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Das Höhenfreibad Bad Urach aus der Sicht des Behavior Settings

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 20 Seiten

Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN DES BEHAVIOR SETTINGS

3. GESAMTSYSTEM HÖHENFREIBAD
3.1 GESAMTSYSTEM UND SUBSETTINGS
3.1.2 Kasse
3.1.2 Umkleiden
3.1.3 großes Personalund Sanitärgebäude
3.1.3 Kiosk
3.1.4 50m Schwimmbecken (MZB)
3.1.5 Planschbecken (PB)
3.1.6 Spielplatz
3.1.7 Nichtschwimmerbecken (NSB) und Rutschen
3.1.8 Tischtennisplatten
3.1.9 große Liegewiese
3.1.10 Grillplatz
3.1.11 Beachvolleyballplatz
3.1.12 Technikgebäude
3.2 FUNKTIONSTRÄGER
3.2.1 FAB
3.2.2 Rettungsschwimmer
3.2.3 Feldarbeiter
3.2.4 Kassiererinnen
3.2.5 Auszubildende
3.2.6 Aushilfen

4. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. Einleitung

Befährt man die B 28 aus Richtung Metzingen erreicht man die Stadt Bad Urach, welche sich zwischen zwei Ausläufern der Schwäbischen Alb bettet. Besteigt man nun den Hohenurach erreicht man nach knapp zwanzig Minuten eine alte Burgruine, von der man einen Blick auf das gegenüberliegende Höhenfreibad werfen kann. Der Betrachter wird dabei folgendes sehen können: Ein Schwimmerbecken, ein Planschbecken, ein Nichtschwimmerbecken mit zwei Rutschen, eine große Liegewiese, eine Grillstelle, Umkleiden usw.. Das ganze Bad schmiegt sich dort in den Hang und bietet einen panoramaartigen Blick über das Ermstal.

Der geneigte Betrachter könnte nun folgenden Gedanken fassen: Das Bad gleicht einem abgeschlossenen eigenem Bereich, einer Art System mit verschiedenen Untereinheiten. Wenn ein Bad ein System darstellt, sollte es möglich sein, mittels einem geeignetem Paradigma die jeweiligen Bereiche zu analysieren und auf ihre Funktion zu überprüfen. Des Weiteren sollte es möglich sein, für den so beschriebenen Betriebsablauf Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten. Ein solches Paradigma wäre z.B. die Theorie der einfachen Sozialsysteme nach Luhmann oder die Barkersche Behavior Setting Theorie. Gerade die letzt genannte Theorie bietet hervorragende Werkzeuge Systeme bzw. Settings zu beschreiben.

Eine solche Beschreibung soll diese Arbeit leisten. Der Verfasser dieser Arbeit möchte mit Hilfe des Behavior Setting nach Kaminski versuchen, das Höhenfreibad Bad Urach zu beschreiben. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, welche Subsettings sich definieren lassen, welche Funktionsträger im Bad vorhanden sind und nach welchem Programm das Setting arbeitet.

Das Behavior Setting wurde deshalb gewählt, weil es das Altagsgeschehen in zeitlich abgegrenzten öffentlichen Räumen beschreibt (Kaminski S. 10). All dies ist bei einem Freibad gegeben. Die zeitliche Begrenzung lässt sich zweifach nachweisen: zum einen die Öffnungszeit während einer Saison (z.B. von Mai bis September) oder an einem Tag (z.B. von 6 bis 20 Uhr). Öffentlich ist ein Bad insofern, dass jede Person das Bad aufsuchen kann und die räumliche Begrenzung betrifft das gesamt Freibadgelände, dass in diesem Fall durch eine Umzäunung sichtbar gemacht wurde.

Im folgenden wird das Behavior Setting kurz erläutert und anschließend wird das Hö- henfreibad als ein Behavior Setting mit seinen jeweiligen Unterabschnitten beschrieben.

2. Theoretische Grundlagen des Behavior Settings

Behavior Settings sind geschlossene geordnete und sich selbst regulierende Systeme mit menschlichen und nichtmenschlichen Komponenten (Koch in Kaminski S. 36). Diese interagieren und stellen eine Reihenfolge von Ereignissen her, die als Programm bezeichnet werden können (Koch in Kaminski S. 36). Settings wären demnach überindividuelle Einheiten (Koch in Kaminski S.36; Kruse in Kaminski S. 138/139), die sich selbst kontrollieren:

1. sie rekrutieren Menschen und Objekte für das Setting, damit diese das Programm durchführbar machen (Koch in Kaminski S. 36);
2. sie gestalten Menschen und Objekte so, dass sie den Erfordernissen des Programms gerecht (Koch in Kaminski S. 36) werden;
3. sie entfernen störende Inhabitanten oder Material (Koch in Kaminski S. 36; Kruse in Kaminski S, 139).

Des Weiteren existiert für jedes Setting ein Optimum an menschlichen Komponenten (Koch in Kaminski S. 36; Saup in Kaminski S. 48 ff.). Dies bedeutet, dass ein Behavior Setting eine bestimmte Mindestanzahl an Menschen benötigt bzw. es nur ein bestimmtes Maximum davon verträgt (Koch in Kaminski S. 36)1. Zu dem sind Behavior Settings, bedingt durch die Humankomponenten, auch immer soziale Settings mit sozial normierten Verhaltensbzw. Handlungsmustern (Kruse in Kaminski S.

139). Dies bedeutet, dass das Verhalten von zwei Menschen in ein und demselben Setting eher vergleichbar ist, als das Verhalten eines Menschen in zwei verschiedenen Settings (Kruse in Kaminski S. 139). Anhand der Beschreibungen lassen sich bestimmte Merkmale eines Behavior Settings ableiten (vgl. Koch in Kaminski S. 34- 35):

1. das Setting existiert in der objektiven Realität
2. das Setting ist in Raum und Zeit lokalisierbar
3. das Setting grenzt sich nach außen ab
4. Ort, Zeit und Grenzen sind mit Blick auf einem bestimmten Zweck ausgesucht worden. Sie sind nicht zufällig.
5. Das Setting ist in dem Sinne objektiv, da es unabhängig von individueller Wahrnehmung seiner Inhabitanten oder externer Beobachter existieren kann
6. es besitzt zwei Komponenten:
a. Menschen in verschieden Rollen,
b. Nicht-menschliche Objekte (z.B. Stühle, Wände usw.).
7. Teilnehmer und Objekte bilden eine organisierte und arrangierte Einheit. Sie sind somit strukturbildend.
8. Die Funktion eines Settings entspricht der eines technischen Modells. So können Settings z.B. anbzw. ausgeschaltet werden.
9. Die einzelnen Komponenten sind generell austauschbar. Die Funktionsweise der Settingeinheit wird dadurch nicht beeinflusst.
10. Das Programm der Einheit beeinflusst das Verhalten im System und erhält es. Abweichungen können zur Zerstörung der Behavior Settingeinheit führen2.

Ein Setting erwartet von seinen menschlichen Teilnehmern eine gewisse Angepasstheit, die jedoch in gewissen Handlungsspielräumen eine individuelle Art (Koch in Kaminski S. 36) beinhalten. Des Weiteren gehen die Inhabitanten und das Setting eine Art Symbiose ein, indem sie sich gegenseitig beeinflussen und somit beiderseits Strukturanpassungen auslösen. Das Behavior Setting benötigt Menschen und vis a vis. Zum einen sind Menschen nötig, damit das Programm erfüllt werden kann und zum anderen benötigen Menschen das Setting um ihre Bedürfnisse befriedigen zu können (Koch in Kaminski S. 36). Damit der Mensch solche Programmerfordernisse erfüllen kann, benötigt er ein `internes Programm`. Ein solches `internes Programm` kann auch als Script bezeichnet werden. Diese Scripts spiegeln die jeweiligen Behavior Settings im Individuum wieder und weisen einen setting-spezifischen Verhaltensplan auf (Kruse in Kaminski S. 136). Diese Pläne beinhalten die nötigen Informationen (Verhalten, Kommunikationscodes usw.) um sich in Settings zurecht zu finden (vgl. Kruse in Kaminski S. 137). Fehlen diese Informationen treten Störungen auf, die erst von den Inhabitanten aus dem Weg geräumt werden müssen damit das Setting- Programm erfolgreich ablaufen kann.

Hier stellt sich die Frage, wo man solche Einheiten mit den dazu gehörigen Programmen und Scripts findet. Grundsätzlich sind Behavior Settings Bausteine des Habitats (Koch in Kaminski S. 26). Mit anderen Worten: Sie finden sich in der Lebenswelt des Menschen und beschreiben Orte des alltäglichen Lebens, in denen zielorientiert gehandelt wird (Koch in Kaminski S. 36). Diese Verbundenheit zwischen Handeln und Setting wird auch als synomorphe Beziehung3 bezeichnet (Saup in Kaminski S. 45; Koch in Kaminski S. 34).

Settings, in denen solche synomorphe Beziehungen existieren, wären z.B. eine Frittenbude, ein Restaurant, eine Schule, ein Klassenzimmer, ein fest terminierter Walkingtreff usw.. Diese Settings erwarten bestimmte Verhaltensmuster damit sie funktionieren, d.h. dass in der Frittenbude ein Gast bestellt und der Frittenbudenbesitzer das Gewünschte zubereitet und gegen ein Entgeld heraus gibt. Damit eine Schule funktioniert werden Lehrer, Schüler, Klassenzimmer usw. benötigt.

Unter diesem Gesichtspunkt ist das Bad Uracher Höhenfreibad ein Habitatbaustein, also ein Behavior Setting mit verschiedenen Untereinheiten sog. Subsettings. Das Freibad versorgt verschiedene Bedürfnisse der Inhabitanten, z.B. nach Erholung, nach sportlicher Tätigkeit, nach Lebensunterhalt (Angestellte) usw..

Im folgenden Abschnitt wird das Freibad auf die verschiedenen Behavior Setting Merkmale untersucht. Eingegangen wird dabei auf das Gesamtsystem Freibad mit dem zugehörigen Rahmenprogramm. In einem zweiten Schritt werden die jeweiligen Subsettings genauer beschrieben, welche Programme dort ablaufen und welche Scripts sie verlangen.

3. Gesamtsystem Höhenfreibad

Das Höhenfreibad Bad Urach befindet sich an der nördlichen Auffahrt zur Schwäbischen Alb mit Blick auf das Ermstal. Erbaut wurde das Schwimmbad 1951/52 (Kalmbach, Kling, Röhm S. 7) und 1990 folgte eine

Komplettrenovierung der Anlage (Kalmbach, Kling, Röhm S. 73).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Höhenfreibad Bad Urach

[...]


1 Zur Unterscheidung der drei Zustände führte Barker die Begriffe: Undermanning, Overmanning und Manning ein (Saup in Kaminski S. 48 ff.). Der erste Begriff bezeichnet ein unterbesetztes, der Zweite ein überbesetztes und der Letzte ein optimal besetztes Setting.

2 Das Setting bildet zum Zweck seiner Erhaltung Regulationsprozesse aus. Diese Prozesse beinhalten Ausführungsund Erhaltungsmechanismen sowie sensorische Mechanismen (Koch in Kaminski S. 35)

3 Laut Saup hat sich Barker nicht um eine Spezifizierung und systematischen Darstellung des Sysnomorphiekonzepts bemüht (Saup in Kaminski S. 47)

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640215607
ISBN (Buch)
9783640215768
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118369
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Insitut für Sportwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Höhenfreibad Urach Sicht Behavior Settings Theorien Sportwissenschaft

Autor

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