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Religionspädagogische Materialien für den Offenen Unterricht in der Grundschule

Examensarbeit 2002 65 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Offene Unterricht
2.1. Zum Begriff Offener Unterricht
2.2. Kriterien für einen Offenen Unterricht
2.3. Formen des Offenen Unterrichts
2.3.1. Morgenkreis
2.3.2. Freiarbeit
2.3.3. Projektarbeit
2.3.4. Stationen- und Werkstattunterricht
2.3.5. Wochenplanarbeit
2.4. Offene Unterrichtsformen im Religionsunterricht

3. Religionspädagogische Materialien für den Offenen Unterricht in der Grundschule
3.1. Einführung
3.2. „Sara und Abraham gehen ihren Weg im Vertrauen auf Gott“ – Angebote für einen offenen Unterricht im Fach Religion
3.2.1. Vorstellung des Materials
3.2.2. Theologische Hintergründe
3.2.3. Religionspädagogische und didaktische Hintergründe
3.2.4. Zu den einzelnen Themenbereichen
3.2.5. Beurteilung des Materials auf Basis der Kriterien für
einen Offenen Unterricht
3.3. Materialienerprobung in der Praxis – Unterrichtsversuch an der Albrecht- Dürer- GS Halle
3.3.1. Vorstellung der Schule und der räumlichen Voraussetzungen
3.3.2. Vorstellung der Lerngruppe
3.3.3. Vorbereitung des Unterrichtsversuches
3.3.4. Planung des Unterrichtsversuches
3.3.5. Unterrichtsversuch
3.3.6. Auswertung
3.3.6.1. Auswertung durch die Lehrerin
3.3.6.2. Eigene Auswertung
3.3.7. Fazit

4. Schlussbemerkung

5. Literatur
5.1. Zum Offenen Unterricht
5.2. Religionsdidaktik
5.3. Zeitschriften

6. Anhang
6.1. Piktogramme
6.2. Arbeitskarten für die Stationen
6.3. Schablone für Pappfiguren
6.4. Malvorlagen
6.5. Vertrauensstern
6.6. Mandalas
6.7. Memory - Vorlagen
6.8. Lieder
6.9. Rezepte
6.10. Ausführlicher Unterrichtentwurf
6.11. Fragebogen zur Auswertung

1. Einleitung

Die Thematik des „Offenen Unterrichts“ ist bis heute viel diskutiert und in der Literatur vielseitig beschrieben wurden. In den meisten Fällen wird hierbei von einem fächerübergreifenden Unterricht ausgegangen, bei welchem leider der Religionsunterricht, ob nun evangelisch oder katholisch, außen vor gelassen wird. (vgl. Peschel, Falko: Offener Unterricht, Teil 1, 2002) Ebenso ist in der religionsdidaktischen Literatur in der Regel nur die Rede von der Freien Arbeit. (vgl. Lehmann, Christine 1997; Berg, H.K. 1997 u. 1999)

Mit dieser Arbeit möchte ich nun aufzeigen, dass sich der Religionsunterricht ebenso wie andere Grundschulfächer für Offene Unterrichtsformen eignet. Dabei werde ich zunächst den Offenen Unterricht theoretisch betrachten und auf Kriterien und Formen eingehen. Im Anschluss an diesen Theorieteil werde ich mich zu Offenen Formen im Religionsunterricht äußern.

Damit schließt sich der zweite große Teil der Arbeit an, in dem es um religionspädagogische Materialien für den Offenen Unterricht geht. Da die Vorstellung aller Materialien dieser Art allerdings Rahmen sprengen würde, werde ich hier ausschließlich ein Unterrichtsangebot zur „Geschichte von Sara und Abraham“ im Besonderen betrachten. Zu diesem Material hat auch ein Unterrichtsversuch stattgefunden, der im Anschluss an die Vorstellung des Materials dargelegt und ausgewertet wird.

Ich denke, dass ich auf diese Art und Weise die Möglichkeiten Offener Unterrichtsformen im Religionsunterricht gut aufzeigen kann.

2. Der Offene Unterricht

2.1. Zum Begriff Offener Unterricht

Anfang der 70er Jahren kam es zu einer wiederholten Reformbewegung in der Pädagogik.

Dieser Reform lagen verschiedene Überlegungen und Ziele zugrunde. „Andere, schülergerechtere, didaktische Zugangsweisen“[1] für Schüler und Schülerinnen standen im Vordergrund. Dementsprechend wurden besonders das Verhältnis von Schulformen und der Gesellschaft, die Lehrpläne bzw. Rahmenrichtlinien und ebenso die Didaktik betrachtet.

Bei letzterem beschäftigte man sich vor allem mit der Öffnung von Schule und Unterricht und legte damit eine Basis für die heutige Schulpädagogik.

In gewisser Weise scheiterte jedoch auch diese Reform. Denn während andere europäische Länder diese Unterrichtsform bereits erfolgreich praktizieren, steckt sie doch in Deutschland noch in den „Kinderschuhen“. Dies trifft vor allem in den neuen Bundesländern zu. Dem hohen Durchschnittalter der Lehrkräfte entsprechend wird hier meist noch frontal unterrichtet. Für viele ist der Offene Unterricht ungewohnt und damit auch beängstigend. Auf eine veränderte Lehrerrolle wollen sich hier leider immer noch nur wenige einlassen.

Doch was heißt nun eigentlich Offener Unterricht?

Versucht man diesen Begriff nachzuschlagen, fällt schnell auf, dass es scheinbar schwierig ist, eine wirkliche Definition zu formulieren. Letzten Endes stößt man dann aber doch auf die „Definition“ von Wulf Wallrabenstein, die meiner Meinung nach alle Perspektiven des Offenen Unterrichts kurz und bündig darstellt und dennoch viele Interpretationsmöglichkeiten zulässt:

Offener Unterricht ist ein „Sammelbegriff für unterschiedliche Reformansätze in vielfältigen Formen inhaltlicher, methodischer und organisierter Öffnung mit dem Ziel eines veränderten Umgangs mit dem Kind auf der Grundlage eines veränderten Lernbegriffs.“[2]

2.2. Kriterien für einen Offenen Unterricht

Basierend auf Reformansätzen von Dewey, Montessori, Peterson, Freinet oder anderen lassen sich Kriterien für einen in bezug auf die Umwelt und des Lebens der Kinder Offenen Unterricht formulieren.

Diese beziehen sich auf das Lehrerverhalten, das Schülerverhalten, das lernmethodische Grundprinzip und die Lern- und Unterrichtsformen.

a) „Lehrerverhalten
- Zulassung von Handlungsspielräumen und selbstverantworteten Unterrichtsarrangements, Förderung von (spontanen) Schüleraktivitäten
- Preisgabe bzw. Relativierung des Planungsmonopols
- „Symmetrisierung“ der Kommunikationsstruktur
- Orientierung an den (subjektiven) Interessen, Ansprüchen, Wünschen und Fähigkeiten wie den Grund- und Lebensbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler

b) Schülerverhalten
- Eigene Entscheidungen über Arbeitsformen und -möglichkeiten, soziale Beziehungen, Kooperationsformen o.ä.
- Selbst- bzw. Mitbestimmung bei der Auswahl von Unterrichtsinhalten, der Unterrichtsdurchführung und des Unterrichtsverlaufs
- Selbständigkeit (durch Selbstbetätigung) in Planung, Auswahl und Durchführung von Aktivitäten

c) Lernmethodisches Grundprinzip
- Entdeckend- problemlösendes und handlungsorientiertes sowie selbstverantwortliches Lernen

d) Lern-/ Unterrichtsformen
- Wochenplanarbeit
- Freie Arbeit
- Projektunterricht“[3]
- Stationsarbeit
- Werkstattarbeit
- Morgen- und Abschlusskreis

Ob es sich um Offenen Unterricht oder offene Formen handelt, lässt sich an verschiedenen Kennzeichen feststellen, in denen man die oben genannten Kriterien wiederfindet.

Der erste Blick fällt meist auf eine veränderte Lernumgebung. Keine Frontale Sitzordnung, sondern eine lockere Atmosphäre mit Werkstattcharakter. So finden wir offene Lernflächen und Lernzonen, aber auch Bastel- und Spielecken. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Aus dieser veränderten Lernumgebung ergibt sich auch eine Lernatmosphäre, die den Schwerpunkt auf individuelles Lernen, Förderung, klare Regeln und einen Gemeinschaftssinn setzt. Und so sind die Lernmethoden vielfältig. Es ist ein individuelles Arbeiten, bei dem man als Schüler oder Schülerin sehr viel frei entscheiden kann und somit aber auch Verantwortung für sich selbst übernimmt. Man arbeitet alleine oder in Gruppen. Braucht man Hilfe, ist der erste Weg der Mitschüler oder die Mitschülerin. Nach Beendigung einer Aufgabe kann der Schüler oder die Schülerin durch Selbstkontrolle seine bzw. ihre Ergebnisse vergleichen. Manchmal kontrollieren aber auch die Mitschüler ihre Aufgaben gegenseitig. Eine letzte Möglichkeit ist natürlich auch hier immer noch die Kontrolle durch den Lehrer oder die Lehrerin.

Die Schüler und Schülerinnen stellen Sachen her, erarbeiten sich Lerninhalte, untersuchen, experimentieren, setzen und drucken, erzählen, dokumentieren und schreiben und natürlich vieles mehr. Am Ende entstehen Arbeitsergebnisse, Geschichten und Gedichte, Bilder, Spiele, aber auch Theaterstücke und Karteien u.a. (vgl. Wulf Wallrabenstein: Offene Schule – Offener Unterricht, 61 f.)

Alles in allem kommt der Offene Unterricht bei den Kindern sehr gut an. Fragt man Schüler und Schülerinnen nach ihren Erfahrungen mit dieser Unterrichtsform, so bekommt man in den meisten Fällen positive Aussagen, wie zum Beispiel folgende:

„ ‚Heute war Helge fertig, und Isi kam nicht weiter, da hat Helge Isi geholfen! – Ich finde es gut, daß wir nicht immer an uns selbst denken, daß wir auch was für andere machen. Und daß man mehr mit Kindern zusammenkommt, aber auch mit der Lehrerin! – Ich finde es gut, mit Sachen aus der Natur zu lernen. Manchmal beraten wir im Kreis, und manchmal bringen wir Ideen mit. – Bei der Projektwoche fand ich es gut, die Tiere zu beobachten – auch darüber zu reden und zu besprechen, was wir schreiben...’ “[4]

„ ‚Man kann sich auch die Aufgaben aussuchen. Man kann sich das dann richtig einteilen, wenn man dann schon eher fertig ist, kann man auch so rumgehen und sich erkundigen. Das macht mehr Spaß, als wenn man das so vorgesetzt kriegt bei irgendwelchen Lehrern. Sich einfach mal zu überlegen, Mensch jetzt hat man Zeit, jetzt könnte man doch etwas dazunehmen...’ Mathias, 4. Klasse, zum Wochenplan“[5]

„ ‚Da kann man sich aussuchen, was man macht. Wo man nicht immer das machen muß wie andere. Wir kriegen auch ganz viele Möglichkeiten, Karteien und Drucken und so. Wir stellen da Sachen aus. Die das gefunden haben, schreiben etwas dazu...’ “[6]

2.3. Formen des Offenen Unterrichts

Innerhalb des Offenen Unterrichts gibt es verschiedene Arbeitsformen, die in den folgenden Abschnitten erläutert werden.

2.3.1. Morgenkreis

7:30 - alle Schüler und Schülerinnen treffen sich zusammen mit ihrem Lehrer oder ihrer Lehrerin in einem Stuhlkreis, um gemeinsam den Morgen zu beginnen und damit auch den Schultag zu eröffnen. Diese „Eröffnung“ übernimmt entweder die Lehrkraft oder ein Schüler bzw. eine Schülerin.

Der Inhalt des Morgenkreises ist frei bestimmbar. So kann man zum Beispiel den Wochentagen verschiedene Inhalte zuordnen:

Montag werden Wochenenderlebnisse erzählt.

Dienstag singt man vielleicht gemeinsam ein Lied.

Während am Mittwoch ein Schüler oder eine Schüler eine Geschichte vorliest.

...

Natürlich sind aber auch zum Beispiel themen- oder jahreszeitliche Inhalte möglich.

Im Weiteren sollte man den Morgenkreis nutzen, um den Unterrichtstag gemeinsam zu planen.

So stellt der Morgenkreis damit Verschiedenes dar. Zum einen ist es eine Sozialform, bei der die Klasse in einem Stuhlkreis sitzt. Weiterhin ist es als Erzählkreis eine Gesprächsform. Und letztlich hat der Morgenkreis auch eine disziplinierende Funktion. Die Schüler und Schülerinnen lernen so Rituale, Gesprächsregeln, soziale Kompetenzen und Demokratie bei der gemeinsamen Planung kennen. (Vgl. Rudolf W. Keck, Uwe Sandfuchs: Wörterbuch Schulpädagogik, 225ff.)

Am Ende eines Unterrichtstages bzw. mindestens am Ende einer Woche sollte eine Abschlusskreis stattfinden. Dieser schließt den Tag bzw. die Woche ab und dient zur Reflexion und Auswertung des Gelernten oder Erarbeiteten. Schließlich verabschiedet man sich gemeinsam ins Wochenende.

So bilden Wochen- und Abschlusskreis nicht nur einen Rahmen im Offenen Unterricht, sondern ebenso einen Rahmen der Woche, die sie eröffnen und beenden.

2.3.2. Freiarbeit

„Freiarbeit ist weder eine Unterrichtsmethode noch ein eigenes Schulfach, sondern ein pädagogisches Konzept mit der Zielsetzung, selbständiges, lehrerunabhängiges Lernen zu fördern, den Schülern Gelegenheit zum handlungs- und erfahrungsbezogenen Entwickeln eigener Lern- und Arbeitsinteressen zu geben und sie verantwortlich an der Verfügung über und Nutzung von schulischer Lernzeit zu beteiligen.“[7] Basierend auf der Reformpädagogik und einem veränderten Lernbegriff steht somit das Kind mit seinen Interessen und individuellen Lernmöglichkeiten im Vordergrund.

Dabei muss man einen Unterschied zwischen Freiarbeit und Freier Arbeit machen. Während die Freiarbeit fächerübergreifend ist, spricht man von Freier Arbeit, wenn sie sich auf ein Unterrichtsfach bezieht. Dass diese Unterscheidung anscheinend sehr schwierig, sieht man sowohl in der Praxis als auch in der Theorie. Liest man doch oft zum Beispiel von „Freiarbeit im Religionsunterricht“. (z. Bsp.: Berg, H.K.: „Freiarbeit im Religionsunterricht, 1997; Lehmann, C.: „Freiarbeit – ein Lern- weg für den Religionsunterricht?“, 1997)

Der Lehrer oder die Lehrerin bietet seiner bzw. ihrer Klasse eine „Lernlandschaft“[8] mit den verschiedensten Angeboten. Über den Inhalt entscheiden dabei Lehrkraft und Klasse gemeinsam. Die Materialien bzw. Angebote sollten sowohl handlungs- als auch zielorientiert, aber auch arbeitsanregend und motivierend sein. Diesbezüglich gibt es lehrplanorientierte Materialien, wie Karteien, Lernspiele, Arbeitshefte u.a. und kinderorientierte Materialien, wie Kinderbücher und –zeitschriften, Sachbücher, Lexika u.a.

Während der Arbeitsphase können die Schüler und Schülerinnen selber entscheiden, was sie wann, wo und wie bearbeiten. So eignen sie sich die Lerninhalte selbständig an und entwickeln eigene Lernwege. Lehrer oder Lehrerin stehen hier nur in einer beratenden Funktion zur , denn hauptsächlich sollen sich die Schüler und Schülerinnen untereinander helfen. So werden nicht nur Selbstvertrauen und Eigeninitiative, sondern auch soziale Kompetenzen gefördert. In diesem Zusammenhang ist es natürlich auch nötig, klare Regeln und Ordnungsprinzipien zu vereinbaren, damit ein reibungsloses Arbeiten möglich ist.

Zusammenfassend kann man Freiarbeit als eine Unterrichtsform beschreiben, „bei der die Schülerinnen und Schüler weitgehend selbständig über die Auswahl ihrer Tätigkeiten bzw. Tätigkeitsbereiche, die Sozialform und die Planung, Durchführung und Auswertung ihres Lern- und Arbeitsablaufs bestimmen können. Dabei stehen die Elemente der Selbststeuerungsfähigkeit und Selbstaktivierungsfähigkeit sowie der Planungsfähigkeit im Mittelpunkt. Daneben geht es vorrangig um die Förderung der Selbsterfahrung und des sozialen Lernens.“[9]

2.3.3. Projektarbeit

- „Projekte helfen, soziale Regeln des Miteinander- Lernens zwischen dem einzelnen und der Gruppe zu entwickeln.
- Sie erlauben Kindern durch ihre Fülle der praktischen Möglichkeiten, individuellen Neigungen und Interessen zu folgen.
- Sie führen zu neuen, häufig in Lehrplänen nicht enthaltenen Erkenntnissen und Wissenszusammenhängen.
- Sie fördern die Fähigkeit, auch andere als die eigenen Perspektiven, Erfahrungen und Meinungen zu einem Lerngegenstand zu akzeptieren.
- Sie fordern aktives Lernen heraus und ermutigen zur Selbstgestaltung der Arbeit.“[10]

Geschichtlich betrachtet geht der Projektunterricht auf Dewey und Kilpatrick mit ihrem „learning by doing“ zurück. Dabei verstand Dewey es als ein gemeinsames Projekt von Lehrer und Schülerinnen und Schülern, während Kilpatrick es vor allem als Projekt für die Schüler sah.

Insgesamt ergeben sich folgende Anforderungen für den Projektunterricht:

- Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit dem Projektziel identifizieren und dessen Bedeutung erkennen können.
- Das Projekt gliedert sich in Themen- oder Projektfindung, Planung, Durchführung und Reflexion.
- Innerhalb des Projektunterrichts stehen Handlungsorientierung, Ganzheitlichkeit, Kreativität, Selbständigkeit des Lernenden und kooperative Arbeitsformen im Vordergrund.
- Dabei sollte es auch möglich sein, fächerübergreifend zu arbeiten.
- Ziel ist die Förderung von Selbst-, Sach- und Sozialkompetenz.

(Vgl. Peschel, Falko: „Offen bis geschlossen – Formen und Chancen offenen Unterrichts“ in Gesing, Harald: „Pädagogik und Didaktik der Grundschule, Neuwied, 1997, 246)

Leider sieht der sogenannte Projektunterricht nicht so aus, wie er eigentlich sollte. Auch wenn immer von Projekten gesprochen wird handelt es sich meist eher um „themenzentrierte Unterrichtsreihen“[11]. Schließlich bestimmt die Lehrkraft den Zeitpunkt des Projektes und macht verschiedene Themenvorschläge. So wird für die meisten Schülerinnen und Schüler die Projektarbeit eher zu einer „Bearbeitung“ als zu einer Arbeit voller Begeisterung und Interesse am Projekt selbst.

2.3.4. Stationen- und Werkstattunterricht

Diese Unterrichtsformen sind für den Offenen Unterricht geradezu exemplarisch, da sie deutlich die Kombination von offenen und geschlossenen Formen darstellen. (Vgl. Eiko Jürgens 2000)

Während der Werkstattunterricht meist themenbezogen ( zum Beispiel Europawerkstatt) ist, sind im Stationenunterricht Übungen von besonderer Bedeutung.

Bei beiden Formen ist vor allem der „aufgabenbezogene bzw. –lerntheoretisch bestimmte Wechsel des Arbeitsplatzes und die damit einhergehende vom Lehrer unabhängige Durchführung des Arbeitsprozesses“[12] entscheidend.

Im Schulalltag ist es oft schwierig, beide Unterrichtsformen zu unterscheiden.

Aus diesem Grund sind eine gute Charakterisierung und Beschreibung von großer Bedeutung. Denn macht man sich die verschiedenen Funktionen und Ziele bewusst, ist eine Entscheidung für eine der beiden Formen später einfacher.

a) Stationenunterricht

Bei dem Stationenunterricht werden den Schülerinnen und Schülern handlungsorientierte Stationen zu einem festen Thema vorgegeben. Dabei gibt es sowohl Pflicht- als auch Wahlstationen. Während der Arbeit an den Stationen können die Schülerinnen und Schüler frei darüber entscheiden, was sie wann bearbeiten möchten. Somit müssen sie ihre Arbeit selbst organisieren. Stationenunterricht ist somit ein „begrenztes, themen- und zielgebundenes, handlungsorientiertes, mehrkanaliges, ganzheitliches Lernen [...] an festen Stationen [...]“[13]

b) Werkstattunterricht

Im Gegensatz zum Stationenunterricht gibt es hier ein Obertthema als Werkstattrahmen. Dieses Oberthema wird in einzelne Werkstattbereiche mit verschiedenen Unterthermen unterteilt. Bei den Unterthemen gibt es viele Aufträge, die allerdings nicht alle bearbeitet werden müssen. Um den Überblick zu behalten, sollten die einzelnen Arbeitsbereiche farblich gekennzeichnet werden. Ein weiterer wichtiger Punkt für die Orientierung innerhalb der Werkstatt ist der Werkstattpass, den jeder Schüler und jede Schülerin erhält. Auf diesem Pass können die Schülerinnen und Schüler bereits bearbeitete Aufgaben ankreuzen. Diese systematische Strukturierung setzt ein gewisses Maß an Selbständigkeit bei den Schülerinnen und Schülern voraus. Daher müssen die Aufgaben innerhalb der Werkstatt nicht nur handlungs- und produktorientiert, sondern auch differenziert und schülerzentriert sein.

[...]


[1] Eiko Jürgens, Hartmut Hacker, Petra Hanke, Rainer Lersch: Die Grundschule- Zeitströmungen und aktuelle Entwicklungen, 123

[2] Wulf Wallrabenstein: Offene Schule – Offener Unterricht, 54

[3] Eiko Jürgens, Hartmut Hacker, Petra Hanke, Rainer Lersch: Die Grundschule- Zeitströmungen und aktuelle Entwicklungen, 124

[4] Wulf Wallrabenstein: Offene Schule – Offener Unterricht, 52

[5] Ursula Drews, Gerhard Schneider, Wulf Wallrabenstein: Einführung in die Grundschulpädagogik, 148

[6] Wulf Wallrabenstein: Offene Schule – Offener Unterricht, 53

[7] Dietlind Fischer: Freiarbeit im Religionsunterricht in Friedrich Schweitzer, Gabriele Faust- Siehl: Religion in der Grundschule, 296

[8] Ursula Drews, Gerhard Schneider, Wulf Wallrabenstein: Einführung in die Grundschulpädagogik, 146

[9] Eiko Jürgens: Die ‚neue’ Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht, 107

[10] Wulf Wallrabenstein: Offene Schule – Offener Unterricht, 102

[11] Peschel, Falko: Offener Unterricht, Teil 1, 25

[12] Eiko Jürgens: Die ‚neue’ Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht, 141

[13] Falko Peschel: Offener Unterricht, Teil 1, 39

Details

Seiten
65
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638177566
ISBN (Buch)
9783638834728
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11650
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Grundschulpädagogik
Note
2,7
Schlagworte
Religionspädagogische Materialien Offenen Unterricht Grundschule

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Titel: Religionspädagogische Materialien für den Offenen Unterricht in der Grundschule