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Methoden der Messung und Skalierung in der Empirischen Politikforschung

Seminararbeit 2003 19 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff und Funktion der Messung
2.1. Gütekriterien der Messung
2.1.1. Objektivität
2.1.2. Reliabilität
2.1.3. Validität

3. Zum Begriff der Skala, Skalentypen und Messniveau
3.1. Skalentypen und Messniveau
3.1.1. Die Nominal-Skala
3.1.2. Die Ordinal-Skala
3.1.3. Die Intervall-Skala
3.1.4. Die Verhältnis-Skala

4. Skalen in der empirischen Politikforschung
4.1. Die Thurstone-Skala
4.2. Die Likert-Skala
4.3. Die Bogardus-Skala
4.4. Die Guttman-Skala
4.5. Die Skala des semantischen Differentials

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff „Empirie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „auf Erfahrung“ beruhend. Viele Wissenschaften lassen sich den Erfahrungswissenschaften zuordnen, so auch die Politikwissenschaft. Generell beschäftigen sich diese Wissenschaften mit verschiedenen Untersuchungsobjekten (z.B. Menschen, Gruppen, Betriebe, Städte, Länder), die bezüglich bestimmter relevanter Merkmale jeweils mehr oder weniger variieren. Die Dokumentation und Analyse von etwaigen Merkmalsunterschieden und ihrer Effekte steht im Mittelpunkt der Erfahrungswissenschaften. Dazu werden empirische Theorien entwickelt. Mit Hilfe der Messung werden diese empirischen Theorien auf ihre Richtigkeit oder Falschheit hin überprüft. Würden wir unsere Theorien nicht dem Messvorgang aussetzen, so wäre die Behauptung ihrer Richtigkeit oder Falschheit reine Spekulation. (Dreier 1997: 287) Aus diesem Grund werde ich das 9. Kapitel „Methoden der Messung und Skalierung“ des Buches „Empirische Politik-forschung“ von Dr. Volker Dreier intensiv bearbeiten und mit Hilfe anderer Literatur ausbauen.

Die Zuordnung von Zahlen zu Objekten muss nach festgelegten Regeln erfolgen, um die Realität richtig beschreiben, erklären und gegebenenfalls prognostizieren zu können. Die Methode des Messens sollte jeder Politikwissenschaftler als Handwerkszeug schätzen.

Mein Hauptteil habe ich in drei große Kapitel unterteilt. Zu Beginn werde ich die Funktion der Messung und deren Gütekriterien erläutern; im Anschluss daran die Skalentypen. Im letzten Teil beschreibe ich die verschiedenen Skalen in der empirischen Politikforschung anhand von anschaulichen Beispielen, auf die ich bei der Internet-recherche gestoßen bin.

2. Begriff und Funktion der Messung

Unter Messen versteht man die systematische (d.h. nach bestimmten Regeln, Vorschriften und Verfahren erfolgende) Zuordnung einer Menge von Zahlen oder Symbolen zu den Ausprägungen einer Variablen (mithin auch zu Objekten), und zwar so, dass die Relationen unter den Zahlenwerten den Relationen unter den Objekten entsprechen. Aus diesem Verständnis heraus spricht man von Messen als eine strukturtreue Abbildung eines empirischen Relativs[1] in ein numerisches Relativ[2].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Strukturtreue Abbildungen werden auch als Morphismen bezeichnet. Dabei unter-scheidet man zwischen Isomorphe Abbildungen[3] und Homomorphe Abbildungen[4].

Eine Isomorphe Abbildung besteht dann, wenn aus dem numerischen Relativ eindeutig auf ein bestimmtes Objekt des empirischen Relativs geschlossen werden kann. Eine umkehrbar eindeutige Abbildung ist möglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispiel: Fünf Studenten schreiben eine Klausur. Jeder Teilnehmer hat sich unterschiedlich gut auf die Klausur vorbereitet, und somit erhält jeder eine andere Punktzahl. Man kann von der erreichten Punktzahl 68 auf einen bestimmten Teilnehmer zurückschließen.

Eine Homomorphe Abbildung besteht dann, wenn dem numerischen Relativ mehrere Objekte des empirischen Relativs zuzuordnen sind. Es ist keine umkehrbar eindeutige Abbildung möglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispiel: Bei der Klausur erreichen mehrere Teilnehmer gleiche Punktzahlen. Dann lässt sich aufgrund der Kenntnis „erreichte Punktzahl 68“ nicht auf einen bestimmten Teilnehmer zurückschließen.

Das Ziel jedes Messvorgangs besteht in der Erhebung möglichst exakter und fehlerfreier Messwerte. Dieses Ziel wird bei kaum einem Messvorgang erreicht. Die tatsächlichen Messwerte geben meist nicht nur die tatsächliche Ausprägung eines Merkmals wieder, sondern enthalten auch zufällige und/oder systematische Messfehler. Beispielsweise könnten die Antworten auf Fragen nach der Zufriedenheit mit der aktuellen Regierung durch die persönliche Stimmung des Befragten zum Zeitpunkt der Befragung beein-flusst sein (schönes Wetter, Ehekrise, Erbschaft).

Um trotz der Messfehler die erhobenen Daten sinnvoll interpretieren zu können, bedient man sich der klassischen Testtheorie. Sie basiert auf der Annahme, dass jeder beobachtete Messwert aus der Summe eines „wahren Wertes“ und einem Messfehler besteht[5]. Eine weitere Annahme ist: Der Mittelwert aller Messfehler ist null. Beispiel: Bei der Frage nach dem Einkommen untertreiben und übertreiben die Befragten, so dass sich die Messfehler ausgleichen.

2.1. Gütekriterien der Messung

Messungen sollen objektiv, zuverlässig (reliabel) und gültig (valide) sein. Objektivität, Reliabilität und Validität beziehen sich allesamt auf das Messinstrument[6] und seinen Einsatz. Die drei Gütekriterien stehen in einem hierarchischen Verhältnis. Objektivität ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Reliabilität. Reliabilität ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Validität. Objektivität und Reliabilität sind somit notwendige Minimalanforderungen an ein Messinstrument, das Hauptziel ist jedoch dessen Validität!

2.1.1. Objektivität

Jede wissenschaftliche Forschung fordert immer auch ein gewisses Maß an Objektivität. Allerdings gestaltet sich in der Forschungspraxis die Realität so vielschichtig, dass die Art der zu erhebenden Information meist nur eine bestimmte problembezogene Sicht-weise des Untersuchungsprojektes gestattet. Dies gilt insbesondere für die Erfassung sozialer Realitäten. Das Ermitteln von Informationen wird also immer durch eine bestimmte Forschungsperspektive beeinflusst: Objektivität wird oft (fälschlicherweise) mit absoluter Übereinstimmung der Beschreibung eines Sachverhaltes mit der Realität verwechselt. Diese Übereinstimmung ist nicht realisierbar. Aus diesem Grund wird die Bedeutung von Objektivität als Gütekriterium oftmals eingeschränkt: Üblicherweise wird hierunter die größtmögliche Freiheit von subjektiven (verzerrenden) Einflüssen durch die die Untersuchung durchführende Person verstanden, d.h. mehrere Personen sollten unabhängig voneinander zu demselben Untersuchungsergebnis gelangen können. Objektivität in diesem Sinne bezeichnet damit den Grad der interpersonellen Übereinstimmung von Untersuchungsergebnissen. Beispiel: Die Zweitkorrektur einer Abiturklausur sollte zu einer annähernd gleichen Note führen.

2.1.2. Reliabilität

Die Reliabilität (Zuverlässigkeit) einer Messung ist das Ausmaß, in dem ein Mess-instrument bei wiederholter Messung bei gleich bleibenden Eigenschaften der Objekte die gleichen Messergebnisse liefert. Reliabilität bedeutet folglich das Fehlen von un-systematischer Messfehler (Messstabilität). (Dreier 1997: 306)

Mathematisch können wir die Reliabilität mit Hilfe der Varianz[7] überprüfen. Sie beschreibt das Ausmaß, inwieweit sich die einzelnen Beobachtungswerte voneinander unterscheiden.

[...]


[1] Menge der Objekte, über die eine Relation definiert wurde

[2] Menge von Zahlen, über die eine Relation definiert wurde

[3] oder auch Isomorphismus

[4] oder auch Homomorphismus

[5] Xi = Ti + Ei

[6] z.B. ein Fragebogen

[7] σ2 = (∑ (xi - x)2) / N

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638178150
ISBN (Buch)
9783640098927
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11747
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Messen Messung Skalierung Empirischen Politikforschung Gütekriterien Objektivität Reliabilität Validität Skala Skalentypen Messniveau Nominal-Skala Ordinal-Skala Intervall-Skala Verh

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Titel: Methoden der Messung und Skalierung in der Empirischen Politikforschung