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Eine kritische Analyse des Lizenzmanagements und von ASP-Lösungen anhand einer empirischen Untersuchung zur Handhabung von Lizenzsoftware in deutschen KMU's

Diplomarbeit 2008 96 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 GRUNDLAGEN DES SOFTWAREMARKETING
2.1 DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES SOFTWAREMARKTES
2.2 CHARAKTERISTISCHE MERKMALE VON SOFTWARE UND DES SOFTWAREMARKTES
2.2.1 SOFTWARE ALS WIRTSCHAFTSGUT
2.2.2 NIEDRIGE MARKTEINTRITTSBARRIEREN
2.2.3 GERINGE VARIABLE PRODUKTIONSKOSTEN
2.2.4 GESETZ DES STEIGENDEN GRENZNUTZENS
2.2.5 GERINGE AUSTAUSCHBARKEIT
2.3 ARTEN UND KLASSIFIKATIONEN VON SOFTWARE
2.3.1 GESCHÄFTS- UND LIZENZMODELL
2.3.2 STANDARD- UND INDIVIDUALSOFTWARE
2.3.3 BUSINESS- UND CONSUMERSOFTWARE
2.4 DIE KLASSISCHEN 4’PS IM SOFTWAREMARKETING
2.4.1 PRODUKTPOLITIK
2.4.2 PREISPOLITIK
2.4.3 DISTRIBUTIONSPOLITIK
2.4.4 KOMMUNIKATIONSPOLITIK

3 DAS LIZENZMODELL
3.1 GRUNDLAGEN DER LIZENZIERUNG
3.1.1 AKTIVE UND PASSIVE LIZENZSTRATEGIE
3.1.1.1 Aktive Lizenzstrategie
3.1.1.2 Passive Lizenzstrategie
3.1.1.3 Motive der aktiven und passiven Lizenzierung
3.2 PROPRIETÄRE LIZENZMODELLE
3.2.1 LIZENZIERUNGSMETHODE
3.2.2 LIZENZIERUNGSARTEN
3.3 OPEN SOURCE MODELL
3.3.1 OPEN SOURCE LIZENZTYPEN
3.3.2 ABGRENZUNG ZU PROPRIETÄRER SOFTWARE
3.3.3 VORTEILE/STÄRKEN VON OPEN SOURCE SOFTWARE (OSS)
3.3.4 NACHTEILE/SCHWÄCHEN VON OPEN SOURCE SOFTWARE (OSS)

4. APPLICATION SERVICE PROVIDING (ASP)
4.1 GESCHÄFTSMODELLE
4.2 VORTEILE/STÄRKEN VON APPLICATION SERVICE PROVIDING
4.3 NACHTEILE/SCHWÄCHEN VON APPLICATION SERVICE PROVIDING
4.4 ASP FÜR KLEINE UND MITTLERE UNTERNEHMEN (KMU)
4.4.1 DEFINITION VON KMU
4.4.2 RELEVANZ VON ASP FÜR KMU

5. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG ZUR HANDHABUNG VON LIZENZSOFTWARE IN DEUTSCHEN KMU’S
5.1 GRUNDLAGEN UND KONZEPTION DER UNTERSUCHUNG
5.1.1 METHODIK
5.1.2 STRUKTUR DER PARTIZIPIERENDEN UNTERNEHMEN
5.2 DESKRIPTIVE STATISTIKEN
5.2.1 ORGANISATORISCHE RAHMENBEDINGUNGEN
5.2.2 SOFTWAREBESTAND UND SOFTWAREINVENTUR
5.2.3 NICHT AUTORISIERTE SOFTWARE
5.2.4 AUFBEWAHRUNG UND VERWALTUNG VON LIZENZEN
5.2.5 KRITISCHE WÜRDIGUNG DES LIZENZMANAGEMENTS

6. SCHLUSSBETRACHTUNG
6.1 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT
6.2 AUSBLICK

ANHANG

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Lizenzarten im Überblick

Abb. 2: Verteilung der Wartungstypen

Abb. 3: Kommunikationsinstrumente im Überblick

Abb. 4: Motive der aktiven und passiven Lizenzierung

Abb. 5: KMU-Definition des IfM Bonn

Abb. 6: KMU-Definition der Europäischen Kommission

Abb. 7: Verteilung der untersuchten Unternehmen anhand Mitarbeiterzahlen

Abb. 8: Verteilung der befragten KMU anhand des Umsatzes

Abb. 9: Anzahl der Clients/PCs in den kleinen und mittleren Unternehmen

Abb. 10: Verteilung der Branchenzugehörigkeit der Unternehmen

Abb. 11: Verteilung über eine Regelung der Software- und Internetnutzung

Abb. 12: Verteilung zu der Frage: „In welchen Abständen wird die Einhaltung der den Umgang mit Software betreffenden Vorschriften kontrolliert?“

Abb. 13: Verteilung über die Existenz von proprietärer Software in den Unternehmen

Abb. 14: Anzahl von proprietärer Software in den Unternehmen

Abb. 15: Verteilung zu der Frage: „Gibt es regelmäßige Bestandsaufnahmen der Software?“

Abb. 16: Verteilung zu der Frage: „In welchen Abständen werden die Softwarebestandsaufnahmen durchgeführt?“

Abb. 17: Verteilung zu der Frage: „Von wem werden die Bestandsaufnahmen durchgeführt?“

Abb. 18: Verteilung zu der Frage: „Wie werden die Bestandsaufnahmen durchgeführt?“

Abb. 19: Verteilung zu der Frage: „Wie wird kontrolliert, dass sich nur autorisierte Software auf den Rechnern befindet?“

Abb. 20: Verteilung über die Einschätzung der getroffenen Sicherheitsvorkehrungen

Abb. 21: Verteilung über die Aufbewahrungsposition der Lizenznachweise

Abb. 22: Verteilung über die Zuständigkeit für die Verwaltung der Lizenznachweise.. 62 Abb. 23: Verteilung zu der Frage: „Gibt es eine Inventarisierung der angeschafften Lizenzen?“

Abb. 24: Verteilung zu der Frage: „Wie schätzen Sie das Lizenzmanagements in Ihrem Unternehmen ein?“

Abb. 25: Verteilung über die Versorgung mit Lizenzen

Abb. 26: Verteilung über die Wichtigkeit des Lizenzmanagements in den Unternehmen

Abb. 27: Anzahl der Unternehmen, die das Lizenzmanagement von einem externen Dienstleister betreuen lassen würden

Abb. 28: Verteilung zu der Frage: „Wie wichtig ist Ihnen beim Lizenzmanagement die Qualität?“

Abb. 29: Verteilung zu der Frage: „Wie wichtig ist Ihnen beim Lizenzmanagement der Datenschutz?“

Abb. 30: Verteilung zu der Frage: „Wie wichtig ist Ihnen beim Lizenzmanagement die Verfügbarkeit?“

Abb. 31: Verteilung zu der Frage: „Wie wichtig ist Ihnen beim Lizenzmanagement der Service?“

Abb. 32: Verteilung zu der Frage: „Wie wichtig ist Ihnen beim Lizenzmanagement der Preis?“

Abb. 33: Verteilung zu der Frage: „Wie viel Geld würden Sie für eine betreute Verwaltung Ihrer Lizenzen monatlich ausgeben?“

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 EINLEITUNG

Kaum eine andere Branche hat die Gesellschaft und die Unternehmenswelt so nachhaltig verändert wie die Softwarebranche. So ist die Softwareunterstützung von inner- sowie zwischenbetrieblichen Geschäftsprozessen heute gleicher- maßen eine Selbstverständlichkeit wie das „Googeln“ nach Informationen oder die Nutzung von Navigationsgeräten. In Folge dessen ist es auch wenig über- raschend, dass laut einer Studie von Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) die Softwarebranche in Deutschland im Jahr 2008 voraussichtlich um 5,7 Prozent wächst und somit 17,9 Mrd. Euro Umsatz verzeichnen wird.1 Die Marktforschungs- und Bera- tungsfirma Gartner erwartet für das Jahr 2008 sogar mehr als 10 Prozent Wachstum im Softwaresegment.2 Aus diesem Grund zählt der Softwaremarkt zu den bedeutendsten Wachstumsmärkten in Deutschland. Im Vergleich zum Softwaremarkt macht der Application Service Providing (ASP)-Markt gemäß einer Studie von Experton Group in Deutschland nur ein Volumen von 345 Mio. Euro aus. Jedoch wird das Segment voraussichtlich bis zum Jahr 2010 mit Steigerungsraten von 30 Prozent auf ein Volumen von 577 Mio. Euro anwach- sen.3 Auf Grund dessen wird ersichtlich, welche Bedeutung der ASP Markt in näherer Zukunft haben wird.

1.1 Zielsetzung

In dieser Arbeit wird sowohl der Markt für ASP-Lösungen als auch für das Li- zenzmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen im Rahmen einer quantitativen Studie hinsichtlich der Anwendungssituation und der Bedeutung für die Leiter der IT-Abteilungen sowie Mitglieder der Geschäftsleitung analy- siert. Ziel ist es zu ermitteln, welche organisatorischen Rahmenbedingungen mit Bezug auf die Inventarisierung sowie Bedarfsermittlung von Software in den Unternehmen vorherrschen. Ferner soll durch die Befragung der Mitarbeiter und der Geschäftsleitung eine kritische Würdigung des Lizenzmanagements vorgenommen werden.

1.2 Vorgehensweise

Im zweiten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen zur Entstehungsge- schichte des Softwaremarktes sowie dessen charakteristischen Merkmale nä- her erläutert. Darüber hinaus sollen die Arten und Klassifikationen von Software sowie die klassischen 4 P’s im Softwaremarketing konkretisiert werden.

Im dritten Kapitel werden die heute in der Praxis angewendeten Lizenzmodelle vorgestellt und die Besonderheiten der einzelnen Varianten erörtert. Dabei werden grundlegende Fragen der Lizenzierung wie die Lizenzstrategie, die Li- zenzierungsmethode sowie die Lizenzierungsarten behandelt. Ein im Zusam- menhang mit neuen Lizenzmodellen relevanter weiterer Fragenkomplex ent- steht rund um das Thema Open Source Software (OSS). Es werden daher in diesem Kapitel sowohl die gebräuchlichen Open Source Lizenztypen als auch die Vor- und Nachteile im Vergleich zu proprietärer Software vorgestellt.

Im darauf folgenden Kapitel wird das Application Service Providing mit seinen Vor- und Nachteilen dargestellt. Darüber hinaus soll aufbauend auf die Beg- riffsdefinition von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Relevanz von ASP für KMU erläutert werden.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit der quantitativen Untersuchung zur Handha- bung von Lizenzsoftware und dessen Organisation in deutschen kleinen und mittleren Unternehmen aus Sicht der IT-Mitarbeiter und der Geschäftsleitung.

Das letzte Kapitel fasst die Arbeit in ihren wesentlichen Punkten zusammen, zieht das Fazit und gibt einen Ausblick.

2 GRUNDLAGEN DES SOFTWAREMARKETING

Im Rahmen der Grundlagen des Softwaremarketing werden nachfolgend die Entstehungsgeschichte des Softwaremarktes, die charakteristischen Merkmale von Software und des Softwaremarktes, die Arten und Klassifikationen von Software sowie die klassischen 4 P’s im Softwaremarketing näher dargelegt.

2.1 Die Entstehungsgeschichte des Softwaremarktes

Der Softwaremarkt hat sich erst in den letzten Jahrzehnten etabliert. Die Ent- stehung einer autonomen, von der Hardware unabhängigen Nachfrage nach Software geht unter anderem auf die Entscheidung der Firma International Bu- siness Machine (IBM) im Jahre 1969 zurück, als diese angesichts drohender Kartellrechtsklagen ankündigte, Hardware und Software getrennt zu vermark- ten.4 Bereits vor dieser Entscheidung haben einzelne Unternehmen schon die Bedeutung von Software als autonomes Wirtschaftsgut erkannt und entspre- chende Geschäftsmodelle konzipiert. Hierbei ist insbesondere die 1955 ge- gründete Firma Computer Usage Company (CUC) zu erwähnen, die als erste unabhängige Anbieterin von Computersoftware gilt.5 Bei der Betrachtung der Entwicklung des Softwaremarktes in den letzten 50 Jahren werden unter- schiedliche Phasen sichtbar. Dabei wird davon ausgegangen, dass einzelne Ereignisse immer wieder zu einer enormen Veränderung des Softwaremarktes geführt haben. Diese Veränderung erfolgt sukzessive und wird aus diesem Grund selten auf Anhieb wahrgenommen. Während der Übergangsphasen können sich vermehrt neue Marktteilnehmer mit neuer Technologie und ent- sprechenden Geschäftsmodellen konstituieren.6 Im Folgenden werden die fünf Entwicklungsphasen kurz vorgestellt.

- Phase 1 – erste unabhängige Softwaredienstleister entstehen

Die erste Phase dauerte von 1949 bis ca. 1959. Es entstanden die ersten von Hardwarelieferanten unabhängigen Softwaredienstleister, welche individuelle Lösungen für Einzelkunden entwickelten. Die ersten großen Sofwareprojekte in

den USA wurden von Unternehmenskonzernen sowie der Regierung in Auftrag gegeben. Bekannte Sofwareprojekte dieser Zeit waren das Flugreservations- system SABRE von American Airlines sowie das Luftverteidigungsprojekt SA- GE. Das Gros der damals verfügbaren Programmierer wurde in solchen Groß- projekten eingesetzt. In Europa gab es damals keine vergleichbaren Projekte, infolgedessen konnte noch kein Erfahrungswissen und entsprechende Pro- grammierkapazitäten aufgebaut werden.7

- Phase 2 – Software wird ein unabhängiges Produkt

In der zweiten Phase (ca.1959 bis ca. 1969) etablierte sich Software als auto- nomes Produkt. Neben den kundenspezifischen Individuallösungen, die für einzelne Abnehmer konzipiert wurden, kamen standardisierte Softwareproduk- te für einen größeren Abnehmerkreis hinzu. Ferner wurde zu jener Zeit das ers- te Softwarepatent angemeldet, sowie der erste Software-Lizenzvertrag kreiert, bei welchem ausschließlich das Nutzungsrecht der Software auf den Kunden übertragen wurde, das Eigentumsrecht am Programmcode jedoch beim Her- steller blieb. Damit wurde die Grundlage für ein Software-Massengeschäft ge- schaffen, welches neue Formen des Produktmanagements und des Marketings erforderte. Die damals erstellten Softwareprodukte waren aber nur auf den analogen kompatiblen Hardwareplattformen lauffähig. Somit wurde das Soft- waregeschäft in dieser Phase noch sehr stark von den Hardwarelieferanten beeinflusst.8

- Phase 3 – Entkoppelung der Software von der Hardware

In der dritten Phase (ca. 1969 bis ca. 1981) entkoppelte sich das Softwarege- schäft zunehmend vom Hardwaregeschäft. Es entstanden starke, unabhängige Anbieter von Unternehmenslösungen. In diese Zeit fiel die Gründung vieler be- kannter und heute erfolgreicher Softwareunternehmen wie beispielsweise SAP, Oracle und Microsoft. Die Hard- und Software waren aber noch immer sehr kostenintensiv. Daher fand computergestützte Informationsverarbeitung über- wiegend bei großen institutionellen Anbietern statt. Es entstanden aber auch neue Geschäftsmodelle, in denen spezialisierte Unternehmen eigene IT- Infrasrukturen aufbauten und die produzierte Computerleistung externen Kun- den anboten. Das Geschäftsmodell dieser Service-Rechenzentren können als Vorläufer der heutigen Application Service Providing -Modelle gesehen wer- den.9

- Phase 4 – das Software Massengeschäft entsteht

In der vierten Phase (ca. 1981 bis ca. 1994) entwickelte sich das Software- Massengeschäft. Die Entkoppelung und Standardisierung des Betriebssystems ermöglichte, die gleiche Software auf den Systemen von unterschiedlichen Hardwarelieferanten zu implementieren. Das Aufkommen von verhältnismäßig preiswerten Personal Computern (PC) beschleunigte die Nachfrage nach Mas- sensoftwareprodukten. Die Vernetzung der einzelnen lokalen Arbeitsstationen zu einem lokalen Netzwerk (LAN) brachte die kommunikationstechnische Zu- sammenführung auf Abteilungsebene und ermöglichte die geteilte Nutzung von Hardwareressourcen wie Festplattenspeicher, Ausgabengeräte (Drucker, Bea- mer, Plotter). Client/Server-Konzepte bewirkten eine Ablösung der teuren, host- basierten Lösungen. Der PC wurde zum multifunktionalen und individuellen Arbeitsinstrument. Es entstanden immer leistungsfähigere Programmierspra- chen und Werkzeuge für Softwareentwicklung. Zu jener Zeit wurden zahlreiche Software-Kleinunternehmen gegründet, welche branchenorientierte Lösungen konzipierten und diese mit unterschiedlichem Erfolg im Markt vertrieben.10

- Phase 5 – das Internetzeitalter beginnt

Die fünfte Phase begann etwa 1994 und kann als der Anfang des Internetzeit- alters bezeichnet werden. Das Internet, verstanden als Kommunikationsinfra- struktur, entstand schon vor über 35 Jahren als Nachfolger des Advanced Re- search Project Agency (ARPA) – Netzwerkes. Die Gründung der ARPA im Jah- re 1958 war eine Reaktion auf den Sputnik-Start der damaligen UDSSR im Jahre 1957. Sie hatte zum Ziel, eine Führungsrolle der USA in Wissenschaft und Technik auf militärische Problemstellungen zu etablieren. Somit hat das Internet also militärische Wurzeln.11

Vermutlich gab es kein Unternehmen, das den Beginn des Internetzeitalters mehr beeinflusste als Netscape. Das 1994 gegründete Unternehmen entwickel- te einen Webbrowser, dessen graphische Benutzerschnittstelle das Navigieren im Internet maßgeblich vereinfachte. Dadurch wuchs das Unternehmen fast so schnell wie die neue Technologie. Innerhalb von 16 Monaten nach seiner Gründung hatte es weltweit schon 2000 Beschäftigte. Die Geschichte von Net- scape ist kennzeichnend für das neue Tempo der Branche. Die einfach zu be- dienenden graphischen Webbrowser und die Internet-Technologie eröffneten völlig neue Chancen für Softwareapplikationen und Dienstleistungen. Fast täg- lich ergriffen die Unternehmer die Gelegenheit und gründeten neue Unterneh- men. Jedoch war das Internet nicht nur ein Phänomen der Softwareindustrie, auch auf die Telekommunikations- und Unterhaltungsbranche hatte es einen starken Einfluss.12 Aus ökonomischer Perspektive hatte die Entwicklung des Internets im Jahr 2000 seinen vorläufig letzten Höhepunkt. Unzählige börsen- notierte Softwareunternehmen gingen in die Insolvenz oder wurden von ande- ren Unternehmen übernommen. Diese überfällige Konsolidierung war haupt- sächlich auf die kaum vorhandene Standardisierung, das spekulativen Verhal- ten der Anleger und die rasche Abfolge von Technologiewechseln zurückzufüh- ren.13

2.2 Charakteristische Merkmale von Software und des Soft- waremarktes

Software als Wirtschaftsgut und auch der Softwaremarkt haben spezifische Eigenheiten und Charakteristika, die im Folgenden beleuchtet werden.

2.2.1 Software als Wirtschaftsgut

Software ist ein immaterielles Wirtschaftsgut. Der immaterielle Charakter kommt zum Ausdruck, weil Software, im Gegensatz zu physisch existenten Gü- tern, keinem Verschleiß unterliegt.14 Dazu kommt die Besonderheit, dass der Kunde beim Kauf von Software nicht das Produkt, sondern über einen Lizenz- vertrag nur die genau definierten Nutzungsrechte erwirbt. Neben den drei klas- sischen volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren Kapital, Arbeit und Boden wird die Software insbesondere vom Faktor „Wissen“ beeinflusst. Software be- sitzt das Merkmal, dass sie sich nach Belieben reproduzieren und über unbe- grenzte Entfernung zügig verteilen lässt.15 Aus dieser einfachen Kopierbarkeit resultieren Probleme die sowohl die Musik- als auch die Softwareindustrie be- trifft und hier insbesondere jene Anbieter, deren Produkte zur Nutzung nicht oder nur wenig angepasst werden müssen und die auch für private Anwender interessant sind. So werden beispielsweise Office-Anwendungen und Musik CDs häufig illegal kopiert und verbreitet.16 Laut einer Untersuchung von Busi- ness Software Alliance (BSA) waren 2007 rund 38 Prozent der weltweit instal- lierten Softwareprogramme Raubkopien.17 Im heutigen Wirtschaftsleben kön- nen durch den optimalen Einsatz von Software größere strategische Wettbe- werbsvorteile erzielt werden als mit allen anderen Gütern. Software kann ent- scheidend sein für die Funktionalität und Verfügbarkeit von Dienstleistungspro- dukten, die Wettbewerbsfähigkeit von Produktionsprozessen, letztlich für den Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens am Markt.18 Somit besteht der Vor- teil der Software in frühzeitig verfügbarem Wissen der bei rechtzeitiger Imple- mentierung und Nutzung einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten ermöglicht.

2.2.2 Niedrige Markteintrittsbarrieren

Im Gegensatz zur Herstellung von physisch existierenden Industrie- oder Kon- sumgütern sind die Anforderungen an eine Produktionsinfrastruktur für die Er- stellung von Software sehr gering, der entsprechende Kapitalbedarf daher mi- nimal. Es bestehen auch keine rechtlichen Regelungen hinsichtlich beruflicher Qualifikation, minimaler Kapitalausstattung, Zugehörigkeit zu einem Branchen- verband oder Befolgung internationaler Standards. Die Markteintrittsbarrieren sind aus diesem Grunde sehr niedrig. Jeder kann im Prinzip ein Softwareunter- nehmen gründen, Software herstellen und vertreiben. Der Softwaremarkt ist daher charakterisiert durch viele Marktein-, aber auch Marktaustritte, d.h. es besteht eine sehr hohe Fluktuationsrate auf der Anbieterseite. Jedoch besitzen Softwareunternehmen gerade im Wissen der Mitarbeiter ihr wesentliches Kapi- tal. Dies manifestiert sich im Arbeitskräftepotential der Branche das sich durch überdurchschnittliche Mobilität auszeichnet. Die niedrigen Markteintrittsbarrie- ren, die hohen Fluktuationen der Unternehmen am Markt sowie die Mobilität der Mitarbeiter führen letztendlich zu einem extrem hohen Wettbewerb inner- halb der Softwarebranche.19

2.2.3 Geringe variable Produktionskosten

Ein Attribut von Softwareprodukten ist, dass der Fixkostenanteil im Verhältnis zu den gesamten Herstellungskosten fast 100% beträgt und hauptsächlich aus Personalentwicklungskosten besteht. Diese Kosten sind unabhängig von der Anzahl der verkauften Lizenzen und fallen auch an, wenn keine Einheit ver- kauft wird. Der variable Kostenanteil hingegen ist vernachlässigbar, was cha- rakteristisch für alle digitalen Güter ist. Im Gegensatz zum tertiären Sektor, dessen Kostenstruktur durch einen hohen Anteil an variablen Kosten geprägt ist, kann im Softwaregeschäft eine größere Wertschöpfung ohne zusätzlichen Faktoreinsatz erzielt werden. Auch mit einigen Investitions- oder Konsumgü- tern, bei denen die variablen Produktionskosten typischerweise den hauptsäch- lichen Anteil an den gesamten Produktkosten darstellen, sind Softwareprodukte aufgrund der Kostenstruktur nicht vergleichbar. Sind die Entwicklungskosten bei Softwareprodukten einmal gedeckt, der Break Even Point infolgedessen erreicht, so führt jede Umsatzsteigerung zu einer direkten Steigerung des Ge- winns.20

2.2.4 Gesetz des steigenden Grenznutzens

Das Gesetz des steigenden Grenznutzens besagt, dass Softwareprodukte mit einem hohen Marktanteil allein über diesen Vorsprung vor ihren Wettbewerbern eine weitere Verbesserung erreichen, während ein niedriger Marktanteil zu ei- ner Verschlechterung der Marktposition führt. Marktanteilstrends sind demnach selbstverstärkend. Folgende Gründe werden dafür gesehen:21

- Je mehr Anwender das gleiche Softwarepaket verwenden, desto größer wird der Kreis, innerhalb dessen Daten problemlos ausgetauscht werden können. Wenn sich ein Unternehmen somit für ein Softwareprodukt ent- scheidet, welches schon in vielen anderen Firmen im Einsatz ist, können potentielle Schnittstellenprobleme minimiert werden.
- Je länger ein bestimmtes Produkt im Einsatz ist, desto größer wird der Auf- wand beim Wechsel zu einem Konkurrenzprodukt. Die Benutzer müssen bei einem Wechsel neu geschult werden, die Daten können möglicherweise nicht verlustfrei migriert werden.
- Verbraucher und auch große Unternehmen tendieren dazu, sich auf her- kömmliche Marken und marktführende Produkte zu verlassen. Zum einen geben etablierte Marken aufgrund von geringer Fluktuation Investitionssi- cherheit und zum anderen wird die marktführende Position durchaus als Qualitätsurteil gewertet.22

Das Gesetz des steigenden Grenznutzens hat eine unterschiedliche Wir- kungsweise sowohl auf die Marktposition als auch auf die Bedeutung des Marktanteils eines Softwareproduktes. Dieses ist abhängig vom Reifegrad des Gesamtmarktes, in dem der Wettbewerb erfolgt. Die early adopters sind im Software Lebenszyklus23 relativ am Beginn zu finden, sie haben Produktent- scheidungen getroffen und investieren in produktive Installationen. Dabei bilden sich in dieser Phase noch keine Marktführer heraus aber Trends für die Zukunft sind hier schon absehbar. Innerhalb von einem bis eineinhalb Jahren kristalli- sieren sich in der Wachstumsphase zwei, maximal drei marktbeherrschende Produkte bzw. Hersteller heraus. Spätestens in der Reifephase wirken sich die drei oben genannten Phänomene auf den Markt aus. Die Konsequenz daraus ist die Konsolidierung und Verdrängung aller kleineren Anbieter, oft zu einer Fokussierung auf nur noch zwei oder sogar einem dominierendem Produkt.24

2.2.5 Geringe Austauschbarkeit

In Branchen in der die Austauschbarkeit hoch ist, wie beispielsweise der Auto- mobilbranche, wird bei vergleichbarer Funktionalität massiv in Brand- und Imagemarketing investiert. Diese beträchtlichen Investitionen werden in der Softwarebranche nicht getätigt. Inzwischen ist es deutlich aufwändiger und ris- kanter, ein installiertes Softwareprodukt gegen ein Mitbewerberprodukt auszu- tauschen. Diese Aussage gilt vor allem für Unternehmenssoftware, in zuneh- mendem Maße aber auch für Anwendungssoftware. Verantwortlich für die ge- ringe Austauschbarkeit ist, dass sie häufig in Kombination mit eigens im Unter- nehmen entwickelter Software eingesetzt wird. Darüber hinaus wird Software niemals isoliert, sondern immer als integrierter Bestandteil des Unternehmens betrachtet. Diese Faktoren führen dazu, dass Software, die einmal installiert ist und genutzt wird, nur sehr schwer zu verdrängen ist.25

2.3 Arten und Klassifikationen von Software

Im Folgenden sollen unterschiedliche Klassifikationsmöglichkeiten aufgezeigt werden, anhand dessen die Einordnung eines konkreten Softwareproduktes erfolgen kann.

2.3.1 Geschäfts- und Lizenzmodell

In der Literatur werden unterschiedliche Bezeichnungen für die verschiedenen Softwarekategorien verwendet. Infolgedessen werden nur die geläufigsten Li- zenzkategorien kurz vorgestellt. Die ausführliche Beschreibung der Lizenzmo- delle folgt im nächsten Kapitel.

- Public Domain Software

Der Urheber von Software kann die Urheberrechte an seinem Werk der All- gemeinheit zur Verfügung stellen, d.h. es als Public Domain erklären. Der Anwender kann die Software beliebig weiterverbreiten, modifizieren und in nicht freie (proprietäre) Software umwandeln. Jedoch wird der Quellcode in den seltensten Fällen mitgeliefert, so dass Änderungen nicht möglich sind.26

- Freeware

Freewareprodukte zeichnen sich dadurch aus, dass die Hersteller der Soft- ware diese kostenlos den Nutzern überlässt. Somit ist das Weiterverbrei- tungsverbot aufgehoben. Das Urheberrecht verbleibt aber beim Autor, wel- cher die Nutzung von der Einhaltung der entsprechenden Lizenzbedingun- gen abhängig machen kann. Freeware wird ohne Quellcode ausgeliefert, eine Veränderung ist daher nicht möglich respektive nicht erlaubt. Soft- warehersteller vertreiben ihr Produkt oft als Freeware, wenn sie auf Rück- flüsse verzichten, einen strategischen Marktvorteil erhoffen oder die Prioritä- ten anders setzen. Internet Explorer von Microsoft oder der Acrobat Reader von Adobe sind bekannte Beispiele hierfür.27

- Shareware

Als Shareware wird diejenige Software bezeichnet, die zwar vom Hersteller kostenlos vertrieben, aber im Gegensatz zu Freeware das Recht zur kos- tenlosen Nutzung stärker einschränkt. So wird beispielsweise die kostenlo- se Nutzung auf eine zeitliche Dauer beschränkt. In vielen Fällen ist die pri- vate Nutzung kostenlos, während die geschäftliche Nutzung die Bezahlung einer Lizenzgebühr erfordert. Shareware wird oft so abgeändert, dass sie während der Testzeit nur eingeschränkten Funktionsumfang bietet und da- nach ihren Dienst selbstständig einstellt. Bekannte Sharewareprogrammesind beispielsweise WINZIP oder das Zeichenprogramm Paint Shop Pro.28

- Kommerzielle Software

Soll durch die Entwicklung von Software ein Gewinn erwirtschaftet werden, besteht folglich ein kommerzielles Interesse, so handelt es sich um kom- merzielle Software. Der Erlös kann durch Erzielung von Lizenzeinnahmen oder durch Erbringung von Dienstleistungen erwirtschaftet werden. Kom- merzielle Software wird vorwiegend, aber nicht ausschließlich, in der Form von proprietärer Software lizenziert.

- Proprietäre Software

Als proprietäre Software wird herstellerspezifische Software tituliert. Sie ist kostenpflichtig und durch das Urheberrecht geschützt, d.h. das Recht zur Nutzung, Vervielfältigung, Weiterverbreitung und Modifizierung ist abhängig von einer entsprechenden Lizenzerteilung. Dem Hersteller der Software ge- bührt die völlige Kontrolle über das Produkt. Demzufolge kann proprietäre Software als Gegenteil von freier Software charakterisiert werden.29

- Freie Software/ Open Source Software

Der Begriff Freie Software wurde von Richard Stallmann geprägt und ist fol- gendermaßen definiert: „ Freie Software bedeutet die Freiheit des Benut- zers, die Software zu benutzen, zu kopieren, sie zu vertreiben, zu studieren, zu verändern und zu verbessern “.30 Ferner bezieht sich die Freiheit des Be- nutzers auf die Möglichkeit die Software gratis oder gegen Entgelt zu ver- treiben. Allerdings ist die Voraussetzung, dass der Zugang zum Quellcode stets offen zugänglich sein muss.31 Der Begriff Open Source Software ent- stand später und geht auf die Bemühung der Open Source Initiative (OSI) zurück, sich in ihren Werten und Philosophien, die den Ursprung der freien Software geprägt haben, zu unterscheiden. Demnach besteht der wesentli- che Unterschied zwischen den beiden Bewegungen in der Tendenz zur Kommerzialisierung.32 Auf eine genauere Abgrenzung zwischen den zwei verschiedenen Bewegungen wird aufgrund unterschiedlich herrschender Meinungen in dieser Arbeit verzichtet.

Die vorgestellten Lizenzarten lassen sich wie folgt charakterisieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten33

Abb. 1: Lizenzarten im Überblick

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Hang und Hohensohn 2003, S. 10.)

2.3.2 Standard- und Individualsoftware

Unter Standardsoftware werden allgemein Softwareprodukte verstanden, wel- che einerseits am Markt angeboten werden und andererseits bei unterschiedli- chen Kunden für die Erfüllung von gleichen oder ähnlichen Aufgaben einge- setzt werden können. Bei der Individualsoftware, die auch oft als Projektsoft- ware bezeichnet wird, handelt es sich um Software, welche für einen bestimm- ten Aufgabenbereich und für einen bestimmten Kunden entwickelt worden ist. Erfahrungsgemäß wird auf Individualsoftware zurückgegriffen, wenn Standard- software nur minderwertig einer Problemlösung dienlich ist Auf der anderen Seite sprechen allerdings folgende Vorteile für den Einsatz von Standardsoft- ware, wenn dieser nutzbringend ist.34

- Standardsoftware ist vorwiegend die kostengünstigere Lösung, da sich die Entwicklungskosten auf etliche Kunden verteilen.
- Standardsoftware wird am Markt angeboten und ist demzufolge meist schnell verfügbar.
- Bei Standardsoftware erfolgt in der Regel eine bessere Unterstützung der Hersteller. Insbesondere dem Service, wie beispielsweise Wartung, Support sowie Beratung und Schulung wird besondere Beachtung ge- schenkt.
- Die Qualität von Standardsoftware ist normalerweise besser, da Fehler der älteren Versionen stets beseitigt werden.35

Die Standardsoftware bietet zahlreiche Vorteile für den Nutzer, allerdings ist zu berücksichtigen, dass nicht zu vernachlässigende Nachteile vorhanden sind. Diese werden daher im Folgenden kurz erläutert:

- Standardsoftware orientiert sich an die Bedürfnisse verschiedener Kun- den. Das entsprechende Softwareprodukt deckt daher unter Umständen nicht den gesamten Problembereich ab und muss mit großem Aufwand angepasst und individualisier t werden.
- Für sehr spezifische Problemstellungen ist vielfach keine passende Standardsoftware vorhanden.
- Durch den Einsatz von Standardsoftware begibt sich der Nutzer in ein Abhängigkeitsverhältnis zum Hersteller.
- Standardsoftware ist auch für den Wettbewerber fei zugänglich. Die mit dem Einsatz verbundenen Wettbewerbsvorteile können demzufolge von Konkurrenten imitiert werden.36

2.3.3 Business- und Consumersoftware

Ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Business- und Consumersoftware liegt in der unterschiedlichen Zielgruppe begründet. Bei Businesssoftware handelt es sich um ein Produkt, das in hohem Maße an die Bedürfnisse der Unterneh- men angepasst ist. Wobei Consumersoftware sich ausschließlich an den indivi- duellen Endverbraucher richtet und für den Massenmarkt konzipiert ist. In aller Regel handelt es sich hierbei um PC-Software. Die Grenzen zwischen diesen beiden Bereichen sind durchaus fließend, da Produkte für den Endverbrau- chermarkt auch in Unternehmen zum Einsatz kommen. Zu erwähnen hierfür sind Betriebssysteme und Officeprodukte. Jedoch unterscheiden sich die Pro- dukte zum einen in der Preisgestaltung und zum anderen in der Ausstattung. Während PC-Software zum Listenpreis veräußert wird, besteht die Möglichkeit die gleiche Software einem Unternehmen als Mehrplatzlizenz zu einem indivi- duell verhandelten Preis anzubieten. Außerdem ist es üblich die Software dem Endverbrauchermarkt in eingeschränkter Funktionalität und abgewandelter Be- zeichnung zur Verfügung zu stellen. Des Weiteren unterscheiden sich Busi- ness- und Consumersoftware in der Priorisierung ihrer wichtigsten Manage- mentaufgaben. In der Prioritätenliste für Consumersoftware steht an oberster Stelle die Marketingstrategie, gefolgt von der Partnerstrategie und der Frage, ob und zu welchem Zeitpunkt ein Produkt auf dem internationalen Markt ange- boten werden soll. Interessanterweise hat die Partnerstrategie für Business- software höchste Priorität, gefolgt von der Servicestrategie und der Frage, mit welchem Partner eine erfolgreiche Implementierung beim Kunden gewährleistet wird. Die Marketingstrategie folgt erst an dritter Stelle.37

2.4 Die klassischen 4’Ps im Softwaremarketing

Hinsichtlich einer effizienten Kundenbearbeitung werden im Folgenden die In- strumente diskutiert, die einer Erhöhung des akquisitorischen Potentials des Softwareanbieters dienen können.

2.4.1 Produktpolitik

Die Mehrheit der Unternehmen verfolgen das Ziel ihren Gewinn langfristig zu maximieren. In diesem Zusammenhang muss das Angebot ihrer Produkte und Dienstleistungen an die permanent ändernden Bedürfnisse der Nachfrager an- gepasst werden. Dieser Anpassungsprozess kann darin bestehen, neue Pro- dukte zu entwickeln, die Eigenschaften bereits angebotener Produkte zu modi- fizieren sowie das vorhandene Produktprogramm zu straffen.38Somit kann die Produktpolitik auch als „Herz des Marketings“ bezeichnet werden.39

Software ist ein immaterielles und technologisch diffiziles Produkt. Insofern ha- ben die bereits diskutierten Besonderheiten von Software unmittelbare Auswir- kungen auf die Gestaltung von Softwareprodukten und die Produktpolitik. Prin- zipiell sind Eigenschaften und Leistungsmerkmale von Softwareprodukten nur während des Betriebs direkt wahrnehmbar. Deshalb ist es wichtig, den Leis- tungsumfang z.B. über installierte Vorführsysteme verständlich zu machen, so- wie eine detaillierte Dokumentation und Leistungsdarstellung zur Verfügung zu stellen.40

Allerdings haben bei der Vermarktung von Softwareprodukten die Qualitätskri- terien einen besonderen Stellenwert. Unter der Produktqualität wird bei Soft- ware vordergründig die Funktionssicherheit (Zuverlässigkeit), die Leistungsfä- higkeit und die Benutzerfreundlichkeit verstanden. Von diesen Kriterien kommt der Funktionssicherheit eine besondere Bedeutung zu, da ein Ausfall insbe- sondere bei vernetzten Datenverarbeitungsanlagen aufgrund eines Software- fehlers schnell zum Stillstand sämtlicher Arbeitsprozesse eines Unternehmens führen und somit hohe Ausfallkosten verursachen kann.

Die Leistungsfähigkeit einer Software wird gemessen an dem Umfang der Pro- grammfunktionalität, an dem benötigten Hauptspeicherbedarf und an der ma- ximalen Anzahl der zu verarbeitenden Datensätze. Die Benutzerfreundlichkeit einer Software ist eng mit der Leistungsfähigkeit verbunden. Diese beeinflusst unter anderem die Antwortzeiten des Programms im Online- Betrieb und die ergonomische Gestaltung von Bildschirmmasken.41 Die Relevanz der Gestal- tung von Bildschirmmasken resultiert aus der Situation das Datenverarbei- tungssysteme vermehrt von Laien genutzt werden. Des Weiteren ist die Bedie- neroberfläche die einzig sichtbare Komponente des Programms für den An- wender, der somit die Vorzüge des Programms primär über die Bedienerober- fläche beurteilen kann.42

Die marketingpolitische Bedeutsamkeit der Sicherung von Qualitätsfaktoren kann durch die Erlangung eines Zertifikats der Softwareentwicklung gemäß der internationalen Norm ISO 9001 verstärkt werden. Dieser Gütesiegel attestiert einer Softwareunternehmung die Qualitätsfähigkeit, dem Kunden hochwertige Softwareprodukte zu offerieren. Im Vordergrund steht in diesem Zusammen- hang die Qualität des Softwareentwicklungsprozesses mit dem begleitenden Qualitätsmanagement und nicht die Qualität des Einzelproduktes. Softwarean- bieter die im Besitz eines Zertifikats sind, können sie zu werblichen Kampag- nen einsetzen, um sich so auf dem anonymen und intransparenten Software- markt zu profilieren.43

Zudem kann die Softwarewartung als eine Teilkomponente im Leistungsspekt- rum des Softwareanbieters angesehen werden. Entsprechend der Wartung einer Maschine dient die Softwarewartung vorrangig dem Erhalt der Produkti- onsfähigkeit. Allerdings kann im Unterschied zu Maschinen auf diese Weise das Produkt verändert werden, so dass der Begriff „Softwarewartung“ eine ganz neue Dimension erfährt, nämlich die der Produktmodifikation, der Weiter- entwicklung und der Funktionserweiterung. Die Wartung stellt in diesem Zu- sammenhang nicht nur eine Reparaturtätigkeit dar, sondern umfasst des Weiteren auch die Produktänderung.44

Prozentuale Verteilung der Wartungstypen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Verteilung der Wartungstypen

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Curth und Giebel 1989, S. 44.)

Hieraus ist zu erkennen, dass die Weiterentwicklung des gegenwärtigen Sys- tems den Hauptanteil der Wartungsaktivitäten ausmacht.45 Wird davon ausge- gangen, dass bis zu 70% der Softwarebudgets einer Unternehmung für die Wartung vorhandener Programme ausgegeben werden, so wird ihr Stellenwert für den Softwareanbieter deutlich.46 Ferner können durch die Softwarewartung als Instrument des Softwareanbieters folgende positive Auswirkungen ergeben:

- Sie stellt für den Anbieter eine zusätzliche, lukrative Einnahmequelle dar.
- Da der Anbieter bei eventuellen Schwierigkeiten als Problemlöser auf- tritt, wächst das Kundenvertrauen und die Chancen für eventuelle Nach- käufe bei diesem Anbieter steigen.
- Durch die Wartung wird ein Kundenkontakt aufrechterhalten, der sonst im Rahmen der Vertriebsaktivitäten durchgeführt werden müsste.

Zusammengefasst handelt es sich bei der Softwarewartung nicht nur um einen technischen After-Sales-Service, sondern sie besitzt auch einen kommunikati- ven Charakter, der sich mit den Problemen der Kunden auseinandersetzt und somit zu einer höheren Kundenzufriedenheit beiträgt.47

2.4.2 Preispolitik

Die Preispolitik umfasst alle vertraglich fixierten Vereinbarungen über das Ent- gelt des Leistungsangebots, mögliche Rabatte sowie darüber hinausgehende Lieferungs-, Zahlungs- und Kreditbedingungen.48 Ziel der Preispolitik ist es, unter Berücksichtigung der Kosten im Unternehmen und des preispolitischen Verhaltens des Wettbewerbs sowie der Nachfrager, nachhaltig zur Sicherung und Steigerung des Unternehmensgewinns beizutragen.49

Vor dem Hintergrund des Wettbewerbsdrucks durch die Globalisierung und einer stagnierenden Entwicklung des Marktvolumens in differenzierenden Wirt- schaftsbereichen sowie der damit verbundenen Investitionszurückhaltung hat die Bedeutung der Preispolitik in den letzten Jahren insgesamt zugenommen.50 Die Preispolitik muss sowohl mir der Unternehmensstrategie als auch mit der Produktpositionierung im Einklang stehen. Auf diese Weise erfolgt für das Un- ternehmen die Möglichkeit, sich als Technologieführer oder als Nachahmer, als

Nischenanbieter oder als Anbieter eines breiten Technologiespektrums zu posi- tionieren. Abhängig vom Produktlebenszyklus und der Marktreife kann das Produkt ein Instrument sein, um neue Märkte aufzubauen, oder bereits beste- hende abzuschöpfen.51

Nach der Festlegung einer Preisstrategie muss der Softwareanbieter im Rah- men seiner Preispolitik ein Entgelt für seine Software festlegen. Im Folgenden wird zunächst die kostenorientierte, dann die wettbewerbs- und nachfrageori- entierte Preisfindung erläutert.

- kostenorientierte Preisbestimmung

Eine kostenorientierte Preisbestimmung ist eine Kalkulation, sie ist das Instru- ment zur Verbindung von Kostenrechnung und Preisbildung. Ferner eignet sie sich zur Ermittlung von Werten je Leistungseinheit, um sich an einen Preis an- zunähern der am Markt erzielbar ist. In der Softwarebranche führt diese Art der Preisfindung zu den folgenden Schwierigkeiten. Orientiert sich ein Softwarean- bieter an den Kosten, so müssen entsprechende Kalkulationen der Softwareer- stellung zur Verfügung stehen. Dieses allgemeingültige Berechnungsverfahren ist bisher nicht verfügbar, daher praktizieren die Unternehmen die Schätzme- thode.52 Allerdings ergibt sich bei diesen Methoden der Nachteil, dass sie nur bei ähnlich gelagerten Problemstellungen Anwendung finden können. Somit ist die Kalkulation mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, aus denen Budget- überschreitungen bis zu 100% ergeben können.53

- konkurrenzorientierte Preisbestimmung

Eine weitere Möglichkeit der Preisfestsetzung offeriert die konkurrenzorientierte Preisfindung, bei der das Verhalten der Konkurrenten eine signifikante Be- stimmungsgröße darstellt. Da die Preisakzeptanz der Nachfrager in der Haupt- sache von den preislichen Alternativangeboten seitens der Mitbewerber ab- hängt, ist es für einen Anbieter zweckmäßig, den besonderen Fokus auf die Preise seiner Konkurrenten zu richten. In diesem Zusammenhang ist zu beach- ten, dass die Leistungen der jeweiligen Softwareanbieter auch vergleichbar sein müssen.54 Dabei werden die unterschiedlichen Produktfunktionen von Kunden individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen und so ergibt sich der vermarktbare Preis nicht als allgemeingültiger Wert, sondern ist von der Kun- densituation abhängig. Infolgedessen versuchen Softwarehersteller vermehrt mit großen Unternehmen, einen kunden- oder sogar projektspezifischen Preis auszuhandeln. Je mehr Alleinstellungsmerkmale ein Produkt aufweisen kann, die zudem vom Kunden als Zusatznutzen wahrgenommen werden, desto we- niger ist dieser Preis dependent vom Preis des Wettbewerbs.55

- nachfrageorientierte Preisbestimmung

Die bisher beschriebenen Methoden zu Preisfindung sind nicht ausreichend um den optimalen Preis zu bestimmen. Aus Sicht eines Unternehmens dient die kostenorientierte Preisfindung lediglich zur Bestimmung der Preisuntergrenze. Wettbewerbspreise sowie die Reaktionen darauf werden im Rahmen der kon- kurrenzorientierten Preisfindung analysiert. Dabei berücksichtigen beide Me- thoden nicht direkt die Nachfrager und sind aus diesem Grund nur ergänzend einzusetzen. Ausschlaggebend ist die Reaktion der Nachfrager auf differenzier- te Preise. Dadurch wird ermöglicht, dass eine zielführende Prognose über den zukünftigen Absatz, Umsatz und Gewinn erstellt werden kann.56

Dies führt wiederum im Softwarebereich zu diversen Problemen. Um die Preise verschiedener Anbieter vergleichen zu können, muss der Nachfrager über de- ren Leistungen informiert sein. Dies wird durch die besondere Intransparenz des Softwaremarktes beeinträchtigt. Bereits die Immaterialität des Gutes Soft- ware erschwert diesen Leistungsvergleich erheblich. Trotz dieser Probleme kann das nachfrageorientierte Preisbestimmungsprinzip bei der Vermarktung von Consumersoftware angewendet werden. Denn diese Produkte besitzen einen gewissen Verbreitungsgrad, werden in Computer- und Testzeitschriften vorgestellt, getestet und miteinander verglichen. Dem Anwender werden somit die benötigten Marktdaten offeriert.57

[...]


1 Vgl. o.V. 2007a.

2 Vgl. Weiss 2008.

3 Vgl. o.V. 2007b.

4 Vgl. Kittlaus u.a. 2004, S. 21.

5 Vgl. Brügge 2004, S.8.

6 Vgl. Hoch u.a. 2000, S. 281.

7 Vgl. Brügge 2004, S.8.

8 Vgl. Hoch u.a. 2000, S. 284ff.

9 Vgl. Hoch u.a. 2000, S. 286ff.

10 Vgl. ebd. S. 290f.

11 Vgl. Kaul 2001.

12 Vgl. Hoch u.a. 2000, S. 291f.

13 Vgl. Kittlaus u.a. 2004, S. 1.

14 Vgl. Wolle 2005, S. 15.

15 Vgl. Kittlaus u.a. 2004, S. 9.

16 Vgl. Buxmann u.a. 2008, S. 19

17 Vgl. o.V. 2008f.

18 Vgl. Kittlaus u.a. 2004, S. 9.

19 Vgl. Kittlaus u.a. 2004, S. 23.

20 Vgl. ebd. S. 22.

21 Vgl. ebd. S. 28.

22 Vgl. ebd.

23 Ein Software Lebenszyklus beginnt vor der Markteinführung einer Softwarelösung und besteht aus den Phasen Problementstehung, Entwicklungsprozess, Implementierung und Sys- temnutzung. Nach der Ablösung des Systems durch seinen Nachfolger ist der Lebenszyklus abgeschlossen. Vgl. Stickel u.a. 1997, S. 653.

24 Vgl. ebd. S. 29.

25 Vgl. ebd. S. 23f.

26 Vgl. Hang und Hohensohn 2003, S. 7.

27 Vgl. ebd. S. 8.

28 Vgl. ebd. S. 8f.

29 Vgl. ebd. S.9.

30 Stallmannn 2006.

31 Vgl. ebd.

32 Vgl. Stallmann 2007.

33 Quellcode wird selten mitgeliefert.

34 Vgl. Preiß 1992, S. 18ff.

35 Vgl. ebd. S. 20f.

36 Vgl. ebd. S. 20.

37 Vgl. Kittlaus u.a. 2004, S. 18ff.

38 Vgl. Wolle 2005, S. 124.

39 Vgl. Meffert u.a. 2008, S 397.

40 Vgl. Wolle 2005, S. 124.

41 Vgl. Preiß 1992, S. 113.

42 Vgl. Baaken und Launen 1993, S. 129

43 Vgl. ebd. S. 119.

44 Vgl. Curth und Giebel 1989, S. 11.

45 Vgl. Curth und Giebel 1989, S. 44.

46 Vgl. o.V. 2006a.

47 Vgl. Disch 1990, S. 237.

48 Vgl. Meffert u.a. 2008, S. 478.

49 Vgl. Kittlaus u.a. 2004, S. 76.

50 Vgl. Meffert u.a. 2008, S. 481f.

51 Vgl. Kittlaus u.a. 2004, S. 76.

52 Beispiele für die Schätzmethode ist das Analogieverfahren, Kosten pro Einheit Verfahren sowie das Prozentsatzverfahren.

53 Vgl. Baaken und Launen 1993, S. 151.

54 Vgl. Baaken und Launen 1993, S. 152.

55 Vgl. Kittlaus u.a. 2004, S. 81.

56 Vgl. Meffert u.a. 2008, S. 531.

57 Vgl. Baaken und Launen 1993, S. 152.

Details

Seiten
96
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640212729
ISBN (Buch)
9783640212767
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v117873
Institution / Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
1,7
Schlagworte
Eine Analyse Lizenzmanagements ASP-Lösungen Untersuchung Handhabung Lizenzsoftware

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Titel: Eine kritische Analyse des Lizenzmanagements und von ASP-Lösungen anhand einer empirischen Untersuchung zur Handhabung von Lizenzsoftware in deutschen KMU's