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Der Tourismus in Peru

Bachelorarbeit 2008 50 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Gliederung

II. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung dieser Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Kulturwandel und Akkulturation
2.1 Der Kulturbegriff
2.2 Kulturwandel
2.3 Akkulturation

3. Der internationale Tourismus
3.1 Begriffsdefinition des Phänomens Tourismus
3.2 Die Entwicklung des internationalen Tourismus
3.3 Einflussfaktoren durch die touristischen Angebote in Peru.
3.4 Die Motive und Motivation der Touristen
3.5 Die Tourismusformen

4. Auswirkungen des internationalen Tourismus auf die Zielregion
4.1 Ökologische Dimension
4.2 Ökonomische Dimension
4.3 Soziokulturelle Dimension
4.4 Resümee

5. Der Tourismus in Peru am Beispiel der Region Cuzco und dem Santuario Historico Machu Pichu
5.1 Der historische, politische und gesellschaftliche Hintergrund von Peru
5.2 Die tourismuspolitischen Strukturen
5.3 Das touristische Potential in Peru
5.4 Das Welt- und Kulturerbe Satuario Historico Machu Pichu – SHMP
5.5 Sehenswürdigkeiten
5.6 Steuerung und Kontrolle

6. Der Internationale Tourismus vs. Nachhaltigkeit
6.1 Die Akkulturation in diesem Prozess

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Effekte im Akkulturationsprozess

Abb. 2 Statistik des internationalen Tourismus

Abb. 3 Darstellung von Drifter und Explorer

Abb. 4 Die Tourimusarten und –formen

Abb. 5 Die suprationalen Organisationen

Abb. 6 Der Santuario de Machu Picchu

Abb. 7 Landkarte des Biosphärenreservat

Abb. 8 Weltkultur- und Weltnaturerbe Santurio Machu Picchu in Peru

Abb. 9 Machu Pichu und die Politiker

Abb. 10 Das Ritual von Alejandro Toledo

Abb. 11 Vergleich der Anbieter zwischen Deutschland und Peru

Abb. 12 Grafik zur Nachhaltigkeit vs. Tourismus

Abb. 13 Maßnahmen und Inhalt der nachhaltigen Entwicklung

1. Einleitung

1.1 Zielsetzung dieser Arbeit

Das Thema dieser Bachelorarbeit handelt vom internationalen Tourismus in Entwicklungsländern, von der Entwicklung sozialer Strukturen und von Auswirkungen des Tourismus durch diesen Prozess in Peru. Im allgemeinen Verständnis ist damit die Entwicklung von gesellschaftlichen Strukturen innerhalb der Dimensionen gemeint. Die Sozialwissenschaft hat sich vor allem im 19. Jahrhundert mit dem Prozess der Entwicklung von Gesellschaften beschäftigt, wobei sich diese Wissenschaft im 20. Jahrhundert den Strukturen der modernen Gesellschaft zuwandte. Eine mangelnde Kommunikation zwischen der Stammdisziplin und der Entwicklungssoziologie ist nach dem zweiten Weltkrieg ein Teil in der Entwicklungsdebatte geworden.[1]

Diese wissenschaftliche Auseinandersetzung über die Ursachen, den Prozess und die Ziele der gesellschaftlichen Entwicklung sollte dazu beitragen, die Konzepte und Strategien für die Entwicklung der Gesellschaften in der dritten Welt zu erarbeiten. Zeitgleich zu dieser Entwicklung in den Entwicklungsländern entstand in Europa und Nordamerika das zentrale Phänomen des internationalen Tourismus in der modernen industrialisierten Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der Entwicklung ist der Tourismus von Beginn an als ideales ökonomisches Instrument identifiziert worden, um den Modernisierungsprozess in den Entwicklungsländern zu fördern. Gleichzeitig traten in der Auseinandersetzung um die Wirkungen entwicklungshemmende Ansichten durch die Tourismusindikation in den Vordergrund. Die Differenzen hinsichtlich der Entwicklung und den Auswirkungen des internationalen Tourismus in Peru werden in dieser Arbeit dargestellt.

Da in Peru der internationale Tourismus verstärkt als Instrument zur Förderung der ökonomischen und ländlichen Entwicklung genutzt wird, versteht sich diese Bachelorarbeit in erster Linie als Beitrag zum Tourismus in Peru. Daten aus dem Internet und Vorträgen werden durch Sekundäranalysen von wissenschaftlicher Literatur, Studien und Statistiken sowie der Auswertung von Berichten ergänzt.

Die Fragestellungen in dieser Bachelorarbeit ergeben sich aus dem Thema und selektieren sich in drei Ebenen. In der deskriptiven Ebene stellt sich die Frage, welche Entwicklungsprozesse in Peru zu beobachten sind. Suplementär der wissenschaftlichen Literatur ist in der deskriptiv – analytischen Ebene die Indikation des Tourismus in Peru auf diese Entwicklungsprozesse zu beziehen. In der analytischen Ebene, die aufgrund der lokalen Untersuchungsdimension nicht gegeben ist, sind die Auswirkungen des Tourismus mit dem kulturellen Wandel und der Akkulturation zu assoziieren und Fragen zu beantworten, inwieweit diese die Entwicklung in den differenzierten Dimensionen fördert oder auch hemmt und gegebenenfalls auch Fehlentwicklungen in diesem Prozess verstärkt. Vielmehr wird hier ein Ansatz aufgezeigt.

In dieser Arbeit soll dargestellt werden, inwieweit das Entwicklungsland Peru durch den internationalen Tourismus gefördert wird oder ob Peru doch vielmehr auf den Fremdenverkehr angewiesen ist und das Land durch die Stellung der Industriestaaten in diesem Prozess ausgenutzt wird. Des Weiteren soll am Beispiel der Region Cuzco aufgezeigt werden, inwieweit der internationale Tourismus durch seine Belastungen in der gegenwärtigen Zeit gleichzeitig eine Chance und ein Spannungsverhältnis im Prozess der nachhaltigen Entwicklung darstellt und in diesem Prozess zur Bewahrung der Ressourcen dienen soll.

Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der Vergleichsdaten und dem vorhandenen Datenmaterial in den zeitlichen - räumlichen Dimensionen von Deutschland aus eine analytische Funktion nur im Ansatz aufgezeigt werden kann.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im zweiten Kapitel der Arbeit erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Kulturwandel, speziell der Akkulturation. Die Akkulturation zeigt in diesem Kontext die allgemeinen theoretischen Hintergründe durch den tourismusinduzierten Wandel. Die Akkulturation ist mit einbezogen worden, da die Kultur bisher ein Randthema in der Auseinandersetzung in Bezug auf die Entwicklung blieb und der Tourismus in der gegenwärtigen Zeit ein kulturelles Phänomen darstellt.

Im darauf folgenden Kapitel soll das Phänomen des internationalen Tourismus erläutert und definiert werden, um anschließend die Entstehung des Tourismus mit der gesellschaftlichen Entwicklung aufzuzeigen und diese mit der Modernisierung in den Industriestaaten in Verbindung zu bringen. Aufgrund der Komplexität des internationalen Tourismus und der gesellschaftlichen Erscheinung werden des Weiteren die Tourismusformen und -arten erläutert, die sich im Laufe der Entwicklung in diesem Prozess herausgebildet haben.

Im vierten Kapitel erfolgt eine Darstellung der Dimensionen, die in der Wissenschaft in Bezug auf die Auswirkungen des internationalen Tourismus auf die Entwicklung in den Entwicklungsländern diskutiert werden. Primär ist es hier von Bedeutung, die Dimensionen zu charakterisieren, um eine Interpretation der Entwicklungsprozesse zu ermöglichen. In diesem Kontext bedarf es jedoch in dieser Komplexität einer Untersuchungsdimension vor Ort in Peru. Aufgrund der Situation und dieser Gegebenheiten wird dieses Kapitel als Hintergrund in dieser Komplexität in Bezug auf die Dimensionen in Entwicklungsländern aufgezeigt. Dieser Abschnitt soll vielmehr einen theoretischen Bezugsrahmen mit dem Hintergrund der Akkulturation darstellen, um die Auswirkungen durch den internationalen

Tourismus in dieser Komplexität in den ökonomischen, ökologischen und sozial-kulturellen Dimensionen einordnen zu können, die zusammengefasst werden und in diesem Kontext eine allgemeine Schlussfolgerung aufzeigen.

Im fünften Kapitel soll der internationale Tourismus in Peru am Beispiel der Region Cuzco und dem “ Santuario Machu Pichu “ aufgezeigt werden. Primär werden hier im Allgemeinen die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe von Peru dargestellt. Darauf folgend werden die tourismuspolitischen Strukturen des Landes erläutert und aufgezeigt, dass Peru den internationalen Tourismus nicht alleine steuert, sondern vielmehr internationale Kooperationen und Allianzen durch die operierenden Organisationen in diesem Prozess mitwirken. Das touristische Potential von Peru und die Besonderheiten werden des Weiteren am Status des Welt- und Kulturerbe der UNESCO aufgezeigt. Sekundär soll in diesem Kapitel das touristische Angebot und dessen Repräsentation aufgezeigt werden und die Angebote in der internationalen Medienpolitik in der Öffentlichkeit dargestellt werden, um die touristische Attraktivität des Landes zu steigern und dies gleichzeitig zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beiträgt.

Im sechsten Kapitel wird das Spannungsverhältnis des internationalen Tourismus der nachhaltigen Entwicklung gegenübergestellt und in diesem Kontext die Ansichten in dieser kontradiktorischen Entwicklung aufgezeigt und wie sie sich in dieser Komplexität gegenseitig beeinflussen. Darauf folgend soll eine Interpretation der Akkulturation in diesem Prozess aufgezeigt werden und inwieweit die moderne Industriegesellschaft die indigenen Kulturen in diesem fördert oder auch hemmt und diese durch die Expansion der Medien beeinflusst werden.

Im letzten Kapitel folgt eine Zusammenfassung dieser Arbeit. Hierbei sollen die Gesichtspunkte des internationalen Tourismus herausgearbeitet werden und eine begründete Einschätzung dieser Thematik gemacht werden, die jedoch nur ansatzweise durch das vorhandene Datenmaterial gegeben werden kann. Darauf folgend werden die zentralen Ergebnisse mit den Auswirkungen in der Entwicklung durch den Tourismus in Zusammenhang gebracht.

2. Kulturwandel und Akkulturation

2.1 Der Kulturbegriff

Die Kultur ist ein Subsystem der Gesellschaft, das sich im Zuge der Säkularisierung, Differenzierungs- und Rationalisierungsprozessen in einem stetigen Entwicklungsprozess befindet.[2] Hierbei ist Kultur auf Normen- und Wertsysteme reduziert und die Unterentwicklung ist als Entwicklungsstufe der Kultur aufzufassen. Da der Tourismus stets einen kulturellen Wandel bewirkt und somit die Rahmenbedingung der gesellschaftlichen Entwicklung verändert, soll hier Kulturwandel im Allgemeinen und die Akkulturation in diesem Prozess erläutert werden. In der Literatur zu den Auswirkungen des Tourismus auf die Kultur und den Wandel wurden in der Wissenschaft primär aus der Kulturanthropologie weitere Begrifflichkeiten der Kultur verwendet, in denen die Gesellschaft, verstanden als soziale Struktur, nur einen Teil der Kultur darstellt.[3] Diesen Aspekt zu diskutieren würde jedoch den Rahmen der Arbeit sprengen.[4]

Aus diesem Grund werden die Merkmale der Kultur erläutert, um diesen Begriff für diese Arbeit zu definieren.

Ganz allgemein bezeichnet Max WEBER (1973 ) die Kultur als “ Entzauberung der Welt“. Sie “bedeutet also nicht eine zunehmende allgemeine Kenntnis der Lebensbedingungen, unter denen man steht, sie bedeutet etwas anderes: das Wissen davon oder den Glauben daran, dass man, wenn man nur wollte, es jederzeit erfahren könnte, es also prinzipiell keine geheimnisvollen, unberechenbaren Mächte gäbe, die da hineinspielen, dass man vielmehr die Dinge – im Prinzip – durch Berechnen beherrschen könne “ (WEBER 1964: 317 / GOETZE 1983: 21, zit. in LÜEM 1985: 37).

MALETZKE[5] beschreibt Kultur als die Art und Weise, wie die Menschen leben und was sie aus sich und ihrer Welt machen. Das „Wie“ bezieht sich in diesem Kontext auf die sozialen Beziehungen und Ausdrucksformen, die innerhalb der Kultur durch kulturelle Regeln bestimmt werden und somit in dieser Komplexität das Rationalitätsideal innerhalb der Kultur aufzeigen. Das „Was“ bezieht sich auf die immaterielle Seite der Kultur in Form von Werten, Konzepten, Ideen und Taten sowie den Ausdruck ihrer Welt, also der subjektiven Kultur[6] und die Beziehung zur Umwelt[7], der objektiven Kultur, die einem ständigen Prozess der Anpassung unterliegen. Die Tradition wird in dieser Interpretation nicht explizit angesprochen, obwohl sie im Prozess des Kulturwandels eine bedeutende Rolle einnimmt. Kultur ist aber in der zeitlichen und räumlichen Dimension mit einem bestimmten Raum verbunden, auch wenn dessen Grenzen nur schwer auszumachen sind, da Kultur ein immaterielles Phänomen darstellt, das sich lediglich in den materiellen messbaren Erscheinungen äußert. Innerhalb des lokalen Raumes wird die Kultur von Generation zu Generation weitergegeben, wobei sie einem ständigen Differenzierungs- und Entwicklungsprozess unterliegt.[8]

2.2 Kulturwandel

Da sich die Kulturen durch den Prozess der Anpassung in einem ständigen Wandel befinden, differenziert LÜEM nach den Ansatzpunkten die Veränderung in den exogenen und endogenen Kulturwandel.[9]

Unter einem endogen verursachten Wandel werden in einem Kulturbereich Innovationen verstanden, die nicht auf Einfluss von außen reagieren, sondern vielmehr von den Kulturträgern initiiert wurden. Andererseits beruht der exogene Wandel auf Kulturkontakten mit anderen Kulturen, in denen einzelne Elemente der anderen Kultur übernommen werden und diese sich auf andere Kulturbereiche interdependent auswirken. Es wird jedoch erst von einem Kulturwandel gesprochen, wenn bestimmte Kulturmuster von einer Mehrheit der Mitglieder übernommen werden. LÜEM[10] meint, dass in allen Kulturen der exogene Kulturwandel einen höheren Stellenwert hat, da die Entwicklung der Kultur beschleunigt wird, indem die Aufgaben der eigenen Innovation in diesem Bereich abnehmen werden. In diesem Kontext sind in den meisten Kulturen nur wenige Aspekte auf eigene Neuerungen und Erfindungen zurückzuführen. Hierbei entsteht die Paradoxie und führt zur ambivalenten Betrachtung, was den nacheinander zu durchlaufenden Kulturstufen widerspricht.

Nach PETRI[11] hat die lokale Partizipation in den peripheren Gebieten einen bedeutenden Einfluss auf die Art des kulturellen Wandels in der Tourismusentwicklung. Gleichzeitig soll diese Zentralisierung zu einer Minderung der räumlichen Disparitäten beitragen.

Hier ist jedoch zwischen der organischen und induzierten Entwicklung der Branche zu unterscheiden. Die organische Entwicklung wird von den Einheimischen, der lokalen Bevölkerung, kontrolliert. Bei der induzierten Entwicklung ist primär auf die Initiative von Unternehmen in der Entwicklung außerhalb der Region auszugehen, in der die Einheimischen weniger Einflussmöglichkeiten besitzen. In diesem Kontext ist der kulturelle Wandel exogen motiviert. Dieser kulturelle Wandel hängt meist von der Machtverteilung innerhalb des Tourismus und den räumlichen Disparitäten ab, die jedoch meist zugunsten der Touristen ausfällt. Wenn die Tourismusentwicklung jedoch noch zusätzlich von den nationalen und internationalen Metropolen in den räumlichen Disparitäten induziert wird, orientiert sich die lokale Bevölkerung verstärkt an den fremden Werten.[12]

Die Differenzierung zwischen dem ständig ablaufenden und dem durch den Tourismus verursachten Kulturwandel sieht PETRI an den beteiligten und auszulösenden Akteuren. Hierbei werden auch Randfiguren der Gesellschaft verstanden, welche nicht so stark in die kulturellen Werte- und Normensysteme eingebunden sind. In diesem Entwicklungsprozess werden Traditionen abgeschafft, da diese mit der Entwicklung nicht vereinbar sind. Jedoch ist hier auch zu differenzieren, dass der Tourismus zu einer stärkeren Beachtung der Kultur und der Wiederbelebung einheimischer traditioneller Praktiken in der einheimischen Bevölkerung geführt haben. FLITNER[13] hebt hervor, dass der Tourismus Tradition erhaltende Wirkungen besitzen kann, wobei die zerstörende Wirkung des Tourismus auf die Kultur nicht unproblematisch ist, da diese nach SOTELO[14] eine eurozentrische Denkfigur aus der Zeit der europäischen Expansion mit heranträgt. Die Zuschreibung von Tradition, natürlicher Lebensweise oder authentischen Kulturen, welche von den modernen Kulturen Europas zerstört werden, involviert eine Erniedrigung zu verletzlichen und passiven Gesellschaften.[15] “In der Bewunderung eines Naturvolkes ist die Verachtung schon mitgedacht.“ (LÜEM 1985: 87).

2.3 Akkulturation

Nach der Darstellung differenzierter Bedingungen und Formen des Kulturwandels in Assoziation mit dem Tourismus, soll nun genauer auf den Prozess des Wandels eingegangen werden, die Akkulturation. Der Begriff der Akkulturation geht auf Richard THURNWALD zurück, der im Jahr 1932 diesen als einen Anpassungsprozess definierte und damit in den Geisteswissenschaften ein Phänomen auslöste. Viele Berichte zu diesem Thema beziehen sich auch auf eine Bestimmung von LINCOLN, REDFIELD und HERSKOVITS im “Memorandum for the Study of Acculturation: „ Akkulturation umfasst jene Phänomene, die sich ergeben, wenn Gruppen von Individuen mit unterschiedlichen Kulturen in andauernden, unmittelbaren Kontakt gelangen, mit darauf folgenden Veränderungen in den ursprünglichen Kulturmustern der einen oder zu unterscheiden, von dem sie nur ein Aspekt ist, und von Assimilation die manchmal eine Phase der Akkulturation ist.“ (LÜEM 1985: 49)

Bei der Akkulturation handelt es sich immer um einen exogenen Kulturwandel der durch “ein länger andauerndes Zusammenwirken“ (WAHRLICH 1984: 49) der beteiligten Kulturen hervorgerufen wird. Teilweise wird der Begriff auf Phänomene eingeschränkt, die zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen auftreten, bei denen eine gegenüber der anderen dominant ist, oder in erster Linie sich auf den Kulturwandel durch das Einwirken der westlichen Welt auf die Entwicklungsländer bezieht.[16]

Dieses Verständnis der Akkulturation liegt auch dieser Arbeit zugrunde, da der Tourismus in Entwicklungsländern als komplexes Phänomen einen Kulturkontakt darstellt. MAURER[17] differenziert zwischen aktiver und passiver Akkulturation. Bei der Passiven bedeutet dies die Aufnahme von fremden Kulturelementen unter Beibehaltung der fundamentalen Normen- und Wertstrukturen. Bei der Aktiven wird ein komplett neues System übernommen, welches das Alte ersetzt.

Die passive oder aktive Form der Akkulturation und die Stärke des Kulturwandels werden von den Bedingungen des Akkulturationsprozesses bestimmt.

Hierzu zählt LÜEM[18] die Kontaktart und die Kontaktsituation. Hierbei werden der Ort des

Kontaktes, die Beziehung zur Umwelt und Kultur, die ökologische Umwelt und die Merkmale der intendierten Bevölkerung mit der ökonomischen Struktur verstanden, was direkten Einfluss auf die Intensität der Kontakte hat. Wenn die übernommenen sozialen Rollen in Assoziation mit den Motiven der beteiligten Kulturträger zu betrachten ist, dann stellt diese die Kontaktart dar. Jedoch wird bei einer Betrachtung der Bedingungen im Ferntourismus[19] ersichtlich, dass nur bestimmte Teile der beteiligten Kulturen interagieren.

THIEM[20] erläutert die interkulturelle Interaktion im Ferntourismus in einem Kulturen-Schema, das sich aus vier Teilen zusammensetzt. Nach diesem treten im Tourismus nicht einfach die Kulturen der Herkunftsstaaten und der Zielregion in Kontakt. Das Schema beinhaltet vielmehr eine Ferienkultur, die sich aus den Kulturen der Industriestaaten entwickelt hat. Hierbei trifft diese auf eine Dienstleistungskultur der Einheimischen, die von dem Tourismus betroffen und gleichzeitig auch von diesem abhängig sind. Die besonderen Rollen der Touristen auf der Reise, jedoch auch das Verhalten der Einheimischen versuchen aus ökonomischen Gründen, die stereotypen Wünsche und die Vorstellungen der Gäste zu erfüllen. Demzufolge wird für die Reisenden im Vordergrund die einheimische Kultur inszeniert, was jedoch im Hintergrund sehr stark organisiert und vorbereitet wird. Durch die Expansion des Tourismus werden die Hintergründe von dem Vordergrund beeinflusst. In diesem Kontext ist die Dienstleistung der Eingang in die ursprüngliche Kultur in einer Region.[21]

Der Hintergrund ist eine Zone der Authentizität und Touristen versuchen in diese Zone einzudringen. Durch die Unterscheidung und die Differenzierung zwischen dem Vorder- und Hintergrund werden indigene Kulturen bewahrt.[22]

Der Akkulturationsprozess wird durch die bewusste und unbewusste Demonstration der kulturellen Unterschiede von Seiten der Touristen initiiert. Es zeigt sich im Rollenverhalten der Reisenden als Träger ihrer Ferienkultur. Das Konsumverhalten verstärkt den Abstand zum Alltagsleben der Einheimischen und über die ökonomischen Ungleichheiten hinaus. Durch eine Reflexion der bereisten Kultur hinsichtlich der fremdartigen Lebensstile der Besucher entsteht ein Demonstrationseffekt, dieser “umfasst im Prinzip nur die Bewusstwerdung kultureller Unterschiede bei Einheimischen, impliziert aber noch keine direkten oder indirekten sozial-kulturellen

Veränderungen der eigenen Kultur, sondern er bereitet nur das Klima dafür vor.“ (LÜEM 1985: 68). Die Effekte werden in Abbildung 1 nach LÜEM[23] in veränderter Form aufgezeigt und nachfolgend erläutert.

Abb. 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Treten in diesem Effekt Unterlegenheitsgefühle auf, wie es im Tourismus aufgrund der Disparitäten in Peru, den starken ökonomischen Differenzen und den beteiligten Individuen häufig vorkommt, versuchen Einheimische durch die Imitation der eigenen Muster durch äußerliche Merkmale diese aufzuwerten. Hierbei sind besonders Jugendkulturen der Zielgebiete betroffen, da sich diese noch im Sozialisationsprozess befinden und die eigene Kultur noch nicht vollständig verstanden haben.

Der Imitationseffekt zeigt sich besonders bei Spannungen, aufgrund der Fehlanpassungen in verschiedenen Bereichen der Kultur. Hierbei kann von einer kulturellen Orientierungs- schwäche gesprochen werden, da dieser einen oberflächlichen Charakter hat und somit der Imitationseffekt die kulturelle Homogenität schwächt.

Darauf folgt der Identifikationseffekt, bei dem nicht nur einzelne und äußerliche Kulturelemente übernommen werden, sondern eine Identifikation mit der überlegenen Kultur stattfindet und Werte sowie Normen der eigenen Kultur vollständig aufgegeben werden, wobei dieser Effekt die stärkste Form im Akkulturationsprozess darstellt. In diesem Kontext ist dieser Effekt nicht allein dem Tourismus anzurechnen, wobei hier das Paradoxe innerhalb der Kultur zu betrachten ist, diesem Wandel ein exogener Charakter zugesprochen wird und die sozio-kulturelle Betrachtungsweise auf die Teilaspekte des Phänomens zu beziehen ist. In Bezug darauf sind die räumlichen und zeitlichen Dimensionen zu berücksichtigen. Durch die Komplexität muss durch diesen Vorgang der Rahmen des untersuchten Objektes aufgezeigt werden. Durch die Implikation des Tourismus ist es einfach, in diesem Anpassungsprozess den Geltungsbereich festzulegen. Jedoch ist es schwer zu definieren, wie die Wechselbeziehungen zwischen den indigenen Kulturen und den sozialisierten urbanisierten Zentren in diesem Akkulturationsprozess zu interpretieren sind. Dabei ist der Eingang in diese Strukturen zu berücksichtigen, der in diesem Kontext unter den ökonomischen Strukturen liegt und wie diese innerhalb der Kultur in diesem intersubjektiven Prozess in der westlichen Kultur als Rationalitätsideal gegenüber den anderen Kulturen in diesem Prozess durch die westliche Welt mit den Normen und Werten innerhalb dieser Kultur auf die anderen Kulturbereiche transzendiert werden. Jedoch ist in diesem Kontext zu klären, ob es sich bei diesem Vorgang um eine interkulturelle Kommunikation außerhalb der messbaren Dimensionen handelt, was in dieser Arbeit aufgrund der Gegebenheiten leider nicht möglich ist und vielmehr eine Erfassung der sozialen Strukturen vor Ort bedarf. In diesem Kontext wird, mit dem Hintergrund der Akkulturation, dieser Prozess deskriptiv aufgezeigt.

3. Der internationale Tourismus

3.1 Begriffsdefinition des Phänomens Tourismus

Für eine sinnvolle Auseinandersetzung mit dem Tourismus und den Auswirkungen durch den internationalen Tourismus sowie dem damit verbundenen Kulturwandel muss das Phänomen begrifflich definiert werden. Hierzu ist zunächst die Bedeutung des Begriffs zu klären, zu dem es in der wissenschaftlichen Literatur zahlreiche Definitionen gibt.[24]

Bei dem Tourismus handelt es sich um ein sehr komplexes Phänomen, das sich aus mehreren Teilkonstrukten und Komponenten in den Dimensionen innerhalb der Kultur und der Gesellschaft zusammensetzt. Primär müssen hier die gesellschaftlichen, ökologischen, politischen, kulturellen und ökonomischen Aspekte mit berücksichtigt werden. In diesem Phänomen lassen sich die strukturellen Veränderungen des Tourismus erkennen.[25]

So wurde der Tourismus in eine zeitliche Dimension eingeteilt und begann mit dem historischen Hintergrund der britischen Aristokratie über das Großbürgertum im 18. Jahrhundert, die diese als Bildungsreisen prägten. Somit ist der Begriff synonym zu betrachten und ist im Laufe der Zeit verdrängt worden bzw. in diesen Begriff integriert worden.[26]

Im 19. Jahrhundert ist der Tourismus weitgehend über die wirtschaftliche Funktion und der Raumüberwindung definiert worden. PETRI meint nach HUNZIKER und KRAPF, dass der Tourismus der “Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern durch den Aufenthalt keine Niederlassung begründet und damit keine Erwerbstätigkeit verbunden wird.“ (PETRI 1986: 6)

Heutzutage berufen sich internationale Organisationen wie die WTO (World Tourism Organization) auf eine weiter gefasste Definition von KASPAR, der auch den Geschäftstourismus mit einbezieht. “ Fremdenverkehr oder Tourismus ist die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist. “ (KASPAR in MÜLLER 1997: 63) In dieser Definition sind die Merkmale des Ortswechsels und das Verweilen außerhalb der Alltagswelt enthalten, die sich durch die zahlreichen Erscheinungsformen weiter differenzieren lassen. Eine der am meist verwendeten Kriterien zur Abgrenzung differenzierter Tourismusformen ist, nach den internationalen Organisationen und Statistiken, die Herkunft der Reisenden, indem gleichzeitig zwischen dem grenzüberschreitenden und dem Binnentourismus unterschieden werden kann.

Diese Begriffsbestimmung basiert auf einer Erklärung der UN Konferenz im Jahr 1893 in Rom. Als grenzüberschreitende Touristen werden alle Besucher eines Landes definiert, die sich mindestens für 24 Stunden und nicht länger als ein Jahr in diesem Land aufhalten. Als Binnentourist dagegen wird bezeichnet, wer sich weniger als 24 Stunden in dem bereisten Land aufhält. Diese werden meist auch als Exkursionstouristen bezeichnet.[27]

In der Literatur werden noch weitere Unterscheidungskriterien aufgezeigt, wie die Beherbergungsform, die Motive und Motivation der Touristen, die Anzahl der Reisenden oder die vor Ort verwendeten Verkehrsmittel. Da die Auswirkungen durch den Tourismus in einer bestimmten Region auch sehr stark von der Tourismusart und -form abhängig sind, werden diese Kriterien in dem Kapitel 3.5 dargestellt, wobei dies mit dem Hintergrund des Kapitels

3.4 zu betrachten ist.

Der Tourismus, besonders in der dritten Welt, wird immer bedeutender. Dies scheint damit zusammenzuhängen, dass die Auswirkungen des komplexen Phänomens auf die Gesellschaft und Ökonomie in diesen Ländern stärker sind, als es in den Industrienationen der Fall ist.

3.2 Die Entwicklung des internationalen Tourismus

Im Jahr 1981 beschreibt GORMSEN ein Schema der Expansion, das sich primär aus dem europäischen Badetourismus herausgebildet hat. Demnach werden die Zielregionen nach den zeitlichen und räumlichen Perspektiven in vier differenzierte Peripherien selektiert. In der zeitlichen Dimension hat der Tourismus in der britischen Gesellschaft über das Großbürgertum angefangen, indem die Oberschicht der Vorreiter war und primär neue Zielgebiete erschloss, die dann allen, also auch der Mittel- und Unterschicht zufielen.

[...]


[1] vgl. LÜHR, V. & SCHULZ, M. (1997): Entwicklung – Theorie- Empirie- Strategie, S. 7ff.

[2] vgl. LÜEM, Thomas (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S 35 f.

[3] ebd., S. 32 f.

[4] Zur weiteren Auseinandersetzung der Kultur und dem Kulturwandel in Assoziation mit dem Tourismus: LÜEM, Thomas 1985, THIEM, Marion 1984

[5] vgl. MALETZKE, Gerhard (1996): Interkulturelle Kommunikation, S. 16 f.

[6] Mit den Begrifflichkeiten der subjektiven und objektiven Kultur bezeichnet SIMMEL 1957 die “Entzauberung der Welt“ von Max WEBER.

[7] Mit Umwelt ist hier auch die ökonomische und politische Organisation, Religion und Technologie gemeint.

[8] vgl. LÜEM, Thomas (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 31 f.

[9] ebd., S. 46 f.

[10] vgl. LÜEM, Thomas (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 35 f.

[11] vgl. PETRI, Otto (1986): Der internationale Tourismus als Entwicklungsfaktor in den Ländern der Dritten Welt, S. 135 f.

[12] ebd., S. 137 ff.

[13] vgl. FLITNER, Michael (1997): Kultur kaputt. Variationen einer Denkfigur der Tourismuskritik, S. 87 ff.

[14] vgl. SOTELO, Ignacio (1973): Soziologie Lateinamerikas, S. 17 f.

[15] In diesem Ansatzpunkt ist es Fakt, dass die industrielle gegenüber der vorindustriellen überlegen ist. vgl. TIBI nach LÜEM (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 52 f.

[16] vgl. LÜEM (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 52 f.

[17] vgl. MAURER, Mechthild (1992): Tourismus und dritte Welt, S. 88

[18] vgl. LÜEM, Thomas (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 52 ff.

[19] Ferntourimus meint synonym den internationalen Tourismus und Fremdenverkehr.

[20] vgl. THIEM, Marion (1994): Tourismus und kulturelle Identität, S. 37 ff.

[21] vgl. LUGER, Kurt (2008): Kommunikation im Tourismus, S. 10 f.

[22] vgl. COHEN, Erik (1995) Contempary tourism – trends and challenges, S. 17 f.

[23] vgl.LÜEM, Thomas (1985)_ Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 68

[24] vgl. PETRI, Otto (1986): Der internationale Tourismus als Entwicklungsfaktor in Ländern der dritten Welt, S. 6

[25] vgl. MÜLLER, H (1997): Freizeit und Tourismus, S. 62 ff.

[26] vgl. PETRI, Otto (1986): Der internationale Tourismus als Entwicklungsfaktor in Ländern der dritten Welt, S. 6 / PALM, Juliane (2006): Ökotourismus in Peru, S. 41

[27] vgl. PETRI, Otto (1986): Der internationale Tourismus als Entwicklungsfaktor in Ländern der dritten Welt, S. 7 f.

Details

Seiten
50
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640214150
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v116224
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Schlagworte
Tourismus Peru

Autor

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Titel: Der Tourismus in Peru