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Verbraucherpolitik aus Sicht der Informationsö̈konomik: Informationsasymmetrien, Marktversagen und Lö̈sungsansätze

Seminararbeit 2006 18 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Informationsasymmetrien und Marktversagen
2.1 Such-, Erfahrungs- und Vertrauensgüter
2.2 Adverse Selektion
2.3 Moral Hazard
2.4 Die besonderen Eigenschaften des Gutes Information

3 Lösungsansätze
3.1 Marktinterne Lösungen
3.2 Garantieregelungen und Haftungsvorschriften
3.3 Qualitätsstandards
3.4 Informationspolitische Maßnahmen

4 Fazit

5 Literatur

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit soll die Verbraucherpolitik aus Sicht der Informationsökonomik untersuchen und beurteilen. Dabei wird zu- nächst der Inhalt der Informationsökonomik dargelegt und die Bedeut- samkeit des Themenfeldes „Verbraucherpolitik“ erläutert. Anschlie- ßend wird aufzeigt, warum und unter welchen Bedingungen ein staatli- ches Eingreifen in den Marktprozess notwendig sein kann. Hierbei spielen vor allem ausgeprägte Informationsasymmetrien eine entschei- dende Rolle. Schließlich werden mögliche Lösungsansätze mit ihren Vor- und Nachteilen diskutiert, bevor am Ende ein Fazit gezogen wird. Zunächst muss kurz verdeutlicht werden, was Informationsökonomik überhaupt beinhaltet. Im Prinzip ist sie nicht als eine Theorie über die Produktion und Verteilung von Information, sondern als eine Weiter- entwicklung der neoklassischen Preis- und Markttheorie anzusehen. Die Informationsökonomik wendet sich dabei vor allem gegen die An- nahme vollständiger Information. Stattdessen werden Informationsun- vollkommenheiten, Unsicherheit, asymmetrische Informationsvertei- lungen und Kosten der Informationsproduktion, -beschaffung und -verbreitung berücksichtigt, was im Endeffekt die Ergebnisse der neo- klassischen Gleichgewichtsanalyse grundlegend in Frage stellt (vgl. Vahrenkamp 1991: 9 f.; s.a. Mitropoulos 1997: 324).

Die Beweislast für verbraucherpolitische Eingriffe in den Marktprozess liegt jedoch beim Staat. Das Primat der Konsumentensouveränität be- sitzt weiter Gültigkeit, weshalb Interventionen des Staates durch den Nachweis von Marktfehlern begründet werden müssen (vgl. Sinn 2003: 282.). Verschiedene Formen von Marktfehler sollen im Folgenden er- läutert werden.

2 Informationsasymmetrien und Marktversagen

2.1 Such-, Erfahrungs- und Vertrauensgüter

Inwiefern sich nun aus den Erweiterungen der neoklassischen Preis- und Markttheorie eine Relevanz für die Verbraucherpolitik ergibt, hat am öffentlichkeitswirksamsten die BSE-Krise verdeutlicht. Denn der Markt für Rindfleisch ist durch eine besonders starke asymmetrische

Informationsverteilung gekennzeichnet. Er wird dabei als Vertrauens- gütermarkt klassifiziert, das heißt als Markt, auf dem Konsumenten un- ter hoher Unsicherheit entscheiden, weil sie relevante Qualitätsaspekte ausgewählter Leistungsbündel entweder gar nicht oder nur durch den Einsatz prohibitiv hoher Kosten bewerten können (vgl. Reisch 2004: 186). Daher gibt es auf Vertrauensgütermärkten einen optimalen Um- fang von Betrug. Dieser ist desto größer, je geringer der Erwartungs- wert des Verlustes künftiger Nachfrage ist, das heißt je geringer die Entdeckungswahrscheinlichkeit des Betruges konkret eingeschätzt wird (vgl. Reisch 2004: 192).

Neben den Vertrauensgütermärkten, bei denen die Informationsasym- metrien am stärksten sind, gibt es Erfahrungsgüter- und Suchgüter- märkte. Bei den Erfahrungsgütern ist die Qualität beim Kauf des Pro- duktes unbekannt, aber sie kann wenigstens durch den Ge- oder Verbrauch ermittelt werden. Bei Suchgütern hingegen ist es relativ problemlos möglich sich zu niedrigen Kosten über wesentliche Quali- tätseigenschaften des Produktes im Vorhinein zu informieren. Solche Güter stellen daher aus verbraucherpolitischer Perspektive kein bedeut- sames Problem dar (vgl. Mitropoulos 1997: 331 f.; s.a. Reisch 2005: 191). Es darf jedoch in diesem Zusammenhang nicht übersehen wer- den, dass eine strikte Dreiteilung nicht immer sinnvoll ist, da sehr viele Güter gleichzeitig in mehr als eine Kategorie fallen. Dies hat damit zu tun, dass das der Unterscheidung zu Grunde liegende Kriterium nicht auf das ganze Gut, sondern auf einzelne Gütereigenschaften abstellt (vgl. Mitropoulos 1997: 333).

Insgesamt sind vor allem Erfahrungs- und Vertrauensgüter bezie- hungsweise Güter, die viele Erfahrungs- und Vertrauensgütereigen- schaften besitzen, als der eigentliche verbraucherpolitische Problembe- reich anzusehen, wobei man zwischen dem Fall der adversen Selektion und dem „Moral Hazard“-Problem unterscheiden kann (vgl. Mitropou- los 1997: 335).

2.2 Adverse Selektion

Bei der adversen Selektion steht die Qualität des Gutes zwar zum Zeit- punkt des Vertragsabschlusses fest, jedoch kann sie vom Nachfrager nicht hinreichend eingeschätzt werden. Dafür haben die Verbraucher aber eine Vorstellung davon, wie hoch die durchschnittliche Qualität des Gutes auf dem Markt ist. Weil die rational handelnden Produzenten die mangelnde Beurteilungsfähigkeit der Verbraucher kennen, geben sie alle vor, die höchste Qualität anzubieten. Daraus folgt, dass die Zah- lungsbereitschaft der Nachfrager höchstens der eines Gutes durch- schnittlicher Qualität entspricht (vgl. Mitropoulos 1997: 335 f.). Dies bedeutet, dass die Anbieter überdurchschnittlicher Qualitäten den Markt verlassen oder die Güte ihrer Produkte vermindern, weil sie die hohe Qualität ihrer Produkte den Konsumenten nicht glaubwürdig ver- mitteln können. Im Endergebnis werden dann nur noch die schlechtes- ten Qualitäten angeboten, sodass sich ein so genanntes „Lemon- Gleichgewicht“ ergibt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass ein scharfer Wettbewerb die qualitätsverdrängende Wirkung des Selek- tionsprozesses verstärkt: Denn je geringer die Gewinnmargen der An- bieter hoher Qualität sind, desto eher werden sie vom Markt verdrängt (vgl. Vahrenkamp 1991: 39 f.). Ein klassisches Beispiel dafür ist der Markt für Gebrauchtwagen. Aber auch beim BSE-Fall trat das Problem auf, weil ein Bauer keinen höheren Preis für sein Fleisch hätte erhalten können, wenn er seine Tiere artgerecht und auf natürliche Weise gehal- ten hätte (vgl. Sinn 2003: 284). Im Extremfall kann es sogar zu einem vollständigen Marktzusammenbruch kommen (vgl. Vahrenkamp 1991: 40).

Des Weiteren ist die adverse Selektion nicht nur für Güter mit Erfah- rungs- und Vertrauenseigenschaften relevant, sondern auch für jene Produkte, die beispielsweise Eigenschaften von Such- und Erfahrungs- gütern vereinen. Wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht, kann es zu Überinvestitionen in sichtbare Qualitätseigenschaften (wie Schönheit) zu Lasten von sehr viel wichtigeren, aber verborgenen Produktmerkma- len (wie Sicherheit oder Lebensdauer) kommen (vgl. Mitropoulos 1997: 336; s.a. Sinn 1989: 82 f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Sinn 1989: 83)

2.3 Moral Hazard

Beim „Moral Hazard“ ergibt sich das Problem daraus, dass die Nach- frager die Qualitätsentscheidungen der Anbieter nicht beobachten kön- nen. Es kann dabei wieder unterstellt werden, dass sich die Nachfrager an der durchschnittlich erwarteten Qualität orientieren. Es ergeben sich nun für die Anbieter Anreize zu verdeckter Qualitätsverschlechterung: Denn ein Produzent kann eine hohe Qualität vortäuschen und durch die Wahl einer geringeren Qualität seinen Gewinn steigern. Dieser Anreiz ist für den Produzenten umso größer, je geringer sein Einfluss auf die erwartete Durchschnittsqualität beziehungsweise je geringer sein Marktanteil ist (vgl. Vahrenkamp 1991: 41). Bei den Auswirkungen des „Moral Hazard“ kommt es nun entscheidend darauf an, welche Eigen- schaften die Güter konkret besitzen. So gibt es bei Such- und Erfah- rungsgütern - im Gegensatz zu Vertrauensgütern - durchaus markten- dogene Anreize für die Anbieter, gewisse Qualitätsstandards zu halten. Diese Anreize bestehen vor allem in der Gefahr der Abwanderung der Nachfrager bei Qualitätsverschlechterung (vgl. Reisch 2004: 192). Im extremsten Fall sinkt die Zahlungsbereitschaft der Nachfrager auf das mit der niedrigstmöglichen Qualität verbundene Niveau, sodass sich wieder ein „Lemon-Gleichgewicht“ oder sogar überhaupt kein Markt ergeben kann (Vahrenkamp 1991: 41).

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Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640225903
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119095
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Ökonomische Bildung
Note
2,0
Schlagworte
Verbraucherpolitik Sicht Informationsö̈konomik Informationsasymmetrien Marktversagen Lö̈sungsansätze Wettbewerbs- Verbraucherpolitik

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