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Dyskalkulie - Ursachen, Feststellung und Hilfen für Kinder mit Rechenschwäche

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Didaktik - Mathematik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen einer Rechenschwäche
2.1 Der neuropsychologische Ansatz
2.1.1 Störungen in der visuellen und taktilen Wahrnehmung
2.1.2 Störungen in der auditiven Wahrnehmung
2.1.3 Störungen in der taktil- kinästhetischen Wahrnehmung
2.1.4 Soziokulturelle und familiäre Ursachen für Rechenschwäche
2.2 Schulische Ursachen für Rechenschwäche

3. Feststellung einer Rechenschwäche

4. Verschiedene Hilfen für rechenschwache Kinder
4.1 Die Förderarbeit in der Schule
4.2 Die Dyskalkulietherapie
4.3 Elternarbeit als unterstützende Hilfe für das rechenschwache Kind

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unter dem Begriff der Dyskalkulie versteht man eine „Rechenstörung“/ bzw. „Rechenschwäche“, wobei letztere Begriffe von vielen Verfassern synonym verwendet werden. Andere aber ziehen auch den Gebrauch eines der Wörter vor.

Nach der internationalen Klassifikation der WHO wird die Rechenstörung als eine Teilleistungsschwäche angesehen, die aus verschiedenen Ursachen entstehen kann „Diese Störung beinhaltet eine umschriebene Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten“ (DSM-III-R, Beltz-Verlag Weinheim, Basel 1989, 277, zit. n. Ganser, 2001, S.7).

Demnach kann bei einer Rechenstörung eine Intelligenzminderung vorliegen und eine besondere Beschulung nötig sein, muss aber nicht unbedingt. Die Klassifikation klammert andere Faktoren, die zu einer Rechenschwäche führen können, aus.

Rechenschwäche wird auch als „anhaltende Schwierigkeiten im Erfassen rechnerischer Sachverhalte“ (Ortner und Ortner, 1991, S.244 ff. zit. n. Ganser, 2001, S.7) gesehen. Dabei ist der Umgang mit Zahlen und den Rechentechniken gemeint.

Sucht man eine Definition, die sich besonders auf die Form des Unterrichtes bezieht, kann man sagen, dass alle Schüler eine Rechenschwäche haben, „ die einer Förderung jenseits des Standardsunterrichts bedürfen“ (Lorenz, Radatz 1993, S.16 zit. n. Ganser, 2001, S.7).

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Rechenschwäche/ Rechenstörung über eine längere Zeit anhält, den Betroffenen das Folgen des Matheunterrichts sehr erschwert und sich auf das Selbstbewusstsein auswirken kann, so dass letzteres die Schwierigkeit des Begreifens wiederum verstärken kann.

Wie entsteht aber eine Rechenschwäche, woran erkennt man sie, oder wie kann den Kindern, die rechenschwach sind geholfen werden? Darauf wird im Folgenden eingegangen.

2. Ursachen einer Rechenschwäche

Zu der Frage, warum ein Kind eine Rechenschwäche hat, gibt es verschiedene Erklärungsansätze, wobei die Forschung noch nicht so weit ist, antworten zu können, welcher Ansatz nun der zutreffendste ist.

Man geht davon aus, dass vielmehr das Zusammenspiel der Faktoren aus den verschiedenen Bereichen zu verschiedenen Defiziten führt, die eine Rechenschwäche entstehen lassen.

2.1 Der neuropsychologische Ansatz

Die Neuropsychologen gingen zunächst davon aus, dass ein bestimmtes Hirnareal bei Menschen mit einer Rechenschwäche verletzt sei. Dies traf zwar bei manchen Untersuchten zu, jedoch gab es auch Andere, die von einer Rechenschwäche betroffen waren, bei denen keine organische Störung vorlag. (vgl. Nolte, 2000, S.16)

Aus neuropsychologischer Sicht, kann die Fähigkeit zu rechnen erst dann entwickelt sein, wenn verschiedene Wahrnehmungsbereiche gereift sind und auch in Kontakt zueinander stehen, also integriert sind. Dabei handelt es sich um die Bereiche der Motorik, der räumlichen Orientierungsfähigkeit, der auditiven Wahrnehmung, der visuellen Wahrnehmung, der Reaktionsgeschwindigkeit, dem Gedächtnis und der Orientierung in der Zeit. (vgl. Ganser, 2001, S. 9, 10)

2.1.1 Störungen in der visuellen und taktilen Wahrnehmung

Hat ein Kind z.B. Beeinträchtigungen in der visuellen und taktilen Wahrnehmung, wird dadurch eine defizitiäre Auge- Hand- Koordination verursacht. Diese wird aber für die Fähigkeit des Ordnens, Vergleichen und Zählens gebraucht. Das Auge muss z.B. eine Zahl fixieren können, aber gleichzeitig auch zwischen verschiedenen Zahlen hin- und herschwenken können, um eine Menge zu erfassen. Kinder lernen oft auch die Addition anhand von Holzperlenspielen. Auch hier müssen sie zum einen die Perlen schieben und damit auch tasten, zum anderen sie aber auch visuell wahrnehmen. Gelingt ihnen dies nicht, erfüllt das Hilfsmittel bei diesen Kindern nicht seinen Sinn. Rechenschwachen Kindern fehlt die Fähigkeit, Zahlen einzuordnen „Danach beinhaltet jede geistige Repräsentation einer Zahl notwendig eine visuelle Vorstellung im Raum, d.h. Zahlen werden als Elemente in diesem Raum aufgefasst (Lorenz, Radatz 1993 zit. n. Ganser, 2001, S. 10).

Gerade in der ersten Klasse wird noch sehr viel über Handlungen (Beispiel Holzperlenspiel) und Bilddarstellungen im Mathematikunterricht vermittelt. Verhindert dabei eine visuelle- und räumliche Wahrnehmungsschwäche das Verständnis zur Rangordnung von Zahlen, fehlt die Basis für die ersten Rechenaufgaben, wie z.B. das Addieren. (vgl. Radatz und Rickmeyer 1991 zit. n. Kaufmann, 2003, S.34).

Fehlt einem Kind das Verständnis, dass z.B. die Zahl 5 eins mehr als die 4, kann das dazu führen, dass die Addition nicht richtig gelöst werden kann. Wenn dann die Aufgaben im Bereich der Subtraktion beginnen, verdichtet sich in dieser frühen Stufe des Mathematikunterrichtes das Unverständnis des Kindes.

2.1.2 Störungen in der auditiven Wahrnehmung

Leidet das Kind zusätzlich noch unter einer auditiven Wahrnehmungsstörung, wird das Verständnis des Stoffes noch dadurch erschwert, dass das Kind die mündlichen Aufgabenstellungen akustisch nicht verstehen kann. „Eine auditive Diskriminierungsschwäche ermöglicht es Kindern nicht, aus der Fülle von akustischen Stimuli diejenigen zu selektieren, die im jeweiligen Augenblick relevant erscheinen (z.B. Lehrerfrage, Aufruf…)“ (Kaufmann, 2003, S.33). Die Aufträge können auf Grund der auditiven Wahrnehmungsstörung schwer im Gedächtnis behalten werden und so nicht weiter verarbeitet werden. Gerade das Erlernen des „Einmal Eins“ erfolgt oft mündlich und kann so nicht oder nur schwer gespeichert werden. Wenn andere Kinder es oft sehr schnell auswendig gelernt haben, muss ein rechenschwacher Schüler es immer wieder neu herleiten, was viel Anstrengung braucht und wozu in der normalen Schulstunde häufig keine Zeit ist.

2.1.3 Störungen in der taktil- kinästhetischen Wahrnehmung

Kinder brauchen bestimmte Vorraussetzungen, damit sie taktile Reize aufnehmen können und sich so selbst spüren können. Die Entwicklung der taktil- kinästhetischen Wahrnehmung beginnt schon im frühsten Kleinkindalter. Das Kind braucht Begrenzungen, um sich selbst wahrzunehmen und ein Körperschema zu entwickeln „Widerstand wird gesucht, um im Kontakt mit ihm, sich selbst zu spüren (…)Aus diesen ersten sensomotorischen Empfindungen kommt es zu Wahrnehmungen, die in Verbindung mit den Vestibularorganen, (Gleichgewichtsorgan der Innenohren und Nervenkernen im Kleinhirn) die Voraussetzung für ein „ grundlegendes Orientierungssystem“ (Gibson 1982) bilden“ (Milz, 2004, S. 26- 27).

Um sich in der räumlichen Umwelt orientieren zu können und so auch ein Bewusstsein über Grenzen und Richtungen erfahren zu können, bedarf es, dass Kinder die Möglichkeit haben, sich viel zu bewegen „Alle Raumdimensionen (oben/unten, vorne/hinten, links/rechts) können nur durch Bewegungserfahrungen erworben werden“ (Müller, 2004, S.24). Durch verschiedene Bewegungen, wie z.B. auch hüpfen und schaukeln, wird gleichzeitig der Gleichgewichtssinn geschult. Letzterer ist wichtig, damit das Kind neben den Richtungen links und rechts auch das Verhältnis von oben und unten versteht.

Durch die Bewegung und die taktil- kinästhetische Wahrnehmung, einschließend des Vestibulärsystems, verinnerlicht das Kind die Richtungsmöglichkeiten und bildet so einen Orientierungssinn. Durch diese Fähigkeiten wird es dem Kind später leichter fallen, ein Verständnis für den Stellenwert von Zahlen zu erwerben „Auch der sichere Umgang mit den Dimensionen links und rechts ist für die Mathematik entscheidend: Die Arbeitsrichtung hängt davon ab, das Stellenwertsystem ist in einer besonderen Richtung aufgebaut, und Zahlen müssen nach einem bestimmten Muster gelesen werden“ (Müller, 2004, S. 24).

Zusammenfassend kann man aus neuropsychologischer Sicht sagen, dass es für den Erwerb der Kulturtechnik Rechnen wichtig ist, ob die verschiedenen Bereiche der Wahrnehmung vorhanden sind und vor allem ganzheitlich wirken. Wenn z.B. die visuelle Wahrnehmung gut funktioniert, aber dafür die auditive Wahrnehmung nicht hinreichend ausgebildet wurde, kann dies schon zu einer Rechenschwäche führen. Das Kind kann womöglich manche Aufgaben lösen, kommt aber dann mit dem Unterrichtsstoff nicht zurecht, wenn die bildliche Darstellung endet und der Lehrer z.B. die Aufgaben rein mündlich erklärt. (vgl. Kaufmann, 2003, S.33) Wenn das Kind dann auf die auditive Wahrnehmung angewiesen ist, diese aber nicht genügend ausgebildet ist, es sich z.B. nicht ausreichend konzentrieren kann, kann das Ergebnis davon so aussehen, dass das Kind den Anschluss an den Unterrichtsstoff verliert und ohne Förderung auf einer niedrigen Stufe des mathematischen Denkens „hängen bleibt“.

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Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640221769
ISBN (Buch)
9783640230075
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v118931
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Heilpädagogische Fakultät
Note
2,0
Schlagworte
Dyskalkulie Ursachen Feststellung Hilfen Kinder Rechenschwäche Möglichkeiten Förderung

Autor

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Titel: Dyskalkulie - Ursachen, Feststellung und Hilfen für Kinder mit Rechenschwäche