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Steigerung der Selbstwirksamkeit im Erwachsenenalter. Prädiktor für förderliches Gesundheitsverhalten

©2022 Hausarbeit 18 Seiten

Zusammenfassung

In dieser Arbeit soll deshalb der Fragestellung nachgegangen werden, welche Quellen für Selbstwirksamkeit es gibt und welche Interventionsmöglichkeiten effektiv sind, um die Selbstwirksamkeit im Erwachsenenalter zu fördern, und ob diese Steigerung der Selbstwirksamkeit positives Gesundheitshandeln zur Folge hat.

Zuallererst soll hierfür die Relevanz für die Psychologie dargestellt und der Begriff der Selbstwirksamkeit definiert werden. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Arbeit von Albert Bandura, der das Konstrukt der Selbstwirksamkeit maßgeblich geprägt hat. Auch bedarf es einer Definition, was unter "förderlichem Gesundheitsverhalten" verstanden wird. In dieser Arbeit wird primär die Erhaltung und Förderung von Gesundheit, und nicht die Heilung von Krankheit betrachtet, also somit eine salutogenetische Sichtweise eingenommen. Auf die Zusammenhänge von Selbstwirksamkeit und Gesundheitshandeln wird in den darauffolgenden Abschnitten eingegangen, sowie die möglichen Quellen von Selbstwirksamkeit dargestellt. Selbstwirksamkeitsfördernde Interventionsmaßnahmen werden im letzten Abschnitt auf Basis der aktuellen Studienlage vorgestellt. Abschließend wird ein Fazit aus den zentralen Ergebnissen gezogen.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärung und Relevanz
2.1 Definition von Selbstwirksamkeit
2.2 Gesundheitsförderliche Verhaltensweisen

3 Die Wirkung von Selbstwirksamkeit auf Gesundheitsverhalten
3.1 Studienlage zu Selbstwirksamkeit und gesundheitsförderlichen Verhaltens weisen
3.2 Studienlage zu Selbstwirksamkeit im Zusammenhang mit anderen gesundheitsbezogenen Faktoren

4 Quellen für Selbstwirksamkeit
4.1 Eigene Erfahrungen
4.2 Stellvertretende Erfahrungen
4.3 Persuasive Botschaften
4.4 Physiologische Reaktionen

5 Interventionen zur Förderung von Selbstwirksamkeit
5.1 Aktive Interventionen
5.2 Passive Interventionen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

“If self-efficacy is lacking, people tend to behave ineffectually, even though they know what to do .” (Bandura, 1982, S.127)

1 Einleitung

Gesundheit ist ein wertvolles Gut mit dem viel Positives assoziiert wird. Wer gesund ist, kann die zahlreichen Anforderungen des Alltags besser bewältigen. Auch wird Gesundheit gedanklich oft mit Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Lebensfreude gleichgesetzt. Während Kinder noch sorgloser mit dieser Thematik umgehen und in der Pubertät sogar oftmals gesundheitsschädliches Verhalten ausprobiert und praktiziert wird, wird spätestens im Erwachsenenalter die vernunftbetonte Stimme immer lauter, die für einen guten Umgang mit diesem kostbaren Gut spricht. Gesundheit gewinnt im Lebenslauf immer stärker an Bedeutung (Rogge, 2020, S.48). Erwachsene suchen gezielt nach Informationen, wie sie ihre Gesundheit erhalten und Krankheit vermeiden können. Gesundheitsbezogene Informationen stehen heutzutage fast überall kostenfrei zur Verfügung. Sowohl im Internet, TV, Radio, aber auch über Printmedien oder Seminare kann sich über gesundheitsförderliche Maßnahmen informiert werden. Diese Informationen zu besitzen, reicht jedoch nicht aus. Das gewonnene Wissen muss angewandt und umgesetzt werden, um sich die positiven präventiven Aspekte zu Nutze zu machen. Warum gelingt dies einigen Menschen sehr leicht und andere schaffen es nicht gesund zu leben oder gesundheitsschädliche Gewohnheiten abzulegen, obwohl doch das richtige Wissen vorhanden ist?

Albert Bandura macht das Fehlen von Selbstwirksamkeit verantwortlich, wenn sich Menschen nicht optimal verhalten. Durch das Beurteilen der eigenen Fähigkeiten durch die persönliche Wahrnehmung der eigenen Selbstwirksamkeit, wird die Motivation und das Handeln beeinflusst (Bandura, 1982, S.122).

In dieser Arbeit soll deshalb der Fragestellung nachgegangen werden, welche Quellen für Selbstwirksamkeit es gibt und welche Interventionsmöglichkeiten effektiv sind, um die Selbstwirksamkeit im Erwachsenenalter zu fördern, und ob diese Steigerung der Selbstwirksamkeit positives Gesundheitshandeln zur Folge hat.

Zuallererst soll hierfür die Relevanz für die Psychologie dargestellt und der Begriff der Selbstwirksamkeit definiert werden. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Arbeit von Albert Bandura, der das Konstrukt der Selbstwirksamkeit maßgeblich geprägt hat. Auch bedarf es einer Definition, was unter „förderlichem Gesundheitsverhalten“ verstanden wird. In dieser Arbeit wird primär die Erhaltung und Förderung von Gesundheit, und nicht die Heilung von Krankheit betrachtet, also somit eine salutogenetische Sichtweise eingenommen. Auf die Zusammenhänge von Selbstwirksamkeit und Gesundheitshandeln wird in den darauffolgenden Abschnitten eingegangen, sowie die möglichen Quellen von Selbstwirksamkeit dargestellt. Selbstwirksamkeitsfördernde Interventionsmaßnahmen werden im letzten Abschnitt auf Basis der aktuellen Studienlage vorgestellt. Abschließend wird ein Fazit aus den zentralen Ergebnissen gezogen.

2 Begriffserklärung und Relevanz

Die Gesundheitspsychologie ist eine empirisch orientierte Wissenschaft, die noch relativ jung ist und es sich zum Ziel gemacht hat, das Erleben und Verhalten von Menschen im Zusammenhang mit Gesundheit zu beschreiben, zu erklären und zu optimieren (Renneberg & Hammelstein, 2006, S.5). Der Aspekt der Entscheidung für eine Verhaltensänderung ist in diesem Teilgebiet der Psychologie von großer Relevanz. Denn ob ein Individuum gesundheitsförderlich handelt oder nicht, ist vor allem eine selbstbestimmte Entscheidung (Kalch, 2019, S.14). Da das Wissen über Präventionsmaßnahmen nicht immer ausreichend ist, dass Menschen ihr Verhalten förderlich verändern, wurde in den 1970er Jahren verstärkt nach den Faktoren und Prozessen zwischen Wissen und Verhalten geforscht. Der Einfluss von Überzeugungen als Prädiktoren für die Herausbildung von Verhalten wurde zunehmend in psychologischen Ansätzen aufgenommen (Bandura, 1982, S.122).

Die Selbstwirksamkeitserwartung wurde hierbei als eine der einflussreichsten Größen gesundheitsbezogener Selbstregulierung identifiziert (Bandura, 2007; de Vries, 2016; Schwarzer, 2008)

2.1 Definition von Selbstwirksamkeit

Der Begriff der Selbstwirksamkeit, im Englischen „self-efficacy“, wurde von Albert Bandura erschaffen und geprägt und ist in seiner einflussreichen sozial-kognitiven Theorie eingebunden (Bodenmann, Perrez & Schär, 2016, 229f). Im Mittelpunkt dieser Theorie stehen kognitive und soziale Einflussfaktoren auf Prozesse des Lernens sowie auf die Produktion und Regulation von Verhalten. Selbstwirksamkeit nimmt nach Bandura eine Schlüsselrolle ein, weil sie auf alle anderen Faktoren im Prozess der Verhaltensproduktion und Verhaltensregulierung Einfluss nimmt (Rammsayer & Weber, 2016, S.97f.).

Bandura (1999, S.28) definiert Selbstwirksamkeit, als den Glauben daran, dass durch das eigene Handeln, das gewünschte Ergebnis erzielt werden kann und charakterisiert sie als den zentralen Mechanismus der menschlichen Handlungsfähigkeit. Er bezieht sich demnach nicht auf eine bestimmte tatsächlich vorhandene Fähigkeit, die eine Person besitzt, sondern die persönliche Wahrnehmung, was mit den eigenen Fähigkeiten erreicht werden kann. Dabei gilt, je höher die eigene Selbstwirksamkeit wahrgenommen wird, umso ausdauernder verfolgen Menschen ihre Ziele, trotz Schwierigkeiten (Bandura, 1999, S.29). Selbstwirksame Menschen neigen dazu, Herausforderungen und Chancen, anstelle von Problemen und Hindernissen zu sehen. Außerdem gelingt es ihnen besser sich selbst zu motivieren (Warner & Schwarzer, 2020, S.606). Die wahrgenommene Selbstwirksamkeit beeinflusst jedoch nicht nur Motivation und Ausdauer bei der Zielerreichung, sondern bestimmt auch maßgeblich den Entscheidungsprozess bei der Zielfindung. Sie bestimmt darüber mit, welche Handlungen und Ziele eine Person wählt und auch welche Anstrengungen dafür unternommen werden, aber auch mit welchem Erfolg sie ihre vorhandenen Kompetenzen realisiert (Rammsayer & Weber, 2016, S.100).

In Gesundheitskontext wird Selbstwirksamkeit von Bandura als wahrgenommene Fähigkeit definiert, „that one can exercise control over one’s health habits“ (Bandura, 2004, S.144). Ein Gedanke eines hoch selbstwirksamen Menschen könnte beispielsweise folgendermaßen lauten: „Ich bin sicher, dass ich eine Zigarette ablehnen kann, wenn andere mich zum Rauchen verführen wollen.“ (Schwarzer & Jerusalem, 2002, S.39).

Zur Messung von Selbstwirksamkeit wird oftmals der „General Self-Efficacy Scale“ herangezogen (Schwarzer & Jerusalem, 1995). Dabei handelt es sich um ein Selbstbeurteilungsverfahren mit 10 Items zur Erfassung von allgemeinen optimistischen Selbstüberzeugungen. Aufgrund der hohen Bedeutsamkeit liegt das Instrument bereits in 33 Sprachen vor (Schwarzer & Jerusalem, 2012). Die Mehrheit der angeführten Studien in dieser Arbeit greift zur Erfassung der Selbstwirksamkeit darauf zurück.

2.2 Gesundheitsförderliche Verhaltensweisen

Die WHO definiert Gesundheit als den „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur [als] das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“ (WHO, 1948, S.1). Aus dieser Definition heraus ergibt sich, dass sämtliche Verhaltensweisen, die dieses Wohlergehen verstärken und Krankheiten vorbeugen, als gesundheitsförderlich gelten können. Ähnlich sieht es auch Myers (2014, S.537), der zur Gesundheitsförderung sämtliche Strategien zur Krankheitsvorbeugung und zur Steigerung des Wohlbefindens zählt.

Obwohl die subjektive Gesundheit eines Menschen stark von der eigenen Vorstellung von Wohlbefinden und der eigenen Bewertung und Beurteilung abhängt, gibt es ungeachtet davon einige generelle, empirisch belegte, gesundheitsförderliche Verhaltensweisen, die allgemein gültig sind. Die Studie „Gesundheit Deutschland aktuell“ (Richter et al., 2021, S.29) zählt hierzu den Verzicht auf Rauchen, risikoarmer Alkoholkonsum, regelmäßige körperliche Aktivität, eine gesunde, pflanzenbasierte Ernährung und das Einhalten eines Körpergewichts im Normalbereich. Gemäß einer Metaanalyse (Loef & Walach, 2012) wird eine Kombination von mindestens vier dieser gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen mit einer Reduktion der Gesamtmortalität um 66% assoziiert. Für die Umsetzung von allen fünf Komponenten wurde gemäß einer Studie aus den USA (Li et al., 2018) eine Verlängerung der Lebenszeit ab dem Alter von 50 Jahren von 14,0 Jahren bei Frauen und 12,2 Jahren bei Männern ermittelt, im Vergleich zu Personen die keine dieser Komponenten eines gesunden Lebensstils umsetzen. Aus diesen Ergebnissen wird ersichtlich, dass diese gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen maßgeblich dazu beitragen können, die Gesundheit zu erhalten und das Risiko zu erkranken oder frühzeitig zu sterben, zu senken. Jedoch erfüllt nur ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung alle fünf dieser gesundheitsfördernden Verhaltensweisen (Richter et al., 2021, S.38). Könnte die Steigerung von Selbstwirksamkeit zur Umsetzung mehr gesundheitsförderlicher Maßnahmen beitragen?

3 Die Wirkung von Selbstwirksamkeit auf Gesundheitsverhalten

Gemäß Bandura (1998, S.623) ist die Selbstwirksamkeit der Schlüsselfaktor der verschiedenen Modellkomponenten der sozial-kognitiven Theorie, da sie direkt auf Motivation und Handlung, als auch indirekt durch die Auswirkung auf die anderen Determinanten, wie Ergebniserwartung, Ziele, und sozio-strukturelle Faktoren, Einfluss nimmt. Sie wird als dominierender Prädiktor beschrieben. “Whatever other factors may serve as guides and motivators, they are rooted in the core belief that one has the power to produce desired changes by one’s actions.” (Bandura, 2004, S.144). Wird eine Änderung gesundheitsbezogener Wahrnehmung, Intention und Verhaltensweisen angestrebt, ist demnach eine hohe Selbstwirksamkeit eine grundlegende Voraussetzung (Bandura, 2004, S.143).

Die Arbeiten Banduras zum Aspekt Selbstwirksamkeit haben die Forschung maßgeblich geprägt und führten dazu, dass Selbstwirksamkeitserwartungen in vielen motivationalen Modellen und Theorien des Gesundheitsverhaltens, wie beispielsweise der Theorie des geplanten Verhaltens, integriert wurden (de Vries, 2016, S.140). Auch in vielen empirischen Studien hat sich die Selbstwirksamkeitserwartung als wichtige Einflussgröße für die Veränderung von gesundheitsrelevantem Verhalten erwiesen (siehe Abschnitt 3.1). Außerdem zeigen empirische Arbeiten, dass Selbstwirksamkeit auch mit anderen gesundheitsbezogenen Faktoren zusammenhängt (siehe Abschnitt 3.2).

3.1 Studienlage zu Selbstwirksamkeit und gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen

Betrachtet man nur die oben angegeben fünf wichtigsten gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen (siehe Abschnitt 2.2), existieren dazu eine Vielzahl von Studien, die einen förderlichen Einfluss von Selbstwirksamkeit bestätigen. Exemplarisch soll hier die Forschungsarbeit von Kaewthummanukul und Brown (2006) hervorgehoben werden, die mehrere Studien miteinander verglichen und Selbstwirksamkeit als den besten Prädiktor für körperliche Bewegung herausgearbeitet haben. Es konnte aufgezeigt werden, dass Selbstwirksamkeit das körperliche Aktivitätsverhalten von gesunden Erwachsenen vorhersagt.

Selbstwirksamkeit moderiert zudem auch langfristige Prozesse der Aufrechterhaltung gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen. Eine Studie von Gutiérrez-Doña, Lippke, Renner, Kwon und Schwarzer (2009) konnte anhand Daten einer Querschnittsstudie aus Costa Rica und einer Längsschnittstudie aus Südkorea nachweisen, dass eine hohe Selbstwirksamkeit mit der Umsetzung von Diätplänen positiv zusammenhängt. Die Intention eine Diät zu planen, wurde von den selbstwirksamen Testpersonen besser in die Tat umgesetzt und die Ernährungsumstellung eher beibehalten als von den Personen mit geringer Selbstwirksamkeit. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie von Barz et al. (2016) zum Zusammenhang von Selbstwirksamkeit und der Steigerung der physischen Aktivität. Interessant ist außerdem, dass beide Studien belegen, dass selbstwirksame Personen die Umsetzung von gesundheitsförderlichem Verhalten besser planen und mehr Zeit in vorbereitende Verhaltensweisen investieren. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass die optimistische Selbstüberzeugung die Ausführung der Planung anregt und diese Planung wiederum die Zielerreichung erleichtert (Gutiérrez-Doña et al., 2009, S.94). Diese Studien bestätigen demnach die Aussage von Bandura, dass sich Selbstwirksamkeit direkt auf Motivation und Handeln auswirkt. Eine Studie zur Raucherentwöhnung konnte jedoch keine Unterschiede in der Initiative feststellen. Die Studie ergab, dass hoch selbstwirksame Teilnehmer den weniger selbstwirksamen zwar nicht in der Initiative überlegen waren, jedoch später mehr Abstinenz erzielten (Satow, Lippke & Schwarzer, 2009).

Ein sehr hohes Level an Selbstwirksamkeit kann jedoch auch negative Auswirkungen haben. Dies zeigte eine Studie von Staring und Breteler (2004) zur Raucherentwöhnung. Es wurde festgestellt, dass Rauchende mit sehr hoher Selbstwirksamkeit, ein höheres Risiko für eine erfolglose Raucherentwöhnung haben als diejenigen, mit lediglich hoher Selbstwirksamkeit. Das optimale Maß an Selbstwirksamkeit liegt gemäß dieser Studie bei 79% des Maximums (Staring & Breteler, 2004, S.866). Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass dies möglicherweise daran liegt, dass Personen mit einer sehr hohen Selbstwirksamkeit ihre Fähigkeiten überschätzen, den Einsatz von Bewältigungsstrategien vernachlässigen und sich auf risikoreichere Situationen einlassen (Staring & Breteler, 2004, S.867).

3.2 Studienlage zu Selbstwirksamkeit im Zusammenhang mit anderen gesundheitsbezogenen Faktoren

Etliche empirische Studien zeigen, dass Selbstwirksamkeit auch mit anderen gesundheitsbezogenen Faktoren zusammenhängt. Personen, die über eine hohe Selbstwirksamkeit verfügen, weisen beispielsweise eine höhere Lebenszufriedenheit auf (Azizli, Atkinson, Baughman & Giammarco, 2015) und besitzen ein höheres allgemeines Wohlbefinden, als Personen mit niedriger Selbstwirksamkeit (de Caroli & Sagone, 2014). Auch verfügen selbstwirksame Personen über eine höhere Stressresistenz (Scholz, Gutiérrez Doña, Sud & Schwarzer, 2002). Sogar für gesundheitsbezogene prosoziale Verhaltensweisen, wie Blutspenden, konnte ein positiver Zusammenhang mit Selbstwirksamkeitserwartungen aufgezeigt werden, wie die Meta-Analyse von Bednall, Bove, Cheetham und Murray (2013) belegt.

4 Quellen für Selbstwirksamkeit

Die Annahme, dass eine ausgeprägte Selbstwirksamkeit eine Voraussetzung für erfolgreiches Gesundheitshandeln ist, veranlasst zu der Frage, wie Selbstwirksamkeit entsteht und ob und wie man sie fördern kann. Während viele Modelle und Theorien kaum erläutern, wie genau Überzeugungen den eigenen Entscheidungsprozess und die Ausbildung von Selbstwirksamkeit beeinflussen, stellt die sozial-kognitive Theorie von Bandura sogar mögliche Quellen für Selbstwirksamkeitserwartungen dar (Bandura, 1977; 1988, 1998).

Bandura (1988, S.284f.) unterscheidet insgesamt zwischen vier grundlegenden Quellen für Selbstwirksamkeitserwartungen. Das sind eigene Erfahrungen („mastery experiences“), stellvertretende Erfahrungen („vicarious experiences“), persuasive Botschaften („social persuasion“) und physiologische Reaktionen („physiological state“). Die Reihenfolge dieser Quellen gibt die Bedeutung für die Ausbildung von Selbstwirksamkeit an.

4.1 Eigene Erfahrungen

Der effektivste Weg die Selbstwirksamkeit zu stärken ist durch „success experiences“ (Bandura, 1988, S.284). Darunter wird erlebter Handlungserfolg verstanden, der auf die eigene Kompetenz zurückgeführt werden kann (Renneberg & Hammelstein, 2006, S.129). Das Wissen, dass eine Situation gemeistert wurde, verschafft die subjektive Gewissheit, dass man über die entsprechende Fähigkeit verfügt. Wenn dabei gewisse Schwierigkeiten und Hindernisse überwunden werden, wird die Selbstwirksamkeit weitaus mehr gestärkt, als wenn Ziele zu leicht erreicht werden (Bandura, 1988, S.284). Durch redundante und ähnliche Erfahrungen wird die Selbstwirksamkeitserwartung zusätzlich gestärkt (Kalch, 2019, S.40). Generell gilt jedoch, Erfolge stärken Selbstwirksamkeit, Misserfolge schwächen sie (Bandura, Adams & Beyer, 1977, S.126).

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Details

Seiten
18
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783346620255
ISBN (Paperback)
9783346620262
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Erscheinungsdatum
2022 (April)
Note
1,0
Schlagworte
Selbstwirksamkeit Prädiktor Gesundheitsverhalten Bandura Gesundheit selbstwirksamkeitsfördernde Interventionen Quellen von Selbstwirksamkeit self-efficacy
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Titel: Steigerung der Selbstwirksamkeit im Erwachsenenalter. Prädiktor für förderliches Gesundheitsverhalten