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Wie ist der Zusammenhang zwischen Sozialer Arbeit und der Migration von Spätaussiedlern?

Seminararbeit 2006 23 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Definition und Abgrenzung der Zuwanderungsgruppe Spätaussiedler
2.2 Warum beheimatet die BRD Spätaussiedler?
2.3 Warum leistet sich der deutsche Staat Maßnahmen zur Integration von Spätaussiedlern?
2.3.1 Ausgangslage in den Herkunftsländern und Gründe für die Ausreise
2.3.2 Die Diskrepanz zwischen Hoffnung und Realität
2.3.3 Nach der Einreise
2.3.4 Gründe für Integrationsmaßnahmen
3.4.1 Gesetzliche Verpflichtung
3.4.2 Vorhandene Potentiale
2.3.4.3 Soziale Folgelasten und gesellschaftliche Konflikt
2.3.4.4 Zusammenfassung
2.4 Wie kann die Soziale Arbeit die Integration von Spätaussiedlern unterstützen?
2.4.1 Maßnahmen zur Unterstützung der Existenzgründung
2.4.2 Maßnahmen zur psychosozialen Integration
2.4.3 Öffentlichkeitsarbeit
2.4.4 Zusammenfassung

3. Zusammenfassende Beantwortung der Frage: Wie ist der Zusammenhang zwischen Sozialer Arbeit und der Migration von Spätaussiedlern?

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll der Zusammenhang zwischen Sozialer Arbeit und der Migration von Spätaussiedlern erläutert werden. Dazu ist es notwendig, diese Zuwanderungsgruppe von den beiden anderen großen Zuwanderungsgruppen der BRD, den Arbeitsmigranten und den Flüchtlingen abzugrenzen und sie zu definieren. Daraufhin soll die Frage erörtert werden, warum die BRD als Einwanderungsland Zuwanderer beheimatet und ihre Einreise nicht abweist. Anschließend soll ausgehend von der Situation, in der sich die Spätaussiedler befinden, wenn sie in die BRD einreisen, erläutert werden, warum sich der deutsche Staat und die deutsche Gesellschaft umfangreiche Maßnahmen leisten, um die Spätaussiedler zu integrieren. Nachdem die Gründe für die Maßnahmen zur Integration dargestellt wurden, soll auf den Beitrag der sozialen Arbeit eingegangen werden und an konkreten, praxisbezogenen Beispielen verdeutlicht werden, wie die Soziale Arbeit in den Integrationsprozess eingreifen und diesen unterstützen kann. Abschließend soll die Ausgangsfrage „Wie ist der Zusammenhang zwischen Sozialer Arbeit und der Migration von Spätaussiedlern?“ mit Hilfe einer Zusammenfassung beantwortet werden.

2. Hauptteil

Die folgenden Abschnitte beschäftigten sich mit den Fragen, welche Einwanderer als Spätaussiedler bezeichnet werden und woher diese Menschen kommen, warum der deutsche Staat diesen Menschen eine Heimat bietet, sie integriert und ihnen die Einreise nicht verwehrt, welchen Beitrag die Soziale Arbeit zur Integration beitragen kann und wie sich der Zusammenhang zwischen Sozialer Arbeit und der Migration von Spätaussiedlern abschließend darstellt.

2.1 Definition und Abgrenzung der Zuwanderungsgruppe Spätaussiedler

Heute stehen bei der Betrachtung der Einwanderung in die BRD drei Einwanderungsgruppen im Mittelpunkt, die Arbeitsmigranten, die Flüchtlinge und die Spätaussiedler. Da die drei Migrantengruppen einen unterschiedlichen Rechtsstatus in der BRD besitzen und sehr unterschiedliche Voraussetzungen für die Integration mit sich bringen, ist es notwendig die Gruppe der Spätaussiedler, um die es in dieser Arbeit gehen soll, von den anderen Gruppen abzugrenzen. Nach § 4 der am 1.1.1993 in Kraft getretenen Neuregelung des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes (BVFG) werden Aussiedlerinnen und Aussiedler als „Spätaussiedler“ bezeichnet (vgl. GEMENDE, 2003, S. 95). „Spätaussiedler ist in der Regel ein deutscher Volkszugehöriger, der die Republiken der ehemaligen Sowjetunion, Estland, Lettland oder Litauen nach dem 31. Dezember 1992 im Wege des Aufnahmeverfahrens verlassen und innerhalb von sechs Monaten im Geltungsbereich des Gesetzes seinen ständigen Aufenthalt genommen hat, wenn er zuvor seit […] dem 8. Mai 1945 [...] seinen Wohnsitz in den Aussiedlungsgebieten hatte“ (BVFG § 4 Abs.1 Nr.1).

„Der Spätaussiedler ist Deutscher im Sinne des Artikels 116 Abs.1 des Grundgesetzes […]“ (BVFG § 4 Abs.3). Um den rechtlichen Status des Deutschen zu erhalten müssen Spätaussiedler ein Aufnahmeverfahren durchlaufen, in dessen Verlauf sie den Nachweis der deutschen Staatsangehörigkeit oder Volkszugehörigkeit und den Nachweis der Vertriebeneneigenschaft nach Artikel 116 des Grundgesetzes erbringen müssen (vgl. BLAHUSCH 1992, S. 53, 169). 1996 ist nach einer Entscheidung der damaligen Regierung ein Sprachtest hinzugekommen, in dem die Spätaussiedler ein einfaches Gespräch in der deutschen Sprache führen müssen um in Deutschland Aufenthalt zu bekommen (vgl. BPB 2006, S. 2). Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um die besonderen Leistungen, die Spätaussiedlern als Statusdeutschen zu stehen, in Anspruch nehmen zu können (vgl. BLAHUSCH 1992, S. 169, 173). Für Arbeitsmigranten und Flüchtlinge, die weder die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen noch die deutsche Volkszugehörigkeit, gilt die am 1.01.2005 in Kraft getretene Neuregelung des Zuwanderungsgesetzes, die das bisher gültige Ausländergesetz ersetzt und Bestimmungen u.a. zu Einreise, Aufenthalt und Aufenthaltszwecken der Ausländer enthält (vgl. AA 2006, S. 1).

In dieser Arbeit soll es um diejenigen Spätaussiedler gehen, die in ihren Herkunftsländern gelebt haben und dort aufgewachsen sind und sich aus verschiedenen Gründen, auf die im weiteren Verlauf näher eingegangen werden soll, entschlossen haben alleine oder mit ihren Familien nach Deutschland zu kommen und hier in den meisten Fällen mit nicht mehr als einem Koffer in der Hand einreisen.

2.2 Warum beheimatet die BRD Spätaussiedler?

Die Einwanderung von Spätaussiedlern war die erste gewollte und gesteuerte Migration in die BRD. Ihre Einwanderung als Deutsche wurde ebenso wie die der Gastarbeiter, die als Arbeitskräfte angeworben wurden, befürwortet (vgl. GEMENDE 2003, S. 106). Auch heute ist die Tatsache unbestritten, dass die BRD aus ökonomischen und demographischen Gründen auf Zuwanderung angewiesen ist (vgl. BLAHUSCH 1992, S. 198). In demographischer Hinsicht wird die Entwicklung in Deutschland, der Alterungsprozess der Gesellschaft, der eine erhebliche Belastung für die sozialen Sicherungssysteme darstellt, nicht aufgehalten aber gemildert (vgl. BIRG 2003, S. 1, 2). In ökonomischer Hinsicht stellten die Spätaussiedler in den 80er Jahren durch ihre Qualifikationen im handwerklichen- und technischen Bereich eine Bereicherung dar und wurden selbst in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit nicht vom deutschen Arbeitsmarkt fern gehalten wie dies bei ausländischen Arbeitskräften der Fall war (vgl. BLAHUSCH 1992, S. 179, 180).1 Zudem erzielt die BRD trotz kostspieliger Eingliederungsmaßnahmen einen finanziellen Gewinn in Millionenhöhe aus der Zuwanderung, z. B. durch Steuereinahmen und Konsum im Falle einer gelungenen Integration (vgl. BLAHUSCH 1992, S. 198 zit. n. AKTION GEMEINSINN 1991: 25).2 Doch nicht nur in ökonomischer und finanzieller Hinsicht stellen die Spätaussiedler einen Gewinn für Deutschland dar, sondern sie bereichern das Land auch in sozialer und kultureller Hinsicht. Durch die Globalisierung spielen Qualifikationen von möglichen Arbeitnehmern eine immer größere Rolle bei der Standortwahl von Unternehmen und deshalb ist es nötig die Staatsgrenzen zu öffnen um durch kulturelle Vielfalt weltweit Anschluss zu behalten (vgl. LFAZUAFIN 2006, S. 1).3

2.3 Warum leistet sich der deutsche Staat Maßnahmen zur Integration von Spätaussiedlern?

Um diese Frage zu beantworten ist es nötig zunächst einmal die Ausgangslage der Spätaussiedler zu beschreiben und die Situation, in der sie sich befinden, wenn sie nach einem häufig langen und mühsamen Weg durch die Bürokratie ihres Herkunftslandes nach Deutschland einreisen. Aus dieser Ausgangslage, zu der auch die Gründe gehören, die die Aussiedler dazu veranlasst haben ihre Heimat zu verlassen, um ein neues Leben in Deutschland zu beginnen, soll die Notwendigkeit einer Integration in die Gesellschaft deutlich werden.

2.3.1 Ausgangslage in den Herkunftsländern und Gründe für die Ausreise

In den häufig sozialistisch geprägten Herkunftsländern vieler Spätaussiedler wurden die Grundrechte der Bevölkerung, und insbesondere die Rechte von Minderheiten wie die Spätaussiedler eine darstellen, stark eingeschränkt. Die Lebensführung vieler Menschen war fremdbestimmt und freie Meinungsäußerung untersagt. Der Wunsch nach Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit und die Aussicht auf freie Meinungsäußerung, die in der BRD grundgesetzlich verankert ist (vgl. Art.5 Abs.1 GG), veranlasst die Spätaussiedler in das demokratische Deutschland einzuwandern. Neben der Unterdrückung durch das politische System fürchteten einige Spätaussiedler als Minderheit Opfer von Aggressionen und Konflikten in ihren Herkunftsländern zu werden. Hinzu kommt die schlechte ökonomische Situation, in der sich viele Herkunftsländer befinden. Die Perspektivlosigkeit infolge von sehr geringen Chancen auf dem Arbeitsmarkt veranlasst auch gut ausgebildete junge Menschen dazu das Land zu verlassen, um ihren Wunsch nach einem materiell besser gestellten Lebensstandard in Deutschland zu verwirklichen (vgl. BLAHUSCH 1992, S. 168, 169). Besonders junge Familien verfolgen das Ziel, ihren Kindern in Deutschland ein besseres Leben zu ermöglichen (vgl. GEMENDE 2003, S. 99).

Viele Spätaussiedler waren aufgrund ihrer Herkunft dem Vorwurf der Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten ausgesetzt, was zu Benachteiligungen z.B. bei der Arbeitsplatzvergabe führte. Aus diesem Grund und aufgrund der Tatsache, dass es häufig nur wenige Angebote für die Spätaussiedler gab, ihre Muttersprache deutsch zu sprechen oder sogar den Versuch seitens des politischen Systems die deutsche Kultur ganz zu unterdrücken und aufgrund von fehlenden sozialen Bindungen durch Abwanderungen von Freunden und Familienangehörigen wuchs bei vielen Spätaussiedlern der Wunsch wieder als ‚Deutsche unter Deutschen’ zu leben und nach Deutschland zu immigrieren (vgl. BLAHUSCH 1992, S. 167).

2.3.2 Die Diskrepanz zwischen Hoffnung und Realität

Nach den vielen Entbehrungen in ihren Herkunftsländern und dem beschwerlichen Weg von der Antragstellung bis zur Einreise hoffen die Spätaussiedler auf einen gelungenen Neustart und eine bessere Zukunft in der BRD (vgl. GÜNTHER 1992, S. 11). Dabei sind ihre Erwartungen an ihre neue Heimat teilweise unrealistisch hoch (vgl. BLAHUSCH 1992, S. 176). Die Realität, die die Spätaussiedler nach ihrer Einreise erwartet, stimmt häufig nicht mit ihren Wünschen und Hoffnungen überein. Viele haben durchgehend positive Vorstellungen von den Verhältnissen in Deutschland. Von Verwandten, Freunden oder Bekannten, die bereits in der BRD leben, haben sie positive Schilderungen z.B. von den Konsummöglichkeiten oder der guten ärztlichen Versorgung in Deutschland vernommen. Negative Meldungen über die Probleme im Land wie beispielsweise hohe Arbeitslosigkeit oder Wohnraumknappheit nehmen sie häufig nicht ausreichend zur Kenntnis und überschätzen ihre eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten nach der Einreise (vgl. LFSUWN, 1993, S. 96, 97).

[...]


1 Zu prüfen wäre, in wieweit heute die handwerklichen und technischen Qualifikationen von Aussiedlern auf dem deutschen Arbeitsmarkt gefragt sind und ob in dieser Hinsicht auch heute noch ein Fachkräftemangel herrscht, den die Aussiedler beheben und damit der Wirtschaft nützen könnten. Zu bedenken ist in dieser Hinsicht auch, dass die Zahl der schlechter qualifizierten Zuwanderer in den letzten Jahren seit der Einwanderung der ersten Zuwanderer zugenommen hat (vgl. GEMENDE 2003, S. 95 zit. n. TREIBEL 1990, S. 34).

2 Aktuelle Zahlen konnten auch auf Anfrage beim statistischen Bundesamt nicht ermittelt werden.

3 Es wird noch zu zeigen sein wie die Spätaussiedler, die dem Rechtsstatus nach Deutsche sind, eine eigene Kultur in ihren Herkunftsländern entwickelt haben.

Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640180851
ISBN (Buch)
9783640180967
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v116075
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,0
Schlagworte
Zusammenhang Sozialer Arbeit Migration Spätaussiedlern Frage Sozialpädagogik

Autor

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