgabe entsprechend den persönlichen Interessen zu lösen. In Folge der Kalkulation werden Planungen durchgeführt, wie die Situation bestmöglich gelöst werden kann, um die Ziele zu verwirklichen. Die Antizipationsphase läuft lediglich in Gedanken ab. Zur Umsetzung dieser Gedanken ist die Realisationsphase zuständig. Hierbei werden die vorher gesteckten Ziele situationsgerecht ausgeführt. Der in Gedanken durchgeführte Ablauf wird somit in die Realität umgesetzt. Nach der Realisation folgt die Interpretation, worin die Handlungsausführung mit den Handlungsfolgen verglichen und beurteilt werden sollen (vgl. Nitsch, 1986, S.262). Nitsch (1986) stellt das Grundmodell der Handlungsregulation wie in Abbildung 4 ersichtlich dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Grundmodell der Handlungsregulation (nach Nitsch, 1986, S.230)

2.3. Begriffsbestimmungen und Erläuterungen

„Durch Standardsituationen zum sportlichen Erfolg zu kommen, ist leichter, als bisher angenommen wurde.“ (Frank, 2001, S.10) Doch warum fällt dennoch nur etwa jedes dritte Tor in Folge einer Standardsituation? Was sind überhaupt Standardsituationen (2.3.2)? Welche Varianten von Standardsituationen gibt es und welche technischen (2.3.3.3) bzw. taktischen Vorraussetzungen (2.3.3.4) müssen bei den Spielern gegeben sein, um doch zu einem erfolgreichen Torabschluss zu gelangen? Diese und weitere Fragen werden im folgenden Kapitel aufgenommen und geklärt. Vorerst wird eine unterschiedliche Interpretation des Begriffes (2.3.1) aufgezeigt, welche anschließend unter der fußballtypischen Definition genauer beschrieben wird.

2.3.1. Standardsituation vs. Standardsituation

Bei der Befragung von weniger sportinteressierten Personen zum Thema Standardsituationen im Fußball gibt es zahlreiche Antwortvarianten. Oftmals wird aus dem Begriff „Standard“ eine Situation gedeutet welche im Spiel häufig vorkommt. So werden zum Beispiel bestimmte Schüsse, Zuspiele sowie eintrainierte Lauf- und Passwege als Spiel- oder Trainingssituationen mit standardisiertem Charakter benannt. Auch die Literatur gibt an, dass spieltechnische Fertigkeiten, welche in der gleichen Bewegungsausführung immer wieder während eines Spieles auftauchen, als Standardsituationen bezeichnet werden können (vgl. Gerlach, 2001, S.21).

Als Standardsituationen im Fußball werden umgangssprachlich jedoch primär Spielaktionen aus einer ruhenden Position des Balles bezeichnet. Die ruhende Position kommt aufgrund einer Spielunterbrechung zu Stande. Zu den klassischen Standardsituationen gehören vor allem der Freistoß, der Eckstoß sowie der Strafstoß und der Einwurf. Zusätzlich lassen sich noch der Abstoß sowie der Anstoß in die Kategorie der Standardsituationen einordnen.

Insgesamt lassen sich also sowohl ständig wiederkehrende Situationen aus dem Spiel heraus (Doppelpass, Hinterlaufen, Kreuzen), als auch Standardsituationen durch ruhende Bälle finden (Freistoß, Eckstoß, Einwurf).

2.3.2. Was sind Standardsituationen?

Der Begriff wurde erstmals in den 70-er Jahren in der Deutschen Demokratischen Republik verwendet. Ende der 80-er übernahm auch der westliche Teil Deutschlands die Bezeichnung (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Standardsituation). Um eine geeignete Definition des Wortlautes zu suchen liegt es nahe im Regelwerk des Deutschen Fußballbundes nachzuschlagen. Doch widmet das Regelwerk aus der Saison 2006/07 dem Wort Standardsituation keine einzige Silbe. In verschiedenen Lexika lassen sich jedoch Definitionen von Standardsituationen finden. „Als Standardsituation … wird eine Spielsituation in einem Mannschaftssport bezeichnet, die sich aufgrund einer vorherigen Spielunterbrechung ergibt und wegen des relativ gut vorhersehbaren Ablaufs besonders dazu eignet, im Training geübt zu werden. Im Fußball werden in diesem Zusammenhang vor allem der Freistoß und der Eckstoß genannt, Standardsituationen ergeben sich aber auch beim Einwurf, Abstoß, Strafstoß oder beim Anstoß.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Standardsituation, 07.12.2007)

Standardsituationen finden sowohl im Spielaufbau als auch im Angriffsspiel Anwendung. Zu den spielaufbauenden Standards zählen zum Beispiel der Abstoß oder Freistöße und Einwürfe in der eigenen Spielhälfte. Der Eckstoß oder Freistöße in Tornähe werden dem Torangriffsspiel zugeordnet (vgl. Krause, 1991, S.34). Standardsituationen können im Fußball spielentscheidend sein. Vor allem Eckbälle und Freistöße aber auch Einwürfe in Tornähe bieten der Mannschaft stets die Möglichkeit eine gefährliche Torchance zu erarbeiten. Aufgrund dessen, dass der Ball vor der Ausführung der Standardsituation ruht und der Gegner vor der Spielfortsetzung einen Sicherheitsabstand zum Ball einhalten muss, lässt sich mit einem präzisen Pass oder Schuss stets eine gute Ausgangslage für einen Torerfolg erarbeiten. Vor allem wenn die ballbesitzende Mannschaft einstudierte Varianten der Ausführung von Standardsituationen verinnerlicht hat, lässt sich der dadurch geschaffene Wissens- und Bewegungsvorsprung einfacher in einen Torabschluss umwandeln. Hier sind die Arbeit des Trainers und dessen Fingerspitzengefühl gefragt. Er gibt dem Team bestimmte Möglichkeiten vor, wie die gegnerische Mannschaft überwunden werden kann. Dabei muss er neben den Fähigkeiten der eigenen Spieler auch die Schwächen des Gegners analysieren. Trotzdem sollte er ein Grundrepertoire an Freistoß- und Eckballvarianten mit der Mannschaft erarbeitet haben, da das Erlernen neuer Möglichkeiten einer langen Trainingszeit bedarf.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich lediglich mit Standardsituationen, welche dem Torangriffsspiel zugeordnet werden. Alle weiteren Standards wurden anfangs nur der Vollständigkeit halber aufgelistet, werden aber in der weiteren Untersuchung keine Beachtung mehr finden. Um eine genaue Vorstellung der verschiedenen Möglichkeiten von Standardsituationen zu erlangen werden die Begriffe Freistoß, Eckball, Strafstoß sowie Einwurf zunächst definiert. Jede offensive Standardsituation wird bezüglich der Geschichte, dem aktuellen Regelstand des Deutschen Fußballbundes sowie einiger Ausführungsbestimmungen vorgestellt.

2.3.2.1. Einwurf

Der Einwurf stellt die wohl am häufigsten auftretende Standardsituation während eines Fußballspieles dar. Jedoch kommt es sehr selten zu einem Torerfolg in Folge eines Einwurfes. Dies liegt einerseits daran, dass es aufgrund des Regelwerkes nicht erlaubt ist ein Tor direkt durch einen Einwurf zu erzielen und andererseits spielt sicher auch das mangelnde Training von Einwurfvarianten eine wesentliche Rolle.

1. Geschichte

Das Regelwerk sah bis 1863 vor, dass demjenigen Spieler ein Einwurf zugestanden wird, welcher dem Ball im Seitenaus nachläuft und ihn als erster berührt. Zu jener Zeit wurde der Ball anschließend nicht ins Spiel geworfen, sondern an der Stelle, wo er über die Seitenauslinie rollte direkt auf das Spielfeld gestoßen. Später erfolgte die Spielaufnahme nach der Eroberung des Balles mit einem einhändigen oder zweihändigen Wurf im rechten Winkel zur Seitenauslinie. 1877 wurde der Einwurfregel nochmals geändert. Nun war die Richtung des Einwurfes freigestellt. Außerdem sollten die „Wettkämpfe“ um den Ball vermieden werden. Deshalb bekam fortan die Mannschaft den Einwurf zugesprochen, welche den Ball nicht in das Seitenaus gespielt hat. Seit 1882 wird nur noch der beidhändige Einwurf geduldet, wodurch schon eine annähernd gleiche Regelung wie heutzutage erreicht werden konnte. Dieses Grundgerüst wurde erst 1898 erweitert, in dem festgelegt wurde, dass per Einwurf kein direktes Tor erzielt werden darf. 1920 wurde entschieden, dass die Abseitsregelung ab sofort bei der Ausführung des Einwurfes außer Kraft gesetzt ist. Nummer 15 aus dem Regelwerk des Jahres 1937 schrieb vor, dass Spieler, welche einen Einwurf ausführen, mit den Füßen auf der Seitenauslinie stehen müssen, ohne diese komplett zu übertreten. Seitdem wurde an der Ausführung des Einwurfes im Regelwerk kaum etwas verändert.

2. Regelstand

Der Schiedsrichter hat auf Einwurf zu entscheiden, wenn der Ball vollständig die Seitenlinie des Spielfeldes überschritten hat. Dies kann sowohl in der Luft als auch am Boden geschehen. Der Einwurf wird daraufhin von der Mannschaft ausgeführt, welche den Ball nicht in das Seitenaus gespielt hat. Zur Spielfortführung ist kein Pfiff des Schiedsrichters notwendig. Der Ball wird an der Stelle, in der der Ball die Linie überschritten hat, wieder in das Spiel gebracht. Zum Einwurf sind beide Hände zu gebrauchen, wobei der Ball von hinten über den Kopf in das Spielfeld geworfen wird. Dazu sollten beide Füße am Boden bleiben. Sobald der Ball innerhalb des Spielfeldes ist, wird das Spiel fortgesetzt, jedoch müssen alle Gegenspieler einen Mindestabstand von zwei Metern zum einwerfenden Spieler einhalten. Der einwerfende Spieler darf nach Ausführung den Ball nicht direkt spielen. Es muss vorher ein weiterer Spieler den Ball berührt haben. Bei der Ausführung des Einwurfes ist die Abseitsregel aufgehoben, sodass einer schnellen Ausführung in die Tiefe nichts im Wege steht.

3. Ausführungshinweise

Aufgrund dessen, dass der Ball mit beiden Händen geworfen wird ist eine große Präzision des Wurfes möglich. Dafür ist die Wurfweite nicht so hoch wie bei einem einhändigen Abwurf (z.B. vom Torwart) oder Schuss. In den letzten Jahren lässt sich eine besondere Technik bei einwerfenden Spielern beobachten. Dabei wird der Einwurf fast ausschließlich mit der stärkeren Wurfhand ausgeführt. Die schwächere Hand dient lediglich der Führung des Balles und verhindert einen Verstoß gegen das Reglement. Aufgrund der abgeänderten Technik ist es den Spielern möglich besonders weit zu werfen. So kann ein Einwurf, der auf Höhe der Strafraumgrenze ausgeführt wird, ohne Probleme in den Fünfmeterraum geworfen werden, wodurch leicht torgefährliche Szenen entstehen können. Eine wissenschaftliche Untersuchung an der Brunel-Universität in Uxbridge ergab, dass der optimal Winkel für einen möglichst weiten Einwurf bei 30 bis 35 Grad liegt. Der optimale Winkel von 45 Grad aus der klassischen Mechanik wurde in diesem Fall widerlegt. Ursache dafür ist die höhere Wurfkraft bei flacheren Winkeln. Die meisten Spieler, die weite Einwürfe ausführen können, erreichen den vorgegebenen Winkel dabei intuitiv ohne von der physikalischen Regel Kenntnis zu haben (vgl. http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/261306.html, 11.9.2007). Wichtig bei der Ausführung des Einwurfes ist neben der korrekten Durchführung auch der taktische Hintergrund. Durch die hohe Präzision des Wurfes sollte oberstes Ziel sein, dass der Ball nach der Spielfortsetzung in den eigenen Reihen bleibt. Dazu müssen sich die Mitspieler so freilaufen bzw. anbieten, dass die Vollstreckung für den einwerfenden Spieler realisierbar bleibt. Es sollte ein Abstand gewählt werden, der weder zu gering noch zu hoch ist. Ein Einwurf auf einen Spieler der nur einen Meter vor dem Ball positioniert ist, ist genauso schwierig wie der präzise Wurf über eine Entfernung von mehr als 25 Metern. Das Zuspiel liegt vor allem in der Entscheidungsgewalt des einwerfenden Spielers. Er sollte seine Fähigkeiten am besten kennen und im Training immer wieder verbessert haben. Ihm sollte bewusst sein, wie weit er einen Einwurf spielen kann und ob er die frei stehenden Spieler erreichen kann. Einen präzisen Einwurf zu einem Spieler in kurzer Entfernung ist einem weiten unpräzisen Einwurf vorzuziehen.

Außerdem sollte der Mitspieler so angespielt werden, dass dieser den Ball optimal verwerten kann. Der im Spiel befindliche Ball kann mit allen Körperteilen, außer den oberen Körperextremitäten berührt werden. Fußballspielern fällt es am leichtesten den Ball mit den Füßen zu kontrollieren oder mit dem Kopf weiterzuleiten. Eine Ballan- und mitnahme ohne Gegnerbedrängnis ist auch mit der Brust oder dem Oberschenkel möglich, wodurch jedoch viel Zeit zur Herunternahme zum Fuß verloren geht. In der Hüft- und Bauchgegend lässt sich der Ball nur sehr schwierig kontrollieren. Deshalb sollte dieser Bereich beim Einwurf vermieden werden. Ein präziser Einwurf wird möglichst auf den spielstarken Fuß des Mitspielers geworfen. So hat er alle Möglichkeiten den Ball zu kontrollieren oder weiter zu verwerten. Weite Einwürfe, welche als Einwurfflanke in den Strafraum geworfen werden, können auch auf Kopfhöhe gespielt werden. Dadurch kann der Mitspieler den Ball direkt per Rückkopfball verlängern und somit ein Tor vorbereiten oder erzielen. Der Einwurf bietet damit auch die Möglichkeit Torchancen zu erarbeiten. Jedoch erfordert dies ein gutes Training und ständige Verbesserung und Abstimmung in der Mannschaft. Dies ist Aufgabe der einzelnen Spieler sowie des Trainers. Neben dem Einwurf zum Partner ist auch ein Einwurf in den Lauf des Partners möglich. Damit können gegnerische Spieler überworfen werden und somit Platz für eigene Mitspieler geschaffen werden. Dies erfordert ein gutes Timing von Einwurf des ausführenden Spielers und Laufweg des Partners.

Die folgende Abbildung soll alle realistischen Möglichkeiten der Ausführung eines Einwurfes aufzeigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Möglichkeiten der Ausführung eines Einwurfes

Dabei ist zu erkennen, dass der ausführende Spieler des Einwurfes zuerst entscheiden muss, ob er den Einwurf zu einem Partner oder in den Raum spielen möchte. Die Entscheidung ist abhängig vom Partner sowie vom Gegner. Der Partner kann einmal durch Gestik, Zuruf oder seinen Laufweg signalisieren wohin er den Ball gespielt haben möchte. Der Gegner kann durch geschicktes Stellungsspiel die Möglichkeiten der Ausführung einschränken. Nun hat der einwerfende Spieler die Möglichkeit den Einwurf nach vorn, mittig oder in den Rückraum zu spielen. Diese Entscheidung kann wiederum durch den Partner oder Gegner beeinflusst werden. Hier können aber taktische Vorgaben eine Rolle spielen. Ein Einwurf nach vorn deutet immer auf einen Angriffsversuch hin. Dies wird vor allem geschehen, wenn die Mannschaft ein Tor erzielen muss – also zum Beispiel bei Rückstand oder bei Gleichstand gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner. Hingegen wird der Einwurf in den Rückraum häufiger stattfinden, wenn die Mannschaft etwas mehr Zeit gewinnen möchte. Der Einwurf nach hinten soll dem eigenen Team Sicherheit verschaffen, da der Ball dort besser in den eigenen Reihen gehalten werden kann. Außerdem kann damit der Gegner aus seiner defensiven Spielweise nach vorn gelockt werden. Der Einwurf nach hinten bietet auch die Möglichkeit der schnellen Spielverlagerung. Ein Einwurf in den Rückraum wird überwiegend direkt zum Partner gespielt.

Nach der Ausführung des Einwurfes liegt es am Partner die Spielfortsetzung optimal zu vollziehen. Dabei hat der Spieler die Möglichkeit der Ballan- bzw. –mitnahme, der Weiterleitung sowie der Balleroberung eines in den Raum geworfenen Einwurfes. Die Ballan- sowie –mitnahme und die Weiterleitung kann mit allen Körperteilen außer Arm und Hand geschehen, sollte aber möglicht mit Kopf oder Fuß durchgeführt werden. Dem ballbesitzenden Spieler stehen in Folge alle Möglichkeiten der Ausführung offen.

Anhand der Abbildung und Erklärungen sollten die Gegebenheiten rund um die Standardsituation Einwurf dargelegt werden. Eine genaue Analyse erfolgreicher Einwurfsituationen wird in Kapitel 3.3.1 aufgezeigt und später in das Trainingsprogramm aufgenommen.

2.3.2.2. Eckball

Bekannte Äußerungen wie „drei Ecken, ein Tor“ lassen darauf deuten, dass der Eckball eine sehr erfolgreiche Standardsituation sein könnte. In diesem Abschnitt werden neben der Geschichte und dem aktuellen Regelstand zahlreiche Ausführungsbestimmungen angegeben, die den Eckball näher belegen sollen.

1. Geschichte

Die Regelung der Ausführung des Eckballes fand zusammen mit der Einführung der Abseitsregel sowie den Ausführungsbestimmungen zum Freistoß im Jahre 1866 statt. Der Eckball sollte schon dann immer ausgeführt werden, wenn die verteidigende Mannschaft den Ball über die eigene Grundlinie in das Toraus spielt. Die Spielaufnahme erfolgte durch einen Freistoß von der am nächsten stehenden Eckfahne (ab 1873). Erst ein Jahr später brachte Konrad Koch, ein Gymnasiallehrer, den Fußballsport nach Deutschland. Er führte unter anderem auch den Begriff Eckball ein. 1880 wurde die Eckzone gesondert durch die noch heute gültigen Maße des Viertelkreises im Radius von einem Meter um die Eckfahne gekennzeichnet. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass die Abseitsregelung bei der Ausführung des Eckballes außer Kraft gesetzt ist. Einige Jahre später (1924) wurde die direkte Torerzielung durch einen Eckball genehmigt. Aufgrund der Rotation des Balles ist eine bogenförmige Flugkurve möglich, wodurch technisch versierte Spieler in der Lage sind den Ball ohne Einfluss der Mitspieler in das gegnerische Tor zu befördern. Regel Nr. 17 aus dem Jahre 1971 des International Football Association Board (IFAB) besagte, dass sich der Ball bei der Ausführung des Eckstoßes ab sofort „gänzlich innerhalb des kreisförmigen Sektors befinden“ muss, indem „die Projektion des Umfangs des Balls … nicht den äußeren Rand der Linien des Eckraums überschreiten“ darf.

2. Regelstand

Wie schon im Geschichtsteil erkenntlich bezieht sich die Regel 17 des jeweiligen Regelwerkes auf den Eckstoß. Die für die Analyse aktuellen Regeln stammen aus der Saison 2006/07. Der Schiedsrichter hat demnach auf Eckstoß zu entscheiden, „wenn der Ball – zuletzt von einem Spieler der verteidigenden Mannschaft berührt – in der Luft oder am Boden vollständig die Torlinie überquert, ohne dass dabei ein Tor in Übereinstimmung mit Regel 10 erzielt wurde.“ (DFB Fußball Regeln 2006/07, S.57). Laut den Anweisungen des Deutschen Fußball-Bundes muss der Eckball von der Seite ausgeführt werden, von welcher der Ball das Spielfeld verlassen hat. Die Spieler können sich somit nicht mehr, wie vor einiger Zeit möglich, die Seite der Ausführung aussuchen. Der Schiedsrichterassistent hat sich vor der Ausführung von der korrekten Lage des Balles im Viertelkreis zu überzeugen. Der Ball darf dabei nicht im vollen Umfang außerhalb des Kreises liegen, sondern muss mit Teilen die Linie berühren. Nachdem der Assistent den Schiedsrichter per Handzeichen signalisiert hat, dass der Ball ordnungsgemäß bereit liegt, kann der Eckstoß ausgeführt werden. Die Gegenspieler müssen sich dazu mindestens 9,15 vom Viertelkreis entfernt aufhalten, bis der Ball gespielt wurde. Der Ball befindet sich im Spiel, sobald er von einem Spieler der angreifenden Mannschaft mit dem Fuß berührt wurde und sich bewegt. Der Spieler, welcher den Eckstoß spielt, darf den Ball erst wieder berühren, wenn ein anderer Spieler den Ball gespielt hat. Damit wird ein Dribbeln oder kurzes Passen genauso untersagt wie das erneute Spielen nachdem der Eckstoß vom Pfosten zum Spieler zurückprallt. Punkt 3 der Anweisungen des DFB (vgl. Fußball Regeln 2006/07, S.58) besagt, dass der Schiedsrichter die Spielzeit für einen Eckstoß nicht verlängern muss. Das heißt, wenn bereits die Nachspielzeit im Spiel beendet ist, muss der Eckball nicht mehr ausgeführt werden. Der Schiedsrichter ist berechtigt das Spiel vor Ausführung des Eckstoßes abzupfeifen.

3. Ausführungsbestimmungen

Ein typischer Eckstoß wird direkt in den Strafraum geschlagen. Dennoch gibt es zahlreiche Varianten, die eine abwechslungsreiche und auch erfolgreiche Ausführung versprechen (siehe Kapitel 3.3.3). Wichtig sollte für jede Mannschaft sein, dass es überhaupt einstudierte Varianten gibt. Nur dadurch kann der mentale und auch physische Bewegungsvorsprung erreicht werden, um erfolgreich zum Abschluss zu kommen. Wenn alle beteiligten Spieler wissen, welche Variante ausgeführt und welche Rolle Sie dabei spielen, kann stets ein Bewegungsvorsprung gegenüber der gegnerischen Mannschaft erzielt werden, wodurch der Torerfolg deutlich wahrscheinlicher wird, als beim eher zufälligen Hereinschlagen des Eckstoßes. Bevor eine Eckstoßvariante ausgeführt werden kann, muss geprüft werden, ob die Möglichkeit erfolgsversprechend und realisierbar ist. Dies ist zum einen von der Grundaufstellung des eigenen Teams aber auch wesentlich vom Gegner abhängig. Wenn die verteidigende Mannschaft überdurchschnittlich groß aufgestellt ist, wird eine Hereingabe auf Kopfhöhe kaum den Mitspieler erreichen. Genauso kann eine Variante bei der der Ball in den Rückraum gespielt werden soll nicht durchgeführt werden, wenn sich in diesem Bereich gegnerische Spieler aufhalten. Deshalb ist es notwendig bei der Einführung von Eckstoßvarianten genau vorzugeben, welche Aufgaben die jeweiligen Spieler bei den verschiedenen Varianten haben, wann Sie bevorzugt gespielt werden sollen, sowie welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit die Variante durchführbar ist.

In der folgenden Übersicht sollen alle Möglichkeit aufgeführt werden, wie ein Eckball ausgeführt werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Möglichkeiten der Ausführung eines Eckstoßes

Die Übersicht verdeutlicht, dass es weit mehr Möglichkeiten gibt einen Eckstoß auszuführen als das bloße Hereinschlagen in den Strafraum. Wie effektiv einzelne Varianten sein können wird in den folgenden Kapiteln näher erläutert und im Trainingsprogramm praktisch aufgezeigt.

2.3.2.3. Freistoß

Der Freistoß ist die wohl bekannteste und spektakulärste Standardsituation im Fußball. Vor allem in den 90-er Jahren gab es eine Menge Spezialisten, welche die Freistöße sowohl direkt als auch indirekt auf beeindruckende Weise verwandelten. 2004 fand die bisher einzige Freistoß-WM in Marbella (Spanien) statt, wo aus 18, 21 und 25 Metern mehrere Freistöße über eine 4 Mann Mauer ins Tor geschlagen wurden. Im Folgenden soll zunächst auf die Geschichte und anschließend auf die Regeln zur Ausführung des Freistoßes eingegangen werden, bevor die beiden Freistoßtypen des direkten sowie des indirekten Freistoßes vorgestellt werden.

1. Geschichte

Die Geschichte des Freistoßes ist wenig spektakulär. Gerade die wenigen Änderungen im Laufe der Jahre machen den Freistoß als Standardsituation so interessant. Im Jahre 1866 wurde der Freistoß zusammen mit dem Eckstoß im Sheffield-Code aufgenommen. Von da an wurden in der Regel Nummer 13 alle Aktualisierungen zum Thema Freistoß aufgeführt. Seit 1880 wird nach einem gegnerischen Vergehen das Spiel mit einem Freistoß fortgesetzt. Erst 1904 wurde der direkte Freistoß eingeführt. Es dauerte weitere neun Jahre bis ein Mindestabstand der gegnerischen Spieler von 10 Yard (9,15m) festgelegt wurde. Seit dem gibt es kaum nennenswerte Veränderungen im Regelwerk.

2. Regelstand

In Regel 13 wird zwischen indirekten und direkten Freistößen unterschieden. Bei der indirekten Ausführung muss ein weiterer Spieler den Ball berühren, bevor ein Tor erzielt werden kann. Bei der direkten Ausführung ist nicht vorgeschrieben, ob der Ball vor dem Torschuss von einem weiteren Spieler berührt werden muss oder nicht. Das heißt, wenn der Schiedsrichter auf direkten Freistoß entscheidet, dann kann der Freistoß ohne Umwege sofort verwandelt werden. Der Schütze hat auch die Möglichkeit zu einem Mitspieler zu passen, welcher dann auf das Tor schießt.

„Bei der Ausführung des Freistoßes muss der Ball ruhig am Boden liegen, und der den Freistoßausführende Spieler darf den Ball erst wieder spielen, nachdem ein anderer Spieler den Ball berührt hat.“ (Fußball Regeln 2006/07, S.45)

Wie bereits unter Punkt 1 erwähnt, haben bei der Ausführung des Freistoßes alle Gegenspieler einen Abstand von mindestens 9,15 Meter einzuhalten. Ausnahme zu der Bestimmung bildet der indirekte Freistoß für die angreifende Mannschaft innerhalb des gegnerischen Strafraumes. Wenn ein Freistoß innerhalb des Strafraumes und weniger als 10 Yard von der Torlinie entfernt zugesprochen wird, so können die Gegenspieler sich auf der Torlinie aufstellen, auch wenn dann keine 9,15 Meter Abstand zum Ball eingehalten werden. Ein Freistoß wird immer dort ausgeführt, wo sich das Vergehen ereignet hat. Ausnahme bildet hierbei der indirekte Freistoß innerhalb des Torraumes der verteidigenden Mannschaft. Diese Art von Freistößen dürfen von jedem Punkt im Torraum ausgeführt werden. Bei der Ausführung des indirekten Freistoßes muss der Schiedsrichter seinen Arm über den Kopf heben, um so für alle Beteiligten zu signalisieren, dass der Ball nicht direkt in das Tor gespielt werden darf.

Folgende 10 Verstöße gegen das Reglement führen dazu, dass das Spiel mit einem direkten Freistoß fortzusetzen ist (vgl. Fußball Regeln 2006/07, S.37f.).

1. Ein gegnerischer Spieler tritt, oder versucht zu treten.
2. Ein gegnerischer Spieler stellt ein Bein oder versucht dies.
3. Ein gegnerischer Spieler springt einen Anderen an.
4. Ein gegnerischer Spieler rempelt einen Anderen.
5. Ein gegnerischer Spieler schlägt, oder versucht zu schlagen.
6. Ein gegnerischer Spieler stößt einen Anderen.
7. Ein gegnerischer Spieler trifft den Anderen beim Tackling vor dem Ball.
8. Ein gegnerischer Spieler hält einen Anderen.
9. Ein gegnerischer Spieler spuckt einen Anderen an.
10. Ein gegnerischer Spieler (außer der Torwart in seinem Strafraum)

spielt den Ball absichtlich mit der Hand.

Der gegnerischen Mannschaft wird ein indirekter Freistoß zugesprochen, wenn der Torwart innerhalb seines Strafraumes folgende Verstöße begeht.

1. Der Torwart wartet mit dem Ball in seinen Händen länger als sechs Sekunden, bevor er ihn für das Spiel durch einen Abschlag, Abwurf oder eine Ablage freigibt.
2. Der Torwart berührt den Ball nach der Freigabe erneut mit der Hand, bevor ihn ein anderer Spieler berührt hat.
3. Der Torwart berührt den Ball mit der Hand, nachdem ein Partner ihn absichtlich mit dem Fuß zugespielt hat.
4. Der Torwart berührt den Ball mit der Hand, nachdem er ihn nach einem Einwurf eines Mitspielers direkt zugespielt bekommen hat.

Ein indirekter Freistoß wird ebenfalls zugesprochen, wenn ein gegnerischer Spieler folgende Verstöße begeht.

1. Wenn der Gegner gefährlich spielt.
2. Wenn der Gegner den Lauf behindert.
3. Wenn ein Spieler den gegnerischen Torwart daran hindert den Ball aus seinen Händen freizugeben.
4. Bei allen Verstößen, die vorher nicht aufgeführt sind, aber nach Ermessen des Schiedsrichters verwarnungswürdig sind.

Bei der Spielfortsetzung mittels eines Freistoßes sollen die Schiedsrichter prinzipiell eine schnelle Ausführung zulassen. Als Signalzeichen kann ein Pfiff, Wink, Ruf oder die einfache Zustimmung dienen. Lediglich wenn die zum Freistoß berechtigte Mannschaft auf die Einhaltung des Abstandes von 9,15 Meter besteht, ist das Spiel zu unterbrechen und der Ball für die Ausführung gesperrt.

3. Ausführungsbestimmungen

Bei der Ausführung eines Freistoßes ist neben dem Regelwerk vor allem auf taktische Belange zu achten. Grundsätzlich sollte eine schnelle Ausführung angestrebt werden, da hierdurch der Gegner kaum Zeit hat sich zu positionieren. Außerdem kann so das Tempo hoch gehalten und vor allem bei Gleichstand bzw. Rückstand zusätzlich Druck auf den Gegner erzeugt werden.

Im torgefährlichen Bereich in Strafraumnähe ist dagegen eher Ruhe geboten. Die beteiligten Spieler sollten sich auf die Ausführung der Standardsituation konzentrieren. Wenn die Mannschaft einen Freistoßspezialisten in den eigenen Reihen hat, der in der Lage ist einen Freistoß direkt zu verwandeln, so sollte dies die erste Option sein, da hierdurch mit wenig Mitteln großer Erfolg erzielt werden kann und ein Gegenstoß weitestgehend verhindert werden kann. Denn zum Einen sind bei der Ausführung relativ wenig Spieler beteiligt, wodurch der Rückraum stärker abgesichert werden kann und zum Anderen wird das Spiel mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem ruhenden Ball fortgesetzt, da der Ball entweder in das Toraus oder direkt ins Tor gehen wird. Auch bei einer Spielfortsetzung vom Torwart (bei gehaltenem Ball) oder nach einem Abpraller aus der Mauer ist die Gefahr durch einen Konter relativ gering, da die verteidigende Mannschaft im folgenden Angriff in Unterzahl agiert.

Bei den Möglichkeiten der Ausführung muss zwischen direktem und indirektem Freistoß unterschieden werden.

1. Direkter Freistoß

Abbildung 7 soll alle realistischen Möglichkeiten der Ausführung eines direkten Freistoßes aufzeigen.

Dabei wird zunächst unterschieden in welche Richtung der Freistoss geschossen wird. Das nächste Kriterium ist die Höhe der Flugkurve, wird der Ball flach unter die Mauer, halbhoch neben die Mauer oder über die gegnerische Verteidigung geschossen. Neben der Schussrichtung ist vor allem das Ziel ausschlaggebend. Der ausführende Spieler hat die Möglichkeit den Schuss n die linke bzw. rechte Ecke zu platzieren oder zentral auf das Tor zu schießen. Zusätzlich kann der Ball flach, halbhoch oder hoch im Tor eintreffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Möglichkeiten der Ausführung eines direkten Freistoßes

De Abbildung verdeutlicht, dass sich trotz einfacher Regeln zahlreiche Varianten der Ausführung eines direkten Freistoßes ergeben. Vor allem die zusätzliche Möglichkeit der indirekten Ausführung lässt weitere Varianten offen (siehe Abbildung 8 ).

2. Indirekter Freistoß

Der indirekte Freistoß ist in der einfachen Ausführung weniger erfolgreich, da nach dem Pass der Gegenspieler den Ball näher als 9,15 Meter kommen kann, wodurch die Erfolgschance sinkt. Daher ist es besonders bei indirekten Freistößen notwendig der Kreativität freien Lauf zu lassen und vor allem im Training verschiedene Varianten einzustudieren. Abbildung 8 soll alle Möglichkeiten der Ausführung in einer Übersicht aufzeigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Möglichkeiten der Ausführung eines indirekten Freistoßes

Die Abbildung soll lediglich einen Überblick über verschiedene Möglichkeiten geben. In Kapitel 3.3.2 werden einige erfolgreiche Freistoßvarianten vorgestellt und später in das Trainingsprogramm eingeführt.

2.3.2.4. Strafstoß

Der Strafstoß ist die wohl einfachste Standardsituation. Dennoch gibt es immer wieder Elfmeterschützen, die dem psychischen Druck nicht Stand halten können. Im folgenden Abschnitt sollen neben der Geschichte des Strafstoßes auch der aktuelle Regelstand sowie einige Ausführungsbestimmungen dargelegt werden.

1. Geschichte

Der Torhüter des Milfort Everton FC aus dem Jahre 1891, William McCrum, gilt als Erfinder des Strafstoßes. Noch im selben Jahr wurde der Elfmeter (im englischen als 12 Yard bekannt) in der Irish Football Association eingeführt. Zur Anwendung kam der Freistoß aus 11 Metern immer dann, wenn der Gegner ein Bein stellte, getreten hat oder wenn Spieler die Hand zur Hilfe genommen haben, um ein Tor zu vermeiden (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Strafstoß). Damals musste sich der Schiedsrichter noch die Erklärungen des Kapitäns der schuldigen Mannschaft anhören und konnte im Anschluss seine Entscheidung zurück nehmen. (vgl. Bonfanti, 1997, S. 19). 1893 wurde der Strafstoß dann auch in Deutschland eingeführt. Vorerst gab es sowohl in England als auch in Deutschland keinen Elfmeterpunkt, sondern eine Strafstoßlinie, welche sich parallel zur Torauslinie elf Meter davor über die gesamte Spielfeldbreite erschloss. Der Schütze konnte frei entscheiden, von welchem Punkt auf der Linie er den Strafstoß ausführen möchte. Der Torwart konnte sich frei in seinem Torraum aufhalten. Diese Elfmeterlinie wurde bis 1902 beibehalten ehe dann zusammen mit der Einführung des Strafraumes auch der Elfmeterpunkt in die Regeln aufgenommen wurde. 1906 wurde dann auch der Bewegungsraum des Torhüters eingegrenzt. Von nun an darf sich der Torwart bei der Ausführung des Strafstoßes ausschließlich auf der Torlinie aufhalten. Auf dieser konnte er sich frei bewegen, was 1929 weiter eingeschränkt wurde, indem er bis zur Ausführung mit den Beinen auf der Stelle zu stehen hat, ab 1938 musste er sogar mit dem gesamten Körper still stehen bleiben, bis der Strafstoß getreten wurde. Erst 1997 wurde diese Regel wieder aufgelöst. Nun kann sich der Torwart wieder frei auf der Torlinie bewegen. Seit 1986 muss dem Schiedsrichter angezeigt werden, wer den Strafstoß durchführt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Strafstoß).

2. Regelstand

Nach dem Regelwerk aus der Saison 2006/07 ist ein Strafstoß „gegen eine Mannschaft zu verhängen, deren Spieler im eigenen Strafraum und während der Ball im Spiel ist, eine der zehn Regelübertretungen begeht, die mit direktem Freistoß zu bestrafen sind.“ (Fußball-Regeln 2006/07, S.48) Die zehn Regelübertretungen wurden bereits auf Seite 39 erläutert. Der Strafstoß dient der direkten Torerzielung. Er muss auch dann durchgeführt werden, wenn die Spielzeit bereits abgelaufen ist. Bei der Ausführung müssen sich alle weiteren Spieler auf dem Spielfeld jedoch außerhalb des Strafraumes und hinter dem Strafstoßpunkt in mindestens 9,15 Meter Entfernung vom Ball befinden. Der Schütze muss den Ball mit dem Fuß nach vorne stoßen und darf ihn erst wieder spielen, wenn er von einem anderen Spieler berührt wurde. Dies ist vor allem dann relevant, wenn der Elfmeter vom Pfosten oder von der Querlatte zurück zum Schützen prallt. Nach der Ausführung des Strafstoßes läuft das Spiel weiter, außer wenn direkt ein Tor erzielt wurde. Wenn der Ball vom Torhüter abprallt können alle Spieler, also auch der Schütze, direkt in das Spiel eingreifen und erneut versuchen ein Tor zu erzielen.

Der Schütze muss den Strafstoß in einem Zuge ausführen. Er darf seinen Lauf nicht unterbrechen, um den Torwart zu täuschen. Kritisch ist dabei anzumerken, dass Schiedsrichter auf derartige Regelverletzungen kaum eingehen (vgl. Loy, 2005, S.524).

3. Ausführungsbestimmungen

Die Ausführung eines Strafstoßes ist insgesamt recht banal. Der Schütze läuft an und schießt so auf das Tor, dass der Torwart den Ball nicht halten kann. Dennoch gibt es einige Tipps und Tricks, um die Erfolgswahrscheinlichkeit noch höher zu halten. Statistisch gesehen führen 75 – 80 % der Strafstöße zum Torerfolg, wobei 90% der Schützen in die linke oder rechte Ecke schießen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Strafstoß). Abbildung 9 führt reelle Möglichkeiten der Ausführung eines Strafstosses auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Möglichkeiten der Ausführung eines Strafstoßes

Darauf haben sich die Torhüter eingestellt und spekulieren deshalb meist auf eine Ecke, wodurch die Wahrscheinlichkeit auf die richtige Ecke zu spekulieren bei ca. 50 % liegt. Als Schütze kann diese Erkenntnis ausgenutzt werden. Elfmeterschützen sollten mehr Selbstvertrauen haben und so wie der französische Nationalspieler Zinedine Zidane, der im Finalspiel gegen Italien um die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland in der 7. Minute einen Elfmeter zentral unter die Latte lupfte, agieren.

Wichtig bei der Ausführung ist, dass der Torwart möglichst spät die Spielrichtung durchschaut. Einige Torhüter spekulieren instinktiv auf eine Ecke, gute Torhüter schauen genau auf die Bewegung und das Auftreten des Schützen und entscheiden sich dann für eine Ecke oder bleiben stehen. Daher sollte beim Elfmetertraining nicht nur das reine Schießen geübt werden. Vielmehr spielen psychische Stärke, Konzentration, Selbstbewusstsein und auch ein wenig schauspielerisches Geschick eine entscheidende Rolle. Ein Elfmeterschütze darf nicht immer in die gleiche Ecke schießen, er sollte mindestens zwei, besser drei, Varianten sicher beherrschen. Des Weiteren sollte der Schütze in der Lage sein einen Torwart „auszugucken“. Das heißt er sollte von der Bewegungsausführung her den Anschein erwecken in eine bestimmte Ecke schießen zu wollen und im letzten Moment die Fußstellung so ändern, dass der Ball in die andere Ecke gespielt wird.

Beim Strafstoß aus dem Spiel heraus ist es wichtig, dass sich einige Mitspieler um den Strafraum herum positionieren, um eventuell einen zurückprallenden Ball noch vor dem Gegner verwerten zu können (vgl. Bauer, 2001, S.7). Weitere Erkenntnisse zur Ausführung des Strafstoßes werden im aktuellen Forschungsstand (siehe Kapitel 3.1.1.3) vorgestellt.

2.3.3. Leistungskomponenten des Fußballes

Im Fußball spielen drei Leistungskomponenten eine entscheidende Rolle. Der folgende Abschnitt soll die Leistungskomponenten näher vorstellen. Dazu findet zu Beginn eine Einordnung der Standardsituationen in die Leistungskomponenten des Fußballs statt (Kap. 2.3.3.1). Daraufhin werden die einzelnen Bestandteile der Kondition (Kap. 2.3.3.2), der Technik (Kap. 2.3.3.3) sowie der Taktik (Kap. 2.3.3.4) besprochen.

2.3.3.1. Einordnung der Standardsituationen in die

Leistungskomponenten des Fußballes

Zu den Leistungskomponenten im Fußballspiel zählen die Kondition, die Technik sowie die Taktik. Diese drei sportspielspezifischen Faktoren können durch regelmäßiges Training verändert werden.

Die Projektgruppe „Spielanalyse im Leistungsfußball“ des Institut für Sport und Sportwissenschaft an der Universität Heidelberg erarbeitete in Zusammenarbeit mit den damaligen Trainern des SV Waldhof Mannheim sowie der TSG Hoffenheim taktische Kategorien des offensiven sowie defensiven Bereiches im Fußball. Die Zusammenfassung der Kategorien ist in der folgenden Tabelle dargestellt.

Tabelle 1: Darstellung taktischer Kategorien nach Flick/Schön und Pradt/Pasieka (vgl. Memmert, 2006, S.36)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Tabelle fällt auf, dass bei der Kategorisierung von Pradt/Pasieka Standardsituationen keine Beachtung finden. Das liegt daran, dass beide Trainer Eckbälle und Freistöße überwiegend nicht als gruppentaktische Fähigkeiten einstufen, sondern eher Wert auf die Präsenz im gegnerischen 5m-Raum, die Unterstützung durch Mitspieler oder die Laufwege der Stürmer legen. Diese Kategorien spielen bei der Ausführung von Standards eine große Rolle.

Die unterschiedlichen Kategorien von Flick/Schön beinhalten teilweise mehrere Gruppentaktische Fähigkeiten, welche in der dazu angegebenen Literatur näher beschrieben werden.

Tabelle 2: Taktische Kategorien nach induktiver Kategorienbildung durch Flick/Schön und die dazugehörige fußballspezifische Literatur (vgl. Memmert, 2006, S. 34)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Festzuhalten ist hierbei, dass nach Flick/Schön die Standardsituationen als gruppentaktische Fähigkeit zugeordnet wurden. Jedoch lassen sich durchaus auch Spielszenen finden, wobei die gesamte Mannschaft bei Standardsituationen involviert ist. Eine Mannschaft, welche knapp zurückliegt und der kurz vor Spielende der Spielzeit ein Freistoß in aussichtsreicher Position zugesprochen wird, bekommt nicht selten vom Trainer die Anweisung volles Risiko zu gehen indem er alle Spieler samt Torwart in den gegnerischen Strafraum schickt, um den Freistoß verwerten zu können. Anhand dieses Beispiels lässt sich zeigen, dass bei Standardsituationen wie Freistößen und Eckbällen auch mannschaftstaktische Fähigkeiten gezeigt werden müssen (vgl. Stephan, 2004, S. 18 sowie Bisanz/Gerisch, 1992, S. 295). Es lässt sich nicht verallgemeinernd sagen, ob Standardsituationen zu den gruppentaktischen oder zu den mannschaftstaktischen Fähigkeiten zuzuordnen sind. Eine Befragung von 35 Trainern zu den vorgenannten Kategorien zeigte, wie bedeutsam Standardsituationen einzuschätzen sind. Bei einer Skala von eins bis sechs, wobei eins als „nicht bedeutsam“ und sechs als „sehr bedeutsam“ eingestuft wurde, stuften die Trainer die Standardsituationen mit einem Mittelwert von 5,5 an fünfter Stelle der insgesamt 14 Kategorien ein (vgl. Memmert, 2006, S.39).

Nachdem nun eine erste Einordnung der Standardsituationen stattgefunden hat, ist anzumerken, dass zur Ausführung von Standardsituationen sowohl konditionelle, technische als auch taktische Fähigkeiten von Nöten sind. Die wichtigsten Bestandteile werden in den folgenden Abschnitten kurz beschrieben.

2.3.3.2. Konditionelle Anforderungen

Die Kondition ist eine Komponente des Leistungszustandes. Sie basiert primär auf dem Zusammenwirken energetischer Prozesse des Organismus und der Muskulatur und zeigt sich als Kraft-, Schnelligkeits-, Ausdauerfähigkeit sowie Beweglichkeit im Zusammenhang mit den für diese Fähigkeiten erforderlichen psychischen Eigenschaften. (vgl. Martin, 1991, S.97). Im Folgenden sollen die einzelnen Teile der Kondition erläutert werden, sowie deren Unterbereiche und Bezugspunkte bei Standardsituationen angesprochen werden.

1. Kraft

Als Kraft wird die Muskelkraft bei größeren äußeren Widerständen definiert. Jonath (1988) unterscheidet dabei in die Subkategorien Maximalkraft, Schnellkraft sowie Kraftausdauer.

Die Maximalkraft ist die Kraft, die bei höchstmöglicher willkürlicher Kontraktion gegen einen fixen Widerstand erreicht werden kann (vgl. Jonath, 1988, S. 178). Maximalkräfte sind bei Standardsituationen vor allem bei der Ausführung der Freistöße, Eckbälle oder auch bei Strafstößen von entscheidender Bedeutung, da je höher die Maximalkraft bestimmter Muskeln und Muskelgruppen ist, desto höher ist auch die Schusskraft, und damit die Möglichkeit eine Standardsituation mit hohem Tempo in Bezug auf Schussgeschwindigkeit auszuführen. Ein spezielles Training kann die Maximalkraft verbessern. Dennoch sind auch Faktoren wie Alter, Muskelquerschnitt oder die Energiebereitstellung für die Maximalkraft begrenzend.

Die Schnellkraft ist die Fähigkeit einen hohen Kraftimpuls in einer bestimmten Zeit zu entwickeln. Sie ist abhängig von der Kraftwirkungsdauer, dem Kraftmaximum und dem Kraftanstieg. Genauso wie die Maximalkraft kann auch die Schnellkraft durch Training verbessert werden, wobei das Trainingsprogramm aufgrund der engen Verbindungen ähnlich gestaltet werden kann (vgl. Jonath, 1988, S. 244f.). Eine hohe Schnellkraft wird vor allem von den Spielern im torgefährlichen Raum benötigt, welche durch kurze Sprints und Richtungswechseln in hohem Tempo den nötigen freien Raum erarbeiten sollen, um daraufhin zum Abschluss zu gelangen. Genauso ist die Sprungkraft Teil der Schnellkraft. Die wird vor allem bei Kopfballduellen in Folge von Freistößen, Eckbällen und Einwürfen benötigt.

Nach Letzelter (1986) ist die Kraftausdauer eine Kombination von Kraft und Ausdauer, welche als Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems bezeichnet wird, um eine hohe Impulssumme in einem festgelegten Zeitraum gegen eine Last zu entwickeln. Die Kraftausdauer wird bei Standardsituationen nicht direkt benötigt. Jedoch muss auch Sie vorhanden sein, um bestimmte Anforderungen, wie die Sprintkraftausdauer, die Sprungkraftausdauer oder die Schusskraftausdauer über einen möglichst langen Zeitraum ausführen zu können. Die folgende Abbildung soll alle Bestandteile der Kraft übersichtlich darstellen, wobei die für Standardsituationen relevanten Bereiche farblich hervorgehoben wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Kraftfähigkeiten (modifiziert nach Letzelter, 1986, S.66)

2. Schnelligkeit

Der Begriff Schnelligkeit gliedert sich in die Reaktionsschnelligkeit, sowie in die elementare und die komplexe Schnelligkeitsfähigkeit. Aus physiologischer Sicht beschreibt Schnelligkeit die Fähigkeit aufgrund der Beweglichkeit der Nervenprozesse und des Muskelapparates Bewegungen in einer bestimmten Zeiteinheit auszuführen. In der zahlreichen einschlägigen Literatur ist der Begriff Schnelligkeit jedoch noch nicht eindeutig geklärt (vgl. Grosser et al., 2004, S. 87).

Im Fußballsport spielen alle Bereiche der Schnelligkeit eine große Rolle. Anhand von Varianten bei Standardsituationen kann sich die Mannschaft einen Vorteil bei der Reaktionsschnelligkeit gegenüber dem Gegner verschaffen. Durch bereits bekannte und einstudierte Lauf- und Passwege haben Sie sich einen Bewegungs- sowie Wissensvorsprung erarbeitet. Das gegnerische Team muss durch schnelle Reaktion auf das taktische Handeln versuchen die jeweilige Situation optimal zu lösen. Die eigenen Spieler haben im Kopf bereits einen Vorsprung gegenüber dem Gegner, weil Sie eher wissen, welche Aktion als nächstes durchgeführt werden soll. Spieler mit einer hohen Reaktionsschnelligkeit können auf Abwandlungen der einzelnen Varianten schneller eingehen und diese besser bewältigen.

Für den Torwart ist eine gute Reaktionsschnelligkeit von erheblicher Wichtigkeit, da er stets auf Aktionen des Gegners, wie zum Beispiel Schüsse aus unterschiedlichster Entfernung oder Pässe bzw. Flanken in den Strafraum oder gar Torraum, in kürzester Zeit reagieren muss, um so den Torerfolg zu verhindern.

Die Grundlagenschnelligkeit oder elementare Schnelligkeitsfähigkeit gliedert sich in Aktions- und Frequenzschnelligkeit. Spieler mit einer guten Aktionsschnelligkeit können azyklische Bewegungen mit höchster Geschwindigkeit gegen kleine Widerstände ausführen. Wenn zyklische Bewegungen mit höchster Geschwindigkeit gegen kleine Widerstände ausgeführt werden, so handelt es sich um die Frequenzschnelligkeit (vgl. Grosser et al., 2004, S.91). Elementare Schnelligkeitsfähigkeiten finden im Fußball vor allem bei Sprints, Sprüngen oder Schüssen Ihre Anwendung. Sie müssen mit höchstmöglicher Geschwindigkeit sicher und präzise ausgeführt werden, um sich im Kampf mit dem Gegner behaupten zu können.

Bei der Schnelligkeit als komplexe Fähigkeit handelt es sich um Bewegungsleistungen unter höchster Geschwindigkeit, bei denen neben den elementaren Schnelligkeitsfähigkeiten auch Kraft- und Ausdauerfähigkeiten einen großen Einfluss haben. (vgl. Grosser et al., 2004, S.92) Zu den komplexen Schnelligkeitsfähigkeiten zählen die Kraftschnelligkeit, die Kraftschnelligkeitsausdauer, die Sprintkraft sowie die Sprintausdauer. Alle Teile sind beim Fußball erforderlich. Überwiegend werden Sie beim Training angewendet, da komplexe Schnelligkeitsfähigkeiten in Bewegungen gegen höhere äußere Bewegungen (z.B. Gewichte) aber auch bei Bewegungen mit ermüdungsbedingtem Leistungsabfall (die letzten Minuten im Spiel) zum Vorschein kommen.

3. Ausdauer

In der Sportwissenschaft wird Ausdauer als Widerstandsfähigkeit des Organismus gegen Ermüdung bzw. rasche Wiederherstellung nach Belastungen beschrieben (vgl. Letzelter, 1986; Grosser et al., 2004). Eine Strukturierung der Ausdauer kann auf verschiedene Art und Weise geschehen. Die Sportmedizin bezieht sich überwiegend auf die Ansätze nach Hollmann und Hettinger (1980), wonach die Ausdauer in lokale sowie allgemeine Muskelausdauer untergliedert wird und sich anschließend jeweils in aerobe sowie anaerobe und dynamisch sowie statische teilt. Im Bereich der Trainingslehre wird der Begriff der Ausdauer vorzugsweise in Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer oder in Grundlagen- bzw. spezielle Ausdauer untergliedert.

Die Grundlagenausdauer (GLA) teilt sich in die allgemeine, die spezifische sowie die azyklische GLA. Die allgemeine GLA wird als tätigkeitsunabhängiger Typ bezeichnet und besonders im Gesundheits- und Freizeitsport benötigt. Die spezifische GLA wird als tätigkeitsabhängiger Typ beschrieben, der vor allem im Leistungssport als Basisausdauer von Nöten ist. Im Fußball ist neben der spezifischen Grundlagenausdauer als Basis vor allem die azyklische GLA notwendig, da sie bei ständigen, unregelmäßigen Tätigkeits- und Intensitätswechseln Anwendung findet.

Die spezielle Ausdauer wird je nach Wettkampfdauer, Belastungsintensität und Energiebereitstellung nach Kurzzeit-, Mittelzeit- und Langzeitausdauer gruppiert (siehe Tabelle 3). Alle Bereiche können je nach Position im Fußball von entscheidender Rolle sein (vgl. Grosser et al., 2004, S.112ff). Wobei die Langzeitausdauer III kaum benötigt wird (höchstens nach Spielen mit Verlängerung oder Elfmeterschiessen) und die Langzeitausdauer IV im Fußball keine Bedeutung findet. Anhand spezieller Feldtests[2] kann die Ausdauerfähigkeit bezogen auf die durchzuführende Sportart getestet und ausgewertet werden.

Tabelle 3: Arten und Typen der Ausdauer aus trainingsmethodischer Sicht (nach Grosser et al., 2004, S.113)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Beweglichkeit

Die Beweglichkeit ist nicht nur den konditionellen Anforderungen zuzuordnen, sondern nimmt eher eine Zwischenstellung zu den konditionellen aber auch koordinativen Fähigkeiten ein. Beweglichkeit ist eine motorische Fähigkeit, die durch Gelenkigkeit sowie durch die Dehnfähigkeit gekennzeichnet ist. Je größer die Amplitude der Endstellung der jeweiligen Gelenke, desto größer ist die Flexibilität des Körpers (vgl. Grosser et al., 2004, S.152f). Eine gute Beweglichkeit ist Vorraussetzung für eine qualitativ und quantitativ hochwertige Bewegungsausführung. Die Biegsamkeit des Körpers wird in die Bereiche allgemeine und spezielle Beweglichkeit, aktive und passive Beweglichkeit, sowie dynamische und statische Beweglichkeit untergliedert.

Die allgemeine Beweglichkeit kennzeichnet den normalen Umfang der Schwingungsweite des Schultergelenks, des Hüftgelenks, sowie der Wirbelsäule. Für Leistungssportler ist eher die spezielle Beweglichkeit ausschlaggebend, da hier überdurchschnittliche Beweglichkeitsanforderungen erforderlich sind. Für Fußballspieler sind jedoch keine überdurchschnittlichen Beweglichkeitsanforderungen nötig. Der Körper wird kaum über das normale Niveau hinaus gebogen. Lediglich im Fußbereich ist je nach Stoßtechnik ein gewisses Ausmaß an Biegsamkeit erforderlich (siehe Abschnitt 2.3.3.3).

Aktive Beweglichkeit beschreibt die größtmögliche Amplitude eines Gelenkes, welche in Folge von inneren Kräften wie Muskelkontraktionen hervorgerufen werden kann. Dabei hat das Zusammenspiel von Agonisten und Antagonisten eine entscheidende Rolle. Wenn der eine Muskel angespannt ist, so muss sich der Muskel der Gegenseite gleichzeitig entspannen, um die aktive Beweglichkeit größtmöglich zu gestalten. Die passive Beweglichkeit gibt die größtmögliche Bewegungsamplitude eines Gelenks unter Einwirkung äußerer Kräfte, wie Schwerkraft oder Partner, an. Die passive Bewegungsamplitude ist in der Regel größer als die Aktive.

Des Weiteren wird zwischen statischer und dynamischer Beweglichkeit unterschieden.

Die statische Beweglichkeit gibt die Gelenkwinkelstellung an, welche über eine längere Zeit gehalten werden kann. Die dynamische Beweglichkeit gibt die Bewegungsweite der Gelenke an, die sie, wenn auch nur kurzfristig, erreichen kann. Die dynamische Beweglichkeit ist stets größer als die Statische.

Der Abschnitt der Beweglichkeit spielt bei Fußballspielern eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ist es im Geräteturnen entscheidend, wie sehr einzelne Bereiche der Beweglichkeit ausgebildet sind. Trotzdem muss ein möglichst hoher Grad an Beweglichkeit vorhanden sein, um vor allem technische Fertigkeiten optimal ausführen zu können. Bei der Durchführung von Standardsituationen ist die Beweglichkeit in Teilen ausschlaggebend. Je weiter ein Einwurf geworfen werden soll, desto größer muss die Bogenspannung im Rumpfbereich sein. Die Beweglichkeit sollte deshalb im Training in Kraft- und Beweglichkeitskreisen aufrechterhalten und verbessert werden.

Die konditionellen Anforderungen werden bei Standardsituationen insgesamt meist stiefmütterlich betrachtet, weil sie eher indirekt relevant für die erfolgreiche Ausführung sind. Dennoch müssen Sie an dieser Stelle mit angesprochen sowie im Trainingsprogramm mit aufgeführt werden.

In der folgenden Übersicht sollen alle Bereiche der konditionellen Anforderungen zusammenfassend dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Übersicht konditioneller Anforderungen

Der Bereich der Kraft-, Schnelligkeits- und Ausdauerfähigkeit sowie Beweglichkeit sollte in jedem Trainingsprogramm in Teilen Anwendung finden. Es ist aber anzumerken, dass das Trainingsprogramm zur Verbesserung des taktischen Handelns ein gewisses Ausmaß an konditionellen Fähigkeiten voraussetzt.

[...]


[1] Gerhard Frank kritisiert zum Beispiel die fehlende Kreativität sowie das unzureichende technische und taktische Know-how bei der Ausführung von Standardsituationen zu Beginn in seinem Buch über Standardsituationen (vgl. Frank, 2001, S.9f)

[2] Müller entwickelte 1992 z.B. einen fußballspezifischen Ausdauertest.

Details

Seiten
228
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640171187
ISBN (Buch)
9783640172962
Dateigröße
5.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115772
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Institut für Sportwissenschaft und Sport
Note
2,1
Schlagworte
Entwicklung Trainingsprogramms Verbesserung Handelns Standardsituationen Fußball

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Titel: Entwicklung und Überprüfung  eines Trainingsprogramms zur Verbesserung des taktischen Handelns bei offensiven Standardsituationen im Fußball