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Fernhandelsstraßen im Mittelalter im Gebiet der Lausitz

Seminararbeit 2003 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Straße
2.1 Definition des Begriffes Straße

3. Die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Straße
3.1. Die Rolle der Straße
3.2 Straßensicherungspolitik
3.2.1 Straßenzwang
3.2.2 Straßenschutz
3.3 Fiskalische Abgaben

4. Schlußbetrachtung

5. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Thema der vorliegenden Arbeit ist es, die Bedeutung der Fernhandelsstraßen im Mittelalter für die einzelnen Interessenparteien darzustellen. Dabei soll versucht werden, als zentrale Fragestellung herauszuarbeiten, inwieweit es dem Regierenden möglich war, durch Straßensicherungsmaßnahmen in das Leben auf und rund um die Straßen einzugreifen. Schließlich wird es noch notwendig werden, die Situation, die auf den Straßen vorherrschte, zu kennzeichnen. Dabei wird sich ein Bild herausstellen, was für viele Handelsstraßen im gesamten Heiligen Römischen Reich deutscher Nation seine Gültigkeit besessen hat. Um den Bogen passend zum Seminarthema spannen zu können, liegt die Konzentration bei der Wahl der Beispiele sowie der Quellentexte auf dem Gebiet der Lausitz.

Um in das Thema einzuleiten, möchte ich mich zuerst mit dem Begriff Straße auseinandersetzen.

Da wäre zu klären, was überhaupt unter einer Straße zu verstehen war?

Weiterhin wäre zu fragen, wer für die bestehenden Straßen verantwortlich war, bzw. wem sie gehörten?

Auch wäre es interessant herauszufinden, wie neue Straßenzüge entstanden sind, bzw. welche Voraussetzungen dazu nötig waren, dass es dazu kam?

Eng damit hängt die Frage zusammen, wer überhaupt ein Interesse an einer Straße gehabt haben könnte und weshalb, bzw. welche Vorteile eine Straße für wen mit sich brachte?

Schließlich will ich versuchen, in diesem Zusammenhang noch die Pflichten, die mit einer Straße verbunden waren, aufzuzeigen.

Dabei wird der Begriff Straßenzwang auftauchen, der untersucht werden soll. Es wird darauf hinauslaufen, die Vor- und Nachteile herauszuarbeiten, die der Straßenzwang mit sich bringt.

Auch ist es unumgänglich, sich mit dem Thema Sicherheit auf den Straßen zu beschäftigen und den in diesem Zusammenhang auftretenen Begriff des Straßenschutzes aufzuwerfen. Dabei wird es einerseits im ersten Teil zum Thema „Zustand der Straßen“ eine Beschäftigung mit dem Straßenschutz geben. Zusätzlich wird in einem gesonderten Abschnitt die Frage der Wegelagerei behandelt.

Letztendlich drängt sich dann noch die Frage auf, die die fiskalischen Zwänge der Straßenbenutzer miteinschließt. Die entscheidenen Fragen lauten, wie sinnvoll diese waren, d.h. wie viel die Steuern dazu beigetragen haben, dass die Reise auf den Straßen sicherer und angenehmer wurde.

Zum Abschluß der Arbeit werden dann in einer Schlußbetrachtung die gesammelten Erkenntnisse zusammengetragen und die anfangs gestellten Fragen noch einmal kurz beantwortet, indem die Ergebnisse präsentiert werden.

2. Die Straße

2.1 Definition des Begriffes Straße

Für ein besseres Verständnis der folgenden Ausführungen folgt eine Definition des Begriffes Straße.

Dabei richtet sich die Definition nach dem Lexikon des Mittelalters: 1.Westlicher Bereich. : „Der Terminus Straße oder auch Weg bezeichnet einen aus dem bewohnten, bewirtschafteten oder ungenutzten Land herausgegrenzten Bodenstreifen, der als Verkehrsraum reserviert und von der Allgemeinheit zu gleichem Recht benutzt wird.“[1]

Dazu ist allerdings zu sagen, dass die Straße keine Erfindung des Mittelalters gewesen ist, sondern schon in der Antike existierte.

Die Grundstruktur des europäischen Straßennetzes wurde von den Römern während ihrer Besatzungszeit geschaffen, so schreibt z.B. Aelius Aristides im 2 Jh. N. Chr., dass das Straßensystem es dem Kaiser ermöglichte, von Rom aus mit Briefen zu regieren[2].Zusätzlich schreibt Aurelius Viktor im 4 Jh. N. Chr., dass der Ausbau der Straßen mit besonderer Sorgfalt durchgeführt wird, damit der Herrscher noch schneller erführe, was im gesamten Reich vor sich ginge[3].Allerdings wurde dieses Straßennetz nach dem Zusammenbruch des IMPERIUM ROMANUM im Laufe der Jahrhunderte weitgehend verändert und überdeckt. Dies ist in Zusammenhang mit den Stürmen der Völkerwanderungszeit zu bringen, die in ganz Europa einsetzten und rund 200 Jahre anhielten[4].

Nach dem Ende des IMPERIUM ROMANUM setzte ein allgemeiner Zerfall der hochentwickelten Römerstraßen ein, dem erst wieder ab dem 10 Jh. n. Chr. entgegengewirkt wurde.

So beschränkten sich die Instandsetzungsarbeiten an den Straßen auf das Herrichten von Brücken u.ä. bei Heereszügen, bzw. vereinzelt aus religiösen Motiven (z.B. Wallfahrten).

Der Grund dafür, dass die Straßen wieder mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerieten ist in dem Wiederaufleben des Handelns seit der 2. Hälfte des 10 Jh. n. Chr. Zu finden[5].

Daraus läßt sich auch der Nutzen der Straßen erklären. Die Straßen waren die Voraussetzung für die Entstehung von weitausgedehnten Handelsbeziehungen.

Dafür nutzte man zum einen die natürlich gegebenen Wasserstraßen, wie z.B. die Elbe, die Donau oder die Ostsee und zum anderen die vom Menschen in einer bestimmten Intention angelegten Straßen um zwei oder mehr Handelsstätten miteinander zu verbinden.

Dabei darf man nun aber keinesfalls an Straßen denken, wie man sie sich zur Zeit der Römer vorzustellen hat. Von solchen vollendeten und „luxuriösen“ Straßen wie z.B. der via appia war man im Mittelalter wieder weit entfernt.

Die Straßen im Mittelalter waren meistens durch häufige Benutzung fest getretene Naturwege.

Für die anfallenden Reparaturen und den Ausbau der Straßen waren die Straßenpächter, bzw. die Landesherren selbst verantwortlich.

Diese Pflichten mußten sie im Gegenzug zum Straßenzwang und Straßenzoll erfüllen. (auf diese Thematik werde ich später noch genauer zurückkommen.)

Allerdings wurden diese Pflichten auf das Allernötigste beschränkt und die Reparaturen nur notdürftig durchgeführt. So wurden Löcher einfach mit Erde wieder zugeschüttet[6].[7]

Allerdings muß man sagen, dass sich im Laufe der Zeit in den Köpfen der „Straßenbesitzer“ langsam die Vorteile von intakten und gut funktionierenden Straßen durchzusetzen begannen, und es wurde angefangen Straßen mit Steinpflastern zu belegen[8] sowie Abflußsysteme für Tau- und Regenwasser zu integrieren[9].

Um das Bild der Handelsstraßen im Mittelalter nun vollständig zu beschreiben will ich noch kurz auf den Alltag auf denselben eingehen.

In dem Werk von Weczerka[10] findet man dazu eine treffende Beschreibung[11].

Es wird die These aufgestellt, dass das Leben auf der Straße von drei Faktoren bestimmt wurde: Zum einen der völlig unzureichende Zustand der Straßen. Diese These wurde im vorangegangenen Text behandelt.

Zum zweiten die Unsicherheit auf den Straßen, die von den Wegelagerern ausging. Und letztlich von den wuchernden Zollabgaben an die Straßenherren. Diese beiden Thesen sollen in den nun folgenden Ausführungen behandelt werden.

3. Die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Straße

3.1. Die Rolle der Straße

Begonnen wird mit der Frage, welche Rolle die Straßen im Mittelalter gespielt haben. Dazu muß man einschränkend sagen, dass sich die Ausführungen natürlich nicht auf jede Straße beziehen, sondern auf die großen Handelsstraßen.

Geht man nun also der Frage nach, in welchem Ausmaß die Straßen das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben im Mittelalter bestimmten, so wird man schnell in den Quellensammlungen fündig.

So findet sich z.B. in den Diplomata et acta publica statum regni et imperii medii aevi posterioris illustrantia (MCCL – MD) ein Brief, der bezeugt, wie Karl IV. dem Dogen von Venedig, Lorenzo Celsi (1361 – 65) den Vorschlag unterbreitet:“...quod ver viam Prage discurrendo per flumen aliquod perveniebatur in brevi ad mare distans a Bruges per quadraginta miliaria Theutonica, quod iter, ut comuniter opinatur, est minoris expensis et brevioris temporis multum quam iter, per quod ad presens itur ad dictum locum de Bruges, et quodimmensa sapientia maiestatis sue disposuerat, quod in casu, quo dicti mercatores et fideles nostri vellent ire et uti in Praga et aliis partibus regni sui Boemi supradicti cum bonis et mercationibus eorum, placeret excellientie sue valde et intenderet eos cum ipsis bonis et mercationibus suis benivole et gratiose tractare et tractari facere et immunes reddere plus quam ceteras nationes, et quod eisdem concederet fonticum in Praga et facultatem et libertatem extrahendi de regno prefato aurum et argentum et alia[12].

[...]


[1] Szabo,T.: in, LMA Bd.8, Spalte 220.

[2] Vgl.: Aelius Aristides, XIV, 336, 9.

[3] Vgl.: Aurelius Viktor, Caesares 13, 5.

[4] Vgl. Bruns / Weczerka, Hansische S. 38.

[5] Vgl.: Bosl. Staat. S. 809.

[6] Vgl. Bruns/ Weczerka, Hansische S.43.

[7] Vgl. CDS II, 9, Nr.405.

[8] Gasner, E. Zum deutschen, S.115.

[9] Bruns, / Weczerka, Hansische, S.44.

[10] Bruns, / Weczerka, Hansische .

[11] Nachzulesen in: Bruns / Weczerka Hansische S.45 bis 47.

[12] Weinrich, L. Quellen, S.404 – 407.

Details

Seiten
18
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640210237
ISBN (Buch)
9783640210336
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117607
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,5
Schlagworte
Fernhandelsstraßen Mittelalter Gebiet Lausitz Wettiner Wittelsbacher Luxemburger Niederschlag Konflikte Jahrhunderts Raum Niederlausitz

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