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Emotikons als parasprachliche Ausdrucksform in der Online-Kommunikation

Seminararbeit 2008 12 Seiten

Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung, Gegenstand, Methode und Ziel

2 Neue Ausdrucksformen in der Online-Kommunikation
2.1 Allgemeine Zeichen: Symbol, Index und Ikon
2.2 Gedrehte Gesichter: Smileys und Emotikons als Ausdruck von Parasprache in der Online-Kommunikation
2.2.1 Gruppen und Formen von Smileys und Emotikons
2.2.2 Uneindeutigkeit und Fehlinterpretationen von Emotikons

3 Zusammenfassung und Fazit

4 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einführung, Gegenstand, Methode und Ziel

In der populären Sach- und Ratgeberliteratur, aber auch in kultur-kritischen Publikationen wird mitunter die Ansicht vertreten, die Face-to-Face-Kommunikation sei nicht nur die evolutionsbiologisch und kulturellgeschichtlich älteste Form der Humankommunikation, sondern auch die „beste“, „vollständigste“ oder einzig „wahre“. Sobald Technik und Medien zwischen Kommunikanten treten, ist Kommunikation gar nicht mehr oder nur in defizitärer Form möglich, weil die Vielfalt der menschlichen Wahrnehmung auf einen oder wenige menschliche Sinneskanäle reduziert wird. (Beck 2007: 63)

Diese Passage aus einer Publikation des Berliner Kommunikationswissenschaftlers Klaus Beck ist zentraler Bestandteil der Kanalreduktionsthese, die davon ausgeht, dass durch das technische Medium, welches zwischen die Kommunikanten tritt, die menschlichen Sinne (also die audidativen, visuellen, taktilen, olfaktorischen, thermalen und gustatorischen Kanäle) reduziert werden. In der Tat treten sowohl beim Schriftverkehr (Brief, Fax, E-Mail, SMS), als auch bei dem Telefonieren oder beim Kommunizieren über das wenig populäre Bildtelefon gewisse Kanäle in den Hintergrund, andere wiederum in den Vordergrund. Parasprachliche Aspekte, also die Frage nachdem „wie“ etwas gesagt wird, spielen vermeintlich gerade bei der Online-Kommunikation gar keine Rolle: „All forms of communication that aren’t face-to-face necessarily reduce paralinguistic cues“ (Baron 2000: 242). Doch ist deswegen die Kommunikation via Internet weniger erfolgreich?

Vor allem durch das Aufkommen des Internets mit samt seinen neuen Kommunikationsmöglichkeiten wie E-Mail, Chatrooms (inklusive Chat-, User- und Newsgroups, sowie mailing lists etc.), Interessenforen oder Instantmessanger wie ICQ oder MSN entwickelten die Kommunikanten eine Vielzahl von medienspezifischen alternativen Ausdrucksformen.

Diese Arbeit soll die neu durch das Internet aufgekommenen sprachlichen Zeichen genauer definieren und spezifizieren. Im nun folgenden Hauptteil soll zunächst der Terminus Zeichen ganz allgemein erklärt werden. Im Anschluss soll der Übergang zu den onlinespezifischen Zeichen vollzogen werden. Es folgt eine Definition des Begriffs Emotikon, welcher auch neue parasprachliche Ausdrucksformen beinhaltet.

Die Smileys werden in einem weiteren Unterpunkt in vier Gruppen geordnet und anhand eines Beispiels aus dem Smiley-Inventar des Instantmessangers ICQ soll gezeigt werden, welche Möglichkeiten zur Überbrückung parasprachlicher Defizite in der Online-Kommunikation Emotikons bieten – aber auch welche Fehlinterpretation sie zulassen.

Vorangestellte Hypothese dieser Arbeit soll sein, dass die neu verwendeten Zeichen von Benutzern (Usern) jener Plattformen parasprachliche Hinweise aus der Face-to-Face-Kommunikation in der Online-Kommunikation ersetzen können und somit auch „metakommunikativ zum Verständnis einer Aussage beitragen können, also etwa einen Scherz oder Ironie anzeigen können“ (Beck 2007: 65). Im Schlussteil sollen die gewonnenen Erkenntnisse in einem übergeordneten Kontext (Beitrag zur Entkontextualisierung) eingeordnet und im Zusammenhang mit der Kanalreduktionsthese verglichen werden.

2 Neue Ausdrucksformen in der Online-Kommunikation

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wurden mit Aufkommen neuer Kommunikationsformen im Internet und dem gleichzeitigen Wandel des Kommunikationsverhalten der Menschen im Umgang mit dem Personal Computer, der sich allmählich hin zu einem „Interpersonal Computer“ entwickelte (vgl. Höflich 1997: 204), gleichzeitig neue kreative und innovative Wege und Möglichkeiten beschritten, die durch die räumlich-zeitlich unabhängige Kommunikationsform entstandenen Lücken in Bezug auf verbal-sprachliche Zeichen und parasprachliche Ausdrücke zu überbrücken.

2.1 Allgemeine Zeichen: Symbol, Index und Ikon

Kommunikation im Sinne von Semiotik wird als Produktion und Austausch von Zeichen gesehen, deren Bedeutungen in Interaktion zwischen Sender und Empfänger entstehen. Klaus Beck (2007: 22f) unterscheidet mit Verweis auf die Wissenschaftsdisziplin Semiotik drei unterschiedliche Typen von Zeichen:

(1) Ein Anzeichen oder Index ist „ein natürliches Zeichen, ohne dass dahinter eine Absicht zur Kommunikation steht“ (Beck 2007: 22). Als klassisches Beispiel für einen Index dient der Rauch als Anzeichen für Feuer. Dies ist ein natürliches Zeichen, als „ursächliche Folge oder natürliche Begleiterscheinung eines Phänomens“ (ebenda), wohingegen die nun folgenden Zeichentypen künstlich sind:
(2) Ikone oder ikonische Zeichen finden sich in der sozialen Umwelt eines Menschen relativ häufig: Sei es nun in Form eines Fotos wie beispielsweise das Bild eines Flugzeuges, welches man wahrnimmt und versteht, obwohl kein reales Flugzeug vorhanden ist. Auch symbolartige Piktogramme (beispielsweise Zeichen für Notausgänge), oder auch die für die Online-Kommunikation wichtigen Emotikons (alternativ: Emoticons[1] ) zählen zu den ikonischen Zeichen. Letztgenannte sind um 90 Grad gedrehte, dem Menschen nachempfundene Gesichter, die mithilfe der Computertastatur graphisch-minimalistisch dargestellt werden. Ein Ikon ist also „ein künstliches Zeichen, das etwas anderes naturalistisch oder in abstrahierender Form abbildet und intentional verwendet wird“ (Beck 2007: 24).
(3) Als dritter Zeichentyp und als zweites künstliches Signal sind die symbolischen Zeichen zu nennen, die keinerlei (bildhafte) Ähnlichkeit mit dem Signifikant haben müssen und somit deutlich abstrakter zu verstehen sind. Als Beispiel dient hier die Schrift: So hat das Schriftbild „Flugzeug“ keine Ähnlichkeit mit dem real existierenden Flugzeug und gibt keinen Hinweis auf den Gegenstand selbst. „Die Bedeutung ist konventionell festgelegt und muss sozial erlernt werden“ (Beck 2007: 24).

2.2 Gedrehte Gesichter: Smileys und Emotikons als Ausdruck von Parasprache in der Online-Kommunikation

Wie stellt man große Freude, Wut oder Ironie in einer SMS, E-Mail oder im Chatroom dar? Ob diese Frage so rational bewusst gestellt wurde, ist zu bezweifeln. Der Kern der Frage bleibt aber berechtigt. Durch den Wegfall körpergebundener und paralinguistischer Zeichen (hiermit sind in diesem Zusammenhang stimmgebundene Zeichen wie Tonfall, Sprechrhythmus etc. gemeint) entstehen Lücken in den Ausdrucksmöglichkeiten in technisch-vermittelter Kommunikation. Insbesondere wären hierbei medienspezifische Ausdrucksvarianten, als Substitute oder Ergänzungen nicht verfügbarer verbaler und nonverbaler Signale in ihrer Funktion als metakommunikative Hinweise zu nennen. Deren Funktion besteht nicht zuletzt darin, medienbedingte beziehungs- und stimmungsanzeigende Codierergrenzen zu überwinden. Solche metakommunikativen Hinweise deuten auf eine sich ausbildende Parasprache im Kontext technisch vermittelter Kommunikation, die eine Interpretation mehrdeutiger kommunikativer Botschaften unter den Bedingungen medienbedingter Restriktionen ermöglichen soll (Höflich 1996: 88).

[...]


[1] Wortbildung durch Kontraktion der zwei Einzelwörter Emotion (engl: emotion) und Ikon (engl: icon)

Details

Seiten
12
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640215348
ISBN (Buch)
9783640215379
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118367
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Philosophische Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Emotikons Ausdrucksform Online-Kommunikation Interpersonale Kommunikation Medien

Autor

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Titel: Emotikons als parasprachliche Ausdrucksform in der Online-Kommunikation