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Videojournalismus im Ballungsraumfernsehen und seine spezifische Umsetzung bei NRW.TV

Seminararbeit 2006 29 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ballungsraumfernsehen und NRW.TV als neue Alternative
2.1. Ballungsraumfernsehen und seine Besonderheiten
2.2. Profil von NRW.TV als neuer Ballungsraumsender

3. Was ist Videojournalismus
3.1. Die Entwicklung des Berufsbilds in Deutschland
3.1.1. Die Begriffe „Videojournalist“ und „Videoreporter“
3.1.2. Technische Rahmenbedingungen
3.1.2.1. Kamera
3.1.2.2. Schnittsysteme
3.1.3. Technik bei NRW.TV
3.1.4. Redaktionskapazitäten bei „Guten Abend NRW“
3.2. Handwerk Videojournalismus
3.2.1. Recherche und Themenfindung
3.2.2. Dreh
3.2.2.1. Kamerabeherrschung
3.2.2.2. Ton
3.2.2.3. Interviewführung
3.2.3. Schnitt
3.3. Videojournalismus in der Kritik

4. Videojournalismus in der Praxis
4.1. Videojournalismus im Ballungsraum- und Regionalfernsehen
4.2. Ansätze des Videojournalismus in der Produktion der Sendung „Guten Abend NRW“

5. Fazit

III Literaturverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Videojournalismus wird euphorisch als das neue Fernsehen oder „die digitale Revolution“ gepriesen. Fernsehen von Jedermann für Jedermann. Videojournalisten, wie sie heutzutage besonders im modernen Ballungsraumfernsehen eingesetzt werden, kann man als TV- Allrounder bezeichnen. Sie vereinen alle gewöhnlichen TV-Produktionsstufen in ihrem persönlichen Arbeitsablauf. Wo in der Regel professionell geschulte Redakteure, Kameraleute und Cutter zum Einsatz kommen, führt der Videojournalist (VJ) alle Tätigkeiten eigenhändig durch. Bedingt durch zunehmend preiswertere Videokameras und professionelle Schnittsoftware für gewöhnliche Heimcomputer sind somit TV-Produktionen einladend günstig geworden. Das klingt einerseits nach Kosteneinsparung und Rationalisierung, andererseits aber auch nach einem hohen Arbeitsaufwand für den Einzelnen.

Flexibilität, Eigeninitiative und Kreativität sind unabdingbare Eigenschaften des jungen, erfolgreichen Medienmenschen. Ist also der Jungredakteur gefragt, der sich nur noch auf sich selbst verlässt, das komplette Handwerkzeug bereits mitbringt und in Eigenregie Fernsehen machen soll? Mit kritischem Blick könnte man so etwas als Wunschdenken abtun, ein nicht zu unterschätzender Faktor in der TV-Branche ist schließlich die Erfahrung.

Das Thema Videojournalismus ist höchst ambivalent. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) befürchten durch den Einsatz von VJs einen starken Qualitätsverlust in der regionalen Nachrichtenberichterstattung. Ob sich eine derartige Einsparung von Fachpersonal auszahlt und gleichzeitig zu neuen Impulsen führt, muss genauer betrachtet werden.

In dieser Arbeit soll skizziert werden, welche Chancen VJ-Praktiken im Ballungsraumfernsehen und speziell beim jungen Sender NRW.TV hat, um dessen Senderprofil zu beeinflussen und zu stärken. Im zweiten Kapitel wird ein Überblick über den Begriff des Ballungsraumfernsehens vermittelt und der Sender NRW.TV im Profil dargestellt. Wichtigste Quellen waren hier die Diplomarbeit von ANDRÉ WIEGAND über Wirtschaftsoptimierung bei regionalen und lokalen Fernsehsendern und eine Infobroschüre des Senders NRW.TV.

Das dritte Kapitel befasst sich mit dem Berufsbild des modernen Videojournalismus, erläutert den technischen Rahmen, sowie im Anschluss das Handwerk des Videojournalismus. Als wichtigste Quellen haben hier DUSHAN WEGNERS Leitfaden „der Videojournalist“ und die Sammlung von Erfahrungsberichten „Videojournalismus – Die digitale Revolution“ von ANDRE ZALBERTUS und MICHAEL ROSENBLUM gedient. Im vierten Kapitel wird ein Blick auf die Umsetzung des Berufs Videojournalismus geworfen und die Weise auf die diese beim Sender NRW.TV durch die individuellen technischen und personellen Umstände variiert wird. Wichtigste Quellen waren in diesem Abschnitt verschiedene Artikel zum Thema Videojournalismus aus Fachzeitschriften, wie Film & TV Kameramann, Cut oder Journalist.

2. Ballungsraumfernsehen und NRW.TV als neue Alternative

2.1. Ballungsraumfernsehen und seine Besonderheiten

Grundsätzlich sind Ballungsräume Gebiete mit einer hohen Bevölkerungszahl und Bevölkerungsdichte. Umliegend, weniger besiedelte Gebiete werden teilweise als Randzonen hinzugerechnet.“1

Folglich gibt es in Deutschland mehrere Ballungsräume, amtlich definiert gelten sie als Verdichtungsräume. Hier spielen „Siedlungsdichte“ und „Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche“ eine Rolle in der Definition.2Weiterhin definiert WIEGAND Ballungsräume durch „Zugehörigkeitsgefühl zu einem Ballungsraumzentrum“ und die „Mobilität der Bevölkerung“. So spielt die Verkehrsinfrastruktur als Träger der Pendlerströme eine entscheidende Rolle zur Entstehung eines Ballungsraums. Die größten Ballungsräume in Deutschland sind laut eben genannter Definition das Ruhrgebiet/Raum Rhein-Ruhr und der Raum Berlin-Potsdam. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zweier Arten von Ballungsräumen bildet die Anzahl der Zentren innerhalb eines Ballungsraums. Unterschieden werden polyzentrische- und monozentrische Ballungsräume. Polyzentrische Ballungsräume bestehen aus mehreren Kernen einer bestimmten Bevölkerungsdichte und unmittelbar verbundenen dicht besiedelten Städten oder Landkreisen. Monozentrische Ballungsräume haben ein großes Zentrum und viele dicht besiedelte Kreise oder wirtschaftlich wichtige Landkreise.3

Oft werden die Begriffe Ballungsraum-, Regional- und Lokalfernsehen jedoch gleichgesetzt. WIEGAND unterscheidet hier klar. Lokalsender sind Sender, die Haushalte innerhalb einer Gemeinde und deren Umland erreichen. Regionalfernsehsender zuzuordnen, ist schwieriger. Die einfachste Definition lautet wie folgt: „ Alle Sender, deren Verbreitungsgebiet eine Gemeinde überschreitet, können als Regionalfernsehsender bezeichnet werden.4 Regionalfernsehsender unterscheiden sich oft in der Anzahl der Zentren der Berichterstattung. Dies hängt davon ab, wie viele solcher Zentren die besagte Region beherbergt.5

Mangels amtlicher Definition gibt es unterschiedliche Auffassungen von einem „Ballungsraumfernsehsender“. Eine plausible Unterteilung in große und kleinere Ballungsraum-TV-Sender hängt daher mit der technischen Reichweite zusammen. Laut Definition liegt die Grenze zu einem großen Ballungsraum-TV-Sender bei mehr als 200.000 erreichten Haushalten (HH) und einem Programmumfang von durchschnittlich mehr als 60 Minuten originärem, tagesaktuellem Programm pro Wochentag.6Eine ökonomische Definition liefert HEINRICH, indem er Ballungsraumfernsehen als

werbefinanzierte Programme, zugeschnitten auf den Raum mit einer hohen Bevölkerungsdichte und einer großen Bevölkerungszahl von deutlich mehr als einer Million Einwohner7

darstellt, demnach wird in erster Linie der regionale Werbemarkt ausgeschöpft, kulturelle und politische Gesellschaftsaufträge stehen hinten an. Die Verbreitung des Programms findet i.d.R. terrestrisch und über Kabel statt.8

2.2. Profil von NRW.TV als neuer Ballungsraumfernsehsender

Der private Ballungsraum-TV-Sender NRW.TV ist der Nachfolger des Senders tv.nrw, dessen Betrieb zum 31.05.05 eingestellt wurde. Mit seinem Sitz in Düsseldorf kommt der Sender NRW.TV auf eine Netto-Sendezeit von 4 Stunden pro Wochentag. Diese verteilt sich auf die beiden Formate „Guten Morgen NRW“ und „Guten Abend NRW“. „Guten Morgen NRW“ (GMNRW) ist eine Live-Studio-Produktion und wird seit Juni 2005, Montag bis Freitag von 6:00 Uhr bis 9:00 Uhr, aus Düsseldorf ausgestrahlt. Als NRW-lastiges Frühstücksfensehenformat bietet GMNRW täglich Talkgäste aus Politik, Sport, Kultur und Wirtschaft. Guten Abend NRW (GANRW) läuft werktäglich von 17:00 bis 18:00. GANRW ist ein News-Magazin für Nordrhein-Westfalen. Tagesaktuelle politische und gesellschaftliche Inhalte aus NRW werden in den ersten fünfzehn Minuten der Sendung in Nachrichtenform präsentiert, themenabhängig wird oft ein Talk mit einem Studiogast integriert. Im Anschluss an die aktuellen Nachrichten wird ein Sportblock mit einem ca. drei- minütigen Beitrag und aktuellen Meldungen gezeigt. Täglich werden im Nachrichtenmagazin insgesamt bis zu drei Beiträge zu tagesaktuellen Themen produziert und gesendet. Im Anschluss an das Nachrichtenmagazin, das mit Veranstaltungstipps und Wetterinformationen endet, wird ein ca. 35 Minuten dauernder Talk mit einem Gast aus Politik oder Kultur gesendet.

Beide Formate werden von der Deutschen Fernsehnachrichten Agentur Produktionsgesellschaft (DFAP) produziert. Eine Ausweitung der Sendezeiten ist in Planung, bisher besetzt der Teleshopping-Sender „RTL-Shop“ die restliche Sendezeit der Frequenz. Die technische Reichweite von NRW.TV durch das analoge Kabelnetz beträgt 4,2 Mio. HH. Eine Abdeckung der fernsehfähigen HH in NRW erfolgt zu 60 %.9

Die Strategie von NRW.TV leitet sich aus dem Wunsch nach Konvergenz der Medien und Medieninhalte ab. Medienkonvergenz bedeutet ein Zusammenfließen von verschiedenen Medien bspw. Fernsehen und Internet. Inhalte werden digitalisiert und können parallel über mehrere Kanäle übermittelt werden.10Auch der Einfluss der Rezipienten auf Inhalte wächst durch die multimediale Zusammenlegung von Medien:

NRW.TV verbindet mit seinem Konzept die Breitenwirkung und Imagedimensionen des Massenmediums Fernsehen mit den Möglichkeiten der direkten Ansprache und Dialogfähigkeit des Individualmediums Internet.11

So soll ein Internetportal entstehen, das zum interaktiven Austausch von Inhalten genutzt und als attraktive Plattform zu Werbezwecken dienen kann. Die Vorselektion und Prägnanz der vermittelten Inhalte soll zusätzlich gefördert werden.

Gesellschafter von NRW.TV sind zu gleichen Teilen Karl-Ulrich Kuhlo und Ralf G. Neumann

3. Was ist Videojournalismus

3.1. Die Entwicklung des Berufsbilds in Deutschland

Der US-Amerikaner MICHAEL ROSENBLUM, einer der bekanntesten VJs und VJ-Ausbilder weltweit, hat in einem Interview die Zukunft des konservativen Fernsehjournalismus wie folgt auf den Punkt gebracht: „Wenn die Leute von ARD und ZDF glauben, sie müssten große Teams in die Welt schicken um Geschichten zu erzählen, werden sie sterben.“12ROSENBLUM ist der Meinung, der Schritt zum Videojournalismus sei für einen modernen Fernsehsender unumgänglich. Videojournalismus steht für Flexibilität, ökonomisches Produzieren und nicht zuletzt für Modernisierung alter Strukturen, wie ROSENBLUMS Zitat verdeutlicht.

Das Berufsbild des Videojournalisten ist geprägt von der Idee des unabhängigen, eigenständigen Redakteurs. Durch den flexiblen Einsatz der Kamera durch den Journalisten, entsteht ein neuer Handlungsspielraum in der Fernsehberichterstattung. Der Redakteur kann unmittelbar am Geschehen teilnehmen. Die Grundlage für diesen Umschwung, der vor etwa fünf Jahren begonnen hat, ist die Digital Video-Technologie (DV).13Nun ist die DV- Technologie schon um einiges älter als 5 Jahre, besonders im Amateursektor erfreut sie sich seit langem großer Beliebtheit. Mittlerweile sind günstige DV-Camcorder sogar beim Lebensmitteldiscounter erhältlich. Sie finden unvermindert Verwendung im Hobby-Filmer- Bereich auf Grund ihrer umgänglichen Bedienung. Die DV-Technologie jedoch hat sich in den letzten Jahren insgesamt qualitativ und technisch als so ausgereift erwiesen, dass die neuesten Kameras zur Fernsehproduktion eingesetzt werden können.

Die eigentlichen Wurzeln des Videojournalismus in Deutschland liegen jedoch etwas weiter zurück. Die ersten Videoreporter wurden im Jahr 1994 an der damals in München neu gegründeten „Bayerischen Akademie für Fernsehen“ (BAF) ausgebildet. Videoreporter, gewissermaßen die Vorstufe des modernen Videojournalisten, sollten Kurzberichte von Vorgängen und Ereignissen allein produzieren.14Die Zeitschrift „Film & TV Kameramann“ stellte damals überrascht fest:

[...]


1 Wiegand, A. (2004), S. 27.

2 Vgl. Wiegand, A. (2004), S. 28.

3 Vgl. ebd., S. 27ff.

4 Wiegand, A. (2004), S. 33.

5 Vgl. Wiegand, A. (2004), S. 33f.

6 Vgl. Wiegand, A. (2004), S.32.

7 Heinrich, J. (1999), S. 484.

8 Vgl. Heinrich, J. (1999), S. 485.

9 Vgl. o.V. (2006): NRW.TV – Der multimediale Treffpunkt für Nordrhein-Westfalen (Web).

10 Vgl. Heinrich (1999), S. 66f.

11 O.V. (2006): NRW.TV – Der multimediale Treffpunkt für Nordrhein-Westfalen (Web).

12 Rosenblum, M. in : o.V. (2006): Fernsehen ist das letzte Überbleibsel der Sowjetunion (Web).

13 Vgl. Wunderlich, A. (2005), S. 38.

14 Vgl. Neubauer, M. (1994), S. 74.

Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640194261
ISBN (Buch)
9783640612772
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117024
Institution / Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
2,3
Schlagworte
Videojournalismus Ballungsraumfernsehen VJ NRW.TV Kamera Journalismus Regionalfernsehen TV

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Titel: Videojournalismus im Ballungsraumfernsehen und seine spezifische Umsetzung bei NRW.TV