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Was ist Seele?

Antworten aus verschiedenen Kulturen und Religionen

Seminararbeit 2006 10 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Seele

2 Was ist Seele?
2.1 Die Seele der Vorzeit und der schriftfreien Kulturen
2.2 Die Seele der Ägypter
2.3 Die griechische Seele
2.4 Die europäische Seele
2.5 Die Seele im Judentum und im Islam

3 Resümee

Literaturverzeichnis

1 Seele

Wie oft haben wir dieses Wort schon gehört, in allen möglichen Zusammenhängen und Situationen. Wir benutzen es auch selbst. Wir wissen, was mit Seele gemeint ist, und wissen es doch nicht. Denn obwohl uns der Begriff geläufig ist, wir ihn hören und auch verwenden, haben wir doch keine eindeutige Definition dafür. Jede Kultur, jede Religion, ja sogar jeder Einzelne von uns hat eine andere Vorstellung von Seele. Manche Vorstellungen ähneln sich, manche sind ganz unterschiedlich bis hin zu widersprüchlich. Immer wieder haben Philosophen, Wissenschaftler und andere Personen versucht, den Begriff zu umschreiben, zu erklären. Bei jedem von ihnen war das Ergebnis ein Anderes, bis heute ist nicht geklärt, wer nun die richtige und beste Definition gefunden hat.

Es ist aber faszinierend, dass wir den Begriff trotz dieser unterschiedlichen Deutungen benutzen können. Schließlich basiert funktionierende Kommunikation ja eigentlich darauf, dass Worte, mit denen eine Person kommuniziert, für den Gegenüber die gleiche Bedeutung haben. Nur so können wir uns verständigen, wissen wir, was der Andere meint. Bei Seele scheint das nicht unbedingt notwendig zu sein. Ich kenne keinen Begriff, der uneindeutiger ist, als die Seele. Ich glaube, dass es deshalb funktioniert, weil wir uns darauf geeinigt haben, dass wir uns nicht geeinigt haben. Jede Person, die den Begriff verwendet, weiß, dass sein Gegenüber nicht genau die gleiche Vorstellung hat. Und das wird akzeptiert, weil es auch nicht so wichtig ist. Der Gegenüber muss nicht die gleiche Definition haben, er muss nur ungefähr verstehen, was die andere Person meint, was sie damit sagen will. So ist es möglich, dass der Begriff Seele für jeden Menschen und in jeder Kultur etwas Anderes bedeutet, wir aber trotzdem über sie sprechen können.

2 Was ist Seele?

Um zu zeigen, wie unterschiedlich der Begriff Seele interpretiert werden kann, möchte ich die Vorstellungen einiger Kulturen und Religionen näher beschreiben.

2.1 Die Seele der Vorzeit und der schriftfreien Kulturen

Neandertaler empfanden die Seele „als ausgedehnt, als ein Geist oder ein Schatten mit einem dem jeweiligen Körper ähnlichen Umriss“. (Hinterhuber 2001, S. 5) Sie wurde auch oft als Feuer oder Flamme interpretiert. Für andere wiederum ist der eigene Schatten der Ausdruck der Seele oder der Name des Menschen. Viele Völker benutzten bemalte Kiesel als Seelensteine. Die Kiesel verkörperten die Seelen der Vorfahren. Vielerorts glaubte man daran, dass die Seele nach dem Tod als Vogel den Körper verlässt. In Ägypten, Afrika und Mittelamerika war der Vogel als Symbol für die Seele verbreitet. Doch auch andere Tiere, wie Schlange, Eidechse, Fledermaus, Maus, Grille sollen eine ähnliche Funktion gehabt haben. Besondere Bedeutung hatte oft auch der Schmetterling in Zusammenhang mit Seele. Sehr oft findet man bei alten Gräbern und Särgen sogenannte Seelenlöcher, durch die die Seele eines verstorbenen Menschen heraus und auch hinein gelangen konnte. (vgl. ebd. S. 6)

Für die Indianer in Nordamerika gibt es „eine ganze Reihe von ´Seelen´ […], die mit einem Menschen verbunden sind, im Körper gebundene, an den Körper gebundene und freie Seelen. Wenn auch die ´Atemseele´ besonderen Rang einnimmt, so wirken doch im Herzen, Kreislauf und Puls und in den Muskelbewegungen weitere Seelen“. (zur Lippe 2002, S. 301)

Bei den Bantu in Schwarz-Afrika finden die Seelen der Ahnen in ihren Nachkommen wieder einen Leib. Die Seelen kommen aber auch als solche zu den Lebenden und werden von ihnen auf Altären mit Gaben versorgt. (vgl. ebd. S. 302)

2.2 Die Seele der Ägypter

Die Ägypter waren der Ansicht, dass sich die Seele nach dem Tod einen Ersatzleib sucht, eine Statue oder ein Wandbild, und dass der Tote auch wieder ins Diesseits zurückkehren kann. Die Seele bleibt auch nach dem Tod im Jenseits mit ihrem Körper verbunden. Sie wurde in vier Wesensbilder unterteilt. Die Ka-Seele, die Lebenskraft, war die wichtigste Kraft. Sie ist die Persönlichkeit, das Selbst eines Menschen und wird vom Vater auf den Sohn übertragen Die Ach-Seele hingegen ist auf das Jenseits orientiert. Sie steht für das Unsterbliche im Menschen. Sie wird heute als unsichtbares Wesen, das Einfluss nehmen kann, handlungsfähig ist, gedeutet. Die Ba-Seele wird nach dem Tod zum Vogel, bleibt aber an den Körper gebunden. Sie kann im Diesseits Ausflüge machen und Handlungen ausführen. Sie verbindet Himmel und Erde, Mensch und Gott, weil sie sich an beiden Orten aufhalten kann. Auch der Schatten des Toten kann sich frei bewegen. Weiters hatten der Name und das Herz eine zentrale Bedeutung. Der Name ist Träger des inneren Wesens einer Person, im Herz sitzen alle psychischen Funktionen. Das Gehirn hatte keine Bedeutung. (vgl. Hinterhuber 2001, S. 19)

Rudolf zur Lippe schreibt über die Seelenvorstellungen der Altägypter: „Der Seelenvogel war eine den Lüften zugehörige Verkörperung der menschlichen Belebtheit, die sich auch vom Körper lösen konnte. Wenn sie dies im Tode tat, so fanden sie und der tote Mensch erst nach langen Fahrten durch das Unterirdische wieder zusammen. Ebenso der Schatten des Todes.“ (zur Lippe 2002, S. 297) Er spricht auch von der Psychostasie: Das Herz eines jeden Toten wurde gewogen. War es für die Götter Thot und Anubis zu leicht, wurde es vom Totenfresser gefressen, ansonsten kam es ins Totenreich. (vgl. ebd. S. 297)

2.3 Die griechische Seele

Bei einigen griechischen Schriftstellern galt das Zwerchfell als Sitz der Seele. (zur Lippe 2002, S. 304) Bei Homer verließ die Seele nach dem Tod oder auch im Schlaf und bei Ohnmacht den Körper. Für ihn war Psyche das, was übrig bleibt, wenn man stirbt. Er sprach von zwei weiteren seelischen Organen: Thymós und Nous. Ersteres bewirkt Regungen und jede Bewegung, es ist der Lebenswille, die Atemseele, das Emotionale. Nous meint mehr das Intellektuelle. Die Psyche wurde im späten Griechenland zur denkenden und fühlenden Seele. Im 5. Jh. vor Christus wurde Psyche dann Lebenskraft, ein Teil der Luft. (vgl. Hinterhuber 2001, S. 31) „Die Psyche konnte die Menschen, wie ein Vogel in der Luft, umschweben, in ihnen wohnen, und bei ihrem Tode aus dem Mund entweichen. […] Die Psyche wurde mehr als Teil einer allgemeinen Lebenskraft aufgefasst. Dagegen wurde mit Thymos mehr die individuelle Seelenkraft bezeichnet.“ (zur Lippe 2002, S. 299)

Ab Heraklit gab es eine neue Definition von Seele. Sie stand nun erstmals eindeutig dem Leib gegenüber. Empfindungen waren nicht mehr Werke Gottes, sondern entsprangen dem Menschen selbst. Bei Heraklit war Seele Feuer. Während bei Homer noch alle Seelen im Hades litten, wurde ab dieser Zeit jenen, die den richtigen Glauben hatten, eine bessere Welt versprochen. Es setzte sich die unkörperliche Seele durch, die unsterblich ist. Ein Pythagoreer ordnete Empfinden und Denken dem Gehirn zu, Aristoteles aber blieb dabei, dass das Herz das zentrale Empfindungsorgan wäre. Auch für Hippokrates war das Gehirn das zentrale Organ für alle psychischen und kognitiven Prozesse. Für Demokrit besitzt die Seele zwei Teile, eines im Herzen, das rational ist, und eines das nicht denkend ist und im ganzen Körper verbreitet. Für ihn besteht die Seele aus Atomen und ist nicht unsterblich.

Das Leib-Seele-Problem entsteht. Platon spricht vom Leib als Gefängnis der Seele. Er teilt die Seele in drei Teile: Denken, Wille und Begierde. Bei Aristoteles stehen Leib und Seele in einer Wechselbeziehung. Er teilt die Seele ebenfalls auf: die nährende, die sensorische und die rationale Seele. (Hinterhuber 2001, S. 33) Christoph Wulf spricht von einer Dreiteilung der Seele bei Aristoteles in eine vegetative, eine animalische und eine vernünftige. (vgl. Wulf 1997, S. 969) Nur der rationale Teil ist unsterblich. Laut Aristoteles stammt die organische Grundlage des Lebens von der Frau, die Seele vom Mann. Um 300 vor Christus wurde die Stoa gegründet, eine streng rationalistische Schule die fordert, dass der Mensch alle Neigungen und Affekte bekämpft, da sie der Vernunft zuwiderlaufen. (vgl. Hinterhuber 2001, S. 42)

2.4 Die europäische Seele

Während der Inquisition wurde vor allem versucht, Glaubensabweichungen zu identifizieren. Besondere Verfehlungen in Ehe und Sexualität wiesen darauf hin, dass Dämonen die Seele besetzt hatten. Der Spiritus bezeichnet die Kräfte, mit deren Hilfe die Seele auf den Körper einwirkt. (vgl. Wulf 1997, S. 968)

In der Renaissance wird „auch das Universum als beseelt angesehen. […] Als Seele wird das alle Dinge schaffende Formprinzip bezeichnet. […] Als die Welt gestaltende Kraft ist die Seele unsterblich.“ (ebd. S. 969)

Descartes führte einen Dualismus ein zwischen Psyche und Physischem: „Ihm [dem Körper] wurde entgegengesetzt das Zentrum des Psychischen, das Selbstbewusstsein des ´Ich denke´.“ (ebd.) Seiner Meinung nach setzte sich der Mensch aus Körper und Seele zusammen, die aufeinander einwirken. Die Seele war für ihn die Welt des Denkens, das denkende Ich. Auch seine Seele ist immateriell und unsterblich. Für ihn ist nur der Mensch beseelt. (vgl. Hinterhuber 2001, S. 121)

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640192861
ISBN (Buch)
9783640192953
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v116971
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
2
Schlagworte
Seele Seelen geschichte definition wesen innere

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Titel: Was ist Seele?