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Arbeitsbedingungen als Stressoren im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Hintergründen

Wenn Arbeit krank macht

©2019 Hausarbeit 19 Seiten

Zusammenfassung

Inwiefern entstehen Arbeitsbedingungen verbunden mit stressbedingten Risiken für die Gesundheit bei Bürokräften im Deutschland des 21. Jahrhunderts im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Hintergründen? Die Arbeit stellt nicht nur den Zusammenhang zwischen Stress am Arbeitsplatz und den gesundheitlichen Folgen dar, sondern stellt auch einen Bezug zur Soziologie her. Dabei werden die von Collins (1994) zusammengefassten vier soziologischen Theorien zu Hilfe genommen, um die Forschungsfrage zu beantworten.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsstand

3 Methode

4 Theoriedarstellung und Analyse
4.1 Conflict Tradition
4.2 Durkheimian Tradition
4.3 Die Rational/ Utilitarian Tradition
4.4 Die Microinteractionist Tradition

5 Fazit/ Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Immer mehr Deutsche klagen über Stress am Arbeitsplatz. In vielen Fällen führt das zu psychischen Erkrankungen.“ (Mielke, 2013).

Aktuelle Statistiken zeigen, dass immer mehr Menschen von psychischen Krankheiten betroffen sind, die sich auf Stress zurückführen lassen. Für die Medizin, sowie für die Psychologie wird es immer wichtiger die Symptome stressbedingter Krankheiten zu erkennen, um diese richtig behandeln zu können.

Äußere Bedingungen, die den Menschen unter Stress setzen, sogenannte Stressoren (Kaluza, 2007), lassen sich auch in der Arbeitswelt finden. Besonders Bürokräfte stehen unter enormen Druck. Dies führt häufig zu psychischen Erkrankungen. Dass die Zahl der durch die Arbeit psychisch Erkrankter in den letzten Jahren angestiegen ist, stellt nicht nur das Gesundheitssystem auf eine Bewährungsprobe. Neben der Herausforderung für Mediziner und Psychologen, die den Auftrag haben Gesundheit zu erhalten und Krankheiten zu behandeln, ist auch die Gesellschaft an sich betroffen (Bradby, 2009). Durch psychische Erkrankungen fallen Arbeitskräfte aus, was der Wirtschaft schadet. Außerdem sorgt die Behandlung der Erkrankten für hohe Kosten bei den Unternehmen, sowie bei der Krankenkasse und dem Steuerzahler (Heyder & Macco, 2010). Noch dazu regt es die Soziologen auf der ganzen Welt an Fragen zu stellen, wieso die Zahl psychisch Erkrankter immer weiter ansteigt und nach gesellschaftlichen Hintergründen zu forschen.

Auf den folgenden Seiten möchte ich nicht nur den Zusammenhang zwischen Stress am Arbeitsplatz und den gesundheitlichen Folgen darstellen, sondern auch einen Bezug zur Soziologie herstellen. Dabei werde ich mir die von R. Collins (1994) zusammengefassten vier soziologischen Theorien zur Hilfe nehmen, um folgende Forschungsfrage zu beantworten:

Inwiefern entstehen Arbeitsbedingungen, verbunden mit stressbedingten Risiken für die Gesundheit, bei Bürokräften, im Deutschland des 21. Jahrhunderts, im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Hintergründen?

Bürokräfte werden im Folgenden auch Arbeitnehmer genannt.

2 Forschungsstand

Das Thema Stress an sich ist bereits sehr gute erforscht. Man kann ganz genau sagen, welche körperlichen Reaktionen bei Stress ablaufen, wodurch Stress überhaupt ausgelöst wird und welche gesundheitlichen Folgen er mit sich ziehen kann. Gesundheit wird dabei nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit definiert, sondern auch durch vorhandene soziale Beziehungen, Glückseligkeit und einem gut funktionierenden Körper (Bradyby, 2009).

Als sogenannte Stressoren werde die äußeren Umwelteinflüsse bezeichnet, die bei einem Menschen eine Stressreaktion auslösen (Kaluza, 2007). Diese Stressoren können ganz unterschiedlicher Natur sein. Zum Beispiel können es körperbedingte Einflüsse, wie beispielsweise Schmerz, die Umwelt selbst in Form von Lärm oder zwischenmenschliche Beziehungen sein (Kaluza, 2007). Die Stressreaktion ist körperlich und funktioniert über komplexe Abläufe im Gehirn, in Verbindung mit verschiedenen Hormonen (Kaluza, 2007). Der ursprüngliche Sinn dieser Stressreaktion ist die Vorbereitung des Körpers auf eine Kampf- oder Fluchtsituation (Kaluza, 2007). Somit ist Stress eigentlich etwas Positives, denn er wirkt aktivierend auf unseren Körper, in dem er beispielsweise den Herz-Kreislauf stimuliert oder die Spannung der Muskeln erhöht (Kaluza, 2007). Wenn auf diese Aktivierung eine Phase der Entspannung folgt, kann Stress zu Leistungssteigerung und erhöhter Produktivität führen (Kaluza, 2007). Mit diesem Zweck schadet Stress weder der psychischen noch der körperlichen Gesundheit des Gestressten.

Schädlich wird Stress erst dann, wenn auf die Aktivierung keine Erholung erfolgen kann (Kaluza, 2007). Durch die fehlende Erholung wird die körperliche Aktivierung chronisch und es kommt zu gesundheitlichen Problemen (Berset, Elfering, Lüthy, Lüthi & Semmer, 2010). Diese Folgen können sich in psychischen Krankheiten, wie beispielsweise Burn-Out, körperlichen Beschwerden, wie ein geschwächtes Immunsystem (Kaluza, 2007) oder in Schlafstörungen äußern (Berset et al., 2010).

Aber nicht nur die Erforschung des Stresses und seine Auswirkungen auf den Körper sind bereits gut erforscht. Auch an der Beziehung Stress und Arbeit wurde in den letzten Jahren viel gearbeitet und geforscht.

Die Hauptstressoren von Arbeitnehmern sind, laut einer Studie von Strach und Dietsche (2017), die Unsicherheit des Arbeitsplatzes und Überforderung. Henkel und Schell (2017) ergänzen diese Liste durch weitere negativ wirkende Arbeitsbedingungen. Dazu zählen beispielsweise Überstunden (Henkel & Schell, 2017). Aber auch schlechtes Verhalten von Kollegen, die Arbeitszeiten oder Diskriminierung (Henkel & Schell, 2017). Des Weiteren gelten auch Routine, niedriges Anforderungsniveau und hohe Aufmerksamkeitsbindung als Stressoren (Oppolzer, 2010). Das bedeutet nicht nur die Arbeitsbedingungen an sich, sondern auch der Arbeitsinhalt mit „qualitativer Unterforderung“ (Oppolzer 2010, S.18) oder „quantitativer Überforderung“ (Oppolzer 2010, S. 18), spielt bei der Stressentwicklung von Arbeitnehmern eine große Rolle.

Da Stress selbst, sowie die Verbindung zur Arbeit bereits sehr gut erforscht ist, möchte ich mich im Folgenden daran wagen zusätzlich noch eine Beziehung zur Gesellschaft herzustellen, um den Bereich Stress und Arbeit vollständig abdecken zu können.

3 Methode

Die gewählte Methode ist die des Theorievergleichs. Dabei werde dievonCollins(1994) zusammengefassten vier soziologischen Traditionen auf stressauslösende Arbeitsbedingungen bezogen, um einen Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Stress am Arbeitsplatz herzustellen. Jede Tradition wird einzeln vorgestellt und anhand dieser die Stressentstehung bei Bürokräften in einen gesellschaftlichen Kontext gesetzt und somit erklärt. Auch sollen die Auswirkungen auf die Gesundheit dargestellt werden. Gleichzeitig wird ein Ausblick ermöglicht, wie in Zukunft negative Einflüsse durch Stress am Arbeitsplatz reduziert werden können.

4 Theoriedarstellung und Analyse

Die folgenden Seiten stellen alle vier von Collins (1994) zusammengefassten soziologischen Theorien dar. Diese Traditionen bestehen auf mehreren Theorien verschiedener Soziologen oder soziologisch Denkender. Dabei werden diese in Zusammenhang mit den Theorien zum Stress am Arbeitsplatz gebracht.

4.1 Conflict Tradition

Die Haupttheoretiker der Conflict Tradition sind Marx, Engels und Weber. Dabei ist die Theorie von Marx der Hauptgedanke der Tradition (Collins, 1994).

Der zentrale Gedanke der Conflict Tradition, ausgearbeitet von Marx und Engels, dreht sich um den Konflikt zwischen verschiedenen sozialen Klassen (Collins, 1994). Wird dieser Konflikt nicht offen ausgetragen, führt das dazu, dass eine Klasse die anderen dominiert (Collins, 1994). Der Konflikt ist zudem die Kraft, die die Gesellschaft in Bewegung hält, also Veränderungen ermöglicht und Stillstand verhindert (Collins, 1994). Das bedeutet ein offen ausgetragener Klassenkonflikt kann das gesellschaftliche System bis hin zu seinem Kern verändern. „Marx's materialism retains Hegel's full historical vision - inevitable contradictions and changes, stages of development, and utopian outcome included.“ (Collins 1994, S. 52). Marx sieht nicht nur eine Veränderung durch den Klassenkonflikt, sondern eine Veränderung hin zu einer besseren Gesellschaft, die einer Utopie gleicht.

Soziale Klassen definiert Marx in einem materialistischen und kapitalistischen Sinn (Collins,1994). Das bedeutet der Mensch selbst versucht immer mehr materielle Dinge zu besitzen und gleichzeitig immer mehr Geld zu verdienen. Dabei sieht er als dominierende Klasse die Landbesitzer, reich an Wohlstand, während die Dominierten die Arbeiter sind, die kaum genug zu essen haben und Schwierigkeiten haben zu überleben (Collins, 1994). Die Ausbeutung durch die Wohlhabenden führt schließlich zu einer Krise (Collins, 1994). Diese durch den Kapitalismus ausgelöste Krise führt, laut Marx, zu Klassenkonflikten, wodurch es zu einer Revolution kommen kann (Collins, 1994).

Engels teilt diesen Gedankenansatz von Marx. „Social classes are economic“ (Collins 1994, S.62). Genauso wie Marx stellt Engels den Hauptgedanken auf, dass sich soziale Klassen aufgrund der ökonomischen und materialistischen Gegebenheiten bilden (Collins, 1994). Dennoch ergänzt er den Definitionsbegriff der sozialen Klassen und sagt, dass sich diese nicht nur durch die Beziehung zum Materiellen, sondern auch durch Beziehungen zu Ideologien und politischen Bereichen definieren (Collins, 1994). Gleichzeitig betont Engels, dass es nicht nur eine Struktur zwischen den Klassen gibt, sondern dieser Grundgedanke auch innerhalb einer Klasse vorhanden ist (Collins, 1994).

Engels teilt die Ansicht von Marx, dass es zwischen den Klassen zu Konflikten kommt, er sieht dabei, genauso wie Marx, den Hauptkonflikt zwischen den Landbesitzern und den Arbeitern (Collins, 1994).

Der letzte wichtige Theoretiker dieser Tradition ist Weber (Collins, 1994). Dieser sagt, dass soziale Klassen sich hauptsächlich durch verschiedene Interessen und Perspektiven auszeichnen (Collins, 1994). Das Ziel dieser Gruppen ist, laut Weber, die Kontrolle über einen bestimmten Markt (zum Beispiel Industrie oder Land) zu gewinnen und somit andere Klassen dominieren zu können (Collins, 1994). Zu guter Letzt führt Weber noch den Begriff der Statusgruppen ein (Collins, 1994). Statusgruppen sind Menschen mit dem gleichen „lifestyle“ (Collins 1994, S.88). Sie teilen die gleiche Lebensweise und interessieren sich für die gleichen Dinge. Die Conflict Tradition wird damit insofern ergänzt, dass nicht nur eine bestimmte Klasse eine andere dominiert, Weber legt fest, dass die Mitglieder dieser, um überhaupt in eine solche Position kommen zu können, auch der gleichen Statusgruppe angehören müssen (Collins, 1994).

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Details

Seiten
19
Jahr
2019
ISBN (PDF)
9783346608857
ISBN (Paperback)
9783346608864
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Erscheinungsdatum
2022 (März)
Note
1,7
Schlagworte
wenn arbeit eine untersuchung arbeitsbedingungen stressoren zusammenhang hintergründen
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Titel: Arbeitsbedingungen als Stressoren im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Hintergründen