Lade Inhalt...

Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung

Diplomarbeit 2001 68 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemstellung und Gang der Arbeit

2 Grundlagen des Investor Relations
2.1 Definitorische Abgrenzung
2.2 Historische Entwicklung
2.3 Theoretische Fundierung des Investor Relations
2.4 Grundsätze der Investor Relations-Arbeit
2.4.1 Wesentlichkeit
2.4.2 Kontinuität
2.4.3 Zielgruppenorientierung
2.4.4 Sonstige Grundsätze
2.5 Investor Relations-Konzept
2.5.1 IR-Marktforschung
2.5.2 IR-Planung
2.5.3 IR-Durchführung
2.5.4 IR-Kontrolle

3 Ziele des Investor Relations
3.1 Finanzwirtschaftliche Ziele
3.1.1 Steigerung des Aktienkurses
3.1.2 Stabilisierung der Aktienkursentwicklung
3.1.3 Senkung der Kapitalkosten
3.1.4 Erweiterung und Veränderung des Aktionärskreises
3.1.5 Schutz vor feindlichen Übernahmen
3.2 Nicht unmittelbar finanzwirtschaftliche Ziele
3.2.1 Schaffung von Vertrauen
3.2.2 Steigerung des Bekanntheitsgrades
3.2.3 Verbesserung des Unternehmungsimages

4 Zielgruppen der Investor Relations-Arbeit
4.1 Private Investoren
4.2 Institutionelle Anleger
4.3 Multiplikatoren
4.3.1 Finanzanalysten
4.3.2 Wirtschaftsjournalisten
4.3.3 Sonstige Multiplikatoren

5 IR-Instrumente für alle Zielgruppen
5.1 Geschäftsbericht
5.2 Quartals- und Zwischenberichte
5.3 Internet
5.4 Dividendenpolitik
5.5 Finanzkalender
5.6 TV-Interviews
5.7 Börseneinführungen an internationalen Finanzplätzen
5.8 Betriebsbesichtigungen

6 Zielgruppenspezifische Instrumente des IR
6.1 Private Investoren
6.1.1 Hauptversammlung
6.1.2 Aktionärsbriefe und -zeitungen
6.1.3 Investor-Relations-Foren
6.1.4 Aktionärsmessen
6.1.5 Call Center
6.1.6 Informationspakete
6.1.7 Finanzanzeigen
6.1.8 Informationen für Mitarbeiter
6.2 Institutionelle Anleger und Analysten
6.2.1 Analysten- und Investorenkonferenzen
6.2.2 Einzel- und Roundtablegespräche
6.2.3 Telefonkonferenzen
6.2.4 Investorenhandbuch
6.2.5 Road Shows
6.3 Wirtschaftsjournalisten
6.3.1 Pressekonferenzen
6.3.2 Pressemitteilungen

7 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung und Gang der Arbeit

„Alle Aktionäre sind dumm und frech – dumm, weil sie ihr Geld aus der Hand geben, und frech, weil sie dafür auch noch Dividenden verlangen“.[1] Diese Aussage von Carl Fürstenberg (1850-1933) spiegelte lange Zeit die Einstellung der Aktiengesellschaften zu ihren Aktionären wider. Inzwischen hat sich jedoch dieses Verhältnis und damit der Stellenwert der Aktionäre in der Unternehmung grundlegend verändert.[2] Zahlreiche börsennotierte Unternehmungen haben, nicht zuletzt aufgrund der Globalisierung der Kapitalmärkte und der damit verbundenen Verschärfung des Wettbewerbs um das Kapital der Investoren, in den letzten Jahren die Notwendigkeit erkannt, die Beziehungen zu aktuellen und potentiellen Investoren über das gesetzlich geforderte Maß hinaus zu pflegen, d.h. Investor Relations (IR) zu betreiben.[3]

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Relevanz des IR für die Unternehmungsführung anhand der zu verfolgenden Ziele und der einer Unternehmung zur Verfügung stehenden Instrumente darzustellen.

Im nachfolgenden Kapitel wird zunächst geklärt, was unter dem Begriff Investor Relations zu verstehen ist und wie sich die Historie des IR darstellt. Anschließend werden die theoretische Fundierung, die Grundsätze und die Vorgehensweise der IR-Arbeit beschrieben. Das dritte Kapitel behandelt die Ziele, die eine Unternehmung durch IR-Aktivitäten anstrebt. Während sich das vierte Kapitel mit den Zielgruppen des IR befaßt, werden im fünften und sechsten Kapitel Instrumente vorgestellt, die eine Unternehmung im Rahmen der IR-Arbeit einsetzen kann. Die Arbeit schließt im siebten Kapitel mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick.

2 Grundlagen des Investor Relations

2.1 Definitorische Abgrenzung

Die Unternehmung kann als Zentrum verschiedener Interessengruppen wie Kapitalgeber, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Staat aufgefaßt werden. Oberstes Ziel ist dabei die Erhaltung und die erfolgreiche Weiterentwicklung der Unternehmung.[4] Während Public Relations (PR) darauf abzielen, bei Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und Staat Akzeptanz zu schaffen und damit eine Corporate Culture aufzubauen, konzentrieren sich Investor Relations auf die Unternehmungskommunikation mit der sogenannten „Financial Community“, die sich aus den Kapitalgebern und Multiplikatoren wie Analysten, Wirtschafts-journalisten, Fondsmanager und Rating-Agenturen zusammensetzt.[5]

In der Literatur existieren verschiedene Definitionen des Begriffes Investor Relations. Bereits 1968 beschreibt Hartmann Investor Relations als „freiwillige Bemühungen der obersten Geschäftsleitung, durch ein geplantes, langfristiges und kontinuierliches Programm von nach innen gerichteter Politik und nach außen zielenden Handlungen das dauernde Vertrauen der Investor-Öffentlichkeit zu gewinnen und zu vermehren und den Beliebtheits- und Bekanntheitsgrad des Unternehmens zu erhöhen“.[6]

Süchting liefert eine weitergehende Definition, in der er Investor Relations als Kommunikationspolitik im Rahmen eines Finanzmarketingansatzes sieht. Finanzmarketing ist für ihn „der an den Bedürfnissen der Kapitalgeber orientierte zielgerichtete Einsatz der finanzpolitischen Instrumente zur Überwindung der zwischen Kapitalnachfrage und Kapitalangebot bestehenden Marktwiderstände“.[7] Neben den Investor Relations zählen für Süchting die Finanzmarktforschung sowie die Produkt-, Preis- und Vertriebspolitik zu den finanzpolitischen Instrumenten.[8]

Das National Investor Relations Institute (NIRI) in den USA definiert Investor Relations folgendermaßen: „IR is a corporate marketing activity combining disciplines of communication and finance, providing present and potential investors with an accurate portrayal of a company´s performance and prospects. Conducted effectively, IR can have a positive impact on a company´s total value relative to that of the overall market and a company´s cost of capital.“[9]

Als Grundlage für diese Arbeit dient eine Definition des „Deutschen Investor Relations Kreises“ (DIRK): „Investor Relations besteht in der zielgerichteten, systematischen und kontinuierlichen Kommunikation mit tatsächlichen und potentiellen Anteilseignern (Entscheidungsträgern) einer börsennotierten Aktiengesellschaft sowie mit Finanzanalysten und Anlageberatern (Meinungsbildnern) über das vergangene, laufende und vor allem zukünftig erwartete Geschäft des Unternehmens unter Berücksichtigung der Branchenzugehörigkeit und der gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge“[10]

2.2 Historische Entwicklung

In den USA beschäftigen sich Unternehmungen schon seit Jahrzehnten mit dem Thema Investor Relations.[11] General Electric war 1955 die erste US-Unternehmung, die ein sogenanntes „Investor Relations-Programm“ entwickelte. In den Folgejahren kam es jedoch nur zu einer zögerlichen Ausbreitung des IR-Gedankens, da vor allem in den 60er Jahren einige PR-Agenturen durch unseriöse Praktiken die Aktien ihrer Kunden in die Höhe trieben. Aus diesem Glaubwürdigkeitsverlust resultierte Ende der 60er Jahre die Einrichtung des National Investor Relations Institute und die damit verbundene Aufstellung von Regeln für Investor Relations. In der Folgezeit kam es in den USA zu einer kontinuierlichen Ausweitung des Investor Relations-Managements.[12]

In Deutschland begannen die ersten Investor Relations-Aktivitäten in den 80er Jahren. Höhere Aktienkurse, hervorgerufen durch verbesserte Ertragsverhältnisse deutscher Unternehmungen und Kurssteigerungen an ausländischen Börsen, führten zur Verbesserung der Attraktivität der Aktie als Finanzierungsinstrument. Auch der nicht mehr nur durch Eigenmittel zu deckende Investitionsbedarf sorgte dafür, daß in deutschen Unternehmungen ein Umdenken zugunsten des IR stattfand.[13] Bayer, Schering und BASF waren die ersten Unternehmungen in Deutschland, die Investor Relations in ihre Unternehmungspolitik aufnahmen.[14]

Die erhöhte Aufmerksamkeit der Unternehmungen gegenüber den Finanzmärkten und den Investoren wird auch durch die Gründung des Deutschen Investor Relations-Kreises im Jahre 1990 deutlich.[15] Diesem seit 1996 eingetragenen Verein gehören mittlerweile über 200 deutsche Unternehmungen an. Mitglieder sind nicht nur im DAX notierte Unternehmungen, sondern zahlreiche Mid und Small Caps sowie Gesellschaften, die den Börsengang noch vor sich haben. Ziel des Vereins ist es, den Erfahrungsaustausch der Mitglieder untereinander zu fördern und so die Qualität der Beziehungen der Unternehmungen zu Investoren im In- und Ausland zu verbessern. Außerdem pflegt der DIRK Kontakte zu Institutionen und Verbänden auf nationaler und internationaler Ebene, die sich mit Investments in und der Analyse von deutschen Aktien befassen. Darüber hinaus informiert der DIRK die breite Öffentlichkeit zum Thema Investor Relations.[16]

2.3 Theoretische Fundierung des Investor Relations

Betrachtet man die Steigerung bzw. Maximierung des Aktienkurses als das Oberziel der IR-Arbeit, dann müßte der Aktienkurs durch IR-Maßnahmen beeinflußbar sein. Zur Überprüfung dieser Aussage wird die Theorie der effizienten Kapitalmärkte herangezogen. Fama unterscheidet drei Formen der Informationseffizienz. Die schwache Form („weak form“) zeichnet sich durch die Verarbeitung aller historischer Kurse in den Marktkursen aus. Bei der halbstrengen Form („semi-strong form“) werden zusätzlich die öffentlich verfügbaren Informationen berücksichtigt. In der strengen Form („strong form“) der Informationseffizienz enthalten die Marktkurse alle bewertungsrelevanten Informationen, also auch solche, die nicht veröffentlicht sind.[17] Investor Relations wären bei Gültigkeit der strengen Form der Informationseffizienz überflüssig, da alle Informationen stets im Aktienkurs der Unternehmung einkalkuliert sind. Durch empirische Untersuchungen hat man versucht herauszufinden, welche Form der Informationseffizienz an den Kapitalmärkten herrscht.[18] Es kam zwar zu widersprüchlichen Aussagen, aber die Ergebnisse deuten daraufhin, daß weder am amerikanischen noch am deutschen Kapitalmarkt strenge Informationseffizienz vorliegt.[19] Die Begründung für die Durchführung von IR-Aktivitäten liegt somit in der auf Kapitalmärkten vorherrschenden beschränkten Informationseffizienz.

2.4 Grundsätze der Investor Relations-Arbeit

2.4.1 Wesentlichkeit

Von besonderer Bedeutung für die Unternehmungskommunikation mit der Financial Community ist der Grundsatz der Wesentlichkeit. Die Informationsempfänger benutzen die für sie wesentlichen Unternehmungsdaten, um die Unternehmung fair bewerten zu können. Unternehmungsdaten sind dann als wesentlich einzustufen, wenn sie kurs- und bewertungsrelevante Informationen beinhalten. Eine große Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Effizienz. Publikationen von nicht kurs- und bewertungsrelevanten Informationen sind ineffizient, da einerseits die Kosten den Nutzen für die Unternehmung übersteigen und andererseits die Informationsempfänger unnötig verwirrt werden.[20]

2.4.2 Kontinuität

Kontinuität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für IR-Maßnahmen. Eine Unternehmung sollte mit schlechten Nachrichten genauso offen umgehen wie mit guten, da sonst die Glaubwürdigkeit der Unternehmung auf Dauer in Frage gestellt werden könnte.[21] Der amerikanische Experte Charles D. Ellis rät in diesem Zusammenhang: „Say no more in good times about good news than you would be willing to say in bad times about bad news“.[22] Unternehmungen verstoßen häufig gegen das Prinzip der Kontinuität, indem sie ihre Kommunikationsmaßnahmen lediglich auf die Zeit vor dem Börsengang, vor Kapitalerhöhungen oder in Unternehmungskrisen begrenzen.[23]

2.4.3 Zielgruppenorientierung

Investor Relations-Aktivitäten konzentrieren sich hauptsächlich auf die Zielgruppen der privaten und institutionellen Anleger sowie der Multiplikatoren.[24] Jede dieser Zielgruppen hat ihre spezifischen Informationsbedürfnisse, die durch eine differenzierte Kommunikationspolitik seitens der Unternehmung zu erfüllen sind.[25] Die Informationen sollten je nach Verwendungszweck und Verwertungsfähigkeit der jeweiligen Informationsempfänger unterschiedlich gestaltet werden.[26] Bei der Zielgruppenorientierung müssen Unternehmungen in Deutschland jedoch darauf achten, daß sie nicht in den Verdacht geraten, Insidergeschäfte nach § 14 WpHG zu tätigen. Mit § 15 WpHG wurde ein Paragraph geschaffen, der börsen­­­­­­notierte Unternehmungen zur Ad-hoc-Publizität, d.h. zur unverzüglichen Veröffent­lichung von kurssensitiven Informationen, verpflichtet. Dies soll den Mißbrauch von Insiderwissen präventiv verhindern.[27] In den USA wurde im Oktober 2000 von der SEC (Security and Exchange Comission) eine neue Regelung, die sogenannte Fair Disclosure (FD), erlassen. Diese schreibt vor, daß kursrelevante Informationen zur gleichen Zeit der gesamten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden müssen. Das Verbot der Insidergeschäfte soll durch diese Regelung bestärkt werden. Vor allem Privatanleger sollen von dieser Regelung profitieren, da diese in der Vergangenheit erst von Neuigkeiten erfuhren, nachdem Analysten und institutionelle Anleger schon informiert waren.[28]

2.4.4 Sonstige Grundsätze

Neben den bereits genannten gibt es noch weitere Grundsätze, die eine Unternehmung beachten sollte, damit Investor Relations-Aktivitäten zum Erfolg führen. Die an die Finanzwelt zu übermittelnden Unternehmungsdaten sollten in Form, Umfang und Methodik eine gewisse Stetigkeit aufweisen.[29] Außerdem sind Aktualität und Vollständigkeit in bezug auf die Informationen von äußerster Wichtigkeit, um eine Glaubwürdigkeit bei den Informationsempfängern zu erreichen.[30] Auch der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit darf nicht außer acht gelassen werden. Investor Relations-Aktivitäten sollten nur durchgeführt werden, wenn den dadurch entstehenden Kosten ein mindestens genauso hoher Nutzen gegenübersteht.[31] Alle IR-Maßnahmen sollten immer vom Grundsatz der Glaubwürdigkeit dominiert werden.[32]

2.5 Investor Relations-Konzept

Damit IR-Aktivitäten zum Erfolg führen, ist es notwendig, mit Hilfe eines IR-Konzeptes vorzugehen. Das Konzept kann z.B. aus den Phasen der IR-Marktforschung, -Planung, -Durchführung und -Kontrolle bestehen.[33]

2.5.1 IR-Marktforschung

Aufgabe der IR-Marktforschung ist es, Daten über den Aktienmarkt, über die gegenwärtigen und potentiellen Investoren, über Multiplikatoren und über die eigene Unternehmung zu sammeln und zu analysieren.

In der Aktienmarktanalyse stehen vor allem die tägliche Kurs- und Umsatzentwicklung der eigenen Aktien und die generelle Entwicklung der Aktien- und Kapitalmärkte im Mittelpunkt der Betrachtung. In der Investoren - und Multiplikatorenanalyse werden Investoren und Multiplikatoren identifiziert und Informationsbedürfnisse hinsichtlich der IR-Aktivitäten der Unternehmung erarbeitet. Die Unternehmungsanalyse hat das Ziel, ein Chancen/Risiken- und Stärken/Schwächen-Profil der Unternehmung zu erstellen und eine Einschätzung über einen angemessenen Börsenwert der eigenen Unternehmung zu geben.[34]

2.5.2 IR-Planung

Basierend auf den Informationen der IR-Marktforschung können anschließend Ziele [35] definiert werden, die eine Unternehmung mit Investor Relations verfolgt. Danach erfolgt die Planung der zur Zielerreichung notwendigen Instrumente [36].

In der Planungsphase sollte auch geklärt werden, welche Personen bzw. Gruppen die IR-Arbeit übernehmen.[37] In den letzten Jahren sind Unternehmungen immer mehr dazu übergegangen, eigene IR-Abteilungen einzurichten. In einer Umfrage der Wirtschaftswoche von 1999 wurde festgestellt, daß bis zum damaligen Zeitpunkt in 26 der 30 größten deutschen Unternehmungen eine eigene IR-Abteilung existierte. Die Mehrzahl dieser Abteilungen bestand aus drei bis fünf Mitarbeitern.[38] In der Literatur herrschen unterschiedliche Meinungen über die Ausgestaltung und Wichtigkeit der organisatorischen Einbindung der IR-Abteilung. In einer Studie von Günther/Otterbein, in der Mitgliedsunternehmungen des DIRK untersucht worden sind, wurde festgestellt, daß 63% der Unternehmungen die IR-Abteilung entweder in die Finanzabteilung einbinden oder direkt dem Finanzvorstand unterordnen. 25% der Unternehmungen ordnen die IR-Abteilung der Öffentlichkeitsarbeit und 12% dem Konzernrechnungswesen zu.[39] Nach Liener spielt die organisatorische Eingliederung der IR-Abteilung jedoch keine große Bedeutung. Viel wichtiger sei, daß die IR-Abteilung freien Zugang zu allen Informationen habe und in der Arbeit vom obersten Management unterstützt werde.[40] Die IR-Abteilung sollte auf jeden Fall auf einer hohen Hierarchieebene angesiedelt werden.[41] Damit würde demonstriert, welchen Stellenwert die Finanzkommunikation in der Unternehmung besitzt, und die Akzeptanz der IR-Verantwortlichen bei den Investoren und Analysten würde erhöht.[42] Bei besonderen Anlässen ist es darüber hinaus angebracht, daß sich der Vorstandsvorsitzende persönlich in die IR-Aktivitäten einschaltet. In der Übernahmeschlacht zwischen der Mannesmann AG und der Vodafone Airtouch plc. z.B. hat der Chief Executive Officer (CEO) der Vodafone Airtouch plc., Chris Gent, eine tragende Rolle gespielt. Er persönlich warb bei Medien, Investoren und Analysten so lange für sein Übernahmeangebot, bis diese von seiner Strategie überzeugt waren und der Fusion zustimmten.[43]

Ist die Unternehmung auch an ausländischen Börsen notiert, dann können dezentrale IR-Büros von Vorteil sein. Die Hauptarbeit sollte jedoch weiterhin von zentraler Stelle aus getätigt werden, da gerade institutionelle Investoren der Kommunikation mit vorstandsnahen Mitarbeitern, die meist in der Unternehmungszentrale sitzen, eine hohe Bedeutung beimessen.[44]

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche IR-Arbeit ist die Qualifikation der be-teiligten Personen. Zum einen müssen diese die wirtschaftliche Seite der Unternehmung verstehen, d.h. gute Kenntnisse in Finanzwirtschaft, Börsenwesen und Rechnungswesen mitbringen. Zum anderen sind souveränes Auftreten, Sicherheit im Umgang mit der Sprache und Freude an der Kommunikation unabdingbare Fähigkeiten, die IR-Mitarbeiter besitzen sollten.[45]

Unternehmungen beziehen heutzutage vermehrt externe IR- bzw. PR-Agenturen in ihre IR-Arbeit mit ein. Begründet wird dies vor allem mit der größeren Erfahrung und den genaueren Zielgruppenkenntnissen der Agenturen.[46] Vielfach wird jedoch eine Beteiligung Externer bzw. das Outsourcing der IR-Abteilungen kritisch gesehen, da einerseits der Erfolg der IR-Arbeit von der genauen Kenntnis der Unternehmung abhängt und andererseits die direkte Kommunikation mit Unternehmungsvertretern von der Finanzwelt gefordert wird. Externen bleibt somit nur eine Unterstützung in der IR-Arbeit einer Unternehmung vorbehalten.[47]

Alle IR-Aktivitäten sollten auf jeden Fall unter dem Leitsatz „One Company – one Voice“ stehen. Hiermit ist gemeint, daß die Informationen, die publik gemacht werden, hinsichtlich der Inhalte, der Form und des Timings zwischen allen an der IR-Arbeit Beteiligten vorher im Detail abzusprechen sind.[48]

Eine weitere Tätigkeit in der Planungsphase ist die Planung des IR-Budgets. Zunächst sollte erfaßt werden, welches Budget der IR-Abteilung zur Verfügung steht. Anschließend erfolgt die Verteilung auf die einzelnen IR-Maßnahmen.[49] Bei einer Untersuchung des Handelsblattes und der IRES-Marketing GmbH gaben rund 50% der befragten Unternehmungen an, daß sie über ein festes IR-Budget verfügten. Die andere Hälfte finanzierte ihre IR-Maßnahmen hauptsächlich aus der Finanzabteilung.[50]

Zur Planungsphase gehört darüber hinaus die Festlegung des Terminplans. IR-Maßnahmen führen nur zum Erfolg, wenn sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort eingesetzt werden.[51]

2.5.3 IR-Durchführung

In der Durchführungsphase werden alle geplanten Entscheidungen und Maßnahmen umgesetzt. Da es immer wieder zu internen und externen Veränderungen bei der Unternehmung kommen kann, ist ein Prozeß zwischen der Planungsphase und der Durchführungsphase erforderlich. Auch mit der Kontrollphase sollte eine ständige Rückkopplung erfolgen.[52]

2.5.4 IR-Kontrolle

Diese Phase hat die Aufgabe, die IR-Aktivitäten zu prüfen und zu beurteilen. Kontrollen sollten jedoch nicht nur nach Durchführung der IR-Maßnahmen erfolgen, sondern sollten von Anfang an den gesamten IR-Prozeß begleiten.[53] Durch Kontrollen soll festgestellt werden, ob die geplanten Ziele erreicht wurden bzw. noch erreicht werden können.[54] Es ist außerdem genau zu analysieren, welche Instrumente zum Ziel führen, welche nicht und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind.[55] Die Erfolgskontrolle von IR-Maßnahmen gestaltet sich jedoch sehr schwierig. Häufig wird die Aktienkursentwicklung als Maßstab für die Wirkungen der IR-Maßnahmen herangezogen, wobei hier zu beachten ist, daß der Aktienkurs von vielen weiteren Faktoren abhängig ist. Daher werden für die Erfolgskontrolle Hilfsgrößen wie die langfristige Entwicklung von Größe und Zusammensetzung des Aktionärskreises, das Informationsnachfrageverhalten und der Wissensstand zur Unternehmung maßgeblicher Investoren und Analysten, IR-Ratings und Aktienzufriedenheitsindices verwendet.[56]

[...]


[1] Zitiert nach Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 390.

[2] Vgl. Schmitz, H.R. (1993), S. 8.

[3] Vgl. Remmers, J. (1993), S. 320.

[4] Vgl. Hahn, D. (1996), S. 11 f.

[5] Vgl. Schanz, J. (2001), S. 4 in Verbindung mit Alvarez, M./ Wotschofsky, S. (2000a), S. 651.

[6] Hartmann, H.K. (1968), S. 70.

[7] Süchting, J. (1986), S. 654.

[8] Vgl. ebenda, S. 656 ff.

[9] Vgl. O.V. (2001a), o. S.

[10] Vgl. O.V. (2001b), o. S.

[11] Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 391.

[12] Vgl. Liener, G. (1993), S. 326.

[13] Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 391.

[14] Vgl. Ulrich, S. (1990), S. 205.

[15] Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 392.

[16] Vgl. O.V. (2001b), o. S.

[17] Vgl. Fama, E.F. (1970), S. 383.

[18] Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 392.

[19] Vgl. zum deutschen Kapitalmarkt Möller, H.P. (1985), S. 500ff. und zum US-Markt Fama, E.F.

(1970), S. 383 ff.

[20] Vgl. Diehl, U./ Loistl, O./ Rehkugler, H. (1998), S. 14 f.

[21] Vgl. Liener, G. (1993), S. 328.

[22] Ellis, C.D. (1985), S. 40.

[23] Vgl. Krystek, U./ Müller, M. (1993), S. 1785 f.

[24] Siehe ausführlich Kapitel 4 dieser Arbeit.

[25] Vgl. Paul, W. (1993b), S. 141.

[26] Vgl. Diehl, U./ Loistl, O./ Rehkugler, H. (1998), S. 17.

[27] Vgl. Kümpel, S. (2000), S. 1831.

[28] Vgl. O.V. (2001c), o. S.

[29] Vgl. Diehl, U./ Loistl, O./ Rehkugler, H. (1998), S. 16.

[30] Vgl. Link, R. (1991), S. 348.

[31] Vgl. Diehl, U./ Loistl, O./ Rehkugler, H. (1998), S. 18 f.

[32] Vgl. Paul, W. (1991), S. 940.

[33] Vgl. Drill, M. (1995), S. 213.

[34] Vgl. zu diesem Abschnitt Drill, M. (1995), S. 215 ff.

[35] Siehe ausführlich Kapitel 3 dieser Arbeit.

[36] Siehe ausführlich Kapitel 5 und 6 dieser Arbeit.

[37] Vgl. Täubert, A. (1999), S. 38.

[38] Vgl. Burgmaier, S. (1999), S. 72.

[39] Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 396.

[40] Vgl. Liener, G. (1993), S. 329.

[41] Vgl. Drill, M. (1993), S. 50.

[42] Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 396.

[43] Vgl. Reinert, M./ Mentner, P. (2001), S. 33.

[44] Vgl. Ahlers, S. (2000), S. 34.

[45] Vgl. O.V. (2001b), o. S.

[46] Vgl. Franke, D. (2000), S. 83.

[47] Vgl. Förch, J./ Grunsky, N. (1999), S. 20.

[48] Vgl. Ahlers, S. (2000), S. 31.

[49] Vgl. Täubert, A. (1999), S. 37.

[50] Vgl. Verlagsgruppe Handelsblatt/ IRES-Marketing GmbH (1991), S. 2 f.

[51] Vgl. Täubert, A. (1999), S. 38.

[52] Vgl. Drill, M. (1995), S. 225.

[53] Vgl. Täubert, A. (1999), S. 38.

[54] Vgl. Nieschlag, R./ Dichtl, E./ Hörschgen, H. (1997), S. 942.

[55] Vgl. Mahoney, W.F. (1991), S.163 f.

[56] Vgl. Forster, F. (2001), S. 4 f.

Details

Seiten
68
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638100816
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v116
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,3
Schlagworte
Investor Relations Kapitalmarktkommunikation Value Reporting Shareholder Value

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung