Lade Inhalt...

Unterrichtsstunde: Die Körperteile der Schnecke und ihre Funktionen

Unbenotete Lehrprobe

Unterrichtsentwurf 2005 32 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Intention

2. Sachanalyse

3. Didaktische Überlegungen
3.1 Die Stunde im Gesamtzusammenhang
3.2 Lernbehindertenpädagogische Aspekte
3.3 Didaktische Reduktion

4. Bild der Lerngruppe
4.1 Die Klassensituation
4.2 Schülerbeschreibung

5. Lernmöglichkeiten

6. Methodische Analyse und Artikulation des Unterrichts

7. Überlegungen zu möglicherweise auftretenden Problemen

8. Medien

9. Unterrichtsverlauf

10. Literatur- und Quellenverzeichnis

11. Anhang

1. Intention

Die Schnecke ist ein Kleintier, das viele Kinder kennen und dem sie großes Interesse entgegenbringen. Beim letzten Schulausflug haben die Schüler Schnecken entdeckt und diese neugierig beobachtet. Dabei kamen Fragen auf, wie: „Warum hat die Schnecke eine Schleimspur?“ und „Warum hat die Nacktschnecke kein Haus?“

Um auf das Interesse und die Fragen der Schüler einzugehen und sie zu systematischem Beobachten und Beschreiben anzuregen, soll die Schnecke Unterrichtsinhalt der nächsten Wochen sein.

Da sich eine Schnecke langsam fortbewegt, ist sie gut zu beobachten. Im Klassensaal kann sie mit einfachen Mitteln gehalten und gepflegt werden. So können die Schüler die Schnecken täglich beobachten und eigene Entdeckungen machen.

Es können einfache Versuche durchgeführt werden, welche die Schüler zu kleinen Forschern werden lassen.

In dieser Stunde geht es vor allem um den Körperbau der Schnecke. Die Schüler lernen die einzelnen Körperteile und deren Funktionen kennen.

2. Sachanalyse

Die Schnecken gehören zu den Weichtieren. Sie bilden in der Biologie die Klasse der Gastropoda („Bauchfüßer“) und sind in Bezug auf die Artenzahl, nach den Insekten, die zweitgrößte Klasse im Tierreich.

In Körperbau und Lebensweise unterscheiden sich die verschiedenen Arten der Schnecken sehr stark. Von der 13 kg schweren Meeresschnecke bis hin zu winzigsten Schnecken, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind, bevölkern ca.

40.1 verschiedene Arten Süßwasser, Salzwasser und das Festland. Im Unterschied zu den übrigen Weichtieren (z. B. Muscheln, Kraken, Kalmare) gibt es nur bei den Schnecken auch landbewohnende Arten. Die Schnecken können in drei Unterklassen eingeteilt werden: die Vorderkiemer, Hinterkiemer und Lungenschnecken (vgl. ENCARTA 2003).

Um auf die Erfahrungswelt der Schüler einzugehen, werden im Unterricht und der folgenden Sachanalyse nur die Landschnecken behandelt:

Der Körperbau:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Körper der Schnecke gliedert sich in drei Teile (vgl. ZINDLER / WIERINGER 2001, S.4):

- Kopf
- Mantel (= Schneckenhaus) mit Eingeweidesack im Gehäuse
- langgezogener Fuß

Am Kopf ist die Schnecke mit zwei Augen- und Sinnestentakeln ausgestattet. Mit den Augen kann sie sehen und mit den Sinnestentakeln orientiert sie sich. Unterhalb der Tentakeln befindet sich der Mund, in welchem sich die raspelartige Zunge (Radula) der Schnecke befindet.

Die Schnecke verfügt über mehrere Körperöffnungen. Eine Öffnung am Kopf ist die Geschlechtsöffnung, sie dient der Begattung und Eiablage. Die Schnecken paaren sich, obwohl sie Zwitter sind. Zur Stimulierung dienen Liebespfeile aus Kalk, welche sich die Schnecken gegenseitig in den Körper stechen. Eine Begattung kann 20 Stunden und länger dauern. Nach ein paar Tagen gräbt die Schnecke ein Loch in die Erde und legt dort ihre Eier ab. Die jungen Landschnecken schlüpfen nach 2-6 Wochen mit einem winzigen Gehäuse aus ihren Eiern.

Die Öffnung nahe am Mantelrand dient der Atmung, weshalb sie sich abwechselnd öffnet und schließt. Direkt daneben endet der Darm mit einer Körperöffnung, durch welche die Exkremente ausgeschieden werden.

Mit dem Fuß bewegt sich die Schnecke mittels wellenförmigen Muskelkontraktionen langsam fort. Während des Kriechens sondert sie Schleim ab und kann somit auch spitze und scharfkantige Hindernisse ohne Verletzungen überwinden. Zudem kann sie steile und glatte Flächen hochkriechen, ohne herunterzufallen, da sie durch den Schleim festgehalten wird.

Bei Gefahr kann sich die Schnecke in ihr Gehäuse aus Kalk verkriechen. Des weiteren ist dies ein Schutz vor Austrocknung. Die Schnecke kann ihr Gehäuse mit einem Schleimdeckel (bei Trockenheit) oder Kalkdeckel (zur Überwinterung) verschließen.

Der Lebensraum:

Landschnecken leben vor allem in feuchten Gebieten (z. B. in feuchtem Gras und Laub), ohne Feuchtigkeit könnten sie nicht überleben. Sie ernähren sich vor allem von Blättern, Früchten, Pilzen, Flechten u. ä.

Schnecken sind überwiegend nachtaktiv.

Die Sinne der Schnecke (vgl. Encarta 2003 und ZINDLER / WIERINGER 2001, S.8):

Tastsinn: Die Schnecke ist vor allem am Mund, sowie an den Augen- und Tastfühlern sehr empfindlich. Wenn man sie dort berührt, zieht sie ihre Tentakeln ein. Berührt man die Sohle ihres Fußes, so zieht sie sich in ihr Schneckenhaus zurück. Am Gehäuse ist die Schnecke berührungsunempfindlich.

Hörsinn: Die Schnecke kann nicht hören.

Sehsinn: Die Augen der Schnecke befinden sich an den vorderen langen Tentakeln, damit kann die Schnecke sehen.

Geruchssinn: Die Schnecke kann gut riechen. In den Fühlerpaaren und den Lippen befinden sich Tast- und Riechsinne.

Besonderheiten der Nacktschne>Die Schale der Nacktschnecke ist teilweise bzw. ganz verloren gegangen. Die Jungschnecken besitzen zwar alle eine ausgeformte Schale, welche sie aber im Laufe ihres Lebens abwerfen oder als Überrest mit sich tragen.

3. Didaktische Überlegungen

3.1 Die Stunde im Gesamtzusammenhang

In den vorangegangenen Stunden wurden Vorwissen und Interesse der Schüler an Aspekten rund um die Schnecke schriftlich festgehalten, die Regeln im Umgang mit Schnecken erlernt und Zeit für intensive Beobachtungen zur Verfügung gestellt.

In dieser Stunde sollen sich die Schüler den Körperteilen und deren Funktionen widmen.

In weiteren Stunden geht es dann um die Fortbewegung, Sinne, Nahrung und Feinde der Schnecke.

Als fächerübergreifendes Angebot kann Folgendes einbezogen werden:

Deutsch:Die Schüler schreiben Geschichten zur Schnecke, lernen ein Gedicht und sammeln viele Wörter rund um die Schnecke für ihre Wörter-Schatzkiste.

Mathematik:Die Schüler rechnen mit einem Schneckendomino und Rechenschnecken, lösen Sachaufgaben zu Schneckengeschichten und vergleichen bei einem Schneckenrennen die zurückgelegten Strecken verschiedener Schnecken.

Kunst:Die Schüler gestalten eine Schnecke aus Wellpappe, kreieren eine Fingertupfenschnecke und malen ein Schneckenmandala an.

Musik:Die Schüler erlernen ein Schneckenlied und begleiten es mit Orff’schen Instrumenten.

Spielerische Aktivitäten:Die Schüler kriechen wie Schnecken (ein Kissen auf dem Rücken ersetzt das Häuschen, es soll nicht herunterfallen), gemeinsam als Gruppe wird eine Schnecke dargestellt, ein Schneckenquiz beendet die Einheit.

3.2 Lernbehindertenpädagogische Aspekte

Da viele Schüler der Klasse oft nur Erfahrungen aus „zweiter Hand“ (den Medien) mit in den Unterricht bringen, soll es in dieser Unterrichtseinheit umkonkret erfahrbareLerninhalte gehen. Die Schnecken leben im Klassensaal in einem kleinen Terrarium und dürfen von den Schüler genau beobachtet, angefasst und für kleine Experimente eingesetzt werden. Ein wechselnder Schneckendienst kümmert sich um das Wohl der Schnecken und ist für die Fütterung und Sauberkeit des Terrariums verantwortlich.

Um den Lerninhalt für die Schüler zugänglich zu machen, werden dieverschiedenen Abstraktionsebenenberücksichtigt. Die Schüler vergleichen in dieser Stunde eine echte Schnecke mit einer Karikatur-Schnecke (=Abbildung einer Schnecke mit zusätzlichen falschen Körperteilen) an der Tafel. In der Gruppenarbeit wird die Ebene der Schriftsprache berücksichtigt, indem die Schüler den Körperteilen und deren Funktionen die jeweilige passende schriftliche Bezeichnung zuordnen.

Lernbeeinträchtigte Schüler haben oft Defizite im Bereich des sozialen Lernens. Aus diesem Grund ist es wichtig, darauf einen Schwerpunkt zu legen und den Schülern viele Gelegenheiten zumkooperativen und sozialen Lernenzu geben. Das Arbeiten in Kleingruppen bietet sich hierfür besonders an. Diese Sozialform ermöglicht es den Schülern, ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern.

Durch die individuell sehr unterschiedlichen Lernausgangslagen der Schüler ist eineinnere Differenzierungnötig. Sie ermöglicht es, auf die individuellen Fähigkeiten, Interessen, Begabungen und Bedürfnisse der Einzelnen einzugehen. Durch das differenzierte Gruppenangebot und die entsprechende Einteilung der Schüler soll in dieser Stunde eine innere Differenzierung vorgenommen werden.

3.3 Didaktische Reduktion

Der genaue anatomische Aufbau einer Schnecke ist für die Schüler zu umfangreich und komplex. Aus diesem Grund werden nur die gut sichtbaren Körperteile: Kopf, Mund, Augenfühler, Tastfühler, Fuß, Schneckenhaus und Atemloch bearbeitet.

Es geht in erster Linie darum, den erkennbaren Aufbau eines Tieres zu entdecken und die Funktionen der einzelnen sichtbaren Körperteile zu verstehen.

4. Bild der Lerngruppe

4.1 Die Klassensituation

Die Klasse besteht aus 11 Schülern, wovon 5 Jungen und 6 Mädchen sind.

Eine Schülerin, Lea1 ist in der Lernstufe 4, drei Schülerinnen, Judith, Julia, Simone und ein Schüler, Klaus, sind in der 3. Lernstufe, die übrigen sind in der 2. Lernstufe. Die Schüler der Klasse harmonisieren sehr gut miteinander. Es gibt keinen Außenseiter und alle sind in die Klassengemeinschaft integriert.

Probleme und Streitigkeiten werden mit der Klasse offen ausdiskutiert und die Schüler sind zu Versöhnungen bereit. Es kommt sogar vor, dass die Schüler untereinander den Streit klären und sich entschuldigen, ohne Einbezug von Erwachsenen. Rituale und Regeln erleichtern das Zusammenleben und werden von den Schüler immer wieder eingefordert.

Die Schüler beteiligen sich in der Regel sehr motiviert, ausdauernd und interessiert an Unterrichtsgesprächen und beim Erarbeiten an der Tafel. Sie arbeiten häufig und gerne in Gruppen. Bei der Einteilung können die Schüler akzeptieren, einer Gruppe zugeteilt zu werden, sind aber auch in der Lage, selbst Gruppen zu bilden. Die oftmals arbeitsteiligen Aufträge werden weitgehend kooperativ gelöst und können im Anschluss präsentiert werden. Manchen Schülern, wie z. B. Julia, Lea und Simone, fällt das sprachliche Darstellen und Erläutern der Ergebnisse vor der ganzen Klasse jedoch nicht leicht.

4.2 Schülerbeschreibung

In dieser Sachunterrichtsstunde werden die Schüler in drei leistungsheterogenen Gruppen die wichtigsten Körperteile einer Schnecke und deren Funktionen erarbeiten und vertiefen. Die Schülerbeschreibung orientiert sich aus diesem Grund an der Gruppeneinteilung.

Gruppe „Blau“: Alexander, Kurt, Klaus, Judith (Expertengruppe)

Die Schüler dieser Gruppe können Sachinhalte sehr schnell auffassen und wiedergeben. Es fällt ihnen leicht, darüber hinaus eigene Überlegungen anzustellen und in den Unterricht mit einzubringen. Diese Gruppe wird daher zu Experten ernannt und darf eine Zusatzaufgabe erledigen.

AlexanderundKurtsind an Themen des Sachunterrichts sehr interessiert und tragen eifrig zum Unterrichtsgeschehen bei. Sie verfügen über viel eigenes Vorwissen und sind in der Lage dieses einzubringen. Alexander kann Sinnzusammenhänge gut verstehen und mündlich wiedergeben, was sich Kurt oft nicht zutraut, obwohl er dazu in der Lage ist.

Klausinteressiert sich sehr für Sachzusammenhänge und kann bei der Erarbeitung von neuen Inhalten gute Beiträge einbringen. Im sozial-kooperativen Bereich benötigt er genau wie Alexander noch viele Erfahrungs- und Bewährungsmöglichkeiten. In Kooperation mitJudithbietet sich hierfür eine gute Gelegenheit, denn Judith hat ausgeprägte soziale Kompetenzen. Sie beteiligt sich stets aufgeschlossen und eifrig am Unterrichtsgeschehen, fasst neue Unterrichtsinhalte schnell auf, verfügt über viele Erfahrungen und kann eigene Meinungen beschreiben und belegen.

Gruppe „Rot“: Sebastian, Sara, Anne, Matthias

Diese Schülergruppe ist in der Lage eigenständig und kooperativ zu arbeiten. Die Schüler verstehen die Sachinhalte und können sich damit intensiv auseinandersetzen. Die Gruppe bekommt daher weitere Wortkärtchen mit Körperteilen, die nicht an einer Schnecke zu finden sind und müssen diese aussortieren.

SebastianundSarabeteiligen sich stets lebhaft und interessiert am Unterrichtsgeschehen. Sie sind leicht für ein sachunterrichtliches Thema zu begeistern und haben viele Ideen, die sie gerne mündlich beitragen. Arbeitsaufträge erledigen beide oft etwas hastig und wenig sorgfältig. Durch Misserfolge sind sie leicht zu entmutigen. Die Inhalte des jeweiligen Themas werden vor allem von Sara auch außerhalb der Schule verfolgt und wahrgenommen.

Matthiasist sehr leicht für ein neues Thema zu begeistern und arbeitet stets motiviert mit. Er übt Rücksicht gegen andere und versteht sich gut mit seinen Mitschülern. Im Sitzkreis hat er zuweilen Mühe, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen, da seine Aufmerksamkeit rasch nachlässt.

Anneerledigt ihre Aufgaben immer gewissenhaft und ordentlich, sie beteiligt sich interessiert am Unterrichtsgeschehen. Anne ist zur Zusammenarbeit mit anderen bereit und fähig. Sie vermag andere anzuregen und deren Mitarbeit zu verstärken. Sie ist in der Lage ihre sozialen Kompetenzen einzusetzen um eine Gruppe zu organisieren.

Gruppe „Gelb“: Simone, Lea, Julia

Dieser Gruppe fällt es schwer, die Bedeutung sprachlicher Inhalte aufzufassen. Daher bekommen sie nur die Grundaufgaben der Gruppenarbeit. Bei Problemen wird die Lehrerin ihnen helfen.

JuliaundSimonehaben im Sachunterricht oft Mühe, dem Thema zu folgen und zeigen sich weniger interessiert. Es ist wichtig, beide immer wieder gezielt aufzufordern mitzuarbeiten.

Vor allem Julia hat Probleme, den Sinngehalt von Arbeitsaufträgen umzusetzen, da ihr die Bedeutung des Sprachinhalts nicht immer klar ist. Simone verhält sich zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern stets ruhig und ausgeglichen. Sie ist immer freundlich und beherrscht.

Leahat viel Freude am Unterricht und beteiligt sich interessiert am Unterrichtsgeschehen. Sie hat noch Schwierigkeiten eigene Meinungen und Erlebnisse frei zu formulieren, da sie einen stark eingeschränkten Wortschatz hat.

Lea arbeitet gerne in Gruppen und bringt dabei ihre sozialen Kompetenzen ein.

[...]


1 Die Namen der Schüler wurden geändert.

Details

Seiten
32
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640207978
ISBN (Buch)
9783656561477
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117132
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern – Staatliches Studienseminar
Note
Schlagworte
Unterrichtsstunde Körperteile Schnecke Funktionen Sonderpädagogische Fachrichtung Sprachbehindertenpädagogik

Autor

Zurück

Titel: Unterrichtsstunde: Die Körperteile der Schnecke  und ihre Funktionen