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Die Hauptfigur in "Soloalbum" von Benjamin von Stuckrad-Barre. Ein typischer Vertreter der Generation Golf nach Florian Illies

Seminararbeit 2003 24 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Werke und ihre Autoren
2.1 Florian Illies: Generation Golf
2.1.1 Biographie
2.1.2 Inhaltsangabe
2.2 Benjamin von Stuckrad-Barre: Soloalbum
2.2.1 Biographie
2.2.2 Inhaltsangabe

3. Betrachtungen und Vergleiche zu Einzelaspekten
3.1 Einstellung zu sich selbst und anderen: Körperkult, Sport, Markenkult
3.2 Einstellung zum Leben allgemein
3.3 Lebensart: Kleidung, Wohnen, Essen
3.4 Zwischenmenschliche Beziehungen: Liebe und Sex
3.5 Verhältnis zur Gesellschaft: Politik und Geschichte

4. Zusammenfassung

1. Einleitung

„Seine Fortsetzung fand Faserland drei Jahre später in den Romanen Soloalbum und Livealbum von Benjamin von Stuckrad-Barre. Der Spiegel, ganz irritiertes Zentralorgan der 68er, fasste Soloalbum mit spitzen Fingern an und schrieb etwas vom >>Amoklauf eines Geschmacksterroristen<<. Wir jedoch lasen das Buch mit gierigen, Ice-Tea-verklebten Fingern durch, weil es so mustergültig abrechnete mit der Latzhosen-Moral der siebziger Jahre und ihrer verlogenen Sprache“[1] schreibt Florian Illies in Generation Golf und stellt Soloalbum in eine Reihe quasi programmatischer Bücher und Filme für die Angehörigen der so genannten Generation Golf. Bei dieser Generation handelt es sich ursprünglich um eine Konstruktion der Werbung, die anlässlich der Vorstellung des VW Golf IV im Auftrag des Volkswagen-Konzerns entwickelt wurde, an die Florian Illies aber in seinem Werk anknüpft und unter diesem Begriff die Generation der zwischen 1965 und 1975 geborenen zusammen zu fassen versucht. An dieser Stelle möchte diese Hausarbeit ansetzen und untersuchen, inwieweit der Ich-Erzähler in Soloalbum tatsächlich dieser Generation angehört.

Zu Anfang möchte ich kurz die beiden Bücher und die Autoren vorstellen, insbesondere, um auf Parallelen innerhalb ihrer beiden Lebensläufe hinzuweisen und die Grundlagen zu schaffen, für den anschließenden Vergleich. Zu diesem Zweck werden die wichtigsten Aussagen aus Illies Werk in Themenkomplexen gebündelt werden, die sich zwar an der Gliederung innerhalb des Buches orientieren, sie aber nicht vollständig übernehmen werden. In einem zweiten Schritt werden diese Aussagen dann als Grundlage für die Untersuchung in „Soloalbum“ dienen und Vergleiche zu den Themenkomplexen bieten. Die abschließende Zusammenfassung soll dann abschließendem zu einer Art Gesamturteil führen.

2. Die Werke und ihre Autoren

2.1 Florian Illies: Generation Golf

2.1.1 Biographie

Florian Illies wurde am 4. Mai 1971 in Schlitz/Oberhessen geboren, dem Ort, in dem auch die in Generation Golf erzählten Erlebnisse spielen. Ab 1986 arbeitet Illies als freier Mitarbeiter beim Schlitzer Boten. Nach dem Abitur volontiert er von 1990 bis 1992 bei der Fuldaer Zeitung. Es folgt ein Studium der Kunstgeschichte in Bonn und Oxford. Seit 1997 schreibt er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, zunächst als Feuilletonredakteur. 1999 übernahm er die verantwortliche Leitung für die Berliner Seiten der FAZ, die der Verlag allerdings im Juni 2002 einstellte. Illies wechselte als verantwortlicher Redakteur zur Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, zog es aber Ende 2002 vor dem Hintergrund von Stellenstreichungen vor, nur noch als fester Autor für die FAZ zu schreiben.

Im Jahr 2000 erschien mit Generation Golf sein erstes Buch, das sich gleich 52 Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste hielt. An dessen Erfolg konnte er 2001 mit Anleitung zum Unschuldigsein anknüpfen. Illies ist Träger des Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik (1999) und des Axel-Springer Journalistenpreis für Berlin-Berichterstattung.

2.1.2 Inhaltsangabe

Angeregt durch eine Werbekampagne, die der Automobilhersteller Volkswagen anlässlich der Markteinführung des VW Golf IV im Jahr 1998/99 entwickeln ließ, verfasste Florian Illies seine im Jahr 2000 erschienene „Inspektion“[2] seiner Generation, den zwischen 1965 und 1975 Geborenen. Anhand von autobiographischen Schilderungen über eine Kindheit in den 80er Jahren, die er als das „mit Sicherheit […] langweiligste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts“[3] bezeichnet, beschreibt Illies die Entwicklung seiner Generation bis zu ihrem heutigen Erscheinungsbild und ihrer heutigen Lebensweise, wobei die Begründung hierfür in der Regel in der Kindheit und Jugend zu suchen sind. Zu diesem Zwecke gliedert er das Buch in zwei eher erzählende Anfangskapitel, in denen er Kindheitserlebnisse beschreibt, und sechs Kapitel, in denen er anhand von Beispielen unterschiedliche Aspekte des Lebens, wie unter anderem Sport, Körperkult, Stil, Wohnen, Essen, Markenkult, Politik, Geschichte, Glaube aufgreift und die Einstellung der Generationsangehörigen aufzeigt.

Die Beschreibung ist allerdings nur ein Ausschnitt des gesellschaftlichen Spektrums, den der SPIEGEL als „tendenziell eher als westlich und akademisch“[4] beschreibt, was Illies aber auch selbst einräumt: „Mit der „ Generation Golf “ beschreibe ich nur einen kleinen Ausschnitt. Das ist der Jurastudent, der zwei Jahre in Bonn studiert, dann zwei Jahre in Freiburg und dann zwei Jahre in Edinburgh. Der sich standesgemäß kleidet und mit 28 Jahren in eine angesehene Kanzlei einsteigt. Ein Typus, geboren zwischen 1965 und 1975, aufgewachsen in kleinbürgerlich-bürgerlichen Verhältnissen ohne finanzielle Not. Der in fünf bis zehn Jahren das wirtschaftliche – nicht das politische - Leben in Deutschland bestimmen wird.“[5] Andere Angehörige dieser Generation „schreiben schon mit 28 Jahren ein Buch über ihre eigene Kindheit, im eitlen Glauben, daran lasse sich die Geschichte einer ganzen Generation erzählen.“[6]

Von außen betrachtet ist die Generation Golf allerdings ein „monströser kultursoziologischer Sonderfall“[7] und auch Illies wollte eigentlich „die Fragwürdigkeit dieser Generation zeigen und nicht ihr blinder Prophet werden“.[8]

Das Buch stand nach seinem Erscheinen 52 Wochen lang auf der „Spiegel-Bestsellerliste“ für Sachbücher.

2.2 Benjamin von Stuckrad-Barre: Soloalbum

2.2.1 Biographie

Benjamin von Stuckrad Barre wurde einige Jahre später, am 27.01.1975 in Bremen geboren, aufgewachsen in Göttingen, dort 1995 Abitur. Anschließend Redakteur beim Musikmagazin Rolling Stone bis 1997. Dann Product Manager bei der Plattenfirma Motor-Music. Nebenbei Veröffentlichungen in verschiedenen Magazinen (u.a. Stern, Die Woche, taz, jetzt …). Mitte bis Ende 1997 arbeitet er als Redakteur für die ARD-Sendung Privatfernsehen, danach als Gagschreiber für die Harald-Schmidt-Show (1998-99). 1999/2000 war er Mitarbeiter bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Berlin (unter der Leitung von Florian Illies). Er lebt als freier Schriftsteller in Berlin.

Seinen ersten Roman veröffentlicht er 1998 mit Soloalbum, von dem gleich auf Anhieb über 50.000 Exemplare verkauft wurden, es folgt 1999 Livealbum, in dem er die Erlebnisse auf der Lesereise zu Soloalbum zusammenfasst, und die Erzählungssammlung Black Box (2000). Hinzu kommen zwei Sammelbände mit früher bereits in verschiedenen Zeitungen und Magazinen veröffentlichten Texten (1999: Remix 2001: Deutsches Theater) sowie eine Sammlung mit wortgetreuen Ausschnitten aus Autorenlesungen (Transkript, 2001). Darüber hinaus war Stuckrad-Barre 1999 Mitherausgeber der Gesprächssammlung Tristesse Royale. Er ist mit Texten in diversen Anthologien (u.a. Mesopotamia, Freistunde) vertreten und hat mehre CDs mit Ausschnitten aus seinen Autorenlesungen und Gastbeiträgen herausgebracht.

2.2.2 Inhaltsangabe

In seinem 1998 erschienenen Erstlingswerk Soloalbum beschreibt Benjamin von Stuckrad-Barre eine „Liebesgeschichte ohne Liebe“[9]. Der Ich-Erzähler wird nach vierjähriger Beziehung von seiner Freundin verlassen, das Ende der Beziehung kommt per Fax. An diese Ausgangssituation schließen sich verschiedene Versuche an, die Trennung zu verarbeiten, vom totalen Rückzug in die eigenen vier Wände, über exzessive Partys und die Arbeit, bis zum Umzug in eine andere Stadt. Äußerlich folgt das Buch dem Aussehen einer CD, es ist aufgeteilt in eine A- und B-Seite und die Kapitelüberschriften sind Songtexte der britischen Band Oasis, die auch die Lieblingsband des Ich-Erzählers ist. Autobiographische Parallelen sind hierbei offensichtlich und dies wird vom Autor auch nicht geleugnet: „Wie meine Hauptfigur, der Ich-Erzähler, trauerte auch ich einer großen Liebe nach, verehre die Band Oasis und arbeite in den Medien. Trotzdem ist alles Fiktion:“[10]

Hinzu kommt ein verbaler Rundumschlag auf die Medienbranche und Teile der Gesellschaft. Der Spiegel bezeichnete ihn hierfür als „Geschmacksterroristen“[11] und warf ihm vor auf „einen Plot, auf Charaktere und deren Entwicklung“ völlig zu verzichten und ein „kaum verschlüsseltes Autobiographisches Pamphlet gegen die Dummheit und die Langeweile seiner Umwelt“[12] verfasst zu haben. Stuckrad-Barre äußerte sich dazu wie folgt: „Vieles davon ist natürlich ins Absurde gewendet, übersteigert […] Aber ich finde, dass diese Branche in sich ein so gewaltiger Irrtum ist, eine groteske Konstruktion und ein Paralleluniversum, das so überhaupt nichts mit der wirklichen Welt zu tun hat […] dass es ja wirklich fahrlässig gewesen wäre, dies nicht in irgendeiner Form zu verwenden.“[13]

Vielfach wurde Stuckrad-Barre vorgeworfen, sich bei Nick Hornbys „High Fidelity“ und Christian Krachts „Faserland“ sowie bei Rainald Goetz bedient zu haben und lediglich einen „Remix alter Motive und Haltungen“[14] verfasst zu haben. Allerdings war das Medienecho auf die Veröffentlichung gespalten. Neben zahlreichen Verrissen wurde der Autor auch von Teilen der Kritik als „scharfer und auch witziger Blick für die Gegenwart“[15] und für „seine Art unverkrampft zu schwadronieren und gewitzt über Nichtigkeiten zu labern“[16] gelobt, und das Buch mit dem Prädikat „fast schon Kultcharakter“[17] versehen. Der Erfolg scheint dies zu bestätigen, das Buch verkaufte sich im ersten Jahr über 50.000-mal und wurde mittlerweile verfilmt (Kinostart am 27.03.2003).

3. Betrachtungen und Vergleiche zu Einzelaspekten

3.1 Einstellung zu sich selbst und anderen: Körperkult, Sport, Markenkult

„Ein gepflegtes Äußeres ist zu einem der Grundwerte unserer Generation geworden“[18] schreibt Illies zusammenfassend über die Einstellung der Angehörigen der Generation Golf zum äußeren Erscheinungsbild von Menschen, die sich unter anderem darin äußert, das nur Menschen ernst genommen werden, „die gut angezogen sind oder so schlau sind, dass es nichts macht, wenn sie graue Flanellhosen zu gelben Hemden tragen“[19].

Diese Beschränkung von Menschen auf ihr Äußeres und die Wichtigkeit desselben finden wir auch in Soloalbum wieder: Zum einen in den zahlreichen Reflexionen des Ich-Erzählers über sein eigenes Aussehen, denn „auf Fotos“ sieht er „immer scheiße aus. Dies zu erklären ist nicht allzu vertrackt: Das kommt daher, weil ich nun mal scheiße aussehe“[20] und „zwei Drittel“ seiner Zeit sinnt er darüber nach, „warum nun wieder der Pickel da […] und die Haare nicht dort und warum der Hintern so und nicht so in der Hose steckt“[21]. Außerdem ist sein Aussehen daran schuld, dass seine Freundin ihn verlassen hat, denn der Neue sieht in seiner Vorstellung viel besser aus.[22] Diese hohe Bewertung des Äußeren setzt sich auch bei seinen Mitmenschen fort, so etwa bei seinem Freund Alf, der extra noch ins Badezimmer geht und beim rauskommen sehr gut riecht, weil eine Frau vorbeikommen soll.[23] Eine weitere Fortsetzung findet diese Bedeutung des Aussehens auch in der Beschreibung anderer Menschen, die aufgrund ihres Erscheinungsbildes eindeutig klassifiziert werden, meist in negativer Hinsicht, so etwa der „Theologe“, der aufgrund von Aussehen und Auftreten als solcher identifiziert wird[24], die schlecht aussehende und zudem noch “furchtbar ungebildete“[25] Arbeitskollegin, Katharinas Eltern, die Kirmesbesucher „in ihren Regenjacken und Hawaihemden“[26], die sich von der Wahrsagerin das Geld aus der Tasche ziehen lassen oder die „bekifften Sweatshirt-Doofies“[27] auf der Gartenparty.

[...]


[1] Generation Golf, S. 155

[2] Untertitel

[3] Generation Golf, S. 15

[4] Bartels, Hans-Peter: Wühlen im Kinderparadies, Der SPIEGEL 8/2000, S. 83

[5] Illies zit. nach: „Die Erste Leidenschaft? Der Börsenboom“, Interview in: Badische Zeitung 30.03.2000

[6] Generation Golf, S. 197

[7] Seibt, Gustav: Aussortieren, was falsch ist in: Die Zeit 2.3.2000, S. 37

[8] Illies zit. nach: Tragödie oder Komödie? Das wird sich zeigen. Interview in: buchreport.magazin, Mai 2000, S. 84-90

[9] Stuckrad-Barre, zit. nach: „Nicht kleben - geklebt werden“, Interview in: Fritz, Stadtmagazin für Göttingen, Oktober 1998.

[10] Stuckrad-Barre, zit. nach: Fischer, Klaus: Jung-Autor (23) schimpft wie ein Rohrspatz in: Express (Köln) 12.09.1998

[11] „Amoklauf eines Geschmacksterroristen“, Der SPIEGEL Nr. 37/7.9.1998

[12] „Amoklauf eines Geschmacksterroristen“, Der SPIEGEL Nr. 37/7.9.1998

[13] Stuckrad-Barre, zit. nach: „Nicht kleben - geklebt werden“, Interview in: Fritz, Stadtmagazin für Göttingen, Oktober 1998.

[14] Die Hitlisten des Tolpatschs in: Donau Kurier 5.2.1999

[15] Schnettler. Silke: Mein Bauch ist der Nabel der Welt in: Die Welt, 9.1.1999

[16] Schnabel, Konrad: Über Pop, Parties und Promis in: Rheinische Post 5.10.1998

[17] Schnettler. Silke: Mein Bauch ist der Nabel der Welt in: Die Welt, 9.1.1999

[18] Generation Golf, S. 139

[19] Generation Golf, S. 193

[20] Soloalbum, S. 36

[21] Soloalbum, s. 37

[22] vgl. Soloalbum, S. 57

[23] vgl. Soloalbum, S. 74

[24] vgl. Soloalbum, S. 83

[25] vgl. Soloalbum, S. 94

[26] Soloalbum, S. 179

[27] Soloalbum, S. 218

Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638177894
ISBN (Buch)
9783638757522
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11715
Institution / Hochschule
Universität Trier – Fachbereich II
Note
1,7
Schlagworte
Hauptfigur Benjamin Stuckrad-Barres Soloalbum Vertreter Generation Golf Florian Illies Proseminar Tristesse Royale Pop-Literatur

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