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Unternehmenskulturen globaler Unternehmen

Seminararbeit 2008 16 Seiten

Organisation und Verwaltung - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 ABSTRACT

2 GLOBALISIERUNG
2.1 VOM FERNHANDEL BIS ZUR GLOBALISIERUNG
2.1.1 AUFBAU WELTWEITER VERBINDUNGEN
2.1.2 IMPERIALISMUS, INDUSTRIALISIERUNG UND FREIHANDEL
2.1.3 WELTKAPITALISMUS
2.1.4 NACHKRIEGSZEIT
2.1.5 JAHRHUNDERTWENDE
2.2 DEFINITION

3 UNTERNEHMENSKULTUR
3.1 KULTURBEGRIFF
3.2 MERKMALE DER UNTERNEHMENSKULTUR
3.3 KULTURTYPEN NACH DEAL/KENNEDY
3.4 KULTURTYPEN NACH DOROW

4 BEEINFLUSSUNG UND ENTWICKLUNG DER UNTERNEHMENSKULTUR
4.1 IST EINE UNTERNEHMENSKULTUR ÜBERHAUPT BEEINFLUSSBAR?
4.2 EINFLUSS DER UNTERNEHMENSFÜHRUNG
4.3 GRUNDSÄTZE UND ERFOLGSREZEPTE FÜR EINE KULTURENTWICKLUNG

5 RESÜMEE

6 LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Abstract

Globalisierung[1] ist zum Schlagwort der letzten Jahre geworden. Wissenschaftler und Wirtschaftsfachleute erforschen sowohl die Chancen und Risiken als auch die Auswirkungen auf den Menschen und sein soziales Umfeld. Befürworter und Gegner streiten sich über die positiven und negativen Ausmasse, welche die Globalisierung in den letzten Jahren hervorbrachte.

Nun die Globalisierung ist keine Technologie, die von Ingenieuren erfunden und entwickelt wurde. Vielmehr ist erkennbar, dass in den letzten Jahrzenten der Anstieg des Warenhandels auf dem Weltmarkt sehr stark zu genommen hat. Dieser Anstieg ist zu einem beträchtlichen Teil durch den technologischen Fortschritt der Transportmittel und den vernetzten Kommunikationsmitteln zurückzuführen. Die erwähnten Gegebenheiten, als Mittel zum Zweck einer ökonomischen und global tätigen Entfaltung eines jeden Unternehmens, ergeben auf der einen Seite aus betriebswirtschaftlicher Sicht neues Potenzial, auf der anderen Seite unzählige neue Herausforderungen, die das Unternehmen zu bewältigen hat.

Eine ganz wichtige Herausforderung eines Unternehmens, welche im globalisierten Markt tätig sein will, ist die kulturelle Vielfalt aller Anspruchsträger, die sogenannten Stakeholder[2].

Um sowohl die in Kapitel 4 beschrieben Kernpunkte dieser Arbeit genau untersuchen zu können als auch dem Leser Klarheit über die beiden zentral wichtigen Begriffe Globalisierung und Unternehmenskultur zu verschaffen, bedarf es historisch und wissenschaftlich gesehen einer entsprechenden Herleitung beider Begriffe.

Das Kapitel 2 befasst sich mit dem Begriff Globalisierung. In erster Linie wird der Begriff historisch aufgegriffen. Anschliessend werden die Begriffe Internationalisierung und Globalisierung hergeleitet und definiert.

Das Kapitel 3 befasst sich mit dem Begriff Unternehmenskultur. In diesem Kapitel wird einerseits die Unternehmenskultur definiert und hergeleitet, anderseits werden verschiedene Ansätze von Unternehmenskulturtypen vorund gegenübergestellt.

Das Kapitel 4 befasst sich im Kernpunkt mit den Fragen, inwiefern lässt sich wenn überhaupt, eine Unternehmenskultur in einem globalen Unternehmen entwickeln? Mit welchen Hürden und Herausforderungen muss sich eine Unternehmensführung befassen? Gibt es Grundsätze und Erfolgsrezepte, welche für die Kulturentwicklung in einem Unternehmen angewendet werden können?

2 Globalisierung

2.1 Vom Fernhandel bis zur Globalisierung

Der Begriff Globalisierung wird heutzutage häufiger wie je ein anderer Begriff genutzt. Man kann eigentlich schon sagen, dass der Begriff unsere gegenwärtige Epoche beschreibt. An dieser Stelle stellt sich wohl die Frage, welche historischen Ereignisse und langfristigen Entwicklungen haben den heutigen Zustand überhaupt herbeigeführt? Die Historiker sprachen von Expansionen, der Entstehung der Weltwirtschaft, die Verknüpfung der Kontinente durch grosse Migrationsströme und die Ausweitung internationaler Beziehungen. All diese nicht abschliessend genannten Prozesse, welche über ihre gesamte Dauer natürlich auch nicht krisenfrei verliefen, waren mitunter ein wichtiger Abschnitt zur „globalisierten“ Gegenwart.

Um sich dem Begriff Globalisierung etwas verständlicher zu nähern, können folgende vier Unterteilungen vorgenommen werden[3].

- Bis 1750: Aufbau weltweiter Verbindungen
- 1750-1880: Imperialismus, Industrialisierung und Freihandel
- 1880-1945 Weltkapitalismus
- 1945- 1970 Nachkriegszeit
- Gegenwart Jahrhundertwende

2.1.1 Aufbau weltweiter Verbindungen

Eine grossräumige Integration in diesem Zeitabschnitt kann in drei wesentliche Teilbereiche unterteilt werden. Die erste Form war das sogenannte Grossreich. Hier wurden anfänglich zwangsweise kleinere politische Einheiten zu einem Grossreich zusammengeschlossen. Diese Königtümer, Stadtstaaten oder Stammesföderationen waren im Allgemeinen dadurch gekennzeichnet, dass sie durch eine imperiale Herrschaft, meist einem Kaiser oder Monarchen „regiert“ und durch einen grossräumigen Militärapparat zusammengehalten wurden. Kulturelle Aspekte brachten einen gewissen Zusammenhalt, primär war dieses Grossreich jedoch ein zentralistischer Zwangsverband. Der Zusammenhalt dieser Grossreiche liess sich an der Stärke der militärischen Komponente bemessen. Oft drohte die Eroberung der Randgebiete durch einen aggressiven Nachbarn. Die Grossreiche waren meist autarke Gebilde, die kaum Handel über die Reichsgrenzen hinaus betrieben. Vielmehr wurden die Reichgrenzen durch Militärgewalt erweitert, um an Rohstoffe und sonstige Güter heranzukommen.

Die zweite Form der Integration war die religiöse Ökumene[4] , welches eine viel grössere Verbreitung vorfand als ein politisch-militärischer Verband. Eine Deckungsgleichheit mit einem Grossreich war jedoch durchaus möglich. Eine Ökumene bestand im Allgemeinen aus zahlreichen politischen Einheiten. Der Umgang in diesen Einheiten war keineswegs immer friedlich; der Beweis liefert zweifelslos die europäische Geschichte der Neuzeit. Es gibt zwei wichtige Punkte, die für einen stabilen Zusammenhalt solcher Gebilde waren. Zum einen musste die Mobilität zu den heiligen Zentren - auch über grosse Distanzen - gewährleistet sein (Pilgerschaft), zum anderen brauchte es verbindliche Regeln, die ritueller und lebenspraktischer Art entsprachen. Dieser Pflichtenkatalog war sogar über die geographischen und sprachlichen Grenzen hinweg selbstverständlich.

Eine dritte Form der Integration war die Fernhandelsverbindung. Einzelne Handelslinien wie die Seidenstrassen zwischen China und dem Mittelmeerraum, Handelslinien zwischen den arabischen Halbinseln und Indien schufen dauerhafte Verbindungen zwischen verschiedensten zivilisierten Zentren. Über solche Wege bewegten sich Menschen, Waren, Münzen bis hin zu Ideen. Im Zeitalter der Entdeckungen (15./16. Jahrhundert), wo die führenden Seemächte Portugal, Spanien, Grossbritannien, Frankreich und die Niederlande aktiv den Kolonialismus betrieben, wurden Fernhandelsverbindungen weiter ausgebaut. An dieser Stelle kann man noch keineswegs von kultureller Interaktion sprechen. Die Kolonialmächte entsandten zwar Reisende in alle Welt, die enormes Wissen über Religionen, Sprachen, Sitten und Staatsverfassungen zusammentrugen. Auf der anderen Seite blieb das Interesse seitens Chinas an Europa relativ gering.

2.1.2 Imperialismus, Industrialisierung und Freihandel

Mitte des 18. Jahrhunderts, welches durch die industrielle Revolution geprägt wurde, verzeichnete einen enormen technologischen Fortschritt. Die maschinelle Verarbeitung von Textilien ist nur eine, aber die wohl wichtigste Erscheinung dieser Epoche. Die Textilindustrie konnte enorme Mengen an Textilien zu einem günstigen Preis produzieren. Die Überproduktionen wurden über die bereits bestehenden Handelsnetze der Volkswirtschaften exportiert und verkauft. Mit der Erfindung der Dampfmaschine (James Watt, 1769) wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Segelschifffahrt durch die Dampfschifffahrt abgelöst und ebnete so den Weg für die grossen Frachtverbindungen auf den Weltmeeren. Unter allen Technologien dieser Epoche erzeugte die Telegraphie die dramatischsten Globalisierungseffekte[5]. Kabel lassen sich einfacher verlegen als Eisenbahnstrassen. Die verlegten transatlantischen Seekabel zwischen Europa und den USA erhöhte die Übermittlungsgeschwindigkeit von Informationen um den Faktor 10000.

Mit der Abschaffung von wichtigen Zöllen war ganz Europa um 1870 eine Freihandelszone geworden. In derselben Zeit nahm der Postverkehr rasant zu. Der Zuwachs an Postverkehr per Bahn, einen Rückgang des Portos, sowie der Aufbau moderner Postwesen und die Vereinfachung der grenzüberschreitenden Kommunikation waren die Ursachen dieser neuen Entwicklung.[6]

2.1.3 Weltkapitalismus

Betrachtet man die Zeitachse bis kurz vor den ersten Weltkrieg durch die „Wirtschaftsbrille“, so könnte diese Epoche als die Zeit der Globalisierung betrachtet werden.

Mit der raschen Ausbreitung der Verkehrsund Kommunikationsnetzen sowie den globalen Produktionsketten wurde die Welt zu einem konkurrierenden Interaktionsraum. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, der sich ursächlich um einen europäischen Krieg handelte, nahm die globalwirtschaftliche Interaktion eine abrupte Richtungsänderung.

„Es waren eher die internen Krisen global weniger eingebundender Regionen Europas als die innereuropäischen und noch weniger die kolonialen Konflikte unter den Grossmächten, die den ersten Weltkrieg auslösten.“[7]

Die bis anhin herrschende globale Integration von Kommunikationseinrichtungen, Industrieexporten, ausgehend von Europa, kam faktisch vollständig zum Erliegen. Maschinen und Rohstoffe wurden für die Rüstungsproduktion verwendet. Durch die hohen Kriegskosten und Reparationszahlungen liess sich die Weltwirtschaft nur sehr schwerfällig wieder in Gang setzen.

Ein weiterer Dämpfer erlitt die globale Weltwirtschaft beim New Yorker Börsencrash von 1929. Der Welthandel brach um fast zwei Drittel zwischen 1914 und 1929 ein.

Abschliessend und sehr stark aus der Makroebene betrachtet, kann der Zeitabschnitt des ersten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges als eine Art De-Globalisierung angesehen werden.

2.1.4 Nachkriegszeit

Die USA ging als klarer wirtschaftlicher Sieger aus dem zweiten Weltkrieg hervor. Durch die gewaltigen Kriegsmaterialexporte, während und den Exporten für den Wiederaufbau nach dem Krieg, wuchs die USA zur neuen Wirtschaftsmacht der Nachkriegszeit heran. Nach der Gründung der UNO im Jahre 1945 sollte die politische Weltordnung in gewissermassen auch für eine wirtschaftliche Weltordnung sorgen. Um in Zahlen zu sprechen nahm die Weltwirtschaft zwischen 1948 und 1958 um durchschnittlich 5.1% pro Jahr zu. Die meisten Kanäle weltwirtschaftlicher Vernetzung jedoch, ausser dem Kapitalmarkt, blieben unter staatlicher Regulierung. Besonders stark betroffen war hier die Luftfahrt. Selbst multinationale Konzerne spürten den Einfluss der Staaten. Um die Hürden von hohen Einführzöllen der protektionistisch denkenden Staaten zu umgehen, errichteten die Konzerne Zweigstellen im Ausland, um direkt am Markt produzieren zu können. Die Strukturen und das Knowhow wurden weitgehend von der Muttergesellschaft übernommen. Die Tätigkeit multinationaler Konzerne wurde bis in die späten 60er Jahre durch Zollund Transferbestimmungen geprägt.

„Die multinationalen Konzerne der Gegenwart, die globale Produktionsnetze organisieren, in denen einzelne Produktionsschritte auf die jeweils kostengünstigsten Standorte verteilt werden, sind ein Produkt der Liberalisierung der Warenund Kapitalmärkte seit den 1970er Jahren.“[8]

2.1.5 Jahrhundertwende

Im Anschluss der Liberalisierung der Warenund Kapitalmärkten folgte die Ausweitung der internationalen Handelund Finanzbeziehungen. Aus multinationalen Konzernen, die bis anhin zum grössten Teil zentral geführt waren, wurden transnationale Unternehmungen. Diese verteilten Unternehmen integrierten ihre Produktionen weltweit und operierten auf den jeweiligen Märkten sehr autonom zur Muttergesellschaft. Die Fortschritte der Datenverarbeitungsund Kommunikationsbranche waren mitunter ein entscheidender Faktor für den globalen Aufschwung der Finanzmärkte und die transnationalen Unternehmen. Diese Faktoren summieren sich zu einem neuen Globalisierungsschub. Aus den historisch gezogenen Erkenntnissen könnte jetzt – absolut der Logik entsprechend – abgeleitet werden, dass je weniger staatliche Einflussnahmen und Hemmnisse, je mehr globale Interaktionen sprich Globalisierung ist vorhanden. Erstaunlicherweise sind jene Staaten, die als globale Hauptakteure gelten, solche mit der höchsten Staatsquote[9]. Diese Tatsache kann auf Grund der eigentlichen Kernthematik dieser Arbeit nicht weiter verfolgt werden.

2.2 Definition

Das vorgängige historische Resümee lässt unweigerlich verlauten, dass eine Definition des Begriffs Globalisierung nicht eindeutig ableitbar ist. In den Literaturen werden Begriffe wie die Internationalisierung, Multinationalisierung, Transnationalisierung und Globalisierung teilweise gleichgesetzt oder sind die jeweiligen Entwicklungsschritte bis zur heutigen Globalisierung.

Eine Internationalisierung ist nach der Gruppe von Lissabon primär als „den Austausch von Rohstoffen, Industrieprodukten sowie Dienstleistungen, Geld, Ideen und Menschen zwischen zwei oder mehreren Nationalstaaten“ zu betrachten .[10]

Jean-Paul Thommen fokussiert die Betrachtungsweise auf das Unternehmen selbst und stellt eine Internationalisierungsstrategie („Export ‹ Lizenzvergabe ‹ Franchising ‹ Joint Venture ‹ Auslandniederlassung ‹ Tochtergesellschaft“) auf, welche den Übergang von der Internationalisierung zur Multinationalisierung verknüpft. Primär unterscheidet Jean-Paul Thommen von einem internationalen zu einem multinationalen Unternehmen, das keine Grenzen zwischen Leistungserstellung und Leistungsverwertung kennt. Eine erhöhte Internationalisierung ist ebenfalls erkennbar, sobald die erbrachten Managementund Kapitalleistungen im Stammland kleiner werden.[11]

Folgende Definition, die im Allgemeinen allen wissenschaftlichen Erklärungstheorien zum Begriff Globalisierung gerecht wird, kann für den Begriff Globalisierung formuliert werden:

„Globalisierung ist die Reorganisation und Veränderung sämtlicher Wertschöpfungsketten in den Bereichen der Gesellschaft, der Politik, der Umwelt, der Wirtschaft und den Religionen.“

Die nachfolgende Abbildung visualisiert die Globalisierung unserer Umwelt, anhand von Ebenen und Elementen.

[...]


[1] Schlagwort des Jahres 1996 Gesellschaft für deutsche Sprache

[2] Person oder Gruppierung, welche die Interessen der Unternehmung wahrnimmt.

[3] (Osterhammel, 2003)

[4] (Osterhammel, 2003)

[5] (Osterhammel, 2003 S. 54)

[6] (Headrick, 2000 S. 198-193)

[7] (Osterhammel, 2003 S. 75)

[8] (Osterhammel, 2003 S. 98)

[9] (EFV, 2008 S. 1)

[10] (Gruppe von Lissabon, 1997 S. 44)

[11] (Thommen, 2004 S. 93-94)

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640229796
ISBN (Buch)
9783640231232
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v119847
Note
5.3
Schlagworte
Unternehmenskulturen Unternehmen Verteilte Organisationen

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