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Gewalt in der Sprache zwischen Männern und Frauen

Seminararbeit 2007 20 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einführende Worte zur Hausarbeit „Gewalt in Sprache zwischen Männern und Frauen“

2. Stand der Wissenschaft

3. Gewalt gegenüber der Sprache der Frau
3.1. Wie Frauen zum Schweigen gebracht werden
3.2. Die sprachliche Nicht-Existenz der Frau
3.3. Die sprachliche Abwertung von Frauen
3.4. Sexismus
3.5. Lösungsvorschläge der Feministischen Linguistik

4. Umfrage
4.1 Zu den Befragten Personen
4.2. Meinungen über Sprachverhalten
4.3. Auswertung des Fragebogens

5. Resümee

Literaturverzeichnis:

1. Einführende Worte zur Hausarbeit „Gewalt in Sprache zwischen Männern und Frauen“

Seit jeher war Sprache das praktischste Kommunikationsmedium des Menschen. Sie ist derart vielschichtig, dass sie es vermag, identitätsstiftend für die Gattung Mensch zu sein oder auch, um die Bedeutung von Sprache auf ihre Wichtigkeit für das Individuum herunterzubrechen, ein Charakteristikum für den Menschen zu sein. Dennoch ist Sprache ebenso durch negative Eigenschaften gekennzeichnet. So kann durch Sprache Gewalt ausgeübt werden und Gewalt durch Sprache einwirken. Ich möchte die Behauptung, dass es zwischen männlichen und weiblichen Gesprächspartnern zu sprachlichen Gewaltakten kommt, genauer untersuchen. Dabei stellte sich mir die zentrale Frage, ob es möglich ist, dass Alltagssprache einen Akt der Gewalt darstellen kann. Grundlegend für diese Fragestellung ist das Problem der Diskriminierung durch Sprache. Denn durch Diskriminierungen werden Großteile von sprachlichen Gewaltakten definiert. Dieser Arbeit liegen die Beobachtungen der feministischen Sprachwissenschaft zu Grunde, von der man seit den 1970 er Jahren in der BRD spricht. Denn aus ihr kommen die Anklagen und Vorwürfe, die an das Sprachverhalten von Männern gegenüber Frauen gerichtet sind. Ziel dieser Arbeit ist es nicht, einen populärwissenschaftlichen Diskurs anzuschieben. Denn obschon diese Arbeit den Anspruch hat, sachlich und eng am Thema zu bleiben, sind die bekannten wissenschaftlichen Abhandlungen befangen und bewegen sich weit über die Grenzen der Sprachforschung hinaus. Einschlägige Beispiele aus den Vorworten ihrer Publikationen lauten: „Die einzige Möglichkeit der Änderung sehe ich darin, dass die männliche Kultur sich ändert... durch eine weitgehende, tiefe Änderung der Männer selbst, indem sie sich weibliche Eigenschaften aneignen, weil sie schlicht humaner sind und zudem besser funktionieren.“[1]. Diese Arbeit wiederum, legt die Theorien über Gewalt durch Sprache in der feministischen Sprachforschung dar. Ferner wird durch eine Evaluation eines einschlägigen Sprecherkreises in Erfahrung gebracht, ob und wenn ja, wie er Gewalt in Sprache empfindet. Auch wird darauf eingegangen, was feministische Linguistik unbewusst auch macht. Ausgehend von der Diskriminierung der Frau, wird ein prüfender Blick auf die Tatsache gerichtet, dass wenn weibliche Sprachforschung männliches Sprechen als einen Gewaltakt empfindet, so ist das männliches Sprachverhalten per se verurteilt und diskriminiert.

2. Stand der Wissenschaft

Die feministische Linguistik wird dieser Tage 30 Jahre alt. Zu den wichtigsten Vertreterinnen deutscher weiblicher Sprachforschung sind Senta Trömmel-Plötz[2] sowie Luise F. Pusch[3] zu nennen. Pusch war es auch, die Ende der siebziger Jahre den Begriff „Feministische Linguistik“ prägte. Das Hauptaugenmerk liegt demzufolge auf den Bearbeitungen der beiden Protagonisten feministischer Sprachforschung in Deutschland. Ergänzend werden Forschungsbeiträge von Gertrude Postl[4] und einigen Sammelbänden herangezogen. Dass der wissenschaftliche Apparat weitaus mehr bietet als diese von mir getroffene Auswahl, scheint nachvollziehbar. Nur wird bei der Lektüre der einzelnen Bearbeitung schnell deutlich, dass sich Themen komplexer und zumeist nicht wertfrei genug darstellen, um in dieser Arbeit einen wesentlichen Teil zur Klärung der Frage Gewalt gegenüber Frauensprache beitragen zu können. Das Problem des Forschungsgebietes liegt in der gesteigerten Brisanz zwischen den betroffenen Gruppen. Denn jeder Mensch wird von ihr erfasst, entweder als Betroffene oder Betroffener. Es gibt wohl kaum ein anderes Forschungsgebiet, dass Ähnliches von sich behaupten kann. Ob objektiv oder subjektiv mit dem Thema verfahren wird, bleibt dahingestellt. Sicher ist nur, dass bei einer subjektiven Verfahrensweise polemisiert wird und Feministische Sprachforschung in einen Geschlechterkampf ausartet. Dieser Konflikt fällt in das Forschungsgebiet der Gender Studies.

3. Gewalt gegenüber der Sprache der Frau

Wo beginnt Gewalt und wo endet sie? Besonders im Feld der Sprachforschung ist die Erkennung von Gewalt in Sprache schwierig und nie eindeutig nachweisbar. Was für den Einen als Gewaltakt empfunden wird, ist für den Anderen eine übliche Sprachanwendung. Daher versucht dieses Kapitel Tendenzen zu werten, die in den wissenschaftlichen Abhandlungen als linguistische Gewaltakte betitelt werden. Die Frage ist zu stellen, ob man derlei Tendenzen wie z.B. die sprachliche Nicht-Existenz der Frau oder die sprachliche Abwertung von Frauen schon als Gewaltakte werten kann? Dass sich Gewalt in Sprache des Öfteren weitaus unterschwelliger präsentiert als z.B. physische Gewalt, macht die Arbeit mit den Forschungsliteraturen nicht einfacher. Ist dann frauenfeindliche Sprache per se sprachliche Gewalt gegenüber der Frau? Die Definition hierfür lautet: „Frauenfeindlichkeit in der Sprache zeigt sich nicht nur allein in grammatikalischen Formulierungen, sondern versteckt sich auch häufig in Inhalten. Frauenfeindlich ist eine Sprache, die Frauen in Abhängigkeit von Männern beschreiben. Deutlich wird das z.B. in der ungleichen Nennung von Namen und Titeln und in der Gewohnheit, Männer immer an erster Stelle zu nennen.“[5] Die getroffene Auswahl der vermeidlichen Gewalteinwirkungen soll auch ein Indiz dafür sein, wie subversive sich Gewalt in Sprache darstellen kann und wie schwer sie demzufolge nachweisbar ist und so kritisch hinterfragt werden kann.

3.1. Wie Frauen zum Schweigen gebracht werden

Das Zum-Schweigen-Bringen der Frau im[6] Gespräch soll in diesem Unterpunkt zur Disposition stehen. Es scheint auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar, warum es sich hierbei um einen Gewaltakt handeln soll, denn das Zum-Schweigen-Bringen wartet geschlechtslos auf. Dennoch ist die feministische Sprachforschung davon überzeugt, dass vornehmlich weibliche Sprecherinnen davon betroffen sind, denn „[sie wissen heute], dass Frauen regelmäßig und oft ganz beiläufig in Konversationen zum Schweigen gebracht werden. Auch die Methoden, die dies Zweiergespräch bewirken, brauchen nicht mehr ausführlich behandelt zu werden: Unterbrechung und Nicht-Reaktion – die Abwesenheit einer Antwort oder einer Reaktion.“[7] Dass das Zum-Schweigen-Bringen mehr als nur ein Missverständnis ist, dass unter Kommunikationspartnern vorkommen kann, dessen sind sich die Linguistinnen gewiss, denn „wenn... gezeigt werden kann [dass Frauen in Privatgesprächen sowie in öffentlicher Kommunikation zum Schweigen gebracht werden], dann kann nicht mehr argumentiert werden, dass das Zum-Schweigen-Bringen wirklich nur ein Missverständnis... zwischen Mitgliedern zweier Kulturen [ist].“[8] Was aber bedeutet das Zum-Schweigen-Bringen ? Es ist die fremdgewählte Sprachlosigkeit des Gesprächsteilnehmers. Anders als die eigens gewählte Sprachlosigkeit, ist die fremdgewählte ein Akt, der an einem vollzogen wird und auf den man für das erste Moment bzw. als ungeschulter Gesprächspartner nicht reagieren kann und somit aktiv Gewalt auf die Sprachtätigkeit eines Gesprächsteilnehmers ausgeübt wird. Denn „keine Stimme zu haben bedeutet, dass man nicht mitreden kann bei dem, was getan wird, oder dem, was einem passiert. Es bedeutet, dass Frau/man nicht vertreten ist.“[9] Die logische Schlussfolgerung ist, dass diese Sprachlosigkeit Auswirkungen auf die sozialen Kompetenzen der Sprecherin für diesen Sprecherkreis hat. Denn „die Entmenschlichung durch Sprachentzug ist der erste Schritt zur Legitimation ungleicher Behandlung.“[10] Wird eine Frau erfolgreich Zum-Schweigen-gebracht, ist ihre Stimme keine potentielle Gefahr für den Gesprächsbetrieb der anderen Teilnehmer mehr. Die Feministischen Linguistinnen gehen sogar soweit und behaupten, dass Männer die Rolle der Zum-Schweigen-Bringer für sich beanspruchen. Sie unterbrechen Frauen erheblich häufiger als umgekehrt, sie geben öfter keine Antwort, und sie ignorieren Themen, die Frauen aufbringen.[11] Indirekt wird erklärt, dass das Zum-Schweigen-Bringen kein rein männliches Problem ist, denn auch Frauen können den Gesprächspartner zum Schweigen bringen. Das Hauptargument ist lediglich das Ungleichgewicht der Häufigkeit[12]. Wie in dieser Hausarbeit des Öfteren zur Sprache kommt, sind Frauen an dieser Entwicklung des Zum-Schweigen-Bringens sowie anderen sprachlichen Gewaltakten aktiv beteiligt. Oft fällt diese Beteiligung zu ungunsten des weiblichen Geschlechts aus:„Weil wir jahrtausendelang nur frauenfeindliche Stimmen gehört haben und weil alle alternativen Stimmen zum Schweigen gebracht wurden, haben wir viele Frauen den Glauben internalisiert, dass sie nicht nur keine Stimme haben, sondern dass es auch so sein muss, da Sprachlosigkeit eine maßgebliche Eigenschaft von Weiblichkeit ist.“[13] Hypothetisch ist hier erklärbar, dass die Rolle der Frau in der Sprachentwicklung durch natürliche, historische Prozesse gewachsen ist. Ob diese Prozesse nun als gut oder schlecht zu bewerten sind, obliegt nicht dem Aufgabenbereich dieser Arbeit. Auffällig ist nur, dass sich die Feministische Linguistik diesem Prozess zu widersetzen versucht. Wie schwer die Lösung einer solchen Aufgabe wiegt, die „jahrtausendelang“[14] gewachsen sei, ist nachvollziehbar. Das Zum-Schweigen-Bringen kann weiterhin auch über andere Methoden realisiert werden. So reicht z.B. eine Nicht-Antwort aus, um den Gesprächspartner zu verunsichern. Der Redebeitrag der Gesprächsteilnehmerin wird nicht berücksichtigt, sie wird durch eine Nicht-Antwort einfach übergangen. Dass das nachdrückliche Verlangen nach einer Antwort nicht leicht fällt, erklärt sich zum einen aus dem natürlichen Schamgefühl[15] der Sprecher, sowie den möglichen Reaktionen. Denn „eine Antwort zu fordern macht die eigene Machtlosigkeit nur offensichtlicher, und man geht das Risiko ein, doppelt ignoriert zu werden.“[16] Was die Arten des Zum-Schweigen-Bringens unterscheidet, ist ihre Wertung durch die Feministische Linguistik. Während sie der Unterbrechung die Möglichkeit des Versehens einräumt, verfährt sie mit der Nichtantwort rigoros. Denn „Unterbrechungen können immer als versehentliche erklärt werden, aber bei Nichtantworten geht das nicht. Und obwohl beide, Unterbrechung und Nichtantwort, die Betroffenen verletzen und ihr Selbstwertgefühl angreifen, ist es schlimmer, keine Antwort zu bekommen.“[17] Diese Definitionen von Gewalt in Sprache sind stark stilisiert. Dem Gespräch muss vorausgesetzt sein, dass der Sprecher ein Interesse an der Kommunikation mit seinen Zuhörern hat. Spricht man vor einer Gruppe von Menschen und bekommt auf eine Frage lediglich von einer für den Sprecher kommunikativ interessanten Person eine Antwort und von dem Rest der Gruppe, die für den Sprecher aber nicht interessant ist, keine Antwort, dann ist der Kommunikationsakt geglückt bzw. dann liegt kein Gewaltakt vor. Denn wenn die Gesprächspartnerin die Meinung bzw. den Respekt des Gesprächspartners nicht schätzt, dann kann eine Nichtantwort nicht verletzend sein.

[...]


[1] Trömel-Plötz, Senta: Frauengespräche- Sprache der Verständigung, Frankfurt/Main 1996 S.19

[2] u.a. Trömmel-Plötz, Senta: Frauengespräche: Sprache der Verständigung, Frankfurt/Main 1996

[3] u.a. Pusch, Luise F. : Das Deutsche als Männersprache, Frankfurt/Main 1996

[4] u.a. Postl, Gertrude: Weibliches Sprechen – Feministische Entwürfe zur Sprache und Geschlecht, Düsseldorf 1989

[5] Hübner-Umbach, Margot: Frauen und Männer in der Sprache, Tübingen 1991 S. 8

[6] Trömmel-Plötz, Senta: Frauengespräche: Sprache der Verständigung, Frankfurt/Main 1996 S. 39

[7] ebenda S. 39

[8] ebenda S. 40

[9] Trömmel-Plötz, Senta: Frauengespräche: Sprache der Verständigung, Frankfurt/Main 1996 S. 40

[10] ebenda S. 41

[11] ebenda S. 42

[12] Mann vs. Frau sei hoch; anderen Gesprächskonstellationen weitaus niedriger

[13] ebenda S. 43

[14] ebenda

[15] Gespräch mit mehreren Teilnehmern

[16] Trömmel-Plötz, Senta: Frauengespräche: Sprache der Verständigung, Frankfurt/Main 1996 S. 46

[17] ebenda S. 46

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640195893
ISBN (Buch)
9783640196104
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117426
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Gewalt Sprache Männern Frauen Seminar

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Titel: Gewalt in der Sprache zwischen Männern und Frauen