Lade Inhalt...

Die Frankfurter Schule in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang

©2019 Hausarbeit 14 Seiten

Zusammenfassung

Inwiefern lassen sich die Gedankengänge Adornos und Horkheimers auf die zeitlich zugehörige politische und gesellschaftliche Lage in Deutschland beziehen, um eine Entwicklung der Theorien der Frankfurter Schule darstellen zu können? Die Arbeit soll sich mit drei ausgewählten Texten der Frankfurter Schule beschäftigen und diese in ihren politischen Zusammenhang setzen. Dabei vertrete ich die These, dass sich zwischen der politischen, gesellschaftlichen und sozialen Lage und den soziologischen Gedankengängen Adornos und Horkheimers Zusammenhänge finden lassen.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsstand

3 Methode

4 Theoriedarstellung und Analyse
4.1 Max Horkheimer und Deutschland 1933
4.2 Theodor W. Adorno - Das Fernsehen und die Freizeit

5 Fazit/ Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Auf Grund der §§1 und 3 des Gesetzes über die Einziehung kommunistischen Vermögens vom 26. Mai 1933 - RGB1.I S. 293 - wird das in Frankfurt a.M. befindliche Institut für Sozialforschung beschlagnahmt und zugunsten des Freistaats Preussen eingezogen, da das genannte Institut staatsfeindliche Bestrebungen gefördert hat.1

Mit diesen Worten wird nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten das soziologische Institut an der Frankfurter Universität, gegründet von Max Horkheimer und den anderen Begründern der Frankfurter Schule, geschlossen.2 Die politische Situation Deutschlands beeinflusste damals unmissverständlich die Arbeit der Soziologen. Horkheimer, Adorno und ihre Kollegen flohen vor den Nationalsozialisten ins Exil und konnten ihre Theorien somit nicht ungehindert in Deutschland erstellen, erarbeiten und verbreiten.

Jedoch hatte nicht nur die Regierung Hitlers Einfluss auf den Werdegang der Frankfurter Schule. Ihre Gedankengänge sind nicht ausschließlich von Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt. So beschäftigt sich Adorno in seinem Text „Fernsehen als Ideologie“ mit dem Bereich der Medien und reagiert damit auf die gesellschaftliche Entwicklung hin zur Mediatisierung.3

Die Gedankengänge der Frankfurter Schule beziehen sich somit nicht nur auf eine bestimmte Zeit oder eine bestimmte politische Situation. Sie ziehen sich über mehrere Jahre hindurch, entwickeln sich und berücksichtigen gesellschaftliche Entwicklungen.

Die sich anschließende Arbeit soll sich mit drei ausgewählten Texten der Frankfurter Schule beschäftigen und diese in ihren politischen Zusammenhang setzen. Dabei vertrete ich die These, dass sich zwischen der politischen, gesellschaftlichen und sozialen Lage und den soziologischen Gedankengängen Adornos und Horkheimers Zusammenhänge finden lassen. Betrachtet wird diese These unter folgender Forschungsfrage:

Inwiefern lassen sich die Gedankengänge Adornos und Horkheimers auf die zeitlich zugehörige politische und gesellschaftliche Lage in Deutschland beziehen, um eine Entwicklung der Theorien der Frankfurter Schule darstellen zu können?

2 Forschungsstand

Der von Max Horkheimer geschriebene Text, auf welchen ich mich in dieser Arbeit beziehe, wurde 1933 veröffentlicht. Eine Zeit, in der die politische Situation in Deutschland nicht nur von Politikwissenschaftlern, sondern auch von Historikern und ähnlichen akademisch Wirkenden, untersucht wurde. Am 30. Januar 1933 wird Hitler zum Reichskanzler ernannt.5 Die vorausgehende Weltwirtschaftskrise ebnete den Nationalsozialisten den Weg, indem sie sich als Retter in der Not hinstellten.6 Die zu der Zeit herrschende hohe Arbeitslosigkeit spaltete die Regierung und sorgte letztendlich dafür, dass die Große Koalition 1930 an der Regelung der Arbeitslosenversicherung scheiterte und auseinander brach.7 Dieser Bruch und die sich vorher bereits abzeichnende rechte Tendenz der Politiker sorgten schließlich für die Wahl und die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler.8

Diese hatte schließlich verheerende Folgen. So spürten die Theoretiker der Frankfurter Schule den Antisemitismus am eigenen Leib und waren zur Flucht aus Deutschland gezwungen.9

Die von Adorno verwendeten Texte in dieser Arbeit wurden zu einem späteren Zeitpunkt, bereits nach dem zweiten Weltkrieg verfasst. Somit liegt auch die gesellschaftliche Situation anders. So kam es zu einem erneuten Aufschwung der Medien. Nach Ende des zweiten Weltkriegs waren zunächst nur wenige Presseorgane zugelassen.10 Im Bereich des Fernsehens kam es jedoch zu Entwicklungen, so wurde 1950 die ARD gegründet und 1952 wurde die Ausstrahlungszeit des NWDR auf zwei Stunden erhöht, wodurch das Fernsehen eine ernsthafte Konkurrenz für das Kino wurde.11

Mitunter verdankte das Fernsehen diesen Aufschwung der Tatsache, dass die Menschen schließlich immer mehr freie Zeit zugesprochen bekamen. Diese Entwicklung fasst Adorno in seinem zweiten, hier verwendeten Text ins Auge. Die Freizeit der Menschen unterteilte sich in den Medienkonsum und in variierende Tätigkeiten, zum

Beispiel Sport.12 Natürlich wird das vermehrte Bedürfnis nach Freizeit von der Wirtschaft aufgegriffen und kommerzialisiert. Es ist ein Millionenmarkt.13

Wie dargestellt werden konnte, sind die politischen und gesellschaftlichen Situationen, die sich zu der Zeit der Entstehung der verschiedenen Texte abzeichnen, bereits erforscht und analysiert worden. Aus diesem Grund mache ich es dieser Arbeit zur Aufgabe, nicht allein die sozialen Bedingungen ins Auge zu fassen, sondern diese in Zusammenhang mit den zur gleichen Zeit aufgestellten soziologischen Gedankengängen zu setzen.

3 Methode

Die gewählte Methode für diese Arbeit ist ein Textvergleich. Dabei beziehe ich mich auf die Texte „Materialismus und Metaphysik“ von Max Horkheimer, „Fernsehen als Ideologie“ und „Freizeit“ von Theodor W. Adorno. Diese drei Texte werden in Verbindung zu den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen gesetzt, um im Fazit herausfiltern zu können, inwiefern sich eine gegenseitige Beeinflussung erklären lässt und gegebenenfalls eine Entwicklung dargestellt werden kann.

4 Theoriedarstellung und Analyse

Der folgende Abschnitt stellt die verschiedenen soziologischen Gedankengänge dar und bezieht sie auf die Zeit, in der sie verfasst worden sind.

4.1 Max Horkheimer und Deutschland 1933

„Materialismus und Metaphysik“ erscheint 1933 in der Zeitschrift für Sozialforschung, verfasst von Max Horkheimer und erstmals herausgegeben in Paris.

Horkheimers Grundidee dieser Arbeit liegt darin, dass die Metaphysik dem Materialismus gegenübergestellt wird.14 Dabei betont er, dass das Ziel der Metaphysik, das Aufstellen eines einheitlichen, allgemeinen Systems, unmöglich ist.15 Die Metaphysik beschäftigt sich mit den Fragen des Daseins und dem Zweck der Existenz.16 Die philosophische Wahrheit im Denken wird in der „Selbstbesinnung [...]; [der] Einordnung

Sozialforschung, Reprint: München (Kösel-Verlag) 1970

[...]


1 Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte. Theoretische Entwicklung. Politische

Bedeutung, München, Wien 1986, S. 148

2 Vgl. Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule, S.148f.

3 Vgl. Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule, S.148- 170

4 Vgl. Theodor W. Adorno: Fernsehen als Ideologie (1953), in: Theodor W. Adorno. Gesammelte Schriften. Kulturkritik und Gesellschaft II Band 10.2, Hg. von Rolf Tiedemann, Berlin 2003

5 Vgl. Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule, S.147

6 Vgl. Rudolf Vierhaus: Auswirkungen der Krise um 1930 in Deutschland. Beiträge zu einer historisch­psychologischen Analyse, in : Die Staats- und Wirtschaftskrise des Deutschen Reichs 1929/33, Hg. von Werner Conze und Hans Raupach, Stuttgart 1967, S. 156

7 Vgl. Helga Timm: Die deutsche Sozialpolitik und der Bruch der großen Koalition im März 1930, Düsseldorf 1982, S. 178

8 Vgl. Helga Timm: Die deutsche Sozialpolitik und der Bruch der großen Koalition im März 1930, S.162

9 Vgl. Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule, S.147-170

10 Vgl. Peter Ludes: Medienentwicklungen und Medienkonkurrenz, in: Einführung in die Medienwissenschaft. Entwicklungen und Theorien, Hg. von: Peter Ludes, Berlin 1998, S. 67

11 Vgl. Peter Ludes: Medienentwicklungen und Medienkonkurrenz, S.68

12 Vgl. Joachim Bischoff und Karlheinz Maldaner: Kulturindustrie und Ideologie. Teil 1. Arbeiterkultur. Theorie des Überbaus. Freizeit. Sport, Hamburg 1980, S.202f

13 Vgl. Horst W. Opaschowski et al.: Freizeitwirtschaft, S.3

14 Vgl. Max Horkheimer: Materialismus und Metaphysik (1933), in: Zeitschrift für

15 Vgl. Max Horkheimer: Materialismus und Metaphysik, S.1

16 Vgl. Max Horkheimer: Materialismus und Metaphysik, S.1

Details

Seiten
14
Jahr
2019
ISBN (PDF)
9783346608918
ISBN (Buch)
9783346608925
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Erscheinungsdatum
2022 (März)
Note
1,3
Schlagworte
frankfurter schule zusammenhang
Zurück

Titel: Die Frankfurter Schule in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang