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Verfahren und Kriterien bei der Auswahl von Bürosoftware

Hausarbeit 2002 26 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auswahlkriterien
2.1 Darstellung der betriebswirtschaftlichen Kriterien
2.2 Darstellung der wirtschaftlichen Kriterien
2.2.1 Kosten
2.2.2 Einsparungen
2.3 Systemtechnische Kriterien
2.3.1 Benutzerfreundlichkeit
2.3.1.1 Bedienbarkeit
2.3.1.2 Benutzerunterstützung
2.3.1.3 Funktionalität
2.3.1.4 Zeitverhalten 2.3.2 Flexibilität
2.3.2.1 Maintainability
2.3.2.2 Portabilität
2.3.3 Verlässlichkeit
2.3.4 Datenaustausch
2.4 Servicekriterien und Zusatzleistungen
2.4.1 Serviceleistungen
2.4.2 Dokumentation

3. Auswahlverfahren
3.1 Grundsatzentscheidungen
3.1.1 Redesign-Beschaffungsentscheidung
3.1.2 Standard- oder Individualsoftware
3.2 Verfahren zur Wirtschaftlichkeitsprüfung
3.2.1 Investitionsrechnung
3.2.2 Kosten-Nutzen-Analyse
3.3 Ergänzende Verfahren

4. Schluss

1. Einleitung

In der heutigen Zeit verfügen viele Unternehmen über ein Bürosoftwarepaket, um dem

ständig zunehmenden Wettbewerbsdruck zu entgehen. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation sind typische Komponenten der Bürosoftware, die zur Unterstützung

von verschiedenen Bürotätigkeiten eingesetzt werden. Mit Hilfe dieser Anwendungen ist

der Benutzer in der Lage, benötigte Daten zu erfassen, zu formatieren, zu speichern und auszutauschen, so dass die Bearbeitung von Aufgaben schneller und flexibler erfolgt.

Darüber hinaus können sich Firmen einen deutlichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen, indem durch den Einsatz der Bürosoftware betriebliche Abläufe und Prozesse optimiert werden. Jedoch können 60 Prozent der Bürosoftwareanwender diese theoretischen Vorteile nicht in die Praxis umsetzen, da sie es versäumt haben, sich vor der Auswahl gründlich vorzubereiten.[1] Besonders im Hinblick auf die große Produktvielfalt, der Kurzlebigkeit der Produkte und der steigenden Zahl neuer Bürosoftwareanbieter wird deutlich, dass eine genaue Analyse der Benutzerbedürfnisse und der Anforderungen an die Bürosoftware erforderlich ist, um den schwierigen Auswahlprozess erfolgreich abzuschließen.[2]

An dieser Auswahlproblematik setzt die Hausarbeit des Verfassers an. Sie soll eine beglei­tende Hilfestellung bei der Beschaffung der aus Sicht des Anwenders wirtschaftlichsten Bürosoftware geben. Im ersten Teil dieser Arbeit wird ein Überblick über wichtige Auswahl­kriterien geschaffen. Dabei geht der Verfasser auf verschiedene Kriterienarten ein, damit sich die Auswahlentscheidung nicht nur auf das reine Bürosoftwareprodukt beschränkt, sondern das gesamte Entscheidungsumfeld bei der Investitionsentscheidung berücksichtigt wird. Bei der Betrachtung der einzelnen Auswahlkriterien stellt der Verfasser grundsätzliche Aspekte vor,

um dem zukünftigen Benutzer eine Basis über mögliche Ansprüche an das Bürosoftwarepaket zu präsentieren. Darüber hinaus werden in dieser Hausarbeit notwendige Anforderungen hervor­gehoben, so dass bereits im Vorfeld der Entscheidung eine Selektion in geeignete und abzulehnende Bürosoftwarepakete realisierbar ist.

Im zweiten Teil der Arbeit beschreibt der Verfasser verschiedene Auswahlverfahren,

die zur Beurteilung der einzelnen Beschaffungsalternativen verwendet werden können.

Dazu werden im ersten Abschnitt Grundsatzentscheidungen vorgestellt, über die sich der zukünftige Benutzer zu Beginn seiner Auswahl Gedanken machen muss, damit entsprechend der jeweiligen Ausgangssituation alle möglichen Alternativen und Einflüsse in der Investitions­entscheidung berücksichtigt werden. Anschließend erweitert der Verfasser seine Ausführungen um verschiedene Verfahren. Sie müssen zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit und der Leistungsfähigkeit von Bürosoftwarealternativen herangezogen werden, so dass der

zukünftige Anwender den schwierigen Auswahlprozess durch eine gewissenhafte und gründliche Vorbereitung erfolgreich bewältigen kann.

2. Auswahlkriterien

2.1 Darstellung der betriebswirtschaftlichen Kriterien

Damit der Benutzer die Auswahl der Bürosoftware erfolgreich abschließen kann, ist es besonders wichtig, dass er den betriebswirtschaftlichen, aber auch den im nächsten Kapitel erklärten wirtschaftlichen Kriterien absolute Priorität zuordnet. Der Grund für diese Aussage besteht darin, dass beide Kriterienarten maßgeblich darüber entscheiden, ob die Investition

in ein Bürosoftwarepaket gerechtfertigt und der Einsatz sinnvoll für das Unternehmen ist.

Deshalb ist es vor dem Kauf der Software notwendig, eine gute Entscheidungsgrundlage zu schaffen, indem die Erwartungen und die Anforderungen an die Bürosoftware bekannt sind.[3] Zu diesem Zweck wird die Organisations-, die Benutzer- und die Aufgabenanalyse verwendet. .

Die Organisationsanalyse untersucht den Aufbau des Unternehmens. Dabei werden besonders die Aufgaben des jeweiligen Arbeitsplatzes sowie die zu verarbeitenden Informationen berücksichtigt. Mit Hilfe dieser Analyse ergeben sich notwendige Grund- und Unterstützungs­funktionen, über die das Softwarepaket verfügen muss. Im Rahmen der Benutzeranalyse werden erwartete Benutzereigenschaften hinterfragt, so dass als Resultat die Bürosoftware bezüglich der Bedienbarkeit den Ansprüchen des Anwenders gerecht wird. Ein weiterer Hintergrund dieser Analyse ist, dass der Benutzer im Endergebnis in der Bürosoftware eine Unterstützung bei der Abarbeitung von Aufgaben sieht. Abschließend erfolgt die Aufgaben­analyse, die zur Ermittlung der betrieblichen Tätigkeiten und Datenmengen genutzt wird.

Durch die Ergebnisse aus der Aufgabenanalyse können Maßstäbe an die Bürosoftware gesetzt werden, damit zum einen die Bewältigung der Unternehmensaufgaben effektiv erfolgt,

und zum anderen die Abarbeitung der Aufgaben im Sinne des Benutzer erleichtert wird.[4]

2.2 Darstellung der wirtschaftlichen Kriterien

2.2.1 Kosten

Der erste Aspekt, der im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Kriterien genauer betrachtet werden muss, sind die mit dem Kauf verbundenen Kosten. Diese Kosten lassen sich in Anschaffungskosten, Folgekosten und laufende Kosten unterteilen.[5]

Die Anschaffungskosten sind einmalige Kosten, die für die Nutzung der Bürosoftware an

den Hersteller gezahlt werden. Dabei hängt die Höhe der Kosten davon ab, ob der zukünftige Anwender das Softwarepaket kauft oder mietet. Die Folgekosten werden im Zusammenhang mit der Anschaffung verursacht. Zu diesen Kosten gehören die Schulungsausgaben, die zur Einarbeitung der Mitarbeiter in die Bürosoftware notwendig sind.

Weiterhin können abhängig vom Hersteller Installations- und Dokumentationskosten entstehen, die jedoch üblicherweise in den Anschaffungskosten enthalten sind. Die laufenden Kosten entstehen durch den täglichen Geschäftsbetrieb. Neben dem Versicherungsaufwand beinhaltet diese Kostenkategorie Aufwände für die Softwarepflege und Wartung.[6]

Durch die technische Veralterung der Bürosoftware entstehen weitere laufende Kosten,

und zwar die Abschreibungen. Im Gegensatz zu den bisher aufgeführten Aufwänden sind

die Abschrei­bungen der Software nicht mit Auszahlungen verbunden.

Damit der Anwender einen Überblick über diese komplexe Kostenstruktur erhält, muss ihm der Softwareverkäufer eine genaue Aufstellung der einzelnen Kosten ausarbeiten, die gleichzeitig als eine mögliche Verhandlungsgrundlage zur Kostenreduzierung genutzt werden kann.[7]

2.2.2 Einsparungen

Das Ermitteln der Kosten ist wesentlich einfacher und präziser als die Vorhersage der schwer quantifizierbaren Einsparungen. Um die Bürosoftware trotzdem genau beurteilen zu können,

ist es empfehlenswert, nicht berechenbare Einsparungen zu schätzen. Eine mögliche Kosten­reduzierung, die sich durch den Einsatz der Bürosoftware ergibt, ist der Wegfall von vorher benötigten Arbeitsmitteln wie zum Beispiel der Schreibmaschine. Außerdem werden durch eine korrekte Abstimmung der Software auf das Unternehmen betriebliche Abläufe im Unternehmen rationalisiert. Diese Rationalisierung macht sich zum Beispiel in der Beschleunigung des Datenaustauschs mit Lieferanten oder Kunden und in der schnelleren Bearbeitung von Auf­trägen bemerkbar, so dass eine weitere wesentliche Reduzierung der Kosten realisierbar ist. Darüber hinaus können durch den Bürosoftwareeinsatz die Kosten im Bereich des Personals gedrückt werden, da die benötigte Zeit zur Bewältigung der Arbeit drastisch verkürzt wird. Schließlich sind Einsparungen gegenüber der bisherigen Organisation erzielbar, indem Aufgaben nicht mehr von externen Personen oder Einrichtungen durchgeführt werden müssen, sondern jetzt intern mit Hilfe der Bürosoftware erledigt werden können.[8]

2.3. Systemtechnische Kriterien

2.3.1 Benutzerfreundlichkeit

2.3.1.1 Bedienbarkeit

Als ein wichtiges Kriterium der Benutzerfreundlichkeit ist eine einfache und klare Bedienbarkeit, die sich in der Benutzerführung und Dialoggestaltung wiederspiegelt, heutzutage unabdingbar. Dadurch wird gewährleistet, dass dem Benutzer die Einarbeitung, Bedienung und Nutzung erleichtert wird.[9]

Um eine Minimierung der Gedächtnisleistung des Benutzers zu realisieren und die Zeit zur Einarbeitung drastisch zu verkürzen, sollte die Dialoggestaltung nicht nur grundsätzlich durch eine durchgängig einheitliche und übersichtliche Benutzeroberfläche, sondern im allgemeinen durch eine Erfüllung der folgenden sieben Gestaltungsgrundsätze geprägt sein.[10]

Der erste Gestaltungsgrundsatz verlangt die Aufgabenangemessenheit des Dialogs.

Dadurch wird eine Unterstützung des Benutzers sichergestellt, ohne ihn dabei durch die Eigenarten des Dialogs zu belasten. Aus diesem Grund ist es nicht akzeptabel, wenn der Benutzer mit zu vielen Informationen auf einmal überflutet wird.

Ein weiteres Merkmal für einen aufgabenangemessenen Dialog liegt vor, wenn die Büro­software wichtige Hinweise durch Attribute hervorhebt. Deshalb ist es sinnvoll, wenn

wichtige Textpassagen zur besseren Übersicht farbig oder blinkend dargestellt werden.

Dabei ist darauf zu achten, dass bei der Darstellung von Texten und Farben, bestimmte Normen eingehalten werden. Demzufolge ist der Einsatz von Texten in DIN 66234 Teil 1

und der Einsatz von Farben in DIN 66234 Teil 5 geregelt. Aus diesen Normen kann zum Beispiel entnommen werden, dass die eingesetzten Zeichen verwechslungssicher sein müssen, und dass nur maximal fünf bedeutungstragende Farben verwendet werden sollten.

Die Überprüfung der Aufgabenangemessenheit eines Dialogs kann auch anhand der Dateneingabe erfolgen. Es ist darauf zu achten, dass der Cursor immer deutlich sichtbar

ist und per Pfeiltasten schnell an jeden Punkt des Bildschirms bewegt werden kann.

Außerdem muss eine Eingabe und Korrektur der Daten, ohne Probleme in den deutlich gekennzeichneten Eingabefeldern durchführbar sein.[11]

Der zweite Gestaltungsgrundsatz verlangt die Beschreibungsfähigkeit eines Dialogs.

Die Notwendigkeit dieses Kriteriums besteht darin, dass der Benutzer einfach und direkt

an Funktionen und Befehle gelangen kann.[12] Ermöglicht wird diese einfache Handhabung durch den Einsatz von Grafiken, wie zum Beispiel den Icons oder den Sinnbildern.

Durch diese Methode wird dem Benutzer eine sprachunabhängige Herangehensweise geboten, um in einem Softwaresystem navigieren zu können. Zudem kann durch den Einsatz von Grafiken eine deutliche Datenreduktion und eine höhere Informationsdichte erzielt werden.

Neben dieser Möglichkeit tragen auch selektionsorientierte Interaktionsformen, wie zum Beispiel die Menü­technik zur Vereinfachung der Bedienbarkeit bei.

Die Menütechnik wird in Bürosoftware­produkten am häufigsten eingesetzt, da sie zum einen schnell zu verstehen ist und zum anderen anwendungsgerechte Lösungen durch verschiedene Gestaltungsformen geschaffen werden können. Damit ist die Menütechnik auch eine optimale Lösung für den Gebrauch von Programmen, die eher selten oder durch unerfahrene Benutzer verwendet werden.

Die Steuerbarkeit des Dialogs ist der dritte Gestaltungsgrundsatz. Sie legt fest, ob der nächste Anwendungsschritt von dem Benutzer oder von dem System kontrolliert wird.

Daher existiert eine Differenzierung in den systemgesteuerten, den benutzergesteuerten und den gemischten Dialog, bei dem die Dialogkontrolle zwischen System und Benutzer wechselt.[13]

In den meisten Bürosoftwareanwendungen wird eine gemischte Kontrolle eingesetzt,

wobei bei einer guten Steuerbarkeit der Schwerpunkt auf dem benutzergesteuerten Dialog liegen muss. Dadurch ist der Benutzer durch direkte manipulative Steuerbarkeit in der Lage,

Art und Umfang der Eingaben sowie Funktionen selbst zu bestimmen. Außerdem muss dem Benutzer die Möglichkeit gegeben werden, die Bearbeitungsreihenfolgen und die Geschwindig­keit des Dialogs selbstständig festzulegen, aber auch bestimmte Arbeitsgänge zurückzustellen und zu unterbrechen, ohne dabei die bisherigen Daten zu gefährden.[14]

Der vierte Gestaltungsgrundsatz lautet Erwartungskonformität, die genau dann vorliegt, wenn der Dialog und die Benutzeroberfläche den Erwartungen und Vorstellungen des Benutzers entsprechen. Die Erwartungen des Benutzers werden vorwiegend durch die Erfahrung und den Umgang mit verschiedenen Bürosoftwarepaketen im Alltag und durch Schulungen geprägt.

Im Zusammenhang mit dem Aspekt der Erwartungskonformität muss der Begriff der inneren Konsistenz erwähnt werden. Eine innere Konsistenz der Bürosoftware wird erreicht, wenn die Benutzeroberfläche, die Steuerung und die Reaktion im gesamten Programm einheitlich aufgebaut ist. Dadurch kann eine einfache, für den Benutzer gebräuchliche, Handhabung der Bürosoftware gewährleistet werden.[15]

Der wichtigste Grundsatz für die Gestaltung von Benutzeroberflächen ist die Fehlertoleranz. Die Fehlertoleranz bestimmt, mit welcher Präzision eine Anwendung Fehler des Benutzers abfängt. Dabei darf das Programm nicht durch einen Bedienungs- oder Eingabefehler ins Betriebssystem oder in den Bluescreen abstürzen, so dass ein Verlassen der Anwendung

ohne Datenverlust nicht mehr möglich ist. Im schlimmsten Fall kann ein Programmabsturz sogar zur Beschädigung oder Zerstörung des Bürosoftwarepakets führen. Auf der anderen Seite ist es nicht annehmbar, wenn die Bürosoftware einfach unzulässige Daten akzeptiert

und zur Be­arbei­tung verwendet. Daher sollte sie Eingabefehler durch Überprüfung der Datenformate und der Plausibilität abfangen können, damit es dem Benutzer zum Beispiel

nicht mehr möglich ist, Zahlen in ein Buchstabenfeld einzugeben. Sobald ein Eingabefehler vorliegt, muss dieser Vorfall dem Benutzer durch eine eindeutige und verständliche

Fehler­meldung erkenntlich gemacht werden, indem zum Beispiel zur Unterstützung Farben, blinkende Texte oder Tonsignale eingesetzt werden. Es hat sich auch als sinnvoll erwiesen, wenn das Programm eindeutig korrigierbare Fehler automatisch behebt. Diese automatische Fehlerbehebung muss abschaltbar sein.[16]

Die letzten beiden Anforderungen an die Benutzeroberfläche sind die Erlernbarkeit und die Individualisierbarkeit. Der Begriff der Erlernbarkeit steht dafür, dass dem Benutzer die Möglichkeit eingeräumt wird, die neuen Anwendungen schnell zu erlernen und zu beherrschen.

Eine gute Benutzeroberfläche ist so gestaltet, dass der Aufwand von Schulung und der Einsatz von Benutzerhandbüchern sehr klein ausfallen. Die Individualisierbarkeit der Bürosoftware erlaubt dem Benutzer, das Programm auf seine persönlichen Fähigkeiten, Gegebenheiten und Wünsche auszurichten. Daher zeichnet sich ein optimales Programm dadurch aus, dass der Benutzer die Ein- und Ausgabe individuell an seine Benutzererfordernisse anpassen kann. Zudem kann durch Makros, die sequentiell Routineaufgaben abarbeiten, oder durch individuell eingerichtete Menüstrukturen die Bedienbarkeit des Softwareprodukts erleichtert und die Benutzerakzeptanz wesentlich erhöht.[17] Damit der Anwender nicht über die Bedienbarkeit eines Programms enttäuscht oder überrascht ist, sollte er von dem Usability Testing Gebrauch machen. Dieser Test dient zur Beurteilung der Interaktion zwischen Mensch und Anwendung, wobei auch auf eine optimale Benutzerunterstützung geachtet wird, die der Verfasser im nächsten Abschnitt betrachtet.[18]

2.3.1.2 Benutzerunterstützung

Die Integration eines guten Hilfesystems ist besonders im Hinblick auf die Akzeptanz der Bürosoftware absolut obligatorisch. Bei möglichen Schwierigkeiten im Programm muss es

dem Anwender weiterhelfen, damit er seine Aufgaben ohne Datenverlust erfüllen kann.

Das Hilfesystem muss so konzeptioniert sein, dass nicht nur allgemeine Informationen verfügbar sind, sondern dass für jeden Bildschirm, für jedes Bildschirmfeld und für jede Funktion ein eigener Hilfetext existiert.[19] Darüber hinaus sollte die Hilfe zu jedem Bearbei­tungs­zeitpunkt abrufbar sein. Die Unterstützung des Benutzers muss in Form von textuellen Erklärungen, Beispielen, aufgabenbezogenen Schlagwortverzeichnissen und Verweisen auf das Benutzerhandbuch erfolgen. Wird diese Anforderung an die Benutzerunterstützung nicht erfüllt, dann ist das Bürosoftwarepaket abzulehnen.[20] Bei der Auswahl eines Softwareproduktes ist darauf zu achten, dass verschiedene Arten von Hilfesystemen angeboten werden.

Auf der einen Seite gibt es die passive Hilfe, bei der die Kontrolle über den Aufruf in der Hand des Benutzers liegt. Über eine spezielle Funktionstaste, in den meisten Fällen die Taste F1,

ist es dem Anwender möglich, diese Hilfe-Funktion in Anspruch zu nehmen. Auf der anderen Seite gibt es die aktive Hilfe, die sich automatisch bei bestimmten Benutzer­aktivitäten, Ereignissen oder Situationen einschaltet. Um dieses Hilfesystem optimal einsetzen zu können, bedarf es viel Erfahrung und Vorkehrungen, damit die Hilfe-Funktion nicht bei vermeintlichen Fehlern und Problemen unmotiviert in das Arbeitsgeschehen eingreift.[21]

2.3.1.3 Funktionalität

In diesem Abschnitt sollen die wichtigsten Funktionen erläutert werden, die für einen optimale Nutzung der Bürosoftware erforderlich sind. Dabei wird die Funktionalität eines Programms als die Summe aller Resultate, die durch die Software produziert werden, verstanden.[22]

Eine ständige Visualisierung der Objekte und Werkzeuge, physische Aktionen zum Beispiel

mit der Maus sowie schnelle, inkrementelle oder reversible Aktionen wie die Undo-Funktion sind Merkmale einer guten und einfach zu erlernenden Grundfunktionalität. Diese drei Grund­konzepte dienen der direkten Manipulation der Anwendung durch den Benutzer, der durch

die zusätzliche Kontrolle, von einem höheren Arbeitskomfort profitieren kann. Eine wichtige Funktion, die das Programm vorweisen sollte, ist die Unterbrechungsfunktion. Sie erlaubt es dem Benutzer, zu jeder Zeit die Anwendung ohne Datenverlust zu verlassen, so dass der Benutzer seine Arbeit an der Stelle fortsetzen kann, an der er das Programm verlassen hat. Das Ausdrucken des Bildschirminhaltes stellt ebenfalls eine wichtige Funktion dar, die genauso wünschenswert wie eine Sicherungsfunktion mit Rückversicherung beim Benutzer ist.[23]

Weitere notwendige Funktionen, über die das Programm verfügen sollte, sind zum Beispiel

das Löschen, das Kopieren und Verschieben sowie das Suchen und Ersetzen von beliebigen Stellen und Passagen in einer Anwendung. Bei einer guten Bürosoftware kann der Benutzer diese Funktionen durch Tastenkombinationen nutzen und muss sie nicht über die Menüein­träge aktivieren.[24] Zur Steigerung des Benutzerkomforts tragen auch die Again-, die Undo-

und die Redo-Funktion bei. Durch die Again-Funktion werden gleiche oder ähnliche

Aktionen verkürzt und beschleunigt, indem die Anwendung den Ablauf der Aktion speichert. Anschließend kann per Knopfdruck die Aktion beliebig oft ausgeführt werden.

Eine Erweiterung der Again-Funktion ist das Makro, das auch als eine abgelegte Aktionsse­quenz bezeichnet wird, die unter einem frei wählbaren Symbol oder Namen abgespeichert ist.

Es kommt oft vor, dass der Benutzer Aktionen ausführt, die nicht gewollt oder falsch sind. In diesem Moment ist es wichtig, dass die Bürosoftware über eine Undo-Funktion verfügt, die den letzten Arbeitsschritt rückgängig macht und die Anwendung in den alten Zustand zurücksetzt.[25] Diese Funktion ist sehr wichtig, und wenn das Programm nicht mindestens über eine

Undo-Funktion verfügt, dann ist dieses Bürosoftwarepaket abzulehnen.[26]

Das Gegenstück zur Undo-Funktion ist die Redo-Funktion. Sie wird verwendet, um die

Undo-Funktion rückgängig zu machen, falls es doch nicht notwendig ist, die Anwendung aufgrund einer unbeab­sichtigten oder falschen Aktion in den alten Zustand zurückzusetzen.[27]

Neben diesen wichtigen Funktionen, hat auch das Zeitverhalten der Anwendungen einen starken Einfluss auf die Benutzerfreundlichkeit. Deshalb wird dieses Auswahlkriterium im nächsten Kapitel genauer untersucht.

[...]


[1] Vgl. Grupp, Bruno (1991), o. S. - Einleitungskapitel.

[2] Vgl. Becker, Jörg (1992), S. 1 f.

[3] Vgl. Becker, Jörg (1992), S. 70 ff.

[4] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 36 ff.

[5] Vgl. Barfuss, Dietmar (1991), S. 75.

[6] Vgl. Becker, Jörg (1992), S. 318 ff.

[7] Vgl. Barfuss, Dietmar (1991), S. 75.

[8] Vgl. Becker, Jörg (1992), S. 37 ff.

[9] Vgl. Heinemann, Klaus (1987), S. 121 f.

[10] Vgl. Hampe-Neteler, Wolfgang (1994), S. 54.

[11] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 72 ff.

[12] Vgl. Baaken, Thomas / Launen, Michael (1993), S. 130.

[13] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 79 ff.

[14] Vgl. Baaken, Thomas / Launen, Michael (1993), S. 130.

[15] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 111 f.

[16] Vgl. Hampe-Neteler, Wolfgang (1994), S. 19 ff.

[17] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 105 f.

[18] Vgl. Thaller, Georg Erwin (2002), S. 144.

[19] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 161 ff.

[20] Vgl. Hampe-Neteler, Wolfgang (1994), S. 33.

[21] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 164 ff.

[22] Vgl. Dumke, Reiner (2002), S. 76.

[23] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 115 f.

[24] Vgl. Gisbert, Ralf / Mattes, Andreas (1987), S. 216.

[25] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 187 ff.

[26] Vgl. Hampe-Neteler, Wolfgang (1994), S. 31.

[27] Vgl. Herczeg, Michael (1994), S. 196.

Details

Seiten
26
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638177504
ISBN (Buch)
9783640300785
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11644
Institution / Hochschule
Berufsakademie Berlin – Fachrichtung Industrie
Note
1,3
Schlagworte
Bürosoftware Auswahlverfahren Verfahren Kriterien Informatik Kosten Nutzen Analyse Software

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Titel: Verfahren und Kriterien bei der Auswahl von Bürosoftware