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Die kulturellen Ursachen von Umweltzerstörung

Sind die historischen Wurzeln der modernen Umweltkrise religiöser Art?

Seminararbeit 2002 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Allgemeines / Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorüberlegungen: Können kulturelle Prädispositionen Umweltverhalten in relevanter Weise beeinflussen?

3. Die christliche Anthropozentrik
3.1 Das Dominium terrae - Gesetz
3.2 Die Verschmelzung christlicher und antiker Naturvorstellungen

4. Die metaphysischen Grundlagen der naturwissenschaftlichen und technischen Naturbeherrschung sowie der modernen Ökonomie
4.1 Das symbolische Feld der „oeconomia naturae“
4. 2 Der Fortschrittoptimismus
4.3 Die Mechanisierung des Weltbildes
4.4 Francis Bacons Programm der Naturbeherrschung
4.5 Die ökonomische Gesellschaftstheorie des Adam Smith

5.Schlussteil

6.Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1. Quellen:
6.2. Sekundärliteratur:

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den kulturellen Ursachen von Umweltzerstörung und stellt in diesen Zusammenhang die Frage, ob die Ursachen des fatalen Umgangs mit der Natur religiöser Art sind.

Eng damit verbunden sind die Fragen, welchen Einfluss die christliche Naturtheologie auf das Entstehen eines anthropozentrischen Weltbildes sowie auf das Entstehen eines Fortschrittoptimismus, der die Wahrnehmung ökologischer Probleme lange Zeit verhinderte, ausübte.

Deshalb wird zunächst untersucht, ob das sog. „Dominum terrae – Gesetz“ des Alten Testaments die Vorraussetzung für ein anthropozentrisches Weltbild bildete.

Danach beschäftigt sich diese Arbeit mit der christlichen Naturtheologie bzw. mit der Verschmelzung antiker und christlicher Naturvorstellungen, da diese die geistesgeschichtliche Wurzeln des Naturbildes der New Science, mit deren Entstehen ein fataler Umgang mit der äußeren Natur eng verbunden ist, bildete.

Da auch der kapitalistischen Ökonomie ein großer Einfluss auf die Zerstörung der Umwelt nachgesagt wird, befasst sich diese Arbeit im 4. Kapitel mit den metaphysischen Grundlagen der naturwissenschaftlichen und technischen Naturbeherrschung sowie der modernen Ökonomie und fragt nach ihren christlichen Hintergründen.

Als bedeutende Vertreter ihrer jeweiligen Disziplin werden Francis Bacon, der Vater der modernen Naturwissenschaften, sowie Adam Smith, der Begründer der klassischen Ökonomie, genauer unter die Lupe genommen.[1]

Zu beachten ist, das es sich bei dieser Arbeit zu einem großen Teil um die Übernahme von theoretischen Konstrukten wissenschaftlicher Arbeiten handelt.

Um die Fragestellung nach den religiösen Ursachen beantworten zu können, muss man sich zunächst einmal mit der Frage beschäftigen, ob kulturelle Prädispositionen das Umweltverhalten der Menschen denn überhaupt in relevanter Weise beeinflussen können?

2. Vorüberlegungen: Können kulturelle Prädispositionen Umweltverhalten in relevanter Weise beeinflussen?

Man kann sicher davon ausgehen, dass Menschen aufgrund spezifischer Interessen handeln. Der Bezug auf Normen erfolgt nur legitimatorisch, im Hinblick auf das Erreichen gesetzter Ziele. Allerdings droht den Akteuren durch Verletzung von Normen Nachteile. Dies kann sie von vornherein von nonkonformen Verhalten abhalten.[2]

Die Systemmerkmale einer Kultur verschmelzen zu einer eigentümlichen Struktur, die dem Neugeborenen als im Prinzip natürliche Gegebenheit entgegentritt. Bei diesen Systemmerkmalen handelt es sich um Regeln, Verhaltensvorschriften und Deutungsmustern, die dazu dienen das Verhältnis der in einer Gesellschaft zusammengefassten Individuen zur äußeren Natur sowie untereinander zu regeln.

Der Mensch wird auf diese Weise von der Kultur, die in diesem Zusammenhang als Subjekt auftritt, sozialisiert. Menschliches Verhalten wird also durch unbewusste, implizierte Regeln gesteuert, die durch Tradition vermittelt werden. Möchte man nun das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt historisch rekonstruieren, muss man als Untersuchungsgegenstand die Kultur und nicht das Individuum nehmen.[3]

Viele Versuche die sich mit den religiösen Ursachen von Umweltzerstörung beschäftigten, sehen in dem „Domina terrae – Gesetz“ des Alten Testaments die Basis für den rücksichtslosen Umgang des Menschen mit der Natur.[4]

3. Die christliche Anthropozentrik

3.1 Das Dominium terrae - Gesetz

Nach dem sogenannten „Dominum terrae – Gesetz“ („Machet euch die Erde untertan“) ist der Mensch Herr über die Natur (Gen. 1, 28; vgl. 1, 26 und 1, 29; auch Psalm 8, 9). Bekanntlich hat das Gebot zwei Seiten. Die bevölkerungspolitische Seite fordert zur Ausbreitung über die ganze Erde aus, das eigentliche Dominum terrae zur umfassenden Nutzung der gesamten Natur. Der ältere, jahwistische Schöpfungsbericht (Gen. 2, 4b – 25), der am Anfang der hebräischen Geschichtsschreibung steht, bindet das Nutzungsrecht des Menschen an die Hege und Pflege der Natur (Gen. 2, 15).[5]

Die Vorraussetzung dieses Auftrages ist es, dass dem Mensch zwar die Erde anvertraut wurde, um aus ihr Erträge zu gewinnen, aber die Herscherrechte untrennbar mit Herscherpflichten verbunden sind. Denn mit „herrschen“ ist die klassische Königsherrschaft gemeint, in der es in Verantwortung des Königs liegt für das Wohlergehen seiner Untertanen zu sorgen. Daher wurde das Gebot in früheren Zeiten als Verantwortung für die Natur interpretiert, z. B diente es im England des 18. Jahrhunderts als Waffe der Tierschützer. Gegen den Anthropozentrismus sprechen sich weitere Texte der Bibel aus: Im Buch Hiob die Kapitel 38 und 39, in der Liedersammlung der Psalm 104, im Buch der Sprüche Vers 10, 12 sowie beim Prediger (3, 19). Die Begründung für die skrupellose Ausbeutung der Natur liegt also nicht im „Dominum terrae“ begründet. Denn Ausbeutung der Erde ist Verachtung des Auftrag Gottes.[6]

Zudem muss man beachten, dass die Beziehung des Menschen zur Natur nicht Thema des Christentums ist und sich daher aus den christlichen Lehren ein widersprüchliches Gesamtbild ergibt.

Bei Augustinus (354 – 430), dem größten christlichen Kirchenvater, taucht beispielsweise der Gedanke auf, das der Abglanz Gottes in der Natur zu finden ist. Auch Franz von Assisi hegte brüderlich – vertrauliche Beziehungen zur Natur, und war mit dieser Auffassung nicht allein im christlichem Volksglauben. Allerdings erkennt man auch bei ihm, ähnlich wie bei Luther, anthropozentrische Gedanken, wenn er zum Beispiel Stechmücken als Verkörperung von Dämonen ansieht.[7]

Möchte man den christlichen Einfluss auf unser Umweltverhalten feststellen muss man sich weg vom „Dominum – terrae – Gesetz“ hin zur christlichen Naturtheologie hin bewegen, da dort die geistesgeschichtlichen Vorbedingungen für die Entwicklung der New Science liegen, mit deren Entstehen im 17. Jahrhundert der fatale Umgang mit der Natur eng verklammert ist.

3.2 Die Verschmelzung christlicher und antiker Naturvorstellungen

In Platons Mythos der Entstehung der Welt erschuf der göttliche Weltbaumeister aus chaotischer Materie Ordnung und gestaltete die Welt nach dem Urbild der Ideen zu einem harmonisch geordneten Kosmos. Der Unterschied zu Aristoteles ist der, dass die Natur als handelndes Subjekt in der Figur des göttlichen Weltbaumeisters auftritt. Diese Vorstellung dominierte noch bis ins 16. Jahrhundert, bevor also die Natur als System mit Regeln und schließlich als komplexe Maschine angesehen wurde. Wichtig ist, dass sowohl bei Aristoteles als auch bei Platon die Natur und menschliches Handeln eine Einheit bilden. Dennoch gab es bei allen Philosophieschulen im Ursprung Anthropozentrismus.

Die Eröffnung einer an Platon orientierten christlichen Naturtheologie war dadurch gegeben, dass man die Platonischen Ideen, also den göttlichen Bauplan Gottes, mit den Gedanken Gottes bei der Schöpfung gleichsetzen konnte.[8]

Bei der Religion Israels stand der Mensch ganz und gar im Mittelpunkt, durch das Christentum wurde dieser hebräische Gedanke dann noch radikalisiert, da Gott in Christus Mensch geworden war.[9]

Die grundlegende Differenz zu den antiken Naturvorstellungen liegt darin, dass die vom Gott der Genesis erschaffene Welt selbst nichts Göttliches ist. Die Entgöttlichung der Welt hat seinen Ursprung demnach in der christlichen Schöpfungsgeschichte.

Dennoch ist nach der Genesis eine positive und eine negative Naturauffassung möglich. Diese beiden konträren Naturauffassungen bildeten seit der Neuzeit dominante Denkmuster. Diese spiegeln sich vor allem in der „design vs. decay – Debatte“ zu Beginn des 17. Jahrhunderts wieder, auf die später noch genauer eingegangen wird.

Festzuhalten bleibt: Die vom jüdisch – christlichen Glauben stark beeinflussten Denkmuster bildeten die weltanschaulichen Vorraussetzung von Theorien in so unterschiedlichen Bereichen wie politischer Philosophie, Ökonomie, Moralphilosophie, Naturwissenschaft und Anthropologie. Sie waren also die metaphysische Basis des Optimismus und Fortschrittsglauben, der sich unauflöslich mit der New Science verband.

[...]


[1] Vgl. Groh, Weltbild, S. 7 – 9;

[2] Vgl. Helbling, Der Einfluss religiöser Vorstellungen, S. 22/23.

[3] Vgl. Sieferle, Universalgeschichtliche Struktur des Umweltproblems, S. 47f.

[4] Vgl. Drewermann, Der tödliche Fortschritt, S71 – 73.

[5] Vgl. Höffe, Moral, S. 198f.; Drewermann, Strukturen des Bösen, S. 365 – 378.

[6] Vgl. Westermann, Theologie des AT, S. 84; Höffe, Moral, S. 200 – 202; Radkau, Natur und Macht, S. 104.

[7] Vgl. Radkau, Natur und Macht, S. 104 und S. 363.

[8] Vgl. Groh, Innenwelt, S. 18f.; Groh, Weltbild, S. 98 – 102.

[9] Vgl. Drewermann, Der tödliche Fortschritt, S. 67 – 78.

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783640216277
ISBN (Buch)
9783640216345
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118402
Institution / Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz) – Historisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Ursache Umweltzerstörung Natur Mensch Umwelt Einführung Umweltgeschichte Neuzeit

Autor

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Titel: Die kulturellen Ursachen von Umweltzerstörung